Hallo in die Runde, jetzt komm ich also auch noch um die (Kuschel-)Ecke, denn immer noch wirkt unsere Rumpeltour und ganz besondere Reise in den Nordwesten Namibias nach – und hat jetzt beim Büsnau-Treffen nochmals einen Verstärker bekommen. Statt Tiere, Tiere, Tiere waren wir vor allem bereit für ganz viel Landschaft und Neuland. Ein paar Tage im Etosha NP haben dann noch sehr gut dazu gepasst. So kam es dann auch, dass sich schließlich doch ein Löwe in den Titel gemogelt hat, denn der König hatte in einer sehr besonderen Situation seinen ganz speziellen Auftritt ... aber bis dahin dauert es noch ein bisschen.
Erst mal zu den Anfängen: Immer mal wieder hab ich im Forum in Berichten gestöbert, die grandiose Landschaften, Einsamkeit, Natur, Unberührtheit und ganz viel Nichts gezeigt haben. Mein Ranger war begeistert und sein „da will ich hin“ hat in meinem Hinterkopf natürlich sofort Platz gefunden. Dazu kam das große Glück, dass unsere Wege (vor allem die auf afrikanischen Reisen) in den letzten Jahren immer wieder mal die Pfade der Casimodos (Carsten und Kerstin) gekreuzt haben und bei dem ein oder anderen Glas Wein entwickelte sich dann die Idee, eine gemeinsame Tour ins Kaokoveld zu fahren. Mit der Reisezeit hatten wir's nicht ganz so einfach, schließlich fanden wir als eine mögliche Überschneidung die letzte Septemberwoche: für Carsten und Kerstin das Ende, für uns der Anfang unserer jeweiligen Namibia-Reisen. Mit mehr als einem Jahr Vorlauf konnte die Planung beginnen.
Und das war unsere Tour: 20.09. Abflug in Frankfurt mit AN 21.09. Ankunft in WDH, Fahrzeugübernahme bei Bushlore, Mini-Einkauf und gleich weiter Erongo Wilderness Lodge Camp Kipwe Hoada Campsite, Treffpunkt mit Carsten & Kerstin und Start der gemeinsamen Rumpeltour: 2 wilde Nächte in den Trockenflussbetten um den Hoanib Purros Community Campsite Etambura Camp (bei Orumpembe) Opuwo Coutry Lodge statt Camp Site - unsere letzte gemeinsame Station
Weiter ging’s zu zweit: Epupa Camp Campsite Kunene River Lodge Khowarib Lodge Dolomite Okaukuejo Onguma, Leadwood Campsite und Tented Camp Frans Indogo 08.10. Rückflug ab WDH nach einem ausgesprochen fröhlichen Treffen mit Guggu und Guggumann sowie Konni (Daxiang) und Silke am Flughafen WDH.
Auch wenn ich immer noch nicht alle Fotos sortiert habe – demnächst fahren wir los. Die Casimodos sind schon im Dolomite Camp und kommen in den nächsten Tagen auf der Hoada Campsite an. Die wollen wir ja auf keinen Fall verpassen! Bis die Tage Ingrid und der Ranger
Teil 222. Nov. 2017
Lange Anreise nach Erongo
Am 20. September war es soweit – Abflug in Frankfurt, pünktliche Landung im Morgengrauen in WDH. Auch das Einreise-Procedere ganz easy, nach 10 Minuten waren wir durch, der Bushlore-Abholer stand bereit, ab zum Depot, wir freuten uns auf den Landcruiser Bushcamper. Fahrzeug checken und übernehmen, dazwischen mal noch die Fleisch-Lieferung von Wolfgang (Klein Windhoek Schlachterei) annehmen, weiter auf der Suche nach etwas Grünzeug zu Fruit&Veg (Maerua Mall) und endlich zum gepriesenen Embassy Liquor Store. Was soll ich sagen – der Hammer! Wir preisen mit!!! Den größeren Supermarkt-Einkauf wollten wir ausgeschlafen in Omaruru erledigen, um möglichst schnell aus Windhoek rauszukommen. Denn dieses Mal hatten wir am Ankunftstag noch ziemlich Strecke vor uns – bis zur Erongo Wilderness Lodge. Alles gut gegangen! ABER: Ich würde es nicht noch mal so planen!!!
Zur Erklärung: Wir hatten bis zum Treffpunkt auf der Hoada Campsite nur 2 Nächte – und dafür wollte ich besonders schöne und für uns neue Unterkünfte. Mein Ranger lässt mir ja immer ziemlich freie Hand und gibt grünes Licht, am Ende hat er dann aber doch auch geschwächelt. Und wir waren echt froh und erleichtert als wir endlich die Lodge-Zufahrt erreicht hatten.
Begeistert waren wir dennoch über unsere Wahl: Traumhaft schön gelegen, großzügige Zelte mit genügend Abstand voneinander, das Restaurant mit Aussichtsplattform, der Blick weit, die Farben sanft und sofort dieses unvergleichliche Gefühl – angekommen in Afrikaaa.
Und auch gleich die Kameras im Einsatz, mal wieder kurz vor knapp aus dem Schrank geholt, gerade noch mit Speicherkarte und Akku bestückt, die Funktionen bei uns ja immer eine Neuentdeckung am Anfang jeder Reise ...
ein paar Übungs-Objekte mussten her
und dann fanden wir die Idee, sich noch kurz abzulegen, gar nicht so schlecht.
Zum guten Dinner ein sehr guter Wein, ein bisschen Geplauder mit anderen Gästen, dann sanken wir in die Kissen und schon schnell ins Reich der Träume.
Teil 325. Nov. 2017
Relaxed im Damaraland
Der afrikanische Wind pfiff in der Nacht ordentlich über unser Zeltdach. Trotzdem haben wir gut geschlafen und auch gleich mal ein bisschen länger. Nach einem späten leckeren Frühstück packen wir unseren Krimskrams zusammen und machen uns auf den Weg. Erste Station ist der Spar in Omaruru – damit konnten wir die Einkaufshektik in Windhoek vermeiden - und ich war echt überrascht wie gut sortiert der war, so dass ich auch noch ein bisschen Grünzeug aufschnappen und sogar mit Salat dem drohenden Skorbut im Kaokoveld entgegenwirken konnte.
Wir cruisten durch die Landschaft
Ankunft in Kipwe so um 15.30 Uhr, wie immer zu spät für den Lunch, aber ein Stück Kuchen gab es noch für jeden. Unser Bungalow No 9 hat uns auf Anhieb gut gefallen – das gesamte Setting sehr liebevoll und schön.
