seit einigen Jahren bin ich hier stiller Mitleser und habe schon viele wunderbare Anregungen durch eure Reiseberichte bekommen, deren regelmäßige Lektüre die Arfrikasehnsucht zwischen den Besuchen etwas erträglicher macht. Wir waren im Februar 2016 zum siebten Mal im Subsaharaafrika unterwegs und dieses Mal das erste Mal mit unseren zwei kleinen Töchtern. Unsere Große ist schon ein alter Hase: Für sie war es der dritte Besuch im südlichen Afrika. Ich habe mich entschlossen dieses Mal einen Reisebericht zu verfassen, um mich einerseits für die vielen Eindrücke aus euren Berichten zu revanchieren und andererseits einen Blickwinkel zu eröffnen, der nicht so oft eingenommen wird, nämlich das Reisen in Nationalparks (und darüber hinaus) mit kleinen Kindern.
Meine Frau und ich haben im Februar einen gemeinsamen Elternzeitmonat gehabt und wollten gemeinsam mit unseren Töchtern - die große ist jetzt vier und die kleine war zum Zeitpunkt der Reise knapp unter einem Jahr alt - das südliche Afrika einmal in der Regenzeit erleben, denn vorher waren wir sommerferiengebundenheitsbedingt immer im Südwinter dort.
Als Route für unsere diesjährige Tour haben wir uns als Schwerpunkte den KTP als für uns neuen Nationalpark ausgesucht, haben dann eine kleine Schleife durch Südnamibia gedreht (Fishrivercanyon) und sind dann noch zu den Augrabiesfällen gefahren. Von Upington ging es dann per Flugzeug nach Johannesburg, um von dort aus noch einige Tage im Pilanesberg zu verbringen, den wir schon aus der Trockenzeit kannten und der uns landschaftlich sehr gefallen hat. Der Wunsch war, ihn einmal satt grün zu erleben - die vorherrschende Dürre stand uns da leider im Wege... Den Urlaub haben wir dann noch eine Woche auf Mauritius ausklingen lassen, damit die Kinder neben der Wüste auch etwas Wasser zu Gesicht bekamen...
Der genaue Ablauf gestaltete sich so: 28.1. Upington 29. und 30.1. KTP Twee Revieren 31.1. und 1.2.KTP Nossob 2.2.-4.2. KTP Mata Mata 5.2. Canyon Lodge 6.2. Ais Ais 7.2 und 9.2. Augrabies Falls 9.2. bis 12.2. Johannesburg und Pilanesberg 13.2. bis 21.2 Mauritius
Unterwegs waren wir die meiste Zeit mit einem VW-Bus, der in Sachen Platz und Funktionalität als Fotohide eine wunderbare Wahl war.
Ich würde mich freuen, wenn ihr uns noch einmal auf unserer Elternzeittour begleiten würdet!
Bald geht es los.
LG H.Badger
Teil 219. Apr. 2016
Jetzt geht es los.
Es ist Mittwoch, der 27.1.2016. Die letzten Tage haben wir fieberhaft damit verbracht, die Koffer für unsere Tour zu packen. Wer bereits einmal mit Kindern verreist ist, der weiß, dass dies einem halben Umzug gleichkommt. Am Dienstagabend sind drei Koffer fertig geschnürt. Einen teilen sich die Eltern, einen die Kinder und der dritte (und größte) beherbergt das Kinderzubehör bestehend vor allem aus Spielzeug und diversen Nahrungsmitteln. Zuvorderst die Mitnahme von tonnenweise Babybrei hat sich gelohnt, denn Südafrika ist keine Gläschenation wie Deutschland - auch in großen Supermärkten gibt es nur eine sehr beschränkte Auswahl und alles ist auch nicht immer "organic". Mittwochmittag wird dann der Fotorucksack nebst Objektivtasche geschultert, der Tagesrucksack aufgesetzt, unsere Kleine in ihr Tragetuch verfrachtet, die Große bei der Hand genommen und die Koffer mit den restlichen drei freibleibenden Händen gezogen. So geht es gemütlich zum Bahnhof und von dort aus in Richtung FRA.
Dass die Bahn Kinderabteile hat, entspannt die anstehende Fahrt sehr und so kommen wir ganz vergnügt am Flughafen an, wo wir die Koffer in Folien einwickeln lassen (was wir trotz ökologischer Bedenken tun, seit ein Koffer 2013 in Johannesburg geöffnet, durchwühlt und einige Inhalte gestohlen wurden) und ganz entspannt einchecken. Der Flug nach Johannesburg ist recht leer, sodass wir zu viert insgesamt zwei hintereinanderliegende Viererreihen besetzen dürfen. Das Fliegen mitten in der Woche hat so seine Vorteile gegenüber Wochenendflügen...
Der Flug selbst verläuft ruhig und unspektakulär. Die Große schläft auf ihrem Sitz fast durch und liebt das Fliegen sowieso. Die Kleine, deren erster Flug dies ist, trägt alles mit Fassung und bedient die Ängste der anderen Anwesenden nicht, dass jetzt die ganze Nacht durchgeschrieen wird.
Leider bekommen wir keine Babyschale mehr, was wir sicherheitstechnisch nachvollziehen können, sodass unsere kleine Tochter auf einem Elternschoß schlafen muss. Das macht sie auch ganz toll, das Elternteil, zu dem der Schoß gehört, hat jedoch wenig Zeit und Muße sich in Morpheus Arme zu begeben...
