seit Jahren sind wir nun Safari-/Afrika-süchtig, in den "Klassiker" Krüger Nationalpark hat es uns allerdings in all der Zeit nicht verschlagen. Warum? Es hat sich einfach nicht so recht ergeben und stand auch auf der Wunschliste nicht ganz oben. Teerstraßen, Touristenmassen, Zoogefühl - viel hatten wir gehören, gelesen, aufgeschnappt, was den Sehnsuchtsfaktor nicht unbedingt erhöht hat. Doch als begeisterte Reisebericht-Konsumentin hier im Forum sah ich mich auch immer wieder mit ganz anderen Erfahrungen konfrontiert.
Was soll ich sagen... Der Rand stand (steht) günstig, wir hatten zwei Wochen Zeit und wollten nach arbeitsintensiven Monaten stressfrei unserer Lieblings-Freizeitbeschäftigung nachgehen - heraus kam eine Südafrika-Planung rund um den Krüger. Die Panorama-Route sollte eine Rolle spielen, ebenso stand Mashatu in Botswana auf der Wunschliste. Dies entspannt und bezahlbar innerhalb von 14 Tagen miteinander zu verheiraten, blieb allerdings ein frommer Wunsch. Also Mashatu schweren Herzens raus, dafür nahm der Gedanke Gestalt an, bei eventuellem Gefallen wiederzukehren, mit mehr Zeit den Park zu durchqueren und Mashatu am Ende einzubauen. Manchmal sieht man sich ja zweimal...
Wer mag, ist herzlich eingeladen, uns auf unserer "Schnuppertour" im und um den Krüger herum zu begleiten. Das Thema "Geruch" spielte übrigens eine zentrale und wiederkehrende Rolle auf unserer Reise, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden. Hier unsere Stationen, ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere Interesse hätte:
10.-13.9.17 Hippo Hollow Country Estate, Hazyview 13.-16.9.17 Umlani Bush Camp, Timbavati Game Reserve (Greater Kruger) 16.-18.9.17 Satara Restcamp 18.-20.9.17 Lower Sabie Restcamp 20.-23.9.17 Elephant Plains Game Lodge, Sabi Sand Game Reserve (Greater Kruger)
Liebe Grüße, Bettina
P.S.: Die Sonne ist aktiviert, wenn auch nicht in Hamburg 😎
Teil 209. Nov. 2017
9./10.9.2017: "He killed himself in alcohol"
Normalerweise würde ich kaum eine Silbe über die Anreise verlieren. Flüge sind strapaziös, lang, unbequem - und grenzen für mich doch jedes Mal aufs Neue an ein Wunder. Dieser brennt sich jedoch in mein Gedächtnis ein. Und das kam so: Während unseres Nachtflugs mit South African Airways bin ich irgendwann tatsächlich entschlummert, was einer Sensation gleicht. Als ich mitten in der Nacht aufschrecke, muss ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass wir von blauen Marsmännchen gekapert wurden. Die entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als Bordcrew, die sich in blaue Ganzkörperkondome nebst Einweg-Handschuhen und Mundschutz gezwängt hat. Es hängt ein äußerst penetranter Geruch in der Luft, auch die Geräuschkulisse zeugt von viel Elend. Die Nachfrage bei der Stewardess bestätigt meinen Verdacht: Ein Passagier hat deutlich über den Durst getrunken ("He killed himself in alcohol") und kann nun (sehr ausdauernd) nicht mehr an sich halten.
Die Folgen sind relativ fatal. Wohin in so einer Sardinenbüchse mit einer Schnapsleiche? Eine Ausnüchterungszelle hat bei der Konstruktion wenig überraschend keine Berücksichtigung gefunden, es bleibt nur der angestammte Platz. Es beginnt ein Hin-und-Her-Gerenne zwischen Sitzplatz und Toilette, zuweilen reicht die Zeit aber nicht aus, um diese unfallfrei zu erreichen. Mir tun die Passagiere in der "Schusslinie" aufrichtig leid, ich bin aber heilfroh, dass wir auf der rechten Seite des Fliegers sitzen. Das Bordpersonal ist verständlicherweise restlos bedient und muss zudem noch in dem ganzen Kladderadatsch am nächsten Morgen bei der Suche nach dem im Suff vermeintlich verlorengegangenen Personalausweis helfen. Der Trunkenbold selbst sah übrigens alles in allem bei Tagesanbruch im Gegensatz zu seinen Sitznachbarn vergleichsweise ausgeruht aus und zeigte für mein Empfinden auch keinerlei Scham oder Reue. Ein fetter Umschlag landete jedenfalls nicht in den Händen des Bordpersonals, das mir beim Rausgehen glaubhaft versicherte, dies sei der schlimmste Job in den vergangenen zehn Jahren gewesen.
Thomas übrigens hat den größten Teil des Dramas selig verpennt. Nach beendetem Schönheitsschlaf fragte er mich nach der Quelle des üblen Gestanks - nicht zum ersten Mal im Leben kam mir der Gedanke, dass männliche Dickfelligkeit durchaus erstrebenswert sein kann...
Der Rest ist schnell zusammengefasst: Nach der Landung in Johannesburg werden wir wegen unserer zweistündigen Verspätung (wir kamen schon in Frankfurt nicht rechtzeitig weg) reibungslos auf den nächsten Flug nach Nelspruit umgebucht. Dort sammeln wir am Flughafen unseren gemieteten VW Polo ein, der seine Dienste angeblich auch ausreichend im Krüger tun soll, und freuen uns: endlich wieder unterwegs! Nach Hazyview ist es nicht weit, um 14 Uhr sind wir am Hippo Hollow Country Estate, wo wir die ersten drei Nächte verbringen werden. Die Unterkunft liegt für unsere Zwecke strategisch günstig. Nah an der Panorama Route, die wir am nächsten Morgen in Angriff nehmen werden, aber auch zum nächstgelegenen Krüger-Gate, wo wir den zweiten vollen Tag (unser "Jokertag" für den Fall schlechten Wetters zu Beginn etc.) verbringen könnten, wenn wir das wollten.
Das Gelände ist sehr gepflegt und gefällt uns auch, jedoch ohne "Wow"-Effekt. Schön ist unser kleines Häuschen mit Flussblick, ein bisschen atmet es hier auf der hinteren Veranda schon Wildnis, während vorne am Pool eine amerikanische Großfamilie für reichlich Beschallung sorgt. Wir befüllen unsere Bohnensäckchen in Ermangelung an Bohnen mit Reis und lassen die Schrecken der Nacht endgültig hinter uns.
Das Essen im Restaurant ist sehr gut, der Knaller sind aber die Hippos, die regelmäßig abends den Sabie River herauf- (oder herunter?) geschwommen kommen, mehr oder minder elegant den Fluten entsteigen und beim Trimmen des Lodge-eigenen Rasens jeden Gärtner vor Neid erblassen lassen. Wir haben schon viele Hippos gesehen, aber wilde Nilpferde rund zwei Meter unter uns, während wir in der offenen Terrassentür stehen, das hat schon was. Satt, ausgelaugt und voller Vorfreude auf die nächsten Tage geht es schließlich ins Bett. Und ab morgen sind dann auch deutlich mehr Fotos im Spiel, versprochen! 🙂
Teil 310. Nov. 2017
11.9.2017: Hier gibt es Landschaft, und davon sehr viel
Der erste bange Blick morgens aus dem Fenster zeigt: Es ist - wie offenbar schon in den vergangenen Wochen - sonnig. Das ist deshalb entscheidend, weil es rund um den Blyde River Canyon sehr oft arg verhangen ist - besonders in dieser Jahreszeit. So aber besteht eine Chance, dort mehr zu sehen als nur die Hand vor Augen.
Wir haben am Vorabend lange überlegt, welche Route genau wir an diesem Tag nehmen. Theoretisch hätten wir zwei Tage Zeit für die Panorama-Route. Praktisch aber lockt uns beide der Gedanke, den zweiten vollen Tag schon im Krüger zu verbringen. Wir sind schwer auf Safari-Entzug...
Wir beschließen, trotz allem relativ weit südlich mit den Lone Creek Falls hinter Sabie zu beginnen. Die hügelige Strecke dorthin führt durch Nadelwald, der stark unserer heimischen Flora ähnelt. Die Straße ist gut zu befahren, wie aus dem Nichts tauchen allerdings immer wieder Schlaglöcher auf, die volle Aufmerksamkeit erfordern. Die Lone Creek Falls gefallen uns gut, zumal wir die ersten Besucher an diesem Tag sind und die wunderschöne Natur für uns alleine haben.
Der nächste Stopp sollen die Bridal Veil Falls sein. Auf dem Weg dorthin signalisiert unser Navi eine Abkürzung, die lohnenswert erscheint. Wir lassen uns drauf ein und merken viel zu spät, dass die wenigen Kilometer eine Herausforderung bilden, die unser kleiner Polo eigentlich nicht bewältigen kann. Na toll, wir schrotten unseren Mietwagen nebst Reifen schon an Tag eins, ohnehin kostet uns dieser "Shortcut" mehr Zeit, als wir eigentlich haben. Für eine Umkehr ist es jedoch zu spät, wir sind schon ziemlich in der Mitte. Meine Laune rutscht in den Keller. Ich bin vor allem sauer auf mich selbst, dass ich auf diesen miesen Trick unseres GPS hereingefallen bin. Das hier ist eben doch Südafrika und nicht das Sauerland...
Erstaunlicherweise kommen wir ungeschoren an den Bridal Veil Falls an. Doch ein Blick aus der Ferne reicht, und wir fahren weiter. Es ist nun mal Trockenzeit, was die Attraktivität von Wasserfällen naturgemäß schmälert. Da wir ohnehin Zeit wieder reinholen wollen, verzichten wir bis auf die Lisbon Falls auf den Besuch weiterer Wasserfälle und auch auf den geplanten Stop beim viel empfohlenen Pfannkuchen-Haus in Graskop. Das allerdings vor allem deshalb, weil wir nach dem hervorragenden Frühstück am Morgen noch nicht wieder hungrig sind.
Lisbon Falls
Hinter Graskop ist die Straße in makellosem Zustand. Die Stops beim Pinnacle Rock und God's Window gefallen uns sehr gut, ...
... die Bourke's Luck Potholes sind ein erster echter Höhepunkt. Wir haben diese Felslandschaft mit den ausgewaschenen Löchern und Röhren beileibe nicht für uns allein, doch die Menschen verteilen sich auf dem großen Gelände und die Stimmung ist fröhlich und entspannt. Wir klettern über Stock und Stein, andere nutzen die Gelegenheit und plantschen in den flacheren Wasserbecken. Da es sehr warm ist, keine schlechte Idee.
