Something old, something new, something borrowed, something blue
Herzlich willkommen zu unserem Reisebericht 2016 über unsere Tour durch den KTP, den Süden Namibias und den Nordwesten Südafrikas. Wir waren vom 28.07. bis 24.08.2016 unterwegs und sind folgende Route gefahren:
Die Reise war für uns eine Mischung aus altem und neuem: Nachdem wir im September vor 10 Jahren auf Wolwedans geheiratet und anschließend eine wunderbare knapp vierwöchige Reise durch Namibia gemacht haben, wollten wir Teile davon in diesem Jahr wiederholen und unserer Tochter dieses tolle Land zeigen. Neu dazugekommen ist der KTP und der Nordwesten Südafrikas.
Wir haben uns bewusst für eine sehr entspannte Tour entschieden und mehrmals auch 3 Nächte an einem Ort verbracht. Gefahren sind wir in dieser Zeit trotzdem insgesamt 4501 km.
Wir hatten eine wunderbare Reise mit tollen Eindrücken, natürlich wie immer nicht ganz pannenfrei und auch ein kleines bisschen länger, als ursprünglich geplant. 😗 Das Wetter war wunderbar, der blaue Himmel hat uns die gesamte Reise begleitet.
Wir würden uns freuen, wenn ihr uns auf eine tolle Tour zwischen Wüste und Meer, Tieren und Blumen begleitet.
Susanne, Michael und Mara
Teil 211. Sept. 2016
28.07.2016: Ein etwas holpriger Start
In diesem Jahr hatten wir uns erstmals dazu entschieden, statt von Frankfurt aus von München nach Johannesburg zu fliegen, weil die Rückflugzeit von Upington aus mit dem etwas späteren Rückflug ab JNB besser gepasst hat. Soweit zumindest die Theorie.
Unser Vorteil war, dass in Bayern die Sommerferien einen Tag nach den baden-württembergischen anfangen, so dass zwar auf dem Weg zum Flughafen das übliche Chaos geherrscht hat, es aber am Flughafen laut Auskunft am Sicherheitscheck geradezu paradiesisch ruhig war. Der Check unseres Kamera-Equipments verlief deutlich oberflächlicher als in Frankfurt, unser Bohnensack musste dieses Jahr nicht zum Röntgen….
Das Boarding startete bereits 20 min später als geplant und verlief im Gegensatz zu Frankfurt chaotisch: Nichts mit Business und Familien mit Kind zuerst, sondern alles auf einmal. Entsprechend ging es dann auch im Flugzeug zu. Und dann kam die schöne Durchsage, dass ein Passagier offenbar wichtige Einreisedokumente im Koffer vergessen habe, das gesamte Gepäck also nochmals ausgeladen werden müsse. 😠 Das hat rund eine Stunde gedauert, so dass wir statt um 21:05 Uhr erst gegen 22:30 Uhr glücklich Richtung Startbahn gerollt sind. Alles nicht wirklich schön, auch der Service während der Flugs war echt bescheiden, aber egal: Endlich wieder in Südafrika! 🤪
Ich war nur froh, dass wir in Johannesburg nach Berichten im Forum über die lange Wartezeit an der Immigration für rund 75€ einen Meet&Greet-Service gebucht hatten, der uns zügig zu unserem Weiterflug nach Upington bringen sollte. Wir hatten zwar ursprünglich mit guten 3 Stunden reichlich Zeit für den Weiterflug, aber wir wollten mit Mara nach einem langen Flug nicht ewig lange in der Schlange stehen. Nun war ich echt dankbar für die Buchung. Gelandet sind wir dann in Johannesburg statt um 07:40 Uhr gegen 08:45 Uhr.
Wir wurden direkt am Ausstiegsgate erwartet und innerhalb von 5 min durch die Immigration gebracht. Danach nur schnell das Gepäck holen, im Domestic-Terminal wieder neu einchecken und wieder durch die Sicherheitskontrolle. Uns wurde noch kurz gezeigt, wo wir unser Abflug-Gate finden und schon war unser Service-Mann wieder verschwunden. 75€ sind zwar nicht gerade wenig für ca. 20 min Unterstützung, aber für uns war es sehr angenehm und stressfrei. Wir sind am überlegen, ob wir das nächstes Jahr wieder nutzen. Die Schlangen an der Immigration waren übrigens ewig lang....
Nach einem kurzen Frühstück für Mara ging es dann auch schon weiter mit einer hübschen kleinen Embraer nach Upington, wo wir kurz vor halb eins ankamen.
Froh, endlich da zu sein und auch ein bisschen erschöpft, steuerten wir den Europcar-Schalter auf dem doch sehr übersichtlichen Flughafen von Upington an. „Something borrowed“ ist natürlich unser Fahrzeug, dieses Jahr ein Ford Ranger, genannt „Major Tom“.
Bislang waren wir mit Europcar immer sehr zufrieden und hatten jeweils Fahrzeuge in sehr gutem Zustand bekommen. Allerdings war die Fahrzeugübernahme bislang immer in Johannesburg. Dieses Mal lief es leider nicht ganz so glatt. Das Fahrzeug selbst war zwar mit knapp 80.000 km bis auf die defekten Gurtstraffer weitestgehend in Ordnung, aber die Reifen ließen deutlich zu wünschen übrig: Auf den beiden Vorderreifen war sehr wenig Profil, an der Innenseite waren sie schon deutlichst abgefahren. Die Hinterreifen waren etwas besser, aber auch nicht wirklich tauglich. Der einzig wirklich gute Reifen mit tollem Profil war das Ersatzrad unter dem Auto… 🤢
Tja, was tun? Ein Ersatzfahrzeug gab es nicht und ein Reifenwechsel wäre laut den wenig motivierten Mitarbeitern von Europcar frühestens am Montag möglich gewesen, da sie neue Reifen auch Johannesburg hätten kommen lassen müssen. Also nicht wirklich eine Option. Wir haben das Fahrzeug dann genommen wie es war, allerdings mit ungutem Bauchgefühl. Und waren im Laufe der Reise auch an unseren beiden Ersatzreifen froh…..
Im Nachhinein hätten wir wohl darauf bestehen sollen, beim örtlichen Reifenhändler wenigstens die beiden Vorderreifen in etwas Tauglicheres umzutauschen. Aber hinterher ist man immer schlauer. 😵
Eindeutiges Fazit an dieser Stelle: Keine Anmietung mehr bei Europcar an Stationen, an denen ein Fahrzeugwechsel mangels Auswahl höchstwahrscheinlich nicht möglich ist. Nächstes Mal würden wir bei Kalahari 4x4 in Upington mieten. Und bei einem Start in Windhoek wird es definitiv ein Fahrzeug eines örtlichen Vermieters, auch wenn diese preislich deutlich teurer sind. Wir haben im Laufe dieser Reise viele Bereifungen mehr oder minder neidisch angeschaut und eindeutig beschlossen, dass wir diesen Fehler nicht mehr machen werden.
Danach ging es weiter ins River Manor Guesthouse, wunderschön am Orange gelegen.
Nachdem das je mehr oder minder das Forums-BB in Upington zu sein scheint, hatten wir uns auch dazu entschieden. Wir hatten einen hübschen Family Superior Room.
Nach einer kurzen Pause starteten wir zu unserem Großeinkauf in die Kalahari-Mall. 6 Tage Selbstversorgung im KTP standen vor uns. Dank eines inzwischen schon erprobtem Einkaufszettel ging es recht zügig. Micha und Mara kümmerten sich um Kühlbox und Grillutensilien, ich übernahm den Rest. Das Fleisch wollten wir am nächsten Morgen im Upington Slaghuis holen. Noch schnell die Grundversorgung an Savanna geholt und fertig mit den Pflichtaufgaben für den ersten Urlaubstag. 🙂
Den Abend beschlossen wir mit einem leckeren Abendessen im Bi-Lo Restaurant. Mara freute sich besonders über den Spielplatz und den Garten mit den Tieren.
Morgen geht es dann richtig los: Wir fahren in den KTP nach Twee Rivieren.
Teil 313. Sept. 2016
Samstag, 30.07.2016: Auf in den KTP
Nach einer ruhigen Nacht und einer wunderbaren Morgenstimmung über dem Fluss
bepackten wir nach dem Frühstück Major Tom und machten uns zunächst an unsere restlichen Einkäufe.
Als erstes stand ein Besuch im Upington Slaghuis an, um uns für den KTP mit Fleisch und Boerwoers zu versorgen. Ein sehr netter Laden mit sehr guter Qualität. Wir plauderten mit dem Chef noch ein bisschen über unsere Pläne für den Urlaub und er erklärte uns noch kurz auf der Straße, wo wir Kalahari 4x4 finden würden.
Dort hatten wir nämlich noch einen Kompressor gemietet. Bei Europcar gibt es so etwas ja nicht und wir wollten gerne für Eventualitäten gerüstet sein. Gekostet hat er 600 ZAR für 3 ½ Wochen. Kein Schnäppchen, aber für uns eine kleine Annehmlichkeit, die wir in der Folge dann auch immer wieder genutzt haben. Nicht nur im KTP, sondern auch in Namibia sind wir auf Schotter mit abgesenktem Reifendruck gefahren (viel angenehmer!) und haben eben für die wenigen Teerstraßen wieder aufgepumpt.
Auch mit Pieter haben wir eine Weile geplaudert. Im Gegensatz zu seiner recht knappen E-Mail-Kommunikation ist er ein sehr netter gesprächiger Typ, der uns noch ein paar gute Tipps mit auf den Weg gegeben hat. Seine Autos haben wir uns natürlich auch angeschaut. Wie schon geschrieben, nächstes Mal würden wir dort mieten.
Damit konnten wir endlich das am Samstag Vormittag doch recht quirlige Upington hinter uns lassen und sind auf der R 360 durch die wunderschönen Ausläufer der Kalahari Richtung Twee Rivieren gefahren. Leider gibt es keine Bilder von der Landschaft, was ich mir im Nachhinein nicht wirklich erklären kann… 😕
Nachdem ich gelesen hatte, dass die Tankstelle in Twee Rivieren im Umbau ist und wir uns nicht ganz sicher waren, was dort tatsächlich noch verfügbar ist, tankten wir in Askham nochmals voll.
Einige Zeit später waren wir dann endlich da:
Wir checkten ein, erledigten die Ausreiseformalitäten aus SA und plauderten auch hier eine Weile nett mit den Beamten.
Danach bezogen wir unseren Bungalow in Twee Riveren:
Bevor es weitergeht, ein paar Worte zum KTP. Wir hatten im Vorfeld viele wunderbare Reiseberichte über den KTP gelesen. Es war uns aber auch klar, dass diese Reisen jeweils zu einer anderen Jahreszeit stattfanden und das Gesehene daher vermutlich nicht so ohne weiteres übertragbar ist. Daher haben wir versucht halbwegs erwartungsfrei in den Park zu starten, was aber natürlich nicht so einfach ist.
Was uns allerdings im Vorfeld nicht wirklich klar war, ist, wie sehr wir die Tiervielfalt des KNP vermissen würden. Wir sind absolut bekennende KNP-Fans und haben uns mit dem, was uns der KTP geboten hat, schon ein bisschen schwer getan. Das hier wird also kein reiner „der KTP ist so toll“-Jubelbericht. Vor allem mit Kindern ist der KTP aus meiner Sicht schon etwas speziell. Ich komme an den einzelnen Tagen noch mal darauf zu sprechen. Unsere Freundschaft mit dem KTP verlief daher am Anfang doch etwas zäh. Erst zum Schluss sind wir uns dann doch noch näher gekommen. Unser persönliches Fazit: Wir werden sicher noch mal wiederkommen, aber auf alle Fälle zu einer deutlich wärmeren Jahreszeit und erst dann, wenn wir mit Mara in die Wilderness-Camps dürfen.
So, jetzt aber genug der Vorrede. Unsere erste nette Erdhörnchen-Sichtung hatten wir gleich vor unserem Häuschen:
Gegen 15:30 Uhr starteten wir zu unserem Nachmittagsgamedrive ins Auob-Tal. Kurz hinter Twee-Rivieren entdeckten wir diese Eule im Baum an der Straße.
White-faced Scops-Owl
Danach kam erst mal ziemlich lange nichts….. Erst ab Höhe des Wasserlochs Humoed wurde es dann wieder etwas belebter: Oryxe, Hartebeests, Strauß, Genus, Springböcke und der erste von unzähligen Schakalen dieses Urlaubs sowie ein Kori Bustard kreuzten unseren Weg.
Und das alles in der wunderbaren Dünenlandschaft.
Bei Kamfersboom haben wir dann gewendet und sind zurückgefahren.
Landschaftlich gefällt uns der KTP übrigens in weiten Teilen deutlich besser als der KNP. Und auch der Umstand, dass die Camps viel kleiner sind und es damit deutlich ruhiger ist, haben wir auch genossen.
Als wir einige Minuten vor Torschluss langsam wieder auf das Camp zufuhren, entdeckten wir neben der Eule nahe dem Camp auch eine Radarfalle. Hier wird also offenbar gerade kurz vor Torschluss gezielt kontrolliert.
Micha heizte den Grill an und eine Stunde später konnten wir unser erstes Abendessen unter dem afrikanischen Sternenhimmel genießen. Da es tagsüber angenehm warm war, kühlte es auch jetzt nicht allzu schnell ab, so dass wir gemütlich im Freien sitzen konnten.
Teil 415. Sept. 2016
Sonntag, 31.07.2016: Es gibt Erdmännchen!
Geht es euch eigentlich so, dass ihr bei Gamedrives am Sonntag das Gefühl habt, die Tiere hätten heute ihren gewerkschaftlich geregelten freien Tag und es sei lediglich eine Notbesetzung unterwegs? Das ist bei uns ein Standart-Witz seit dem KNP 2008, als wir einen Sonntag lang mehr oder minder gähnende Leere hatten…Aber ganz so schlimm wurde es nicht, für Erdmännchen- und Vogel-Fans war es ein durchaus gelungener Tag. 😗
Verwöhnt von den Möglichkeiten des KNP, diverse Strecken zu fahren und dabei auch immer wieder auf einen Picknickplatz zu stoßen, saßen wir gestern Abend noch ein bisschen grübelnd vor der Karte und überlegten, wie unser Tag heute aussehen sollte. Wir entschieden uns, unser Glück in Richtung Nossob zu versuchen und bei Melkvlei zu frühstücken. Da die Gateöffnung im Juli erst um 07:30 Uhr erfolgt, hatten wir heute Morgen richtig viel Zeit. Noch schnell den Laufzettel (noch so eine KTP-Besonderheit, an die wir uns erst gewöhnen mussten) abgegeben und dann fuhren wir los in Richtung der ersten Wasserlöcher. Dort herrschte leider bis auf diesen Vogel gähnende Leere:
Twany Eagle
Einige Zeit rief Mara von der Rückbank: Da oben ist irgendwas…. Und tatsächlich, in gut 200 Meter Entfernung, auf einem Felsen, leider auch noch gegen die Sonne, standen unsere ersten Erdmännchen:
Auch die nächste Erdmännchen-Sichtung erfolgte einige Zeit später:
Zwischendrin mal ein Springbock, dann wieder Erdmännchen:
Eine Herde Gnus, und wieder Erdmännchen:
Dann ein Schakal beim Frühsport:
Kurz vor dem Picknickplatz kam dann der Vogelbaum:
Juveniler Bateuler Eagle
Southern Pale Chanting Goshawk
Twany Eagle
Juveniler Bateleur Eagle
Als wir in Melkvlei aus dem Auto stiegen, waren wir erst mal überrascht von den Temperaturen: Es war dank eines stetigen Wind so richtig ungemütlich kalt. Da Melkvlei jetzt nicht unbedingt zu den hübschen Picknickplätzen des KTP gehört und keinerlei Windschutz bietet, haben wir hinten auf der Klappe von Major Tom schnell unter Müsli mit Joghurt gerichtet und uns in den Windschatten vom Auto gestellt. Das Frühstück war selbst bei Mara fix erledigt. Noch schnell ein Kurzbesuch auf einer übelst aussehenden Damentoilette (wichtiger Tip für alle KTP-Anfänger: Immer eine Rolle Toilettenpapier im Auto haben, es gibt häufig keines auf den Pickplatz-WCs!) und dann fuhren wir über die Lower Dune Road zurück Richtung Twee Rivieren.