28.01.2016
In Johannesburg holen wir ein vorbestelltes Handy mit SIM ab, um auch im Busch gut erreichbar zu sein, was sich aber über weite Strecken als Fehlannahme erweisen wird.
Und dann geht es auch schon wieter via Airlink nach Upington. Auch diese kleine Maschine ist fast leer und so vergeht der kurze Flug wie, naja, wie im Fluge.
Wir überblicken die weiten der Kalahri und landen am kleinen und sehr gepflegten Flughafen der Stadt. Beschwingt geht es zum Bidvest-Schalter, um unseren VW-Bus zu übernehmen. Wir waren 2014 auch mit einem Bus in Südafrika unterwegs, damals leider in einem Ford. Der bot zwar auch jede Menge Platz, aber man konnte nur die Fahrer- und Beifahrerfenster öffnen - wer hinten saß, musste Löwen, Elfanten und Co. durch geschlossene Autoscheiben beobachten. 🙁 Der VW hat dieses Problem nicht und stellt sich als ein tolles Gefährt für uns vier heraus.
Nicht so leider die Kindersitze, die uns angeboten werden. Wir hatten, als wir nur mit einem Kind reisten, immer unseren Sitz aus Deutschland mitgebracht und dieses Mal darauf verzichtet (s.o.). Das stellt sich als ein Problem heraus, da wir - versicherungstechnisch nachzuvollziehen - die Sitze selbst montieren müssen, niemand jedoch weiß (uns eingeschlossen), wie dies funktioniert... Wir basteln also nach diesem langen Reisetag bei rund 38 Grad im Schatten eine knappe Stunde im stehenden Auto an den Sitzen herum. Die Kinder sind zum Glück geduldiger als wir und so hört man nur mich ab und an vor Verzweiflung schreien. Trotzdem sagt uns der Angestellte von Bidvest immer wieder, dass er unsere Gemütsruhe bewundere... Es gibt keine Anleitung und bei dem einen der Sitze fehlen auch einige Teile. Zum Glück gibt es am Flughafen Upington noch genau einen weiteren Kindersitz, den wir als Alternative probieren können. Wenn auch der defekt gewesen wäre, hätte das alles weitere verzögert...
Nach ewigem Gurtezerren sitzen die Sitze recht fest im Auto und die Kinder in den Sitzen. Und wir starten gen Upington...
Fortsetzung folgt (dann auch bald mit Fotos - nach der langen Reise war uns nicht danach, unseren Alltag fotographisch festzuhalten)
Teil 319. Apr. 2016
Fortsetzung 28.1.2016
Bis nach Upington sind es vom Flughafen aus nur wenige Kilometer. Wir steuern als erstes unsere Unterkunft an: die Le Must Residence, direkt am Ufer des Oranje gelegen. Nach dem Auspacken genießen wir den Garten des Gästehauses, der eine wunderschön grüne Oase in der Hitze des Tages darstellt. Wir machen ein kleines Picknick und die Kinder spielen im Gras und beobachten gespannt einen Frosch im Pool.
Nach dieser Mittagspause fahren wir zur Kalahari Mall und erledigen die nötigen Einkäufe, um die nächsten Tage als Selbstversorger im KTP gut zu überstehen. Ganz wüstenuntypisch essen wir in der Mall bei Ocean Basket, da wir das Sushi dieser Kette einfach unheimlich gern mögen. Und es sieht doch auch wirklich schmackhaft aus, oder?
Den Abend verbringen wir im Gästehaus, das übrigens sehr kinderfreundlich ist. Netterweise durften wir sowohl die Küche als auch den Speiseraum verwenden, um bspw. für unsere Kleine den Brei zu kochen.
Nach einer ruhigen Nacht geht es morgen los gen KTP und das Abenteuer beginnt. Was der erste Tag wohl bereithalten wird?
Teil 420. Apr. 2016
29.01.2016 Auf gehts in den KTP!
Nach einem gemütlichen und guten Frühstück starten wir gen Norden. Wir fahren auf der gut ausgebauten R360 durch eine schöne Dünenlandschaft, die schon Lust auf den Nationalpark macht. Die Kinder sind fröhlich, auch die Kleine sitzt ganz gern in ihrem Sitz, da sie - anders als in unserem Auto zuhause - nach vorne schaut und nicht nur die Rücksitzlehne anstarren muss. Dies spielt uns für die nächsten Tage zum Glück in die Karten.
Am späten Vormittag erreichen wir das Gate bei Twee Rivieren.
Wir erledigen die Einreiseformalitäten und verlängern unsere WildCard, denn der Eintritt beträgt derzeit 280 Rand pro Person und Tag. Da lohnt sich bei unserer Aufenthaltsdauer die internationale Familienflatrate, zumal wir ja auch noch zu den Augrabiesfällen fahren. Das ganze Prozedere dauert am südafrikanischen und namibischen Grenzposten eine halbe Stunde, die wir voller Vorfreude hinter uns bringen.
