Heute ging es weiter. Wir duschten und packten unsere Sachen zusammen. Die Wäsche aus der Reinigung wurde sortiert und kam in die entsprechenden Fächer im Wagen. Auch alle anderen Rucksäcke, Taschen, Fotoapparate und Kleinkram wurden an ihrem Platz verstaut. Für die Souvenirs fanden wir auch noch eine passende Ecke. Nach dem leckeren Frühstück hatten wir uns endlich durchgerungen, die schöne afrikanische Maske zu kaufen, die wir gestern in einem Laden gesehen hatten. Uwe war sich erstaunlicherweise gleich sicher gewesen, Ruth auch, allerdings dass es keine Möglichkeit geben würde, sie zu transportieren. Hatten wir auf dem Hinweg jeder schon einen Rucksack auf dem Rücken, eine Reisetasche und ein zweites Gepäckstück in jeder Hand, blieb für die Maske eigentlich nur noch der afrikanische Weg, sie auf dem Kopf zu balancieren. Bei einer Länge von 2 Metern wahrscheinlich kein ganz einfaches Unterfangen. Egal, Uwe war der Meinung, dass sich das Problem schon lösen würde, und so verabschiedeten wir uns von Klaus und Meike. Zuerst ging es also zum Souvenirladen, wo wir glücklicherweise unmittelbar davor einen Parkplatz fanden. Flugs ward das hölzerne Trumm erworben und in viel Luftpolsterfolie sicher verpackt. Doch wo im Auto sollte es nun für die restliche Zeit unseres Urlaubs wohnen? Da Holz nicht gerade biegsam ist, schied der Innenraum im Canopy schnell aus. Selbst diagonal war da nichts zu wollen. Aber Uwe hatte sich ja gleich eine viel schlauere Lösung ausgedacht. Er verkündete stolz, dass das handliche, praktische Souvenir längs genau in unser „Schlafzimmer“ passen würde. Zwar 2 m lang, aber nur 30 cm breit und 3 cm hoch, konnte man es prima auf unsere Matratze betten. Die Vorstellung, ab sofort jeden Abend die Maske aus dem Bett zu wuchten, sie nachts zu hüten und zunehmend staubiger werdend, jeden Morgen wieder zwischen die Schlafsäcke zu schieben, erfüllte Ruth nicht gerade mit Begeisterung. So war sie auch nicht traurig, als sich herausstellte, dass es Uwe nicht gelang, den Fuß der Maske abzudrehen. Dieser war in seinem Plan nämlich nicht vorgekommen, denn so war unser Souvenir nun doch nicht platt wie eine Flunder, und das Dachzelt ließ sich nicht mehr schließen. Eine neue Lösung musste her. Uwe hatte sie auch schnell gefunden. Wofür hat man schließlich Klebeband? Mit einigen, nein, noch ein paar mehr Streifen Paketband klebte er sie kurzerhand auf dem Dach des Campers fest.
So fuhren wir dann zu einem Kurierdienst und schickten das Paket nach Windhoek voraus in die Pension, wo wir die Maske an unserem letzten Tag in Namibia hoffentlich unversehrt wieder in Empfang nehmen werden. Nachdem der Anfang nun schon so einfach abzuwickeln war, werden wir sie schon irgendwie im Flugzeug und im ICE transportieren können. Für Bauchschmerzen ist es noch ein wenig zu früh, die kann Ruth später ja immer noch bekommen. Anschließend ging es zum Spar, wo wir noch Wasser, Brot, Brötchen und ein paar andere Kleinigkeiten mitnahmen. Nächster Stopp war bei Plastilon. Dort bekamen wir endlich die Solar Jar, eine Solarlampe in einer Art Einmachglas. So eine haben wir Dank Clax bereits zu Hause (Danke! 😘). Zuletzt tankten wir den Wagen voll. Inzwischen hatte der warme Ostwind Swakopmund auf weit über 30 Grad aufgeheizt. Es fühlte sich wie ein warmer Föhn an. Als wir die Stadt verließen, zeigte das Auto-Thermometer 39 Grad. Kurz hielten wir noch bei der Überquerung des Swakop und sahen einigen Vögeln zu, die im niedrigen Wasser herumstaksten und nach Nahrung suchten. Der warme Ostwind hatte mittlerweile ganz gehörig an Kraft gewonnen, und wir hatten Mühe, beim Fotografieren die Kamera ruhig zu halten.