Vor dem Dinner ging’s ein paar Treppchen hoch - der Sundowner-Spot, ein echter Traum! Und nette Menschen dazu.
Wir waren beseelt, das Land gefärbt in sanfte Töne, die Sonne selbst ein leuchtender Ball. Kann mich mal jemand kneifen?
Teil 426. Nov. 2017
Kurz und schön in Kipwe
Der Abend in Kipwe war wunderschön: geschützt zwischen den Kullerkugeln saßen, das Gefühl von Freiheit und Weite, dazu ein hervorragendes Essen und ein Fläschchen südafrikanischen Roten. Dann die Frage ob wir mit auf die Suche nach den Elefnaten gehen ... sie seien sehr weit weg, in Richtung Palmwag, die Rückkehr könnte spät werden. Ich glaube, die Kipwe- und Mowani-Leute setzen schon wirklcih alles dran, die Elefanten wirklich zu finden und nehmen im Zweifel auch lange Strecken in Kauf. Für uns wäre es ein bisschen viel „ZigZag“ geworden – in Hoada sollten wir nicht zu spät ankommen, um uns noch fürs Camperleben zu organisieren und so hieß die Entscheidung, schweren Herzens: Mut zur Lücke. Wir müssen also drauf hoffen, die Elefanten in den nächsten Tagen selbst zu finden. Ich war mal wieder hin&her ... Geschlafen haben wir dann wie die Engel. Und der Morgen zeigte sich ausgesprochen freundlich
Ein Blick aus der Tür – da war also auch schon jemand wach
Mein Ranger entschlossen und gerüstet, der Hügel mit Morgensonne das Ziel
Dann gab es Frühstück, einen ganzen bestellten Brotlaib zum Abschied ... und auf nach HOADA!
Ohne Zweifel ist es ein bisschen Frevel, diese Traum-Unterkünfte nur als Zwischenstationen zu nutzen. Es ist trotzdem gut. Nach viel Hektik vor der Abreise waren wir so bereits völlig entspannt als wir in Hoada ankamen. Und wir haben es einfach genossen, uns in den ersten Tagen um nix zu kümmern und ausgeschlafen durchs Land zu schippern. Jetzt freuten wir uns sehr auf unser Treffen mit Carsten und Kerstin und unsere gemeinsame Zeit. Von der Straße aus kann man Hoada schon erkennen – sind die beiden schon da?
Teil 527. Nov. 2017
Treffpunkt: Hoada Campsite
Jetzt mussten wir also nur noch den Blinker setzen und rechts abbiegen. Über den Grootbergpass waren wir ja gekommen – im April 2012 hatten wir kurz vor dem Parkplatz der Lodge unsere Elefanten gesehen. Jetzt war alles staubtrocken, von den grauen Riesen keine Spur. Von den hessischen Freunden übrigens auch nicht. In Kipwe hatten wir weder WLAN noch Telefonnetz und daher auch keinen Kontakt mehr, um eine Uhrzeit zu verabreden. Jetzt war es wohl so gegen 14 Uhr – gerade recht, um im Fahrzeug umzupacken, die Einkäufe zu verstauen und uns endlich mit dem Bushcamper richtig vertraut zu machen. An der Rezeption ein kleiner Plausch – nein, die Freunde sind noch nicht da. Also Feuerholz geschnappt und zurück zum Auto. Plötzlich ein Motorengeräusch ... und da bogen doch tatsächlich die beiden Camper-Frischlinge um die Ecke, nach bereits 2 Wochen in Namibia völlig entspannt im Hier&Jetzt. Die Freude war groß!!! Wir fielen uns in die Arme, strahlten um die Wette, wurden per Fahrrad zur Campsite geleitet und richteten uns erst mal häuslich ein. Hoada, ein Traum!
Heiß war’s! Ein Abstecher für einen Drink am Pool – too busy today. Der Ranger fuhr unser riesiges Schattendach aus, wir räumten, erzählten und planten, beichteten uns unsere Schlangenängste (wir haben keine gesehen) und schlugen wild um uns. Der Grund für letzteres war klein und schwarz.Tausende von fiesen Fliegen umschwirrten uns und klebten förmlich an Augen, Nase, Mund - es wurde fast ein Albtraum! Zu Besuch kam noch ein Mädchen mit ihrer Mutter, ein Baby auf den Rücken gebunden, und bat um eine Spende, die Kontaktdaten für ihre Schule hat sie uns mitgegeben.
Dann war die Sonne weg, der Gin Tonic getrunken – und der hatte seine Wirkung getan, die Fliegen waren verflogen! Dafür kam Wein auf den Tisch und Fleisch auf den Grill. Zu später Stunde gab’s noch ein bisschen Gesang vom gesamten Hoada-Team. Wir waren bereit für die erste Nacht im Bushcamper – und für unsere gemeinsame Tour ins Kaokoveld.
Sorry für diesen textlastigen Tag! Und fragt mich nicht, warum wir von diesem Tag so gut wie keine Fotos haben ... ich denke, bei den Casimodos wird da mehr zu holen sein.
Teil 629. Nov. 2017
Unterwegs im Hoanib und die erste wilde Nacht
Ausgeschlafen, nach einem guten Frühstück war es soweit. Gemeinsam ging’s erst mal bisschen ZigZag zurück über den Grootbergpass nach Palmwag. Allerbester Laune füllen wir die Tanks, fragen nach Elefanten – so langsam werden sich die Driver ihrer Verantwortung bewusst.
Weiter zur Lodge: Permit zahlen, Feuerholz kaufen und noch ein kurzer Test „Ozelot bitte kommen“ - die Funkgeräte funktionieren. Vor uns liegt Landschaft – und zwar reichlich. Da wir ja aber die sanfte Tour ins Kaokoveld nehmen, gibt’s erst mal noch Gravel bis zu einem letzten Stopp in Seisfontein für einen Drink und ein paar weitere Liter Diesel.
Jetzt gibt’s kein Halten mehr. Raus aus Seisfontein und dann links ab. Gleich richtig viel Sand. Mit und ohne Wind. Und dann das – davon hab ich echt geträumt!
Unsere Männer machen einen guten Job, wir schnurren durch, ich kann mich jetzt schon nicht mehr sattsehen. Dann gibt’s noch eine Kontrolle (ich kann mich gar nicht mehr so recht erinnern) 2 Jungs erzählen was von Löwen. Allein das Wort elektrisiert mich in dieser Gegend. Ich will ja nicht vermessen sein und sie sehen. Vielleicht einmal hören? Egal, Hauptsache es gibt sie noch!
