MzeekenyaThemenstarter527 Beiträge · seit 201307. März 2018 · #1
Im Gegensatz zu den 90er-Jahren ist Kenia keine touristische Topdestination mehr. Die Besucherzahlen sind drastisch zusammen gebrochen, dafür steigen die Preise und die Inflation in ungeahnte Höhen. Das wiederum führt dazu, dass die Armen fast täglich ärmer und viele von ihnen kriminell werden. Die Schweizer Zeitung "BLICK" hat heute über einen Überfall auf ein Schweizer Ehepaar an der Küste - mit Todesfolge - berichtet.
Lieber Mzee, Hmmm, ich frage mich was Du mit diesem Post bezwecken willst? Noch mehr Menschen vom Tourismus in Kenya abhalten? Die Angst schüren? Oder einfach eine (evtl. berechtigte) Trauerfahne hissen? Irgendwie erschließt sich mir der Sinn nicht. Wer geplant hatte, dieses immer noch sehr schöne Land zu bereisten, wird möglicherweise nun vom Schrecken gepackt sein. Es hilft auch Kenyas Tourismus und damit seiner Wirtschaft nicht, wenn man solche (in der Tat schlimme) Geschichten so isoliert darstellt. Kannst Du mir auf die Sprünge helfen? Was da geschehen ist, ist zweifelsohne furchtbar. Das gibt es in Kenya aber schon seit vielen Jahrzehnten. Dass die "einstige Perle Afrikas" schon lange mit vielen andere Problemen kämpft, ist nicht neu. Furchtbare Überfälle gab es schon in den 80er Jahren, es gab Serien von Car Hijacking (damals war ich gerade 18 und öfter alleine mit dem Auto in Nairobi unterwegs), Serien von Überfällen auf Touristenbusse (und das ist nicht immer schlimmer geworden - es gab Zeiten, da war es schlimm, und dann wurde es wieder besser), und Überfälle auf private Wohnungen schon immer. Ich fand das auch immer alles andere als lustig, und wir haben in 20 Jahren Kenya mehr als genug unschönes davon mitbekommen. Düstere Wolken gab es über diesem Paradies schon immer. Auch verändert sich die Natur - und ja, ich war schockiert, als wir vor 5 Jahren mal wieder im Nakuru Park waren, v.a. aber weil der einst weltgrößte Bestand der Euphorbien völlig abgebrannt war. Aber das hier eingestellte Bild vermittelt ja, es wäre nichts mehr von der Schönheit übrig geblieben - das stimmt so einfach nicht! Die gesamte Welt ist im Wandel - und war es schon immer. Kenya ist für mich immer noch eines der besondersten Länder der Welt - mit seinen facettenreichen Menschen und seiner so vielfältigen wunderschönen Natur, so unterschiedlich wie sie kaum ein anderes afrikanisches Land vereint! Ich verlange nicht, dass man Schlimmes totschweigt. Aber ich finde es schwierig, wenn das so isoliert hingestellt wird. Was also möchtest Du damit sagen? Du nennst DIch "MzeeKenya". Daraus leite ich ab, dass Du eine lange und tiefe Beziehung zu diesem Land hast. Bist Du einfach nur schockiert und traurig über manche Entwicklung? Was genau ist Dein Punkt? Antje
Wir haben damals alle nur Glück gehabt, dass uns in Nairobbery ( gilt auch für Mombasa) nichts passiert ist...
