verbringe ich die kalten Monate in Afrika, überwiegend in Ostafrika, hin und wieder in Sambia, Botswana, Namibia oder Südafrika. Auch in Afrika vergeht die Zeit im Flug. Nun sind es bereits knapp vier Wochen seit ich - am 14.12.15 in Nairobi gelandet bin. Bevor ich mich wieder auf Safari begebe, will ich deshalb ein paar Lebenszeichen von mir geben und einige Situationen schildern, die ich meist sehr genossen habe. Es ist wenig Neues dazu gekommen, das ich nicht bereits in den vergangenen 50 Jahren (ja, im Oktober werden es 50 Jahre sein, seit ich, mit meinem Bruder, zum ersten Mal in Kenia gelandet bin – damals noch mit einem Passagierschiff und einer Fahrt von Marseille nach Mombasa, die genau zwei Wochen dauerte) ein- oder mehrmals erlebt habe. Das schmälert den Erlebniswert aber nicht im geringsten. Im Gegenteil: viele Situationen vermitteln mir ein nach-Hause-kommen Gefühl, das mir in der Schweiz in dieser Intensität fehlt.
Von Nakuru aus, wo mein Weihnachtsgeschenk am 24.12. darin bestand, dass mich die Polizei in Eldoret nicht einlochte, fuhr ich am Weihnachtstag zum Bogoriasee, der einst für seine Hunderttausende von Flamingos, für seine heissen Quellen und die fauchenden Geysire berühmt war. Alles Tempi passati: Zwergflamingos waren ungefähr 50 dort, wenn es hoch kommt 60 und der Wasserstand des Lake Bogoria ist (schon seit Jahren) so hoch, dass die heissen Quellen und die Geysire alle unter der Wasseroberfläche liegen. Die Strasse dem See entlang ist ebenfalls zum Teil meterhoch überschwemmt und die Parkverwaltung hat eine neue quer durch den Busch und über die Hügel mit Bulldozern und Strassenhobeln gefräst. Potthässlich und abschreckend. Der Game Park im jetzigen Zustand ist es nicht mehr wert, besucht zu werden. Hinzu kommt, dass die Eintrittsgebühren um mehr als 100% angehoben wurden. Gegenwert? Nichts oder, wenn man so will, einen Park voller Abfälle. Zumindest an Weihnachten kamen die Einheimischen in wahren Massen, hielten lautstark Picknicks ab und liessen den ganzen Takataka (Abfall) liegen: Bierbüchsen, Plastikflaschen, Windeln, Papier- und Taschentücher, Eierschalen, Plastiksäcke...
Es geht die Mär, dass die schwefelhaltigen Dämpfe der heissen Quellen den jungen Frauen Schönheit schenken. Ich bezweifle das, denn meine kenianische Ex hat sich ohne sichtbaren Erfolg Stunden lang den Dämpfen ausgesetzt, bis sie im Gesicht zitronengelb war.
Teil 217. Jan. 2016
Hallo und guten Abend, heute am späteren Nachmittag bin ich aus Buffalo Springs und dem Samburu National Reserve wieder nach Nanyuki zurück gekehrt - zusammen mit 6750 Bildern, die ich jetzt gerade von den Chips auf externe HDs runterlade. Vielen Dank für euer Feedback auf meine Geschichten. Die nächsten werden folgen, aber habt bitte ein bisschen Geduld - zuerst kommen die Bilder, dann eine Anzahl privater Mails und am Schluss, weil's Spass macht, News aus den beiden Reservaten. Ende kommender Woche gehts dann über Nyahururu, Nakuru, Naivasha nach Narok und in die Massai Mara - sofern der Wagen, das Wetter und die Polizei mitspielen. Ich darf schon mal verraten, dass ich auch bei der letzten Safari von der Polizei in Isiolo "auseinander" genommen wurde und eine Stunde lang im Verhör geschwitzt habe... Schönen Abend und Gruss aus Nanyuki, das gerade von einem monumentalen Regenguss heimgesucht wurde - mit dem obligaten Stromausfall natürlich. Jetzt allerdings ist die Power zurück. M.
schon mal ein Müsterchen aus dem Samburu!
Teil 319. Jan. 2016
Kurzes Intermezzo in Nanyuki
Am 16. Oktober 2016 werden es 50 Jahre sein, seit ich zum ersten Mal afrikanischen Boden, in Mombasa, - mit einem französischen Schiff von Marseille kommend - betrat und eine erste Safari von sechs Monaten machen konnte. Es war die beste meiner über 100 Reisen durch alle Kontinente und zahlreiche Länder. Meine Lieben zuhause finden es langsam an der Zeit, mit der Herumreiserei aufzuhören und meinen Lebensabend "zuhause" zu geniessen - mit Filzpantoffeln, RTL und Enkeltochter. Bisher habe ich das Ansinnen meiner Kinder weit von mir gewiesen, auch wenn ich zugebe, dass die Räder des LandCruiser jedes Jahr ein Stück schwerer werde, wenn ich eines wegen eines Plattfusses wechseln muss. Im Notfall steht aber meist ein Dutzend junger, kräftiger Burschen in der Gegend rum und die Jungs sind gerne bereit, Hand anzulegen. Gestern ist mir aber etwas passiert, das mir zu denken gibt, auch wenn es einer gewissen Situationskomik nicht entbehrt (die ich, weil sie mich selbst betrifft, allerdings nicht besonders amüsant finde).
An der Hauptstrasse erstrecken sich Dutzende von kleinen und grösseren Shops
Auf der Suche nach...
Nach einer Safari, wie ich sie im Buffalo Springs und im Samburu Reservate erlebt habe, merkt man meistens, dass entweder am und für den Wagen irgendwelche Teile fehlen oder man selbst etwas entbehrt. Das ging mir auch diesmal so und ich wollte das Fehlende in Nanyuki kaufen, bevor die nächste Safari - vermutlich in die Massai Mara - in Angriff genommen wird. Was ich unbedingt einkaufen musste, waren ein paar Meter hundsgewöhnlichen, biegsamen Draht, mit dem man einen gebrochenen Auspuff fixieren kann, ein Türscharnier oder das Kühlergitter, dessen Schrauben sich aus dem Staub gemacht haben. Also fuhr ich zum grössten, bestsortierten Hardware Shop Nanyukis, zu Modsan, der von einem indischen Familienclan hervorragend geführt wird und ein Sortiment hat, um das ihn jedes deutsche und schweizerische Eisenwarengeschäft beneiden würde. Ich parkte den LandCruiser vor Modsan und betrat das Geschäft, nur um festzustellen, dass es zum Bersten voll war. Geduld ist nicht gerade meine Stärke (schliesslich bleibt mir nicht mehr soviel Zeit...!) und so verliess ich Modsan und suchte ein anderderes, kleineres Hardwaregeschäft auf, das wenige Dutzend Meter von Modsan entfernt ein eher kümmerliches Dasein fristet.
Da steht mein LandCruiser noch im Angesicht von Modsan. Ich träume doch nicht!
Ich war der einzige Kunde und meine Frage nach Draht wurde mit einem "ham' wir nich'" beantwortet. Natürlich auf Swahili. Die Besitzerin empfahl mir einen weiteren Hardware Shop, fast am anderen Ende der Kenyatta Avenue und ich machte mich auf den Weg dorthin. Dort gab's auch keinen Draht, aber den Tipp, es bei dem Eisenwarenhändler soundso zu versuchen, der wiederum eine halbe Meile entfernt war. Und siehe da: Eisendraht in der gewünschten Dicke war vorhanden, aber meinem Ansinnen, zwei bis drei Meter zu kaufen, wurde nicht entsprochen. "Wir verkaufen Eisenwaren per keidschi." Das heisst übersetzt per Kilogramm. Der Verkäufer erklärte sich ausnahmsweise bereit, mir ein halbes Kilogramm zu verkaufen, was er Phi mal Schnauze machte und ich den Laden mit mindestens einem keidschi besten Drahts verliess. Frohgemut machte ich mich zu meinem LandCruiser auf und nahm den Weg unter die Füsse.