Dann fahren wir ein in den Hoanib und sind überrascht, dass es noch immer Wasser gibt. Unwirklich schön! Ein grünes Band liegt zwischen schroffen Felsen und sanften Hügeln aus Sand. Eine Fahrspur ist gut erkennbar, wir kommen ohne Probleme voran.
Ein Blick zurück zeigt, auch im Begleitfahrzeug war das Stimmungsbarometer oben!
Wir haben’s gut, die Tage sind lang, aber jetzt wird es Zeit für einen Platz für die Nacht. Carsten weiß Rat, rechts ab aus dem Hoanib ein Stück weiter im Ganamub, auf gut Glück einer Fahrspur hinterher, eine Feuerstelle gab es auch schon – schöner hätten wir’s nicht treffen können. Das war unser erster Eindruck und der hält bis heute an.
Nach viel Talki war jetzt mal ein bisschen Walki dran. Wie die Kinder sprangen wir um die Fahrzeuge, mal den Hügel hoch und wieder runter. Carsten war Feuermacher und Grillmeister in einem, wir anderen schnippelten, deckten auf und um, füllten Gläser und leerten sie tapfer. Das Strahlen wich nicht mehr aus unseren Gesichtern. Da kam der Ranger von einem Erkundungsgang zurück und zeigt hinter sich mit den Worten „Zur Toilette geht’s da lang“ Wir alle kennen seinen Humor, aber er meinte es ernst und so ging einer nach dem anderen zum stillen Örtchen, hinter Felsen zementiert (das einzige Foto hat Carsten gemacht).
Das Licht wurde schwächer, unsere Freude über den Ausblick allerdings kein bisschen.
Um uns herum absolut Nichts und davon sehr viel! Mit Lachen und Plaudern, Träumen und Schweigen blieben wir noch eine ganze Weile am Feuer. Das war es also, wofür wir so sehr brannten. Pures Glück an diesem Abend!
Teil 701. Dez. 2017
Frühstück im (Fluss-)Bett, Mittagspause am Signal Hill
Vielleicht das Schönste an unserem Übernachtungsplatz war – er war am Morgen immer noch mindestens genau so schön! So langsam kam die Sonne über den Berg und die Kerstin um die Ecke, die Frühstücksvorbereitungen laufen am Tisch mit Schiraff auf Pink (als ich die „farbenfrohe“ Tischdecke auf einem Markt in Tansania erstanden habe, hat mein Ranger die Hände überm Kopf zusammen geschlagen, heute will er sie zumindest auf Afrikareisen nicht mehr missen). Das meditative und kontemplative Brühen des Kaffees ist ebenfalls in vollem Gange.
Wir lassen uns Zeit, packen zusammen und fahren zurück in den Ganamub und weiter nach Norden. Es war einfach wunderbar – wir wechselten uns ab mit dem Vorfahren, blieben meist in Sichtweite war „Ozelot 1 – bitte kommen“ eine immer wieder willkommene und ausgesprochen fröhliche Variante. Vereinzelt sahen wir Tiere, wir hielten uns links, raus aus dem Flusslauf ins flache Land.
Plötzlich Menschen mit ihren Herden, Esel hielten Rat, den Signal Hill konnte man schon sehen.
Und dann waren wir da
Es war Mittagszeit, aber wir waren uns schnell einig – zu früh zum Bleiben. Und Ozelot1 hatte sich in den wenigen Tagen zum völligen Einsiedler entwickelt. „Doch etwas zu öffentlich“ war sein Urteil, als der Gedanke aufkam, hier vielleicht schon unser Nachtlager aufzuschlagen. Hier muss es ja gewesen sein als die Autolichter auf die Forum-Birder-Reisetruppe zukamen. Natürlich dachten wir hier ganz besonders an die vier. Der einsame Platz, der Blick ins Weite – die Feenkreise lagen immer noch da!
Das Konzert der Barking Geckos mussten wir also absagen, zum Glück konnten wir das gleich telefonisch regeln. Ein bisschen Zeit zum Kraxeln ließen wir uns noch und ne kalte Cola gab’s auch.
Aber dann zog es uns weiter – mit einem Schlenker zurück in den Hoanib.
Wir freuten uns so! Diese Freiheit zu haben, so einig zu sein und so sorglos. Das war echt intensiv!
Teil 803. Dez. 2017
Gänsehaut im Hoanib
Wir fuhren also zurück in den Süden und bogen rechts ein in den Hoanib in westliche Richtung. Die Landschaft veränderte sich immer wieder komplett – bizarre Formen, schroff und kantig, im Flussbett weicher Sand. Das Fahren dennoch unproblematisch. Aufmerksam, doch ohne Angst machen wir Strecke. Deshalb mal recht unkommentiert hier eine ganze Flut von Eindrücken
Und dann ging ein echter Traum in Erfüllung: ganz allein stand er plötzlich am Wegesrand, mampfte genüsslich, was er so fand und blinzelte uns freundlich zu. Ich hatte mir das sooo gewünscht!
Eigentlich dachte ich, dass genau in dieser Situation mein Fensterheber gestreikt hat. Carsten hat ja geschrieben, dass es wohl bereits am Vortag passiert war. Vielleicht stimmt auch beides. Denn anfangs ging das Fenster ja manchmal auf, man wusste aber nie, ob bzw. wann es sich auch wieder schließen ließ. Die Vorstellung, bei Wind und viel viel Sand, vielleicht auch über Nacht, ein dauerhaft offenes Fenster zu haben, war dann zwischendurch mal ein echter Stimmungskiller. Ich hatte ja den Ranger im Verdacht, dass er von der Fahrerseite aus meine Scheibe hochfahren wollte und irgendwie den Kontakt gekillt hat (noch besser kann ich’s bei meinem ausgeprägten Sinn für technische Zusammenhänge leider nicht erklären, was mir so durch den Kopf ging) und Helmut unterstellte mir meinen üblichen Leichtsinn mit technischen Dingen und fand’s eher komplett daneben, das Fenster überhaupt zu öffnen, wenn es doch nicht mehr richtig funktionierte. Es sollten noch drastische Maßnahmen folgen 🤩
Aber erst mal geht’s noch ein Stück weiter
Inzwischen war es bereits nach 16 Uhr und wir hatten noch so gar keine Idee, wo wir für Dinner, Bed & Breakfast einkehren sollten. Klar war, dass wir den Hoanib verlassen mussten. Carsten fuhr vor, rein in den Sawurogab und wieder trafen wir nach kurzer Zeit auf eine Fahrspur, der wir folgten. Aber dieses Mal waren wir nicht auf Anhieb zufrieden, also zurück auf den Track bis eine Spur auf die andere Seite und ein ganzes Stück weg von der „Hauptstraße“ führte. Wir sahen aus der Ferne noch Böckchen. Dann fanden wir zwar Feuerstelle aber nichts deutete auf eine Toilettee hin. Wir blieben! Mit ein bisschen Sorge, ob wir bei starkem Wind genug geschützt waren. Völlig unbegründet - es war perfekt!