Der nächste Stopp ist das angrenzende Rastlager, in dem wir unsere Hütte beziehen. Sie besteht aus einem Vorraum mit Küche, in dem auch zwei Betten stehen und einem Schlaf- bzw. Esszimmer mit zwei weiteren Betten. Daneben noch zwei kleine Räume mit Dusche und WC. Alles recht zweckmäßig, aber völlig in Ordnung. Die Hütte hat eine Klimaanlage und der Strom wird nachts nicht abgestellt. Ein Fakt, den wir erst nach unserer ersten Nacht in Nossob so wirklich zu schätzen wissen werden... Wir tragen eines der Betten aus dem Vorraum ins Schlafzimmer, sodass wir alle gemeinsam in einem Zimmer schlafen können. Das stellt sich am Abend als gute Idee heraus...
Nach einer kurzen Mittagsrast und einem Erkundungsgang durch das Camp lassen wir an der Tankstelle den Reifendruck verringern und fahren auf einen ersten Gamedrive, wohlwissend, dass es eigentlich noch viel zu heiß ist. Aber wir sind schon so neugierig auf die Landschaft und ihre Bewohner.
Teil 520. Apr. 2016
Fortsetzung 29.01.2016
Wir entscheiden uns für die Straße in Richtung Nossob und fahren bis hinter Leeuwdril. Unterwegs haben wir erste Sichtungen.
Zuerst begrüßt uns dieser majestätische Raubadler.
Wenig später entdecken wir bei Samevloeiing ein im Schatten liegendes Löwenrudel. Bei der vorherrschenden Hitze wird sich hier nicht viel tun und wir fahren - auf den Abend hoffend - weiter. Wir sind sehr zufrieden: Keine fünfzehn Minuten im Park und schon die ersten Löwen!
Die weitere Fahrt zeigt uns viele Pantherschildkröten, einige Strauße, Oryxantilopen und riesige Siedelwebernester. Auch werden wir auf dieser Fahrt von Fotomatte auf die im Baum sitzenden Fleckenuhus aufmerksam gemacht. Danke nochmals! Dazu kommen noch Gnus mit Kälbern - da wir noch nie zu dieser Jahreszeit in der Region waren, ist Gnunachwuchs für uns ein Grund zum Freuen.
Teil 620. Apr. 2016
Fortsetzung 29.01.2016
Im schönsten Abendlicht sind wir zurück bei dem Löwenrudel, das sich jetzt ein wenig aktiver und viel fotogener zeigt. Wir stellen unseren Wagen ab und beobachten lange und versuchen dabei, auch die Kinder bei Laune zu halten, was nicht immer ganz unanstrengend ist...
Wir bleiben, bis die Sonne langsam verschwindet.
Dann fahren wir nach Twee Rivieren zurück. Wir essen im Restaurant zu Abend, das wenig Atmosphäre, aber ganz gutes Essen bietet und ziehen uns alsbald in unsere Hütte zurück. Wir haben Nachgäste: Ein Gecko jagt in der Küche und - wir hatten vorher schon davon gehört - zwei Fledermäuse kreisen über unseren Köpfen und lassen sich kurz im Schein des Kindernachtlichts erspähen. Dabei sind sie oft so sehr im Tiefflug, dass wir den Luftzug im Gesicht spüren können. Da ist es gut, dass die Kinder ganz nah bei ihren Eltern liegen können.
Teil 720. Apr. 2016
30.01.2016
Früh am Morgen zur Öffnung des Gates um 5.30 Uhr breche ich zu einer kurzen Pirschfahrt gen Nossobflussbett allein auf. Meine Frau bleibt mit den Kindern im Camp, da wir sie nach den Anstrengungen der letzten Tage nicht aus dem Tiefschlaf reißen wollen.
Unterwegs zeigen sich zwei Raubadler, die emsig im Flussbett herumlaufen und hüpfen. Sie befinden sich auf der morgendlichen Jagd.
Die weitere Fahrt führt zu Begegnungen mit einem Schabrackenschakal, Riesentrappen, einem leider sehr fotoscheuen Löffelhund und den Fleckenuhus von gestern. Auch das Löwenrudel ist immer noch am Platz und faulenzt bereits im Schatten.
Danach geht es zum Frühstück zurück ins Camp, um bald darauf gemeinsam ins Flusstal des Auob aufzubrechen.
Teil 821. Apr. 2016
Fortsetzung 30.01.2016
Nach dem Frühstück packt die ganze Familie zusammen, um gemeinsam auf die Pirsch zu fahren. Vorher werden aber noch die possierlichen Borstenhörnchen beobachtet, die ihren Bau direkt neben unserer Hütte haben. Wegen der Hitze lassen sich die Tiere nur in den frühen Morgenstunden blicken. Den Tag über ist das von Löchern übersähte Feld verwaist.
Dann geht die Fahrt ins Auob-Flusstal los. Landschaftlich ist es hier wunderschön: Sanfte rote Dünen mit Tupfern grüner Vegetation. Wildtechnisch ist aber ersteinmal sehr wenig los. Wir freuen uns nach einigen Kilometern über eine sich sonnende Ground Agama.
In der Nähe des Wasserlochs Monro liegt schließlich recht weit entfernt an der anderen Seite des Flussbetts eine Löwin im Schatten.
In der Umgebung von Kamfersboom sichten wir dann unser Vormittagshighlight - einen Geparden mit Springbockriss, der erst emsig frisst, um anschließend den Riss weiter in den Schatten zu tragen und über ihm auszuruhen.
Gemächlich treten wir nach ausgiebiger Beobachtung zufrieden die Rückfahrt an.