Als ich nach einer halben Stunde zurück kehre, steht der Wagen nicht mehr da. Oder sieht jemand das Auto auf dem Bild unten? Gestohlen, ist es mir durch den Kopf gefahren.
Als ich bei Modsan ankam, traf mich um ein Haar ein Schlaganfall: mein Wagen war verschwunden! Ich gestehe, dass mir mein Herz in die Hosen fiel und unten raus. Meine ganzen Habseligkeiten, vor allem die teure Fotoausrüstung, die Geldmittel, Ausweise und was man halt so auf einer ausgedehnten Reise mit sich rumschleppt, hatten sich verflüchtigt. Ehrlich - ich empfand keine Freude. Alte Autos sind in Afrika gesucht und begehrt. Diebesbanden klauen sie und bringen sie innerhalb kürzester Zeit in einen Hinterhof, wo sie auseinander geschraubt und als gesuchte Ersatzteile verkauft werden. Angeblich ein Riesengeschäft.
Na, für ein paar Kilos mehr findet sich immer noch ein Plätzchen. Und ganz zuoberst sitzen dann die Mitfahrer
Der indisch-kenianische Nakumatt-Konzern hat sich in ganz Ostafrika ausgebreitet und ist in jeder grösseren Stadt Kenias zu finden. Gut und teuer
Ein beliebtes Ziel weisser Besucher ist der Lilly Pond, durch den der Äquator führt. Hier trifft sich an den Wochenenden die einheimische Jugend und die Möchtegern-Schickeria
Die in Europa gesammelten Altkleider gehen ausnahmslos nach Afrika. Wer nicht unbedingt nach letzter Mode gekleidet sein will, kann sich in Kenia sehr, sehr preiswert einkleiden
Die Motorradfahrer bzw. die Räder - BodaBoda genannt - sind zu einer Seuche im schon vor ihrer Zeit chaotischen Verkehr geworden und verhalten sich noch schlimmer und unberechenbarer als die berüchtigten Matatu-Fahrer mit ihren Kleinbussen
Teil 419. Jan. 2016
Guter Rat ist teuer
Ich suchte einen der gelben Kanarienvögel, Männer und Frauen, die im Auftrag der Kommune Parkgelder kassieren. Logischerweise war keiner weit und breit zu sehen. Als ich einen fand und ihm erzählte, was mir bzw. dem Wagen passiert sei, schüttelte er den Kopf und sagte "in Nanyuki wurde noch nie ein Wagen geklaut oder aufgebrochen. Wir haben zwar öfter mal einen Mord oder Totschlag - aber Wagen klauen, nein, das gibt's bei uns nicht". Nun, dachte ich, dann lande ich im Guinness Buch der Rekorde als erster Mzungu, dem in Nanyuki das Auto sozusagen unter dem Hintern geklaut wurde. Und ich war auch noch selber schuld, denn aus reiner Bequemlichkeit hatte ich einen verborgenen Schalter, der den Stromkreis zur Zündung unterbricht, nicht umgelegt. So eine Sch...
Im Notfall - oder um Geld zu sparen - haben drei Erwachsene und der Fahrer auf einem BodaBoda Platz!
Der Parkplatz-Ticketverkäufer - er hiess Thomas, wie ich später erfuhr - schleppte mich in ein Geschäft und fragte, ob jemand gesehen habe, wie mein LandCruiser vor ihren Augen gestohlen worden sei. Nein, niemand. Man riet mir, mich so schnell wie möglich mit der Polizei in Verbindung zu setzen - die Jungs seien ganz schön fix und würden den LandCruiser bald finden. "Hat jemand die Nummer der Polizei?" fragte ich die umstehenden Leute - es waren inzwischen sicher zwei Dutzend, die alle den Kopf schüttelten. "Am bestens ist es, du nimmst ein BodaBoda und fährst gleich selbst hin - dann geht es schneller," meinte einer. Da ich aber mit der Polizei auf Kriegsfuss stehe - oder besser gesagt, sie mit mir, legte ich keinen gesteigerten Wert auf ein Treffen.
Der Parkschein-Verkäufer, ein überaus lieber und hilfsbereiter junger Mann, deutete auf einen gelben LandRover und fragte "ist es nicht der da?" und als ich verneinte, auf einen grünen LandCruiser... "Hör mal mein Freud, du hältst mich wohl für blöd?", "Nein", sagte er, "aber man wird noch fragen dürfen". Womit er recht hatte. Dann zeigte er zum fernen Horizont, weit die Strasse hinunter Richtung Samburu und sagte "dort unten steht auch ein weisser". So weit wie mein Helfer sehe ich nicht mehr scharf - aber ich traue mich fast nicht, es zu sagen: Dort unten, fast am Ende der Welt, stand mein gesuchter LandCruiser. Unberührt, sozusagen jungfräulich, sofern man das von einem 27 Jahre alten Auto sagen kann, das 310 000 km auf dem Buckel hat. Ich weiss bis heute nicht, wie der Wagen dorthin gekommen ist!
Als ich heute wieder in die Stadt fuhr und vor Modsan parkierte, kam Thomas angerannt. Er strahlte über's ganze Gesicht und meinte "Mzee, ich passe auf deinen Wagen auf. Und wenn du nicht mehr weisst, wo du ihn hingestellt hast, dann sag ich es dir." So liebenswürdig sind die meisten Kenianer und die Hilfsbereitschaft von Thomas war mir 100 ksh wert, obwohl ich heute ganz genau wusste, wo ich den LandCruiser wieder finden würde. Nebenbei: Fast ganz Nanyuki kennt inzwischen meine Geschichte und ich werde immer wieder gefragt "hast du den gestohlenen LandCruiser wieder gefunden?"
Consolata ist die Köchin im Lilly Pond
Moses bedient die Gäst im Liily Pond IMMER mit einem Lächeln
Mary hat früher auch im Lilly Pond gearbeitet, betreibt aber heute eine kleine Agentur für lokalen Tourismus. Sie hat mich gebeten, ihr einen Mann aus Deutschland oder der Schweiz zu vermitteln. Ihre drei Kinder wünschen sich einen Papa - der ursprüngliche ist abgehauen, wie das in Kenia hin und wieder, um nicht zu sagen oft, passiert.
Sophia arbeitet im Kenchick und serviert knusprig frittierte Hähnchen
Joseph hat einen Halbtagesjob: am Vormittag verkauft er Zeitungen
Thomas hat versprochen, solange ich in Nanyuki bin, auf mich aufzupassen...
Übrigens: Ich bin ein Stück weit in das kalte, regenreiche Nanyuki verliebt und kann nicht einmal sagen wieso. Deshalb widme ich der Stadt einige Bilder und hoffe, sie noch oft und lang besuchen zu können. Vor allem auch deshalb, weil hier noch nie ein Auto gestohlen worden ist!
Teil 519. Jan. 2016
Botswanadreams schrieb: Na lieber M., das Muster ist ja schon mal vielversprechend und bei 6750 Bildern kann es wohl gar nicht so schlecht gewesen sein, wie Du vermutet hattest. LG Christa
Hallo Christa, nein, nein, ich habe nichts vermutet, sondern das wiedergegeben, was ich zugetragen bekam. Zum Glück hat sich die Futtersituation durch viel Regen Ende November/Anfang Dezember für die Viehhalter so weit verbessert, dass sie ihre Tiere nicht mehr in die National-Reservate treiben müssen (Ausnahme: Shaba, wo vor allem Ziegen- und Schafherden sind). Gruss M.
Ziegen- und Schafherde im fast trockenen Uaso Nyiro, aufgenommen von der Waso-Bridge aus, die Buffalo Springs und Samburu miteinander verbindet.
Teil 619. Jan. 2016
Doppelpost... Dafür ein alter Herr, der ziemlich aufgebracht war.