Natürlich mussten wir uns gleich zu unserem zweiten großartigen Nachtplatz beglückwünschen und feiern!
So saßen wir im Abendlicht, hörten beim Sundowner viel Gezwitscher, konnten aber kein einziges Vögelchen ausmachen in der felsigen Umgebung. Der Ranger kam zu dem Schluss „Ich glaub mein Stein pfeift“ und begab sich kurze Zeit später auf Fuchsjagd. Aber sonst geht’s ihm gut. Und uns allen auch!!!
Teil 904. Dez. 2017
Überraschung in Tsuxub
Am nächsten Morgen war sie schon vorbei – unsere zweite und letzte wilde Nacht. Das würden wir bei einer weiteren Tour in diese Gegend wohl einstimmig anders planen und insgesamt vielleicht weniger planen. So ging es aber noch einmal zurück in den Hoanib und der zeigte sich auf den nächsten Metern von einer besonders schönen Seite:
Um 10.45 verabschieden wir uns dann endgültig von dieser Lebensader, die es mir wirklich angetan hat und die immer weiter nach Westen zieht. Wir dagegen ändern die Richtung und fahren gen Norden.
Kann man sich mehr Weite vorstellen?
Wir haben noch ganz schön Strecke vor uns, die Campsite in Purros ist unser Tagesziel, und wenn schon nicht am Mittag so doch bitte noch im Hellen ankommen, heißt das Motto. Und dann ist da noch die traurige Sache mit oder besser bei Funker Ozelot1 – so sehr wir uns gefreut haben, mit ihm an seine Teenagerzeiten anzuknüpfen, bereits jetzt ist Ozelot1 wieder Geschichte. Alle Versuche "Ozelot1 - bitte kommen, bitte kommen" bleiben ungehört und unerwidert 😮 Zunächst glauben wir, dass das Gerät schlicht entladen ist und während des Ladevorgangs nicht genutzt werden kann. Das glauben wir lange 😗
Also werden Absprachen wieder am Fahrzeug durchgeführt, immer am richtigen Fenster. Auf meiner Seite hab ich ja striktes Fenster-Öffnungs-Verbot. Und weiter geht’s, schön hintereinander her ..
Aber gar nicht mal so weit. Da regt sich doch was. Wir stehen zweite Reihe, rühren uns aber nicht mehr vom Fleck, um sie nicht zu verscheuchen, einer der vorwitzigen Gesellen läuft schnurstracks auf Carsten und Kerstin zu.
Nach unzähligen Fotos und Versuchen, den Schärfepunkt zu setzen, brechen wir auf. Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Aber wir müssen weiter – es ist so überirdisch schön hier. Der Ranger könnte Wurzeln schlagen.
Teil 1005. Dez. 2017
Auf dem Weg nach Purros wird’s eng
Immer wieder unglaublich, wie sich die Landschaft verändert – wir saugen die Eindrücke förmlich in uns auf, genießen die Ausblicke und bestätigen uns gegenseitig immer wieder wie froh wir sind, hier zu sein.
Dann wird es schroffer, felsiger, bergiger – und dabei ganz unwirklich. So kommen wir schon bald am Shoemans Camp vorbei. Es ist offensichtlich nicht in Betrieb, aber auch heute nicht ganz verlassen. Wer weiß mehr?
Und hier zeigt sich dann auch schon ein grüner Streifen. Es gibt also Wasser im Purros Canyon. Nicht so, dass es hätte zum Problem werden können, immer wieder queren wir den Fluss mit mehr oder weniger Wasser. Wir sind begeistert!
Carsten und Kerstin erzählen von einer früheren Reise, auf der sie bereits von einer Lodge aus bis hierher gekommen sind. Jetzt aus der Einsamkeit und damit aus der anderen Richtung zu kommen, ist für uns alle ein ganz besonders großartiges Erlebnis. Es ist mal wieder spät, aber eine Kaffeepause muss sein. Die beiden nehmen das echt wörtlich, holen ihr meditatives Brüh-Werkzeug aus der Kiste und so gibt es ein Kaffee-Kränzchen auf der Sandbank. Ich geb’s zu – so ganz hab ich die Ruhe nicht. Und dabei ahnt noch keiner, dass uns ein kleiner Aufreger bevorsteht.
Und zwar im wahrsten Sinne. Wir cruisen weiter, Carsten fährt vor, in einiger Entfernung kann ich einen Elefanten sehen, der genüsslich am hohen Gras entlang streift. Er kommt auf uns zu, findet sein Lieblingsplätzchen direkt vor unseren Fahrzeugen. Carsten hält an, Helmut gibt sich als Elefantenflüsterer – „der ist total entspannt, sieht man doch“, „wie lange sollen wir hier noch stehen“, „der will überhaupt nix von uns“ ... Mir wird schon ziemlich mulmig und ich werfe mal die Frage nach der Verantwortung für Leib und Leben der geliebten Frau ins Fahrzeuginnere, aber der Ranger ist entschlossen, fährt zuerst an Carsten und dann am Elefanten vorbei.
Gut gegangen, Herz schnell wieder aus der Hose holen und durchatmen. Carsten findet eine Umfahrung und schließt wieder auf. Jetzt ist es nicht mehr weit, die Kühe zeigen schon an, dass es in Richtung Dorf geht.
Wir sehen noch zwei weitere Elefanten, ein Fahrzeug mit einer Forschungsgruppe kommt uns entgegen und schließlich stehen wir an der Haupt-Kreuzung und fahren die letzten Meter zur Public Campsite.
Schön ist’s hier! Ein guter Platz zum Runterkommen nach dem ereignisreichen Tag. Im Hillux blinken rote Lämpchen – mal sehen, ob das morgen so was wird mit dem unteren Hoarusib oder doch eher die Gravel-Variante? Wir diskutieren die möglichen Strecken, vertagen die Entscheidung auf morgen und starten ins Abendprogramm. Das können wir immer gut!