Fahre heute dort nur noch mit Taxi von A nach B Auch für kurze Strecken (zb. vom Nairobi Serena zum Sixeighty etc )
Also die Situation hat sich auch hier schon zum NEGATIVEN verändert.........
lg......BMW
NamiBilly444 Beiträge · seit 201109. März 2018 · #4
Hallo, wir waren 1989 das erste Mal in Kenia. Kaum angekommen, erst wenige Tage im Land und in Nairobi, sind wir überfallen worden und dabei körperlich unversehrt geblieben. Unsere erste Reaktion war, dass wir das Land sofort wieder verlassen wollten. Das haben wir dann aber erst nach ca. 6 Monaten gemacht... Das war bisher unser erster und einziger Überfall, obwohl wir seit 1989 in Afrika sehr viele Urlaube und auch Langzeitaufenthalte hatten. D.h. natürlich nicht, dass wir heute blauäugig reisen, aber ein bisschen Glück gehört auch dazu. Seit 1989 waren wir auch noch mehrfach in Kenia, immer auf den eigenen Achsen unterwegs. Inzwischen liegt der letzte Keniabesuch aber schon 10 Jahre zurück. Das hat aber weniger mit der Sicherheitslage zu tun, sondern hat eher andere Gründe. (Auf der A2 im Großraum Hannover gibt es immer wieder schwere Unfälle, auch mit Toten, trotzdem sind wir da regelmäßig unterwegs!) Gruß NamiBilly
WEWernfried131 Beiträge · seit 201709. März 2018 · #5
Rehema schrieb: Hmmm, ich frage mich was Du mit diesem Post bezwecken willst? Noch mehr Menschen vom Tourismus in Kenya abhalten? Die Angst schüren? Oder einfach eine (evtl. berechtigte) Trauerfahne hissen? Irgendwie erschließt sich mir der Sinn nicht. Wer geplant hatte, dieses immer noch sehr schöne Land zu bereisten, wird möglicherweise nun vom Schrecken gepackt sein.
Immerhin gibt es vom Schweizer EDA, bzw. Auswärtigen Amt eine Reisewarnung für Kenia (zumindest für gewisse Regionen).
Im Moment würde ich mich eher nach Simbabwe trauen als nach Kenia.
marimari2'240 Beiträge · seit 201109. März 2018 · #6
Hallo, wir waren vor den Wahlen letztes Jahr in Kenya. Wir haben uns sicher gefühlt. Haben das Land vor der Auszählung der Stimmen verlassen. Uns hat Kenya super gefallen und wir haben es fast ein wenig bereut Tiwi Beach so schnell velassen zu haben. 2 Wochen nachher konnten wir lesen, dass ein Schweizer Paar in Mombasa tot aufgefunden wurde. Grund Geld...scheinbar mit viel Geld unterwegs, der Gärtner war nach Presseberichten in diesen Fall involviert...etc. Zum Thema Blick: schlecht recherchiert, immer auf Sensationsgeschichten aus, es wird was geschrieben, einfach dass was geschrieben wurde...egal ob falsch oder richtig...für mich die schlechteste Zeitung der Schweiz. Würde keine 20 Rappen in den Verlag investieren. Gruss Mari
MzeekenyaThemenstarter527 Beiträge · seit 201310. März 2018 · #7
Auslöser meines Posts waren vier Monate Kenia (Nov. 17 bis Febr. 18) und die Meldung über den Zwischenfall an der Küste. M.
MzeekenyaThemenstarter527 Beiträge · seit 201310. März 2018 · #8
marimari schrieb:Hallo, wir waren vor den Wahlen letztes Jahr in Kenya. Wir haben uns sicher gefühlt.
Zum Thema Blick: schlecht recherchiert, immer auf Sensationsgeschichten aus, es wird was geschrieben, einfach dass was geschrieben wurde...egal ob falsch oder richtig...für mich die schlechteste Zeitung der Schweiz. Würde keine 20 Rappen in den Verlag investieren. Gruss Mari
Schön, dass es euch gefallen hat und dass ihr euch sicher gefühlt habt. Hat dich der Ringier-Verlag übrigens gebeten, in den BLICK zu investieren?
Gruss M.
Bushtruckers1'580 Beiträge · seit 201411. März 2018 · #9
Guten Abend allerseits
Es ist schlimm und traurig, dass die Frau ihren Mann so verlieren musste. Tragisch ist auch, dass sie nun mit einer horrenden Spitalrechnung sitzen blieb.