Teil 722. Jan. 2016
Lang, lang ist's her
Als ich 1966 mit meinem Bruder das erste Mal nach Kenia kam, war eines unserer ersten Ziele das Samburu National Reserve. Damals begann allerdings bei Isiolo die sogenannte "Northern Frontier", d.h. man konnte das ganze nördliche Kenia nur mit einer Spezialbewilligung bereisen. Der Grund waren umher streifende Somalibanden, die Shiftas, die für zahlreiche Überfälle und Morde verantwortlich waren. Obwohl der Samburu-Park nur 30 km nördlich von Isiolo liegt, musste man sich für seinen Besuch in Nairobi ein Permit besorgen, dessen Ausstellung sechs bis acht Wochen benötigte. Wir hatten weder Lust noch die Zeit, auf eine Bewilligung, die möglicherweise nicht erteilt wurde, zu warten, sondern reisten mit unserem VW-Bus auf gut Glück von Nairobi nach Isiolo. Dort angekommen, fuhren wir zur vom Militär blockierten Strasse, wo man uns mit der Begründung abwies, dass uns die vorgeschriebene Bewilligung fehle. Wir behaupteten, in Nairobi habe man uns gesagt, dass wir das benötigte Permit direkt in Isiolo erhalten könnten. Der Offizier, zu dem man uns gebracht hatte, schimpfte wie ein Rohrspatz auf "diese Sesselfurzer in Nairobi" - gab uns aber, oh Wunder, eine Ausnahme-Genehmigung für drei Tage Samburu-Wildreservat!
Es dauerte noch einige Jahre, bis die Restriktionen bezüglich der "Northern Frontier" aufgehoben und die Shiftas in den Nordosten des Landes vertrieben wurden, wo sich die Banden bis zum heutigen Tag herum treiben, Busse und LKWs überfallen und Leute umbringen. Die Zufahrt zu den drei Reservaten Shaba, Buffalo Springs und Samburu ist aber zur Zeit problem- und gefahrlos möglich; seit einigen Jahren sogar auf einer guten und breiten Teerstrasse. Bevor der Tourismus aus verschiedenen Gründen, die hier nicht aufgezählt werden sollen, vor einigen Jahren zusammenbrach, gehörten Buffalo Springs und Samburu zu den meistbesuchten Schutzgebieten Kenias, während das Shaba-Reservat eher ein Dornröschen-Dasein fristet und lange nicht so gut erschlossen ist, wie die beiden anderen. Die besten Chips (Pommes) Kenias
Nach ein paar Tagen Aufenthalts in Nanyuki, dem Besuch alter Freunde und meiner bewährten Autowerkstatt, in der mein LandCruiser nach Strich und Faden "verwöhnt" wurde und einen grossen Service erhielt, fuhr ich dem Buffalo Springs National Reserve entgegen.
Die Strasse stieg von Nanyuki, das auf rund 1 950 m ü.M. liegt, bis auf über 2 500 m ü.M. an und führte an ausgedehnten Weizen- und Gerstenfeldern vorbei. Hier oben, am Fusse des Mount Kenya, fällt relativ viel Regen und zwar nicht nur während der Grossen (oder Langen) und der Kleinen (oder Kurzen) Regenzeit, sondern das ganze Jahr. Das begünstigt den Getreideanbau, der fast ausschliesslich in den Händen weisser Farmer - Engländer, die in 4. und 5. Generation im Land sind - liegt.
Fast die Hälfte der Getreideerträge stammen aus diesem Gebiet. Auf einem schmalen Streifen zwischen dem Farmland und der Hauptstrasse bauen die kenianischen Farmarbeiter Kartoffeln, Sukuma Wicki (Brassica oleracea) an, eine Pflanze, die mit dem Kohl verwandt ist und fast täglich zusammen mit Ugali, Maisbrei, gegessen wird. Ich - und so gut wie alle meiner weissen Freunde - verstehen unter Delikatesse allerdings etwas anderes... Das Gemüse sieht ähnlich aus wie unser einheimischer Mangold. Angebaut auf diesen schmalen Streifen Kulturlandes werden auch Mais, seltener Hirse, Gerste und weitere Feldfrüchte. Die Kartoffeln aus diesem Gebiet sind von ausserordentlicher Qualität und erzielen auf den lokalen Märkten beste Preise.
44 km nördlich von Nanyuki steht eine kleine Baracke (GPS N: 00°06.412 E: 037°24.543, 8223 feet), in der einheimische Frauen ein lokales Restaurant eingerichtet haben, in dem es die vermutlich besten Chips/Pommes (in Kenia nennt man Pommes frites chips und das, was wir unter Chips verstehen Crisp) gibt: Chuckies Chips Restaurant. Für 100 ksh bekommt man einen mächtigen Teller voller Pommes. Angeboten wird auch eine Art dicker Suppe, die Green Germ genannt wird und aussieht wie gekotzte Hundesch... in die noch eine kleine Schaufel Chips geschmissen wird und bei den Kenianern helle Begeisterung auslöst. Auf meine Frage, um was es sich bei der Green Germ handle, meinte eine der Frauen "um eine Art Linsen". Ich weiss nicht, ob der biblische Esau seinem jüngeren Bruder Jakob sein Erstgeburtsrecht für einen Teller Green Germ verkauft hätte...
Schon wieder Terrorismusverdacht?
Vom Chuckies Chips Restaurant sind es noch 35 km nach Isiolo, dem Tor zum Norden und zu den oben erwähnten Schutzgebieten. Von rund 2 500 m ü.M. geht es bis auf 900 m ü.M. hinunter und zwar so steil, dass überall Warntafeln stehen, die darauf hinweisen, dass LKWs mit dem kleinsten Gang abwärts fahren sollen. Ab und zu liegt ein umgestürzter Laster mit Anänger im Strassengraben. Beim technischen Zustand der Lastzüge wundert man sich, dass nicht noch mehr passiert. Ich nahm's gemütlich und schaute mir die schöne, fruchtbare Gegend ausgiebig an. Auf halber Strecke passierte ich die Einfahrt zur Lewa Wildlife Conservancy (http://www.lewa.org/), ein berühmtes privates Wildschutzgebiet, das aus dem Zusammenschluss mehrerer "weisser" Farmen entstanden ist und, je nach Quelle, 55 000 bis 60 000 acres gross ist (ein acre misst ca. 4047 m2). Anders als die staatlichen Wildschutzgebiete ist die Lewa Downs, wie sie auch genannt wird, professionell gemanagt und bestens organisiert. Eintritt und Unterkunft bewegen sich allerdings in astronomischen Höhen. Als Gegenleistung erhält man jeden denkbaren Luxus, eine Spitzenküche und zweimal pro Tag ausgedehnte Pirschfahrten. Und zu sehen gibt es viel: alle Big Five - Lewa ist vor allem für seine Rhinos bekannt -, Netzgiraffen, Steppen- und Grévyzebras, ein Dutzend verschiedener Antilopen und fast 400 verschiedene Vogelarten. Da ich mir einen Aufenthalt weder leisten konnte noch wollte, beschränkte ich mich darauf, den Eingang zu fotografieren. Es dauerte keine zehn Sekunden, bis ein Parkwächter in Tarnuniform aus seinem Häuschen stürzte, wild gestikulierte und schrie "no pictures, no pictures". Na, wenn du meinst, dachte ich und fuhr dem nahen Isiolo entgegen.
Teil 822. Jan. 2016
Isiolo ist eine Gangsterstadt, in der es wöchentlich, oft täglich bzw. nächtlich zu Schiessereien und Auseinandersetzungen kommt. In und um der/die Stadt leben fast ein Dutzend verschiedene Ethnien, die sich meist nicht grün sind und nicht lange zögern, mit alten Flinten, aber auch Kalaschnikovs aufeinander zu ballern. Die "Nation" und der "Standard" berichten regelmässig von fünf, sechs und mehr Toten. Turkanas, Gabras, Rendille, West-Pokot, Borana, Kikuyus und Samburus gehen aufeinander los. Die Stadt hat eine gewaltschwangere Atmosphäre und ich mag sie nicht, sondern bringe sie immer so schnell wie möglich hinter mich. Als ich schon fast hindurch gefahren war, überholte mich einer dieser verhassten dunkelblauen Polizei-LandCruiser und ich wurde an den Strassenrand gewinkt. Zwei blau gekleidete Polizisten, zwei Meter hoch und einen breit, und ein kakibekleideter, mit einem Stöckchen bewehrter Offizier stiegen aus und kamen auf mich zu. Der Kakioffizier, steif wie ein Ladestock, verlangte meinen Führerschein. Den studierte er dann von hinten und vorne und wunderte sich, wieso kein Ablaufdatum darauf stand. In Kenia muss man alle sechs Monate bis drei Jahre seinen Führerschein verlängern lassen - eine sprudelnde Geldquelle für das Government. Ich klärte ihn über die schweizerischen Usanzen auf.