Teil 1106. Dez. 2017
Sand im Hoarusib
Nach dem Frühstück standen die Morgenstunden erst mal im Zeichen von „Maintenance“ – beim Hllux blinketen noch die Lichter, beim Bushcamper war das mit ohne Fensterheber auch langsam nervig. Carsten und Kerstin wollen sich mal mit dem Vermieter in Verbindung setzen und fahren zur Rezeption, dort gibt es Mobilnetz. Der Ranger baut inzwischen den Fensterheber aus, „finde den Fehler“ hat auf Anhieb geklappt. Da biegen die beiden auch schon wieder um die Ecke, bevor sie telefonieren konnten, gaben die blinkenden Lämpchen das Blinken auf und der Camp-Manager hat grünes Licht für die Fahrt durch den Hoarusib gegeben. Der Ranger baut also das abgeschrappte Teil (das keinen konstanten Kontakt mehr zulässt) wieder ein und klebt mir den Taster komplett zu, damit ich nicht im Reflex (z.B. wenn Carsten neben mir anhält) mal wieder das Fenster ein Stück absenke und im Zweifel erst Stunden später wieder schließen kann. Und dann geht’s auch schon los, gleich kurz hinter der Campsite biegen wir ein in den Hoarusib und ich bin mal wieder total geflasht
Das breite Flussbett, noch gibt es Eselchen, die auf Ansiedlungen schließen lassen, neugierige Giraffen, vielleicht zum letzten Mal in dieser großartigen Kulisse.
Ich bin so überwältigt und froh, dass wir uns für diese Strecke entscheiden konnten – der Hoarusib war ein echter Herzenswunsch! (und nicht zuletzt hatte ja auch Hartwig dafür plädiert) Wie wir so durch den Sand gleiten, wird mein Ranger etwas übermütig, will in den zweiten Gang schalten – we got stucked! Und weil er sich so über sich selbst ärgert, gibt er grad noch mal Gas und drückt uns so noch etwas tiefer in den Sand. Zum Glück sind Carsten und Kerstin vor uns, so dass sie weder in uns reinrumpeln noch von der Spur abrücken müssen. Carsten setzt ein Stück zurück, Helmut befestigt die Winsch am Hillux, ich halte kurz den Atem an, gemeinsam geben wir Kommando und recht schnell ist der Landcruiser wieder frei. (Bei dieser Aktion haben wir natürlich keine Fotos gemacht - aber wir hatten ja unser Reporter-Team dabei, die Casimodos haben auch diesen Aufreger festgehalten)
Von weitem kann man schon bald die Himba-Sphinx erkennen
und wir nähern uns der Stelle, an der wir ganz zwingend den Hoarusib verlassen wollen, da wir ganz sicher sind, auf gewisse Erfahrungen der Ornithologen-Truppe überhaupt nicht selbst machen zu müssen.
Insgesamt hat die Strecke einige Tücken, ab und zu quert die Spur den Fluss, ganz manchmal ziert sie sich ein bisschen und lässt sich nicht auf Anhieb erkennen – landschaftlich ist es aber ein Traum.
Also raus aus dem Horausib - und erst mal Beine vertreten, ins Weite stieren und zwei von uns fangen wie auf ein geheimes Zeichen an, Steine zu sammeln. Zum Glück gibt’s einige davon.
Doch die Sphinx lockt
Und ich frage mich, wer kam nur auf die Idee, in dieser wilden schroffen Landschaft die beiden Flusstäler zu verbinden und doch was wie eine Piste anzulegen vom Hoarusib zum Khumib. Hier haben wohl viele Hände unter übelsten Bedingungen geschuftet.
Mitten in diesen Gedanken kommen uns zwei Fahrzeuge entgegen – 4 Jungs aus Windhoek mit lekker Bier an Bord waren deutlich mehr im Hier&Jetzt und hatten sichtlich Spaß bei ihrer Tour.
Teil 1208. Dez. 2017
Begegnung mit Steinmännchen, Ankunft in Etambura
Noch immer die Himba-Sphinx vor Augen – die werden plötzlich ganz ganz groß. Tatsächlich entdecken wir am Wegrand eins der Steinmännchen– ich freu mich mal wieder total! Wir tauschen unser Halbwissen darüber aus, machten Fotos von allen Seiten
und weiter geht’s in die Ebene zum Khumib. Hier fahren wir größtenteils am Ufer entlang, für eine Vesperpause dann aber doch hinein ins Flussbett auf ein schattiges Plätzchen. Die einen bauen Tisch und Stühle auf, die anderen servieren Schnittchen auf dem Ersatzreifen.
Es ist schon wieder 3 Uhr am Nachmittag, ein kurzes Stretching und weiter geht die Fahrt. Sehr weit kommen wir nicht, da sitzt der nächste, der uns zu einem nächsten kurzen Stopp überredet.
Die Richtung stimmt und was vor uns liegt, gefällt uns mal wieder ausgesprochen gut!
Dann geht’s bergauf und wir sind in Etambura!
Henry begrüßt uns und erweist sich als ein echter Schatz!
WOW – so schön hätten wir uns das nicht vorgestellt. In diesem Nirgendwo so liebevoll und traumhaft schön gestaltet!
Wir beziehen die Chalets 1 und 2 (so gibt es keine Diskussion um die 5 und ihre wohl herausragende Lage) und wieder läuft die Zeit – wir haben nur eine Stunde bis die Sonne untergeht. Die wird genutzt für ein kurzes Pflegeprogramm, pünktlich zum Sundowner sind wir auf der Aussichtsplattform, die nassen Haare unterm Schal, die Stimmung bestens, der Inhalt der Gläser ebenso, der Blick weit – das könnte ein neuer Lieblingsplatz werden.
Gekocht wird im gusseisernen Potjie, der Wind ist kühl hier auf der Höhe und so essen wir seit einer gefühlten Ewigkeit am schön gedeckten Tisch (ganz ohne Schiraff) im Innenraum. Später kuscheln wir uns in die bequemen Betten und freuen uns auf den nächsten Tag. Wie besonders der wird, ahnen wir noch nicht.
Teil 1310. Dez. 2017
Ein Tag bei den Himbas
Als wir die Augen aufmachen, blinzelt uns die Sonne entgegen. Ich bleibe noch ein bisschen unter der Decke, der Ranger schaut sich draußen um. Bei den Nachbarn rührt sich auch schon was, die Sonne holt den Farbtopf raus, vor dem Chalet piepst es, es ist einfach wunderbar.