Die Lower Dune Road war landschaftlich sehr schön, tiertechnisch aber ein absoluter Flop: Da war einfach nix….. Mara hatte sich inzwischen vom Geschehen verabschiedet und sich in ihre Hörbuch-Welt zurückgezogen.
Unser nächster Stopp war der Picknickplatz bei Auchterlonie. Der schön auf einem Plateau gelegen mit Blick die wunderbare Kalahari-Landschaft. Eine saubere Toilette gab es auch….
Wir schauten uns kurz das Museum an und unterhielten uns noch eine Weile mit einer älteren Südafrikanerin, die regelmäßig in den Park kommt. Sie meinte, so wenig, wie sie in den letzten Tagen rund um Twee Rivieren gesehen hat, kennt sie gar nicht und machte uns Hoffnung auf Nossob.
Auch die restliche Rückfahrt war nicht übermäßig ereignisreich, unsere Antilopen von gestern schienen weitergezogen zu sein:
Jackal Buzzard
Pygmy Falcon
Greater Kestrel
Southern Pale Chanting Goshawk
Nachdem wir für diese Runde gute sechs Stunden unterwegs waren, beschlossen wir , auf einen weiteren Gamedrive heute zu verzichten und lasen eine Weile in der dann doch wieder warmen Sonne vor unserem Häuschen.
Bei einem Check unseres Kühlschranks stelle Micha fest, dass wir beim Metzger etwas weniger quatschen und ein bisschen genauer aufpassen hätten sollen: Statt der bestellten 10 Steaks waren nur 7 in der Tüte gewesen, jetzt also nur noch 5. Mist! 🙁 Also auf zum Shop. Dort gab es erfreulicherweise Rumpsteaks vom Upington Slaghuis. Zwar zu leicht abenteuerlichen Preisen und tiefgefroren, aber in unserem Fall ja kein Problem. Wir haben zwei große gekauft und erst mal in den Tiefkühler gepackt. Auftauen konnten wir auf dem Weg nach Nossob morgen.
Twee Rivieren ist übrigens auch der einzige Shop im Park, an dem man Eis(creme) kaufen kann.
Das Abendessen fand dieses Mal drinnen statt. Auch wenn es am Nachmittag in der Sonne etwas wärmer geworden war, kühlte es heute mit Einbruch der Dunkelheit merklich ab. Drinnen zu essen war zwar nicht wirklich gemütlich, aber immer noch besser, als draußen beim Essen zu frieren.
Danach packten wir noch so weit wie möglich für morgen zusammen, brachten Mara ihn ihr Bett neben der Küchenzeile und setzten in eine warme Decke eingepackt mit unserem Savanna unter den wunderbaren Sternenhimmel. Die Kälte trieb uns allerdings recht schnell wieder herein.
Als wir im Bett lagen und das Licht gelöscht hatten, hörten wir auf einmal ein Flattern und ein leises, fiependes Geräusch: Wir hatten Fledermausbesuch. Na super! Ich hatte über dieses Problem in Twee Rivieren gelesen und war gestern wirklich froh gewesen, dass wir einen Bungalow ohne Zusatzbewohner erwischt hatten. Wir machten schnell die Tür zur Küche und damit zu Mara ganz zu, um zu verhindern, dass sie auch noch zu Mara fliegen würde. Wir hörten sie immer wieder, was mein Einschlafen nicht wirklich beschleunigte, aber der Tag hatte mich dann doch so müde gemacht, dass ich mir irgendwann trotz der Fledermaus die Augen zufielen…. Morgen geht es weiter nach Nossob. Ob sich angesichts einer neuen Woche und den Aussagen der Südafrikanerin, dass sich bei Nossob immer Katzen fänden, etwas an unserem bislang etwas einseitigen Sichtungsglück ändern würde?
P.S: Die gelegentlichen Vogelbezeichnungen dürfen jederzeit von den Mitlesern korrigiert werden! 🙂
Teil 518. Sept. 2016
Montag, 01.08.2016: Auf nach Nossob
Kein Wochenende mehr und Toröffnung dank August schon um sieben, das müsste heute doch endlich mal was werden, oder? Kurz nach einem schönen Sonnenaufgang ging es los.
Kurz hinter dem Wasserloch Leeuwdril trafen wir unsere Südafrikanerin von gestern wieder. Sie erzählte uns, ca. 25 km hinter Twee Rivieren sei eine Gepardin mit Cubs nahe der Straße gesichtet worden. Sie würde hinfahren und sie suchen, ob wir mitkommen wöllten.
Tja, an dieser Stelle gibt es jetzt leider keine Fotos einer Gepardin mit Cubs. Wir sind die letzte Sichtungsstelle plus einige Kilometer weiter insgesamt drei Mal sehr langsam abgefahren, aber da war leider absolut nix. So intensiv habe ich noch nie Bäume und Büsche begutachtet… 🙁
Dafür gab es mal wieder ein paar Erdmännchen
einen weiteren Schakal
und die beiden Vögel auf dem Vogelbaum, dieses Mal ins Gespräch vertieft:
In Melkvlei machten wir wieder Frühstückpause. Dieses Mal war es sehr viel angenehmer, die Temperatur war deutlich höher und es gab keinen Wind. Auch die Toilette war heute in benutzbarem Zustand.
Kurz nach dem Picknickplatz trafen wir ein paar Erdhörnchen
und einige Zeit später bei Jan se Draai diese Straußengroßfamilie und eine Gruppe Oryxe:
Danach ging es durch die wunderbare, aber leider sehr tierarme Kalahari-Landschaft mit einem Zwischenstop am Picknickplatz Dikbaardsklolk weiter bis nach Nossob.
Der Weg zog sich doch ziemlich hin und wir waren froh, als wir das Camp erreicht hatten.
Dort bezogen wir den Bungalow 10B (Buchungscode CH3), auch das ein Tipp aus dem Forum hier. Er teilt sich mit 10C eine Haushälfte. Sowohl das Schlafzimmer mit einem Doppel- und einem Einzelbett als auch die Küche haben Terrassentüren nach draußen und auch das Bad verfügt über ein Fenster. Neben dem Tisch auf der Terrasse gibt es auch einen kleinen Tisch im Innenraum. Die Küche ist recht groß und ordentlich ausgestattet. Bei uns gab es allerdings ein kleines Ameisenproblem. Der Bungalow lag am Rand des Camps mit Blick auf die abgesperrte Baustelle. Wir dachten schon, oh nee, bitte keinen Baulärm, aber die Sorge war umsonst. Während unseres Aufenthalts wurde an den sich in höchst unterschiedlichen Stadien befindlichen Bungalows nicht gearbeitet. Die beiden vorderen und auch am weitesten fertiggestellten müssten eine tolle Sicht auf das Wasserloch haben.
Wir packten aus und beschlossen, die Zeit bis zum Nachmittag für einen Dusche zu nutzen. Ich habe ja inzwischen schon mehrfach erlebt, nach dem Einseifen nur noch kaltes Wasser vorzufinden, aber Nossob bot eine Besonderheit: Es kam nur noch heißes Wasser aus dem Hahn. Und zwar so heiß, dass ein Abduschen absolut nicht drin war. Also musste Micha unsere geleerten Wasserflaschen mit kaltem Wasser auffüllen und mir in die Dusche bringen, damit ich meine Haare auswaschen konnte. Micha teste das Wasser danach für sich aus, entschied sich dann aber auch für die Flaschendusche. Nebenbei setzte die Dusche aufgrund einer Undichtigkeit am Duschkopf gleich einem Sprühregner auch noch das halbe Bad unter Wasser…
Nach diesem Erlebnis wollten wir unser Glück nochmals probieren und fuhren am späten Nachmittag über den Nordausgang des Camps noch eine kleine Runde Richtung Norden bis Kwang. Nachdem dort auf der gesamten Strecke absolut nichts los war, stellten wir uns ans Wasserloch Cubitje Quap und warteten dort eine gute dreiviertel Stunde auf Besucher:
Geat Sparrow
?
Laughing Dove
Doch etwas frustriert traten wir kurz vor Torschluss den Rückweg ins Camp an. Wir machten uns an die Zubereitung des Abendessens (das inzwischen aufgetaute Rumpsteak und ein Nudel-Gemüsesalat) und beschlossen, nachdem Essen noch einen Abstecher zum Hide zu machen. Heute waren die Temperaturen wieder total angenehm zum Draußen essen und wir genossen beim Abendessen die nächtlichen Geräusche und das Fiepen der Fledermäuse, die dieses Mal im Dach des Bungalows eine Heimat gefunden hatten. Sie waren durch die Lüftungsschlitte innen zwar gut zu hören, aber nicht zu sehen.
Danach ging es mit Stirnleuchte an den Hide. Dort kamen kurz zwei Schakale vor. Danach kam die sichtlich nervöse Gnuherde:
Der mögliche Grund für die Nervosität der Gnus ließ sich leider nicht blicken. Also brachten wir Mara ins Bett und bewunderten noch für eine Weile mit einem Savanna den wunderbaren Sternenhimmel.
Teil 620. Sept. 2016
Zunächst einmal ein herzliches Dankeschön an alle noch mitlesenden Danke-Button Drücker! Dienstag, 02.08.2016: Rund um Nossob
Normalerweise fällt es in unseren Afrikaurlauben nie schwer, morgens aus dem Bett zu kommen. Die Lust auf den Gamedrive ist so groß, dass wir auch gerne zu Uhrzeiten aufstehen, die daheim nur Gestöhne auslösen.
Nachdem unsere ersten Tage im Park nicht gerade übermäßig sichtungsreich verliefen, ließ auch unsere Lust beim Aufstehen merklich nach. Mara meinte nur noch: Wieso aufstehen? Außer Vögeln und ein paar Antilopen gibt es doch eh nichts.
Sie hatte inzwischen übrigens die hübsche Theorie entwickelt, dass auch Katzen Sommerferien machen und diese sämtlich in den KNP verreist seien…
Trotzdem beschlossen wir, es heute Morgen nochmals Richtung Norden zu versuchen. Angesichts des Umstandes, dass es zum nächsten Picknickplatz Lijersdraai von Nossob aus doch sehr weit war, packte ich das fertig gerichtete Müsli zum im Auto essen ein. Vorbei an wunderbaren offenen Graslandschaften ging es wieder in Richtung des Wasserlochs Kwang.
Cubitje Quap war wie gestern Abend lediglich von ein paar hektisch umherflatternden Vögeln besetzt. Kurz hinter Kwang stand ein Auto am Straßenrand, ein Paar starte mit Ferngläsern in die Ebene. Wir fuhren langsam heran und fragten, was sie entdeckt hatten. Löwen! Ein Pärchen! Wir freuten uns total und versuchten die beiden selbst zu finden.
Tja, das hier ist das Ergebnis, aufgenommen mit einem 600er-Tele und einem 2-fach-Konverter:
Juhu, wir haben endlich Katzen gesehen. Allerdings hatten wir uns das Ganze doch ein bisschen anders vorgestellt. Mara mühte sich anfangs noch, die beiden durch ihr Fernglas zu entdecken, gab dann aber ziemlich schnell auf, weil gute 400m Entfernung eben doch ganz schön weit weg sind.
Nachdem die beiden sich dann noch weiter nach hinten zurückzogen, gaben wir auf und fuhren weiter Richtung Bedinkt. Auf dem Weg dorthin konnten wir verschiedene Pfotenspuren im Sand erkennen, die sich von und zum Wasserloch bewegten. Wir entschieden uns, dort eine längere Frühstückspause zu machen und zu schauen, ob sich etwas tun würde.
Unsere Sichtungen nach gut 1 2/2 Stunden Standzeit am Wasserloch:
Die Gnus waren noch am spannendsten, hier konnten wir beobachten, wie ein einzelnes Gnu auf die Herde traf und sehr misstrauisch beäugt wurde.
Danach gaben wir auf und fuhren ins Camp zurück.
Ich nehme an, eine Art Krähe, die sehr interessante Geräusche von sich gegeben hat.
Mancher mag uns jetzt für undankbar halten, aber wir hatten echt keine Lust mehr auf den KTP. Wir wissen genau, dass es weder Zoo noch Wunschkonzert ist, aber wenn ich mir die Bilder unserer Sichtungen der ersten Tage jetzt beim Schreiben nochmals angucke, finde ich unsere Gefühle absolut berechtigt. Ewig weiter Strecken, kaum Tiere, die so erhofften Katzen quasi unsichtbar – der KTP war nichts für uns. Wir waren regelrecht froh, nur noch zwei Nächte im KTC zu haben und dann nach Namibia zu dürfen.
Mehr aus Pflichtgefühl als aus Lust starteten wir am späten Nachmittag noch zu einer kleinen Runde auf dem Marie se Gat-Rundweg. Eine nähere Beschreibung erspare ich euch, das kam dabei heraus:
Bateleur
Selbst das Wasserloch am Abend zeigte sich bis auf einen Schakalkurzbesuch verwaist:
Für diejenigen von euch, die noch dabei sind, sich aber allmählich fragen, warum sie eigentlich noch mitlesen: Es wird demnächst besser! Der KTP wollte offenbar nicht, dass wir ihn mit so einer Meinung verlassen. 🙂
Teil 721. Sept. 2016
03.08.2016: Es geht weiter ins KTC
Im Vorfeld hatten wir lange überlegt, ob wir die Übernachtungen im KTC oder in Mata Mata buchen sollten. Hauptpunkt war dabei die mögliche nächtliche Kälte im Zelt. Da wir aber gerne wenigstens ein Wilderness-Camp kennenlernen wollten und das KTC das einzige mit Kind buchbare Wilderness-Camp ist, lief die Entscheidung schließlich unter „wird schon nicht so wild werden“.
Aber von Anfang an: Gegen acht Uhr packten wir unser restliches Gepäck zusammen und machten auf den Weg Richtung KTC. Wir waren dieses Jahr zum ersten Mal mit Packtaschen unterwegs, auch das ein Tipp hier aus dem Forum. Durch unterschiedliche Farben jeweils zugeordnet, machten die Taschen das Auffinden von Kleidung im Koffer und vor allem das schnelle Wiederaufräumen deutlich leichter. Unsere morgendlichen Packzeiten haben sich damit deutlich minimiert und die Koffer sahen vor allem wesentlich aufgeräumter aus. Ich möchte die Packtaschen nicht mehr missen.