Zwergflamingo
Weiter ging es über die C28.
Wenige Kilometer außerhalb von Swakopmund brannte es. Wir konnten aus der Ferne nicht genau erkennen, was die Ursache war, aber wir sahen dunkle Rauchwolken in den Himmel steigen.
Beim Abzweig in die Mondlandschaft bogen wir ab und hielten an einem Aussichtspunkt.
Dabei bemerkten wir, dass unser Kühlschrank 12 Grad anzeigte. Irgendein Wackelkontakt sorgte dafür, dass der Engel ständig ausschaltete. Bei einer Pause schaute sich Uwe die Sache an und entdeckte ein blank gescheuertes Kabel hinter dem Kühlschrank. Ein wenig Ordnung im Kabelsalat und eine neue Verzurrung brachten das gewünschte Ergebnis: Der Engel tat wieder seinen Dienst. Wir hoffen nur, dass inzwischen keine Lebensmittel verdorben sind. Die Aussicht in die Mondlandschaft gefiel uns sehr, aber der starke Wind ließ uns eine geschütztere Stelle für eine Rast suchen.
So steuerten wir die Oase Goanikontes im Swakop-Rivier an. Dort aßen und tranken wir eine Kleinigkeit, und Ruth freute sich über die Vögel, die pausenlos durch den Garten flitzten.
Wir tippen auf Rostschwanzschmätzer (Familiar Chat), da das kleine Kerlchen häufig mit seinen Flügeln schlug.
weiblicher Maskenweber (Danke an Michael für die Bestimmung)
Dann ging es weiter zu den Welwitschia-Ebenen. Auf dem Weg dorthin war neben der Straße über weite Strecken eine Baustelle. Es wird eine Pipeline verlegt, vermutlich für die Uran-Minen. Bei den Welwitschias machten wir eine Pause und spazierten ein wenig durch die Gegend.
Dann ging es für uns weiter Richtung Wüstenquell. Die Landschaft wurde im Licht der Nachmittagssonne immer schöner. Der Ausblick über die Hügel und Ebenen war fantastisch. Das Grenztor der Farm war mit einem Vorhängeschloss gesichert. Wir sahen nicht, wie wir es öffnen sollten. Ein Anruf ergab, dass der Schlüssel direkt neben dem Tor an einer Kette hing. Das hätten wir wohl doch selbst erkennen können.
Auf dem Weg zum Farmhaus sahen wir Springböcke, Strauße und einige unterschiedliche Trappen. Bei ihrer Bestimmung kommen wir mit unseren Büchern jedoch nicht weit.
Bei der Farm erklärte man uns den Weg zu unserer Campsite „Papierbaum“. Dort kamen wir kurz nach Sonnenuntergang an. Der Stellplatz liegt sehr schön an einer Felsformation und verfügt über zwei Feuerstellen, eine Dusche, Toilette und ein Schattendach mit Tisch. Wir parkten den Wagen, klappten das Zelt auf und duschten. Danach machten wir Feuer und legten Kartoffeln in die Glut. Im Potije dünsteten wir Gemüse, und Uwe grillte Wildsteaks. Es schmeckte hervorragend. Selten haben wir in Namibia einen so milden Abend erlebt: Selbst als wir ins Zelt gingen, zeigte das Thermometer noch 23 Grad. Dazu wehte allerdings ein sehr kräftiger Wind und rappelte am Zelt.
Die ganze Nacht tobte ein regelrechter Sturm, und die Zeltwände wurden abwechselnd nach innen gedrückt und wieder nach außen gerissen. Dazu wackelte das Auto wie ein Schiff bei rauhem Seegang. Es war zwar sehr warm, aber aufgrund der Lautstärke unseres Flatterzeltes kaum auszuhalten. Wir schliefen wenig und fühlten uns am nächsten Morgen entsprechend ausgeruht. Leider hatte der starke Wind noch immer nicht nachgelassen, ganz im Gegenteil. Wir lagen nach Sonnenaufgang noch einige Zeit im Zelt und überlegten, was wir tun konnten. An Frühstücken war nicht zu denken. Auch hier hinter den Felsen blies es noch so heftig, dass uns alles vom Tisch geflogen wäre. So entschieden wir, zu fliehen und bereits heute weiter zu fahren. Obwohl wir uns sehr auf die Landschaft und die Wanderungen bei Wüstenquell gefreut hatten, wollten wir so ungemütlich hier nicht bleiben. Also packten wir im Sturm zusammen und kletterten noch ein wenig über die Steinhänge in der Nähe der Campsite. Ruth auf der Suche nach einem windgeschützten Plätzchen.
