seit fünf Wochen sind wir nun schon wieder zu Hause, die Koffer sind verräumt, die Wäsche gewaschen und die Fotos gesichtet und sortiert. Der Alltag hat uns wieder und der Winter steht schon vor der Tür - der perfekte Zeitpunkt also, um unsere dreiwöchige Rundreise durch Namibias Süden und den KTP noch einmal Revue passieren zu lassen. Hier vorab zur Info unsere Route:
15.09.2017 Flug München-Windhoek via Frankfurt mit Condor 2 Nächte Bagatelle Kalahari Game Ranch 1 Nacht Kalahari Game Lodge 1 Nacht Kieliekrankie 1 Nacht Urikaruus 1 Nacht Nossob 1 Nacht Kalahari Tented Camp 2 Nächte Alte Kalkoefen Lodge 2 Nächte Alte Loge/ Lüderitz 2 Nächte Kanaan N/a‘an ku sê Desert Retreat 2 Nächte Tok Tokkie Trails 2 Nächte Namib Desert Lodge/ Dune Star Camp 3 Nächte Kobo Kobo Hills 1 Nacht Heinitzburg 07.10.2017 Rückflug Windhoek-München via Frankfurt
Ich würde mich freuen, wenn ein paar von euch uns in den nächsten Wochen auf unserer Reise begleiten und sage nur: Ready for Take-Off!
Liebe Grüße, Sonja
Teil 215. Nov. 2017
16.09.2017
Ich sitze gerade mit meinem Notebook auf der Terrasse eines Dune Chalets der Bagatelle Kalahari Game Ranch in Namibia und blicke auf eine traumhaft schöne Wüstenlandschaft mit rotem Sand, bewachsen mit goldenem Gras, gesprenkelt mit einigen grünen Büschen, und darüber spannt sich ein fast wolkenloser blauer Himmel. Springböcke machen ihrem Namen alle Ehre und springen direkt vor mir am Wasserloch vorbei. Außer dem Geklapper meiner Tastatur höre ich nur Vogelgezwitscher und sonst – nichts. Neben mir liegt meine Kamera griffbereit, und im Kühlschrank kühlt der Sundowner für später vor sich hin – was kann es Besseres geben?
Marc liegt, alle Viere von sich gestreckt, auf dem Bett und ist direkt eingeschlafen. Wir haben aber auch einen anstrengenden Tag hinter uns:
Ich war gestern noch bis Mittag im Büro, und auch Marc hatte vom Homeoffice aus noch Einiges zu erledigt. Nachmittags kam uns mein Papa abholen und brachte uns zum Münchner Flughafen, wo um 18:00 Uhr unsere Maschine nach Windhoek via Frankfurt gehen sollte. Ursprünglich hatten wir Direktflüge mit Condor gebucht – zwei Monate nach der Buchung wurde die Strecke dann aber leider gestrichen, und wir haben einen Tag später zusätzliche Flüge mit Lufthansa bis Frankfurt bekommen. Nur eineinhalb Stunden Zeit zum Umsteigen, und dann noch bei zwei verschiedenen Airlines – wenn da mal nix schiefgeht, dachte ich mir bereits im Vorfeld. Vor allem das Umladen des Gepäcks machte mir etwas Sorgen.
Mein Koffer hatte mit 22,5 Kilo eigentlich zu viel Gewicht (Condor erlaubt maximal 20 Kilo), die Dame beim Lufthansa-Check-In grinste jedoch nur und meinte, dass das bei ihnen ja kein Problem sei und die Koffer beim Umladen sicher nicht mehr gewogen werden würden, und verpasste ihm seinen Anhänger. Die Zeit bis zum Boarding verbrachten wir schon fast traditionell mit einem Radler im Airbräu, wo dank des morgigen Wiesn-Anstichs einiges los war. Besucher aus aller Welt strömten nach München, für uns dagegen ging es mittlerweile zum dritten Mal ins südliche Afrika.
Kurze Zeit später am Gate dann die Durchsage: „Aufgrund eines Defekts an der Maschine verzögert sich der Abflug um 35 Minuten“. War ja irgendwo klar – aber noch war ich ruhig, und als das Boarding pünktlich begann, war ich optimistisch, dass wir alles noch rechtzeitig schaffen würden. Eine Dreiviertelstunde später standen wir allerdings immer noch am Gate, da zunächst das Beladen der Maschine länger gedauert hatte und wir dadurch unseren Landeslot in Frankfurt verpasst hatten und somit auf den nächsten warten mussten. Selbst wenn wir die Maschine nach Windhoek noch erwischen sollten – für das Gepäck sah ich da schwarz. Und bedingt durch die Flugverschiebung um einen Tag hatten wir die erste Nacht in Windhoek gestrichen und wollten direkt bis zur Bagatelle Kalahari Game Ranch durchfahren. Ob wir unsere Koffer wohl jemals wiedersehen würden?!?
Endlich hoben wir in den mittlerweile dunklen Nachthimmel ab und landeten bereits 35 Minuten später in Frankfurt. Raus aus dem Flieger, einmal quer über den Flughafen und gerade noch so in die Condor-Maschine – kurz nach unserem Eintreffen hieß es „Boarding completed“. Dann eine Durchsage des Piloten: „Wegen eines technischen Defekts an der Laderampe muss das Flugzeug manuell beladen werden, weshalb sich der Abflug um 30 Minuten verzögert. Die Fluggäste aus München wird dies jedoch freuen, denn so schaffen wir es, auch ihr Gepäck noch rechtzeitig einzuladen“. Juhu, ist das denn zu glauben? Jetzt kann es also endlich losgehen.
Kurz darauf verlassen wir Frankfurt und beschäftigen uns mit Essen und dem Entertainment-Programm, bis wir schließlich für wenige Stunden in einen unruhigen Schlaf fallen. Die wirklich eng bestuhlten Sitzreihen tun ihr Übriges dazu, dass diese Nacht nicht sonderlich erholsam ist.
Um kurz vor sieben Uhr morgens haben wir dann endlich wieder namibischen Boden unter den Füßen und werden mit einem wunderschönen Sonnenaufgang beim Gang übers Rollfeld begrüßt.
Da Condor die Immigration Forms bereits im Flugzeug verteilt hatte, war unser Vorteil der bereits ausgefüllten und von daheim mitgebrachten Formulare dahin, und wir warteten doch einige Zeit an der Passkontrolle. Ich durfte dann noch Dolmetscher für die französische Dame am Schalter neben mir spielen, die leider kein Englisch konnte und auch nicht wusste, wo sie mit ihrer Reisegruppe die erste Nacht in Namibia verbringen würde. Das nenne ich mal eine hervorragende Reisevorbereitung…
Das Gepäck kam rasch, und schon standen wir inkl. Bargeld und MTC-Guthaben bei unserem Fahrer, der uns zu Value Car Rental bringen sollte. Wir waren nur leider nicht die einzigen Fahrgäste, und der Rest ließ sich offenbar Zeit – viel Zeit… Nach einer guten dreiviertel Stunde, vielen Telefonaten und einigen Rundgängen unseres Fahrers stellte sich heraus, dass er sich verzählt hatte und wir eigentlich schon lange vollständig waren. Also endlich ab in die Stadt, wir wollten auf Pad!
Ein kurzer aktueller Einwurf: Ich werde immer wieder „gezwungen“, das Schreiben zu unterbrechen – immer mal wieder besuchen Springböcke und Strauße das Wasserloch,
kleine Eidechsen wollen mit der Kamera verfolgt werden, oder Mäuse huschen leichtfüßig über den roten Sand. Überall gibt es was zu sehen oder zu hören, ich könnte stundenlang hier sitzen.
Die Fahrzeugübernahme bei Value (gehört zu Asco) geht zügig vonstatten und schon bald können wir mit unserem bereits etwas in die Jahre gekommenen Toyota Hilux SC vom Hof fahren (etwas mehr als 142.000 Kilometer waren bei der Übernahme auf dem Tacho). Die Fleischlieferung der Klein Windhoek Schlachterei hat auch einwandfrei funktioniert, und so liegen bereits zwei Kilo Oryx-, Springbock-, Zebra- und Straußenfilet in unserem dazu gebuchten Kühlschrank. Nun noch schnell ein Stopp beim SuperSpar und die wichtigsten Dinge eingekauft (Tonic Water und Wein) nebst weiteren wichtigen Dingen wie Wasser und kleinen Snacks für zwischendurch.
Dann navigiere ich uns durch die Stadt auf die B1 Richtung Süden. Das Linksfahren funktioniert mittlerweile problemlos, und so kommen wir zügig voran. Kurz vor Rehoboth machen wir eine kurze Lunchpause und bleiben bis Kalkrand auf der B1, bevor wir auf die C21 abbiegen und damit endlich wieder Gravel unter den Reifen haben.
Mittlerweile macht uns beiden die Müdigkeit arg zu schaffen, und wir werden einmal mehr daran erinnert, warum wir eigentlich die erste Nacht in der Umgebung von Windhoek verbringen wollten. Durch abwechselndes Fahren schaffen wir es aber, sicher und unfallfrei auf Bagatelle anzukommen, wo wir von Olaf sehr freundlich begrüßt werden und auch gleich den Schlüssel zu unserem Dune Chalet Nr. 4 erhalten.
Die Lage ist ein Träumchen – lediglich der Weg hierhin ist etwas beschwerlich. Mit den Koffern muss man das letzte Stück im Sand hochlaufen, Wege gibt es keine. Aber es lohnt sich!
Mittlerweile haben die Perlhühner das Wasserloch übernommen, und ich werde noch ein Weilchen die Ruhe genießen und das Urlaubsfeeling aufkommen lassen.
Teil 316. Nov. 2017
17.09.2017
Heute ist er da, mein 31. Geburtstag, hurra 🤩 😎 Aber erstmal der Reihe nach:
Gestern Abend haben wir uns nach der ausgiebigen Siesta und einem entspannenden Bad in der Wanne vor dem Panoramafenster mit einem Gin Tonic auf die Veranda unseres Chalets gesetzt und den Sonnenuntergang zelebriert. Da es abends etwas diesig wurde, war der zwar relativ unspektakulär, aber das war egal – endlich wieder sundownern.
In der Lodge erwartete uns ein wunderschön gedeckter Tisch, ein wirklich hervorragendes Dinner und eine gute Flasche Weißwein. Zur Vorspeise gab es Oryx-Carpaccio oder frittierte Prawns mit Wasabi-Creme, als Hauptgang hervorragend gegrilltes Springbock-Filet mit Gem Squash Püree, das traditionell mit Zimt gewürzt war und in das ich mich hätte reinlegen können. Zum Dessert dann noch eine Creme aus weißer Schokolade und Orange, perfekt. Das Ganze wurde begleitet von einigem tierischen Besuch: Skunky, den Springbock mit den Wasserschläuchen über den Hörnern, sowie Rusty, den dicken roten Kater kennen wir noch vom letzten Besuch in 2013.
Ersterer steht übrigens gerade neben mir, während ich bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse sitze und Reisebericht tippe.
Dazu gesellen sich noch diverse andere Katzen, zwei Hunde und sogar ein Eland – so aus der Nähe betrachtet haben die schon eine eindrucksvolle Größe.
Auf dem Rückweg zum Chalet können wir noch den wunderschönen Sternenhimmel bestaunen – zum Fotografieren bin ich aber leider zu müde und hoffe, dass es nicht die einzige sternklare Nacht unseres Urlaubs bleiben wird. Wir fallen in unser gemütliches Bett und sind schon bald eingeschlafen.
Um kurz vor halb sieben klingelt uns auch schon wieder der Wecker aus dem Schlaf – wer hatte nochmal die glorreiche Idee mit dem Morning Drive? Es ist kalt und leicht diesig draußen, und das Bett würde sehr zum Verweilen verlocken. Aber nichts da, wir schlüpfen in unsere warmen Klamotten und machen uns auf den Weg zu Rezeption. Dort erwartet uns Felix zusammen mit einem weiteren deutschen Pärchen (Lisa und Paul), und schon geht es los in die traumhafte Dünenlandschaft. Durch den Fahrtwind ist es trotz aufgehender Sonne noch empfindlich kalt und wir sind froh über die Decken im Auto und die mitgebrachten Mützen.
Ich könnte mich ewig an diesen Farben hier satt sehen: die sanft gewundenen Wege, deren Farbe von weißem Sand in den Tälern bis zu tiefrotem Sand auf den Dünen wechselt, das goldene Gras, das sich im Wind bewegt und darüber der blaue Himmel mit ein paar dekorativen Wölkchen – es gibt kaum eine schönere Kombination. Vorbei an schweren, mächtigen Webervogelnestern fahren wir immer weiter, die Dünen hinauf und hinunter, bis wir schließlich die große Salzpfanne auf dem Gelände erreichen. Immer wieder werden wir begleitet von Springböcken, Oryx etc.
Felix erklärt Interessantes zu allen möglichen Tieren und Pflanzen, die uns begegnen – wunderschön ist unter anderem die Begegnung mit einer Gruppe Giraffen, die uns äußerst nahe an sich heran lassen und toll vor dieser herrlichen Kulisse für uns posieren.