Auch heute stand uns ein langer Fahrtag bevor. Die Strecken im KTP sind absolut nicht mit dem KNP vergleichbar, die Entfernung zwischen den Camps ist deutlich größer, vor allem, wenn man auf die Main-Camps bzw. das KTC beschränkt ist. Daher hieß es für uns zunächst auch zurück bis zum Picknickplatz Dikbaardsklolk, da der Dünenweg ab Nossob nur von denen befahren werden darf, die eine Buchung in Bitterplan vorweisen können. Schade, die Dünentour hätte uns sicher viel Spaß gemacht.
Unterwegs mal wieder Schakale, dieses Mal zu zweit:
Am Picknickplatz Dikbaardsklolk stoppten wir um zu frühstücken. Und wollten die Autotür gleich wieder zumachen: Obwohl der Himmel wunderbar blau war, wehte wieder dieser fiese kalte Wind, der die Außentemperatur gefühlt deutlich unter unserer Wohlfühltemperatur drückte. Also vor dem Frühstück erst mal die Wintermützen aus dem Gepäck gekramt. Gefrühstückt haben wir dann im Windschatten vom Auto, da ging es halbwegs. Statt Müsli gab es heute Marmeladebrot. Das Brot konnten wir gestern Abend frisch für uns gebacken in Nossob für 20 N$ im Shop abholen.
Weiter ging es über die Upper Dune Road, die kurz hinter dem Picknickplatz abzweigt. Wunderschön, kaum ein Auto, aber leider auch so gut wie kein Tier.
Am Picknickplatz bei Kamqua legten wir einen weiteren Stopp ein. Die Fühltemperatur war nicht wirklich gestiegen…. 😕 Dann machten wir uns auf das letzte Stück Weg zum KTC. Nachdem uns Susi aus dem Forum netterweise vor unserem Urlaub die Koordinaten ihrer Wildkatzensichtung vom Februar gegeben hatte, die auf der Strecke zwischen Kamqua und KTC lag, war das unser erstes Ziel. Und nein, es gibt es jetzt kein Foto einer Wild Cat. Dafür trafen wir einen Sekretär, allerdings in der Mittagspause:
Wir entschieden uns, vor dem Einchecken im KTC noch bis Mata Mata zu fahren, um dort im Shop ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Dort bestellten wir dann auch gleich noch ein frisches Brot. Im Gegensatz zu Nossob, wo Bestellungen nur auf den nächsten Tag möglich waren, können Bestellungen, die vor 14 Uhr aufgegeben worden sind, noch am selben Abend abgeholt werden. Dafür ist der Preis geringfügigst höher: 25 N$.
Zurück im KTC trafen wir beim Einchecken niemanden an. Nachdem ich aber aus diversen Reiseberichten wusste, dass man sich in diesem Fall selbst helfen soll, suchten wir uns in der Liste, trugen uns ein und hinterließen unser Permit und fuhren zum Zelt Nr. 10. Was soll ich sagen? Der Ausblick von unserer Terrasse auf die Ebene und das Wasserloch. Einfach nur schön!
Unser Hauszelt im KTC bestand aus einem Schlafbereich mit einem Doppelbett (mit großem Gräbele!) und zwei Einzelbetten, die jeweils vor den Fenstern standen. Die Fenster waren zwar aus Glas, die Rahmen aber so verzogen, dass teilweise daumenbreite Spalten offen waren. Der Badezimmerteil, bestehend aus Dusche, Waschbecken und separater Toilette, was gemauert. Das Zelt hatte diverse Lüftungsklappen, von denen sich vor allem die am Dachteil nicht mehr schließen ließen. 😐
Daneben gab es noch den Küchenbereich in einem separaten Häuschen, indem auch der Esstisch untergebracht war. Der Grill befand sich auf der Terrasse mit Blick auf die Ebene. Kühlschrank und Herd werden mit Gas betrieben.
Ich war von der schönen Aussicht und der völligen Ruhe um uns herum so fasziniert, dass ich mich trotz des kalten Windes dazu entschied, auf der Terrasse zu lesen. Eingepackt in eine warme Decke genoss ich die Aussicht. Allerdings war es am Wasserloch relativ ruhig, aber das war ja für uns nichts wirklich Neues. Micha und Mara verbrachten einen gemütlichen und faulen Nachmittag im Zelt. Um halb sechs fuhren wir dann nochmals kurz los, um unser Brot in Mata Mata abzuholen.
Danach machte Micha Feuer und ich kochte Reis für ein Risotto zu unserem Steak. Sobald es dunkel wurde, wurde aus „kühl“ ganz schnell „kalt“. Uns schwante übles für die kommende Nacht. Wir suchten unsere warme Winterunterwäsche heraus und packten unsere leichten Sommerschlafsäcke aus. Außerdem kamen Mütze und Handschuhe zu Einsatz. Unsere Schlafmontur bestand schließlich aus Winterunterwäsche, Schlafanzug, warmen Socken, Schlafsack, Bettdecke und warmer Decke oben drüber und Mütze auf dem Kopf. Wir versuchten noch eine Weile im Bett zu lesen, aber es war einfach zu kalt. Um es kurz zu machen: Ich habe noch nie so gefroren wie in diese Nacht. Besonders in den frühen Morgenstunden (ich wurde immer wieder durch laute Tiergeräusche vom Wasserloch geweckt) konnte man regelrecht merken, wie es noch kälter wurde. Zu allem Unglück rief Mara mitten in der Nacht, dass sie Durst habe. Wir hatten zwar eine Wasserflasche im Zelt, aber eben nicht in Bettnähe. Also musste ich aus dem Decken-Schlafsackberg kriechen, um ihr etwas zu trinken zu bringen. Auch wenn ich nur eine gute Minute draußen war, kam ich mir wie schockgefrostet vor und brauchte vor Kälte ewig, um wieder einzuschlafen. Gegen halb sechs Uhr morgens wurde Mara, die dank ihres wärmeren Schlafsacks trotz der extrem zugigen Fensternähe wohl am besten von uns dreien geschlafen hat, wach und kam mit Schlafsack bewaffnet zu mir. Da das Gräbele zwischen unseren Betten so blöd breit war, konnten wir sie nicht in der Mitte platzieren, sondern quetschten uns dann zu zweit mit dem Deckenbergen in mein Bett. Dort schlief sie dann im Gegensatz zu mir nochmals ein.
Teil 822. Sept. 2016
04.08.2016: Zwischen KTC und dem 13. Wasserloch
Erst so gegen acht Uhr waren wir dann alle richtig wach und bereit, uns dem Tag zu stellen. Allerdings war es im Zelt immer noch richtig fies kalt. Das erschwert das Aufstehen schon deutlich. Außerdem erwarteten wir von dem Tag wirklich nichts, da ich zum einem im Hinterkopf hatte, dass das Auob-Tal um Mata-Mata eher tierarm sei und wir ja auch gestern auf der Strecke zwischen Kamqua und KTC nicht wirklich etwas gesehen hatten.
Trotzdem haben wir uns dann aus dem Bett gewagt, sehr fix frisch angezogen und schließlich in der Einfahrt zu unserem Zelthäuschen auf der Klappe von Major Tom gefrühstückt. Das war der einzige Platz, an dem schon die Sonne schien. Alles andere war noch im Schatten und damit einfach nur eiskalt. 🤢
Um kurz nach neun sind war dann langsam losgezogen. Erster Stopp war das Wasserloch Sitsas. Okay, es gab immerhin ein paar Vögel und ein Oryx hatte sich auch ans Wasserloch gewagt:
Während wir da so standen und mehr oder minder motiviert die Vögel beobachteten, sah ich aus den Augenwinkeln, dass sich an der Zufahrt zum Wasserloch plötzlich mehrere Fahrzeuge sammelten. Micha fuhr rüber und wir fragten, was es zu sehen gäbe.
Und da war sie, leider schon quasi wieder auf dem Rückzug:
Auch wenn die Sichtung nicht optimal war, waren wir natürlich total begeistert und glücklich. Mit Cheetas verbindet uns seit unserem letzten SA-Urlaub im Sommer 2014 ein besonderes Verhältnis. Dort hatten wir erstmals zwei Cheetas in freier Wildbahn beobachten können und waren fasziniert von den Tieren.
Die Cheeta hier gab ständig eine Art Rufgeräusch von sich, ähnlich einem Miauen. Kann uns von euch jemand sagen, was das bedeutet? Hat sie ihre Jungen gesucht?
Nachdem sie endgültig hinter einer Düne verschwunden war, fuhren wir in relaxter Stimmung weiter Richtung Craig Lockhart. Zwischendrin gab es noch einen Twany Eagle und auch der Sekretär, den wir möglicherweise gestern schon gesehen haben, war dieses Mal in Bewegung.
Craig Lockhart lag verlassen da, aber die südafrikanische Familie, die uns schon auf die Cheeta aufmerksam gemacht hatte, erzählte uns, sie hätten gehört, am 14. Wasserloch lägen Hyänen. Also los zum 14. Wasserloch. Da standen zwar mehrere Fahrzeuge suchend herum, aber keine Hyänen. Also weiter zum 13. Vielleicht war da was. Und so war es dann auch:
Zuerst lagen die drei in der Nähe eines halbverspeisten Oryxes nur faul rum und beobachten eine sichtlich nervöse Herde Gnus, die wohl gerne ans Wasserloch gegangen wären, aber dem Frieden nicht so wirklich trauten.
Danach zogen sie einige Meter weiter in den Schatten eines Baums. Wir hatten das große Glück, dadurch quasi in der Pole Position zu stehen:
Der Tag meinte es wirklich gut mit uns. Zwar waren wir heute Nacht fast erfroren, aber offenbar war der Geist des KTP der Meinung, dass er uns doch noch ein bisschen was versöhnliches bieten sollte… 🤪
Wir entschieden uns, wieder zurück in Richtung Camp zu fahren.
Was dem wohl passiert ist?
Einen Strauß gab es auch noch für uns:
Auf der Höhe von Sitsas angekommen, meint ich nur noch: DA!
Es war wieder ihr deutliches Rufen zu vernehmen, während sie langsam Richtung Dünenkamm lief und schließlich verschwand.
Ich glaube, wir sahen aus wie wandelnde Smileys…. 😎
Ein paar hundert Meter weiter dann eine Springbockherde, die sich offenbar erschreckt hatte und in hohem Tempo los galoppierte. Und so gab es endlich auch mal Bilder von einem springenden Springbock!
Kurz vor der Campeinfahrt begegneten wir dann noch diesem Steinböckchen:
Im Camp angekommen stellten wir erfreut fest, dass es inzwischen viel wärmer und vor allem windstill war. Wir konnten uns also von diversen Kleiderschichten trennen. Ich setzte mich wieder zum Lesen auf die Terrasse. Nur dass ich dieses Mal nicht viel zum Lesen kam. Der Geist des KTP hatte offenbar beschlossen, uns auch am Wasserloch Unterhaltung zu bieten.
Das Oryx kam fast auf Haus- bzw. Zeltbesuch und graste lange und völlig entspannt in der Nähe unserer Terrasse.
Red Hartebeests waren auch wieder zu sehen. Gibt es die eigentlich nur im Auob-Tal?
Ein äußerst neugieriges Erdhörnchen huschte unmittelbar neben der Terrasse hin und her.
Eine große Gruppe von 12 Straußen sammelte sich am Wasserloch. Die Herren der Schöpfung waren sich offenbar nicht übermäßig zugetan….
Und ein paar Oryxe schauten auch noch vorbei.
Ich war so beschäftigt mit Gucken, dass ich fast vergaß, Mara etwas zum Mittagessen zu richten. 😎
Lieber Geist des KTP, vielen Dank für den tollen Vormittag! Und das war ja noch nicht alles, was der Tag heute so zu bieten hatte… 🤪
Teil 924. Sept. 2016
Fortsetzung vom 04.08.2016
Nach der schönen Mittagspause entschieden wir uns, nochmals Richtung Sitsas zu fahren. Wir glaubten zwar nicht wirklich daran, dass wir nach diesem tollen Vormittag noch etwas spannendes Erleben würden, aber wer weiß?
Wenige Kilometer hinter dem KTC stand ein Auto am Straßenrand. Aufgeregtes Winken und Deuten. Wir scannten die Umgebung ab:
Und da war er. Auf eine Düne thronend, farblich nahezu perfekt an die Umgebung angepasst. Zu diesem Zeitpunkt waren wir nur 3 Fahrzeuge und konnten „unseren“ Leo in aller Ruhe beobachten. Und er ließ sich Zeit. Erst saß er erst mal eine Weile ganz ruhig da und gucke zu uns herunter. Wer da wohl wen beobachtet hat?
Das wurde ihm nach einer Weile offenbar zu langweilig und er fing an seitlich die Düne herunterzulaufen. Und zwar im Schleichgang. Es war total spannend zu beobachten, wie er immer kleiner wurde, bis er quasi auf dem Bauch gerobbt ist.
Inzwischen hatte sich die Sichtung wohl herumgesprochen und die Anzahl der Fahrzeuge nahm zu. Und weil sich Leo bewegte, bewegten sich auch die Fahrzeuge. Und zwar die meisten rückwärts. Das Chaos war bei weitem nicht so schlimm wie im KNP und alle verhielten sich sehr gesittet, aber es zwar trotzdem nicht ganz ohne.
Leo fand das offenbar nicht so spannend und entfernte sich Richtung Dünenkamm.
Wir dachten schon, schade, das wars dann wohl, blieben aber einfach noch eine Weile an Ort und Stelle stehen, bis sich das Autogewühl um uns herum wieder aufgelöst hatte. Eine kluge Entscheidung. Er kam nämlich wieder:
Nachdem inzwischen einige Fahrzeuge weitergefahren waren, war es jetzt wieder wesentlich entspannter zu beobachten. Und unser Leo ließ sich auch alle Zeit der Welt. Lief ein Stückchen, setzte sich und schaute sich um, kam wieder ein Stückchen näher…. Es war eine unglaublich eindrückliche Situation.
Wir haben Leoparden bislang meistens auf privaten Lodges am Krüger-Rand erlebt, ab und an auch mal einen selbstgesichteten im KNP. Das besondere für uns an dieser Situation war, dass wir den Leoparden über längere Zeit in Bewegung beobachten konnten und dabei neben dem Fotografieren auch Zeit fürs einfach nur schauen fanden. Wirklich wunderbar!
Und dann war er endgültig weg….
Micha meine daraufhin übermütig: Ach komm, lass uns noch nach Sitsas fahren, vielleicht ist unsere Cheeta ja wieder da. Ich habe mir nur an den Kopf getippt. 😗
Also mit offenen Fenstern weiter Richtung Sitsas. Ich hatte ja schon geschrieben, dass man unsere Gepardin aufgrund ihrer lauten Rufe recht gut hören konnte. Auf einmal ruft Mara: Da!