Doch auch auf der anderen Seite des Hügels war es nicht ruhiger, und so stand unser Entschluss endgültig fest, Wüstenquell zu verlassen. Am Farmhaus hatte man Verständnis für unsere Entscheidung und berechnete trotz Reservierung nur eine Nacht. Das fanden wir sehr fair.
Über die Welwitschia-Plains ging es wieder zurück zur C28. Ruth war von der schlaflosen Nacht so fertig, dass sie einnickte. Wir fuhren gegenüber dem Abzweig zur Blutkuppe nach Süden und nahmen ein paar Permit-pflichtige Straßen.
Unser Plan war, so weit wie möglich landeinwärts von dem blöden Wind wegzukommen. So erschien uns auch die Blutkuppe, die eigentlich unser nächstes Ziel hätte sein sollen, ungünstig, da sie ähnlich nah der Küste gelegen ist. Schade, denn auch auf diesen einsamen Platz hatten wir uns sehr gefreut. Wir steuerten das Camp Gecko in der Nähe von Solitaire an, wo wir vor vier Jahren bereits eine Nacht verbracht hatten. Über den Kuiseb- und Gaub-Pass zog sich die Strecke dahin. Obwohl wir sie schon oft gefahren sind, kam sie uns ziemlich lange vor. Wir waren ohne Frühstück aufgebrochen und fanden keinen schönen Rastplatz für ein Picknick. Also ging es ohne größere Pause weiter. Gegen halb drei erreichten wir Camp Gecko und wurden von Heidi begrüßt. Glücklicherweise war die Eagles View Campsite frei. Wie das Hilltop Camp liegt es auf einem Berg mit einer tollen Aussicht in die Ebene. Wir stellten das Auto auf, befeuerten den Donkey für heißes Duschwasser, und endlich gab es auch etwas zu essen.
Nach dem Duschen spannten wir die Hängematte auf. Nun konnten wir uns für den Rest des Tages ausruhen.
Priritschnäpper
Da wir erst so spät gegessen hatten, blieb die Küche heute Abend kalt. Es gab lediglich Avocado-Salat. Bei sehr angenehmen Temperaturen und herrlicher Windstille (!) krochen wir ins Zelt.
Donnerstag, 31. Juli 2014 – Zurück über den Tropic of Capricorn
Camp Gecko – Farm Rooiklip
Wie schon der Abend war auch die Nacht sehr ruhig. Kein Wind rührte sich, und so konnten wir wunderbar schlafen. Ohne Wecker standen wir nach Sonnenaufgang auf. Es war trotz der bedrohlich wirkenden Wolken angenehm warm.
Wir frühstückten mit Blick über die Ebene. Es gab Müsli mit frischer Nektarine und getoastete Brötchen, Kaffee und Tee. So macht Camping Spaß. Wie schon vor vier Jahren kam ein Bergschmätzer zu Besuch. Er war so zutraulich, dass er Uwe zwischen den Füßen herumhüpfte.
Lerchenammer?
Als wir alles gespült und eingepackt hatten, fuhren wir zur Farm. Dort bezahlten wir bei Heidi und verquatschten uns noch lange. Es war sehr nett. Erst gegen Mittag brachen wir auf. Eine kurze Etappe führte nach Solitär. Dort kauften wir im Laden Naukluft-Wasser, und Ruth bestand auf eine Vogeltränke in Form einer Flasche, wie sie bei Meike im Garten hing. (Bei uns in Königswinter kann sie sicherlich massenhaft Nektarvögel damit anlocken. ;)) Dann aßen wir in der Bäckerei leckeren Apfelkuchen und ein kleines Stück Pizza. Das war so prima, dass wir gleich noch eines kauften. Uwe trank Kaffee, und wir beobachteten die zahlreichen Vögel, die im Innenhof der Bäckerei umherflogen und wahrscheinlich ausschließlich von den Kuchenkrümeln leben, die Touristen dort für sie fallen lassen. Nach der Pause tankten wir und fuhren wieder nach Norden. Von der C14 bogen wir hinter dem Gaub-Pass auf die C26. Es dauerte nicht lange, und wir erreichten die Zufahrt zur Rooiklip-Farm ab. Wir waren vor zwei Jahren bereits dort gewesen und hatten die Strecke noch in Erinnerung. Aber diesmal kam sie uns etwas holperiger vor. Wir kamen nur langsam vorwärts, was uns bei dieser schönen Landschaft aber nur wenig ausmachte.