Dann begann das übliche Fragespiel. Woher? Wohin? Bist du Resident? Bist du allein? Wo wohnst du in Kenia? Hast du unterwegs fotografiert? Aha, dachte ich, so läuft der Hase. "Ja, habe ich den Eingang zur Lewa Wildlife Conservancy aufgenommen. Soviel ich weiss, ist das nicht verboten." "I have to phone", sagte der Offizier und wählte auf seinem Handy eine Verbindung, von der ich annahm, dass es sich um eine Polizeizentrale handelte. Er buchstabierte meinen Namen und meinte "sie werden zurück rufen" und führte das Verhör weiter. "Was hast du sonst noch fotografiert?" "Komm wir schauen uns die Bilder an", sagte ich und zusammen liessen wir die letzten 30 oder 40 Bilder auf dem Kameramonitor durchlaufen. "Wieso hast du die Strasse fotografiert?" "Weil sie so schön und neu ist". "Und wieso hast du diesen Baum fotografiert?" "Weil er so schön ist". "Das könnte aber auch ein Treffpunkt sein," schloss der Offizier messerscharf. "Bist du Moslem?" wollte er wissen. "Nein, wie kommst du darauf?" "Du hast eine Moschee fotografiert." "Ich habe auch einen Bananenlastwagen fotografiert, obwohl ich Bananen nicht mag", entgegnete ich. Nebenbei bemerkt: Afrikaner sind für Ironie völlig unempfänglich... Das Handy klingelte und der Ladestock unterhielt sich mit seinem Gewährsmann, hängte auf und wählte gleich wieder eine Nummer. Das gleiche Spiel wie vorher: Name, Vornahme, dann nach einem Blick auf mich gab er mein Signalement durch, "älter, weisser Bart, allein, ja, ein weisser LandCruiser, ausländische Kennzeichen SH XYZ, okay, ich frage ihn. Ich rufe gleich wieder zurück." Dann, an mich gewandt: "Wieso hast du den Eingang zu Lewa Downs fotografiert?" "Ist das verboten?" "Nein, aber heutzutage muss man vorsichtig sein!" "Aber kein einziger Terrorist ist älter als 30, 35!" trumpfte ich auf. Einer der blauen Polizisten, die bisher nur zugehört hatten, sagte "doch, Osama bin Laden, der war über 50!" "Ja", sagte sein Chef, "aber der war der Boss". Gutes Argument. Das Handy klingelte wieder. Der Offizier erklärte wieder die ganze Story und sagte dann "ja, ja, ist okay, ich sag's ihm". Und zu mir gewandt "das war jetzt der Sicherheitschef von Lewa Downs. Er lässt dir ausrichten, du sollst das nächste Mal zuerst fragen, bevor du ihren Eingang fotografierst". So alt kann der gar nicht werden! In meinem ganzen Leben habe ich nirgends eine so hysterische Atmospähre erlebt, wie sie zur Zeit in Kenia herrscht. Ich durfte weiter fahren. Vielleicht sollte ich besser meinen Bart abnehmen; eventuell sehe ich doch ein bisschen wie ein Terrorist aus?
Durch die ganze Diskussion mit den Gesetzeshütern war es inzwischen 18.00 Uhr geworden und die "Gadissa-Lodge", in der ich sonst immer übernachtet hatte, war mangels Kunden geschlossen worden.
Endlich: Game drives im Buffalo Springs
Zum Glück war der Chokaa Gate (GPS: N: 00°36.394, E: 037°39.661m Höhe ü.M. 2 880 feet), durch den ich üblicherweise in den Park fahre, keine 30 km weit entfernt und ich erreichte ihn kurz vor dem dunkel werden. Die Ranger dort kennen mich seit Jahren und lassen mir gewisse Freiheiten: ich kann gratis auf dem Parkplatz übernachten, am Morgen früher weg fahren und am Abend später als die Parkregeln besagen, auf dem Campingplatz eintreffen. Natürlich erhalten sie von Zeit zu Zeit eine kleine Zuwendung, die in keinem Buchhaltungsbuch erscheint. Eine Hand wäscht bekanntlich die andere. Wir unterhielten uns eine kurze Weile. Die Dunkelheit brach, wie in den Tropen üblich, überraschend schnell an und die Ranger gingen zu ihren nicht allzufernen Unterkünften nach Hause, während ich, nachdem es dunkel war, die Bilder des Tages noch einmal in aller Ruhe anschaute.
Teil 922. Jan. 2016
Liebe Lilytrotters. Euer positives Feedback freut mich; selbst als Profi ist man für gute Zusprüche empfänglich. Zum Glück habe ich das Stadium des rot-werdens schon einige Zeit hinter mir und kann mich bei Komplimenten einfach nur noch freuen... Über die Zustände in Kenia will ich lieber nicht ausführlich schreiben. Es würde mir den Magen umdrehen - und ausserdem möchte ich ja wieder nach Kenia reisen... Gruss M.
Teil 1022. Jan. 2016
Auf los geht's los
Am nächsten Morgen gab's, wie immer, wenn ich Game drives mache, frühe Tagwache. Meine innere Uhr arbeitet mit schweizerischer Präzision und klingelt 05.30 Uhr. Keine Minute früher, keine später. Gestern hatte es unterwegs kräftig geregnet - einer dieser heftigen, ja gefährlichen tropischen Sturzregen, die Flüsse innerhalb von Minuten um Meter ansteigen lassen können. Nicht nur in der Wüste kann man in einem Bachbett ertrinken, wenn irgendwo in den Bergen Niederschläge fallen. Das passiert auch in Kenia immer wieder. In der Trockenzeit bauen die Menschen ihre Hütten viel zu nah an den Flüssen, um sich einen weiten Weg beim Wasserholen zu ersparen. Jedes Jahr ertrinken Dutzende von Menschen, die nicht früh genug vor den Wassermassen flüchten konnten. Als ich um 05.35 Uhr aufstand, funkelten über mir Hunderte von Sternen und ich fand schnell das Kreuz des Südens, das in kurzer Zeit verblassen würde. Da ich weder frühstücke - von einer halben Flasche Fruchtsaft abgesehen - noch ein Zelt einpacken muss, wie unten stehendes Bild zeigt, bin ich innerhalb von fünf Minuten abfahrbereit. Die Kapdrosseln singen und die Gelbkehlfrankoline schreien in den jungen Morgen hinaus. Um 06.00 Uhr wird der Himmel im Osten heller und das ist für mich das Zeichen, loszufahren. Ich suche dann nicht unbedingt Tiere. Es ist noch zu dunkel, für gute Bilder. Ich fahre zu einem oder mehreren Bäumen, die ich, wenn immer möglich, am Abend vorher ausgesucht habe oder die ich von früheren Besuchen kenne. Dort warte ich auf den Sonnenaufgang.
So lief das Ritual auch diesmal ab. Es wurde sehr schnell hell und eine Viertelstunde nach sechs Uhr konnte ich die Wagenlichter schon ausschalten. Ich hatte fast eine halbe Stunde Zeit, mir eine schöne Akazie auszusuchen. Die Sonne geht um diese Jahreszeit ziemlich genau um 06.45 Uhr auf. Nachdem ich die Umgebung nach Löwen abgesucht - ihr Brüllen hatte mich nachts um zwei Uhr geweckt - und nichts Verdächtiges gefunden hatte, stieg ich aus dem Wagen und komponierte im Geist schon mal das "perfekte Bild". Von den Rangern hatte ich erfahren, dass sich keine anderen Besucher im Buffalo Springs befanden. Ich konnte deshalb ohne die Gefahr von Denunzianten den Wagen verlassen. Die Fahrer der Kleinbusse (sie werden von den Einheimischen despektierlich "this Nairobi boys" genannt), sind nämlich Spezialisten im Verpfeifen, wobei die Ranger bei meinen gelegentlichen "Übertretungen" der Park rules immer wieder mal ein Auge zugedrückt haben.