Doch gibt es solche Taten nicht ueberall auf der Welt? Es wird geschrieben, dass der Gaertner involviert war. So passieren leider hier die meisten Diebstaehle (musste ich selber ohne Koerperschaden ein paarmal erleben). Dass Angestellte, wenn sie sehen, dass Geld oder Werstsachen im Haus sind, in Versuchung geraten, ist leider so.
Vor knapp 3 Monaten hatten ca. 50 junge Maenner in Gruppen Nairobi unsicher gemacht. Da wurde von der Regierung und den Sicherheitsleuten nicht lange gefackelt. Es wurde gehandelt und innerhalb kurzer Zeit war wieder Ruhe. Ich spaziere tagsueber auch durch die weniger schoenen Ecken in Nairobi und habe mich noch nie bedroht gefuehlt. Nachts - bitte lasst das bleiben.
Ja, Mzee Kenia, die Armut wird immer mehr. Schau aber alles an, was dazu fuehrt. Landteilung, zu viele Kinder, oder Kinder bevor man etwas in seine Bildung investieren konnte. Ja, die Reichen bekommen immer mehr, legal oder oft auf unsaubere Art. Es koennte aber sein, dass die Regierung auch die Nase davon voll hat und es einigen den Kopf kosten koennte. Dies, so hoffe ich jedenfalls, dass sie es ernst meinen. Ausmerzen werden sie Korruption und Diebstaehle in Kenia nie, aber wohl auch anderswo nicht.
Liebe Gruesse Elvira
Safaris in Ostafrika
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Elvira Wolfer
Zubucher- und individuelle Safaris
MzeekenyaThemenstarter527 Beiträge · seit 201311. März 2018 · #10
Hoi Elvira, du weisst ja, dass ich Kenia seit einem halben Jahrhundert kenne und über die Zustände in einem der schönsten afrikanischen Länder gut informiert bin. Ich habe aber keine Lust mehr, mich mit den Posts schwärmerischer Touristen auseinander zu setzen, die vor allem von teuren Lodges und Löwen im Frühlicht erzählen und sich rundum wohl und sicher fühlen. Ich gönne ihnen diese Glücksgefühle, aber wenn sie sich dann zum Zustand Kenias äussern, merke ich, dass sie nicht die geringste Ahnung von dem haben, was in dem Land vor sich geht und wie katastrophal die wirtschaftliche und die politische Lage ist und dass es Millionen von Menschen gibt, die mit dem Gegenwert eines US Dollars pro Tag auskommen müssen. Du schreibst: "Es koennte aber sein, dass die Regierung auch die Nase davon voll hat und es einigen den Kopf kosten koennte. Dies, so hoffe ich jedenfalls, dass sie es ernst meinen". Ich bewundere deinen Optimismus; ich kann ihn nicht teilen. Wahrscheinlich braucht man ihn, um heute in Kenia überleben zu können. Ich werde das Land bis auf weiteres nicht mehr als Touristenziel empfehlen. Ich wünsche dir angenehme Wochen und Monate. Gruss Mzeekenya
ich weiss, dass Du Kenia in- und auswendig kennst. Du hast recht, wenn ich nicht die Hoffnung haette, dass auch Positives kommt, dann muesste ich aufgeben und das will ich nicht. Denn wenn ich hoere und lese, was in D und CH alles los ist, dann doch lieber Kenia.