Wir hatten (hier im Forum?) gelesen, dass zum Fotografieren die Mittagszeit am besten geeignet ist, weil die Sonne dann am höchsten steht und die Felsformationen voll ausgeleuchtet sind. Wir sind mit etwa 13 Uhr einen Tick zu spät, aber das ist schon Jammern auf allerhöchstem Niveau.
Nicht zu toppen sind die Aussichtspunkte Blyde River Canyon ...
... und schließlich Three Rondavels. Wir sind sehr rechtzeitig da (um 17 Uhr muss man aus dem Gate raus sein) und genießen diese grandiose Landschaft in vollen Zügen.
Mehrere Reisegruppen kommen und gehen, wir sind aber streckenweise auch fast für uns. Die Schönheit dieses Ortes verschlägt uns den Atem und wir beobachten so lange es geht, wie die sinkende Sonne die Felsen zusehends rot färbt.
Was für ein wunderschöner Tag! Beim Abendessen statten uns die Hippos einen erneuten Besuch ab, und wir sind beide schon ganz kribbelig bei dem Gedanken an den nächsten Tag, den wir im Krüger verbringen werden: endlich wieder Safari!
Teil 411. Nov. 2017
12.9.2017: Unsere Premiere im Krüger
Kaum klingelt der Wecker, bin ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten auch schon aus dem Bett. Der Krüger ruft, laut und deutlich. Unsere Frühstückpakete stehen schon am Restaurant bereit, und schwupps sind wir unterwegs. Die Fahrt zum Phabeni Gate dauert nur rund eine Viertelstunde, gegen Viertel vor Sechs - und damit 15 Minuten vor Toröffnung - stehen wir bereits in den Startlöchern. Ich hätte mir den Andrang größer vorgestellt, wir sind Nummer fünf oder sechs in einer überschaubaren Schlange. Es gibt allerdings rechts neben uns eine deutlich längere, und sie besteht ausschließlich aus Safari-Fahrzeugen der umliegenden Unterkünfte.
Trotz Pole Position dauert es ein Weilchen, bis wir drin sind. a) wegen der geführten Touren, b), weil bei dem einen oder anderen vor uns der bürokratische Aufwand nicht unerheblich zu sein scheint. Wir bekommen beide einen Riesenschreck: Ich habe zwar meinen Führerschein dabei, unsere Pässe liegen aber wohlverwahrt im Safe; ich bin ziemlich sicher, dass wir ohne sie keine Chance haben. Das würde einen Zeitverlust von bestimmt einer Stunde bedeuten, denn zusätzlich zum Hin- und Herfahren müssten wir uns ja am Ende der Schlange wieder einreihen. Wir schwitzen Blut und Wasser, dann sind wir dran und ziemlich schnell drin - ein willkommenes Wunder!
Ich habe mich zwar im Vorfeld der Reise - nicht zuletzt hier im Forum - ein wenig schlau gemacht, welche Strecken im Krüger empfohlen werden. Dabei ging es aber mehr um die Touren rund um unsere späteren Unterkünfte Satara und Lower Sabie. Eine Karte haben wir auch noch nicht und zudem keine Vorstellung davon, wie gut wir vorankommen werden. Wir beschließen, es ruhig angehen zu lassen und einfach über Skukuza geradeaus bis Lower Sabie zu fahren. Dort könnten wir sicher eine Karte kaufen und hätten wie geplant einen ersten Eindruck vom Park gewonnen. Kaum sind wir unterwegs, begegnen uns einige der üblichen Verdächtigen im schönsten Morgenlicht. Die Impalas sind überhaupt nicht scheu und lassen sich von uns nicht irritieren.
An einem Wasserloch (Nyamundwa) rund zehn Kilometer hinter dem Gate bewacht ein Schreiseeadler eifersüchtig seinen Horst.
Schon jetzt fällt uns auf, wie sehr sich die Autos kurz hinter dem Gate in alle Winde verstreuen. Manchmal frage ich mich unterwegs, ob wir als Krüger-Rookies eine Strecke fahren, die so überhaupt nicht populär ist. Ich glaube aber, dass der riesige Nationalpark die Massen absorbiert - zumindest außerhalb der südafrikanischen Schulferien, die wir bewusst vermieden haben.
Wir sind etwa eine Stunde unterwegs, da amüsieren wir uns köstlich über ein "Giraffenballett".
Kurze Zeit später bin ich komplett elektrisiert: Ein Bateleur, freisitzend im besten Licht! Man muss wissen: So viel haben wir auf unseren Safaris schon erleben dürfen, Dinge, von denen wir nicht zu träumen gewagt hatten. Aber ein Bateleur in brauchbarer Position ist uns in all den Jahren versagt geblieben, und so stand er schon lange auf meiner Wunschliste ganz oben.
Wir bleiben ziemlich lange bei dem für mich schönsten aller Adler stehen. Der Tag ist schon jetzt ganz wunderbar und ich nehme es fast persönlich, dass andere Autos nur kurz halten, ein Foto knipsen und dann weiterhasten. Wissen sie denn etwa nicht, wen oder was sie hier vor sich haben?!?
Hinter Skukuza führt die Strecke am Sabie River entlang, die Landschaft ist eine Wucht und je mehr wir uns Lower Sabie nähern, desto mehr Tiere sehen wir.
Von der Straße aus ist das Flussbett oft nicht richtig einzusehen, aber es gibt kleine Buchten und Stichstraßen, die wir allesamt abfahren. In einer von ihnen frühstücken wir in aller Ruhe und genießen die Geräuschkulisse. Tausende von Blutschnabelwebern sind am Fluss unterwegs und veranstalten ein Höllenspektakel, unsere Frühstücksbox ist reichhaltig und lecker, das Leben ist schön.
Schon jetzt kann ich sagen, dass mich die Teerstraßen nicht stören. Zumal es ausreichend Schotterstraßen gibt, die wir später viel genutzt haben und auf denen wir oft gefühlt völlig alleine unterwegs waren.
Als wir mittags in Lower Sabie ankommen, besorge ich im Shop eine Karte und laufe bis zum Restaurant vor, schließlich werden wir zu einem späteren Zeitpunkt zwei Nächte in diesem Camp verbringen. Die Terrasse liegt direkt am hier sehr breiten Fluss, und wie es der Zufall will, trinkt auf der anderen Seite gerade eine große Elefantengruppe, während sich eine Büffelherde aufmacht, das Wasser zu queren. Wow, das macht ziemlichen Eindruck auf mich, zumal rechterhand noch etliche Flusspferde auf einer kleinen Insel stehen bzw. liegen. Dass sie die pralle Mittagssonne davon nicht abhält, können wir uns bis heute nicht erklären. Wir beobachten das Phänomen später noch mehrfach.
Auch Thomas hat einen guten ersten Eindruck vom Camp, zufrieden fahren wir zunächst auf demselben Weg gemächlich zurück. Wir hatten auf dem Hinweg schon fotountauglich weit weg ein Löwenrudel bei einem toten Büffel entdeckt, nun sehen wir ein Löwin mit drei Kleinen, die offenbar dazustoßen möchte. Die Rasselbande macht ihr ganz schön zu schaffen, und auch wenn die Entfernung für gute Fotos zu groß ist, lachen wir uns kringelig über die Racker. Wir fahren parallel, bis sie das Rudel erreicht hat.
Weil wir sehr gut in der Zeit liegen, gönnen wir uns noch eine ausführliche Schleife auf Gravel. Die Landschaft ist staubtrocken, kein Wasser in Sicht und wir wundern uns fast, dass wir überhaupt Tiere sehen.
Zurück auf der Teerstraße fordert mir eine plötzlich auftauchende Schlange (was für eine??) alle Fahrkünste ab, wir überleben beide den Schreck unbeschadet.
Ein Go-away-bird im Spätnachmittagslicht, ein Haubenbartvogel und ein toller Sonnenuntergang runden einen schönen Tag ab.
Unterm Strich sind wir das Unterfangen "Krüger" mit einiger Skepsis angegangen, viele Bedenken haben sich zumindest zunächst in Rauch aufgelöst. Mal sehen, ob das so bleibt...
Teil 513. Nov. 2017
13.9.2017: Unser ganz persönliches Paradies
Am nächsten Morgen weckt mich ein leises "Plop Plop", als ein über mir nächtigender Gecko knapp neben meinem Kopf etwas fallen lässt. Wir haben ausgeschlafen, es ist die letzte Gelegenheit in diesem Urlaub dazu, um Sieben bin ich trotzdem putzmunter. Draußen herrscht reger Betrieb. Eine Ente schnattert aufgeregt von unserem Dach, Kraniche ziehen über den Fluss und an der Uferböschung direkt unterhalb unserer Veranda tankt ein Nilwaran in der Morgensonne Energie.
Wir frühstücken in aller Seelenruhe aus der schönen Terrasse der Lodge und genießen die Ruhe. Die anderen Gäste sind schon längst im Krüger und sonstwo unterwegs. Beim Packen rätseln wir, was wir mit dem Fehlkauf von zehn (!) Litern supersüßer Limonade mit Kaugummigeschmack anfangen wollen, den wir zunächst für schlichtes Wasser gehalten und über den wir uns sehr geärgert haben. Wir beschließen, die Flaschen in der Küche stehen zu lassen, vielleicht findet sich ja ein Abnehmer für die Plörre nebst Pfand.
Wir sind kaum vom Hof gerollt, da fällt Thomas siedend heiß ein, dass er das Trinkgeld für das Housekeeping vergessen hat. Wir kehren um und als wir vor unserer Unterkunft parken, werden wir freudestrahlend begrüßt. Das Zimmermädchen hat beim Saubermachen die Limonade entdeckt und kriegt sich nun kaum mehr ein. "It's Christmas Day" meint sie, umarmt uns beide stürmisch und klatscht in die Hände. Ihre Kinder lieben diese Limo. Sie sei aber teuer und deshalb ganz besonders. Als Thomas noch Tip drauflegt, geht der Freudentanz von vorne los, der uns beiden die Tränen in die Augen treibt. Wir freuen uns mit ihr und lernen gleichzeitig eine Lektion in Demut: Wie privilegiert wir doch sind...
Knapp 200 Kilometer sind es bis Timbavati, wir fahren streckenweise am Außenzaun des Greater Krüger entlang und können schon die ersten Giraffenhälse und Zebras erspähen. Im Umlani Bush Camp angekommen, fühlen wir uns auf Anhieb sauwohl. Das Camp ist klein, rustikal und ebenso charmant wie die sehr persönliche Ansprache der Angestellten. Hier ist man unter Freunden. Auch unsere Hütte (ich glaube, die Nummer sechs, Rhino) gefällt uns richtig gut. Der Betreiber setzt auf Solarenergie, die zum Laden unserer Akkus und für eine Solar-Leselampe am Bett völlig ausreicht. Und die Petroleumlampe nachts im Freiluft-Bad hat schon etwas sehr Wildromantisches...