Auf einer Düne hält Felix plötzlich an und fragt, ob uns immer noch kalt wäre – oh ja, wir sind etwas durchgefroren. Er zieht hinter seinem Sitz eine Thermoskanne hervor und gießt uns Kaffee ein. Beim Probieren stellen wir schnell fest, dass der Kaffee mit Amarula gemischt ist – so mag ich das, ein Kaffee mit Schuss morgens um acht 🤪
Langsam fängt die Sonne auch an zu wärmen und lässt erahnen, wie heiß es heute noch werden wird. Auf dem Rückweg entdecken wir einen brütenden Strauß mitten in der Salzpfanne – Feinde scheinen diese Tiere hier nicht zu haben, weithin sichtbar für jeden liegt das Weibchen dort und lässt sich von uns nicht stören.
Um kurz nach neun sind wir zurück an der Lodge und stärken uns beim Frühstück mit Spiegelei und Speck, belegtem Toast und Müsli. Dank WLAN trudeln die ersten Geburtstagsgrüße ein. Wir haben jetzt „frei“ bis zum Nachmittag und holen erstmal noch zwei Stündchen Schlaf nach, bevor wir uns an den Pool legen und ein wenig bräunen lassen.
Um 14:00 Uhr habe ich einen Termin bei Rosy zur Massage – eine Stunde lang lasse ich mich am ganzen Körper verwöhnen und ich muss sagen, sie macht das wirklich ganz hervorragend. Ich bin danach tiefenentspannt und auch Marc ist sehr angetan. Nach all diesen Anstrengungen bekommen wir langsam Hunger, und glücklicherweise gibt es ja das Kuchenbuffet, an dem man sich nachmittags eigenständig bedienen darf.
Nach ein bisschen Lesen und Reisebericht schreiben gehen wir duschen und genießen den Sonnenuntergang wieder von der Terrasse unseres Chalets – heute mit einer Flasche Champagner, die Marc extra mitgebracht hat, um meinen Geburtstag gebührend zu feiern. Kann ein Geburtstag schöner sein?
Teil 418. Nov. 2017
18.09.2017
Es ist früher Nachmittag und ich liege auf einer bequemen Liege am Pool der Kalahari Game Lodge – noch im Schatten, denn in der Sonne ist es brütend heiß. Fliegen umschwirren uns, und vorne an der Rezeption kommen gerade neue Gäste an. Wir haben 300 entspannte Kilometer (in 5 Stunden) auf der Pad zurück gelegt, nur gelegentlich unterbrochen von Fotostopps und Pipipausen – wie angenehm es doch ist, wenn man ausgeschlafen ist 😗
Gestern Abend hatten wir wieder ein tolles Dinner – zur Vorspeise gab es Kudutartar, das wirklich ganz ausgezeichnet geschmeckt hat. Vom Champagner wagemutig geworden, haben wir auch die in Knoblauch eingelegten Schnecken probiert. Schmeckte ein wenig wie Miesmuscheln, aber die Konsistenz erinnerte mich einfach zu sehr an Schnecke – mein Lieblingsessen wird das nicht… Zum Hauptgang gab es ein perfekt gegrilltes Kudusteak, und eine beschwipste Creme Brulée zum Dessert.
Da uns der Morning Drive mit Felix so gut gefallen hatte, hatten wir spontan noch den Night Drive mit ihm dazu gebucht. Wir waren die einzigen Gäste und so konnten wir direkt nach dem Dinner starten. Felix fuhr mit uns quer durch das Farmgelände und leuchtete mit einer starken Lampe die Umgebung ab. Wir sahen viele Springböcke, Kudus, Red Hartebeest, Gnus, Oryx etc., dazu einige nachtaktive Tiere wie Springer, Aardwolf und eine Eule.
Sonderlich ergiebig war die Fahrt zwar nicht, aber dank Felix trotzdem eine recht witzige Angelegenheit. Müde und zufrieden mit dem tollen Tag fielen wir danach in unser Bett und waren schnell eingeschlafen.
Um sieben Uhr läutete der Wecker, und die Dünenlandschaft erglühte bereits in der aufgehenden Sonne in ihren bezaubernden Rottönen. Leider mussten wir diesen herrlichen Platz heute wieder verlassen, aber so ist das nun mal bei einer Rundreise – man will ja noch ein bisschen mehr vom Land sehen. Nach dem Frühstück packten wir unsere Siebensachen und schleiften die Koffer wieder über die Düne zurück zum Auto – diesmal ging es glücklicherweise bergab. Noch schnell auschecken und schon sind wir unterwegs.
Unser nächstes Ziel ist die Kalahari Game Lodge kurz vor den Toren des KTP – ein Tipp von Ute und Volker. Der erste Eindruck ist nett, wir werden freundlich begrüßt und erhalten sofort den Schlüssel zu unserem süßen kleinen Chalet, das ein wenig wie ein Puppenhaus wirkt. Die Lodge scheint allgemein nicht groß zu sein, den Tischen im Restaurant nach zu urteilen. Wir richten uns kurz häuslich ein und laufen dann gleich zum Pool, wo wir uns zwei Liegen schnappen und direkt in die Erholungsphase übergehen.
Teil 519. Nov. 2017
19.09.2017
Die Sonne brennt vom strahlend blauen Himmel, an dem sich kein Wölkchen zeigt. Es ist kurz nach drei, und ich sitze mal wieder mit einer wunderbaren Aussicht hier und schreibe Reisebericht.
Hin und wieder erhalte ich Besuch von kleinen Mäuschen, die im Baum neben unserer Terrasse zu wohnen scheinen und auch fleißig auf dessen Ästen herumklettern. Die Türen sollten wir wohl lieber geschlossen halten, wenn wir nicht ungebetenen Besuch im Zimmer haben wollen. Auch die kleinen gefiederten Freunde gibt es hier zuhauf, sie sitzen auf dem Geländer und auf der Grillstelle und warten, bis etwas für sie abfällt – derweil putzen sie fleißig ihr Gefieder. Hier im Kieliekrankie Wilderness Camp ist man wirklich mitten im Nirgendwo – Strom gibt es nur bis 21:00 Uhr, WLAN und Handynetz sucht man vergebens. Aber genau das macht den Charme dieses Ortes aus – das Wissen, dass es nichts gibt, was man als Nächstes tun muss. Keine Nachricht, die beantwortet werden muss, kein Telefonat, das man schon seit Tagen hätte führen sollen, kein Soziales Netzwerk, das gecheckt werden will. Ist das der wahre Luxus der heutigen Zeit?
Gestern Abend, nachdem wir uns ausgiebig am Pool gesonnt haben, setzten wir uns auf unsere kleine Terrasse und gönnten uns zum Sundowner einen Gin Tonic.
Das Abendessen wurde in einer kleinen separaten Hütte serviert. Gedimmteres Licht, ein paar Kerzen auf den Tischen und leise Musik hätten geholfen, die Speisesaal-Atmosphäre etwas aufzulockern, der Service war jedoch freundlich und das Essen okay (Oryx-Steak zum Hauptgang). Nachdem wir unsere Flasche Wein in der Bar, die leider genauso wenig zum Verweilen eingeladen hat, ausgetrunken haben, machten wir uns auf den Rückweg zum Chalet und stellten fest, dass der Himmel klar war und einen fantastischen Ausblick auf die Sterne bot.
Während Marc also schon im Bett lag und las, packte ich mein Stativ und die Kamera ein und machte draußen die ersten Versuche in Astro-Sternenfotografie. Das Ergebnis ist meines Erachtens nach gar nicht so schlecht. Nachdem aber einige undefinierbare Tierstimmen direkt aus dem Busch neben mir zu hören sind, entscheide ich mich, dass nun auch für mich Schlafenszeit ist.
Um sieben Uhr klingelt der Wecker, wieder packen wir unsere Taschen und verlassen nach einem wie erwartet recht nüchternen Frühstück die Kalahari Game Lodge. Man bekommt zu spüren, dass die meisten Menschen diese Lodge nur als Durchgangsstation in den KTP nutzen – man hatte uns weder Aktivitäten angeboten, obwohl laut Preisliste an der Rezeption welche angeboten werden, noch auf den Sundowner Viewpoint hingewiesen oder uns dazu animiert, länger als nötig im Restaurant oder der Bar zu verweilen. So ganz erwünscht kam man sich nicht vor – für eine Nacht okay, mehr aber auch nicht.
Kurze Zeit später erreichen wir den Grenzübergang Mata Mata, und nachdem die Formalitäten schnell erledigt sind, dürfen wir auch schon einreisen. Wir checken im Main Camp direkt für Kieliekrankie ein, erhalten unseren Laufzettel und decken uns danach im Shop noch mit ein wenig Gemüse, Feuerholz und Wasser ein.
Nachdem wir den Reifendruck auf 1,5 bar gesenkt haben, geht es los – wir fahren Richtung Kieliekrankie und klappern dabei alle Wasserlöcher ab, die auf dem Weg liegen. Entsprechend langsam kommen wir voran, aber wir sehen bereits einiges an Tieren, und auch landschaftlich lässt der KTP hier im Auobtal nichts zu wünschen übrig.
Kurz nach dem Wasserloch Kumqua stehen einige Fahrzeuge am Straßenrand, und nach kurzer Zeit sehen wir den Grund dafür: Relativ weit entfernt unter einem Baum im Schatten liegt ein Gepard, der hin und wieder den Kopf hebt und mit dem Schwanz wedelt. Anders hätte man ihn so wohl kaum entdeckt. Für Fotos ist er viel zu weit weg, und so merken wir uns die Stelle und wollen heute Nachmittag nochmal hier vorbeifahren.
Als wir bereits knapp vor dem Camp sind, entdeckt Marc ein weiteres Highlight: Eine Erdmännchen-Kolonie direkt neben der Straße. Ich kann mich gar nicht sattsehen und knipse einige Bilder von den süßen Kerlchen.
Kurz vor zwei erreichen wir Kieliekrankie, wo wir von Willem begrüßt und zu unserem Chalet gebracht werden. Die Terrasse mit dem grandiosen Ausblick ist wirklich der Hammer, und nachdem wir uns kurz eingerichtet haben, gibt’s dort erstmal einen Kaffee und eine Runde Kniffel. Gleich geht es weiter zu unserem nachmittäglichen Drive – mal schauen, was uns erwartet.
Teil 621. Nov. 2017
20.09.2017
Es ist brütend heiß, der Schweiß läuft mir von allen Körperteilen, die mit irgendetwas in Berührung kommen 😵 Gerade eben ist eine Windhose durch das Camp von Urikaruus gefegt und hat einen kurzen Moment der Erleichterung, vermischt mit etwas Sand, gebracht – ansonsten ist kein Lufthauch zu spüren. Direkt vor mir sehe ich das Wasserloch, das wesentlich näher ist als das in Kieliekrankie – ein einsames Gnu macht sich gerade dorthin auf, es ist ihm nicht zu verdenken bei der Hitze.
Tag zwei ohne Verbindung zur Außenwelt – ich bin erstaunt, wie leicht mir das doch fällt. Die Vorstellung, dass meine Freunde und Kollegen die Tage Hulapalu-singend und Biertrinkend auf der Wiesn verbringen, ist leicht surreal. Hier im KTP hat sich bereits eine kleine Routine eingeschlichen: bis gegen Mittag sind wir auf Pirschfahrt unterwegs, dann fahren wir unser jeweils gebuchtes Camp an und machen dort Mittagspause. Der Reisebericht kann aktualisiert werden, das Buch weiter gelesen, und Kniffel spielen ist auch immer nett (vor allem, da ich momentan einen guten Lauf habe). Dazwischen hüpft auch immer das ein oder andere große oder kleinere Tierchen vor meine Linse, die griffbereit neben mir auf dem Tisch liegt. Marc testet schon mal die Betten und döst eine Runde.
Auch gestern Abend waren wir noch zwei Stündchen unterwegs, sind noch bis zum Wasserloch Kamqua gefahren, da dort vormittags Geparden gelagert hatten. Das Licht ist wundervoll, ich könnte alle zwei Meter anhalten und irgendwas fotografieren, dann würden wir die Strecke aber niemals bis Sonnenuntergang schaffen.
Wir treffen unter anderem auf eine kleine Gruppe Giraffen, die sich beiderseits der Pad zum Abendessen versammelt hat – die Tiere sind mächtiger als man denkt, wenn man direkt neben ihnen steht. Auch drei Schakale laufen uns über den Weg und machen sich gen Sonnenuntergang durch das Flussbett davon.
Zurück in unserem Camp wird Feuer gemacht und das Abendessen vorbereitet. Aus Wolfgangs Vorrat entscheiden wir uns heute für Zebrafilet, dazu gibt’s Bratkartoffeln mit Zwiebeln und einen leckeren Weißwein. Sobald es dunkel wird, tauchen einige zusätzliche Gäste auf unserer Terrasse auf. Manche fliegen bevorzugt um unsere Köpfe, oder auch gern mit einem ekligen Geräusch gegen die Fensterscheibe, und man will gar nicht so genau wissen, was das jetzt eigentlich ist 🤢 Andere, nämlich kleine Eidechsen und Geckos, huschen die ganze Zeit von einer Ecke der Terrasse in die andere, und da wir nicht wissen möchten, wie stabil diese kleinen Zeitgenossen sind, müssen wir höllisch aufpassen, nicht aus Versehen auf eins drauf zu treten. Wenigstens die Mäuse scheinen sich schlafen gelegt zu haben, oder sie treiben sich zumindest woanders rum. Die Tür zum Schlafraum wird auf jeden Fall immer akribisch geschlossen gehalten.
Bereits gegen neun Uhr liegen wir ins den Betten und sind schnell eingeschlafen.