Wir lassen es langsam angehen, frühstücken gemütlich und machen uns dann mit Henry auf den Weg. Im Vorfeld hatten wir einige Male darüber gesprochen, ob wir einen Besuch bei den Himbas machen wollen – und waren uns einig, dass wenn, dann von Etaambura aus. Bei der Ankunft meinte Henry dann, dass er uns selbstverständlich begleiten würde, wir müssten allerdings um 7 Uhr aufbrechen, um rechtzeitig da zu sein, bevor die Himbas ihr Dorf verlassen und mit den Tieren losziehen. Eigentlich hatten wir uns aber schon auf einen bisschen Relax-Programm in Etaambura gefreut und so kam Henry dann mit dem Vorschlag, um ca. 11 Uhr an einer Wasserstelle u sein, wo wir hoffentlich die Himbas mit ihren Ziegen treffen sollten. Das war genau nach unserem Geschmack!
Im Hillux gab es sowas wie einen Notsitz, so dass uns das 3-er-Gespann vorausfuhr, eine ganze Weile, wir hätten längst die Orientierung verloren. Dann stellen wir die Fahrzeuge ab, gehen noch ein Stück zu Fuß, da kommen uns schon Kinder mit ein paar Ziegen entgegen
Und wenig später zwei junge Frauen
Als wir die Wasserstelle erreichten treffen wir auf den Rest der Gruppe: zwei weitere Frauen, die das Vieh versorgen und auf die Kinder aufpassen (es sind nicht ihre Mütter). Dank Henry gelingt es tatsächlich, dass wir in ein sehr nettes Gespräch miteinander kommen und so erfahren wir auch, dass die Kinder zwar normalerweise in die Schule gehen, die Lehrer aber am Monatsende nach Opuwo fahren, um ihr Geld zu holen. Dann fällt die Schule aus.
Unsere Bedenken, dass die Menschen bei solchen Begegnung in einen Vorführ-Modus umschalten, lösen sich im Nu auf. Die Situation ist so persönlich, so intim und so freundlich. Es gibt auf keiner Seite einen Anflug von Scham. Wir lachen, fragen und antworten auch auf ihre Fragen. Die beiden jungen Frauen haben sichtlich Spaß daran, dass wir sie fotografieren. Wir zeigen ihnen das Ergebnis auf den Displays – sie amüsieren sich köstlich.
Als wir uns verabschieden, begleiten sie uns zu den Autos
wo Henry ihnen Zucker und Maismehl übergibt und wir für die Kinder noch ein paar Äpfel rauskramen. Tief ergriffen und sehr berührt verteilen wir uns wieder auf unsere Autos, nicht ohne uns vorher noch bestätigen, wiiiee dankbar wir für diese Begegnung sind und wie gerne wir den Menschen etwas zurückgeben möchten. Dann hat Kerstin eine wirklich gute Idee!
Teil 1410. Dez. 2017
Noch eine Himba-Begegnung
Auch auf dem Rückweg fahren Kerstin, Carsten mit Henry voraus. Da wir wissen, dass wir kurz vor der Auffahrt zum Etaambura Camp an der kleinen Himba-Siedlung vorbei kommen, fragt Kerstin, ob die Frauen denn dort Schmuck anfertigen und vielleicht auch verkaufen. Ganz anders als man erwartet, muss sie Henry fast überreden, dort einen Stopp einzulegen, damit wir etwas kaufen können. Für uns wird damit so eindeutig klar, dass dieser Tag so gar nichts mit den üblichen Tour-Angeboten zu tun hat, umso mehr verfestigt sich diese intensive Erfahrung.
Als wir dort ankommen, gibt es auch hier nichts, was einer Führung ähnelt. Henry kennt die Frauen und Männer, die hier werkeln. Einer der Männer, wird ihn am nächsten Tag im Camp ablösen. Auf seine Frage nach Schmuckstücken, breiten einige der Frauen ihre Schätze aus.
Wir kommen auch hier ins Gespräch, sie erzählen uns von einer Art Grundversorgung, die sie vom Staat erhalten, unsere Frage nach ihrem Alter, können sie nicht beantworten, fragen dann aber umgekehrt. Als sie hören, dass mein Ranger bereits 65 Jahre auf dem Buckel haben, schütten sie sich aus vor Lachen. Kerstin und ich kaufen einige Schmuckstücke und haben das Gefühl, dass wir so das Einkommen der Familie ein bisschen aufbessern können, ohne den Eindruck von „was kostet die Welt“ zu hinterlassen.
Dann fahren wir zurück zum Camp, lassen den Blick vertrödeln noch ein bisschen Zeit. Bereits am Vormittag sind schon 2 weitere Gäste mit einer Fahrerin angekommen, mit denen wir uns nun dieses Paradies teilen müssen. Die sind bestimmt ganz in Ordnung – wir können aber unsere Herzen nur schwer öffnen und sind ehrlich gesagt schon ziemlich leicht zickig als wir uns auf der Sundowner-Plattform treffen. Wir genießen das Farbspiel trotzdem. Und wie!!!
Und Wehmut kommt auf: Carsten macht zum letzten Mal den Grillmeister, Helmut übernimmt den Kellermeister, Kerstin und ich schnippeln Reste. Wieder ein schöner Abend, wir wollen ihn noch nicht so ganz beschließen, also machen wir halt noch ein Fläschle auf – vielleicht kann man so den Moment besser festhalten?
Für den nächsten Tag ist eine lange Fahrt auf Gravel geplant, bis Opuwo– unsere letzte gemeinsame Station.
Teil 1511. Dez. 2017
Orientierungslos nach Opuwo
Bei herrlichem Sonnenschein nehmen wir Abschied von Etaambura. Carsten geht von nur ca. 4 Stunden Fahrzeit aus, ich habe im Hinterkopf was von 7 Stunden - es wird wohl was dazwischen, also weiterhin kein Stress. So ist es genau 10 Uhr als wir ein letztes Mal auf der Plattform stehen und dann den Hügel hinunterfahren.
Unten auf der großen Fläche sind zwei Jungs dabei, ihren Esel echt zu schinden, wir können nicht anders und brüllen ein energisches „Hey“ in ihre Richtung, was zumindest für einen Moment etwas Wirkung zeigt.
Für uns geht es weiter und weiter.
Für mein Gefühl müssten wir längst auf die 3707 kommen ... Vereinzelt sehen wir mehr oder weniger verlassene Kraals, selten auch Menschen und ihr abgemagertes Vieh. Es ist ziemlich holprig, aber kein echtes Problem. Mit der Papierkarte dem Schoß versuche ich, unsere Position zu finden, das Navi rechnet sich einen Wolf und korrigiert die Ankunftszeit kontinuierlich nach hinten.