Löwen sind in den Parks ein spezielles Kapitel. Sie sind die Tierart, die bei Besuchern am meisten gewünscht wird. Im Samburu bzw. Buffalo Springs ist ihre Population bei weitem nicht so gross, wie z.B. in der Massai Mara, in der das Futterangebot viel grösser ist als in der Halbwüste nördlich von Isiolo. Ab und zu reissen sie eine Kuh, wenn die Samburu ihre Rinderherden in die Park getrieben haben. Dann gibt es unter den Viehhirten böses Blut und die jungen Krieger beratschlagen über Vergeltungsmassnahmen. Ich habe so gut wie immer Löwen gefunden, wenn ich mich drei Tage und länger in dem Gebiet aufgehalten habe. Oft allein durch das Beobachten des Verhaltens anderer Tiere wie Impala, Beisa-Oryx und Grantgazellen. Löwen können sich unglaublich gut verstecken. Ein ausgewachsenes Tier ist selbst im nur gerade 30 cm hohen, dürren Gras auch aus einer Entfernung von vier bis fünf Metern kaum zu entdecken. Ich war daher recht vorsichtig, wo ich meine Schritte hinsetzte. Ich war früher oft bei Löwen und Löwenrudeln ausgestiegen - meist um meiner Begleitung oder mir selbst zu beweisen, was ich doch ein mutiger Kerl sei... Es gibt zwei Situationen, wo ich das nie in Erwägung gezogen habe und wohl darum auch die letzten 50 Jahre überlebt habe: bei Löwen an einem Riss und bei einer Löwin mit Jungen. Man kann sich, wenn man es nie erlebt hat, nicht vorstellen, wie schnell Löwen sein können. 50 Meter legen sie in drei, vier Sekunden zurück und wer mehr als einige wenige Meter vom Wagen ist, hat nicht einmal Zeit, ein letztes Gebet auszusprechen. Nun, an jenem ersten Morgen fand ich keine Löwen (sie mich auch nicht) und wurde demzufolge auch nicht aufgefressen. Aber ich erlebte einen herrlichen Sonnenaufgang über den Hügeln, wobei ich mich mit dem Fotografieren sputen musste, denn in den Tropen steigt die Sonne innerhalb ganz kurzer Zeit am Himmel hoch und schon nach fünf Minuten ist sie ein rotsilberner, glühender Feuerball. Zufrieden packte ich meine Ausrüstung zusammen, stieg in den L/C ein und freute mich über den jungfräulichen Tag und das Fehlen jeglicher Touristen.
Teil 1123. Jan. 2016
Italienische Kriegsgefangene...
Nicht nur die Briten haben sich im östlichen Afrika Kolonien geschaffen, sondern auch die Italiener. Sie bildeten aus Äthiopien, Somalia und Eritrea Italienisch-Ostafrika. 1940 griffen sie die englischen Kolonien an und erlitten im November 1941 eine vernichtende Niederlage, die zugleich das Ende ihrer ostafrikanischen Besitzungen bedeuteten. Viele der italienischen Soldaten kamen in Kenia in Kriegsgefangenschaft. Sie blieben dort nicht untätig, sondern bauten Strassen und bei Mai Mahiu eine Kirche, die überall in Italien stehen könnte. Ausserdem legten sie im Gebiet des heutigen Buffalo Springs National Reserves, das damals noch kein Wildreservat war, einen Swimming Pool (GPS: N 00°35.400, E 037°39.261, 2979 feet ü.M.) an, der bis zum heutigen Tag erhalten blieb. Kristallklares Wasser, das vom Mount Kenya stammt, lockt Menschen und Tiere an. Der Swimming Pool wurde so gebaut, dass Wildtiere und das Vieh der Samburus, die in der Trockenzeit das Recht haben, ihre Tiere im Park weiden zu lassen, kein Wasser trinken können. Allerdings gibt es gleich daneben sehr gutes, fliessendes Wasser, das oberirdisch nach Nordwesten fliesst und nach einigen hundert Metern einen Sumpf bildet, in dem sich immer viele Wasservögel aufhalten und Elefanten, Giraffen, Antilopen und vieles mehr zur Tränke kommen.
Nachdem ich den kurzen, intensiven Sonnaufgang dutzendfach auf den Chip gebannte hatte, beschloss ich, mal kurz beim Swimming Pool vorbei zu schauen. Vermutlich waren noch kaum Tiere dort; sie kommen meistens erst im Laufe des späteren Vormittags und über Mittag, wenn die Sonne vom Himmel knallt. So war es denn auch. Eine Horde Anubis-Paviane sass auf der Umrandung des Schwimmbeckens. Sie sind fast die einzigen Tiere, die ans Wasser gelangen, weil Mauern und dergleichen für sie keine Hindernisse darstellen. Die grossen Affen haben ausser dem Leoparden kaum natürliche Feinde und haben sich in vielen Gebieten, vor allem dort, wo Gemüse und Obst angpflanzt wird, zu Schädlingen entwickelt, gegen die es kaum ein Mittel gibt. Die mächtigen Männchen mit ihren fingerlangen Eckzähnen nehmen es mit jedem Hund auf und wenn sich mehrere zusammen tun, nimmt jeder Leopard Reissaus. Ich habe im Laufe der Jahre immer wieder intensive Begegnungen mit Pavianen gehabt. Überall wo Touristen hinkommen und sich z.B. aus Lunchpaketen verpflegen, Chips naschen oder eine Frucht essen, ist schnell der Teufel los.
Die Paviane verlieren ihre ursprüngliche Scheu und überfallen die unvorsichtigen Besucher furchtlos. Selbst in Autos dringen sie ein. Als ich vor längerer Zeit mit Freunden von der Deutschen Botschaft auf Safari war und wir auf dem Public Campsite im Samburu unser Frühstück vorbereiteten, näherte sich ein rundes Dutzend Anubis-Paviane. Wir waren etwa zwanzig Leute. Männer, Frauen und Kinder. Als die Affen vielleicht noch drei, vier Meter entfernt waren, gingen wir Männer mit Stöcken auf die Paviane los und rannten ihnen über den Campingplatz nach. Genau auf diesen Moment hatte eine andere Gruppe gewartet und eroberte buchstäblich die Tische bzw. unser Frühstück, denn besonders die grossen Männchen haben vor Frauen und Kindern nicht den geringsten Respekt. Wir waren unsere Brötchen, die Butter und alle Früchte los und ich nehme an, dass sich die Paviane im Busch ins Fäustchen gelacht haben. Ein zweites Mal, am nächsten Morgen, funktionierte ihre Taktik allerdings nicht mehr. Ein paar der Männer blieben bei den Tischen und wehrten die Affen erfolgreich ab, während die anderen Männer sie in den Busch vertrieben. Wir lernten schnell, dass sowohl die Paviane wie die Grünen Meerkatzen sehr grossen Respekt vor Zwillen haben und meist schon losrennen, wenn man noch nicht einmal einen Stein "geladen" hat. Einfache, handgemachte Steinschleudern kann man in Kenia vielerorts für wenige Schillinge kaufen.
Durch die Flussniederung zum Uaso Nyiro
Vom Swimming Pool aus führen mehrere Strassen durch eine schneeweisse Kalkstein-Landschaft, in der wenig Gras wächst und nur ab und zu eine verkrüppelte Akazie. Nach Regenfällen blühen in der Einöde hunderte von Malvenstauden, die man hier nicht erwartet. Hier sieht man so gut wie immer auch Grantgazellen und Beisa-Oryx und meistens auch einige Netzgiraffen.