Der Wecker klingelt heute um sechs, wollen wir doch so früh wie möglich in den Park fahren. Da wir noch Öl brauchen (gestern hat uns Willem netterweise welches ausgeliehen) und auch unsere Wasservorräte wieder aufgestockt werden sollten, entscheiden wir uns für die Runde unten um Twee Rivieren.
Bereits kurz nach der Abzweigung rufe ich das erste Mal „Stopp!“. Oben auf dem Dünenkamm hält eine Löwe Ausschau – statt aber auf unserer Seite die Düne hinab zu schreiten, verschwindet er lieber dahinter und ward nicht mehr gesehen, also weiter. Kurz vor Monro hat Marc dann ein wirklich gutes Auge: ein einzelner Gepard sitzt in einiger Entfernung und blickt sich aufmerksam um. Wir suchen die Gegend ab und finden rasch ein zweites Tier im Schatten eines nahen Baumes.
Zunächst passiert wenig, die beiden Tiere wechseln hin und wieder ihre Position und scheinen ansonsten faul zu sein – bis sich ein vorwitziger Schakal von hinten anschleicht. Wir sehen ihn schon eine Weile die Dünen herunterkommen, die Geparden tun so, als hätten sie ihn nicht bemerkt. Erst, als der Kleine schon vorbei ist, setzt ein Tier urplötzlich und ohne Vorwarnung zur Jagd an, das andere folgt mehr halbherzig. Dies hat zweierlei positive Effekte: einerseits sind die Tiere für kurze Zeit näher an der Straße und können gut abgelichtet werden, und zweitens kann der Schakal sich auf die andere Straßenseite retten und steht nun auch direkt neben unserem Auto.
Die Geparden ziehen sich wieder weiter ins Gelände zurück und wandern langsam gen Süden. Wir folgen ihnen so lange, bis sie sich schließlich unter einem Baum niederlassen und kaum mehr zu sehen sind. Ein einsames Oryx steuert zielsicher und offenbar unwissend auf den Baum der beiden zu und wir sind sehr gespannt, was passiert – naja, tatsächlich nicht allzu viel. Kurz vor dem Baum erschrickt das Oryx, sprintet kurz den Berg hoch, guckt dann in Alarmbereitschaft zu den Geparden, schnaubt am Ende gefühlt hochmütig und wandert weiter. Bis jetzt kam kein anderes Auto vorbei, mit dem wir unsere Entdeckung hätten teilen müssen – erst kurz bevor sich die beiden final unter dem Baum niederlassen, machen wir ein entgegenkommendes Pärchen auf unsere Sichtung aufmerksam, dann fahren wir weiter.
In Twee Rivieren erledigen wir kurz unsere Einkäufe, gönnen uns ein Eis zum Frühstück und fahren nun das Nossobtal wieder gen Norden hoch. Bereits kurz nach dem Camp sehen wir mehrere Fahrzeuge am Straßenrand stehen, und der Grund ist sehr ersichtlich. Nicht allzu weit weg liegt ein Löwenrudel, bestehend aus drei Männchen und zwei Weibchen mit einem frischen Riss unter einem Baum. Die Männchen scheinen noch recht jung zu sein – der Pascha liegt bereits voll gefressen im Schatten und dreht sich nur noch von rechts nach links. Der zweite in der Rangfolge macht sich gerade am Kadaver zu schaffen und verschwindet fast mit dem Kopf im Bauch dessen, was vor Kurzem wohl noch ein Gnu war. Eines der Weibchen versucht, auch etwas vom Festmahl ab zu bekommen, wird aber schnell zur Räson gebracht und am Ende sogar noch angepinkelt. So ein Assi, dieser Pascher – behandelt man so etwa Frauen? 😈
Als alle gesättigt sind und ins Suppenkoma gefallen sind, setzen wir unseren Weg fort und nehmen beim Wasserloch Kij Kij die Verbindungsstraße zurück ins Auobtal.
Es wird immer heißer und Tiere werden Mangelware. Wir fahren eine ganze Weile, ohne überhaupt irgendwas zu sehen. Langsam drückt die Blase, und wir beschließen, am nächsten Picknickplatz eine Pause einzulegen. Kurz davor eine weitere Hammersichtung: ein gutes Stück entfernt liegt ein einsamer Gepard mit den Überresten eines Springbocks unter einem Baum. Für mehr als Beweisfotos reicht es leider nicht (tatsächlich ist das Tier so weit weg, dass wir uns nicht sicher sind, ob es ein Gepard oder ein Leopard ist; erst das Foto bringt hinterher die Tatsachen ans Licht) – und abwarten ist nicht drin, sonst würde ich platzen 😊 Wir merken uns die Stelle und wollen abends nochmal herkommen. Bis dahin tut sich hoffentlich nicht allzu viel, und das Kätzchen macht einen ausgiebigen Mittagsschlaf.
Kurz nach der Pipipause und einem kleinen Snack erreichen wir gegen halb zwei Urikaruus, werden von Eric freundlich begrüßt und zu unserer Hütte gebracht. Diese sieht wirklich urig aus: der Küchenbereich mit der Aussichtsterrasse liegt in einem separaten Häuschen, und über ein paar Stufen erreicht man weiter oben das Schlaf- und Badehäuschen. Wir richten uns kurz ein und lassen uns dann erschöpft auf der Terrasse nieder – erstmal ein Kaffee, um wieder etwas in die Puschen zu kommen. Dann ist wie immer Relaxing angesagt, bevor es später wieder auf Game Drive geht.
Teil 722. Nov. 2017
21.09.2017
Es ist heiß, es ist staubig, die Luft flirrt vor Hitze – wir sind in Nossob angekommen. Richtig ist, dass es schönere Flecken auf dieser Erde gibt. So schlimm, wie alle immer erzählen, ist es aber bei Weitem nicht. Ich liege im Bett unseres Chalets Nr. 2; da es kein Fenster gibt und die Klimaanlage läuft, ist es hier drin sehr angenehm. Und es ist sauber, das ist uns immer das Wichtigste. Außerdem sind wir morgen ja schon wieder weg, wir wollen hier keine Wurzeln schlagen.
Unsere Ausfahrt gestern Abend war tiermäßig wenig ergiebig – unser Plan, nochmal zu der Stelle zu fahren, wo wir mittags den Gepard gesehen hatten, ging leider nicht auf. Der Kadaver des Springbocks bzw. das, was von ihm noch übrig war, lag noch unter dem Baum, der Jäger war dagegen verschwunden. Wir fuhren weiter das Auobtal entlang und erfreuten uns an der wunderschönen Landschaft, die mittlerweile in herrlich goldenes Licht getaucht war, und den üblichen Verdächtigen, die uns vom Straßenrand aus misstrauisch beäugten.
Um kurz nach sechs waren wir wieder im Camp, entfachten unser Feuer und gönnten uns einen eiskalten Gin Tonic. Während wir warteten, dass das Feuer zu einer passablen Glut wurde und Marc nebenbei Kartoffelbrei zubereitete, spielten wir eine Runde Kniffel und scannten immer wieder die Umgebung nach möglichem tierischen Besuch am Wasserloch ab.
Heute Abend grillten wir eine Portion Strauß – und ich muss sagen, ich glaube nicht, dass ich jemals in meinem Leben so gutes Fleisch gegessen habe, ohne Übertreibung. Während wir uns selbiges auf der Zunge zergehen ließen, tranken wir einen ebenso köstlichen Weißwein, betrachteten die Sterne und waren einmal mehr dankbar dafür, genau hier an diesem Ort sein zu dürfen. Relativ spät ging es heute erst zu Bett, so gegen halb elf. Und die Nacht war kurz… Ein nicht ganz so willkommener Gast teilte sich mit uns das Schlafzimmer: An der Zimmerdecke hatte es sich ein Gecko gemütlich gemacht. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, ihn mit einem Kleiderbügel von dort nach draußen zu locken/ zu treiben, fand ich mich mit seinem Vorhandensein wohl oder übel ab und fiel schnell ins Land der Träume.
Mitten in der Nacht wurden wir plötzlich von lautem, durchdringendem Gebrüll geweckt. Ein Blick nach draußen bestätigte: Mehrere Löwen hatten es sich ums Wasserloch gemütlich gemacht, wie viele es genau waren, konnten wir wegen der Dunkelheit noch nicht erkennen. Das Brüllen ging noch einige Stunden weiter, bis wir schließlich in der Morgendämmerung aus dem Bett krochen und bei langsam besser werdendem Licht die Lage sondierten. Fünf Löwen, davon vier Männchen und ein Weibchen. Das Weibchen gehörte offenbar zum ältesten Männchen, welches seine Ansprüche auch mehrfach kopulierenderweise kund tat 🤩 Ein Einzelgänger lief immer mal wieder die Gegend ab, wie um nach potenzieller Beute Ausschau zu halten, und die anderen beiden lagen faul in der Gegend rum.
Während wir unser Frühstück zubereiteten und uns mit einer Kanne Kaffee auf der Terrasse, quasi in der ersten Reihe, niederließen, wechselten die Protagonisten immer mal wieder den Standort, viel passierte aber nicht. Dem Weibchen wurde es bei seinem Pascha wohl irgendwann zu fad, und es wollte den beiden andere Männchen einen Besuch abstatten (wie Frauen das eben so machen, wenn man ihnen zu wenig Aufmerksamkeit schenkt 🤪 ) – fand ersterer aber nicht ganz so lustig und wirbelte jede Menge Staub auf, um seine Ansprüche klar zu machen.
Das war's dann aber auch an Action an der Löwenfront – nachdem sich einige Zeit nichts mehr getan hatte, packten wir gegen halb acht unsere Siebensachen und verließen kurz danach Urikaruus.
Die Strecke nach Nossob zog sich ganz schön, und vor allem auf der ersten Hälfte sahen wir eigentlich außer einem einzelnen Eland, das bezeichnenderweise direkt am Wasserloch "Eland" zu finden war, relativ wenig.
Am Wasserloch Kaspersdraai machten wir Pause und beobachteten das Aufeinandertreffen einer Oryxherde mit einer Gnuherde sowie die wenig erfolgreichen Jagdversuche mehrerer Schakale.
Kurz vor der Einfahrt ins Camp wären wir fast noch an zwei Löwen vorbei gefahren, die in den Schatten eines Baumes direkt am Straßenrand geflüchtet waren und netterweise eine ganze Weile liegen blieben, währen ich die Kamera zückte. Nach ein paar Minuten ließen wir die beiden in Ruhe weiterschlafen und meldeten uns erstmal in Nossob an.
Da unser Zimmer noch nicht fertig war, erledigten wir erst noch die ausstehenden Einkäufe im Shop, machten eine kleine Mittagspause und verbrachten die restliche Zeit im Hide, vor dem sich allerdings wegen der Hitze nicht viel tat. Dann war unser Zimmer endlich bezugsfertig, wir richteten uns schnell ein und machten erstmal wie gewohnt Siesta.
Teil 825. Nov. 2017
22.09.2017
Die Zivilisation hat uns wieder – zum ersten Mal seit vier Tagen ist auf meinem Handy immerhin Netzempfang zu verzeichnen 😄 Morgen haben wir hoffentlich mal wieder WIFI, um die neusten Nachrichten von unserem heimischen Kater empfangen zu können – und natürlich den Rest an Familie und Freunden zu beruhigen, dass wir die Wildnis überlebt haben und noch alle Gliedmaßen dran sind 😉
Gestern Nachmittag sind wir noch eine kleine Runde gefahren – auf viel Strecke hatten wir keine Lust, die gestrige Hitze hat uns etwas geschlaucht. Bereits kurz nach dem Tor ein Roadblock – die beiden Löwen sind mit dem Schatten mitten auf die Straße gewandert.
Die Autos mussten sich ganz schön ins Zeug legen, um überhaupt an den beiden vorbei zu kommen, und natürlich musste jeder kurz anhalten und ein Löwenselfie machen.
Ansonsten war unsere Ausfahrt eher unspektakulär, mal abgesehen von dieser traumhaften Landschaft. Am Wasserloch Marie se Draai lagen mehrere Löwen im Schatten des Wassertanks, diese waren aber kaum zu sehen und rührten sich auch nicht.
So fuhren wir gegen sechs ins Camp zurück und machten es uns auf der Terrasse gemütlich.
Hier herrscht diese typische Camp-Atmosphäre, die man z.B. aus Okaukuejo kennt – alles ist sandig und staubig, schön ist es nicht im herkömmlichen Sinn, es ist einiges los, aber sobald es dunkel wird, sitzen alle am Lagerfeuer, grillen ihr Fleisch und trinken ihren Gin Tonic. Da kommt die Camperromantik durch – irgendwie fehlt mir das dieses Jahr schon ein bisschen, muss ich sagen 😊
Nachdem wir ein vorzügliches Springbock-Filet und dazu einen leichten Weißwein verspeist haben, zieht es uns noch zum Hide, wo in einiger Entfernung zum Wasserloch zwei männliche Löwen liegen und sich hin und her wälzen. Schakale kommen zum Trinken, ansonsten ist nicht allzu viel los. Plötzlich stößt einer der Löwen ein lautes Gebrüll aus, dessen Grund wir nicht erkennen können, und zieht in die Dunkelheit davon. Der zweite Löwe folgt ihm kurz danach. Bis auf fernes Gebrüll ist nun Ruhe im Karton und wir machen uns bettfein.
Am nächsten Tag haben wir einiges an Strecke zurück zu legen – wir müssen von Nossob bis nach Mata Mata, und die Querverbindung vorbei an Bitterpan dürfen wir mangels Reservierung nicht nehmen. Also einmal außen rum, Strecke ca. 170 Kilometer.