Mächtige Baobas – von der D3707 keine Spur.
Dann Sand und Steine, steil und immer steiniger, die Andeutung einer Spur ist aber zum Glück erkennbar.
Wir halten an zum Streckenrat und erkennen, wir sind auf einem völlig anderen Trip. Irgendwann kommen wir wohl auf die 3703 und von Nordwesten nach Opuwo. Keiner hat eine Idee, was uns erwartet, gleichzeitig ist aber klar – es gibt kein zurück! Viel zu lange sind wir schon unterwegs. Mit einer gewissen Anspannung rumpeln wir weiter. Die Anzeige der Höhenmeter macht mich auch nicht ruhiger, der Gedanke an eine steile Abfahrt sorgt für feuchte Hände ... Es ist anstrengend, aber irgendwie geht’s doch. Das Navi aktualisiert unaufhörlich eine neue Ankunftszeit und ich, geübt im Dreisatz, stelle dem Ranger die geforderte Durchschnittsgeschwindigkeit zur Verfügung. Ansonsten sind wir eher still geworden mit ohne Sinn für Fotos. Sehr schade im Nachhinein. Ein paar Mal halten wir die Luft an – lose Steine, scharfe Kanten, hohe Absätze - aber es geht alles gut. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir die ersehnte Schotterstraße.
Jetzt ist dringend eine Pause angesagt, es wird nur ein kurzer Stopp an der Straße, Fahrerwechsel im Hillux und von Kerstin der Wunsch, bei Verfügbarkeit von der Campsite in die Lodge zu wechseln. Dem stimmen alle gerne zu. Weiter geht's auf guter Strecke, die bis nach Opuwo führt.
Und hier ist am späten Freitagnachmittag mal richtig was los!
Erst noch ein Tank- und ATM-Stopp und dann den Hügel hinaus zur Opuwo Country Lodge, wo wir – anders als beim frühen Buch-Versuch – sofort zwei Zimmer beziehen nebeneinander können. Eine Stunde später auf einen eiskalten Iona als letzten gemeinsamen Apero bei den Casimodos auf der Terrasse und dann sind wir ready fürs Buffet. Erleichtert darüber, dass wir die Strecke gut geschafft haben, verbringen wir einen schönen Abend. Die Anstrengung und auch die Anspannung stecken uns aber deutlich in den Knochen.
Teil 1612. Dez. 2017
In den Norden nach Epupa Falls
Als wir zum Frühstück kommen ist hier schon echt Betrieb! Reisegruppen, vor allem aus Deutschland und den angrenzenden Ländern, steigen offensichtlich und gut hörbar gerne hier ab. Einzig der Lodgemitarbeiter, der den Pool säubert, hat die Ruhe weg.
Ansonsten ist emsiges Kommen und Gehen zwischen Tischen und Buffet abgesagt, viel Palaver, viel Späßchen, da komm ich irgendwie erst mal nicht mit. Und dann ist da doch der Fluch vom WLAN: Carsten hat es ziemlich erwischt, ich bin latent infiziert, die anderen beiden haben damit wirklich nichts am Hut – Chapeau! Zwischen Abschiedsstimmung, Ablenkung und Vorfreude auf den zweiten Teil der Reise ist schnell gepackt und wir sind startklar. Noch einmal fallen wir uns in die Arme, wünschen uns das Allerbeste für den letzten bzw. zweiten Teil der Reise.
Wir hatten eine sooo tolle und intensive Zeit zusammen – besser geht’s nicht, finden wir! Unsere gemeinsame Kaokoveld war sicher eine Once-in-a-lifetime-Erfahrung, das heißt aber nicht, dass wir das nicht noch mal machen würden. Alle alles verstanden???
Wir fahren los, die C43 ist gut ausgebaut, durch schöne Landschaft, staubtrocken so weit das Auge reicht. Wir lassen die letzten Tage Revue passieren, machen einen kurzen Stopp und dann sind wir auch schon da.
Reserviert haben wir für diese Nacht nicht, Favorit ist das Epupa Camp und ganz spontan entscheiden wir uns für die ausgesprochen schöne Campsite. Herrlich: direkter Flussblick, eine Insel vor der Nase, Sonne und Schatten, gut erzogene Mitbewohner.
Nach einem kurzen Imbiss beschließen wir, zum Sonnenuntergang zum View Point zu fahren und auf dem Weg einen Stopp an der Rezeption zu machen. Schön ist es hier, eine Rafting-Gruppe kehrt zurück, Kühe sind auf dem Weg von Angola zur Camp-Insel.
Schlagartig wird es quasi kuh-nacht, Wind und Regen setzen ein, zum Glück hat die junge Frau Erbarmen mit uns und öffnet die Bar.
Nach einem kurzen Platzregen kehren wir zurück auf die Campsite, Schiraff ist wieder im Einsatz, ein Not-Dinner passt jetzt perfekt und Besuch bekommen wir auch. So sitzen wir noch lange, genießen die Stille und diese wunder-volle Stimmung,
Frühstück unter Palmen und Palmen im schönsten Morgenlicht.
Wir räumen zusammen, fahren zur Rezeption. Die Kühe sind noch da, wir bleiben einen Moment.
Bei den vielen Piepsis fällt eins sofort auf: Die Vögel hier sind lange nicht so scharf wie beispielsweise die in Botswana oder im Caprivi oder so - das liegt sicher an der Nähe zur angolischen Grenze?
Dann geben wir uns einen Ruck und fahren zum Viewpoint. Eine nette junge Frau begrüßt uns und zeigt uns das Schatten-Häuschen Das also sind die Epupa Falls – die Aussicht ist trotzdem schön! Und die, jetzt in den nächsten Stunden am Kunene entlang zu fahren sowieso
Teil 1713. Dez. 2017
Immer am Kunene lang
Mit Vorfreude schauen wir schon mal vom Hügel in Richtung der Strecke, die jetzt vor uns liegt, ein bisschen Aufregung mischt sich auch dazu. Also tschüss schöner Baobab, wir müssen los.
Zuerst verfranzen wir uns ein bisschen im Dorf bis wir die Spur am Ufer finden, wo der Ranger auch gleich einen Wasservogel entdeckt.
Wild ist der Fluss, fast unwirklich schön und irgendwie ein ganz besonderes Gefühl zu wissen, dass auf der anderen Seite schon Angola liegt.