Die meisten anderen Hütten - ich denke, es gibt insgesamt acht - sehen anders aus und sind nicht wie unsere gemauert, sondern bestehen aus so etwas wie Schilf, haben auch keine Fenster, sondern ausschließlich ein Fliegengitter. Ich war in keinem dieser anderen, älteren Modelle drin. Andere Gäste schwärmen später aber von der Naturnähe und der Luftdurchlässigkeit. Ich kann nur für uns sagen, dass uns das andere bestimmt auch sehr gut gefallen hätte, wir aber mit unserem Teilzeit-Zuhause sehr glücklich waren. Was ich später zu schätzen lerne, ist die Tür vom Außenbad ins Haus, über die offenbar nur unser Rondavel verfügt. Es können zwar keine größeren Tiere hineinkommen, weil die Außenwand des Badezimmers sie abhält. Die frechen Affen scheren sich allerdings gar nicht um diese Hürde und gehen in den anderen, offenen Hütten zuweilen auf Beutezug. Die auf diese Weise abhanden gekommenen Malaria-Tabletten einer Camp-Mitbewohnerin haben hoffentlich keine bleibenden Schäden bei den Dieben hinterlassen...
Affen überall - auch am campeigenen Minipool.
Häufige Besucher im Camp: Nyalas
Beim Mittagessen lernen wir die anderen Besucher kennen, wir sind eine multinationale Truppe und alle sind unfassbar nett. Um 15 Uhr geht's schließlich los: Wie ich es liebe, auf einem Safaritruck zu sitzen! Neu ist für uns der Luxus eines Driverguides UND eines Trackers. Shadrack und Cabinet sind ein eingespieltes Duo, sehen alles und geben auch alles. Ein echtes Dreamteam.
An einem Wasserloch beobachten wir zwei Rhinos.
Die eingestanzten Löcher im Ohr, erklärt uns Shadrack, seien ein Signal an potenzielle Wilderer: Diese Tiere sind nicht nur mit einem Chip, sondern ihr Horn auch mit einem Gift versehen, das es für Menschen unbrauchbar macht. Ich hoffe, dass ich das richtig verstanden habe. Wenn es so wäre, könnte das doch die Lösung aller Probleme sein? Es scheint mir zumindest einfacher zu sein als die armen Tiere zu enthornen. Aber ich weiß natürlich nicht, wie aufwändig die Prozedur ist und ob sie tatsächlich hilft.
An der Hauptstraße, über die wir mittags hergefahren sind, finden wir ein großes Rudel Wilddogs. Sie kommen netterweise direkt auf die Straße und tollen um uns herum.
Ich wusste, dass es sie im Krüger gibt, hatte aber nicht damit gerechnet, sie zu sehen. Wir freuen uns riesig, es ist unsere zweite Wilddog-Sichtung nach Botswana 2014. Es sind auch einige junge Hunde dabei, die uns beste Unterhaltung bieten.
Auch die jungen Tüpfelhyänen treibt es in der Abenddämmerung aus ihrem Bau unter der Straße.
Beim Abendessen bestätigt sich einmal mehr: Dieses Camp ist genau unser Ding. So eine ungezwungene, anregende Atmosphäre haben wir erst einmal erlebt, ebenfalls 2014 in Botswana im Khwai Tented Camp. Die Gäste sitzen bunt zusammengewürfelt an großen Holztischen, Guide, Tracker und Co. mischen sich darunter, dazu das tolle Essen und danach noch ein Drink am Feuer im schönen Boma - mehr geht nicht. Um neun Uhr strecke ich trotzdem die Waffen. Wir werden zu unserer Hütte begleitet, das Bushcamp macht seinem Namen alle Ehre. Ich werde schlafen wie ein Stein - und freue mich auf die nächsten Tage in diesem Paradies.
Teil 614. Nov. 2017
14.9.2017: Eine blutige Angelegenheit
Um fünf Uhr ist die Nacht endgültig zu Ende. Der Weckdienst klopft an die Tür, was gar nicht nötig gewesen wäre, denn ich bin schon wach. Vermutlich bin ich schizophren. Zuhause wäre das undenkbar. Ab halb Sechs gibt es Tee, Kaffee und ein paar Snacks am gemütlichen Feuer im Boma, um Sechs geht es los. Es ist ein milder Morgen, ich habe wunderbar geschlafen und bin absolut bereit zu neuen Schandtaten!
Nach etwa einem Kilometer gibt's den ersten unfreiwilligen Stop. Ein Reifen ist fast platt, also alle raus und dicht beim Auto geblieben, in Windeseile hat unser Dreamteam das Problem gelöst.
Nicht viel weiter liegt malerisch ein Wasserloch mit einem sehr einladend wirkenden Baumhaus. Es gehört zu Umlani, man kann es blocken und dort nach Wunsch Zeit verbringen, Übernachtung inklusive. Ich habe mich bereits gefragt, wo die ältere Dame ist, die mir beim Nachmittagsdrive am Vortag soviel Respekt abgenötigt hat, weil sie mit jedem auf unserem Wagen fließend in seiner Landessprache gesprochen hat (Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch). Wie sich herausstellt, kommt sie seit einer Dekade einmal im Jahr hierher, nachdem sie zuvor drei Wochen in einem Township in Johannesburg ehrenamtlich ein Hilfsprojekt unterstützt hat. Es sei ein Privileg ihres Alters, erklärt sie mir, dass sie nicht mehr alles mitmachen müsse. Sie schläft lieber aus, frühstückt in Ruhe und lässt sich dann bis zum Mittagessen ins Baumhaus bringen. Wir überlegen, ob wir auch ein wenig Zeit dort oben verbringen wollen, und wenn ja, wann? Die netten spanischen Flitterwöchler werden die nächste Nacht dort verbringen, mal abwarten, was sie so zu berichten haben.
Dieses Nashorn ist ebenfalls ein Frühaufsteher, und das Bordpersonal ist auch schon wieder im Einsatz...
Ich liebe diese Morgenstimmung. Der Tag ist noch jung, die Tiere sind schon auf den Beinen, das Licht ist perfekt...
Shadrack und Cabinet sind echte Asse beim Spurenlesen, jetzt aber kommt aber ein Funkspruch herein. Ein Löwenrudel hat in der Nacht gleich zwei (!) Büffel gerissen. Natürlich möchten wir gerne dorthin, aber Shadrack lässt sich Zeit. Wir hängen in der Warteschleife. Die Regelungen sind kompliziert und ich habe sie nicht ganz durchdrungen, aber es gibt imaginäre Grenzen innerhalb von Timbavati und es ist irgendwie festgelegt, wer wann wo und überhaupt sein darf. Klar ist: Bei Sichtungen sind nie mehr als drei Fahrzeuge gleichzeitig erlaubt. Ich bin zunächst nicht so sicher, wie ich das finde, am Chobe hatten wir zuweilen durch solche Regeln wenig Zeit, eine Sichtung länger zu genießen. Doch die Sorge löst sich bald in Wohlgefallen auf. Nach rund einer Viertelstunde sind wir dran und haben mehr Zeit als genug, um das Spektakel ausgiebig zu betrachten. Wenn ich teilweise an die Wagenburgen in Tansania denke, ist so eine Taktung vor allem aus Sicht der Tiere wohl gar keine schlechte Idee.
Die beiden anwesenden Löwenjungs sind Shadracks Beschreibungen zufolge so etwas wie "Überlöwen". Sie haben das Gebiet erst kürzlich erobert, sämtliche Konkurrenten verjagt oder getötet und deren Mädels kurzerhand übernommen.
Sie verfügen über außergewöhnliche Jagd-Skills und bewachen ihr neues Revier ebenso eifersüchtig wie erfolgreich. Noch ist das Rudel winzig, es wird aber wohl nicht mehr lange dauern, dann gründen die beiden eine "Überlöwen"-Dynastie. Ein bisschen angst und bange wird einem da schon. Und auch ein wenig kodderig. Nach Rosen riecht es hier jedenfalls nicht...
Irgendwann darf auch die Dame des Hauses ran.
Klarer Fall von Blutrausch...
Monsieur demonstriert derweil noch einmal nachdrücklich, wer Chef im Ring ist.
Die Tüpfelhyänen haben sich wie immer selbst zum Essen eingeladen.
Wir fahren mit etwas Verspätung zurück zum Camp, wo ein leckeres Frühstück auf uns wartet. Das gefällt mir an Umlani gut: Es geht nicht nach der Stoppuhr. Wenn es eine Sichtung erfordert, kann es auch mal länger dauern.
Trotz der blutigen Szenen habe ich einen Riesenappetit. Wir sitzen lange zusammen, die Stimmung ist ausgelassen, auch der zweite Jeep, dem wir bei den Löwen streckenweise begegnet sind, hatte einen tollen Vormittag. Wir gönnen uns ein kleines Schläfchen in unserem leidlich kühlen Häuschen. Mal sehen, was der Nachmittag so bringt...
Teil 715. Nov. 2017
14.9.2017, Nachmittag: Der Streit ums Erbe
Wir fühlen uns, als seien wir schon wochenlang hier. Wir genießen die familiäre Atmosphäre und haben auch das Glück, dass es während unseres dreitägigen Aufenthalts in Umlani kaum Gästewechsel gibt. Nur zwei Neuankömmlinge aus den Niederlanden sorgen ein wenig für Verwunderung, weil sie scheinbar die falsche Urlaubsdestination erwischt haben. Nur so ist zu erklären, dass die beiden Mädels auch auf dem Safaritruck in voller Kriegsbemalung und im Strandoutfit unterwegs sind. Sie stoßen nach dem Mittagessen zu uns und bei der Begrüßung fällt der Blick unweigerlich auf den Schriftzug, der quer über ihren pinkfarbenen T-Shirts prangt: "Fuck you", steht da netterweise geschrieben, was unsere vielsprachige Camp-Mitbewohnerin Sabine beim Handshake mit einem trockenen "Fuck you too" quittiert. Damit ist alles gesagt.
Schließlich sind wir wieder unterwegs, wir wollen noch einmal nach den "Überlöwen" schauen, die ja ausreichend Proviant angesammelt haben und vorerst wohl nicht weichen werden.
Schon von Weitem ist der Schauplatz des grausigen Geschehens nicht zu übersehen.
Die Löwen haben einen der beiden Kadaver aufgegeben und liegen faul herum, ...
... während sich die Nachlassverwalter und Erben um die Reste streiten.
Interessenten gibt es viele, aber da bei den Hyänen die Weibchen ihren Männern nicht nur geistig, sondern auch körperlich überlegen sind, ist die Rang- und Reihenfolge eigentlich glasklar.