Wir lassen es trotzdem gemütlich angehen, tanken vor Abfahrt noch das Auto voll und werfen einen Blick auf alle Wasserlöcher, an denen wir vorbeikommen und sind auch sonst aufmerksam mit Scannen der Umgebung beschäftigt. Das Ergebnis ist eher mau – im gesamten Nossobtal scheint heute kaum ein Tier unterwegs zu sein. Das spiegelt sich auch auf meiner Speicherkarte wieder – außer ein paar Vögeln, zwei Oryx und ein paar Blümchen ist nichts drauf.
Erst im Auobtal sind dann wieder mehr Tiere unterwegs.
Wir machen eine kurze Rast auf der Picknicksite und fahren dann weiter gen Norden. Gegen halb eins erreichen wir Mata Mata und decken uns im Shop noch mit ein paar Kleinigkeiten ein, bevor wir die letzten Kilometer unter die Räder nehmen.
Vor zwei Stunden sind wir im Kalahari Tented Camp angekommen – nett ist es hier, das muss man wirklich sagen. Empfangen wird man hier von niemandem, an der Rezeption muss man sich nur ins Registrierungsbuch eintragen und sein Permit hinterlegen. Dort liegt auch eine Liste, welches Chalet man beziehen darf, und schon sind wir da. Wir haben ein Honeymoon-Chalet gebucht – endlich wieder ein Doppelbett, in den letzten drei Nächten mussten wir uns mit Einzelbetten begnügen. Auch sonst kann sich das alles hier wirklich sehen lassen. Am Hang gelegen hat man einen tollen Ausblick von der schönen Terrasse, und das Zelt ist geräumig und wirklich schön eingerichtet.
Erstmal wird Kaffee gekocht und eine kleine Brotzeit gerichtet, mit der wir es uns im Schatten gemütlich machen. Bereits nach kurzer Zeit haben wir einen Gast: Ein Buschhörnchen wieselt um den Tisch herum und guckt, ob von unseren Keksen eventuell Krümel abfallen – diese werden aufgesammelt und genüsslich verspeist.
Marc stellt sich die Frage, ob man den kleinen Kerl vielleicht dressieren kann – ich warne ihn noch, dass der „süße kleine Kerl“ durchaus bissig sein kann, schnappe mir meine Kamera und knipse ein paar Bilder von ihm. Währenddessen hält Marc ihm einen Kekskrümel hin und es kommt, wie es kommen musste – plötzlich hängt das Buschhörnchen mit seinen kleinen scharfen Zähnchen an Marcs Finger, der es lauthals fluchend von sich schleudert.
Ich liege fast auf dem Boden vor Lachen und bedaure, dass ich nicht rechtzeitig abgedrückt habe, um dieses Ereignis bildlich festzuhalten 😎 So kommen nun auch das Erste-Hilfe-Set und die Reiseapotheke zum Einsatz, fachkundig verbinde ich Marcs Zeigefinger. Tief ist der Biss nicht, und es blutet auch nicht sonderlich lange – aber wie das bei Männern so ist, muss der Finger wahrscheinlich in naher Zukunft amputiert werden. Während ich hier sitze, kommt das kleine Buschhörnchen noch ein paarmal vorbei – ich verjage es aber vorsichtshalber, nicht dass wir bald die ganze Hörnchen-Familie hier sitzen haben.
Teil 926. Nov. 2017
23.09.2017
Die Zivilisation hat uns wieder – ich liege im Bett eines Chalets der Alten Kalköfen Lodge und lausche den undefinierbaren Tierstimmen, die von draußen in unser Schlafzimmer dringen, und vor allem der unfassbaren Ruhe, die ich dazwischen hören kann. Wir haben einen tollen Abend hinter uns – aber dazu gleich mehr.
Gestern Nachmittag haben wir nach einer ausgiebigen Siesta beschlossen, nicht mehr los zu fahren und den Abend stattdessen gemütlich angehen zu lassen. Während das Feuer auf der Grillstelle flackerte, genossen wir unser Feierabend-Savanna und spielten eine Runde Kniffel.
Ein plötzlich aufkommender starker Wind gab jedoch Anlass zu der Sorge, dass durch herumfliegende Glut eventuell unser Zelt in Brand gesetzt werden könnte, weshalb wir diese auf ein Minimum begrenzten und sofort unsere letzte Portion Oryx-Filet grillten.
Aufgrund des Sturms zogen wir uns zeitig ins Zelt zurück. Während ich trotz der unverschlossenen Türen und zahlreicher tierischer Aktivitäten an, unter oder neben unserem Zelt hervorragend geschlafen habe, hat Marc kein Auge zugetan. Entsprechend gerädert ist er am nächsten Morgen. Wir stehen gegen sieben auf und frühstücken erstmal entspannt auf der Terrasse, wo es nach der stürmischen Nacht noch angenehm frisch ist.
Kurz vor acht und somit kurz vor Öffnung des Grenzübergangs in Mata Mata machen wir uns auf den Weg. Die Formalitäten sind schnell erledigt, und 30 Minuten später verlassen wir den KTP. Einen zunächst sehr witzigen Engländer, den wir dort treffen, werden wir hoffentlich so schnell nicht wiedersehen – er ist sehr neugierig und fragt und erzählt und fragt und erzählt… 🙄
Die Strecke bis zur Alten Kalköfen Lodge zieht sich ziemlich und ist relativ unspektakulär. Irgendwann werden die roten Dünen der Kalahari abgelöst von niedrig bewachsenem Farmland, wir passieren Giant’s Playground und den Köcherbaumwald. Hier waren wir 2013 schon mal, und die Begeisterung hielt sich bereits damals in Grenzen. Zwischendurch machen wir immer mal wieder kurze Fotostopps, und ein gutes Stück vor Keetmannshoop ist Fahrerwechsel angesagt – den Rest der Strecke darf tatsächlich ich zurücklegen 😉
Kurz nach zwei Uhr erreichen wir unser Tagesziel. Frekkie und Hilde begrüßen uns sehr herzlich und zeigen uns unser Chalet sowie alle wichtigen Facilities.
Wir bringen uns dank WLAN auf den neusten Stand bezüglich unseres Tigers zuhause und machen uns dann direkt auf den Weg Richtung Pool. Dort genießen wir noch ein wenig die afrikanische Sonne, bevor mich nichts mehr hält und ich eine kleine Fotorunde übers Farmgelände drehe.
Den Sundowner nehmen wir heute gleich zweimal ein – zuerst einen Gin Tonic auf unserer Terrasse, danach ein kühles Savanna auf der Veranda beim Pool.
Die Sonne geht als glutroter Ball über dem Horizont unter – wir siedeln kurz darauf Richtung Restaurant um. Das Abendessen schmeckt wirklich lecker: Eine Gemüsequiche wird gefolgt von Salat, dazu Oryx-Schnitzel oder wahlweise scharfes Hühnchen oder irgendwas mit Rind. Als Dessert gibt es Apfelstrudel oder Schoko-Nuss-Kuchen mit Vanilleeis, und auch der Wein, den Frekkie zum Essen empfiehlt, kann sich sehen lassen.
Für Sternenfotografie ist es heute etwas zu diesig, man sieht nicht viele Sterne und das Ergebnis wäre wohl eher mäßig. Also beschließen wir den Abend zu gewohnt früher Zeit im Bett.
Teil 1006. Dez. 2017
Hallo liebe Fomis,
jetzt hat es ein paar Tage länger gedauert, bis es hier weiter geht - der nächste Urlaub stand nämlich bereits auf dem Plan. Diesmal das Kontrastprogramm: Weihnachtsshopping in New York 😄 🤩
24.09.2017
Wieder liege ich im Bett unseres Chalets Gesinae der Alten Kalköfen Lodge. Es war ein durchaus interessanter Abend, an dem wir viel über den Farmbetrieb erfahren haben und auch einige interessante Neuigkeiten aus der Heimat.
Heute Morgen haben wir erstmal ausgeschlafen – schließlich sind wir ja im Urlaub. Gegen halb neun sind wir gemütlich zum Frühstück gegangen, das wirklich sehr lecker war und nichts vermissen ließ. Vor allem die selbstgemachte Marmelade war klasse. Danach haben wir einen Spaziergang um den ausgeschilderten Walking-Trail gemacht – immer den roten Punkten folgen, ca. 4-4,5 Kilometer lang.
Die Strecke führte zunächst unter der alten Eisenbahnbrücke hindurch über die steinige Ebene.
Langsam nahm die Anzahl der Bäume immer mehr zu, bis man den Eindruck hatte, man stehe mitten im Wald. Schließlich gelangten wir zu einem Rivier, an dem die Ausschilderung nicht mehr eindeutig war – nach einigem Suchen fanden wir jedoch den richtigen Weg und konnten unseren Spaziergang fortsetzen. Ein bisschen spannend muss so eine Schnitzeljagd ja auch sein 😉 Ein gutes Stück liefen wir das Rivier hinab, dann überquerten wir erneut die Eisenbahnschienen und kamen in einem großen Bogen zurück zur Lodge.
Heute erinnerte das Wetter an einen Backofen – brüllend heiß und dazu ein ebenso heißer Wüstenwind. Nach einer kurzen Erfrischung auf der Terrasse der Lodge begab ich mich direkt zum Pool, der zwar wie üblich recht kalt, heute aber sehr erfrischend war. Marc kam etwas später dazu, er brauchte erst noch eine kurze Siesta nach der anstrengenden Wanderung 😄 Am frühen Nachmittag gönnten wir uns einen leichten Lunch (Farm Burger für Marc, ich hatte einen Toast mit Schinken, Salami und Gemüse), bevor es um halb fünf in einer Gruppe mit insgesamt sechs Leuten zur Farmrundfahrt mit Frekkie losging.
Wir fuhren ein gutes Stück auf seinem Farmgelände umher und hielten immer mal wieder, um uns Pflanzen und Besonderheiten seiner Farm, wie die Dattelpalmenplantage, erklären zu lassen. Wer neugierig ist und Fragen stellt, wird mit vielen interessanten Infos belohnt. Der Rest der Gruppe bestand aus vier älteren Hamburgern, mit denen wir schnell ins Gespräch kamen – alle ausgesprochen nett und auch schön öfter im südlichen Afrika unterwegs.
Das absolute Highlight war jedoch der Sundowner-Platz, den Frekkie ausgesucht hatte: Gerade eben fuhren wir noch durch schier unendliche Steinwüste, scheinbar ohne wirkliches Ziel, und plötzlich öffnete sich vor uns die Aussicht und wir standen auf einer Plattform mit unglaublichem Blick in die Ferne und auf den Sonnenuntergang. Das war ein wirklich tolles Gefühl, das sich auf keinem Foto der Welt festhalten lässt – leider… 😊 Hilde kam mit den Getränken sowie einem Tablett voller kleiner Leckereien angefahren, und wir hatten eine tolle halbe Stunde dort oben, bevor die Sonne am Horizont verschwand.
Durch die Abenddämmerung und die hereinbrechende Nacht ging es zurück Richtung Lodge – einen Teil des Weges legten wir direkt auf den alten Bahnschienen zurück, da es wohl definitiv der bessere Weg war. Alles in allem eine tolle Fahrt, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
Das Abendessen war wie bereits gestern sehr lecker – zur Vorspeise gab es eine Quiche mit Speck und Pilzen, dann Lamm und Spicy Chicken zum Hauptgang, und als Dessert Apple Pie und Eis. Wir setzten uns noch mit einem Glas Wein bzw. einem Savanna auf die Terrasse und ließen erstmal das Wahlergebnis der Bundestagswahl in Deutschland sacken 😐 Wir hatten ja mit sowas schon gerechnet, aber das Ergebnis dann schwarz auf weiß zu sehen, ist doch nochmal was anderes. Um kurz nach neun machten wir uns auf den Weg in unsere Betten.
Teil 1107. Dez. 2017
25.09.2017
Beim ersten Blick aus den Fenstern heute Morgen bietet sich ein etwas anderes Bild als die letzten Tage: Es ist bewölkt und ein frischer Wind weht. Marc hält es trotzdem nicht lange in den Federn, er möchte eine Runde joggen gehen, und zwar auf dem Trail, den wir gestern gelaufen sind. Mich kann er dazu nicht bewegen, ich bleibe lieber noch ein wenig liegen und lese. So fängt der Tag angenehm entspannt an.
Um halb neun gehen wir zum Frühstück, das heute wegen der wenigen Gäste (es sind nur drei Tische belegt) direkt am Tisch serviert wird. Wie bereits gestern ist alles sehr liebevoll angerichtet und wir schlagen uns entsprechend die Bäuche voll. Danach machen wir noch einen kurzen Abstecher in Frekkies Lithoparium – faszinierend, wie gut getarnt die Pflanzen zwischen den Steinen sind.
Dann heißt es aber langsam Abschied nehmen von der Alten Kalköfen Lodge – wir packen unsere Siebensachen einmal mehr und machen uns auf den Weg gen Lüderitz. Auf der Strecke stoppen wir ein paar Mal: Zuerst halten wir an der Tankstelle in Aus, die uns aus 2013 in guter Erinnerung geblieben ist. Wir brauchen dringend Wasser und ein paar weitere Kleinigkeiten, damit decken wir uns in dem kleinen Laden ein. Wie bereits beim letzten Mal herrscht hier ein angenehmes Durcheinander von Locals (bis hin zum Police-Officer) und Touris.