Diese wohl schönste der neun Giraffenarten hat ein relativ kleines Verbreitungsgebiet, das sich auf Nordkenia, Südäthiopien und Teile Somalias beschränkt. Ihres apparten Fellmusters aber auch des Fleisches wegen wird sie stark bejagt und ist in vielen Teilen ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets ausgerottet worden. Ich entdeckte in nicht allzugrosser Ferne einen einzelnen Bullen, der in den Kronen einer Akazie die frischen Triebe zwischen den fingerlangen Dornen heraus pflückte. Giraffen sind, zumindest für einen Fotografen, nicht gerade die fastizierendsten Tiere; sie können ohne weiteres eine halbe Stunde lang zur Salzsäule erstarrt stehen und unverwandt in die gleiche Richtung starren. Ich stellte in den folgenden Tagen fest, dass sich keine Weibchen und Jungtiere in den beiden Reservaten aufhielten, sondern nahezu ausschliesslich solitäre Bullen. Ein einziges Mal sah ich zwei Männchen, die insofern interessant waren, als sie völlig verschiedene Fellmuster zur Schau trugen.
Ich setzte nach einer kurzen Weile den Weg Richtung Flussniederungen fort, die zum einen aus Grassavannen bestehen, zum anderen von hohen Doumpalmen bewachsen sind. Ausserdem ist der Uaso Nyiro River nah und die Tiere müssen nicht weit zum Wasser gehen. Im Dezember hatte es allerdings mehrmals ausgiebig geregnet und es gab zahlreiche Wasserlachen und -pfützen, in denen das Wild seinen Durst stillen konnte. Alle drei National Reservate, Buffalo Springs, Samburu und Shaba liegen in einer semiariden Zone mit jährlich weniger als 400 mm Niederschlägen. In der langen Trockenzeit, von Dezember bis März/April, trocknet in manchen Jahren der Uaso Nyiro völlig aus. Die Elefanten graben dann im sandigen Flussbett 50 bis 80 cm tiefe Löcher, in die von unten das Wasser einsickert. Andere Tiere wie Giraffen, Impalas und Paviane profitieren von diesem "Wasserservice". Angeblich trocknete der Fluss bis in die 70er Jahre nie aus; die zunehmende Bevölkerung auch in den halbwüstenartigen Gebieten verbraucht inzwischen soviel Wasser für die Pflanzungen und Plantagen, dass es immer öfter zu Wassermangel kommt. Anders als die Quellen bei den Buffalo Springs, die von den Niederschlägen gespiessen werden, die am Mount Kenya fallen, erhält der Uaso Nyiro sein Wasser aus den Aberdare Mountains. Weil dort Jahrzehnte lang rücksichtslos Wälder abgeholzt und Gemüsefelder angelegt wurden, konnte der Boden die Niedeschläge nicht mehr speichern; es floss auf direktem Weg in den Uaso Nyiro und von dort in die Lorian Sümpfe, wo das meiste Wasser verdunstet.
Auf Freiersfüssen
Bevor sich die Strasse zum Fluss senkt, hörte ich von einem der hinteren Räder ein Abrollgeräusch, das ich als Plattfuss diagnostizierte. Leider hatte ich recht, sah, dass der hintere linke Reifen fast die ganze Luft verloren hatte, parkte den L/C am Strassenrand und holte den Wagenheber heraus. Das Wechseln eines Rades ist kein Kunststück, wenn man das richtige Werkzeug dazu hat. Bedeutend kräftezehrender ist dann das Hochheben und fixieren des Tonnen schweren, platten Reifens auf das dafür bestimmten Gestell. Das von mir weiter oben erwähnte Dutzend junger, kräftiger Kerle, das jeweils um den Wagen herum steht, fehlte in diesem Falle völlig. Ich hatte zwar, unter dem Wagen, einen zweiten Ersatzreifen, aber im Buffalo Springs und im Samburu Reservat liegen soviele sechs, sieben Zentimeter lange, eisenharte Dorne auf den Strassen, dass man sich im Nu einen zweiten oder gar dritten Plattfuss einhandelt. Als erstes wollte ich deshalb den Reifen reparieren lassen. Ein entgegen kommender Minibus mit einigen Touristen gab mir Gelegenheit, den Fahrer nach einer Lodge zu fragen, die Plattfüsse repariert. Die meisten Lodges in den Parks stellen nämlich tagsüber aus Kostengründen ihre Dieselgeneratoren ab. Dann kann man zwar den Reifen flicken lassen, ihn aber nicht aufpumpen. Luft gibts dann erst wieder ab 18.00 oder 18.30 Uhr.
Innerhalb weniger Tage trocknen die Wasser führenden Bachbette aus und hinterlassen geometrische Muster
Teil 1223. Jan. 2016
Als deshalb ein Touristenbus vom Chokaa Gate herkam, hielt ich ihn auf und fragte den Driver, welche Lodge a) Reifen flicke und b) die auch gleich aufpumpen könne. "Entweder die Ashnil Lodge, unten am Fluss," meinte der Mann, "oder die Samburu Simba Lodge, drei Kilometer von hier." Ich kannte beide und entschied mich für die Simba Lodge. Ein Riese von einem Mann, wohl einen Kopf grösser als ich, hob den platten Reifen sozusagen mit dem kleinen Finger von seinem Gestell und hatte in wenigen Minuten den Sprengring und den Pneu von der Felge gelöst, den Schlauch heraus gezogen und ihn zur Kontrolle aufgepumpt. Unter einem alten Flicken strömte Luft in homöophathischer Menge heraus. Ein neuer, grösserer Flicken drauf - und schon war der Schlauch wieder brauchbar. Nachdem der Mann - er hiess Salomon - seinen Job im Nu erledigt hatte, wollte er etwas über mein Woher und Wohin wissen. "Reist du ganz allein?", wollte er wissen. "Ja, wie du siehst." "Hakuna bibi?" (Swahili: keine Gemahlin) "Nein. Ich war mit einer Kamba verheiratet. War nicht die beste Idee." "Oh, oh, oh, eeeeh", meinte Salomon, "Kambafrauen sind Hexen. Das ist in Kenia bekannt. Du erwachst eines morgens und deine Eier sind weg!" "Da habe ich aber Glück gehabt. Meine wollte nur mein Geld. Das einzige Mal im Leben, dass ich froh war, keines zu haben", meinte ich. "Aber ich will keine Bibi mehr." "Eeee, du bist doch noch jung. Ohne Bibi bist du wie ein Auto ohne Räder." "Nein, ich habe genug," sagte ich. "Just for fun." "Hör mal Mzee, ich mache dir einen Vorschlag. Ich bin mit einer Samburu verheiratet und das sind gute Frauen. Sie lassen dir deine Eier. Meine Frau kennt einige Frauen in ihrem Dorf, die für einen Mann wie dich wie gemacht sind. Du gibst mir deine Handynummer und spätestens in zwei Monaten kann ich dir mindestens zwei Frauen vorstellen." "Was soll ich mit zwei Frauen?" "Du suchst dir eine aus und wenn dir beide gefallen, behältst du beide."
"Ich will aber keine Frauen in meinem Alter. Die sehen ja alle aus wie meine eigene Grossmutter." "Nein, nein, die sind so um die vierzig. Die haben eine eigene Hütte und jedes Mal, wenn du von einer Safari zurück kommst, hast du ein Heim und deine Frau kocht dir Ugali und Sukuma Wicki," lockte Salomon. Ich habe auf meinen Reisen gelernt, fast alles zu essen. Aber Ugali und Sukuma Wicki sind zwei Gerichte, die erstens zuwenig Fleisch enthalten und mir zweitens im Mund und dann in der Speiseröhre stecken bleiben und letzten Endes meinen Magenausgang zukleistern. Ich habe nie begriffen, wie ein Volk von über 40 Millionen sich den grössten Teil seines Lebens freiwillig von diesen fürchterlichen Dingen ernähren kann und sie am liebsten dreimal am Tag geniesst. "Okay Salomon," lenkte ich ein. "Ich gebe dir meine Handynummer und du rufst mich an, wenn du für mich eine gute Occasion gefunden hast." "Ja, so machen wir das. Und dann kommst du ins Samburugebiet und wir gehen in die Dörfer."