Da hilft nur schmachten und abwarten ...
Wer das Festmahl beendet hat, gibt seinen mühsam erkämpften Anteil allerdings noch lange nicht her.
Ich entschuldige mich in aller Form für das unappetitliche Foto, aber die Natur, so ist sie eben. Und wir wollen ja auch nichts verschweigen... Übrigens geht es hier laut Shadrack auch nicht ums pure Erleichtern, sondern auch um eine Besitzanzeige: Finger weg, das ist meins!
Es ist Zeit für einen Sundowner, doch auf dem Weg zu einem geeigneten Plätzchen kommen uns die Wildhunde vom Vorabend in die Quere. Während sich die Erwachsenen am Wasser zusammenrotten, um gemeinsam auf die Jagd zu gehen, bleibt der Nachwuchs mit nur einem einzigen, völlig überforderten Babysitter zurück. Über das Spielzeug muss unter pädagogischen Gesichtspunkten auch nochmal geredet werden...
Es ist schon längst dunkel, als wir auf einer Lichtung ohne Licht unseren Klapptisch aufstellen. Aber macht nix, meinen großzügig bemessenen Becher mit lecker Amarula finde ich blind. 😎 Die Stimmung ist gelöst, um uns herum gackern die Hyänen. Als eine von ihnen direkt vor uns auftaucht und in unsere Richtung läuft, werden wir schlagartig still. Shadrack beruhigt uns, sie wird uns nichts tun, sondern einfach ihrer Wege ziehen. Mag sein, aber mir kommt das Vieh monströs groß vor, so auf Augenhöhe und nur wenige Meter entfernt. Tatsächlich trottet sie schließlich friedlich weiter. Doch es ist ein weiteres einmaliges Erlebnis auf meiner imaginären Liste der Wunder, die einem nur in Afrika widerfahren.
Teil 816. Nov. 2017
15.9.2017: Eine Oase der Ruhe
Heute gibt's volles Programm. Gamedrive, Bushwalk, Baumhaus und wieder Gamedrive, aber der Reihe nach...
Das Wetter hat gewechselt, mit der immerwährenden Sonne ist es offenbar vorbei. Ob sich die Tiere deshalb so bedeckt halten? Shadrack geht mit Cabinet auf intensive Spurensuche. Vergebens. Ich frage nach Eulen, und Shadrack zeigt uns ein Nest. Der Bewohner schläft - wie offenbar fast jeder an diesem Morgen. Ganz in der Nähe plündert ein Weißkopfwürger ein Spinnennest, um sich seine eigene Bleibe mit den Fäden kuschelig zu machen.
Shadrack ist auf der Suche nach Elefanten, was in dieser Gegend nicht ganz so leicht ist. Seit endlich auch das Nachbargebiet Thornybush seine Zäune entfernt hat, zieht es wohl viele Dickhäuter dorthin. Als wir schließlich eine kleine Gruppe finden, steuert ein Bulle exakt auf uns zu. Wir waren schon oft in der Nähe von Elefanten, aber als dieser an uns vorbeistreift, könnte ich ihn fast mit der Hand berühren, wenn ich wollte. Shadrack beruhigt uns, aber ich kann mir nicht helfen: Mit rutscht das Herz sowas von in die Hose, dass ich zu keinem Foto imstande bin. Aber meine lange Optik wäre ohnehin untauglich gewesen. Es ist mucksmäuschenstill, zu hören ist nur das Windgeräusch der mitschwingenden Riesenohren. Ich wundere mich einmal mehr, wie leichtfüßig diese Kolosse doch sind.
Plötzlich ist Shadrack ganz Ohr. Es seien Cheetahs gesichtet worden. Eine Seltenheit, grundsätzlich bietet Timbavati Geparden zu wenig offene Fläche für die Jagd. Als wir ankommen, sehen wir zunächst nur eine Katze im Gras.
Etwas weiter weg steht ein Jeep direkt bei einer zweiten. Sie scheint etwas aktiver zu sein als unser Exemplar, aber wir können nicht dorthin fahren. Die unsichtbaren Grenzen müssen strikt beachtet werden, ansonsten, erklärt Shadrack, gäbe es "big trouble". Das will natürlich keiner.
Es ist, wie es ist. Wir verbringen noch ein wenig Zeit bei Cheetah Nummer eins und fahren dann weiter. Wir sind schon ein Stück weit gekommen, als Shadrack unverhofft kehrtmacht. In die ganze Sache ist nochmal Bewegung gekommen. Gleich zwei Geparde haben die imaginäre Grenze passiert.
Das fremde Terrain muss natürlich ordnungsgemäß beschlagnahmt werden. Das ist zwar unter dem Lieblichkeitsaspekt wenig erbaulich, aber gute alte Tradition. 😉
Die beiden Kater rufen ein ums andere Mal ihren Gefährten, der aber zu nichts zu bewegen ist. Immer wieder witzig, dass diese imposanten Katzen wie piepsende Vögel klingen.
Die beiden sind unschlüssig, was zu tun ist, laufen unruhig hin und her und finden schließlich ein Plätzchen, an dem sie sich niederlassen.
Wir sind superhappy über diese unverhoffte Sichtung, die aus einem tristen Vormittag schlagartig einen großartigen Morgen macht. Nach dem Frühstück starten wir zu einem Bushwalk, was eine interessante, aber auch schweißtreibende Angelegenheit ist. Die Sonne setzt sich zusehends durch.
Nach dem Mittagessen nutzen wir unsere letzte Chance und lassen uns zum Baumhaus fahren. Wir wollen unsere letzte Nacht in Umlani gerne in unserem gemütlichen Rondavel verbringen und hätten auch ohnehin nicht dort schlafen können. Die Übernachtung unserer spanischen Jungvermählten am Vorabend ist wegen starker Böen ausgefallen und auf heute verschoben worden. Wir wollen aber zumindest einmal Atmosphäre schnuppern, und so verzichten wir auf unseren Mittagsnap.
Etwa um halb Zwei sind wir da, gegen Vier sollen wir auf dem Weg zum Nachmittags-Gamedrive eingesammelt werden. Wir merken schnell, dass die Zeit nicht ausreichen wird. Ich hatte keinerlei Erwartungen und habe nicht geahnt, welchen Zauber dieser Ort auf mich ausüben würde. Das Baumhaus ist ein Jahr zuvor neu gebaut worden, riecht nach frischem Holz, ist rustikal und charmant und einfach nur der Hammer. Es gibt zwei große, roh gezimmerte Doppelbetten, ein paar einfache Bänke und sogar ein Porta Pottie.
Es ist jetzt heiß, aber hier oben weht ein Hauch von Wind. Der Blick ist fantastisch, die Ruhe einmalig und ich entschleunige dermaßen, dass die Zeit rasend schnell vorbeigeht. Zwei Büffel statten uns einen Besuch ab und das Spaßbad im Erdgeschoss hat auch geöffnet.
Als wir wie verabredet gegen Vier abgeholt werden, bin ich fast traurig. Die Spanier schauen mich erwartungsvoll an und ich sage wahrheitsgemäß: "Da könnt ihr euch auf was freuen."
Teil 918. Nov. 2017
15.9.2017, Nachmittag: Nah, näher, hautnah
Shadrack sagt, dass die Geparde noch immer in der Gegend seien. Mittags hat ein Guide beobachtet, dass Cheetah Nummer eins ein wenig humpelt. Daher also die Zwangspause. Shadrack fragt, ob wir noch einmal zu ihnen fahren wollen, natürlich eine rein rhetorische Frage. Unterwegs begegnet uns ein Rhino, diesmal ohne Loch im Ohr.
Wir treffen die Geparde im schönsten Nachmittagslicht.
Das Tier scheint an der Pfote verletzt zu sein, wirkt aber dennoch ziemlich entspannt.
Am nächsten Morgen ist das Trio weitergezogen, wir hoffen also, dass die Verletzung nicht allzu schlimm war.
Für den Moment sind wir vor allem froh, dass die neuen Löwenbosse nicht in der Gegend sind. Wir wollen uns gar nicht ausmalen, wenn...
Die Löwen haben noch gut mit ihrem Kill vom Vortag zu tun. Während das eine Männchen gerade wieder zu fressen beginnt, hält der andere etwas weiter entfernt ein Verdauungsschläfchen.
Erst als Shadrack - wie im Video zu hören - uns ermahnt, hektische Bewegungen zu vermeiden, bekomme ich mit, dass er sich erhoben hat und nun direkt an uns vorbeiläuft. Puhhh, wieder so eine hautnahe Begegnung. Ich hätte die Ermahnung nicht gebraucht. Stocksteif sitze ich auf meinem Platz.
Es ist unser letzter Abend in Umlani, ein bisschen Wehmut kommt schon jetzt auf. Beim Abendessen vermissen wir die Spanier, mit denen wir uns angefreundet haben. Die Mitarbeiter haben sie mit einem Candlelight-Dinner überrascht. Unsere Frischvermählten sind ganz gerührt, berichten sie uns später, bevor sie zum Baumhaus gebracht werden. Ich bin schon jetzt gespannt, was sie morgens zu berichten haben. Wir unterhalten uns angeregt mit Neuankömmlingen aus England, die gefühlt schon überall in Afrika auf Safari waren. Meine - ohnehin umfangreiche - geistige Todo-Liste wächst um mindestens zwei weitere Punkte an. Schließlich schlüpfen wir zum letzten Mal in Umlani unters Moskitonetz. Mal sehen, was der letzte Morningdrive so bringt...
Teil 1020. Nov. 2017
16.9.2017: Ist der Ruf erst ruiniert...
Unser letzter Gamedrive in Timbavati führt uns am frühen Morgen zunächst zum Baumhaus, in dem die Spanier die Nacht verbracht haben. Sie sind wie nicht anders erwartet restlos begeistert. Die Nacht war mild, sie schwärmen von der Geräuschkulisse, dem Besuch von Löwen und Hyänen am Wasserloch und dem phantastischen Sonnenaufgang.
Ziemlich weit weg entdecke ich Hornraben, die wir noch nie aus nächster Nähe beobachten konnten. Diese Riesenvögel sind leider arg bedroht, zudem scheu und reagieren sehr empfindlich auf Störungen. Shadrack tastet sich vorsichtig heran, doch sie bleiben auf Distanz. Wir beobachten sie aus der Entfernung, bis sie langsam verschwunden sind.
Die Bandbreite an Sichtungen an diesem Morgen ist enorm. Wir folgen im Zickzack Löwenspuren, und irgendwann verkündet Cabinet, wir seien am Ziel. Aha. Was, wo? Ich sehe nichts, auch nicht mit dem Fernglas. Erst als sich die Löwendame ins gut einsehbare, ausgetrocknete Flussbett bequemt, bin ich wieder im Film. Dieser Mann hat Adleraugen!