Kurz nach Aus stoppen wir bei den wilden Pferden von Garub und treffen dort unsere Hamburger Bekannten von gestern Abend wieder. Schade, dass unsere Route zukünftig immer mit zwei Tagen Versatz geplant ist, mit denen hätten wir gerne noch den ein oder anderen Ausflug gemacht.
Zwei Pferde stehen nahe am Hide und kommen zutraulich bis zu den Gittertüren – nach dem Erlebnis mit dem Buschhörnchen sind wir aber vorsichtig und halten respektvoll Abstand. Die Tiere scheinen nicht sonderlich gut genährt zu sein – kein Wunder bei dieser lebensfeindlichen Umgebung. Laut einem Aushang werden sie aber sogar regelmäßig gefüttert.
Bereits kurz danach halten wir beim ehemaligen Bahnhof von Garub – ein tolles Motiv für Hobbyfotografen. Hier tobe ich mich aus, während Marc schon ungeduldig auf die Weiterfahrt wartet 😉
Gegen halb zwei erreichen wir schließlich Lüderitz. Die letzten Kilometer scheint man komplett durch unwirkliche Landschaft zu fahren, Sandverwehungen auf den Straßen und die Mondlandschaft außen rum tragen zu diesem Eindruck bei. Erstaunlicherweise ist der Himmel strahlend blau und die Sonne scheint.
Nach kurzer Fahrt durch den Ort finden wir die Alte Loge und werden sehr nett von Bo begrüßt, die seit Januar hier zusammen mit ihrem Mann für die Führung des Gästehauses verantwortlich ist. Eine halbe Stunde später hat sie für uns bei Coastway Tours angerufen und geprüft, ob morgen wirklich keine weiteren potenziellen Teilnehmer für die Bogenfels Tour angemeldet sind (leider nein), uns stattdessen eine Bootstour für den folgenden Morgen gebucht (per WhatsApp), diverse Restaurant-Tipps gegeben und uns einen Laundry-Service organisiert. Top Service, das muss man wirklich sagen.
Wir beziehen unser Garden-Appartement (etwas in die Jahre gekommen, aber riesig und sauber), geben noch schnell unsere Wäsche ab und machen uns dann auf den Weg, Lüderitz zu erkunden.
Unser Weg führt uns zunächst an die Waterfront, wo wir uns einen kleinen Überblick verschaffen und danach erstmal eine Pause im Garden Café einlegen (ebenfalls ein Tipp von Bo). Wer auf superleckere Kuchen steht, ist hier genau richtig. Außerdem wird jeden Tag ein selbstgemachtes herzhaftes Gericht angeboten. Wir sitzen im nett dekorierten, windgeschützten Garten mit Blick aufs Meer und genießen den Sonnenschein und vier Stück Kuchen (Käsekuchen und Cinnamon Buns).
Danach spazieren wir durch den kleinen Ort und kommen unweigerlich an der Felsenkirche raus. Leider ist diese immer nur nachmittags von 17:00-18:00 Uhr geöffnet, und so können wir sie nur von außen besichtigen. Danach schauen wir beim Goerke-Haus vorbei und stellen fest, dass man dahinter auf die Felsen klettern kann und von dort einen tollen Blick über die ganze Stadt hat. Nur der Wind hätte uns schier weggeblasen.
Nach diesem kleinen Ausflug kehren wir in die Alte Loge zurück und machen es uns auf der Sonnenterrasse mit unseren Büchern gemütlich. Kurz vor Sonnenuntergang holen wir noch die halbe Flasche Wein, die vom KTC noch übrig ist und genehmigen uns einen Sundowner.
Teil 1210. Dez. 2017
26.09.2017
Heute war einer der Tage dieser Reise, die wir ursprünglich überhaupt nicht verplant hatten, der aber nichtsdestotrotz oder gerade deshalb sehr schön werden sollte. Es ist bereits nach halb elf, für namibische Verhältnisse also recht spät, und wir haben uns gerade erst bettfertig gemacht. Dies lag hauptsächlich an der sehr netten Gesellschaft, die wir heute Abend hatten, aber der Reihe nach.
Den gestrigen Abend verbrachten wir nach einem Tipp von Bo im Diaz Coffee Shop, einem Restaurant gleich bei uns ums Eck, in das wir im Normalfall wohl keinen Fuß gesetzt hätten. Durch einen nicht sonderlich einladenden Hinterhof erreichten wir das kleine Lokal, das in einer ehemaligen Lagerhalle aus alten Möbeln und Schrotteilen eine echt witzige Einrichtung zusammengestellt hat. Die Weinauswahl gestaltete sich zwar recht mühsam (die ersten vier Weine, die wir aussuchten, waren entweder nicht auf Lager oder ungekühlt), das Ambiente und das Essen gefielen uns aber sehr gut. Ich bestellte Austern mit Salat und Marc wählte gegrillte Kalamari, beides schmeckte ganz hervorragend. Als Dessert bestellten wir noch belgische Waffeln mit Eis, und in Summe zahlten wir am Ende nur um die 20 Euro.
Heute Morgen hieß es dann zeitig aufstehen, schnell frühstücken und dann machten wir uns zu Fuß auf den Weg an die Waterfront, wo um acht Uhr unsere Katamarantour starten sollte. Zwei Boote standen bereit, und wir wurden Dave zugeteilt (den richtigen Namen weiß ich leider nicht, er sah aber aus wie Dave Crowl, der Sänger von den Foo Fighters 🤪 ).
Dave warnte uns, dass es heute ungemütlich werden könnte, obwohl unserer Ansicht nach das Wetter mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein sehr vielversprechend aussah, und verteilte Decken an alle Teilnehmer. Mit uns an Bord war eine siebenköpfige Reisegruppe, die ihren Guide irgendwie überredet hatte, an der Tour teilzunehmen. Der arme Kerl war aber leider kleidungsmäßig absolut nicht richtig ausgerüstet, und selbst mit einer geliehenen Jacke und drei Decken verbrachte er den Großteil der Fahrt unter Deck. Ob er so wirklich Spaß hatte, wage ich zu bezweifeln… 😕
Wir fuhren einige Zeit an der Küste entlang und entdeckten Delphine und Seelöwen, die um unser Boot schwammen und in der Gischt ihre Bahnen zogen. Schließlich erreichten wir Halifax Island, und Dave manövrierte das Boot so in die Bucht, das wir maximal gute Bedingungen zum Fotografieren hatten (was ich auch ausgiebig tat).
Das Wetter war traumhaft, und so genossen wir die Fahrt in vollen Zügen. Zwischendurch gab es heiße Schokolade für alle, bevor wir uns langsam auf den Rückweg machten. Hin und wieder herrschte etwas rauerer Seegang, aber alles in allem war die Fahrt sehr angenehm. Dave ist Namibianer, spricht akzentfrei Deutsch und hat uns alles Mögliche an interessanten Geschichten aus seinem Leben erzählt. Wirklich eine sehr empfehlenswerte Tour. Im Hafen liegt übrigens noch die Sedina vor Anker, die aber schon sehr verrostet aussieht und laut Dave nicht mehr seetüchtig ist.
Nach einem kurzen Einkauf bei Spar kehrten wir in die Alte Loge zurück und trafen auf der Sonnenterrasse das Pärchen aus Erlangen, das wir bereits gestern Nachmittag kennengelernt hatten. Wir tauschten uns ein Weilchen über unsere jeweiligen Touren aus, bevor wir beide zu einer Buchtenrundfahrt Richtung Diaz Point und Große Bucht aufbrachen.
Bereits zu Beginn machten wir immer mal wieder an schönen Plätzen Halt, aber wir merkten, dass der Wind im Lauf der Zeit deutlich zunahm. Mit dem Wind kam natürlich der Sand, und teilweise fühlte man sich beim Aussteigen wie sandgestrahlt.
Wir bogen das ein oder andere Mal seitlich zu den View Points ab und legten teils abenteuerliche Strecken zurück, die man ohne 4x4 nicht hätte bewältigen können.
Schließlich erreichten wir den Diaz Point und machten uns auf den Weg zum Kreuz. Und hier wurde es echt stürmisch – ich habe in meinem ganzen Leben ungelogen noch nie solchen Wind erlebt 🙄 Die Brücke vor dem Aufstieg war offenbar schon vor einiger Zeit eingestürzt, weshalb man über ein paar Felsen und Steine klettern musste. Richtig übel wurde es aber auf der Treppe hoch zum Kreuz – an einer Stelle war das Geländer weggebrochen, und der Wind wehte so stark, dass ich wirklich Angst hatte, ein falscher Schritt könnte mein letzter sein. Gut, dass ich lediglich Flip Flops anhatte (meine in Seeheim vergessenen Turnschuhe waren immerhin laut Frikkie mit einem Tourguide auf dem Weg nach Lüderitz).
Oben angekommen wurden wir mit einer hervorragenden Aussicht über die Shearwater Bay belohnt, die wir aber nicht lange genießen konnten und wollten – schnell ein paar Fotos geschossen und weg hier.
Kurz nach uns kamen die Erlangener an, die es genauso krass erlebt haben wie wir. Wir haben dann noch die Runde vollständig ausgefahren und haben an der Großen Bucht einen Stopp eingelegt und uns bei schönem Ausblick einen kleinen Snack und ein kühles Savanna gegönnt.
Gegen halb drei waren wir zurück in unserer Unterkunft und wollten uns eigentlich wieder auf der Sonnenterrasse niederlassen. Bereits nach kurzer Zeit merkten wir, dass der Wind ganz feinen Sand mit sich brachte, der sich langsam aber sicher überall festsetzte. Im Badezimmer hatten wir das Fenster nicht komplett geschlossen, weshalb unsere Badewanne jetzt eher einem Sandkasten glich 😵 Der Plan, noch einen Ausflug in den Ort zu machen, wurde somit verworfen, wir hatten stattdessen aber einen sehr unterhaltsamen Nachmittag mit den beiden Erlangenern und zwei weiteren Pärchen aus dem Saarland, die kurz vorher angekommen waren. Einer von den Jungs hatte beide Hände und Unterarme voller Schnittwunden. Auf die Frage, wie er sich die denn zugezogen hatte, erzählte er uns seine Geschichte aus dem Köcherbaumwald. Er wollte ein witziges Instagram-Foto machen und an einem der Köcherbäume hochspringen. Leider hatte er vorher nicht getestet, wie die Rinde desselbigen beschaffen war – nämlich messerscharf. Aus dem Foto ist nichts geworden, dafür wird er an die Aktion noch längere Zeit ein schmerzhaftes Andenken haben 😗 Am Ende beschlossen die Erlangener und wir, gemeinsam das neue Restaurant Essenzeit zu testen (direkt an der Waterfront, da war früher wohl das Ritzi’s drin). Die Aussicht ist wunderbar, der Service nett und aufmerksam und wir unterhalten uns angeregt.
Nach dem leckeren Essen (nach Austern zur Vorspeise teilten Marc und ich uns eine Seafood Plate und hinterher gab es wieder belgische Waffeln) saßen wir noch ein Weilchen im Aufenthaltsraum der Alten Loge mit den anderen zusammen und tauschten Erlebnisse und Ratschläge für die weiteren Routen aus. Ein wirklich witziger Abend ging nun zu Ende.
Teil 1312. Dez. 2017
27.09.2017
Ich liege auf meinem Bett unseres Zelts auf Kanaan und höre unglaublich tolle Rockmusik – Marc hat mir heute auf der Fahrt eine neue Band vorgespielt, die er entdeckt hat, und ich bin von zwei Songs besonders begeistert. Somit habe ich mir seine sündhaft teuren Kopfhörer geschnappt und höre nach einigen Tagen das erste Mal wieder Musik. Nebenbei lässt sich ganz hervorragend der Reisebericht des heutigen Tages schreiben.
Heute ist unser dritter Hochzeitstag, darum wird heute getrödelt und wir sind erst gegen acht Uhr beim Frühstück – gerade noch rechtzeitig, um uns von Antonia und Ovi (das Pärchen aus Erlangen) zu verabschieden, die bereits aufbrechen wollen. Wir stellen fest, dass wir den gleichen Rückflug haben, wir werden uns also spätestens in eineinhalb Wochen am Flughafen in Windhoek wiedersehen.
Nachdem wir gemütlich gefrühstückt und unsere offene Rechnung beglichen haben, packen wir die Koffer und sind um kurz nach neun wieder unterwegs. Erst geht es zum Nest Hotel, wo ein netter Tourguide meine Laufschuhe an der Rezeption abgegeben hat – nochmal Glück gehabt 😉 Marcs Taschenmesser dagegen finden wir nicht mehr – keine Ahnung, wo er das verloren hat. Danach geht es nochmal in die Stadt, Geld abheben und Wasser kaufen. Anschließend machen wir uns auf den Weg in die Tirasberge, nicht ohne einige Fotostopps auf der Strecke. In Aus halten wir, um das Auto vollzutanken und dann übernehme ich das Steuer.
Bereits eine Stunde später sind wir auf der D707, die nicht zu Unrecht als schönste Strecke Namibias bezeichnet wird. Irgendwo zwischen Namtib und Koiimasis wird die Pad dann aber extrem schlecht – entweder ist es ziemlich tiefsandig oder wir haben übelstes Wellblech.