Und nur wenige Minuten nach der tollen Leobegegnung hatten wir dann noch gute 15 Minuten Privataudienz bei unserer Cheeta. Kein anderes Auto, nur wir und die Katze. Ein Traum!
Wir konnten unser Glück kaum fassen. Das war noch ein klitzekleines bisschen besser als der Leo – nur wir und das Tier. Total entspannt und in Ruhe. Das ist wohl der Zauber des KTP. Ich bin froh, dass wir ihn doch noch gefunden haben! 🙂
Am Wasserloch selbst trafen wir dann noch auf einen Schakal
Und fuhren dann total glücklich mit wunderbaren Bildern auf der Speicherkarte und vor allem im Kopf in der Abenddämmerung Richtung Camp. Ich glaube, es wir vollkommen egal sein, was wir auf unsern Afrikareisen noch alles erleben werden: Dieser Tag ist fest ins Gedächtnis eingebrannt!
Meine Hoffnung, dass die Nacht aufgrund der etwas wärmeren Tagestemperaturen und des ausbleibenden Windes etwas wärmer ausfallen würde, hat sich übrigens nicht bewahrheitet. Aber egal, für solch einen Tag friere ich auch noch mal eine Nacht!
Teil 1025. Sept. 2016
05.08.2016: Abschied vom KTP oder Namibia, wir kommen! Übernachtung Kalahari Anib Lodge
Heute hieß es Abschied nehmen von KTP. Unser Etappenziel für heute war die Kalahari Anib Lodge bei Mariental. Die Nacht war gefühlt ein klitzekleines bisschen besser gewesen also die Nacht davor, aber wirklich nur im Minimalbereich. Eiskalt war es trotzdem. 🤢
So gut uns das KTC gefallen hat, an dieser Stelle doch mal ein deutlicher Warnhinweis für alle, die normalerweise in festen Unterkünften unterwegs sind: Wenn ihr das KTC im namibischen Winter bucht, nehmt auf alle Fälle Winterunterwäsche und Schlafsäcke mit. Es wird wirklich unglaublich kalt. Einige Tage vor unserem Tourstart gab es hier im Forum von Christian noch eine Wetterwarnung bezüglich deutlicher Kälte im Süden von NAM. Diese Kälteausläufer waren bei uns bereits vorbei und es war trotzdem grenzwertig kalt. Mit dem Kälteausläufer möchte ich es mir gar nicht vorstellen. Daher: Bitte sorgt vor, wenn ihr um diese Jahreszeit im KTC übernachtet!
Nachdem wir alles gepackt hatten, beschlossen wir, noch eine Abschiedsrunde bis Sitsas zu drehen. Ich kann es an dieser Stelle wieder kurz machen: Der Geist des KTP war der Meinung, uns gestern mehr als genug geboten zu haben. Heute gab es dafür einfach mal wieder nichts… 😗
Aber nicht schlimm, wir hatten unseren Traumtag gehabt. Also sind wir zum letzten Mal bis Mata Mara gefahren und haben dort im Rezeptionsgebäude mit den Ausreiseformalitäten begonnen. Der südafrikanische Polizist, den wir dort in seinem Spiel auf dem Smartphone störten, war ein wahres Muster an Arbeitsbereitschaft. Egal, irgendwann war dann jede nur mögliche Nummer unseres Autos mehrfach in irgendwelche Listen eingetragen und der Grenzbaum hob sich für uns. Bye bye KTP!
Die Einreise nach Namibia war in wenigen Minuten erledigt. Ich hatte unsere Einreiseformulare als Farbkopien schon daheim ausgefüllt, so dass wir jetzt nur noch die Straßenbenutzungsgebühr bezahlen mussten und schon ging es weiter nach Namibia. Insgesamt hat das Procedere vielleicht 20 min gedauert.
Bevor es in NAM weitergeht, ein kleines Abschlussfazit zum KTP: Wie ich eingangs schon geschrieben habe, werden wir irgendwann wiederkommen. Aber mit ein paar Jahren Abstand und zu einer anderen Jahreszeit. Was uns wirklich sehr gut gefallen hat, war die unglaubliche schöne Landschaft, die Ruhe und Weite und die überschaubaren Camps. Da ist der KNP doch deutlich wuseliger und voller. Woran wir wirklich zu knabbern hatten war der Umstand, dass die Artenvielfalt im KTP doch sehr eingeschränkt ist, man häufig über weite Strecken einfach gar nichts sieht und die Abstände zwischen den mit Kind buchbaren Camps ziemlich groß und teilweise schlecht zu fahren sind. Wir sind alleine in der ersten Woche unseres Aufenthalts ab Upington bis zur Ausreise aus dem KTP fast 1000 km gefahren. Gerade wenn man mit Kindern reist, sollte man sich klar machen, dass man die beiden Parks absolut nicht vergleichen kann und der KNP aus meiner Sicht mit Kindern deutlich besser zu bereisen ist. Unserer Tochter hat der KTP trotz allem gut gefallen, aber sie freut sich schon sehr auf das nächste Jahr KNP mit Elefanten, Hippos, Nashörnen etc.
Nach der Ausreise aus Mata-Mata lagen rund 280 km Strecke vor uns, das meiste davon Gravelroad auf der C15. Nach guten 3 Stunden Fahrt vorbei an wunderbaren Gesteinsformationen, einsam gelegenen Farmen, gelegentlichen Kühen und Pferden auf der Straße (gerne auch direkt nach Kurven, deshalb bitte immer langsam und konzentriert fahren!), erreichten wir die neu renovierte Kalahari Anib Lodge.
Ich kenne die Lodge von meinem ersten Namibia-Besuch vor fast 15 Jahren und war gespannt, was sich getan hatte. Eigentlich war die Buchung eine Notlösung gewesen, da wir nach dem KTP nicht unbedingt Lust auf eine große Reisegruppen-Lodge hatten. Allerdings wollten wir auf dem Weg Richtung Sossusvlei auch keine größeren Umwege für eine Nacht in Kauf nehmen, so dass wir beschlossen, diesen Nachteil in Kauf zu nehmen.
Zunächst einmal die gute Nachricht: Die Renovierung ist absolut gelungen. Die Zimmer sind sehr schön geworden. Wir hatten einen Standard 4-bed family room gebucht und ein sehr schön eingerichtetes Häuschen am Rand der Anlage mit Blick auf die Wasserstelle bekommen.
Alles sehr sauber und wirklich durchdacht eingerichtet. Hier könnte man es gut mehrere Tage aushalten. Mara war von ihrem Zimmer mit dem Riesensitzsack und dem Hochbett total begeistert.
Auch der Außen- bzw. Restaurantbereich ist optisch schön geworden:
Wlan gibt es übrigens im Außenbereich und im Restaurant kostenlos, das Passwort bekommt man auf Nachfrage an der Rezeption.
Nachdem es bis zum zwei Lunch gab, setzten wir uns um kurz vor zwei noch fix auf die Terrasse und wollten etwas zu essen bestellten. Tja, man sah uns zwar, hoffte aber offenbar, dass wir wieder verschwinden würden, wenn man uns ignorieren würde. Wurde natürlich nix. 😈
Nach 15 min durften wir dann tatsächlich auch bestellen. Und eine längere Geduldseinheit später, bekommen wir dann tatsächlich noch etwas zu essen. Die Lunchkarte besteht hauptsächlich aus Sandwiches in verschiedenen Ausformungen und Salaten. Micha und Mara testeten jeweils ein Sandwich mit Pommes, ich hatte einen Salat mit Springbok. Alles war sehr lecker. 🙂
Zufrieden traten wir den Weg zurück zu unserem Häuschen an, um noch etwas zu relaxen. Danach beschlossen wir, noch eine der angebotenen Spaziergänge/Wanderungen auf dem Lodgegelände zu machen. Irgendwie hatten wir die Uhr dabei nicht so ganz im Blick und brauchten auch ein bisschen länger, bis wir tatsächlich startfertig waren: Es war schon viertel nach vier als wir losliefen. Aufgrund der Zeitumstellung von SA nach NAM ging die Sonne hier schon um 17:30 Uhr unter. Also nicht wirklich viel Zeit für einen gemütlichen Spaziergang. Also wurde eher eine flotte Walkingrunde darauf, was der Freude aber keinen Abbruch getan hat. Viel gesehen haben wir unterwegs nicht, in der Ferne gab es ab und an mal einen Springbok zu sichten. Aber schön war es trotzdem:
Mit Einbruch der Dämmerung kamen wir dann doch ziemlich verschwitzt (in NAM war es auch viel wärmer als im KTP) wieder an der Lodge an. Jetzt konnten wir in aller Ruhe das tolle Badezimmer ausprobieren. Die Dusche war angenehm und netterweise auch von gleichbleibender Temperatur. 😎
Danach ging es zum Abendessen, das in Buffetform angeboten wird. Vielleicht haben wir es nach der extrem ruhigen Zeit im KTP als besonders schlimm empfunden, aber es war echt nicht schön: Massenhaft Menschen, viele davon Gruppenreiseteilnehmer, drängten sich um ein recht übersichtliches und für namibisches Essen echt liebloses Büffet. Hauptsprache war deutsch. Die meisten kamen gar nicht auf die Idee, dass hier möglicherweise noch etwas anderes gesprochen wird. Und dann die Lautstärke…. 🤢
Der Preis für das Buffet liegt bei 270 N$ pro Person, Kinder die Hälfte. Aus unserer Sicht stimmt das Preis-Leistungsverhältnis hier eindeutig nicht. Das Fleisch war zäh, das Gemüse verkocht. Der Service war am Abend etwas besser als Mittags, aber auch hauptsächlich mit den Großgruppen beschäftigt.
Das ist schade, da die Küche beim Lunch durchaus bewiesen hat, dass das Potential da ist. Wie schon geschrieben, die Zimmerrenovierung ist toll geworden. Wenn aber das Ambiente beim Abendessen und die Qualität des Essens so bleiben, nützt aus meiner Sicht der Versuch, sich durch die Renovierung zumindest etwas vom Image als Gruppenreiseunterkunft bzw. One-Night-Stop zu lösen, absolut nichts.
Wir beendeten zügig unser Abendessen und flüchteten in die Ruhe unseres Häuschens. Dort genossen wir noch eine Weile das schöne Ambiente (sogar der Himmel des Moskitonetzes ist schön bestickt!) und vielen dann in den gemütlichen Betten in einen erholsamen Schlaf.
Fazit Kalahari Anbi Lodge: Unterkunft selbst sehr schön, Essen eher unerfreulich. Wenn man bereit ist, Busgruppen in ihrem geballten Auftreten und ihrer Lautstärke zu ertragen und man das Essens-Manko in Kauf nimmt, ist die Lodge aus meiner Sicht eine durchaus ordentliche Lösung auf dem Weg von/in den KTP. Wir haben es nach dem KTP jedenfalls sehr genossen, ein angenehmes und funktionierendes Badezimmer mit flauschigen Handtüchern zu haben.... 😉
Teil 1101. Okt. 2016
Samstag, 06.08.2016: Auf dem Weg nach Sossusvlei
Heute stand Wüstenwechsel auf dem Programm: Von der Kalahari in die Namibwüste.
Nachdem wir gestern Abend mitbekommen hatten, dass sich die meisten der großen Reisegruppen zum frühen Frühstück verabredet hatten, ließen wir uns in der Hoffnung, damit ein etwas ruhigeres Frühstück zu haben, Zeit. Sagen wir es mal so: Es lief etwas besser als beim Abendessen, aber nach der Woche im Kgalagadi sind diese Menschenmengen einfach zu viel des Guten. 😎
Während ich zum Bungalow zurücklief und das Gepäck vollends richtete, brachte Micha zum ersten Mal unseren Kompressor zum Einsatz, um Major Tom auf die kommende Teerstrecke vorzubereiten. Tja, hätten wir uns das von Pieter doch mal richtig zeigen lassen…. 😊 Der Kompressor sorgte nämlich bei der Erstanwendung dafür, dass wir noch weiter Luft verloren, anstatt welche hineinzupumpen. Das war nicht so wirklich im Sinne des Erfinders. Aber natürlich wurde uns gleich geholfen und flugs waren unsere Reifen wieder auf Teerdruckniveau. Noch schnell gezahlt, alles eingeladen und ab nach Mariental zum Tanken, Getränke kaufen und Geld holen.
Eine Bemerkung noch zum Bezahlen: Wir hatten neben unseren normalen Kreditkarten und unseren Postbanksparcards zum Geld abheben dieses Mal auch noch eine Debit-Kreditkarte der N26 dabei, mit der man ohne Auslandsgebühr bezahlen und natürlich auch Geld abheben kann (letzteres inzwischen allerdings begrenzt). Nahezu alles bis aufs Tanken lief bei uns dieses Jahr über diese Karte. Da man bei Mobilfunkempfang auch immer gleich eine Nachricht aufs Smartphone über die ausgeführte Zahlung bekommt, behält man auch einen guten Überblick über die Ausgaben. Wir fanden die Karte äußerst praktisch.
In Mariental waren wir schnell mit den Pflichtaufgaben durch und fuhren dann auf der C 19 auf Teer bis Maltahöhe. Dort hieß es dann wieder Reifendruck vermindern und es ging durch die traumhafte schöne Landschaft über den Zarishoogte-Pass bis zur Sossusvlei Lodge.
Die Lodge hatten wir in der Vergangenheit schon zweimal besucht, letztes Mal auf unserer Hochzeitsreise 2006. Im Vorfeld hatte ich die Lodge angemailt und gefragt, ob wir unser damaliges Zelt wieder haben könnten. Natürlich, kein Problem, hieß es. Tja, dem war dann doch nicht so. Angeblich wäre es vorher schon vergeben gewesen und wir würden jetzt eben ein anderes bekommen. Immerhin in der vorderen Reihe und vorversetzt, also auch nicht so schlecht. War natürlich trotzdem schade. 🙁
Nach einer gemütlichen Nachmittagspause starteten wir Richtung Gate, um die Elimdüne in Angriff zu nehmen. Der Posten am Gate fragte uns mehrfach, ob wir heute tatsächlich noch reinfahren wollten, da es kein 24-Stunden-Permit wäre und wir morgen neu zahlen müssten. Wir fanden das zwar nicht wirklich glücklich, aber egal. Natürlich wollten wir heute Abend noch auf die Düne.
Also reingefahren und beim Campingplatzkomplex das Permit gelöst. Die Dame hinter dem Schalter war ein Ausbund an guter Laune und Schnelligkeit. 😈 Da wir uns über unsere Pläne für morgen noch nicht so ganz im Klaren waren, lösten wir erst einmal nur für den heutigen Tag.
Dann ging es das kurze Stück weiter bis zur Elim-Düne. Ab hier lasse ich jetzt einfach die Bilder sprechen:
Ein bisschen unglücklich über den Umstand, dass das Gate für uns schon um 17:30 Uhr schloss (die Camper sowie die Gäste der Sossusvlei Dune Lodge dürfen eine Stunde länger bleiben), kehrten wir zur Lodge zurück und genossen den Sonnenuntergang auf unserer Terrasse.