Kaptriele sind von ihrer Umgebung kaum zu unterscheiden
"Bevor ich weiterfahre, rafiki (Freund), solltest du mir noch ein bisschen etwas über den Brautpreis erzählen." "Der ist für einen reichen Mzungu ein Hühnerschiss. Sieben Kühe, zwei Schafe und 20 000 Schillingi in bar. Das ist fast geschenkt." Von den Folgekosten erzählte Salomon nichts. Das ist wie bei einem Auto: die Anschaffung ist das eine, der Unterhalt das andere. "I am not a tourist, Salomon. Also werden wir über den Preis verhandeln, wenn es zu einer Heirat kommen sollte. Und wenn ich mich nach zwei oder drei Jahren von ihr scheiden lassen will, bekomme ich dann den Brautpreis zurück?" Salomon grinste: "Samburus können sich nicht scheiden lassen. Deine Kühe und dein Geld sind auf alle Fälle weg. Aber Samburus können mehrere Frauen haben. Da musst du dich gar nicht scheiden lassen. Nimmst einfach eine andere". Diese Aussicht beruhigte mich ungemein. Ein Matriarchat scheinen die Samburus nicht gerade zu haben! Ich bezahlte die Schlauchreparatur und gab Salomon ein fürstliches Trinkgeld von 100 ksh. Dann fuhr ich zum Uaso Nyiro runter und sah die ersten Elefanten dieser Safari.
Gestern Abend rief Salomon an und sagte, er habe schon mal zwei Frauen, die ich mir unbedingt anschauen müsse... Ich versprach ihm, nach der Marareise, die morgen Sonntag starten wird, ins Samburuland zu fahren. Ich muss ja nicht heiraten, ich darf.
Teil 1323. Jan. 2016
Hi Christa. Danke für's Lob (ich fasse es jedenfalls so auf). A propos Buch: zusammen mit meiner Frau (keiner Afrikanerin) habe ich in 40 Jahren über 70 Bücher verfasst und illustriert... Und was Stories betrifft: Morgen fahre ich bekanntlich für unbestimmte Zeit in die Mara. Wenn ich zurück bin, wird erst Buffalo Springs zuende geführt, dann Samburu und letzten Endes die Mara. Allerdings kann mir zur Zeit niemand sagen, wie die Wetter- und Bodenverhältnisse in der Mara sind bzw. ich höre alles von "staubtrocken" bis "die stehen alle unter Wasser". Es ist wie mit den Viehherden im Samburu - man muss selber hinfahren und sich ein Bild machen. Schönes Weekend und Gruss aus Nanyuki (wo's seit 48 Stunden nicht mehr geregnet hat). Mzeekenya
Teil 1413. Feb. 2016
Hallo Foris... ...wieder mal ein Lebenszeichen aus Kenia; diesmal aus Nakuru. Drei volle Wochen Safari in den Westen des Landes mit Besuchen der Mara, der Loita Hills (grossartig), Homa Bays, Kisumus, des Kakamega Forest, und des Mount Elgon Nationalparks. Es wird langsam Zeit, die Reisen zu beschreiben und zu bebildern. Ab Montag habe ich dazu genau eine Woche Zeit. Danach gehts in den Norden, nach Maralal, South Horr, Loyangalani, North Horr und von dort nach Marasabit, Isiolo und zurück nach Nanyuki, wo ich eine ruhige und gemütliche Bleibe habe. Bis bald und Gruss. Mzeekenya
Abend bei Ewaso Ngiro
Teil 1515. Feb. 2016
Also Christa, dann machen wir weiter. Allerdings: ob ich's hier, in meinem Cottage in Nanyuki, eine volle Woche aushalte, wage ich zu bezweifeln. Ich bin gerade mal 24 Stunde hier und "es" juckt mich bereits wieder im Hintern, im Gasfuss, im Foto-Auslöse-Finger oder sonstwo. Ich gehe feste davon aus, dass der grössere Teil meiner Berichte erst in der Schweiz geschrieben wird - nicht zuletzt, weil ich heute aus den drei Monaten vier gemacht habe, meinen Rückflug also um einen Monat verschoben habe - und mir fest vorgenommen habe, die zusätzliche Zeit reisend und nicht sitzend zu verbringen.
Fast endlos lange Tage
Wie bereits bemerkt, gibt es bei Game drives immer ein frühes Aufstehen, aber anders, als meinen Gruppenreise-Freunden, serviert mir niemand Kaffee oder Tee. Ein Schluck Wasser oder zwei, ein Blick nach Osten und dann den LC vorglühen und hoffen, dass sich die beiden Batterien nachts nicht entladen haben...
Dann so schnell wie's erlaubt ist, einige schöne Akazien, ansteuern und als Vordergrund vorsehen. Und zwanzig Minuten oder so darauf warten, dass die Sonne über den niederen Hügeln aufgeht, das Gras golden aufscheinen lässt und die Bäume als Scherenschnitte in den schnell heller werdenden Himmel zeichnet. Gestern habe ich die Plains kreuz und quer durchfahren und gehofft, Geparden zu finden, die hier Grantgazellen oder junge Beisa-Oryx jagen. Leider vergeblich. Ausser einigen Somalistraussen (diese Art hat blaue Beine und einen blauen Hals, im Gegensatz zu den Massaistraussen, die rote Beine und einen roten Hals haben), Grantgazellen, wenige Generuks oder Giraffengazellen und noch weniger Grevy-Zebras, gab's nichts Aufregendes zu beobachten. Seit Jahren habe ich in den beiden Parks, Buffalo Springs und Samburu, keine grossen Ansammlungen dieser schönsten Zebraart, von der es nur gerade noch 2 500 Exemplare geben soll, gesehen. Früher waren 50, 60 Tiere keine Seltenheit.
Grantgazellen-Bock im Buschland.
Gerenuk oder Giraffengazellen kommen, sofern notwendig, Monate, sogar Jahre, ohne Wasser aus!
Männlicher Somalistrauss, noch nicht in Balzstimmung.
Grevy-Zebra Stute mit Fohlen.
Fohlen des Grevy-Zebras.
Auch die Anubis-Paviane halten sich gern in den Plains auf, in denen sie eine gute Über- und Weitsicht haben und Raubkatzen wie Löwen, Geparden und Leoparden schon von weitem sehen. Die wehrhaften Männchen gehen dann schreiend und tobend auf die Feinde zu und selbst die Löwen halten der geballten Kraft von zehn, zwölf und mehr ausgewachsenen Pavianen nicht stand. Ein ungeheuer eindrückliches Schauspiel, das ich vor Jahren einmal im Samburu beobachten konnte.
Herr und Frau Anubis-Pavian auf dem Weg zur Sippe.
Teil 1615. Feb. 2016
Ich mag das Buffalo Springs Reservat lieber als das Samburu. Es hat weitere Plains, weniger Touristen (da nur zwei Lodges: das Ashnil Camp und die Samburu Simba Lodge. Die dritte, die Samburu Serena Lodge, wurde vor einigen Jahren vom hoch gehenden Uaso Nyiro River total weg geschwemmt und nicht mehr aufgebaut). Neben den weiten Plains mit vielen Huftieren, ist das grosse Becken, die Niederung, die zum Uaso Nyiro hinunter führt, das zweite Grossbiotop. In der Regenzeit, ab April bis Mai/Juni (oder gar nicht...), sind viele Tracks nicht mehr befahrbar. Vor längerer Zeit bin ich mit Edi, der einen Unimog fuhr, und meinem LandCruiser im Morast stecken geblieben und wir mussten eine Nacht draussen, am Ufer des rauschenden Flusses verbringen - immer in Erwartung, dass noch mehr Wasser aus den Hügeln kommt und uns weg schwemmt. Zum Glück passierte nichts und den Unimog hebelten wir am nächsten Tag mit der Seilwinde aus dem gut knietiefen Morast.
durchfahren oder umdrehen?
es hat geklappt... natürlich bin ich zuerst zu Fuss und mit einem Stock durch das Wasser gelaufen und habe die Tiefe und den Untergrund gecheckt.