Schnell kommen wir auf jeden Fall nicht mehr voran, aber so habe ich das auch mal mitgemacht. Ich hoffe, Antonia und Ovi, denen wir die Strecke noch wärmstens empfohlen haben, hatten nicht allzu viele Schwierigkeiten, durchzukommen 😊 😵
Irgendwann erreichen wir die Farmeinfahrt zu Kanaan und kommen nach wenigen Kilometern zur Rezeption, wo wir sehr nett von Kai empfangen werden.
Er erklärt uns, wo wir hinfahren müssen (immer den Berg hoch) und welche Aktivitäten wir buchen können. Marc hatte mir zum Geburtstag ja das Photographer’s Special geschenkt, also ein Rundum-Paket mit Morgen-Drive, Sundownerfahrt, Stargazing und Cheetah-Photography, am nächsten Morgen sollte es losgehen. Die Details wollte Kai mit uns nach dem Dinner besprechen.
Wir fahren also hoch zur Parking Area und werden dort von einer wenig motiviert wirkenden Dame mit zwei Savannas begrüßt – an sich eine echt nette Geste, aber wir wollten das jetzt nicht unbedingt auf dem Parkplatz trinken, und unser Zelt war so ziemlich am anderen Ende der Anlage. Der Weg dorthin ist auch stellenweise steil und steinig, ich war froh, dass ich mein Begrüßungsgetränk heil dorthin gebracht habe. Das Zelt ist ganz nett eingerichtet, der Blick von der Terrasse traumhaft. Die Dame teilt uns noch mit, dass um 19:00 Uhr Essenszeit wäre, und schon ist sie wieder weg.
Wir richten uns kurz ein und wollen dann runter Richtung Pool und Rezeption (wegen WIFI). Der Abstieg hat es in sich und wir freuen uns jetzt schon auf den Rückweg – es ist nämlich auch nicht unwesentlich heiß 🤪 Gleich beim ersten Blick in den Pool stellen wir fest, das wird heute nichts – da ist nämlich kein Wasser drin. Laut Kai ist der Pool noch nicht fertig (?!?) und soll erst in ca. 2 Wochen in Betrieb gehen. An der Rezeption schicken wir ein paar Nachrichten in die Heimat, aber wirklich toll ist die Verbindung auch nicht. Also zurück über den Berg zu unserem Zelt – mit Badetüchern legen wir uns auf die Terrasse und lassen uns die Sonne auf den Bauch scheinen.
Später holt Marc uns einen Sundowner in Form eines Gin Tonic aus unserem Vorrat, dann wird eine Runde gekniffelt, geduscht und der Sonnenuntergang bewundert, der sich mit spektakulären Farbspielen in dieser tollen Landschaft präsentiert.
Kurz vor sieben laufen wir hoch zum Restaurant – die gering motivierte Dame ist auch wieder da, machen tut sie aber eigentlich nichts, außer den netten jungen Kellner regelmäßig anzupflaumen, der uns bedient. Wir bestellen einen leckeren Rosé und genießen das Essen: Rote-Beete-Suppe zur Vorspeise, Chicken Curry zum Hauptgang und irgendwas mit zu viel Schokolade und Karamell zum Dessert. Alles in allem war das Essen echt gut, aber wenn man bedenkt, dass das die bei weitem teuerste Unterkunft unserer Reise ist, hätten wir beide wohl etwas mehr erwartet, auch was den Service und das „Persönliche“ betrifft.
Nach dem Essen kommt tatsächlich Kai noch vorbei und überbringt mir die Nachricht, dass ich um 05:30 Uhr 🤩 zum Morning-Drive abgeholt werde. Marc beschließt entsprechend, lieber im Bett zu bleiben… 😈 Ich bin gespannt und hoffe, das frühe Aufstehen lohnt sich. Wir trinken noch gemütlich unseren Wein zu Ende und werden dann mit einer Thermoskanne mit heißem Wasser und einer Taschenlampe zum Zelt zurückgeschickt, wo ich mich aufgrund der frühen Aufsteh-Zeit auch bald ins Land der Träume verabschieden werde.
Teil 1414. Dez. 2017
28.09.2017
Es ist halb elf Uhr vormittags, und für die frühe Uhrzeit habe ich heute schon Einiges erlebt, aber dazu gleich mehr. Erstmal möchte ich ein kleines Vorab-Fazit des Naankuse Desert Retreat machen:
An und für sich hat das hier echt Potenzial. Die Umgebung und Landschaft sind der absolute Hammer und definitiv das Hauptargument, hierher zu kommen. Die Chalets sind nett eingerichtet, mit einem modernen Touch, der uns gut gefällt. Auch der Morning Scenic Drive mit Kai heute war wirklich toll, da kann man sich nicht beschweren. Aber: Wenn man bedenkt, dass das die mit Abstand teuerste Unterkunft unserer Reise war, hätte ich persönlich einfach ein bisschen mehr erwartet. Aus unerfindlichen Gründen hat man uns das letzte Zelt in der Reihe zugeteilt, obwohl die anderen weiter vorne durchaus frei gewesen wären. Die Wege sind teilweise steil und uneben, das war kein Spaß mit dem 20-Kilo-Koffer. Die junge Dame im Restaurant hatte uns zwar angeboten, mit dem Gepäck zu helfen, aber ganz ehrlich – welcher Mann lässt denn eine Frau so schwere Gepäckstücke schleppen? Gäste, die nach uns ankamen (und in einem der beiden vorderen Zelt untergebracht waren), hatten dann Hilfe von zwei Gepäckträgern, keine Ahnung, wo die sich bei uns versteckt hatten. Das Essen abends war auch ganz okay, aber für das Geld hätte ich mir zum Hauptgang etwas mehr als ein Chicken Curry erwartet. Und es fehlte einfach an der persönlichen Note, an Kleinigkeiten, die einem erst auffallen, wenn man sie nicht hat: eine Minibar bzw. ein Kühlschrank im Zimmer, Liegen auf der Terrasse (wir haben uns dann mit unseren Handtüchern auf den Boden der Veranda unseres Chalets gelegt), Infos über Wanderwege oder was man sonst noch so machen kann hier. Nichtsdestotrotz genießen wir unseren Aufenthalt hier sehr, was aber wirklich hauptsächlich an der Landschaft und der Betreuung durch Kai liegt. Am Rest könnte hier definitiv noch etwas gearbeitet werden.
Heute Morgen klingelte mein Wecker um 05:10 Uhr 😵 , denn bereits um halb sechs wurde ich zusammen mit zwei Österreichern und einem schwäbischen Pärchen zum Morning Scenic Drive abgeholt. Es war noch stockfinster und ich beneidete Marc schon ein wenig, der sich entschieden hatte, lieber noch ein wenig liegen zu bleiben. Zuerst fuhren wir eine Dreiviertelstunde im langsam heraufdämmernden Morgen quer übers Farmland, bis wir kurz vor Sonnenaufgang einen Platz auf einer Sanddüne erreichten, von der aus man einen herrlichen Ausblick hatte.
Kai legte Decken aus und verteilte Kaffee, Tee und Kekse. Andächtig saßen wir auf dem Dünenkamm und warteten, bis die Sonne sich am Horizont zeigte.
Dann war ich nicht mehr zu halten und die Kamera lief heiß – kein Wunder bei dieser wunderbaren Umgebung. Das einzige bzw. die einzige, die etwas störte, war die Österreicherin, die die kompletten Dünen rauf und runter lief und den ganzen Sand zertrampelte. Sie stellte außerdem ständig ganz tolle Fragen wie „Kai, was ist das für ein Käfer?“ – „Das ist ein Blatt“, oder scheuchte wahlweise ihren Mann Fritzi in der Gegend rum. Das Ganze natürlich in breitestem Wiener Dialekt. Passte irgendwie nicht so ganz zu der Idylle auf den Dünen, und ich musste mir das ein oder andere Mal eine scharfe Bemerkung verkneifen. Mag ja sein, dass ich morgens eher zu denen gehöre, die vor dem ersten Kaffee nicht so gesprächig sind, aber man kann es auch echt übertreiben 🙄 😗
Egal – nachdem wir ausgiebig Zeit hatten, die Umgebung zu erkunden, ging es weiter zu den Dead Trees, wo sich auch noch ein paar sehr schöne Bilder knipsen ließen. Kai hielt auch so immer mal wieder an, wenn sich auf dem Weg ein schönes Motiv bot – ein Oryx im Morgenlicht, eine tolle Aussicht oder Schakale, die über die Ebene liefen.
Das fand ich sehr angenehm, dass er da auch ein Auge für hatte – bei den meisten Guides muss man aktiv bitten anzuhalten, und das will man den Mitfahrern ja auch nicht alle fünf Minuten zumuten. Gegen viertel nach acht waren wir wieder an der Lodge und es ging direkt zum Frühstück, wo Marc mich schon ausgeschlafen und munter erwartete.
Das Frühstück ließ keine Wünsche offen – es gab den wohl besten Kaffee auf unserer bisherigen Reise, man konnte frisch zubereitete Eier bestellen und warme Schokomuffins standen bereit. Im Anschluss wanderten wir nochmal zur Rezeption runter, um ein paar Nachrichten zu verschicken und etwas Musik aufs Handy zu laden, aber das WIFI wollte heute partout nicht funktionieren, und so kehrten wir unverrichteter Dinge wieder zu unserem Zelt zurück. Hier lässt es sich im Schatten ganz gut aushalten, ich befasse mich mit unserem Reisebericht und lese ein wenig, während Marc sein Sportprogramm absolviert.
Teil 1517. Dez. 2017
01.10.2017
Ja, ich komme tatsächlich erst drei Tage später wieder zum Reisebericht schreiben – wobei das auch irgendwo absehbar war. Gerade im Moment weht mir ein leichter Wind um die Nase und ich sitze vor unserem Zimmer in der Namib Desert Lodge, im Hintergrund läuft leise Musik und vor mir eine Oryxherde zum Wasserloch. Marc macht auf dem saftig grünen Rasen seine Yoga-Übungen 😗 und ich habe endlich wieder Muße zum Reisebericht schreiben, bevor es zusammen mit geschätzt 150 Busreisenden zum Abendessen geht – ich sage nur „Die Schlacht am Buffet“ 😈
Tatsächlich haben wir am Donnerstag den ganzen Tag nicht viel mehr gemacht als Kniffel gespielt und uns auf der Terrasse unseres Chalets gesonnt, mittags einen leichten Lunch in Form eines Salats mit gebratenen Rinderfilet-Streifen zu uns genommen und dann um 17:00 Uhr pünktlich auf Kai gewartet, der uns zu einer abendlichen Rundfahrt auf dem Farmgelände abgeholt hat. Begleitet wurden wir lediglich noch von zwei Männern, offensichtlich Zwillinge und beide taubstumm, weshalb außer „hello“ und „bye“ keine wirkliche Unterhaltung zustande kam.
Kai brachte uns zu verschiedenen landschaftlich schönen Spots auf dem Farmgelände. Los ging es mit einem Hügel, auf dem einige Köcherbäume wuchsen und von wo aus man einen schönen Ausblick auf ein kleines Tal weiter unten hatte.
Marc, der mich quasi als „Assistent“ begleitete, selbst aber kein Interesse am Fotografieren hat, ließ sich derweil von Kai einige interessante Infos über die Farm, ihren Kauf vor zwei Jahren und den Bau der Lodge erzählen. Kai und Marisa, seine Verlobte, managen die Lodge im Auftrag von Naankuse und sind seit der Bauphase selbst vor Ort.
Weiter ging die Fahrt zu einem schönen Webervogelnest und einem toll gewachsenen Kameldornbaum, bis wir am Ende das Highlight erreichten: Waltzing Mathilda bzw. die Toten Bäume, für die Kanaan u.a. bekannt ist. Passenderweise ging gerade die Sonne unter, und nachdem ich ein paar Bilder geschossen hatte, genossen wir die Umgebung bei einem kühlen Savanna, bevor es langsam zurück zur Lodge ging.
Mit Kai vereinbarten wir, dass wir uns am nächsten Morgen wieder um 05:30 Uhr treffen würden, um Sterne bei Waltzing Mathilda zu fotografieren. Wir hatten bereits Halbmond, daher war ein Fotografieren am Abend eher ungünstig, aber gegen zwei Uhr morgens sollte der Mond dann untergehen und so wäre die Zeit am frühen Morgen für Bilder passender.
Das Abendessen war heute wesentlich besser als am Vorabend - die genaue Menüfolge habe ich leider nicht mehr im Kopf, als Hauptgang gab es aber Oryxfilet, und das war genau auf den Punkt gegrillt. Dazu wieder ein Fläschchen des leckeren Rosé, und dann fielen wir auch schon wieder in unsere Betten.
Um kurz nach fünf klingelte der Wecker, schnell angezogen und alles Wichtige eingepackt und schon waren wir mit Kai (heute dankeswerterweise im geschlossenen Fahrzeug) unterwegs zu Waltzing Mathilda. Leider hatte er sich in der Zeit etwas verkalkuliert, so dass uns nur wenige Minuten für ein paar Bilder blieben, bevor sich schon der erste helle Streifen der Morgendämmerung am Horizont zeigte.