Liebe Gruesse aus dem etwas regnerischen Kenia - wenigstens wachsen nun Pflanzen nach... Elvira
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Hallo alle zusammen, ich habe jetzt ziemlich mit mir gerungen, ob es Sinn macht, hier nochmal was dazu zu schreiben oder nicht. Ich habe erst mal abgewartet, was andere dazu sagen, und ich habe mir diverse Querverbindungen und genannte Homepages angeschaut. Ich habe den Eindruck, dass es eigentlich unmöglich ist, dieses fragile und äußerst komplexe Thema "Sicherheit" (egal für welches Land) schriftlich in einem Forum auch nur annähernd zu behandeln. Ich merke, wie da in mir selbst ganz schnell eine Menge an Gedanken und Emotionen wühlen, wie sich schnell Reaktionen auf das eine oder andere Geschrieben in mir entwickeln. Alles eine Mischung aus meiner persönlichen Liebe zu diversen Orten und Menschen, aus persönlichen Erlebnissen, Ängsten und Hoffnungen. Und jeder von Euch hat da seine eigene Geschichte und seinen eigenen Charakter. Es wäre sehr viel einfacher, und vermutlich auch konstruktiver, sich bei einer Tasse Kaffe oder einem Gläschen Wein darüber auszutauschen. Das ist nun mit den wenigsten möglich, und da ich dieses Forum nach wie vor bereichernd finde, hier nochmal einige wenige Gedanken dazu von mir - denn wer A sagt muss auch B sagen, und dann halte ich meinen Mund dazu.
MzeeKenya, Deine erste Reaktion auf meinen Beitrag zu dem (immerhin von Dir gestarteten) thread hat mich enttäuscht. Für mein Gefühl: man latzt da was sehr einseitiges hin, und wenn sich jemand dann dazu äußert, kriegt man keine weiteren Infos. Von Dir selber gibst Du nichts Preis (tut mir leid dass ich noch nicht so lange auf dem Forum bin und DIch daher noch nicht kenne - aber leider finde ich über Dich auch keine weiteren hilfreichen Infos, die mir irgendwie helfen würden, Deinen Beitrag einzuordnen. Außer der Info, dass Du anscheinden Kenya seit einem halben Jahrhundert wie Deine Westentasche kennst und deshalb irgendwie erhaben über all den anderen zu stehen scheinst) Dein weiterer Beitrag (allerdings scheint der nur an Bushtruckers gewandt zu sein) hat mich dann ein wenig für Dich gewonnen. Ich habe mich dafür auch bedankt. Das stellt manches schon wieder in ein anderes Licht. Ja, und da kann ich auch mit Dir fühlen: wenn Touristen einfach das sichere Paradies suchen, während man selber die vielen anderen Seiten solcher Länder kennt, wenn man da nun mal lebt. Es ist eben schon ein großer Unterschied, ob man einen schönen Urlaub machen will, oder ob man sich mit den Problemen des Alltags und es Landes auseinander setzten muss (oder will). Aber immer wieder muss ich mich da auch selber kritisch hinterfragen: auch wenn wir hier leben, freuen wir uns an der afrikanischen Natur. Auch wir wollen (ja, wie Du sagst, BMW) nicht einer unter 50 Autos neben den Löwen sein. Aber gibt uns das das Recht, abfällig über die andren 49 Autos zu reden? Und ist nicht der Tourismus (ja, in sicheren und teure Lodges, die für viele von uns völlig jenseits unserer Realitäten sind) für viele dieser Länder eine wichtige Einnahmequelle? Für ganz viele noch die Arbeit, die ihnen ein gutes Leben ermöglicht? Schwierig - ich habe jedenfalls je länger desto mehr Fragen, und weniger Antworten auf alle diese Dinge. Ganz kann ich aber nicht nachvollziehen, MzeeKenya, wieso Du Dich dann auf einem solchen Forum herumtreibst, wenn Du keine Lust mehr hast, Dich mit den Schwärmereien der Touristen auseinande zu setzen. Dieses Forum lebt nun mal von den ganz vielen schönen Erlebnissen von vielen Touristen. Habe ich das Recht, ihnen das madig zu machen?