Die Löwendame verzieht sich für ein Schläfchen ins Gebüsch. Ich richte mich im Wagen häuslich ein und lege das Fernglas weg, das ich noch immer in den Händen halte. Dabei löst sich ein Teil des schon seit mehreren Urlauben angeschlagenen Fernglases, tanzt noch eine Zeit lang wie ein Netzroller beim Tennis auf der Metallkante des Autos und plumpst dann auf die falsche Seite. Na toll! Die Löwin steckt die Nase aus dem Gestrüpp. Wir hatten uns aufgrund unserer bisherigen Safarierfahrungen den Ruf einer gewissen Expertise eingehandelt, doch damit ist es jetzt vorbei. Thomas quittiert das Malheur mit einem resignierten "Ach Schatz..." Shadrack dagegen ist ein Mann der Tat. Er öffnet die Autotür, fischt in deren Schutz nach einem Stöckchen und angelt damit schließlich das kreisrunde Teil. Mit ramponierter Reputation und wiederhergestelltem Fernglas geht es weiter.
An einem Mangustenbau herrscht reges Treiben.
Nur die Örtlichkeiten könnten mal wieder einen Hausputz vertragen...
Ich überlege, wie ich die Schmach tilgen kann, doch die Natur springt mir zur Seite. Seit Tagen hoffen wir auf eine Leopardensichtung, und an diesem Morgen habe ich im Brustton der Überzeugung kundgetan, dass es heute definitiv so weit ist. Nun hat der zweite Umlani-Jeep frische Spuren gefunden, wir sollen bei der Suche helfen. Als wir ankommen, sind die anderen schon fündig geworden.
Die Dame ist noch jung, ein zweiter Leopard soll in der Nähe sein. Ein paarmal wechselt der Leo die Position, bevor er im Bush verschwindet.
Auf dem Rückweg zum Camp sehen wir die zweite Leopardin gerade noch von einem Baum herunterklettern. Wie hat sie den Kill bloß ins oberste Stockwerk gehievt? Ich gelte jetzt übrigens zwar nicht mehr als Expertin, aber immerhin als Kassandra. Ist ja auch was...
Der letzte Gamedrive hat uns noch einmal restlos begeistert, ...
... nach dem Frühstück löst sich unsere nette Camp-Community auf, fast alle reisen heute weiter. "You've been very good to us", sagen Shadrack und Cabinet beim Abschied, der uns echt schwer fällt. Ein Satz, der mir bis heute nachhängt. Wir freuen uns natürlich darüber, dass wir einen guten Eindruck hinterlassen haben. Dennoch frage ich mich, welche Erfahrungen die beiden wohl schon mit Gästen gemacht haben?
Die Guides bereiten morgens ab Vier die Autos vor, verteilen vor dem Gamedrive Tee und Kaffee, fahren, suchen und finden Tiere, warten in der Mittagszeit die Jeeps, reparieren hier, besorgen neue Reifen da, packen die Kühlbox, fahren wieder, finden wieder Tiere, erklären, sind freundlich, mixen den Sundowner, räumen uns auf dem Auto hinterher und sind noch abends reihum beim Abendessen dabei, um den Gästen Gesellschaft zu leisten. Ein Traum-, vor allem aber ein Knochenjob, der mir allerhöchsten Respekt abnötigt.
Als wir abreisen, sind wir sicher: Wir werden ins Umlani-Bushcamp zurückkehren. Jetzt aber freuen wir uns darauf, wieder selbst zu fahren und den Krüger für uns zu entdecken. Das nächste Kapitel unserer Tour kann beginnen!
Teil 1122. Nov. 2017
16.9.2017, Nachmittag: Von Timbavati nach Satara
Es sind knapp 130 Kilometer von Timbavati bis zum Orpen Gate, wo am frühen Mittag nichts los ist, und dann noch einmal rund 50 Kilometer bis zum Satara Restcamp, unserer Bleibe für die nächsten zwei Nächte.
Die Gegend soll zu den tierreichsten im Krüger zählen, Katzengebiet, wir sind sehr gespannt. Unterwegs begegnen uns wieder Tausende von Blutschnabelwebern. Sie sind weder zu übersehen, noch zu überhören. Wir halten eine Weile an und bewundern das lautstarke Spektakel.
Das Restcamp entspricht so ziemlich dem, worauf ich mich seelisch schon vorbereitet hatte. Es ist riesig, rummelig und versprüht den Charme einer Raststätte. Ein kleiner Kulturschock nach Umlani, aber es liegt mitten im Park, und das war das entscheidende Kriterium. Im Supermarkt decken wir uns mit Tee, Kaffee und Co ein, unser Bungalow liegt zum Glück am Rand des Camps mit weitem Blick in die Natur. Drinnen muss die Tür zum Bad geschlossen bleiben, wo es mehr oder minder dezent nach Kanalisation duftet. Das Mobiliar ist schlicht und ziemlich abgewohnt, draußen gibt es eine überdachte Terrasse nebst Küchenzeile, wo Gitter den Kühlschrank vor den Affen schützen. Kurzum: Schön geht anders, aber für zwei Nächte ist es absolut okay.
Am Nachmittag fahren wir auf Gravel eine Schleife von etwa 45 Kilometern über die S90, S41 und die vielfach empfohlene S100. An der S90 wimmelt es von Black-shouldered Kites, die auf dem offenen Gelände fette Beute machen.
(Wieder so unappetitliche Bilder, ich weiß auch nicht, was diesmal mit uns los ist...)
Die Strecke gefällt uns landschaftlich sehr gut, je näher wir der S100 kommen, desto tierreicher wird die Gegend.
Wir merken allerdings, dass uns die Zeit davonrennt, die vielen natürlichen Roadblocks sind zwar zugegebenermaßen süß, aber auch nicht gerade eine Hilfe...
Um 18 Uhr ist Toreschluss im Camp, ausgerechnet auf der S100 haben wir nun kaum noch Gelegenheit, nach rechts und links zu gucken. Gerade noch rechtzeitig rauschen wir herein.
Das Abendessen im campeigenen Restaurant fällt in die Kategorie "Hauptsache was im Magen" und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck, allerdings auch keinerlei Unwohlsein. Wir sind ganz zufrieden mit unserem Schicksal und freuen uns schon auf den nächsten Tag, den wir ganz nach unserem Gusto gestalten können.
Teil 1223. Nov. 2017
17.9.2017: Spieglein, Spieglein an der Wand...
Der innere Wecker funktioniert weiterhin tadellos, Thomas macht sich in der Außenküche einen Kaffee und mir unaufgefordert einen Tee. Eine Aufmerksamkeit, die in den nächsten Tagen Tradition wird, allerdings den Urlaub nicht überdauert.
Um Sechs öffnet das Tor, wir sind schon zehn Minuten vorher da und längst nicht die einzigen. Es gibt also noch mehr Verrückte, ich verspüre eine gewisse Solidarität mit diesen Fremden, die ebenso wie wir kaum abwarten können, wieder unterwegs zu sein. Was dieser Tag wohl bringen wird? Vielen Freunden können nicht vermitteln, dass wir a) im Urlaub freiwillig so früh aufstehen und b) auch noch Spaß daran haben. Ich kann es ihnen nicht verdenken...
Wir fahren Richtung Westen zu einem nahe gelegenen Wasserloch (Girivana), das laut Karte noch existiert. Viele Wasserlöcher, die vor Jahren während einer schlimmen Dürreperiode künstlich angelegt wurden, sind wieder geschlossen worden oder werden noch geschlossen. Die Löwen hatten irgendwann begriffen, dass es ausreicht, sich an den Wasserlöchern auf die Lauer zu legen. Wie gebratene Tauben flogen ihnen die Antilopen in den Mund, deren Bestand ins Wanken geriet und somit das gesamte Ökosystem.
Es ist noch früh und die Sicht an diesem trüben Morgen ohnehin nicht die Beste, und so brauchen wir einen Moment, um die fünf Geparde am Wasserloch auszumachen. Eine Mutter mit ihren halbwüchsigen Kids, sehr beeindruckend, dass sie gleich vier durchbringen konnte. Zwei von ihnen starten einen halbherzigen Jagdversuch auf einen Schakal, der aber vielleicht auch einfach nur das Feld räumen soll, dann ziehen sie nach hinten weiter.
Wir fahren ein Stück und versuchen, sie in der Ferne zu erspähen, nur ein weiteres Auto ist in der Nähe und schaut weiter hinten. Wir wollen gerade aufgeben, da sehe ich eine klitzekleine Bewegung. Manchmal hat man eben einfach Glück: Sie steuern direkt auf uns zu, bleiben neben uns stehen, laufen dann ein Stückchen auf dem Weg vor uns her und verschwinden schließlich im Bush.
Wir halten vergebens noch ein wenig nach ihnen Ausschau, finden dafür aber die fabelhaften Krüger-Singers. Kennt ihr nicht? Here you go:
Zurück auf der Teerstraße braucht es keine großen Fähigkeiten im Spurenlesen, um eine Büffelherde zu finden. Ihre zahlreichen Hinterlassenschaften weisen geradewegs den Weg.
Wir fahren bis zum Aussichtspunkt "Bobbejaan Krans", der an sich sehr schön ist mit einem tollen Blick runter auf den Fluss und vielen Vögeln drumherum, aber brrrrr, wie es hier zieht. Der Wind ist eisig und anders als an den Tagen zuvor weicht die morgendliche Frische mit fortschreitender Zeit nicht, sondern nimmt eher noch zu. Schafskälte, ich verkrümel mich ins Auto und bedaure aufrichtig die Gäste auf den offenen Jeeps der geführten Touren. Sie frieren wie die Schneider und könnten wohl statt Kaffee und Erfrischungsgetränken eher einen Grog vertragen.
Auf der S39 (S=Gravel) hoch nach Timbavati und S40 wieder herunter hängen wir noch eine Schleife dran, ...
... bis wir schließlich auf der H7 (H=Teer) wieder nach Satara zurückkehren.
Die Sonne spielt heute nicht mit. Immerhin, es ist nicht mehr ganz so kalt, wir vespern gemütlich auf unserer Veranda und gönnen uns dann ein Mittagsschläfchen. So zumindest der Plan. Aber denkste! Kaum in der Horizontalen, schreckt mich ein Riesenknall auf. Was war das??? Ich stehe auf und direkt am Fenster, als ein Hornbill mit Karacho dagegenfliegt. Das Geräusch ist markerschütternd, ich renne raus und versuche, den lebensmüden Kamikazeflieger zu vertreiben, vergebens. Stattdessen stürzt sich ein zweiter Toko auf unser hinteres Fenster. Peng! Das hältst du im Kopf nicht aus.