Auch wenn wir uns in der Sossusvlei Lodge grundsätzlich wohl fühlen (trotz der vielen Menschen), werden wir bei unserem nächsten Sossusvlei Besuch höchstwahrscheinlich die Lodge im inneren buchen, um den Zeitvorteil nutzen zu können.
Danach machten wir uns auf den Weg zum Abendessen. Die Vorspeisenauswahl war groß, die Fleischauswahl (Wild in diversen Variationen) noch viel größer. Für die nicht so Fleisch begeisterten wie unsere Tochter gab es gebratene Nudeln mit Gemüse und ähnliche Leckereien. Auch das Dessertbüffet bot für jeden etwas. Insgesamt ein solides Abendessen und von der Lautstärke her trotz der Größe der Lodge sehr viel angenehmer als in der Kalahari Anib Lodge.
Teil 1202. Okt. 2016
Sonntag, 08.08.2016: Perspektivenwechsel
Heute war er da, unser persönlicher „war das echt eine gute Idee?“-Tag in diesem Urlaub. Seit wir in Kronau Steffis Bilder vom Hubschrauberflug über die Dünen bis zum Meer gesehen hatten, ging uns das nicht mehr aus dem Kopf. Auch der doch recht ordentliche Preis für die 90 min hatte daran nichts geändert. Wir waren vor 10 Jahren mal von Swakopmund aus mit einer Cessna über das Sossusvlei geflogen, aber Hubschrauber war definitiv noch mal eine andere Kategorie. Also hatten Micha und ich ein paar Monate vor der Reise beschlossen, dass wir schon für weitaus unsinnigeres viel Geld ausgegeben hatten und den Flug für Sonntag spätnachmittag gebucht. Mara hatten wir das natürlich nicht verraten, sonst hätten wir wahrscheinlich im 5min-Takt die „Wann“-Frage beantworten müssen.
Nachdem wir allerdings gestern bei der Anfahrt zur Lodge an einigen Hubschrauberwerbetafeln vorbeigefahren waren, hatten wir mal so ganz allgemein gefragt, was sie denn vom Hubschrauber fliegen halten würde. Antwort: Mag ich nicht. Sind mir zu laut. Mhmmmm, das konnte ja interessant werden. 😗
Da klar war, dass wir es angesichts des Nachmittagsereignisses heute etwas ruhiger angehen lassen wollten, schliefen wir erst mal bis gegen acht Uhr aus und versuchten dann, einen Sonnenplatz auf der Terrasse zum Frühstücken zu ergattern. Das war nicht ganz so einfach, da die Damen vom Service das mit der Sonne nicht so ganz einsahen, aber schließlich saßen wir gemütlich und ließen uns das leckere Frühstück schmecken.
Mara, die von der gestrigen Besteigung der Elim-Düne mit Micha noch total begeistert war, wollte unbedingt die nächste Düne erklimmen. Micha guckte nicht ganz so begeistert. Mara hatte mit „klein und leicht“ gestern eindeutige Vorteile ihm gegenüber gehabt. Wir entschieden uns, heute bis zur Düne 45 zu fahren.
Also wieder ein Permit kaufen. Da ich gestern gejammert hatte, wie nervig das war, kamen Micha und Mara dieses Mal mit. Und was war? Die Dame am Schalter hatte strahlende Laune und Micha hatte innerhalb weniger Minuten das Permit. 😈
Dann fuhren wir gemütlich zur Düne 45. Nachdem es schon kurz nach elf war, hatten wir eigentlich damit gerechnet, dass es dort relativ ruhig sein würde. Dem war leider nicht so. Es wuselte ziemlich.
Was Mara aber absolut nicht davon abhielt, sich unverzüglich an den Aufstieg zu machen.
Ich rief ihnen noch „viel Spaß“ hinterher und schaute mich lieber am Fuß der Düne ein bisschen um.
Danach setzte ich mich gemütlich im Schatten unter einen Baum und beobachtete interessiert die verschiedenen Aufstiegsversuche mit und ohne Schuhe. Erstaunlich, auf welche unterschiedliche Art und Weise man eine Düne besteigen kann…. 😎
Nachdem meine beiden einige Zeit später begeistert (Mara) und verschwitzte (beide) wieder da waren, fuhren wir zurück in Richtung Lodge. Unterwegs beschlossen wir, Mara über die Nachmittagsaktivität aufzuklären. Erfreulicherweise war die Reaktion doch etwas motivierter als gestern, vor allem, nachdem wir die Sorge um die Lautstärke mit dem Hinweis auf den Kopfhörer beseitigen konnten. Wir kündigten ihr an, jetzt in aller Ruhe Mittagspause machen zu wollen (es war inzwischen auch richtig gut warm geworden) und ihr rechtzeitig zu sagen, wann es losgehen würde. 🤪
Teil 1303. Okt. 2016
Fortsetzung 08.08.2016
Um 15:30 Uhr war es dann (endlich) so weit. Wir trafen uns mit unserem Piloten im Adventure Center der Sossusvlei Lodge. Dort hatte ich den Flug auch gebucht. Nach dem Bezahlen bekamen wir unsere Flugscheine mit dem Hinweis, diese unbedingt bei uns zu tragen, damit man uns im Falle eines Falles identifizieren könne…. 🤩
Danke, das wollte ich nicht unbedingt hören. Ob das mit dem Flug wirklich eine gute Idee gewesen war? Noch schnell an jeden eine Runde Reisekaugummi verteilt und dann ging es mit dem Fahrzeug das kurze Stück zum Heliport, der schräg gegenüber der Lodge liegt.
Unser Pilot hätte vom Alter her übrigens problemlos Michas Sohn sein können. Als wir ihn doch erst mal etwas verblüfft angeschaut hatten, gabs in kurzen Worten seine Lebensgeschichte samt Berufserfahrung. Okay, wer mit dem Heli schon an Elefantenlandverschickungsaktionen teilgenommen hat, wird uns wohl auch sicher über die Dünen bringen… 😗
Das nächste Ups! war der Heli. Keine Ahnung, was ich mir genau vorgestellt hatte, aber in meiner Vorstellungswelt war das Ding jedenfalls größer gewesen:
Ich gebe ehrlich zu, in diesem Moment war es mir doch akut nach rumdrehen und zurück zur Lodge. Aber das war wohl keine Alternative….
In einem Anfall von was auch immer hatte ich den Heli bei der Buchung ohne Türen geordert. Es ging ja schließlich ums fotografieren. Nachdem ich dann kurz vor unserer Reise in einem Reisebericht hier im Forum gelesen hatte, dass die Schreiberin das Fliegen ohne Türen doch ziemlich beunruhigend fand, kam wieder dieser „war das echt eine gute Idee?“-Gedanke.
Egal, was tut man nicht alles. Für Mara ließen wir dann allerdings doch noch schnell eine Tür einbauen, das war uns ohne Tür dann doch zu heiß. Und dann hieß es schon, alle Mann einsteigen, anschnallen und Kopfhörer aufsetzten. Über das Micro am Kopfhörer konnten wir uns übrigens intern verständigen. Wenn wir etwas wissen wollten, gaben wir unserm Piloten kurz Bescheid und er hat sich mit zugeschaltet. So konnten wir doch ab und an bei Mara vorne fragen, was sie von der ganzen Sache denn so hielt. Die war übrigens insgesamt die Entspannteste von uns dreien und während des Flugs einfach nur dauerbegeistert.
Nach dem Warmlaufen der Rotoren ging es dann um kurz nach vier los. Um es kurz zu machen: Nachdem die ersten Schrecksekunden (warum fliegt das Ding so langsam? Stürzen wir deshalb gleich ab?) war es einfach nur ein wunderschöner Trip. Es war unglaublich, die Dünenwelt von oben zu beobachten. Und im Gegensatz zum Flugzeug, bei dem man einfach extrem schnell beim Fotografieren sein muss, hatten wir beim Heli einfach Zeit, erst mal in aller Ruhe zu gucken und dann auf den Auslöser zu drücken. Die fehlenden Türen waren für uns übrigens absolut kein Problem. Ich bin in der Hinsicht normaler weise eher empfindlich, aber der Ausblick war so genial, dass alles andere in den Hintergrund trat:
Wir sind ca. 45 min über die Dünen bis vor dem Meer geflogen. Es war spannend, wie sich die Landschaft unter uns verändert hat. Zuerst die hohen Dünen, dann das für uns ziemlich überraschende Steinmassiv und Richtung Meer dann eine weite, eher flache Dünenlandschaft, deren Dünen sich aber teilweise schlangengleich ewig lang gezogen haben.
Die Küste konnte man deutlich spüren, bevor wir das Meer gesehen haben. Die Temperatur fiel nämlich merklich ab. Von bislang noch total angenehm in Richtung unangenehm kühl. Wir flogen über diverse Robbenkolonien (seitdem wissen wir auch, woher der Ausdruck „es stinkt zum Himmel“ kommt) und durften noch ein bisschen „Ich kann nicht nur geradeaus fliegen“-Programm über dem Meer erleben. Ein totaler Spaß.
Danach ging es dann über das Sossusvlei und an der Düne 45 vorbei zurück zum Heliport und von dort aus mit dem Fahrzeug zurück zur Lodge.
Ein absoluter Traum, der für uns das Geld eindeutig wert war. Mara findet Helis übrigens seitdem überhaupt sehr interessant und freut sich schon sehr auf ihren nächsten Flug…
Sowohl unsere Speicherkarten als auch unsere Köpfe waren an diesem Tag wieder richtig voll mit unglaublichen Eindrücken. Auch der Heliflug wird sicherlich zu den Dingen gehörten, an die ich mich sehr lange zurückerinnern werde.
Teil 1405. Okt. 2016
Montag, 08.08.2016: Immer noch Sossusvlei 🙂
Aufgrund des Dertour 3=2 Angebots für die Sossuvlei Lodge konnten wir uns für die Gegend dieses Jahr richtig viel Zeit nehmen. Natürlich hätten wir auch alles in weniger Zeit unterbringen können, aber so war es deutlich entspannender – und das ist schließlich das Ziel unseres Urlaubs.
Heute stand ein Besuch der Sossusvlei Düne auf dem Programm. Am Vorabend hatten wir noch den großen Frühstückskorb an der Rezeption bestellt und nach dessen Abholung um sollte es dann auch ca. 15 min vor Toröffnung losgehen. Tja, sollte. An der Ausfahrt von der Lodge stauten sich nämlich schon jede Menge Fahrzeuge.
Wir waren ganz kurz am Überlegen, ob wir uns das tatsächlich antun sollen. Aber jetzt waren wir schon wach und hier und den Frühstückskorb hatten wir auch. Also überbrückten wir die Wartezeit mit Leute beobachten und Sonnenaufgangsfotos machen:
Während es an den Vortagen noch so gewesen war, dass jedes Fahrzeug mit Kennzeichen beim Hineinfahren in eine Liste eingetragen wurde, winkte man heute Morgen einfach nur durch. Die Permitkontrolle fand dann ohne Gegenchecken beim Ausfahren statt. Somit verkürzt sich die Wartezeit bei der Einfahrt immerhin um einiges.
Da wir unser Permit gestern gleich für zwei Tage gekauft hatten, konnten wir uns ohne Stopp der Ralley nach hinten anschließen. Dabei haben einige die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h im Park doch sehr großzügig interpretiert. Wir machen unser Möglichstes versucht, nicht als Verkehrshindernis aufzufallen und trotzdem noch halbwegs im erträglichen Rahmen zu bleiben. Kein ganz leichtes Unterfangen.
Unser Plan war es, zunächst bis zur Düne durchzufahren, dort zu frühstücken und dann noch Hidden und Dead Vlei zu besuchen. Das Abenteuer mit der Allradsandstrecke kannten wir schon, allerdings ist es Micha dieses Jahr das erste Mal selbst gefahren. Am 2x4 Parkplatz hatten wir den Reifendruck auf 1,6 bar reduziert und uns dann mutig auf den Weg gemacht. Es war absolut kein Problem. Solange man sich vorher kundig macht, welche Spielregeln für das Tiefsandfahren gelten (Pistenkuh macht schlau!) und das dann auch konsequent umsetzt, sind die 4 km gut machbar. Ungefähr auf halber Strecke gab es von einem der Shuttle-Fahrer noch einen Hinweis, dass es vor uns etwas schwierig werden würde und wir doch eine etwas andere Fahrspur nehmen sollten. Für Micha war die ganze Sache ein riesen Spaß und ich habe mich auch recht schnell entspannt, als ich feststellte, dass er das doch sehr gut im Griff hatte. Ein paar unterwegs-Bilder:
Am Parkplatz angekommen machten sich Mara und Micha aufstiegsfertig und zogen los. Ich machte es mir derweil am Picknicktisch unter dem Baum gemütlich, an dem wir auch schon vor 10 Jahren gefrühstückt hatten und beobachtete den Aufstieg der beiden.
Es war unglaublich, wie es am Fuß der Düne wusselte. Die Shuttles spuckten ständig neue Touristen aus, die mehr oder weniger geeignet bekleidet den Dünenaufstieg angingen.
Ich holte derweil unseren Frühstückskorb aus dem Auto, machte mir schon mal einen Tee, deckte den Tisch und genoss die wunderbare Landschaft. Beim Wohlbefinden wurde einzig durch den immer stärker werdenden Wind gestört, der fleißig Sandkörnchen durch die Gegend pustete. Ich saß unter dem Baum noch halbwegs windgeschützt, aber ein Stück davon entfernt wurde es echt ungemütlich. Und oben auf der Düne hat es richtig heftig geweht. Von daher gibt es leider auch nicht viel mehr weitere Bilder von der Dünenlandschaft. Ich musste beide Kameras aus Sorge um Sandschäden wegpacken. 😠
Nach geraumer Zeit kamen Mara und Micha leicht abgekämpft, aber glücklich und zufrieden wieder an. Lediglich der Abstieg bzw. das Abrutschen von der Düne auf einer großen stabilen Plastiktüte hatte nicht wie geplant geklappt. Mara benötigte eine Vollentsandung… 😗 Hier noch zwei Handybilder von Micha vom Dünenkamm aus aufgenommen:
Wir beschlossen, dem Wind zu trotzen und trotzdem mit Blick auf die Düne zu frühstücken. Der Korb war wieder sehr lecker mit Wurst, Käse, Müsli, Joghurt und Obst bestückt. Lediglich der Brotkorb war sehr sparsam befüllt worden. Als der Wind immer weiter zunahm, wurde es dann noch zu ungemütlich und wir schleppten alles zum Auto. Was nun? Trotz des Windes noch zu den Vleis? Schweren Herzens nahmen wir davon Abstand. Der Stand wurde so heftig durch die Gegend gepustet, dass der Fußmarsch zum einen schon recht unangenehm geworden wäre und wir zum zweiten die Kameras nicht hätten mitnehmen können. Dann eben wieder beim nächsten Mal.
Auch der Rückweg durch den Tiefsand war problemlos. Auf dem Parkplatz angekommen standen wir vor der Aufgabe, wieder Luft in unsere Reifen zu bekommen. Ihr erinnert euch? Wir hatten zwar genau dafür einen Kompressor dabei, aber der wollte ja nicht so recht. Ich schlug vor, bei einem der Campingfahrzeuge zu fragen, ob man uns aushelfen könne, aber Micha wollte es doch erst nochmal testen. Und siehe da: Nach mehreren geduldigen Versuchen, den Aufsatz am Reifen anzubringen, ging es dann irgendwie doch: Die Luft ging in den Reifen. Juhu! Es war aber ziemlich fieselig und man musste höllisch aufpassen, dass sich das Ding nicht verdrehte. Sonst trat sofort der Gegeneffekt ein. Nach gut 20 min war Major Tom mit aufgepumpten Reifen wieder startklar.