Teil 921. Apr. 2016
Fortsetzung 30.01.2016
Auf der Rückfahrt zeigen sich dann noch einige Tiere im Auob-Tal.
Sekretär
Gnukalb
Schabrackenschakal
Lannerfalke
In Twee Rivieren verbringen wir die Nachmittagshitze. Wir ruhen in der Hütte aus, kaufen einen Snack am Imbiss, an dem es diverses Fastfood gibt, das ganz gut essbar ist und meine Frau besucht mit unserer Großen den Pool des Camps.
Am späten Nachmittag fahren wir dann noch einmal gemeinsam raus in den Park und gen Nossob, um nachzusehen, ob das Löwenrudel noch immer an Ort und Stelle ist. Außer diesem zeigt sich uns auf der Fahrt dann auch nicht sehr viel. Es ist einfach noch zu heiß. Überhaupt nehmen die Temperaturen erst wirklich etwas ab, wenn die Sonne ganz untergegangen ist. Das sorgt dafür, dass unsere Nachmittagsdrives nicht die ergiebigsten sein werden...
Während ein Gewitter aufzieht, beobachten wir die Katzen beim Spielen, Herumlaufen und Schmusen.
Zum Sonnenuntergang geht es zurück ins Camp. Wir essen erneut im Restaurant und schlafen dann bald mit Gecko und Fledermäusen ein.
Teil 1021. Apr. 2016
31.01.2016
Heute verlassen wir Twee Rivieren. Der Aufenthalt hat uns gut gefallen. Das Camp ist zwar nicht das kleinste, aber im Vergleich zu den meisten Krüger-Camps oder bspw. Okaukuejo im Etosha doch sehr überschaubar. Und wenn man es mit der Hotelerie rund um den Pilanesberg vergleicht, ist es geradezu winzig. Aber dazu später mehr... Vielleicht hat auch zu unserem positiven Eindruck beigetragen, dass wir das letzte Chalet im Camp hatten und neben uns nur noch die Borstenhörnchen wohnten und der Blick in den Busch unverstellt war. Außerdem ist der Shop gut bestückt und es gibt ein Restaurant, was uns als Familie schon etwas entlastet hat. Und die Wildernes Camps dürfen ja sowieso erst Kinder ab 12 Jahre besuchen, was, wenn man Fotos aus aktuellen Reiseberichten ansieht, auch seine Berechtigung hat.
Nach einem kurzen Frühstück fahren wir also gen Nossob und verabschieden uns von "unserem" Löwenrudel, das uns wenigstens im Schein der aufgehenden Sonne noch eine Repräsentantin schickt.
Die nun vor uns liegenden knapp 200 Kilometer führen oft durch schöne Landschaften, die sich uns jedoch hartnäckig tierlos präsentieren. Die gesamte Fahrt verläuft ohne große Sichtungen.
An den Wasserlöchern ist oft gähnende Leere, einzig ein paar Oryx- und Kuhantilopen zeigen sich uns. Die Straße ist oft von riesigen Pfützen des Gewitters der letzten Nacht bedeckt und gerade der Teil ab etwas Dikbaardskolk ist ziemlich üble Wellblechpiste, die auch den Kindern zusetzt.
In der Mittagshitze erreichen wir schließlich Nossob.
Teil 1122. Apr. 2016
Fortsetzung 31.01.2016
Nossob erleben wir als ein sehr übersichtliches Camp, in dem uns wegen der Backofenhitze jeder Gang schwer fallen wird. Die Bauarbeiten, die gerade stattfinden, stören die Ruhe im Camp kaum. Wir beziehen eines der Reihenhaus-Chalets und machen erst einmal eine lange Mittagspause mit Besuchen am verwaisten Wasserloch und im kühlenden Pool.
Hier ein kleiner Eindruck unserer Räuberhöhle, in die sich jede Unterkunft nach kurzer Zeit unweigerlich verwandelt.
Ein abendlicher Gamedrive rund um Marie se draai ist ähnlich ereignislos wie die Anfahrt nach Nossob. Es scheint derzeit einfach recht wenig Wild in der Region zu sein.
Abends besuchen wir hoffnungsvoll erneut das Wasserloch, aber bis auf zwei Schabrackenschakale, die fleißig die vom Scheinwerferlicht angezogenen Insekten vertilgen, will sich den ganzen Abend über kein Tier zeigen.
Und dann kommt die Nacht. Über den Tag hat sich unser Häuschen schon sehr aufgeheizt. Lüften kann man kaum, da die Räume als Schlauch angelegt sind und das Schlafzimmer einen Raum von den Außenwänden entfernt ist. Und es gibt hier keine Klimaanlage, aber zum Glück müht sich der Deckenventilator redlich, die Hitze erträglich zu machen, die auch das abendliche Gewitter nicht wirklich mindert. Bis der Strom um 22 Uhr abgestellt wird. Gefühlt wird es dann in der Hütte sofort 10 Grad wärmer. Diese Nacht (und auch die nächste) wird ein Alptraum. Wir Erwachsenen schlafen kaum, die Kinder zum Glück besser als erwartet, wir kühlen sie jedoch regelmäßig mit kalten Wickeln herunter... Mitten in der Nacht hören wir häufiges Löwengebrüll. Das entschädigt ein klein wenig. Und es kommt näher...