(Dies ist ein Bild aus Umlani. Dort klopfte ein Toko mit dem Schnabel gegen das Glas, ein erster Vorbote, aber da fanden wir es noch niedlich...)
Unsere Nachbarin kommt dazu, sie wundert sich, das hat es doch am Vortag nicht gegeben?!? Wohl wahr, doch die Lichtverhältnisse sind heute anders, die Vögel sehen ihr Spiegelbild buchstäblich glasklar und attackieren den vermeintlichen Feind gnadenlos. Ich bin sauer, was für dämliche Kreaturen, haben immer so einen arroganten Gelehrtenblick und begreifen nix! Sie werden sich den Hals brechen. Schon folgt die nächste Attacke, ich stürze ins Haus und schließe die Vorhänge, ohne Effekt. Erst als ich die Fenster öffne, ist endlich Ruhe: kein Spiegelbild, keine Angriffe, wir atmen auf.
Es dauert nicht lange und ich dämmere entspannt vor mich hin - dann ist es wieder da: Platsch! Etwas weiter entfernt, aber unverkennbar, die Vögel haben sich auf die Fenster unserer Nachbarin verlegt, die nun ihrerseits erfolglos versucht, sie zu vertreiben. Ich verspüre einen Anflug von Hysterie, Tendenz steigend. Es reicht! Wenn sich diese Viecher schon um die Ecke bringen wollen, dann ohne uns. Ich schnappe die Autoschlüssel, meinen Rucksack und Thomas (in dieser Reihenfolge 😉 ), wir gehen! Um es vorweg zu nehmen: Als wir abends von unserem unfreiwillig vorgezogenen Nachmittags-Gamedrive zurückkehren, checke ich als Erstes den Boden unterhalb der Fenster. Nichts zu sehen, was für eine Erleichterung!
Teil 1324. Nov. 2017
17.9.2017, Nachmittag: Natur pur an der S100
Etwas früher als geplant und tendenziell unausgeruht sind wir nachmittags wieder unterwegs. Auf der Flucht vor den suizidgefährdeten Tokos sind diese beiden ein erster Stimmungsaufheller:
Wir wollen dieselbe Gravel-Schleife wie am Vortag fahren, zumal wir für die S100 am Ende ja kaum mehr Zeit gehabt hatten. Diesmal geht es andersherum, um dieser reizvollen Strecke auf jeden Fall gerecht zu werden. Wir sind kaum abgebogen, da sind zwei zankende Zebras unser ganz persönlicher Hingucker des Tages:
Die Strecke gefällt uns ausgesprochen gut. Die abwechslungsreiche Landschaft ist ein Traum und bietet mit Bush, Savanne und dem baumbestandenen Flussbett vielen unterschiedlichen Tieren ein Zuhause.
Wir sind einmal mehr erstaunt, wie wenig Autos uns begegnen, soll die S100 doch zu den attraktivsten Straßen des Krüger zählen (haben wir zumindest gelesen). An einer Stelle tummeln sich aber ein paar Wagen, und der Grund dafür sind wie so häufig Löwen. Der Boss erhebt sich just, als wir dazukommen, schleppt sich ein paar Meter bis zu seinem Harem und plumpst dann ins hohe Gras. Mehr Action ist hier beim besten Willen nicht zu erwarten, wir fahren weiter.
Zumal sich den ganzen Tag die Sonne nicht durchsetzen konnte. Das Licht bleibt trüb und früher als an den Tagen zuvor wird es dämmrig.
Zurück an der Teerstraße entdecken wir noch einen Tawny Eagle, der einen Nilwaran erwischt hat.
Noch ein qualitativ unterdurchschnittlicher Happen im Camp-Restaurant, dann ist auch dieser Tag schon wieder vorbei. Wie die Zeit rast, dabei würde ich sie doch so gerne anhalten! Ein bisschen Vorfreude schwingt aber auch mit: Am nächsten Morgen geht's weiter in Richtung Lower Sabie und wir freuen uns schon auf die nächsten neuen Eindrücke.
Teil 1426. Nov. 2017
18.9.2017: Von Satara nach Lower Sabie
Der Morgen begrüßt uns mit vertrautem Hamburger Nieselregen, also so viele Reminiszenzen an die Heimat müssten es für meinen Geschmack nicht sein...
Punkt Sechs rollen wir durchs Tor, es geht schnurgerade Richtung Süden nach Lower Sabie. Es ist eine ganze Strecke zu fahren (rund 100 Kilometer), dennoch können wir uns eine letzte kleine Stippvisite auf der S100 nicht verkneifen. Sie enttäuscht uns auch diesmal nicht und liefert gleich auf dem ersten Kilometer:
Zurück auf der Hauptstraße sehe ich den grauen Giganten erst, als ich schon fast neben ihm bin. Schock, ich bin wohl noch nicht ganz wach, jetzt aber schon. Dem Koloss ist's gleich, er mampft weiter munter vor sich hin.
Bislang sind wir kaum vorangekommen, doch das ändert sich, weil wir kaum mehr Tiere entdecken. Kilometer um Kilometer spulen wir ab, die Landschaft ist schön, die Wolken hängen allerdings tief und es wird nur schleppend hell.
Auch wenn das Wetter im Moment nicht recht mitspielt, sind wir uns nach Umlani und Satara doch einig: Der Krüger überzeugt uns. Wir hatten ja große Zweifel, ob das der Fall sein könnte, aber unsere Skepsis hat sich in Rauch aufgelöst. Landschaftlich hat der Park richtig viel zu bieten, ein Eindruck, der sich an diesem Tag noch verfestigen wird. Die Wildnis erscheint tatsächlich wild, die Sichtungsmöglichkeiten sind klasse (auch wenn wir phasenweise nichts entdecken, was ja aber auch normal und nur natürlich ist, ist eben doch kein Zoo) und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen haben wir zumindest außerhalb der südafrikanischen Ferien auch noch nicht festgestellt. Die nächste Tour nimmt gedanklich schon Formen an, nun aber geht es erst einmal weiter im Hier und Jetzt...
Die nächste Sichtung spielt sich direkt neben der Straße ab und ist für uns mehr oder minder Neuland. Ein Rudel Hyänen hat seinen Bau verlassen und präsentiert sein Sozialleben nun ungeniert der Öffentlichkeit. Uns ist schon aufgefallen, dass es in der Gegend offenbar sehr viele Hyänen gibt. Aber so nah, vielfältig und ausgiebig durften wir sie noch nie beobachten. Was für eine Show, wir sind komplett begeistert!
Bei den Hyänen haben grundsätzlich die Frauen die Hosen an, was ich durchaus als taugliches Modell empfinde. Die Mutter ist eindeutig die Chefin im Ring, doch selbst die kleinsten Mädels tyrannisieren schon die Großen.
Nur die Kleinsten dürfen an die Milchbar, die Mutter führt ein strenges Regiment...
Eins der älteren Geschwister mimt den Spielkameraden und es geht ganz schön ruppig zur Sache.
Zwei andere haben so überhaupt keine Lust auf den Stress und drängen sich dicht aneinander. Da soll nochmal einer behaupten, Hyänen seien hässlich.
Kein Hollywood-Streifen könnte bessere Unterhaltung bieten und wir verbringen fast eine Stunde bei dem Clan.
Ich bin schon eine richtig große Hyäne!
Hübsche Wegbegleiter, die wir noch nicht kannten: Weißschopf-Brillenwürger.
Drei Geparde sind fern der Straße auf Beutezug, machen aber keinerlei Anstalten, in unsere Richtung zu laufen.
Dafür hat sich an einem schönen Aussichtspunkt ein Schreiseeadler nett in Position gesetzt.
Erstes Tagesziel ist Tshokwane, ein Picknickplatz, über den zuweilen sogar Leoparden trotten - so zumindest die Legende. Doch auch viele andere Tiere treiben hier ihr Unwesen. Wir sind hungrig und ich freue mich schon auf die leckeren Brote, die ich in einer Nacht- und Nebelaktion noch geschmiert habe. Doch es soll anders kommen...
Teil 1527. Nov. 2017
18.9.2017, Teil II: Haltet den Dieb!
Der Picknickplatz Tshokwane ist eine absolut positive Überraschung. Es gibt ein schönes Cafe mit einem charmanten Außentresen, die Stimmung ist fröhlich und relaxt. Hausgemachter Kuchen, phantasievoll belegte Brote, Salate und Pita-Taschen mit frisch gegrilltem Gemüse, Büffel oder Huhn - es riecht verführerisch und ich will nicht sagen, dass ich mein Missgeschick bewusst herbeigeführt habe, doch als mir ein frecher Affe unsere eigens mitgebrachten schnöden Käsebrote direkt vor der Nase vom Tisch stibitzt, hält sich meine Trauer über unseren Verlust in Grenzen.
Thomas bedenkt mich mit dem obligatorischen "Ach Schatz", holt uns dann aber zwei frische gefüllte Brote. Hm, wie lecker das ist! Wenn ich an das Essen in Satara denke, also das hier ist um Lichtjahre besser. Seine Habseligkeiten sollte man allerdings gut im Blick behalten: Die Meerkatzen klauen gnadenlos alles, was ihnen in die Finger kommt.
Frisch gestärkt nehmen wir den letzten Streckenabschnitt nach Lower Sabie in Angriff.
Die Landschaft ändert einmal mehr komplett ihr Gesicht und ist ein guter Ausgleich dafür, dass wir für längere Zeit kaum mehr Tiere zu sehen bekommen. Es wird hügelig, felsig, das Zuhause von Klippspringern. Die Fernsicht vom höchsten Punkt in alle Richtungen ist eigentlich toll, bei dem weiterhin trüben Licht allerdings dann doch keine Offenbarung.
Am frühen Mittag erreichen wir das Lower Sabie Restcamp, das wir wenige Tage zuvor bereits bei einer Stippvisite in Augenschein genommen hatten. Weil es viel kleiner ist als Satara, geht es auch deutlich ruhiger zu, was wir sehr zu schätzen wissen. Leider können wir noch nicht in unseren Bungalow. Wir fahren zum nahen Sunset Dam, beobachten ganz entspannt Vögel und nicken sogar zwischendurch beide ein.
Um 14 Uhr erhalten wir schließlich wie verabredet unseren Schlüssel, die Lage unseres Häuschens mit freiem Blick auf den Fluss ist wirklich klasse.
Ich denke mir nichts dabei, dass sämtliche Fenster sowie die Balkontür sperrangelweit aufstehen. Schließlich gibt es ja noch nichts zu stehlen. Doch schon auf der Veranda fällt mir ein unangenehmer Gestank auf und kaum im Haus, verschlägt mir der beißende Geruch nach Ammoniak fast den Atem. Thomas geht es nicht anders. Ich bin in dieser Hinsicht empfindlicher als er und daher fast erleichtert, als er meint: "Das halte ich nicht aus." Ich hatte mich schon gedanklich die Nächte im Auto verbringen sehen, so aber ist klar: Wenn selbst Thomas rebelliert, dann müssen wir hier raus!