Doumpalmen säumen viele Flussufer im tropischen Afrika.
In etwas höheren Lagen mit weniger Niederschlägen besteht die Vegetation überwiegend aus Dornbüschen und -akazien.
Auch in Kenia relativ selten: Kopf loser Sperbergeier.
Flusspferde leben in einem ausgedehnten Sumpf im niedrigeren Teil des Parks, kommen allerdings meistens nur nachts ans Land.
Teil 1715. Feb. 2016
Der Nacktmull ist ein Nagetier, das ausgewachsen zehn bis 15 cm lang wird, ausser einigen Tasthaaren vollständig nackt ist, in Kolonien unter der Erdoberfläche lebt und zur Unterordnung der Stachelschwein-Verwandten zählt. Er hat zwei obere, sehr lange und scharfe, Schneidezähne, mit denen er Gänge in die härteste afrikanische Erde gräbt, für die wir fast einen Meissel benötigen würden. Ganz besonders erwähnenswert ist, dass Nacktmulle offenbar völlig schmerzunempfindlich sind! Und man hat bei Nacktmullen noch nie festgestellt, dass sie, wie alle anderen Säugetiere, Krebs bekommen können! Ausserdem altern sie sehr langsam und werden rund zehn mal so alt wie gleich grosse Mäuse und andere kleine Nagetiere. Wie gesagt: man sieht die Tiere so gut wie nie, hingegen sehr oft ihre typischen Sandhaufen z.B. mitten auf der Strasse.
Am späteren Nachmittag fahre ich meistens zum Uaso Nyiro hinunter, denn das ist die Zeit, wenn die Elefanten nach ausgiebiger Futteraufname in den Galeriewäldern und ufernahem Busch zum Wasser gehen, 50, 100 und mehr Liter aufnehmen und sich, nachdem der Durst gestillt ist, im Fluss vergnügen, herum toben, sich gegenseitig anspritzen und sich offensichtlich amüsieren, spielen und vergnügen.
Teil 1815. Feb. 2016
Hoi Elvira, danke für dein Post. Ja, eine Weile lang hat es so ausgesehen, als hätte ich ein Abo auf Polizeikontrollen. Die letzten drei Wochen war's aber besser. Allerdings wollten die "Blauen" mich zwei Mal stoppen, aber da direkt hinter mir einmal ein Matatu fuhr und einmal ein LKW ging ich davon aus, dass die Police nicht mich meinte (natürlich meinte sie mich!) und bin fröhlich winkend weiter gefahren. Heute, mit den Mobilephones, besteht allerdings immer das Risiko, dass man am nächsten Policeblock aufgehalten wird und dann eine gute Ausrede braucht, um straflos weiterfahren zu können. Mein Freund und Taxifahrer Felix hat mir ein probates Mittel verraten, wie man die Polizisten "weich" bekommt: 400, 500 ksh in den Aschenbecher klemmen, so, dass die Hälfte rausschaut. Es gibt keinen Gesetzeshüter, der diesem Angriff auf seine Moral widerstehen kann. Bogoria: ich habs dem Warden erzählt, wie das an Weihnachten aussah und er meinte, "da müsste man was unternehmen". Ja, müsste man... Die grösste Unverschämtheit fand ich, als ich mich im "Bogoria Spa" nach den Campingpreisen erkundigte. Das Mädchen meinte arschkalt "2500 ksh" - und fügte dann bei, "plus supplement of 2500 ksh because its Christmas". Hahahaa - fast 50 EU dafür, dass es auf der Campsite nicht mal ein Scheisshäuschen gibt! Koch du ruhig Ugali und Sukuma Wicki - ich zehre solange von meinen "american muscles" (das ist der Ring über dem Gürtel 😮 ). Schönen Abend. Bin gespannt, wann wir uns mal über den Weg laufen - so gross ist Kenia wirklich nicht, dass das nicht früher oder später passiert. Und hier ein Bild aus den Loita hills - leider mit meinem LC. Mzeekenya
Teil 1916. Feb. 2016
Ja, verwende die Bilder ruhig - allerdings zweifle ich daran, dass sie was bewirken werden. Aber ist mir schnurz - da bin ich eh nicht so schnell wieder. Wegen des Eintritts: da habe ich nicht einmal gefragt. Und was Schweinepreise betrifft: auf Rusinga war ich in einer Lodge, in der von day guests für den Lunch 70 US$ und für das Dinner 60 US$ verlangt wurden... Die haben einen sitzen. Ist es da verwunderlich, dass die Lodge fast total leer war. Nur zwei deutsche Familien von irgend einer dubiosen Religionsgemeinschaft (gemäss Aufschrift am teuren 4x4). Wahrscheinlich bezahlten sie den Aufenthalt mit Spendengeldern. Den Leuten (ich meine den Spendern) ist nicht zu helfen! Mzeekenya
PS. ich trinke keinen Kaffee, aber Kenia hat ja auch vorzüglichen Schwarzen Tee.
Teil 2016. Feb. 2016
Zweiter Teil: Samburu National Reserve Die meisten Touristen, die in den Norden Kenias reisen, besuchen beide National Reserves, Buffalo Springs und Samburu, die nur durch den Uaso Nyiro von einander getrennt sind. Buffalo Springs, 131 km2 gross oder eher klein, liegt südlich des Flusses, Samburu, 165 km2, nördlich davon. Ein drittes Wildreservat mit den gleichen ökologischen Voraussetzugen findet man einige wenige Kilometer östlich der Strasse Isiolo - Marsabit: Shaba. Es wird von viel weniger Touristen besucht, als vor allem Samburu. George Adams hatte im Shaba ein Camp, in dem er Löwen, die in Gefangenschaft lebten, auf die Freiheit vorbereitete.
Eine weit gespannte Brücke schafft die Möglichkeit, von einem Reservat ins andere zu kommen. Allerdings wurde die Waso-Brücke schon zweimal vom Uaso Nyiro weg gerissen und bevor eine neue gebaut wurde, musste man den einen Park verlassen, um in den anderen zu kommen. Die meisten Lodges findet man am Nordufer des Flusses, darunter so bekannte (und sauteure) wie Larsen's Tented Camp und Samburu Game Lodge, die lieber bis zu 90% (Game Lodge) leer stehen, als die Preise zu senken.
Samburu Game Lodge, am Nordufer des Uaso Nyiro, hat eine Kapazität von bis zu 180 Betten. Meistens sind aber nicht mehr als 15 bis 20 Besucher in der Lodge...
Samburu hat weniger offene Plains als Buffalo Springs, sondern grosse Flächen, die von knapp mannshohen Büschen bedeckt sind. In diesem Habitat sind Katzen nicht leicht zu finden; schon wenn sie zwei Meter vom staubigen Weg entfernt in den Büschen liegt, sieht man sie nicht mehr. Savannentiere wie Beisa-Oryx und Grevy-Zebras sind weniger häufig als im anderen Park. Giraffen hingegen sind leicht und von weitem zu sehen und nicht selten lassen sich Herden bis zu 30 Tieren beobachten.
Zwei Bullen der Netzgiraffen-Art
Winzig klein sind - am anderen Ende der Grössenskala - die Günther-DikDiks, die man fast ausschliesslich paarweise sieht oder zu dritt, mit einem Jungen. Sie sind äusserst flink und tauchen schnell und lautlos in der Kraut- und Buschschicht unter. Tagsüber, wenn die Sonne das Land aufheizt, stehen DikDiks im Schatten und verlassen ihn erst am späteren Nachmittag, um auf Futtersuche zu gehen.
Dem Gerenuk, manchmal wegen seines langen Halses auch Giraffengazelle genannt, sind wir schon im Buffalo Springs begegnet. In Zeiten der Dürre und kleinem Futterangebot stehen die Gerenuks auf die Hinterbeine und können so Blattwerk bis in eine Höhe von etwa 2 Metern erreichen. Eine Gerenukgruppe besteht meistens aus einem Bock und zwei bis vier Weibchen, manche noch mit einem Jungen.