Teil 1222. Apr. 2016
01.02.2016
Während Frau und Kinder noch schlafen, schleiche ich gegen fünf Uhr früh aus der Hütte und gehe zum Hide am Wasserloch. Es sind schon ein paar Leute da, die anscheinend auch nicht schlafen konnten. Es ist völlig finster, die Luft ist sehr angenehm. Irgendwann geht der Generator an und das Wasserloch wird in schummriges Licht getaucht. Lange dauert es nicht, dann kann man schemenhafte Bewegungen ausmachen. Da Leute mit starken Taschenlampen anwesend sind, kann die Umgebung wirkungsvoll abgesucht werden - und siehe da: Nach und nach schält sich ein ganzes Löwenrudel aus der Dunkelheit. Zuerst ziehen zwei prächtige Kater durch, bleiben aber leider nicht am Wasserloch und betreten nicht einmal den Lichtkegel. Das Foto ist allein im Taschenlampenlicht aufgenommen und daher nicht wirklich berauschend...
Danach kommen die Löwinnen und sie bleiben zum Glück am Wasserloch, bis die Sonne aufgeht. Sie trinken und die Halbwüchsigen toben ausgelassen im Flussbett herum. Ein junger Löwe ist besonders neugierig, er inspiziert das Hide von unten und platziert sich schließlich direkt neben dem Palisadengang, der zum Beobachtungsposten führt. Nach einigen Fotos laufe ich schnell zurück zu Hütte, um den Rest der Familie dazuzuholen.
Mit dem Aufgang der Sonne ziehen sich die Löwen immer weiter in die Böschung zurück. Auf der anderen Seite des Flussbetts haben sich nun aber gut sichtbar die beiden Kater niedergelassen, um den Tag zu verdösen.
Teil 1323. Apr. 2016
Fortsetzung 01.02.2016
Nach der ausgiebigen Löwenbeobachtung haben wir erstmal gefrühstückt: Baked Beans aus der Dose und Rührei geht immer... Danach haben wir eine kleine Morgenfahrt unternommen, nochmals die Schleife um Marie se draai.
Wir begegnen einigen Kuhantilopen und diesem Oryx. Der Eindruck von gestern erhärtet sich: Hier ist derzeit wenig Wild - zumal in Antilopenform - präsent. Auf einmal machen wir aus den Augenwinkeln eine Bewegung links von der Straße aus. Etwas Kleines bewegt sich durch das niedrige Buschwerk. Es ist ein Honigdachs, der, flankiert von zwei Weißbürzelsinghabichten, auf Nahrungssuche ist. 😁 Immer wieder gräbt er im Sand und die Habichte passen auf, ob ihm dabei etwas entwischt, das sie sich dann schnappen könnten. Wir können das Trio eine ganze Weile beobachten, bis der Honigdachs schließlich die Straße vor uns quert und im dichten Buschwerk verschwindet. Über diese Sichtung freuen wir uns besonders, denn Honigdachse gehören für uns zu den faszinierendsten Vertretern der afrikanischen Fauna und wir hatten noch nicht oft die Gelegenheit, einen Vertreter der Art für eine so lange Zeit bei seinem Tagesgeschäft zu beobachten.
Zufrieden fahren wir nach Nossob zurück und verbringen die Mittagszeit im Camp. Am frühen Nachmittag geht es dann noch einmal auf einen kurzen Ausflug gen Norden. Sichtungstechnisch ist nicht viel los, bei Cubitje Quap lässt sich aber ein prächtiger Gaukler beim Trinken beobachten. So schön haben wir diesen Greifvogel bisher noch nie gesehen.
Ein abendlicher Gamedrive in die gleiche Richtung ist auch wenig ergiebig, beschert uns aber unsere einzige Sichtung einer Braunen Hyäne auf dieser Reise. Das Erlebnis dauert jedoch nur zwei Sekunden, denn die Hyäne quert in hohem Tempo vor uns die Straße und verschwindet dann sofort im dichten Buschwerk. So können wir sie also auch nicht fotographisch verewigen. Das ist sehr schade, denn ich hatte gehofft, endlich mal ein passables Foto einer brauen Hyäne schießen zu können. Wir haben zwar schon auf zwei vergangenen Reisen welche gesehen (einmal auf unserer ersten Namibiatour 2008 im Namib Naukluft in sehr weiter Entfernung und 2014 im Madikwe GR, hier aber nur nachts, dafür aber zwei in einen blutigen Revierkampf verwickelt), jedoch ist uns nie ein schönes Foto gelungen. Naja, das ist wenigstens ein guter Grund, ggf. im nächsten Sommer wiederzukommen - um dann evtl. auch Erdmännchen zu sehen, die sich auch standhaft unseren Blicken entzogen haben.
Als wir ins Camp zurückkommen, sehen wir das Löwenrudel wieder in der Nähe des Wasserlochs liegen. Wir lassen den Abend also wieder mit "Lionwatching" ausklingen.
Und dann kommt die zweite Nacht in Nossob, die leider ganz so verläuft wie die erste - nur leider ohne nächtliches Löwengebrüll.
Teil 1424. Apr. 2016
02.02.2016
Nach langen Stunden stickiger Nacht erwacht ein neuer Tag. Heute geht es für uns von Nossob ins Rastlager Mata Mata. Wir fahren also ein letztes Mal durch das Flusstal des Nossob, queren dann die Dünen zwischen den Flusstälern und werden unsere letzten Tage im KTP im Auob-Flusstal verbringen.