Ich flitze zur Rezeption, schildere das Problem, die Angestellten sind angenehm kooperativ und wohl auch schlechte Schauspieler. Ich bin ziemlich sicher, dass sie sowohl das Problem kennen als auch die Ursache. Ich habe längst einen Verdacht, der sich am nächsten Tag bestätigt, als neben mir ein kleines Rinnsal Fledermaus-Pipi an der Außenwand entlang rinnt.
Zu dem Zeitpunkt sind wir aber schon längst in einem Bungalow drei Häuser weiter untergekommen. Als ich ihn erstmals betrete, fällt mir eine Zentnerlast vom Herzen: Er ist geruchsneutral und auch sonst für zwei Nächte völlig okay. Dieser penetrante Geruch ist uns später noch mehrfach an anderen Häusern auf dem Gelände und im Park aufgefallen, allerdings selten und nie wieder so extrem. Ich weiß nicht, ob die Strohdächer irgendwann durchfeuchtet sind oder vielleicht das Mauerwerk, aber ein von Fledermäusen verursachtes Problem dürfte in einem Nationalpark schwer zu lösen sein.
Ermattet von der Fahrerei und der Aufregung wollen wir am Nachmittag nur Karo einfach und fahren die Teerstraße Richtung Crocodile Bridge. Die Strecke ist uns in Satara empfohlen worden, haut uns allerdings nicht um. Bestimmt gibt es hier viele Tiere, aber die dichte Vegetation versperrt den Blick. Immerhin zeigt sich aber endlich wieder noch etwas verschämt die Sonne.
Die Tiere müssen schon fast auf der Straße stehen, um sie sehen zu können.
Diese Bande hier tut uns den Gefallen...
Atmosphäre und Qualität sind im Camp-eigenen Restaurant etwas besser als in Satara, vor allem aber geht es etwas beschaulicher zu. Immerhin können wir beim Essen in Frieden den Buschgeräuschen lauschen, Hyänen und Löwen, wenn auch weit weg. Erschöpft hauen wir uns schließlich aufs Ohr und beim Einschlafen denke ich noch einmal kurz daran, wie froh ich bin, dass wir den fiesen Geruch los sind. Während der südafrikanischen Ferien hätte es wohl keine Ausweichmöglichkeit gegeben. Eine gruselige Vorstellung...
Teil 1629. Nov. 2017
19.9.2017: Pausen werden überbewertet
Als wir uns noch im Dunkeln in unserer Außenküche das morgendliche Heißgetränk brauen, werden wir wiederholt von einer winzigen, aber todesmutigen Fledermaus attackiert. Anscheinend sind wir in ihr Revier eingedrungen, aber sorry, kleiner Vampir, Thomas kommt morgens ohne seinen Kaffee nicht aus und wenn du uns in die Flucht schlagen willst, dann musst du deine Taktik wechseln und einfach nur ausreichend Duftmarken setzen!
Wir fahren zunächst die Teerstraße am Flussufer des Sabie entlang, am Sunset Dam lungern die Hippos in der Morgensonne herum und ein Yellow Billed Kite ist noch beim Frühstück.
Überhaupt ist der Beginn unserer morgendlichen Runde ziemlich Vogel-lastig...
...bis auf das stattliche Löwenrudel, das wir schon einige Tage zuvor an ungefähr derselben Stelle beobachten konnten. Wäre ich Löwe, ich würde auch dort drüben einziehen. Bester Blick, ausreichend Beute und keine Straßen weit und breit. Mehr Ruhe geht nicht.
Wir fahren dieselbe Strecke zurück und stoppen unterwegs erneut am Sunset Dam, wo richtig was geboten ist.
Kingfisher lieben das Betondingsda, wie wir auch am nächsten Tag erneut feststellen werden, das vorne ins Wasser gebaut ist. Welchen Zweck es erfüllt, weiß ich nicht. Es ist keine Zierde, aber ansonsten herrscht hier Idylle.
Wir fahren am Camp vorbei noch ein Stück auf Teer,...
...bevor wir auf die S28 und damit auf Schotter abbiegen. Die Piste führt im Bogen parallel zur Hauptstraße nach Crocodile Bridge und gefällt uns besser als die Teerstrecke, weil die Vegetation hier spärlicher und die Tiere damit besser zu entdecken sind.
Bei einem Bird-Hide legen wir einen Zwischenstopp ein. Die einfache, aber charmante Bretterbude liegt pittoresk an einer Flussbiegung und ist zur richtigen Tageszeit bestimmt eine tolle Adresse. Jetzt aber ist es schon später Vormittag und den Anwesenden gelingt es zudem nur unzureichend, Ruhe zu bewahren. Soviel Gepolter und Geplänkel hält kein Vogel aus.
Die Rückfahrt gestaltet sich langwieriger als erwartet, weil ein Elefant seine Körperpflege mitten auf der Straße betreibt und dabei noch sehr gründlich ist.
Zurück am Bungalow haut sich Thomas mit seinem heißgeliebten Kindle aufs Bett, während ich mich auf der Terrasse mit dem wunderschönen Blick auf den Fluss entspannen will. Kurz steigt mir der mittlerweile vertraute Fledermaus-Pipi-Gestank in die Nase, weil unser nächtlicher Angreifer oberhalb unserer Küche hängt, zum Glück verfliegt der Geruch aber schnell.
Ahhhhhhhhhh, jetzt noch ein Buch, die Füße hochlegen und ... was ist das? Wenige Meter entfernt blitzt etwas grell Blaues auf. Eine Baumagame, da kann ich natürlich nicht widerstehen, die Seele kann auch später noch baumeln.
Das dazugehörige Weibchen nehme ich erst wahr, als ich schon fast dagegenstoße und das Tier leicht den Kopf bewegt. Die Tarnung ist perfekt.
Thomas krabbelt aus seinem Loch und ist - logisch - auch sofort mit Feuereifer bei der Sache.
Also man kommt hier wirklich zu nix! Agamen,...
...sonnenbadende Flusspferde (finde den Fehler...), Pavianfamilien und nistende Glanzstare - die Mittagspause, da geht sie dahin. Wir laufen hin und her und her und hin und sind völlig im Tunnel.
Unsere südafrikanischen Nachbarn, gefühlt rund um die Uhr im Grillmodus und auch jetzt fleißig am Brutzeln, wirken irritiert. Was treiben diese verrückten Deutschen da bloß? Ja, wir sind wahrscheinlich arme Irre. Aber wir sind es gern. Und am liebsten in Afrika. 🙂
Teil 1730. Nov. 2017
19.9.2017: Ein perfekter Nachmittag
Noch leicht ausgepowert von der mittäglichen Fotoorgie düsen wir am Nachmittag los, erst wieder die S28 Richtung Süden, dann die S137 quer rüber und schließlich die S82 zurück nach Lower Sabie.
Ich weiß nicht, warum ich die S28 erst partout nicht fahren wollte, aber Thomas setzt sich zum Glück durch und diese Schotterstraße erweist sich für uns als goldener Griff.
Uns begegnen viele unterschiedliche Tiere, aber kein einziges Auto.
Ein Steenbock macht einer Dame Avancen. Wenn der Postmann zweimal klingelt, äh, klopft...
... aber er hat keinen Erfolg.
So sieht Enttäuschung aus.
Von einem winzigen Brückchen haben wir einen fantastischen Blick in ein ausgetrocknetes Flussbett, wo eine Gruppe Elefanten ein Staubbad nimmt. Ich habe erst ein regelrecht schlechtes Gewissen, mitten auf der Überführung stehenzubleiben, weil es in vielen Nationalparks so streng verboten ist und bei einem entsprechenden Verstoß auch gleich Drängler zur Stelle wären. Hier aber sind wir mutterseelenallein.
Ich stelle den Motor ab und wir hören - nichts. Nur das Schnauben der Elefanten, was für eine friedliche Szenerie, wir sind einfach nur glücklich und bleiben so lange stehen, bis die grauen Riesen weitergezogen sind.
Als wir schließlich weiterfahren, begeistert uns ein kleines Giraffenkind.
Es ist wohl die schönste Giraffe, die ich je gesehen habe. Man beachte die modischen Plateausohlen!
Sie beäugt uns ein wenig, aber Mama ist ganz in der Nähe, kein Grund zur Aufregung also.
Auch wir sind tiefenentspannt. Das war mit Sicherheit einer der besten Gamedrives, wenn nicht sogar die großartigste Tour, die wir als Selbstfahrer im Krüger gemacht haben.
Weil die Strecke insgesamt nicht lang war, haben wir noch ein wenig Zeit übrig und wollen die letzte Stunde am Sunset Dam verbringen. Dort macht uns allerdings eine nette Dame darauf aufmerksam, dass nur wenige Kilometer entfernt ein Leopard sei. Oha! Wir machen uns nochmal auf die Socken und nach drei Kilometern auf Teer sehen wir tatsächlich einige Autos am Straßenrand stehen. Es sind nicht sehr viele, deshalb finden wir auf Anhieb einen Platz, allerdings lässt unser Nachbar unablässig seinen Motor laufen. Wie ich das hasse! Ich signalisiere ihm, er möge ihn doch bitte ausschalten und etwas widerwillig kommt er unserem Wunsch nach. Seine Frau muss ihm fortan mit der Karte Luft zuwedeln, von Zeit zu Zeit wirft sie mir einen vorwurfvollen Blick zu. Ist mir aber egal. Wer nach Afrika reist und absolut nicht schwitzen will, hat etwas falsch gemacht. Ansonsten soll Skandinavien ja auch sehr schön sein...
Der Leopard liegt etwas unkooperativ mit dem Hinterteil zu uns. Da er in seiner Position auf den Fluss schaut, rechnen wir nicht damit, dass er sich noch umdreht. Doch er tut uns den Gefallen.
Das Licht ist zwar schon sehr schlecht, aber es ist unser erster Leopard als Selbstfahrer im Krüger - der gelungene Abschluss eines langen, tierreichen Tages.
Teil 1802. Dez. 2017
20.9.2017: Von Lower Sabi nach Sabi Sand
Pünktlich wie die Maurer machen wir uns mit Toröffnung auf den Weg zum Paul Kruger Gate. Per Luftlinie ist es nicht weit zum Sabi Sand Game Reserve, das an den Park grenzt und ebenso wie Timbavati zum Greater Kruger gehört. Doch einen direkten Weg gibt es zumindest für Touristen nicht, wir müssen den Nationalpark verlassen und weiter nördlich in das Private Game Reserve hineinfahren. Unser erster Stopp ist erneut der Sunset Dam. Die Morgenstimmung ist fantastisch, ...