Nachdem sich unser Dünenbesuch nun doch ziemlich verkürzt hatte, beschlossen wir, stattdessen noch am Sesriem Canyon vorbeizuschauen. Den kannten wir aus 2006 auch schon, hatten ihn aber als nichts Besonderes in Erinnerung. Aber zuerst stand der lange Weg zurück an. Inzwischen war es auch total ruhig auf der Strecke, so dass wir auch immer mal wieder Oryxe oder Schakale beobachten konnten.
Natürlich waren wir nach einer Weile etwas schneller als die vorgeschriebene Geschwindigkeit unterwegs, als nach einer Kurve plötzlich eine Polizeikontrolle mit mehreren Fahrzeugen auftauchte. Micha und ich schauten uns nur an und dachten: Mist! Aber nein, die Herrschaften wollten lediglich kontrollieren, ob das Licht an unserem Fahrzeug funktionierte. Danach hätten sie gerne noch unsere Pässe und Michas internationalen Führerschein gesehen. Ähm, das lag alles gut aufgehoben im Safe der Lodge. Immerhin hatten wir seinen normalen Führerschein dabei… 😗 Es war aber absolut kein Problem und mit freundlichen Wünschen wurden wir wieder auf die Strecke geschickt. Danach habe ich Michas Internationalen Führerschein übrigens aus der Dokumentmappe raus und in die Mittekonsole vom Auto gelegt. Gebraucht haben wir ihn aber natürlich nicht mehr.
Weiter ging es bis zum Canyon. An den hatten wir eigentlich gar keine großen Erwartungen und waren dann noch ganz erstaunt, dass es einiges zu sehen und zu entdecken gibt.
Hier hätte ich mir auch wieder ein Geologie-Buch gewünscht, das mir ein bisschen mehr über den Canyon verraten hätte. So musste ich mich damit begnügen, die Felswände in ihrer unterschiedlichen Struktur und die Auswaschungen zu bewundern.
Am Ende des einen Canyon-Arms gibt es eine Kletterstelle, die zu einer Wasserstelle führt. Für Mara natürlich klar, dass sie sich das anschauen musste. Ich durfte mit Rucksack, Getränken und Kameras warten…. Und es gab tatsächlich Wasser, auch wenn es nach Maras Angaben nicht so wirklich lecker roch:
Zum Abschluss dann noch eine kleine Klettereinheit auf einem Felsen:
Zurück in der Lodge war zunächst eine gründliche Entsandung angesagt. Das ist gar nicht so einfach, wenn das Duschwasser nur von oben kommt…
Den Rest des Nachmittags nutzen wir zum Relaxen und zum ersten Sortieren der Fotos vom gestrigen Flug.
Fazit Sossusvlei Lodge: Die Lodge selbst ist ein bisschen in die Jahre gekommen, vor allem das Badezimmer. Ich habe hier kürzlich gelesen, dass angeblich renoviert werden soll, weiß aber nicht, ob tatsächlich was dran ist. Es ist aber alles sauber und ordentlich gerichtet. Das Essen ist nichts außergewöhnliches, aber lecker und solide. Es findet sich für jeden etwas. Der Service ist mehr oder minder bemüht, aber im Urlaub hat man ja Zeit und Ruhe. Trotz der Größe und der Busgruppen fanden wir es von der Lautstärke her relativ angenehm. Wlan gibt es im Rezeptionsgebäude. Und war genau nur dort. Das führt dazu, dass sich dort meistens ziemlich voll ist und die wenigen Sitzgelegenheiten besetzt sind. Das hätte man etwas besser lösen können, aber da wir unsere Smartphonenutzung in diesem Urlaub massiv eingeschränkt hätten, war es zum kurz Whats-App-Schreiben aushaltbar.
Nächstes Mal nehmen wir aber die Sossus Dune Lodge im Inneren des Parks, um die zusätzliche Stunde morgens und abends nutzen zu können.
Sehr gut gefallen hat uns der Umstand, dass wir den Flug und die Dünenbesichtigung auf zwei Tage verteilen konnten. Es geht natürlich auch alles ein einem, aber es wird dann schon sehr dicht gedrängt.
Teil 1509. Okt. 2016
Dienstag, 09.08.2016
Heute hieß es wieder Koffer packen. Nach einem letzten entspannten Frühstück auf der Terrasse der Sossusvlei Lodge ging es weiter Richtung Tirasberge. Auf diesen Streckenabschnitt hatte ich mich besonders gefreut, da die D707 landschaftlich einfach ein Traum ist. Zunächst stand allerdings noch ein kurzer Tankstop an der Oasis Camp Site Tankstelle auf dem Programm, eine der wenigen in NAM, bei der man mit Kreditkarte bezahlen kann.
Unser Ziel für heute war die Namtib Desert Lodge. Wir hatten im Vorfeld ziemlich lange hin uns her überlegt, welche Unterkunft es sein soll. 2006 waren wir auf Landsberg, was es inzwischen aber als Gästefarm nicht mehr gibt. Die Farmrundfahrt dort wird mir ewig im Gedächtnis bleiben, das war ein absoluter Traum.
In der engeren Wahl standen schließlich Koiimasis und Namtib. Ohne Mara wären wir wahrscheinlich nach Koiimasis gefahren, mit Mara erschien uns Namtib die bessere Wahl. Ich kann natürlich nicht sagen, wie es uns auf Koiimasis gefallen hätte, aber Namtib war eine sehr gute Entscheidung. Dazu gleich noch mehr.
Bereits die C 27, die uns durch das Namib Rand Nature Reserve führte, bot wunderbare Ausblicke. Tiere gab es leider keine, aber die Landschaft war auch so unglaublich beeindruckend.
Unser erster Zwischenstopp war Duwisib Castle in den Nähe von Betta. Micha und ich waren zwar beide schon dort und finden es jetzt auch nicht unbedingt so besichtigungswürdig, aber für Mara war es natürlich schon ein Erlebnis und eine gute Gelegenheit, ein bisschen über die Kolonialgeschichte von Namibia zu sprechen.
24 km Kilometer hinter Betta, das aus einer Tankstelle mit kleinem Shop (kalte Getränke) und diversen Viehverladestationen besteht, zweigt bei Spes Bona die D 707 ab und führt zwischen Namib Naukluft Park auf der einen und den Tirasbergen auf der anderen Seite durch eine wundervolle Landschaft.
Auf der Höhe des Abzweigs zur Farm Kanaan wurde es für ca. 1 km kurzfristig ziemlich tiefsandig. Mit Allrad und SUV kein Problem, mit einem normalen Fahrzeug möglicherweise auch noch machbar, aber sicherlich nicht ganz ohne.
Nach 33 weiteren Kilometern kam der Abzweig zur Namtib Desert Lodge. Vom Tor aus sind es nochmals ca. 12 km auf einem gut befahrbaren Sandpad bis zum Farmhaus.
Die Anlage besteht aus dem Farmhaus mit Nebengebäuden, 6 kleinen Häuschen mit separatem Badezimmer sowie einem Family Chalet. Dazu kommt noch eine Self-Service-Bar und eine Ausguck mit Liegen, die etwas erhöht gebaut sind.
Dort wurden wir sehr herzlich von Isabell, der Tochter von Thorsten empfangen. Thorsten und Lynn waren gerade auf der Nachbarfarm zu Besuch und sollten zum Abendessen wieder eintreffen. Wir bekamen das großzügige Family Chalet: Wohnzimmer, Elternschlafzimmer sowie ein Stockbett und ein Einzelbett für die Kinder, sowie eine vordere und hintere Terrasse. Mara fand das Bücherregel mit alten Kinderbüchern von Isabell (und dem Ausgabedatum nach wohl auch noch von Thorsten) total begeisternd. Das Chalet ist nicht luxuriös, aber absolut gemütlich eingerichtet und passt prima zum Charakter der Gästefarm.
Wir verbrachten den restlichen Nachmittag gemütlich lesend auf unserer hinteren Terrasse in den Liegestühlen.
Zum Sonnenuntergang trafen wir uns dann mit weiteren Gästen an der Selbstbedienungsbar, um das unschlagbare Duo Savanna plus Sonnenuntergang zu genießen. Mara freundete sich gleich mit dem 11-jährigen Sohn der anderen Familie an und die beiden verschwanden in den umliegenden Felsen zum Klettern…
Um 19 Uhr trafen wir uns dann alle am großen Tisch im Haupthaus zum Abendessen. Ich habe leider vergessen aufzuschreiben was es gab, aber meiner Erinnerung nach war es sehr lecker. Klassische Hausmannskost, wie man es auf einer Gästefarm erwartet. Tischgespräch war – wie wäre es bei lauter deutschen Lehrern, sie da mit uns am Tisch saßen auch zu erwarten – das deutsche Schulsystem. Hört sich jetzt vielleicht leicht trocken und verzweifelt an, war aber durchaus lustig. 🤩
Als wir gerade beim Nachtisch waren, trafen dann auch Thorsten und Lynn ein. Diese hatten auf der Nachbarfarm einen alten Landy gekauft und diesen im Schlepp bis nach Namtib gebracht. Das brauchte seine Zeit. Die beiden erzählten noch eine Weile von Farmleben und auch davon, wie lange es hier schon nicht mehr richtig geregnet hat. Deshalb leben auf der Farm aktuell neben den Springböcken und Oryxen auch nur noch einige Pferde. Für alle anderen Tiere gibt es nichts mehr auf den Weideflächen. Auch die Pferde, die für Wanderritte eingesetzt werden, sollten in den nächsten Tagen weiter nach Norden verbracht werden. Thorsten meinte, dass es, wenn sie sehr viel Glück hätten, vielleicht noch ein kleines bisschen Winterregen geben würde, er rechne aber eher nicht damit. Wenn man das so hört, bekommt man fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen, sich jeden Tag so intensiv über den wolkenlosen blauen Himmel zu freuen…. 😊
Wir unterhielten uns noch einige Minuten – Mara war schon längst mit dem anderen Jungen, ihrer Stirnlampe und versehen mit tausend Ermahnungen wieder nach draußen verschwunden.
Einige Zeit später sammelten wir unsere leicht empörte Tochter - warum denn jetzt schon? – ein und beendeten auch diesen Afrika-Abend.
Teil 1613. Okt. 2016
Mittwoch, 10.08.2016
Wir starten unseren Tag mit einem gemütlichen Frühstück am großen Tisch. Frühstück gibt es ab halb acht. Um die Uhrzeit sitzen irgendwie auch alle versammelt am Tisch. Neben dem üblichen Frühstücksangebot (selbstgebackenes Brot, Wurst, Käse, Marmelade, Fruchtsalat, Müsli etc.) gibt es auch Millepap und Oryxschinken. Erstes ist interessant zum Probieren, letzteres total lecker. Dazu Kaffee, Schwarz- und Roibostee und sogar heiße Schokolade für Mara. Perfekt. 🙂
Wobei es Mara nicht wirkich lange am Frühstückstisch aushielt. Die Felsen hinter dem Haus riefen offenbar sehr laut nach ihr. Auf meine leicht besorgen „Pass auf“-Hinweise kam von Thorsten nur, dass es für ihn auch immer der tollste Spielplatz der Welt war….. 🤩
Wir fragten Thorsten, ob er eine Farmrundfahrt mit uns machen könnte. Er kann es uns noch nicht sicher zusagen, meint aber, er würde versuchen, es einzurichten. Wir beschlossen, heute Morgen ein bisschen wandern zu gehen. Namtib bietet zwei ausgeschilderte Weg: Den ehemaligen botanischen Trail, der jetzt leider als ehemalig bezeichnet werden muss, weil sämtliche Pflanzen dem Wassermangel zum Opfer gefallen sind. Und eine deutlich längere Strecke, die auf die andere Seite der Berge führt.
Als wir Mara nach dem Frühstück wieder einsammeln wollten, fanden wir sie übrigens mit ihrem Kumpel ganz oben auf der Spitze eines der Hügels rum ums Haus. Ich will gar nicht genau wissen, wie die da rauf und wieder runtergekommen sind. Aber unser Kind war vollkommen im Element.
Es gab übrigens noch einen weiteren Grund, warum sich Mara auf Namtib total wohl gefühlt hat: Und der heißt Amir und ist ein anatolischer Hütehund. Fast so groß wies Kind, bedeutetend schwerer, aber ein unglaublich süßer Kerl…
So, jetzt aber zur Wanderung. Nachdem wir glücklich Wasserflaschen, Rucksack, Sonnenschutz und Kameraequipment zusammengesammelt hatten, ging es gegen 10 Uhr dann auch endlich los. Der Weg ist gut markiert und lässt sich für halbwegs trittsichere Menschen problemlos laufen. Wir waren mit vielen Fotopausen ca. 2 Stunden unterwegs.
Es folgt ein Tiersuchbild…
Besonders interessant fanden wir wie verschiedenen Granitarten, die wir unterwegs zu sehen bekamen:
Dazu gabs einfach nur tolle Landschaft:
Als wir gegen Ende wieder auf der Ebene waren, trafen wir noch auf die Pferde, die sich auf der Suche nach Gras frei über das Farmgelände bewegen. Sie waren allerdings ziemlich scheu und legten Wert auf ihren Wohlfühlabstand.
Eine namibisch Eigenart scheint es ja auch zu sein, alte Fahrtzeuge, die bei uns unter „Schrott“ laufen würden, malerisch in die Landschaft zu setzten. Micha war begeistert. Ein echter Studebaker…. 😗
Damit endete unser gemütlicher Vormittagsausflug. Auf Wunsch hätte uns Isabell ein kleines Mittagessen gemacht, aber da wir vom Frühstück noch satt waren, entschieden wir uns für ein Päuschen und ein Stück Kuchen vor der Farmrundfahrt, die uns Isabell jetzt auch bestätigen konnte.
Nach einem sehr leckeren Stück Feigenkuchen ging es um 15 Uhr los. Thorsten hat auf die Ladefläche eines LKW zwei Sitzreihen in Längsanordnung montiert. Das Konstrukt fasst insgesamt 12 Leute und die bekamen wir auch voll. Nachdem wir noch ein junges Pärchen auf einer der Campsites eingesammelt hatten, ging es los. Im Gegensatz zu gestern, als alle Gäste deutschsprachig waren, waren wir heute eine bunt gemischte Gruppe, d.h. erklärte immer alles doppelt in englisch und deutsch.