Bevor wir uns auf den Weg machen, besuchen wir das Wasserloch, das aber leider verwaist vor uns liegt und machen noch eine kleine Rundfahrt in südlicher Richtung.
Im Morgenlicht sehen wir diesen Wiederhopf.
Auf der Rückfahrt ins Camp entdecken wir dann erneut Löwen nah an der Pad. Wahrscheinlich sind es Teile des Rudels, das wir gestern am Wasserloch in Nossob gesehen haben. Da es noch früh am Morgen ist, sind die Katzen noch recht rege. Alsbald legen sie sich aber zum Dösen hin.
Teil 1524. Apr. 2016
Fortsetzung 02.02.2016
Zurück im Camp packen wir zusammen und beobachten in der Umgebung unserer Hütte noch einige Borstenhörnchen und Fuchsmangusten mit Nachwuchs.
Nach einem kleinen Frühstück steigt die Familie in ihren VW-Bus und los geht die Fahrt gen Süden, die so einige schöne Momente bereit halten wird.
Rückblickend hat uns der Aufenthalt in Nossob vor allem wegen der vielen Löwen und des Honigdachses gefallen. Die klimatischen Bedingungen in der Unterkunft waren aber gerade für eine Reise mit kleinen Kindern nicht optimal. Wir würden - falls wir noch einmal im Sommer zurückkommen sollten - auf die gerade neu zu bauenden Hütten hoffen.
Teil 1624. Apr. 2016
Fortsetzung 02.02.2016
Am späten Morgen machen wir uns also auf nach Mata Mata. Die an der Strecke liegenden Wasserlöcher sind meist einsam und verlassen und da wir ein gutes Stück Weg vor uns haben, wagen wir es auch nicht lange an den Wasserstellen zu verweilen, um auf etwaige Besucher zu warten.
Wir bewundern immer wieder die erblühende Wüste und freuen uns über ab und an auftauchende Bewohner.
Plötzlich müssen wir scharf bremsen, weil sich eine Schlange über die Straße bewegt. Wir vermuten, dass es eine Kapkobra ist, auch wenn sie nicht so leuchtend gelb erscheint, sind uns aber nicht sicher.
Auch bei diesem Greifvogel sind wir etwas unsicher. Ist es ein Schlangenadler?
Irgendwann steht ein Wagen vor uns auf der Strecke und wir fragen, was der Fahrer gesichtet hat. Er meint, dass immer wieder ein Löffelhund auf die Straße käme, um Termiten zu fressen. Derzeit sei er aber nicht zu sehen und so macht sich das Auto dann auch auf die Weiterfahrt. Wir beschließen, eine Viertelstunde zu warten, einen Löffelhund wollen wir nämlich gern sehen. Aber er zeigt sich in unserem gesetzten Zeitfenster nicht und wir fahren weiter, nur um hinter der nächsten Kurve auf ihn zu stoßen. 😁 Er ist ganz in seine Jagd vertieft und lässt uns erstaunlich nah an sich heran kommen.
Alsbald folgt eine Straußenvater mit seinem halbwüchsigen Nachwuchs.
Und schließlich ein im Schatten dösender Gepard, den wir ein wenig beobachten, der aber natürlich keine Anstalten macht, sich bei der Hitze des Tages großartig zu bewegen. Wir haben also Zeit, unsere Blicke schweifen zu lassen und entdecken in der Straßenböschung eine Kolonie von Barking Geckos. Diese für uns neuen Tiere beobachten wir fasziniert für eine ganze Weile.
Bald nachdem wir weitergefahren sind, treffen wir auf unser einziges Eland auf dieser Reise.
Mit Blicken auf zwei Oryx verlassen wir das Tal des Nossob schließlich.
Teil 1726. Apr. 2016
Fortsetzung 02.02.2016
Hinter Dikbaardskolk biegen wir in die Dünenstraße in Richtung Auob ein. Landschaftlich ist das für uns einer der schönsten Abschnitte des Parks. Die sanften roten Dünen und die wunderbare Weite und Einsamkeit ziehen uns in ihren Bann. Da beide Kinder schlafen, halten wir aber leider kaum einmal an, wir wollen nicht Gefahr laufen, sie zu wecken. Daher machen wir kaum Fotos von dieser traumhaften Landschaft. Tierbegegnungen haben wir auf den rund 40 km der Strecke nur wenige. Der Höhepunkt in dieser Hinsicht sind zwei Sektretäre, die aus einer Straßenpfütze trinken. Auf dem Weiß der Straße sehen sie ganz unwirklich aus.
Im Flusstal des Auob ist es bereits recht grün. Auf der Ebene zwischen den Dünenkämmen grasen große Springbockherden. Paradiesische Bilder.
Nach einigen Kilometern, die wir das Flusstal gen Norden durchfahren, treffen wir einmal mehr auf Löwen. In diesem Fall ist es ein Pärchen, das sich wohl zu Paarungszwecken vom Rudel separiert hat. In der Hitze des Tages ist an Paarung aber nicht zu denken und daher liegen beide nur faul unter einem Baum am Straßenrand und würdigen uns nur weniger müder Blicke.
Wir bleiben eine Weile bei den beiden Löwen und fahren dann weiter Richtung Mata Mata, stoppen aber nach kurzer Zeit ein weiteres Mal, da wir unter einem Baum rechts von der Straße eine Falbkatze entdecken, die uns müde entgegenblickt. Wir hatten gehofft eine Afrikanische Wildkatze im KTP zu entdecken und freuen uns, dass dieser Wunsch nun in Erfüllung gegangen ist.