Wir fahren bald nach Botswana. Und ich freue mich sehr darauf. Dürfen wir das alles nicht genießen, nur weil es in diesen Ländern auch so viel Schreckliches gibt? Ich habe mich in den vergangenen 2 Monaten nun viel über Botswana belesen. Nicht nur über die wunderschöne Natur. Unser 10 Jähriger schreibt gerade ein ausführliches Projekt über dieses Land. Ja, es scheint an vielen Stellen einzigartig zu sein. Und wunderschön, dass es mit seiner relativ unblutigen Geschichte und der politisch "good governance" so heraussticht auf diesem Kontinent. Aber Botswana hat auch ernste Probleme.... Auch wenn auf diesem Forum hauptsächlich von Botswana geschwärmt wird. Ich sage es mal so: Das Paradies ist jedenfalls anderswo....... Und ich bleibe dabei auch für Kenya: Das Paradies ist ebenfalls anderswo. Und es war auch noch nie in Kenya. Und dennoch hat Kenya nach wie vor wunderschöne Seiten zu bieten.
Und zu den Reisewarnungen der auswärtigen Ämter (ich habe mir sowohl die aktuelle deutsche als auch schweizerische Seite angeschaut): ich kann da nichts außergewöhnlich Erschreckendes über Kenya finden, was nicht ebenso schon vor 30 Jahren war. Die Gebietsweisen Warnungen waren schon immer ähnlich. Ich verweise auch auf den thread zu "Kapstadt - so gefährlich". Hier stehen einige gute Beiträge drinne, wie gefährliche Regionen und Situationen die Touristen in der Regel gar nicht betreffen. Aber dennoch werden sie in den Medien immer wieder dazu ausgeschlachtet. Welcher Tourist reist schon in den Nord Osten Kenias an die Somalische Grenze? Und welcher Tourist geht in die Slums von Nairobi? Und wie ist das mit der gestiegenen Terrorgefahr in Deutschland - ist es nun gefährlicher, auf dem Flughafen in Nairobi zu sitzen oder sich ein Fußballspiel oder ein Pop-Konzert in Europa anzuschauen?
Dieser Tage erfuhr ich von südafrikanischen Freunden hier in Malawi, deren Verwandter (er ist Familienvater, sie leben in Durban) seit 10 Tagen verschwunden ist. Die letzte Spur von ihm hat man von einem ATM, wo er Geld abgehoben hat. Die Befürchtungen sind eindeutig..... Es hat auch keinen Sinn, das zusammenhangslos zu posten (analog zu dem Überfall auf die Schweizer in Mombasa, die übrigens ebenfalls keine Touristen waren), weil es dann zu ganz wilden Interpretationen und Wertungen kommt.
Und am Ende bleibt außerdem - egal, ob wir Jahrzenhte in solchen Ländern gelbt haben, oder ob wir nur zu Urlauben dort hin fahren: Oft haben wir Glück, und manchmal hat man echt Unglück. Und wenn Letzteres zutrifft, helfen einem alle Statistiken nicht mehr. Wer einen Überfall erlebt hat, der wird immer gemischt Gefühle hegen für ein Land, selbst wenn es statistisch eigentlich dort kaum vorkommt. Und wer ihn nicht mal überlebt hat, wird sich dazu hier auch nicht mehr äußern.
Weiterhin täte es meiner Ansicht nach den Menschen in den Europäischen Staaten gut, etwas weniger "risk averse" zu denken und zu leben. Mehr zu wagen. Das Leben findet nicht im goldenen Käfig statt. Und den gibt es auch auf diesem Planten nicht. Auch in Deutschland oder der Schweiz nicht. Dass man ihn dann in seinen Urlauben irgendwie sucht - tja, da ringe ich mit mir selber auch immer wieder zwischen Wunsch und Wirklichkeit...... Antje
echt gut geschrieben. Ich gehe sehr mit Dir einig, dass man als Tourist Urlaub machen moechte und sich nicht mit den Problemen des Landes beschaeftigen moechte, die man so oder so nicht loesen kann, da es deren viel zu viele sind und das nicht in Kenia alleine.