Wir erfuhren viel über die Geschichte von Namtib während der Kolonialzeit und natürlich auch, wie Namtib heute bewirtschaftet wird. Im Moment leben Thorsten und Lynn von den Einnahmen der Gästefarm. Aufgrund der extrem geringen Niederschläge in den letzten Jahren ist eine Viehhaltung nicht mehr möglich. Er erklärte uns, dass die Springbock- und Oryxherden auf dem Gelände nur eine gewisse Größe erreichten durften, damit ausreichend Futter für alle da war. Für Mara war der Gedanke, Tiere schießen zu müssen, zwar total schrecklich, aber sie konnte durchaus verstehen, dass zu viel Tiere eben zu wenig Futter für die Herde bedeutet. Interessant war auch zu erfahren, welche verschiedenen Möglichkeiten es in diesem Fall gibt, wenn die Herde verkleinert werden muss.
Eines der großen Themen von Namtib ist die Resourcenschonung. Thorsten erzählte uns, dass die versuchen, der Quelle so wenig Wasser wie möglich zu entnehmen. Wenn ich mir die Zahlen richtig gemerkt haben, sind sie aktuell bei einer Nutzung von 1/3 der möglichen Tageswassermenge und wollen das nach Möglichkeit noch weiter minimieren.
Wer bei solchen Aussagen jetzt denkt, auf Namtib sei der Ökogedanke so präsent, dass es keinen Spaß mehr macht, den kann ich beruhigen. Ich glaube, in nahezu jedem Badezimmer Namibias hängt ein Hinweis zum Wassersparen. Nicht anders ist es auf Namtib. Ich glaube aber auch, dass dieses Bewusstsein, mit dem Wasser in diesem so trockenen Land sorgfältig umzugehen, bei uns allen mitreist. Wir haben jedenfalls nichts festgestellt, bei dem wir uns mehr hätten einschränken müssen, als es angenehm gewesen wäre. Eines ist mir allerdings aufgefallen: Im Gästebuch standen viele mit nur einer Übernachtung. Angesichts der Wassermengen, die für Bettwäsche und Handtücher benötigt werden, fände ich es konsequent, wenn Namtib nur noch Buchungen ab zwei Nächten akzeptieren würde. Es ist sowieso viel zu schön, um nach einer Nacht gleich wieder zu verschwinden.
Nach einem schönen Sundowner kehrten wir nach Namtib zurück. Die Farmrundfahrt kostet übrigens 300N$pro Person (kein Kinderrabatt), ist also nicht gerade günstig. Wir fanden die Tour allerdings so interessant und lehrreich, dass der Preis vertretbar ist.
Wie schon oben geschrieben, war der Abendessentisch heute international: drei Belgier, zwei Italiener, die in Monaco leben, sowie eine Spanierin und ein Deutscher, der aber in Spaniern lebt. Außerdem noch ein weiteres deutsches Paar. Auch das ergab eine ziemlich interessante Mischung und so entspann sich ein lustiges Gespräch über die Essgewohnheiten und das Essverhalten unterschiedlicher Nationalitäten. Wir hatten viel Spaß.
Viel zu schnell verging unser letzter Abend auf Namtib.
Fazit Namtib: Uns hat es richtig gut gefallen. Im Vergleich zu den eher unpersönlichen Lodges, auf denen wir sonst waren, gab es hier viel persönlichen Kontakt und vor allem auf viele Geschichten und Gedanken zur Farm, zu Namibia und auch zur politischen Lage. Es ist sehr interessant, die Dinge auch aus anderen Blickwinkeln zu sehen. Die Unterbringung war gut, das Essen sehr lecker. Die Wandermöglichkeiten sind gut. Auf alle Fälle eine klare Empfehlung! Wichtig zu wissen: Man kann nur mit Bargeld bezahlen!
Teil 1719. Okt. 2016
Donnerstag, 11.08.2016
Heute hieß es Abschied nehmen von Namtib. Schade, hier wären wir gerne noch einen Tag geblieben. 🙂 Unser nächstes Ziel was Lüderitz. Hier haben wir lange bezüglich der Unterkunft überlegt und sind zum Schluss in der Alten Lodge gelandet. Das war okay, aber es geht aus meiner Sicht besser. Dazu im zweiten Lüderitz-Teil mehr.
Zuerst durften wir noch eine Weile die wunderbare Landschaft auf der D 707 genießen, bis wir dann auf die C 13 und 55 km später auf die B4 abbogen.
Teer – das hieß wieder Reifen auffüllen. Inzwischen wussten wir ja, wie der Kompressor behandelt werden musste, aber irgendwie war Gravel fahren schöner.
Einige Kilometer hinter Aus dann ein Zwischenstop bei Garub – Pferde gucken. Ich biete ein Pferdesuchbild…
Hätte das Reifen aufpumpen ein klitzekleines bisschen kürzer gedauert, hätten wir sie vielleicht noch gesehen. Aber so…. 🙁
Und weiter ging es Richtung Lüderitz. Je näher wir dem Ort kamen, desto mondlandschaftsartiger wurde die Landschaft. Sand und Felsen, sonst war da einfach nichts. Ich finde es immer wieder faszinierend, diese karge Landschaft zu sehen und mir vorzustellen, wie die Menschen es damals empfunden haben müssen, als sie dort an Land gegangen sind.
In Lüderitz angekommen, bezogen wir unser Zimmer in der Alten Lodge. Die Besitzerfamilie war aktuell auf Ihrem Hausboot oben am Okavango, daher war nur eine ältere Dame aus Windhoek als Verwalterin (Charlotte) da. Schade fanden wir, dass der Fischimbiss aufgegeben worden ist. Hier hätten wir gerne gegessen.
Unser Zimmer war hell und großzügig. Nicht ganz nachvollziehen konnten wir die halbe Küche im Raum. Es gab zwar Schränke und eine Spüle, aber keine Elektrogeräte. Egal, das Zimmer war so groß, dass der Platz nicht fehlte. Über eine Treppe zum ersten Stock des Hauptgebäudes lassen sich der recht kleine Frühstücksraum, der Wintergarten mit Bibliothek und die Terrasse erreichen. In diesem Bereich gibt es auch einen Wlan-Zugang. Parkplätze gibt es nur außerhalb.
Nach einer kleinen Erholungspause entscheiden wir uns dazu, noch auf die Diaz-Halbinsel zu fahren. Mit dem Diaz-Point verbindet uns eine kleine besondere Geschichte: Als wir auf unserer Hochzeitsreise 2006 erst wenige Tage verheiratet dort waren, blies mit der damals extrem starke Wind die Sonnenbrille vom Kopf. Ich habe versucht, ihr nachzulaufen und wäre – wenn Micha nicht eingegriffen hätte – wohl mitsamt der Sonnenbrille von den Felsen und in die Fluten gepustet worden. So ging es dank Michas schnellen Eingreifens gerade noch mal gut. Vermutlich wollte er sich nur nicht mit den Problemen herumärgern, das Verschwinden seiner gerade mal angetrauten Ehefrau erklären zu müssen… 😗
Dieses Mal gab es aber keinerlei Grund zur Sorge und auch die Mara im Vorfeld mitgeteilten Verhaltenshinweise (immer an der Hand bleiben!) waren völlig überflüssig: Es wehte kaum ein Lüftchen!
Von dem Umstand, dass der Diaz-Point seit dem Zusammenbruch der Brücke ein bisschen schwieriger zu besuchen ist, ließen wir uns nicht abschrecken. Quer über die Steine und dann auf die Betontreppe klettern klappt gut.
Nach einer kleinen Runde „wie gut, dass Du mich hier vor 10 Jahren gerettet hast“, suchten wir für Maras Muschelsammlung am Strand noch einige Muscheln und setzten unsere Runde dann fort. Dabei nutzten wir nicht den Hauptweg, sondern eine der vielen kleinen Nebenwege, für man teilweise nur mit dem Allradfahrtzeug befahren sollte.
Insbesondere die Abfahrt zu dieser Stelle hatte es ziemlich in sich. Da gab es einige nette Schrägstellen. Micha saß glücklich hinter dem Lenkrad und ich hielt mich mehr oder minder unauffällig fest.... 😉
Nach diversen solcher „ach, lass uns da mal noch runterfahren, vielleicht entdecken wir noch was hübsches“-Abstecher erreichten wir die große Bucht. Dort hätten wir uns wohl nicht nur auf die Flamingos konzentrieren sollen. Haiko erzählte mir nämlich am nächsten Tag während unserer Bootstour, dass er an diesem Nachmittag Wale in der Bucht beobachtet hat. Hmpf. Das wäre es natürlich noch gewesen. Aber auch so war es einfach nur schön…
Ich muss an dieser Stelle mal eine Lanze für Lüderitz brechen. Im Forum lese ich sehr oft den Tipp, in Aus zu übernachten und einen Tagesausflug nach Lüderitz zu machen. Wir kennen das Eagles Nest bei Klein-Aus-Vista und finden es sehr schön. Aber für einen Tagestrip hat Lüderitz zu viel zu bieten. Das fängt schon damit an, dass man auf die Bootstour mit Haiko verzichten muss, wenn man nicht in Lüderitz wohnt. Der fährt nämlich wirklich superpünktlich um acht ab, d.h. gegen viertel vor acht sollte man spätestens am Hafen sein. Zumindest in den Monaten, in denen es nicht schon um sechs hell ist, ist das mit der Anfahrt aus Aus schon recht knapp. Außerdem kann man auf der Diaz-Halbinsel einfach jede Menge Dinge entdecken und Zeit verbringen. Im Ort selbst gibt es zwar im Vergleich im Swakopmund so gut wie keine Einkaufsmöglichkeit, aber es ist sehr interessant, durch die Stadt zu laufen und sich die Häuser aus der Kolonialzeit anzuschauen. Ein besonderes lohnenswertes Ziel sind natürlich Felsenkirche und Gehrkehaus.
Daher an dieser Stelle mein Tipp: Wer zwei Nächte für Lüderitz verplanen kann, sollte es tun. Lüderitz ist viel mehr als nur Kolmannskuppe und Felsenkirche.
Zum Abendessen waren wir im Barrels. Hätte man von der Alten Lodge aus problemlos laufen können, aber nachdem Charlotte bei unserer Nachfrage eher nervös geguckt hatte, haben wir dann darauf verzichtet und sind gefahren. Da man dort nicht reservieren kann, empfiehlt sich ein Besuch entweder gleich um 18 Uhr oder erst nach 20 Uhr. Zwischendrin ist es einfach nur voll. Wir haben wie immer Pizza bestellt. Die war auch wieder sehr lecker. Auch das Büffet, das rund um den Ofen aufgebaut wird, sah interessant aus. Ich finde, das Barrels ist schon wegen der Atmosphäre auf alle Fälle einen Besuch wert.
Teil 1823. Okt. 2016
Freitag, 12.08.2016: Meer und Wüste
Heute Morgen stand die Katamaranfahrt mit Haiko auf dem Programm. Wir wollten schon 2006 mit der Sedina zu den Pinguinen fahren, mussten dann allerdings abbrechen, weil das Wetter an diesem Tag doch recht ungemütlich war. Dieses Mal machten wir uns gar keine Gedanken, da der gestrige Tag ja quasi windstill und wolkenlos gewesen war. Umso größer unser Entsetzen, als wir nach dem Aufziehen der Vorhänge auf eine dunkelgraue Wolkenwand schauten. Das durfte doch nicht wahr sein. Schon wieder keine Pinguine? 🤢
Trotz des Wetters machten wir uns um sieben Uhr auf dem Frühstück. Der kleine Frühstücksraum war noch recht leer, so dass wir problemlos einen Platz an einem Tisch für drei fanden. Es gab frisch aufgebackene Brötchen, eine Sorte Marmelade, Obstsalat (allerdings aus der Dose) und eine kleine Auswahl an Wurst und Käse sowie Eiersalat. Außerdem gab es weichgekochte Eier. Nicht umwerfend, aber ausreichend.
Um 15 min vor acht standen wir dann dick eingemummelt am Hafen. Es macht doch immer Spaß, Handschuhe, Mütze und Schal aus dem Keller zu kramen und mit in den Sommerurlaub zu nehmen… 😈
Der Himmel war übrigens immer noch ziemlich grau, aber wenigstens hielt sich der Wind in Grenzen. (Bitten nicht wundern, die beiden Bildern sind am Ende der Tour entstanden, bei denen der Himmel wieder strahlend blau war).
Kurz ein paar Infos zur Katamaranfahrt: Haiko fährt jeden Tag um 08:00 Uhr mit der Zeepard raus. Die Tickets dafür sollte man wohl vorbuchen, bei uns war der Katamaran jedenfalls voll. Tickets kann man entweder über die Unterkunft oder über Lüderitz Safaris & Tours buchen. Die Kosten betragen 400 N$ pro Erwachsenem, Kinder unter 6 sind kostenlos. Die Fahrt dauert ungefähr 2 Stunden. Unterwegs gibt es jede Menge Erklärungen, vor Halifax Island liegt man ungefähr 20 min und kann in aller Ruhe Pinguine gucken und fotografieren. Das Ganze ist so getimed, dass man anschließend ohne Stress um 11 Uhr bei der Führung an der Kolmanskuppe sein kann. Die Tickets haben wir in bar direkt bei der Alten Lodge bezahlt.
Beim Raus- und Reinfahren aus dem Hafen hat man einen schönen Blick auf Lüderitz.
Einige Zeit später kam der Diaz-Point in Sicht.
Kurz danach kam der Robbenfelsen. Da wir dort nicht liegenblieben, sondern nur daran vorbeifuhren, war es bei der doch nicht ganz ruhigen See ziemlich schwierig, das Motiv überhaupt zu erwischen. So ist zum Beispiel dieses Bild entstanden:
Es gibt aber auf Treffer-Fotos:
Weiter ging es in Richtung Halifax-Island zur Pinguin-Kolonie:
Es war wirklich faszinierend, die kleinen Gesellen zu beobachten. Sie schienen sich auch überhaupt nicht an uns zu stören, sondern schwammen mehrmals an den Katamaran heran, um dann gerne im optimalen Fotozeitpunkt abzutauchen. 😈 Ein wirklich schönes Erlebnis!
Auf dem Rückweg wurde der Katamaran dann noch von Delphinen begleitet. Das war fototechnisch eine echte Herausforderung. Man musste quasi die Stelle im Wasser erahnen, an dem der Delphin springen würde, sonst hatte man keine Chance. Nach ein paar Tipps von Haiko ist zumindest auf diesem einen Bild ein ganzer Delphin zu sehen:
Daneben gab es auf der Rückfahrt noch einige Kormorane zu sehen.
Um zehn waren wir wieder in Lüderitz und verabschiedeten uns von Haiko. Es war eine tolle Tour, die wir jedem empfehlen können. 🙂
Teil 1927. Okt. 2016
Fortsetzung
Nach der Katamarantour schälten wir uns aus unserem Klamottenschichten und verstauten Mütze, Handschuhe und Schals wieder. Wir sollten tatsächlich das Glück haben, sie diesen Urlaub nicht mehr zu brauchen. 🤪
Dann ging es weiter zur Kolmanskuppe.
Kolmanskuppe ist eine in der Diamatenboomzeit erbaute Stadt ungefähr zehn Kilometer östlich von Lüderitz und ist benannt nach dem Nama Coleman, der dort 1905 mit seinem Ochsenkarren in einer Düne steckenblieb. Er wurde gerettet, musste jedoch seinen Ochsenkarren zurücklassen. Heute ist Kolmanskuppe eine Geisterstadt, die mehr und mehr von Sand verschluckt wird.