Die weitere Fahrt führt uns an vielen Vertretern der Giraffen des Parks vorbei, was vor allem unsere ältere Tochter freut, da sie die Tiere sehr gern hat. Auch unsere Kleine beobachtet fasziniert: Hier zeigt sich etwas Großes, das sich dazu auch noch bewegt...
Am späten Nachmittag erreichen wir das Rastlager Mata Mata, erledigen schnell die Formalitäten und beziehen unser wirklich ganz wunderbares Riverfrontchalet, das mit einem großzügigen Wohnbereich, zwei Schlafzimmern und Bädern und einer ausgedehnten Terrasse mit Blick auf das Flussbett unsere Erwartungen weit übertrifft.
Nach dem abendlichen Gewitter zieht es uns alsbald ins Bett.
Teil 1826. Apr. 2016
03.02.2016
Den heutigen Tag verbringen wir mit kleineren Ausfahrten und größeren Pausen in und um Mata Mata. Während meine Frau mit den Kindern noch im Chalet bleibt, fahre ich zur Gateöffnungszeit auf eine kurze Pirschfahrt, die jedoch über weite Teile nur ein wildloses Flusstal zeigt. Neben der Straße entdecke ich dann aber doch noch eine Afrikanische Wildkatze auf einem dicken Ast und beobachte sie ein wenig.
Während ich mit dem Auto herumfahre und die Fotoausrüstung bei mir habe, können meine Frau und die Kinder aus dem Schlafzimmerfenster zwei Löwenkater beobachten, die zum Trinken zu der Wasserstelle kommen, die vielleicht dreißig Meter hinter unserer Hütte liegt. Für mich bleibt dieser Tag der einzige ohne Löwen im KTP.
Nach einem gemeinsamen Frühstück fahren wir gemeinsam ins Auobtal. Neben einigen noch ganz frischen Springböcken stoßen wir schon wieder auf eine Wildkatze. Mit so regelmäßigen Sichtungen hatten wir wirklich nicht gerechnet.
In der Nähe des Vierzehnten Bohrlochs treffen wir dann auf unseren Sichtungshöhepunkt des Tages. Mitten im Flussbett - und damit zwar relativ weit entfernt, aber man will sich ja nicht beschweren - spaziert ein Leopard und inspiziert sein Revier. Wir können ihn lange dabei begleiten. Seelenruhig marschiert er an Büschen und Bäumen vorbei, schnuppert mal hier und mal da und verschwindet auch mal für einige Minuten im Gebüsch. Plötzlich aber bricht Hektik aus: Der Leopard setzt zu einem Sprint an und springt von unten an die Äste eines Kameldornbaums. Er lässt wieder ab und setzt dann zu einem zweiten Versuch an. Dieses Mal jagt er drei Wildkatzen aus dem Baum heraus. Zwei entwischen sofort, der dritten setzt er nach und erwischt sie kurze Zeit darauf. Beide Katzen kugeln sich als Knäuel über den Boden, bis sich die Wildkatze irgendwie befreien kann und davonrast. Der Leopard schaut ihr noch kurz hinterher und zieht dann weiter seiner Wege, wohl auf weitere Jagdchancen hoffend. Wir sind wie elektrisiert. Einen Leoparden bei der Jagd haben wir noch nie zuvor beobachten können. Auch wenn die Fotos in Sachen Schärfe nicht unsere besten sind - die Distanz und vor allem die Aufregung haben dafür schon gesorgt - werden diese Momente sicher zu den bleibendsten Tiererlebnissen dieser Reise zählen.
Den Nachmittag verbringen wir im Camp. Am Pool treffen wir tatsächlich zwei Familien aus Deutschland, die unabhängig voneinander Elternzeittouren in Südafrika und Namibia verbringen. Wir bestätigen uns gegenseitig, dass das Reisen mit kleinen Kindern doch eine wunderbare Sache ist - allen Unkenrufen von Daheimgebliebenen zum Trotz.
Den Abend lassen wir bei einem gemütlichen Lagerfeuer auf unserer Terrasse ausklingen.
Teil 1927. Apr. 2016
04.02.2016
Auch an unserem letzten vollen Tag im KTP bleiben wir in der Nähe von Mata Mata und fahren vor allem im Auob-Tal herum, unterbrochen von einer langen Mittags- bzw. Nachmittagsrast im Camp.
Unsere erste nennenswerte Sichtung ist wieder eine Wildkatze, dieses Mal ein noch recht junges Exemplar. Im Baum daneben entdecken wir kurz darauf eine ausgewachsene Katze, vielleicht die Mutter der kleinen. Beide lassen sich von uns nicht stören und so können wir sie für eine lange Weile beobachten. Ein schöner Start in den Tag.
Wir fahren an vielen Springböcken, Gnus und Giraffen vorbei, die allesamt das junge Grün genießen.
Bis uns schließlich am Ende der Dalkeith-Schleife vier männliche Geparde entgegenkommen, vor uns die Straße kreuzen und neben uns an der Düne entlangwandern. Wir folgen ihnen und können sie immer wieder zwischen den Büschen dabei erspähen, wie sie Pausen einlegen oder ihr Revier markieren.