Nach einem Kaffee in der Lodge ging es dann auch schon weiter ins Gepardengehege. Das ist auf Kanaan wirklich toll, wer das Photographer’s Special bucht, kann Kai bei der Fütterung der Geparden Hannabelle und KFC (Kanaan’s finest cheetah) begleiten. Die beiden können nicht mehr ausgewildert werden, da sie bereits zu lange hier leben und daher an die Gesellschaft von Menschen gewöhnt sind. Würde man sie freilassen, würden sie laut Kai die Nähe von Menschen suchen, was sie wahrscheinlich nicht lange überleben würden. Sie leben in einem relativ großen Gehege und werden zweimal täglich gefüttert. Und da Kai wirklich Ahnung vom Fotografieren hat und genau weiß, wann das Licht wo am besten ist, kommen innerhalb kürzester Zeit ein paar grandiose Bilder der beiden Gepardinnen zustande. Wir sind teilweise nur zehn Meter von den beiden entfernt, ein wirkliches Gänsehaut-Erlebnis.
Vollkommen begeistert und zufrieden mit der Bilder-Ausbeute machen wir uns danach auf den Weg zum Frühstück, bevor wir unsere Koffer packen und uns auf den Weg gen Norden machen. Alles in allem ist das Naankuse Desert Retreat wirklich empfehlenswert – allerdings sollte man unbedingt einige Aktivitäten buchen, da es ansonsten recht wenig zu tun gibt (wobei wir am Ende erfahren haben, dass es wohl auch zwei Walking Trails gibt – schade, dass uns das niemand gesagt hat und es auch keine Infobroschüre oder ähnliches dazu gab).
Teil 1619. Dez. 2017
Tok Tokkie Trail - Teil 1
Die D707, so schön sie landschaftlich auch sein mag, ist aktuell in einem miserablen Zustand, und auch auf der C27 wurde es dann nicht wesentlich besser. So erreichten wir gut durchgerüttelt um halb zwei das Büro von Tok Tokkie Trails, wo wir von unserem Guide Richardo sehr nett begrüßt wurden und erfuhren, dass unsere Gruppe mit acht Personen vollständig besetzt war. Bei Kaffee und kalten Getränken konnten wir uns auf einer schattigen Veranda auch gleich beschnuppern, während wir auf zwei weitere Mädls warteten, die sich etwas verspäteten. Um halb drei waren wir dann vollständig: Marc und ich, Matthias und Paulina, die auf ihren Flitterwochen unterwegs waren, Andreas und Michael, die wir bereits aus der Alten Loge in Lüderitz kannten und zu guter Letzt Romana und Charleth, die für eine Swakopmunder Reiseagentur den Tok Tokkie Trail testen durften.
Richardo erklärte uns zunächst unsere Wanderroute, den genauen Programmablauf und was wir alles in unser Tagesgepäck packen sollten, dann ging es auch schon los. Zunächst bekamen wir eine Führung durch NADEET, ein Umweltschutzprogramm, das Schulklassen und andere interessierte Gruppen in Sachen Umgang mit Wasser, Müll, Energie und der Biodiversity schult. Greta, die einen dreimonatigen Auslandsaufenthalt hier verbringt, führte uns durch das Schulungszentrum und erklärte uns sehr anschaulich, welche Maßnahmen hier zum Schutz der natürlichen Ressourcen ergriffen werden. Fast der komplette Müll z.B. wird hier recycelt, denn alles andere muss ins mehrere Fahrtstunden entfernte Swakopmund gefahren werden. NADEET hat außerdem die Eimerdusche sowie die Kompost-Toiletten entwickelt, die uns auch in den Camps auf dem Trail noch begegnen sollten.
Dann ging es im offenen Geländewagen zum Startpunkt unserer Wanderung. Die nächsten eineinhalb Stunden ging es die Dünen hinauf und hinunter, immer wieder unterbrochen von kurzen Pausen, in denen uns Richardo interessante Infos zu Flora und Fauna der Namib gab. Wir lernten den Tok Tokkie Käfer kennen, der der Namensgeber unserer Wanderung ist, und kamen ganz nah an einem grasenden Oryx vorbei – zudem war die Landschaft einfach nur traumhaft.
Wir stellten allerdings schnell fest, dass das Laufen im Sand ziemlich anstrengend ist, und so waren wir trotz der verhältnismäßig kurzen Strecke bereits gut durchgeschwitzt. Drei Kilometer später erreichten wir unser erstes Camp, und das war dann ein absolutes Highlight: Willie und Teresia erwarteten uns schon vor Ort, zusammen mit einer gut gefüllten Bar, einem toll eingedeckten Tisch, an dem wir später unser Dinner „with a view“ zu uns nehmen würden, und unseren „Zimmern“. Jedes Paar hatte zwei Feldbetten inkl. Nachttischchen, die mit warmen und gemütlichen Matratzen, Kissen und Decke ausgestattet waren, sowie ein mobiles Waschbecken und eine Kofferablage (auf der schon unser Gepäck bereitlag) zur Verfügung. Die Betten waren in ausreichendem Abstand zu den Nachbarn platziert, mit einem herrlichen Ausblick, so dass man am Morgen quasi im Bett den Sonnenaufgang genießen konnte.
Wer wollte, konnte noch eine Eimer-Dusche nehmen, was sich natürlich kaum einer entgehen lassen wollte. Willie füllte einen 10-Liter-Eimer mit warmem Wasser, und schon konnte man duschen, bis dieser leer war – interessanter Weise brauchte man aber selbst mit Haare waschen nicht mal den halben Eimer. Schon faszinierend, mit wie wenig Wasser man auskommen kann – vor allem, wenn man bedenkt, was zu Hause pro Minute so durch die Leitung rauscht 😊
Den Sundowner gab es dann natürlich ebenfalls bei herrlicher Aussicht, und schon jetzt merkten wir, dass unsere Gruppe ganz hervorragend harmonierte. Mit Andreas und Michael lagen wir humormäßig gleich auf einer Wellenlänge, Paulina kannte sich als Tierärztin mit der Fauna sehr gut aus, und von den beiden Mädls erfuhren wir viel Interessantes über das Leben und Arbeiten in Namibia.
Als es dann dunkel wurde, wurde unterm Sternenhimmel das Dinner serviert. Dazu floss reichlich Wein, und Richardo erklärte uns mit seinem Laserpointer alle möglichen Sternbilder der südlichen Hemisphäre. Den Skorpion und das Kreuz des Südens kann mittlerweile sogar ich ohne fremde Hilfe erkennen 😄 Irgendwann war es dann aber an der Zeit, unsere Betten zu testen – und ich muss sagen, diese sind ausgesprochen gemütlich. Einmal eingemummelt, will man gar nicht mehr aufstehen, und mit einem sagenhaften Blick in den tollen Sternenhimmel sind wir dann eingeschlafen.
Teil 1720. Dez. 2017
Tok Tokkie Trail - Teil 2
Mitten in der Nacht musste ich dann leider raus, da die Blase drückte – und da ich eh schon mal wach war und der Mond bereits untergegangen, versuchte ich mich gleich noch im Fotografieren der Sterne, was aber leider nicht ganz so erfolgreich war, wie ich mir das vorgestellt habe. Hätte ich mir mal lieber im Hellen noch Gedanken um die Bildkomposition gemacht… 😐
Also noch ein paar Stündchen schlafen, bis wir von Willie und Richardo mit Kaffee ans Bett und heißem Wasser in unseren Waschbecken geweckt wurden. Da liegt man also mitten in der Wüste, eingekuschelt in eine warme Decke mit einem Kaffee in der Hand und wartet darauf, dass am Horizont die Sonne aufgeht – hallo, ist das Luxus?
Irgendwann mussten wir aber natürlich raus, schnell waschen und anziehen und ab zum Frühstück. Teresia hatte sogar Porridge gekocht, es mangelte uns also an nichts.
Um kurz vor acht Uhr hatten alle ihre Wasserflaschen aufgefüllt, die Tagesrucksäcke geschultert und schon konnte es losgehen. Vor dem heutigen Tag hatten alle ein wenig Respekt – in insgesamt sieben Stunden sollten wir 12 Kilometer über Sanddünen und den Horseshoe Mountain zurücklegen.
Als wir endlich die Sanddünen hinter uns gelassen und wieder festen Boden unter den Füßen hatten, herrschte allgemeine Hochstimmung – so läuft es sich doch gleich viel leichter. Auf dem Grat des Berges angekommen, machten wir eine kurze Pause, und wie sich herausstellte, hatte Richardo sogar Muffins und Tee bzw. Kaffee für uns in seinem Rucksack mitgeschleppt. Die Aussicht von dort oben war mal wieder hammermäßig, ein leichter Wind wehte die verschwitzten Shirts trocken und wir wussten, dass wir den höchsten Punkt der Wanderung geschafft hatten.
Danach ging es auf der anderen Seite den Bergrücken wieder hinunter und durch ein langgezogenes Tal bis zu unserem Lunchquartier. Richardo hielt auch jetzt immer wieder an, wenn er interessante Tiere oder Pflanzen entdeckte, und damit der hintere Teil der Gruppe aufschließen konnte. Mittlerweile wurde es ziemlich heiß, und da wir uns zwischen zwei Berghängen befanden, wehte auch kaum mehr Wind. So freuten sich alle sehr, als wir die Oase erreichten, wo für alle Liegestühle im Schatten bereitstanden und Sandwiches und kalte Getränke warteten. Die Mittagspause verbrachten wir mit Lesen, Schlafen und Kartenspielen – Charleth brachte uns ein lustiges Spiel bei, bei dem der Gewinner immer der King bzw. die Queen war und der Verlierer das Asshole 😄
Nach ein paar äußerst kurzweiligen Stunden machten wir uns auf, die restliche Strecke für heute zu bewältigen. Und zur hellen Freude aller gab es auch wieder einige Dünen zu besteigen, bis wir endlich das heutige Camp erreichten.
Auch hier war wieder an nichts gespart worden: Die Aussicht über die roten Dünen war wunderbar, der Gin Tonic kaltgestellt und literweise heißes Wasser wartete darauf, von uns verduscht zu werden. Und was soll ich sagen, eine Dusche hatten wir auch alle dringend nötig 😗 Zum Sonnenuntergang suchten wir uns ein hübsches Plätzchen auf einer Düne, und im Anschluss kochte Teresia wieder ein köstliches Menü für uns (kalte Tomatensuppe, Oryxgulasch mit Gemüsebeilagen und Pancakes mit Karamell- und Minzsauce).
Besonders erwähnenswert war der Kürbis mit Zimt, in den ich mich hätte reinlegen können. Für Paulina und Matthias stand zur Feier der Flitterwochen Sekt bereit, den sie gerne mit uns teilten, und Michael gab ein wunderbares Gesangsstück zum Besten (er ist von Beruf Opernsänger). Das war mal Gänsehautfeeling pur… Nach ein paar weiteren Gläsern Wein und vielen lustigen und unterhaltsamen Gesprächen freuten wir uns schon auf eine weitere Nacht in unseren gemütlichen Betten.
Teil 1822. Dez. 2017
Tok Tokkie Trail - Teil 3
Heute Morgen dann das gleiche Spielchen, es gab Kaffee ans Bett, dazu einen wunderschönen Sonnenaufgang und im Anschluss ein leckeres Frühstück.
Jetzt noch schnell ein Gruppenfoto mit dem ganzen Team, bevor wir uns auf zu den letzten Kilometern machten (natürlich war auch die heutige Strecke geprägt vom Auf und Ab auf den Dünen).
Um kurz nach zehn Uhr erreichten wir dann eigentlich viel zu schnell das Tok Tokkie Trail Farmhaus, wo Teresia bereits mit einem leckeren, noch warmen Kuchen auf uns wartete. Denn nun war es leider auch schon Zeit für den Abschied – wir hatten wirklich eine tolle Zeit, haben supernette Menschen kennengelernt und es hätte nicht perfekter sein können. Am Ende haben wir noch die E-Mailadressen ausgetauscht und hoffen, dass sich der Kontakt mit dem ein oder anderen aufrechterhalten lässt.
Als Fazit muss man sagen, das der Tok Tokkie Trail wirklich ein tolles Erlebnis war. Die Wanderung an sich war nicht übermäßig anspruchsvoll, aber bedingt durch die Hitze und den Sand hatten wir am Ende des Tages durchaus das Gefühl, etwas getan zu haben. Die beiden Camps waren absolut klasse – in toller Landschaft gelegen bieten sie trotz der Einfachheit jeglichen Luxus, den man sich wünschen kann. Auch unser Organisationsteam mit unserem Guide Richardo, Köchin Teresia und „Mädchen für alles“ Willie war wirklich top, und wer gerne draußen in der Natur ist und etwas wirklich Einmaliges erleben möchte, sollte sich das nicht entgehen lassen.
Nun waren wir also wieder auf Pad, und es ging zur nächsten Station, der Namib Desert Lodge.
Was soll ich sagen: Einen größeren Kulturschock hätten wir wohl kaum haben können 🙄 Nach drei Tagen einsam in der Wüste waren wir hier im Eldorado der Reisebusse und Gruppenreisen angekommen. Das soll jetzt keinesfalls abwertend klingen, denn die Lodge an sich hat uns ganz gut gefallen – der Unterschied zum gerade Erlebten hätte nur nicht größer sein können.
Auch hier wurden wir total freundlich von Andreas begrüßt, der uns kurz herumgeführt und mit allem Wissenswerten vertraut gemacht hat, bevor wir unser Zimmer Nr. 1 bezogen und uns dann gleich mal auf den Weg Richtung Pool gemacht haben.
Dort verbrachten wir einen entspannten Nachmittag in der Sonne mit gelegentlichen Erfrischungsbädern, zwei Savannas (kann man das Zeug eigentlich auch in Deutschland einigermaßen günstig kaufen? 😐 ), lesen und dem persönlichen Update aus der Heimat dank WIFI.