Am Tor lösten wir unser Permit für die 11 Uhr Tour. Erwachsene kosten 85 N$ pro Person, Kinder von 6-14 Jahren 50 N$.
Um kurz vor elf gingen wir in die alte Turnhalle, in der die Führungen beginnen. Wir hatten die Hoffnung gehabt, wieder die ältere Dame als Führerin zu bekommen, die wir schon 2006 hatten und die laut aktueller Reiseberichte immer noch dort tätig ist. Sie hatte uns damals sehr lebendig und anschaulich von dem Leben in Kolmanskuppe erzählt. Das hat leider nicht geklappt. Unserer Führer entschuldigte sich gleich mal als erstes, dass ein Deutsch leider nicht besonders gut ist. Da hatte er leider recht. Hätten wir das geahnt, hätten wir gleich die englische Führung genommen, für Mara mussten wir sowieso alles übersetzen. Zweite Information war ein Hinweis auf Schlangen. Offenbar waren an den alten Gebäuden in letzter Zeit häufiger Schlangen gesichtet worden. Wir sollten daher bitte etwas sorgfältiger aufpassen. Einige Teilnehmer, die in offenen Sandalen unterwegs waren, guckten gleich mal etwas panisch… 🤢
Die Führung selbst war nicht wirklich mit der von vor 10 Jahren zu vergleichen. Wir starteten im Kaufmannsladen, arbeiteten uns dann recht schnell durch die anderen Gebäude in der Reihe durch und wurden ca. 30 min später in der Turnhalle in die Selbstbesichtigung entlassen. Wenn wir nicht 2006 so viele Informationen mitgenommen hätten, wären wir jetzt wahrscheinlich recht ahnungslos herumgelaufen. So konnten wir uns zumindest noch in Teilen an die Häuser erinnern, bei denen sich eine Besichtigung lohnte.
Diese freie Besichtigung ist übrigens eine spannende Sache, wenn man sich überlegt, in welchem Zustand die Gebäude größtenteils sind, in denen man sich völlig unkontrolliert bewegen darf. Bei vielen hat man das Gefühl, sie brechen demnächst über einem zusammen. Und man unterschreibt am Eingang nicht mal eine Haftungsfreistellung für den Fall, dass tatsächlich etwas passiert. Man hat den Eindruck, ein möglicher Diamantenfund durch einen Besucher wird als weitaus größeres Risiko betrachtet als ein zusammenbrechendes Gebäude…. 🤢
Küche im Hauptgebäude
In der ehemaligen Eisfabrik
Die Transportbahn, mit u.a. jeden Morgen die Eisblocke für den Kühlschrank ausgeliefert wurden.
Badewannen… 😎
Innen- und Außenansichten des Zerfalls in verschiedenen Stadien…
Aus meiner Sicht ist ein Besuch der Kolmanskuppe insbesondere dann lohnend, wenn im Rahmen der Führung durch Geschichten das damalige Leben wieder lebendig gemacht wird. Ansonsten ist es natürlich interessant, sich die Häuser anzuschauen, aber erst mit der Vorstellung, wer damals tatsächlich darin gelebt hat und wie das für die damalige Zeit sehr luxuriöse Leben in dieser unwirtlichen Einöde abgelaufen ist, macht den Reiz der Stadt aus. Wir sind froh, dass wir aus unserem vorherigen Besuch noch viele Informationen an unsere Tochter weitergeben konnten, dies es dieses Mal leider gar nicht gab.
Schlangen haben wir übrigens keine einzige gesehen…
Danach fuhren wir nach Lüderitz zurück. Da wir nach dem frühen und auch nicht allzu umfangreichen Frühstück leichten Hunger hatten, legten wir einen Stop im Garden Cafe in der Nähe des Hafens ein. Dort kann man nett im namensgebenden Garten sitzen. Es gibt leckere belegte Brötchen, Milchshakes und guten Kuchen. Ein angenehmer Ort für eine kleine Pause. Danach fuhren wir zurück zu unserer Unterkunft und legten eine Pause ein.
Nachdem Micha sein Buch so spannend fand, dass er zu einem Spaziergang durch Lüderitz nicht mehr zu bewegen war, zogen Mara und ich bewaffnet mit Stadtplan und Kamera alleine los. Zuerst ging es am Barrels vorbei Richtung Felsenkirche:
Von der Rückseite der Kirche hat man einen schönen Blick auf das Meer und das Nest-Hotel. Dort wollten wir an diesem Abend Essen gehen.
Dann ging es wieder ein Stückchen nach Lüderitz hinunter,
um dann schließlich wieder bis zum Goerke-Haus hochzusteigen.
Hier machte sich dann leider auch unser „zeitlos glücklich“-Zustand bemerkbar. Es wurde nämlich unmittelbar vor unserer Ankunft geschlossen. Hätten wir doch mal genauer hinschauen sollen: Unter der Woche von 14-16 Uhr geöffnet, am Wochenende von 16 bis 17 Uhr. Und heute war offenbar nicht Wochenende. Schade, aber nichts zu machen. Also erzählte ich Mara die Geschichte des Hauses eben ohne Innenbesichtigung.
Nachdem Lüderitz außer einem nicht besonders ansprechenden Souvenierladen nicht wirklich viel zum Shoppen anbietet, kamen wir ohne jegliche Einkäufe wieder in der alten Loge an. Schade, noch so ein bisschen Mädels-Shopping wäre nett gewesen….
Um 18 Uhr brachen wir dann Richtung Nest-Hotel zum Abendessen auf. Auch wenn die Bewertungen in letzter Zeit doch etwas durchwachsen waren, wollten wir es probieren. Wir hatten Charlotte vorher gefragt, ob wir reservieren sollten. Antwort: Das sei nicht notwendig, wir sollten einfach um sechs dort sein.
Tja, nur macht das Penguine-Restaurant leider erst um 18:30 Uhr auf. Also nochmals zurück zur alten Lodge, waren ja nur 5 min mit dem Auto. Neuer Versuch um 18:30 Uhr. Ob wir denn nicht reserviert hätten? Äh, nein, hätten wir denn sollen? 🤢
Nach angestrengtem Studium des Reservierungsbuchs fand sich dann doch noch ein Tisch für uns. Und zwar kein fieser Nottisch, sondern auch noch ein richtig netter. Wir wurden zügig mit der Speisekarte und den Getränken versorgt und freuten uns auf einen netten Abend. Und es wurde ein netter Abend. Der Service war sehr gut, das Essen sehr lecker und auch Mara wurde sehr nett behandelt. Und als Micha nach dem Versuchen meines Desserts beschloss, nun doch auch eines haben zu wollen, war das sehr fix da.
Die Rechnung war natürlich auch etwas höher als üblich, aber das war völlig in Ordnung. Für uns hat an diesem Abend absolut alles gepasst. Eine ganz klare Empfehlung (allerdings mit Reservierung!). 🙂
Teil 2028. Okt. 2016
Samstag, 13.08.2016: Auf dem Weg zur Fish River Lodge
Heute hieß es Abschied nehmen von Lüderitz. Wir hatten uns gestern Abend noch eine Weile mit Charlotte unterhalten und angekündigt, heute Morgen erst gegen halb neun zum Frühstück zu erscheinen. Als war dann kamen, war der kleine Frühstücksraum komplett voll bis auf einen kleinen Tisch zwischen Wand und Büffettisch, an den maximal zwei Personen gepasst hätten. Das lag daran, dass Charlotte die Leute nicht entsprechend ihrer Anzahl an die Tische verteilt hatte, sondern die beiden größeren Tische für bis zu vier Leute jeweils von zwei Paaren belegt waren. Auf unser etwas erstauntes Nachfragen, wo wir den sitzen sollen, wies sie uns den Ecktisch zu und meinte, wir könnten Mara ja entweder auf den Schoß nehmen oder in die Ecke quetschen, sie müsste dann eben ihren Teller auf den Schoss nehmen…. 🤢
Mach einer mag jetzt mit den Schultern zucken, aber da ging gar nicht. Unsere Tochter ist definitiv aus dem „auf den Schoß nehm“-Alter raus und ich finde es ein Unding, vorzuschlagen, dass sie alternativ ihren Teller auf den Schoß nehmen könnte. Später nochmals wiederkommen war auch keine Option, das absehbar kein Tisch frei werden würde und wir ja auch weiterfahren wollten. Lange rede, kurzer Sinn: Nachdem wir diesen Tisch nicht wollten und Charlotte sich außerstande sah, eine andere Lösung zu finden, musste Micha den Gartentisch reintragen, wo wir dann – Gesicht zur Wand, alle in einer Reihe, weil sonst kein Platz war – saßen. Ein echt nettes Frühstück. 🙁
Besonders geärgert hat mich, dass Charlotte beim Zahlen dann noch echt unfreundlich wurde. Wir wurden regelrecht hinauskomplimentiert. Von daher: An sich eine nette Unterkunft, aber für uns ganz sicher keine Wiederholung.
Vor der Abfahrt aus Lüderitz füllten wir im Supermarkt noch kurz unseren Getränkevorrat auf und tankten. Da wir an der Tankstelle Haiko mit Frau und Hunden trafen, dauerte das dann ein bisschen länger…. 😗
Dann nahmen wir die doch recht lange Strecke in Angriff: Wir hatten uns nach längerer Diskussion dazu entschieden, bei Aus auf die C 13 und dann auf die D 463 abzubiegen und nicht die kürzere Variante über die B4, D459 zu fahren.
Erster Stopp war natürlich wieder Garub. Wildpferde, die zweite. Irgendwie scheinen uns die dieses Jahr nicht wirklich zum mögen…. 😗
Von der Fahrt gibt es leider nur wenige Bilder und diese auch nur vom Handy.
Ich weiß gar nicht warum, gerade die D 463 wäre absolut fotowürdig gewesen. Die schlängelt sich entlang des Arimas River, quert ihn auch einige Male. Später kommt dann noch der (Klein) Aub River dazu. Falls es irgendwann im Süden mal wieder ausreichend regnen sollte, könnte das eine durchaus interessante Fahrtstrecke werden. 😈 So blieb es bei uns bei einer netten kleine Wasserdurchquerung, die ich euch auf der Rückfahrt in einigen Tagen zeige. An der Stelle aber schon der Hinweis: Die Strecke ist unseres Erachtens aufgrund der Wasserquerung nicht mit einem normalen Fahrtzeug befahrbar, man braucht mindestens einen SUV. Aber wer zur Fish River Lodge will, sollte den eh spätestens bei der Lodgezufahrt haben. Die hat es nämlich durchaus in sich. Wir haben für dieses letzte Teilstück gute 45 min gebraucht.
Die Fish River Lodge haben wir als 3=2-Angebot über Dertour gebucht. Hauptziel unseres Besuchs war die Fahrt in den Canyon. Wir hatten viel über die Lodge im Vorfeld gelesen und können die Zwiespältigkeit, die sich aus dem Bewertungen ergibt, vollkommen nachvollziehen. Aber dazu mehr im Fazit.
Jetzt erst mal ein paar Fotos:
Wie ihr seht, optisch ein absoluter Traum. Man kommt an und kann durch die verglaste Außenfront des Hauptgebäudes direkt in den Canyon schauen. Wir kennen den Fish River Canyon von der anderen Seite und waren trotzdem von dem Anblick total beeindruckt. Einziger Wehmutstropfen: Es hat so unglaublich gewindet, dass wir unser Begrüßungsgetränk (blau, pappsüß mit Zuckerrand) nur direkt im Gebäudewindschatten genießen konnten. Ein Schritt vom Gebäude weg und der kalte Wind hat richtig ein einem gezerrt. Als wir dann den Check-In erledigen wollten, standen wir erst mal ein bisschen wie bestellt und nicht abgeholt herum. Keiner vom Personal wollte und wirklich wahrnehmen. Erst als wir dann nachfragten, ob wir denn jetzt einchecken könnten, nahm sich die Masseurin der Lodge unserer an. Das wichtigste war ihr, uns zu erzählen, was es zum Abendessen geben würde. Den Rest mussten wir ihr eher mühselig aus der Nase ziehen.
Ausgestattet mit unserem Körbchen (Ohropax, Zimmerschlüssel, Taschenlampe, Nothupe) ging es dann zu unserem Häuschen. Sehr schön gelegen, top eingerichtet.
Auf den ersten Blick wirklich toll. Auf den zweiten Blick: Absolut nichts für Hausstauballergiker. Und das liegt wohl nicht (nur?) am unmotivierten Putzen. Man konnte auf unseren Kindles schauen, wie sich innerhalb von einer Stunde Staubflocken dort niederließen. Ein echtes Staubeldorado! 😵
Einziges echtes Manko war der Wind. Kein Problem auf dem Weg, der auf der Rückseite der Häuschen verläuft. Sobald man nach vorne an die Abbruchkante kommt, pfeift er extrem. Und da die Häuschen natürlich typisch afrikanisch mit viel Luftdurchlass gebaut sind, pfeift er nicht nur auf der Terrasse. 😊
Der Wind machte es leider so ungemütlich, dass wir unsere ursprünglich angedachte Idee von einem Spaziergang am Canyonrand wieder über Bord bzw. in den Canyon warfen und uns einen lesenden gemütlichen Nachmittag im Häuschen machten. Die Bettdecken sind immerhin total kuschelig! 🙂
Zum Abendessen hatte der Wind leider immer noch nicht nachgelassen, was insbesondere nachteilig ist, wenn man einen Tisch am Fenster hat. Es zieht deutlich spürbar an die Beine. Ob das der Grund ist, dass die Tischplatzierung täglich wechselt und man sich jeden Tag von neuem auf die Suche nach seinem Tisch machen darf? 🤪
Am besten haben es wohl die erwischt, die in der Nähe des Feuers sitzen dürfen. Allerdings muss man dann auch bereit sein, selbst nachzufeuern, was gar nicht so einfach ist, weil man passende Ästchen durch die schmalen Öffnungen des Feuerkorbs werfen muss und es nicht allzu viele dünne Ästchen gibt. Es ist echt nett, was sich die Fish River Lodge so alles an Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Gäste ausgedacht hat. 😉
Das Abendessen (3 Gänge, keine Auswahlmöglichkeit) war geschmacklich keiner Erwähnung wert, der Service noch viel weniger. Auch für Kinder sind keine Änderungen des Speiseplans möglich. Außer beim Check-in hat man uns auch nie vorher erzählt was es gibt. Für Allergiker also auch hier eher schwierig.
Falls man am Ende des Abendessens eine Wärmflasche mit ins Häuschen nehmen möchte, sollte man das idealerweise schon zu Beginn des Abendessens sagen, sonst sitzt man nach dem Essen ewig. Vielleicht mussten sie erst Feuer machen, um das Wasser zu erwärmen? 😵
Zum Schlafen packen wir übrigens tatsächlich die Ohropax aus. Wir lassen uns normalerweise von Geräuschen nicht stören, aber dieses Pfeifen war schon ziemlich extrem. Im wirkich gemütlichen Bett, warm eingepackt und mit Wärmflasche haben wir dann aber richtig gut geschlafen. Bis Mara die Sonne, die sich durch die Vorhänge nur eingeschränkt ausschließen lies, an der Nase gekitzelt hat...