Auch wenn man hier lebt, muss man sehr viele Probleme einfach an sich vorbeigehen lassen, denn die Lawine des Negativen haelt kein einzelner auf. Dennoch, wie Du schreibst, Kenia (und auch andere Laender) haben Ihre schoenen Ecken und die gilt es zu geniessen.
Liebe Gruesse Elvira
Safaris in Ostafrika
Bush Trucker Tours
www.bushtrucker.ch
Elvira Wolfer
Zubucher- und individuelle Safaris
MzeekenyaThemenstarter527 Beiträge · seit 201312. März 2018 · #15
NOCH EIN DESILLUSIONIERTER:
Paul Theroux *: Ein letztes Mal in Afrika (Hoffmann & Campe, 2017) ------------------------------------------------------- Zum Inhalt, gemäss Buchbesprechung: "Nach zehn Jahren kehrt der 72-jährige Paul Theroux zurück in sein geliebtes Afrika, »das Königreich des Lichts« und findet ein zerstörtes Paradies. Er will von Kapstadt aus durch Namibia und Angola nach Timbuktu reisen, doch mit jeder Meile nordwärts werden das Elend, die Korruption und seine Frustration über die Entwicklungen des 21. Jahrhunderts und die verheerenden Bemühungen der Hilfsorganisationen größer. Trotz aller Schönheit, der er jenseits der Städte begegnet und von der er mit Liebe und Humor erzählt, bricht er seine Reise ab und macht sich desillusioniert auf den Weg zurück nach Südafrika. Sein Buch erzählt auf sehr persönliche Weise von einem Kontinent im Niedergang und einem empfindsamen Menschen, dessen Erschütterungen sich unmittelbar auf den Leser übertragen. Eine Reise ins Herz der Finsternis."
Ich kann jedes Wort Theroux' unterschreiben! Eine Reise ohne Scheuklappen. M.
* Für Unwissende: Der Amerikaner Paul Theroux (1941) ist, u.a. gemäss "Zeit", der berühmteste Reiseschriftsteller der Welt
marimari2'240 Beiträge · seit 201112. März 2018 · #16
Mzeekenya schrieb: Hat dich der Ringier-Verlag übrigens gebeten, in den BLICK zu investieren?
Gruss M.
Hallo Mzeekenya, nein - aber mich zu einer Geschichte zu äussern, welche dem Verlag eine höhere Auflage verschafft hätte. Das ist für mich (fast) das Gleiche. Gehe mit Antje einig - es wäre einfacher Tisch an Tisch zu sitzen und eine normale Diskussion zu führen. Ich bin kein Fan von mich in Foren rumzustreiten und gegenseitige Rechtfertigungen einzufordern. Wir sind hier weder in einem Polit-Forum noch im Literaturclub - sondern in einem Reiseforum... und über das Reisen in Afrika möchte ich mich hier unterhalten... Gruss Mari
"Und zu den Reisewarnungen der auswärtigen Ämter (ich habe mir sowohl die aktuelle deutsche als auch schweizerische Seite angeschaut): ich kann da nichts außergewöhnlich Erschreckendes über Kenya finden, was nicht ebenso schon vor 30 Jahren war. Die Gebietsweisen Warnungen waren schon immer ähnlich." (Rehema)
Du interpretierst die Reisewarnungen der auswärtigen Ämter sehr selektiv und einseitig. Wer sich selbst informieren will, findet unter dem eingangs aufgeführten Link die ausführliche Warnung für Kenia. Und die ist doch ziemlich heftig. Unter dem Stichwort "Kriminalität" schreibt das EDA (Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten) unmissverständlich "Das Hauptrisiko, insbesondere für Alleinreisende, liegt in der weit verbreiteten Gewaltkriminalität. Auf Überlandstrecken im ganzen Land besteht besonders nach Einbruch der Dunkelheit die Gefahr von Überfällen durch bewaffnete Strassenräuber. In Einzelfällen wurden auch organisiert reisende Touristengruppen überfallen. In den Städten sind Diebstähle von Autos unter Androhung/Anwendung von Gewalt