Später genossen wir eine ausgiebige warme Dusche und machten uns um halb sieben auf den Weg zum Abendessen. Unsere Taktik war, möglichst vor den ganzen Busreisen am Buffet zu sein, und sie ist wirklich gut aufgegangen. Das Essen war sehr lecker, dazu gab es eine Flasche südafrikanischen Weißwein und ein wenig unterhaltsames Beobachten der umsitzenden Reisenden.
Wer sich übrigens fragt, warum wir ausgerechnet in der Namib Desert Lodge abgestiegen sind: Ich wollte gerne eine Nacht im Dune Star Camp verbringen, und das kann man nur reservieren, wenn man zusätzlich eine Nacht in der Lodge gebucht hat. Morgen werden wir sehen, ob es sich gelohnt hat – aber jetzt werde ich erstmal den Reisebericht für heute beenden und zu meinem Gatten unter die Bettdecke schlüpfen, der sich schon vor einiger Zeit zur Ruhe gebettet hat.
Teil 1922. Dez. 2017
02.10.2017
Ein neuer Tag, eine neue tolle Location. Ich sitze gerade auf der großen Terrasse unseres Chalets im Dune Star Camp, während Marc im Bad noch mit der Dusche kämpft. Ich bin bereits frisch geduscht und lasse meine Haare im leichten Wind trocknen, der hier oben überall weht und höre nichts außer dem Surren der Fliegen und Marcs Flüchen aus der Dusche 🤪 Das mit der Dusche ist hier oben so eine Sache – das Dune Star Camp bezieht sein Wasser aus einem 110 Meter tiefen Bohrloch, welches über eine einzige Leitung hier hoch gepumpt und an die Häuschen verteilt wird. Da wir das letzte Haus in der Reihe sind, dauert es hier natürlich am längsten, bis Wasser ankommt. Bei mir hat es geschlagene 20 Minuten gedauert, und auch bei Marc höre ich jetzt endlich ein angenehmes Plätschern.
Heute Morgen haben wir für namibische Verhältnisse und vor allem im Vergleich zu den letzten Tagen mal wieder ausgeschlafen – erst um kurz nach acht sind wir frühstücken gegangen, da waren die meisten Reisegesellschaften schon wieder weg, wahrscheinlich auf dem Weg ins Sossusvlei. Wir haben uns am umfangreichen Buffet bedient und unseren Kaffee gemütlich in der Sonne genossen. Stress haben wir heute keinen, erst um 16:00 Uhr sollen wir abgeholt und zum Dune Star Camp gebracht werden.
Also packen wir ganz entspannt unsere Koffer (im Gegensatz zu der Dame vom Housekeeping, die schon seit Viertel vor zehn darauf wartet, dass wir endlich fertig sind und sie mit dem Zimmer putzen beginnen kann), geben diese an der Rezeption ab und sichern uns einen Platz am Pool.
Wir wollen ja schließlich noch ein wenig braun werden, damit die Daheimgebliebenen auch schön neidisch werden 😉 Der Tag vergeht mit Lesen, kurzen Erfrischungen im Pool, Musik hören und dösen, lediglich unterbrochen von einer kurzen Lunch-Pause – der Mensch muss ja auch was essen, faulenzen macht schließlich hungrig 😄 Ein ebenso angenehmer wie amüsanter Zeitvertreib mit zwischenzeitlichem Fremdschämen ist das Beobachten diverser anderer Reisender – kleiner Tipp bei lauten Reisegruppen mit prägnantem Dialekt: hier lohnt es sich durchaus, einen Kopfhörer oder Oropax einzupacken, damit die Entspannung nicht durch das Entstehen unterschwelliger Aggressivität gefährdet wird 😈
Um 16:00 Uhr geht es dann zusammen mit einer vierzehnköpfigen Reisegruppe und einem weiteren Pärchen hoch ins Dune Star Camp.
Die Anfahrt dauert ca. 20 Minuten, und als wir oben aus dem Safariwagen aussteigen, sind alle erstmal sprachlos angesichts dieser grandiosen Aussicht. Wir haben in den letzten Tagen ja Einiges gesehen und durften viele herrliche Landschaften sehen, aber das hier ist schon etwas ganz Besonderes.
Wir werden mit kaltem Appletiser begrüßt ("Was, gar kein Alkohol?!?" 🙄 ) und Janko erklärt uns den Ablauf und die kleinen Eigenarten des Camps, wie die Sache mit dem Wasser. Der Reiseleiter der Reisegruppe übersetzt das Ganze dann nochmal ins Deutsche (auch, wenn der Guide es schon zusätzlich auf Deutsch gesagt hat 😵 ) - natürlich etwas ausführlicher als ursprünglich und garniert das Ganze dann noch mit einem mehr oder weniger guten Witz. Ich glaube, wenn er mein Reiseleiter wäre, müsste ich vorzeitig abbrechen oder es gäbe unter Umständen einen Mord 😈
Endlich ist Mr. Superwitzig fertig, und wir werden auf die einzelnen Hütten aufgeteilt. Marc und ich haben die Nummer 9, also das letzte Häuschen in der Reihe. Das ist zum einen ganz gut so, weil wir damit ein wenig unsere Ruhe haben, außerdem ist es das einzige Zimmer mit Terrasse zur Ostseite hin (also zum Sonnenaufgang), die von allen anderen Zimmern aus nicht eingesehen werden kann.
Das Chalet ist ganz nett eingerichtet, Highlight ist aber natürlich das große Bett, dass man dank der Räder hinaus auf die Terrasse rollen kann, von der aus man einen traumhaften Blick in die Natur hat. Zunächst bringen wir aber die Stühle und das kleine Beistelltischchen nach draußen und genießen die Ruhe.
Den abendlichen Walk, der um halb sechs angeboten wird und ca. eine Stunde dauern soll, lassen wir ausfallen, allein schon deshalb, weil wir keine große Lust auf die Reisegruppe haben (und außerdem ja noch duschen wollen).
Teil 2023. Dez. 2017
03.10.2017
Neuer Tag, neue Location – und heute mal ein ganz ungewöhnliches Bild: Ich sitze auf dem Balkon eines Chalets auf Kobo Kobo Hills, wieder einmal ist der Ausblick unfassbar schön. Man hat das Gefühl, als würde man direkt am Abgrund sitzen. Der Wind pfeift mir um die Nase, ich trage einen dicken Pulli, Schal und Socken, und bin zusätzlich in eine Decke gewickelt. Es hat merklich abgekühlt, eine dicke dunkle Wolkendecke bedeckt den Himmel und in der Ferne ist Donnergrollen zu hören. Gerade eben sind bereits ein paar Tröpfchen Regen gefallen – unser erster Regen in Namibia 🤩 Ob es noch mehr davon geben wird? Laut Jako, der die Lodge führt und uns vor ein paar Stunden empfangen hat, sind sowohl die Wolken als auch der Regen absolut ungewöhnlich für Oktober.
Gestern Abend sind wir pünktlich zum Sundowner auf die Terrasse des Restaurants gegangen und haben mit einem Gin Tonic den wirklich grandiosen Ausblick von dort oben genossen.
Mit Einigen von der Busreise sind wir dann noch in ein nettes Gespräch gekommen – sie fanden es höchst interessant, dass wir als Selbstfahrer unterwegs waren und hatten einige Fragen zu unserer Route und der Reiseplanung. Umgekehrt fanden wir es äußerst faszinierend, wie viel Programm man in eine 12-tägige Rundreise packen kann 🙄 Da ist alles genau getaktet, für spontane Planänderungen oder -anpassungen bleibt keinerlei Spielraum. Andererseits hat auch nicht jeder so viel Glück, von seinem Arbeitgeber problemlos drei Wochen Urlaub am Stück genehmigt zu bekommen. Und natürlich überdies Lust, sich ausführlich mit der Reiseplanung zu beschäftigen, so wie ich 😗
Kurz nach Sonnenuntergang ist der große Tisch im Restaurant bereit fürs Abendessen – alles ist toll dekoriert, die Füllung des Kühlschranks lässt keine Wünsche offen (das könnte ich mir auch für zu Hause gut vorstellen 😄 ) und Jeremiah präsentiert uns das Dinner des heutigen Abends.
Als Vorspeise gibt es zunächst Tomatensuppe, gefolgt von einem Zweierlei aus griechischem Salat und Erbsensalat. Der Hauptgang besteht aus einem (leider zu durch gebratenen) Oryx-Steak mit Gemüse und Bratkartoffeln, und zum Abschluss gibt es ein leckeres Kokosküchlein mit Vanilleeis. Wir unterhalten uns draußen noch ein wenig mit Janko und er erzählt uns, dass er den Job hier bereits seit vier Jahren macht und in der nächsten Saison nach Swakopmund möchte, da ihm das Klima dort mehr zusagt und in der Stadt außerdem mehr los wäre (vier Jahre in der Wüste reichen). Während der Rest der Gruppe in ausgelassener Stimmung ist und wohl noch ein Weilchen weitertrinkt, verabschieden wir uns ins Bett.
Zurück in unserem Zimmer schieben wir erstmal das Bett hinaus auf die Terrasse – der Mond ist bereits mehr als halb voll und es ist beinahe taghell draußen. Mit Sternegucken bzw. fotografieren wird das heute also nichts mehr. Nichtsdestotrotz ist es ein tolles Gefühl, in seine warme Decke gekuschelt im Bett zu liegen und über sich nichts zu haben als den Sternenhimmel. So schlafen wir irgendwann glücklich und zufrieden ein.
Mittlerweile regnet es auf Kobo Kobo Hills übrigens ganz schön heftig und ein herrlicher Duft liegt in der Luft, nach aufgeheizten Felsen, die durch den Regen abgekühlt werden – dazu hat wohl jemand im Küchenhäuschen ein Feuer gemacht, eine sehr heimelige Duftkombination. Es donnert weiterhin regelmäßig und auch der ein oder andere Blitz erscheint am Himmel.
Um sechs Uhr werden wir von Janko durch ein kurzes Klopfen an der Tür mit einer Kanne Kaffee geweckt – was für ein netter Service. Theoretisch würde um halb sieben der Morning Walk starten, aber wir bleiben lieber mit unserem Kaffee im Bett, genießen den herrlichen Blick und wie die Welt langsam heller wird und schließlich die Sonne als glutroter Ball am Horizont erscheint.
Um acht Uhr wurden wir abgeholt und wieder nach unten zur Namib Desert Lodge gebracht, wo wir ausgiebig gefrühstückt haben und dann um kurz vor zehn Richtung Norden gestartet sind.
Bereits nach wenigen Kilometern stoppten wir in Solitaire, um uns als Wegzehrung ein wenig von dem berühmten Apfelkuchen mitzunehmen – aber Pech gehabt, der war gerade aus und der neue noch nicht fertig, also entschieden wir uns für Cinnamon Rolls, die wir später an einem Viewpoint mit herrlichem Blick in den Kuiseb Canon verspeisten. Ganz gemütlich ging es weiter, wir hörten „Hummeldumm“ und hielten immer mal wieder für ein paar Bilder an, z.B. am Gaub Pass und am Henno Martin Shelter.
Sobald wir von der C14 abgebogen waren, wurde auch die Pad wieder wesentlich besser, so dass wir zügig voran kamen und bereits gegen zwei auf Kobo Kobo Hills ankamen. Die Anfahrt über das Farmgelände wird gegen Ende immer abenteuerlicher, ein 4x4 ist hier auf jeden Fall empfehlenswert.
Als wir vor Ort sind, müssen wir erstmal staunen: Über eine Treppe erklimmt man einen hohen Felsen und kommt in eine Art Innenhof, um den sich ein toller Pool mit Infinity-Optik, ein Hide fürs Wasserloch, das ein Stück unterhalb liegt, eine nochmals erhöhte Bar mit gemütlicher Sitzecke, die Küche und eine große Tafel fürs gemeinsame Essen anordnen.
Jako und Linus begrüßen uns freundlich und zeigen uns alles Wichtige, bevor wir zu unserem Chalet geführt werden – wow, das ist wirklich klasse und sehr individuell. Es besteht aus einem großen Raum mit Doppelbett, Couch, zwei Stühlen und einem Beistelltisch, die man auch auf den schönen Balkon stellen kann - und einem komplett offenen Badezimmer. Sogar das Klo befindet sich mit im Raum – gewöhnungsbedürftig für manche, uns macht es aber nichts aus.
Es gibt keinen elektrischen Strom und kein WIFI, uns stehen also drei Tage absoluter Ruhe bevor. Marc hat bereits jetzt die starke Befürchtung, dass sein halbes Buch, das er noch übrig hat, nicht ausreichen wird. Wer hätte auch gedacht, dass er in diesem Urlaub so viel lesen würde? Gut, dass ich meinen Kindle vorsorglich mit mehreren Büchern bestückt habe.
Wir richten uns kurz ein und laufen dann nach vorne zum Gemeinschaftsbereich, wo Jako uns eine kleine Platte mit Käse, Wurst und Gemüse gerichtet hat, dazu gibt es superleckeres und frisches Brot. Danach liegen wir ein wenig am Pool und lesen, bis es uns langsam aber sicher zu ungemütlich wird. Ein frischer Wind kommt auf und die Sonne wird immer wieder von dicken Wolken verdeckt. So gehen wir irgendwann auf unser Zimmer und ich mache es mir auf dem Balkon gemütlich, während Marc mit seinen neuen Kopfhörern ins Reich der Musik abtaucht.