... und während die Surferboys Frühsport treiben, ...
... müht sich ein Giant Kingfisher mit seinem Frühstück ab.
Es ist zugegeben ein ziemlich makabres Schauspiel, das sich uns da bietet. Der Vogel klatscht den armen Fisch immer wieder mit voller Wucht gegen den Stein, und zwar so ausdauernd, dass er irgendwann selbst völlig entkräftet wirkt.
Ich bin mir nicht sicher, warum er das tut, denn er fährt mit seinen Bemühungen immer noch fort, als der Fisch schon längst keinen Mucks mehr macht. Tut er das, um den Fisch zu erschlagen oder seine ganz offensichtlich viel zu große Beute in mundgerechte Stücke zu zerteilen? Sollte jemand die Antwort kennen, sie würde mich sehr interessieren!
Ein Löffler erledigt seine Morgentoilette ...
... direkt vor unserer Nase.
Zum zweiten Mal erhalten wir am Sunset Dam einen wertvollen Tipp: Wir könnten zum Paul Kruger Gate nicht wie geplant über die Teerstraße, sondern auf der anderen Seite des Flusses über die S128 fahren. Da sie für uns Neuland ist, müssen wir nicht lange überlegen. Wir fahren also zurück, passieren hinter dem Restcamp die Brücke und biegen direkt wieder links ab.
Mehr oder minder parallel zum Fluss geht es nun in Richtung Westen.
Einmal mehr sind wir auf der Schotterstraße so gut wie alleine unterwegs - mal abgesehen von den Einwohnern natürlich.
Eine ganze Bateleurfamilie ...
... hat sich weiträumig verteilt und lässt sich einer nach dem anderen ...
... in den unterschiedlichsten Lebenssituationen ablichten (ähem...).
Wir genießen die Ruhe und tuckern gemütlich vor uns hin, als ein unverkennbares Geräusch unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Krächzende Papageien. So eindringlich, dass sie sogar den Motorenlärm locker übertönen. Wir freuen uns sehr über diese Sichtung, Brown-headed Parrots konnten noch nie aus der Nähe beobachten.
Kurz vor dem Gate faszinieren uns Büffel mit ihrer ebenso kunstvollen wie effektiven Esstechnik ...,
... dann sind wir raus aus dem Park. Noch 45 Kilometer sind es bis zu unserer letzten Station der Reise. Wir haben Sabi Sand bewusst ans Ende dieser Tour gelegt, denn es soll der Höhepunkt werden. Das mildert unseren Abschiedsschmerz beträchtlich, und außerdem steht schon längst fest: Wir kommen wieder!
Teil 1904. Dez. 2017
20.9.2017, nachmittags: Zwischen Fitnessraum und Fönfrisur
Das Beste kommt zum Schluss. So lautet der Plan. Wir hatten insgesamt an den Krüger kaum Erwartungen, und die wenigen wurden bislang alle locker übertroffen. Doch an Sabi Sand stellen wir Ansprüche. Nicht, weil es als eins der exklusivsten, sondern als eins der tierreichsten Gebiete der Welt mit hoher Leopardendichte gilt.
Vom Paul Krüger Gate sind es nur 45 Kilometer bis zum Game Reserve, doch die Strecke zieht sich. Über belebte Hauptstraßen, mit Schlaglöchern übersäte Dorfstraßen und schließlich Gravel gelangen wir erst zum Gate und dann zur Elephant Plains Game Lodge. Gleich der erste Blick zeigt: Das ist ein anderer Schnack als das urige Umlani Bushcamp. Der erste Eindruck ist dennoch gut. Die Morgen-Drives beginnen um 5.30 Uhr und damit eine halbe Stunde früher als in Umlani, enden dafür aber auch zeitiger, am Nachmittag geht es eine halbe Stunde später los. Will heißen: Das Tageslicht ist knapp bemessen. Der Hobby-Fotograf in mir rebelliert leise, ohnehin war ich noch nie ein großer Fan ausgiebiger Nachtpirschfahrten.
Die Anlage ist sehr gepflegt, sehr schön, besitzt einen kleinen Pool und auch sonst allerlei Dinge, die mir im Bush entbehrlich scheinen, wie zum Beispiel einen Fitnessraum. Die Wildtiere kommen bis vor die Haustür und zeigen wenig Scheu, was uns sehr gefällt.
Unsere Luxussuite, von der ich nicht wusste, dass ich sie überhaupt gebucht hatte, besitzt die Größe eines Ballsaals. Wir sind schwer beeindruckt, eine Reaktion, die der nette Angestellte zu kennen scheint, ungerührt fährt er mit seinen umfangreichen Erläuterungen fort.
Ich kann nicht allem folgen, es sind einfach zu viele Informationen, aber als er mit einem Fön vor meiner Nase herumwedelt, hat er meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich? Fön? Frisur? Fönfrisur? Ich zeige auf meinen unprätentiösen, aber praktischen Pferdeschwanz, ein wenig ratlos taxieren wir einander und ich spüre, er hält mich für einen hoffnungslosen Fall. Thomas rettet uns aus der leisen Verlegenheit mit der für ihn existenziell wichtigen Frage nach Steckdosen; bislang eine echte Rarität. Hier gibt es sie zuhauf, und da ich in den nächsten Tagen nicht beabsichtige, Fön, Lockenstab oder Schwebehaube zum Einsatz zu bringen, kann der glückliche Thomas sie allesamt mit Beschlag belegen.
Wir richten uns in unserer überdimensionierten, aber geschmackvollen Herberge häuslich ein, wir werden es hier fraglos wunderbar aushalten. Das Mittagessen ist hervorragend und die Köchin ein echter Schatz, gemeinsam geht sie mit mir die nächsten Tage durch, um es mir als Vegetarierin so angenehm wie möglich zu machen. Als wir gegen halb Vier zu unserem Jeep schlendern, haben Gäste aus den USA einige Außenplätze bereits mit ihren Habseligkeiten belegt. America first, das haben wir so auch noch nicht erlebt. Thomas geht nach ganz vorne auf den Beifahrersitz, ich klettere in die letzte Reihe.
Es ist ein softer, aber stimmungsvoller Start in Sabi Sand, ...
... mit den für uns schönsten Sichtungen an einem Wasserloch.
Im letzten Tageslicht statten wir einem einzelnen Löwen einen Besuch ab, von seinem Rudel ist nichts zu sehen. Wir warten, ob er sich rührt, aber er ist komplett im Entspannungsmodus.
Im Dunkeln entdecken wir Hyänen und ein Rhino mit Baby, dann geht es zurück zur Lodge. Zwischen Tracker und Ranger kommt es auf dem Rückweg zu einem Disput. Thomas als Spion in der ersten Reihe meint später, es sei wohl ein Leopard gesichtet worden und beide hätten den Weg dorthin nicht gekannt. Das wirft nicht unbedingt ein gutes Licht auf das Duo, mal sehen, wie's die nächsten Tage so läuft.
Zurück in der Lodge wird das sehr leckere Abendessen für unseren Geschmack mit etwas zu viel Zinnober im Boma veranstaltet, wo die Gäste in einem großen Halbkreis an Zweiertischen nebeneinander sitzen. Diese Sitzordnung ist wenig kommunikativ, wir sind aber ohnehin stehend k.o. und freuen uns auf unser Luxusbett. Wie auch nicht: Um halb Fünf ist die Nacht schon wieder zu Ende.
Teil 2006. Dez. 2017
21.9.2017: Von Leoparden, Hyänen und Egoisten
Es ist noch finster, als wir am nächsten Morgen den Jeep erklimmen. Unsere Mitfahrer waren zumindest in Teilen wieder schneller und haben abermals die Außenplätze mit ihren Jacken "reserviert", bevor sie auf einen Kaffee zurückgegangen sind. Wann sind die denn bloß aufgestanden? Wir beschließen, diese uns bis dato noch nie untergekommene Unsitte keinesfalls mitzumachen, Thomas sitzt wie am Vortag und auch bei allen nächsten Pirschfahrten auf dem (in meinen Augen kolossal unterschätzten) Beifahrersitz und ich komme meist in der hintersten Reihe außen unter. Ich kann nicht verhehlen, dass mich dieser Egoismus ärgert, habe aber auch keine Lust auf zweckfreie Diskussionen. Die Stimmung auf dem Wagen ist trotz allem nicht schlecht, allerdings auch kein Vergleich mit unserer verschworenen Gemeinschaft in Umlani.
Wir sind kaum unterwegs, da kreuzen Elefanten unseren Weg.
Wir bleiben stehen, schalten den Motor ab und beobachten sie schweigend, da ruft der Tracker: "There's a leopard." Was?! Wo? Ich halte angestrengt Ausschau, suche die Büsche ab, den Weg, den Horizont, nichts. Das Licht ist nach wie vor schummrig, es muss wohl daran liegen. Ich wäre nie darauf gekommen, dass sich das Tier nur zwei Meter von uns entfernt häuslich eingerichtet hat. Als ich es schließlich so nah bei uns entdecke, ist es fast ein Schock.
Neben uns der Leopard bei der Morgentoilette, vor uns die Elefanten, der Tag lässt sich gut an.
Schließlich zieht die junge Dame weiter, unser Guide verspricht, sie später noch einmal zu suchen.
Unser nächster Stopp ist ein Hyänenbau unterhalb eines Termitenhügels, die Bewohner (die Hyänen, nicht die Termiten) sind schwer aktiv und bieten beste Unterhaltung.
"Ich will es aber haben."
Langsam geht die Sonne auf, es ist eine friedliche Szenerie, die wir sehr genießen.
Der jüngste Bewohner des Baus steckt immer wieder vorwitzig seine Nase heraus, hat aber offenbar Stubenarrest und wird von seiner Erziehungsberechtigten wiederholt zur Ordnung gerufen.
Wer im Video nicht hinschaut und nur auf den Ton achtet, denkt, er sei auf der Alm...
So richtig hören will der kleine Racker nicht, aber mehr als zur Hälfte traut er sich auch nicht heraus...
Ist ja auch gemein, wenn die größeren Kinder so schön draußen spielen und man selber nix darf...
Bei der Weiterfahrt blockiert ein Rhino den Weg und malt schnaubend mit seiner Schnauze Halbkreise in den Sand. Warum, weiß ich nicht, vielleicht einfach nur so zum Spaß.
Zum Abschluss treffen wir noch einmal die Leopardin wieder, die auf der Suche nach einem geeigneten Frühstück ruhelos umherstreift.
Viel zu schnell ist der morgendliche Gamedrive vorbei, aber hier geht alles strikt nach Zeitplan, wir müssen zurück. Wir hoffen auf ein Wiedersehen mit der Leopardin am Nachmittag.