und Raubüberfälle häufig, vor allem nachts. Einbrüche und Überfälle in Ferienhäuser, besonders entlang der Küste, haben zugenommen. Es muss mit Gewalt gerechnet werden, selbst wenn das Opfer keinen Widerstand leistet. Im Jahr 2017 sind wiederholt ausländische Staatsangehörige ermordet worden, darunter auch Schweizer Staatsangehörige." und vom Besuch Mombasas (Mombasa Island) wird gar abgeraten. Nicht nur der Nordosten des Landes ist gefährlich, sondern auch die ganze Küstenregion zwischen Lamu und Shimoni - selbst auf der 4 km langen Strasse zwischen der Hauptstrasse und Tiwi Beach/Twiga Lodge wurden mehrmals Touristen überfallen und ausgeraubt. Daraufhin legte die Polizei einen Hinterhalt und erschoss an einem der folgenden Tage mehrere Räuber; im Moment ist es deshalb in der Gegend ruhig... Nairobi trägt seinen Spitznamen "Nairobbery" nicht zu Unrecht. Es kommt tagtäglich zu Überfällen auf Autos in stehenden Kolonnen. Fast immer nähern sich zwei Männer auf einem BodaBoda (Motorrad) einem Auto, bedrohen die Insassen mit einer Schusswaffe und lassen sich Wertsachen aushändigen. So ein Überfall dauert selten länger als 30 Sekunden - und schon sind die Räuber auf ihrem wendigen Motorrad im Verkehrsgewühl untergetaucht. Die Strecke Amboseli - Tsavo West darf nur im Konvoi (mit GSU - General Service Unit, eine paramilitärische Truppe) befahren werden. Auch auf der Strecke Nyahururu - Rumuruti - Maral kommt es immer wieder zu Überfällen auf Einheimische und Touristen. In der Massai Mara kommt es von Zeit zu Zeit zu Raubüberfällen auf "Privat Campsites" - nicht selten mit Todesfolgen. Die Camper müssen deshalb auf eigene Kosten (2000 ksh pro Ranger) bewaffnete Guards anheuern ("it is mandatory for all campers to hire two rangers for nighttime security. This rule was set by the District Security Committee for the safety of our visitors as none of our campsites are fences. The ranger fee is 2,000 KES per ranger per night (total of 4,000 KES), and is set by the Trans Mara County Council. Mara Conservancy will provide transport, food, and accommodations for the rangers." Näheres dazu unter: https://www.maratriangle.org/visit/conservation-fees/camping/ Dass die Terrorgefahr in Kenia um einiges grösser ist, als in Deutschland oder in der Schweiz, dürfte sich inzwischen auch herum gesprochen haben. Andernfalls findet man einige Vorfälle unter (https://en.wikipedia.org/wiki/Terrorism_in_Kenya). Ein Wort noch zur Korruption. Im Corruption Perceptions Index findet man Kenia immer auf Plätzen zwischen 140 und 150 von insgesamt ca. 180 Ländern (https://en.wikipedia.org/wiki/Corruption_in_Kenya). Und, und, und...
Es gibt Menschen, die können sich ob all der negativen Seiten Kenias über die positiven nicht mehr freuen. Dagegen gibt es ein Rezept: Man setzt sich in einen Tourbus und lässt sich von einer komfortablen Lodge zur nächsten chauffieren oder man bleibt gleich im Küstenresort, in dem man kaum mit "Einheimischen" in Berührung kommt, und schlägt sich dreimal pro Tag den Bauch voll. Man will sich ja schliesslich die Urlaubsfreude nicht verderben lassen. Das "Gute" an der Sache: in den meisten Touristenunterkünfte herrscht gähnende Leere. Es gibt eine Alternative: man bleibt gleich ganz weg. Nicht wenige befolgen sie inzwischen. Mzeekenya
NB. Die negative Situation und die Abwärtsspirale hat vor etwa fünf Jahren so richtig begonnen und es gibt keine Anzeichen von Besserung. Im Gegenteil.