Wahrscheinlich liegt es an unserer Staubfahne – immer wieder kommen Kinder angelaufen, reiben sich die kleinen Bäuche oder verlangen nach Sweets. Süßigkeiten gibt’s bei uns nicht, aber ein paar letzte Äpfel und Bananen finden ihre Abnehmer. (Bis heute weiß ich nicht, was in solchen Situationen ein angemessenes und ein gutes Verhalten ist – und hab oft sehr gemischte Gefühle)
Die Strecke ist gut machbar, bei Regen müsste ich allerdings hier eher nicht unterwegs sein. Teilweise wird es steil, belohnt werden die Steigungen von traumhaften Ausblicken.
Entfernt sich die Strecke vom Fluss, kommt sofort die Frage auf, ob wir noch richtig sind – die Spuren des vorletzten Tages sind noch nicht ganz verwischt.
Doch die Pad kehrt an den Kunene zurück – wir ganz allein. Das hat schon was. Insgesamt begegnen uns 2 Fahrzeuge auf der Strecke, eins davon ist das des deutschen Botschafters.
So erreichen wir die Kunene River Lodge für unsere Verhältnisse eigentlich früh, für einen Lunch aber natürlich zu spät. Und für die Bootsfahrt, auf die ich mich so gefreut hatte, hat der Kunene zu wenig Wasser. Also gibt’s ne Stulle am Häuschen mit Graulärm
und einen Drink auf der Terrasse mit herrlichem Blick.
Teil 1814. Dez. 2017
Zurück auf Los zur Khowarib Lodge
Einigermaßen früh sitzen wir zum Frühstück wieder am Fluss, gegenüber stehen die Kühe misstrauisch am Ufer, am Nebentisch erzählt ein Engländer, wie sich am Tag zuvor ein Croc eins geschnappt hat.
Upps – wir bezahlen und machen uns schleunigst auf die lange Strecke. Da wollte ich wohl zu viel unter einen Hut und in eine Reise bringen, also auf zur Khowarib Lodge. Erst mal raus aus dem Dorf und schon ist’s wieder ganz anders und auch wieder schön.
Unterwegs begegnen uns 3 Schulmädchen, die einen langen Weg vor sich haben, ein paar Hefte und Stifte, eine Flasche Wasser haben wir für sie - mitnehmen können wir sie leider nicht.
Noch vor der Mittagszeit in Opuwo, ein kurzer Stopp beim Spar und weiter
Baobabs säumen die Straße, vorbei an Camp Aussicht und am Holy Mt. Otjiso, über den Ojomatemba Pass kommen wir gut voran und sind am Nachmittag bereits am Ziel.
Die Khowarib Lodge selbst ist schön und geschmackvoll, die Lage grandios, viele schöne Einrichtungsdetails, überhaupt nichts zu meckern, aber so wirklich will der Funke nicht überspringen.
Vielleicht waren wir auch einfach ein bisschen enttäuscht dass der Plan, von hier durch die Schlucht in den Etosha zu fahren leider nicht aufging. Nachdem uns der Manager ganz dringend davon abgeraten hat, fahren wir am nächsten Morgen trotzdem in Richtung Schlucht und holen an der Campsite eine 2. Meinung ein, die aber noch eindeutiger war: „no way!“.
Jetzt sind wir also wieder zwischen Seisfontein und Pal(a)mwag. Und wieder geht’s über den Grootbergpass, aber dieses Mal weiter in den Etosha.
Teil 1917. Dez. 2017
Zebrastreifen rund um Dolomite
Die etwas blödsinnige Anfahrt zum Etosha überspringen wir hier mal großzügig, es ging schneller als befürchtet, um 13 Uhr stehen wir tatsächlich am Galton Gate und freuen uns total auf ein paar Tage im Nationalpark.
Mit vielen Erinnerungen an 2012 und unsere erste gemeinsame Afrika-Reise sind wir gespannt, wer uns hier begrüßen würde und sind ganz zufrieden.
Damals waren wir so beeindruckt von den großen Zebraherden, die an die Wasserlöcher zogen, und erstaunt von der scheinbaren Disziplin in der Frage wer wann ans Wasser geht. Wir hatten uns für Etosha also vor allem Zebras gewünscht – und was soll ich sagen: wir haben vor allem Zebras bekommen! Miteinander, einzeln, mal im Streit und wieder versöhnt, zärtlich, fröhlich und immer mit Streifen ... Ich liebe Zebras!
Allzu sehr dürfen wir uns aber nicht vertrödeln. Um 15.30 biegen wir auf den Parkplatz von Dolomite ein und sind sehr gespannt. Im April 2012 waren wir auch hier, damals war das Camp noch fast neu, inzwischen liest man nicht nur Gutes. Doch wir haben großes Glück: Der Empfang ist sehr nett, wir bekommen tatsächlich das gewünschte Chalet und die Plätze in der ersten Reihe stehen für uns bereit.
Der erste Blick von unserer Terrasse haut uns förmlich um.
Aber so schön es hier ist – wir können nicht bleiben. Am Wasserloch Renostervlei hatte ich doch das Gefühl, da liegt was unterm Busch. Also zurück und tatsächlich weit weg unsere ersten Löwen, 3 Mädels für eine Springböckchen-Jagd viel zu faul.
Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet, happy bin ich einverstanden als der Ranger zurück ins Camp drängt. Dort gibt es nach einem spektakulären Sonnenuntergang ein völlig OK-Dinner, serviert von einer jungen Frau, die sich reichlich Mühe gibt und wirklich alle Hände voll zu tun hat.
Teil 2017. Dez. 2017
Dolomite am Morgen
Geschlafen haben wir ganz wunderbar, gleich morgens geht’s noch mal raus, die Löwen waren nicht mehr da, die anderen dafür sehr viel entspannter.
Bei der Rückkehr können wir für den Check-out noch ein Extra-Stündchen aushandeln und so genießen wir zwischen Dusche und Packen zusammen mit ein paar Dauergästen noch einmal die großartige Aussicht von unserem Deck.
Dann gibt es kein Vertun mehr, der Shuttle kommt wie bestellt
Doch erst mal bleiben wir an unserem Wasserloch hängen. Noch ein Blick aufs Camp und unser Chalet,
Papa Strauß mit Kinderschar, Erdhörnchen, Oryx und Zebrapferde machen uns den Abschied schwer.
Trotzdem, wir reißen uns los – es soll ja eine ganz entspannte Fahrt nach Okaukuejo werden.