Wir verabschieden uns irgendwann von den Vieren und fahren Richtung Dreizehntes Bohrloch, zu der Stelle, wo der Leopard gestern im Gebüsch verschwunden und nicht wieder aufgetaucht ist. Tatsächlich erblicken wir ihn für einen kurzen Moment, aber bevor der Fotoapparat gezückt ist, verschwindet er schon wieder in seiner Deckung, um in der nächsten Zeit nicht mehr aufzutauchen.
Zum Sonnenuntergang bekommen wir Besuch, während wir auf der Terrasse sitzen. Zwei Löwinnen kommen zum Trinken die Dünen herab und wählen die Wasserstelle vor unserem Häuschen. Ganz ohne den Schutz des Autos und nur durch eine nicht sehr hohe Mauer und einen eher symbolisch wirkenden kleinen elektrischen Draht von den Tieren getrennt, nimmt man die großen Katzen doch noch einmal ganz anders wahr. Wir versuchen möglichst still und bewegungslos zu sein, auch unsere große Tochter beobachtet ganz konzentriert. Wir freuen uns riesig darüber, dass die Löwen zum Abschluss unseres KTP-Aufenthalts noch einmal vor unserer Haustür vorbeikommen und speichern das Riverside-Chalet endgültig als Pflichtunterkunft für unseren nächsten Besuch ab. Haben wir die letzten Nächte die Fenster unseres Schlafzimmers, die auf das Flussbett hinausgehen geöffnet gelassen, um nach Abstellung des Stroms noch an ein wenig Frischluft zu kommen, so verzichten wir nach dieser Begegnung lieber darauf. Denn vor den Fenstern ist nicht einmal der kleine Stromdraht gespannt. (Nicht, dass wahrscheinlich wäre, dass etwas passieren könnte...)
Und so bricht unsere letzte Nacht im wundervollen Kgalagadi an und ich bedanke mich an dieser Stelle schon einmal bei allen Kommentatoren, Danke-Drückern (beides motiviert sehr!) und stillen Mitlesern.
Teil 2029. Apr. 2016
05.02.2016
Heute heißt es leider Abschied nehmen - wir verlassen den KTP Richtung Namibia. Vorher geht es aber noch einmal auf einen kurzen Gamedrive. Da wir den Leoparden die letzten zwei Tage rund um das Dreizehnte Bohrloch gesichtet haben, soll das Glück noch einmal versucht werden... Bald hinter Mata Mata kreuzt auch schon eine erste Katze den Weg. Wie jeder Tag in dieser Ecke des Parks, beginnt auch dieser mit einer Wildkatzensichtung. Man soll sich schließlich treu bleiben.
In der schönsten Lichtstimmung liegt das Flusstal zu Füßen der Dünen. Ein Raubadler sitzt hübsch fotogen auf einem Ast und die Springbockherden grasen im Morgendunst.
Und dann sehe ich im Gegenlicht weit entfernt eine Katze mitten im Flusstal auf mich zukommen. Von der Silouette her müsste es ein Leopard sein. Ich bremse und schnappe mir die Kamera. Als ich kurz darauf aufblicke, ist der Umriss verschwunden. War hier der Wunsch Vater des Gedankens? Ich war mir doch so sicher... So lange ich auch die Gegend absuche, ich finde nichts Katzenartiges. Enttäuscht und etwas verwirrt geht die Fahrt zum 13. Bohrloch weiter. Dort findet sich aber auch kein Hinweis auf den Leoparden. Also kehrt gemacht, denn wir wollen ja heute noch eine weite Strecke in Namibia hinter uns bringen.
Auf halben Weg zurück, ganz in der Nähe des mysteriös verschwundenen Leoparden, stellt sich heraus, dass die Sichtung keine Sinnestäuschung war. Ich sehe den Leoparden gerade über den Dünenkamm aus dem Flusstal verschwinden und mache schnell noch einige nicht sehr tolle Beweisfotos. Dabei hoffe ich insgeheim, dass das Tier vielleicht doch noch einmal Kehrt macht. Und der Leopard enttäuscht die Hoffnung nicht. Die nächste halbe Stunde lässt sich die kleine, schlanke Leopardin ausgiebig bei der Inspektion ihres Reviers beobachten und ablichten. Oft trennen uns nur wenige Meter voneinander und eine ganze Zeit sind wir auch fast allein. Auch das ist das Schöne am KTP: Man beobachtet die Löwenrudel, Geparden und Leoparden in aller Regel ganz allein oder teilt die Sichtung mit nur wenigen und in unseren Fällen auch sich stets sehr angemessen verhaltenden anderen Reisenden. Ganz anders als bspw. im Krüger, wo wir schon manches Mal vor Autos die Löwen kaum gesehen haben. (Nicht, dass der Eindruck aufkommt, wir würden den Krüger NP nicht mögen, wir waren immer sehr gern dort... aber der KTP ist nach dieser Woche eindeutig in die erste Riege der Sehnsuchtsorte im südlichen Afrika aufgestiegen.)
So stolz und schön:
und so agil.
Die Begegnung mit einem Leoparden bleibt einfach immer etwas ganz Besonderes. Da fällt der Abschied aus dem KTP gleich doppelt schwer...
Glücklich geht es zurück nach Mata Mata. Wir packen unsere Sachen zusammen, checken aus und freuen uns auf Namibia!