MzeekenyaThemenstarter527 Beiträge · seit 201313. März 2018 · #18
marimari schrieb: Wir sind hier weder in einem Polit-Forum noch im Literaturclub - sondern in einem Reiseforum... und über das Reisen in Afrika möchte ich mich hier unterhalten... Gruss Mari
Du warst über die letzten ca 50 Jahre eigentlich immer schon kritisch (schon alleine durch Deine Erfahrung )
habe aber jetzt stark den Eindruck, dass in diesem Winter 17/18 etwas Grundsätzliches noch dazugekommen ist,
das jetzt Deine Einschätzung nochmals verändert hat..........falls dem so wäre.....wäre ich froh um Details.....so Du
Dich äussern magst.....
mit freundlichen Grüssen ins Appenzellerland...............BMW
MzeekenyaThemenstarter527 Beiträge · seit 201313. März 2018 · #20
Hallo BMW,
die Änderung kam nicht über Nacht, sondern ist das Ergebnis eines langsamen Prozesses, der Jahre gedauert hat. In den vergangenen zehn Jahren, ganz besonders aber in den letzten fünf, hat sich Kenia so ausserordentlich verändert, dass ich diese Änderungen für mich nicht mehr akzeptieren konnte und kann. Viele Menschen sind - vielleicht um überleben zu können - unglaublich agressiv geworden und vor allem bei jungen Männern zeigt sich eine starke Abneigung gegen Wazungu (Weisse). Das geht bis zu Rempeleien und Beschimpfungen. Wenn man, wie ich meistens, allein im Wagen unterwegs ist, wird man auch regelmässig zum Opfer der Polizeikontrollen. Ich schmiere zwar in den meisten Fällen nicht, aber die Diskussionen sind ungeheuer ermüdend und kosten den letzten Nerv. Letztes Jahr wurde ein sehr guter Bekannter von mir, der ganz in meiner Nähe wohnte, nachts überfallen. Als er sich vor seine Frau stellte, schlugen die Kriminellen mit Pangas auf ihn ein und er verblutete innerhalb weniger Minuten (sie erbeuteten 600 ksh, 5 EU). Mein (holländischer) Nachbar (300 m entfernt) wurde ebenfalls im vergangenen Jahr innerhalb von zwei Monaten drei Mal von sieben Schwarzen, die alle AK47 hatten, überfallen und ausgeraubt. Ich wurde einmal in Namibia und zwei Mal in Harare überfallen, setzte mich zur Wehr und ausser zwei eingeschlagenen Autofenstern und dem Verlust einer Tasche mit Unterwäsche meiner damaligen kenianischen Frau trug ich keinen Schaden davon. Doch natürlich: schwindende Nervensubstanz - und die lässt sich auch mit viel Geld nicht mehr ersetzen. Auch nicht gerade förderlich für ein friedliches Zusammenleben ist ein Wesenszug vieler Kenianer/Kenianerinnen: Man versucht den Mzungu wo's geht zu bescheissen und über den Tisch zu ziehen. Jeder Mzungu ist in ihren Augen Millionär und soll gefälligst einen Teil seiner Reichtümer weiter reichen. Ich habe mich früher oft geärgert, wenn ich gesehen haben, wie viel Geld Touristen ihren Fahrern oder Guides gegeben haben und damit die Preise versauten. Ich könnte noch Vieles aufzählen, was das Fass zum überlaufen gebracht hat. Aber was soll's - das muss jeder selbst erleben/erfahren und die Zweiwochen-Touris werden kaum je an diesen Punkt kommen. Soviel in Kürze. Gruss und danke für den Post. Mzeekenya