Eine Oryxfamilie mit zwei Kälbern kreuzte unseren Weg, und immer wieder wuselten kleine Scharen von Perlhühnern neben oder auf der Straße herum. Und ganz selten erinnern sie sich doch daran, dass sie fliegen können! 😉
Auf Rooiklip begrüßte uns Frans. Hannelore war noch in Windhoek. Wir unterhielten uns nett, dann fuhren wir zur Campsite Nummer drei. Auch wenn die Zufahrt ein wenig beschwerlich ist, gehört dieser Platz für uns zu den schönsten. Man steht unter einem Felsenüberhang und hat eine tolle Aussicht. Dazu gehören eine Freiluft-Dusche und –Toilette. Wir stellten das Zelt auf und bereiteten das Abendessen vor.
Als es bereits dunkel war, gingen wir duschen. Inzwischen war auch das Wasser heiß. Beim Duschen hörten wir einen Fleckenuhu rufen. Danach saßen wir bei angenehmen 22 Grad in der Höhle auf Rooiklip und genossen diesen exklusiven Ort, an dem man für sich alleine und dennoch mit ein wenig Komfort stehen kann. Beim Abendessen besuchte uns eine Maus, die sich unter den Tisch setzte und auch nicht wieder verschwand, als wir sie aus unmittelbarer Nähe betrachteten. Vielleicht hatte sie ebenfalls den Uhu gehört und fühlte sich bei uns sicherer. Da sie ständig um uns herumlief, mussten wir sehr aufpassen, nicht aus Versehen auf sie zu treten.
Wir grillten Oryx-Steaks, die sensationell schmeckten. Als absoluter Geheimtipp kann dieses Oryx-Filet aus dem Fruit & Veg in Swakop unserer Meinung nach mit dem besten Fleisch aus der Metzgerei spielend mithalten. Dazu gab es Folienkartoffeln und gemischten Salat. Satt und zufrieden musste auch heute Abend wieder ein Blick in die Sterne sein.
Wir schliefen bis Sonnenaufgang. Es war herrlich warm, und die Aussicht holte uns aus dem Zelt.
Wir frühstückten gemütlich, zumindest Uwe, denn Ruth fand es spannender, einen Nektarvogel zu fotografieren.
Rußnektarvogel
Bergschmätzer
Lerchenammer
Nach dem Abwasch packten wir alles zusammen. Dadurch, dass wir verglichen mit unserer Planung einen Tag zu früh waren, konnten wir überall einen Tag Pause einlegen. Heute überlegten wir zu bleiben, weil es uns so gut gefiel. Dann entschieden wir aber, doch schon weiter zu fahren und zu versuchen, einen Tag mehr im KTP zu haben. So ging es im Kriechgang die Abfahrt hinunter und hinüber zur Farm. Hannelore war gestern noch angekommen und begrüßte uns herzlich. Mit ihr verquatschten wir wieder eine Stunde. Sie erzählte uns, dass der Flughafen in Windhoek aufgrund mangelnder Brandschutz-Bestimmungen bis auf weiteres für große Flugzeuge gesperrt sei. Reisende von und nach Europa müssten über Luanda oder Gaborone gebracht werden. Bis Windhoek verkehrten dann nur kleine Maschinen. Wir sind schon sehr gespannt auf unseren Rückflug in eineinhalb Wochen. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, rumpelten wir die Farmpad zurück zur Hauptstraße. Diese Zufahrt eignet sich definitiv nicht für einen PKW. Um langsam über steinige Auf- und Abfahrten zu holpern, schalteten wir sogar manchmal die Untersetzung ein. Es war bereits kurz nach Mittag, als wir die C26 erreichten. Weiter ging es nach Osten. Endlos schraubten wir uns die gewundenen Wege des Gamsberg Passes hinauf. Immer wenn wir um eine Kurve kamen und dachten, es sei geschafft, ging es erneut weiter nach oben. Belohnt wurden wir mit einer grandiosen Aussicht über die Schluchten und fernen Berge. Leider konnte Ruth dies nicht richtig würdigen. Sie hatte schlecht geschlafen, Kopfschmerzen und fühlte sich im Magen nicht besonders gut.
Nun mussten wir noch einige Kilometer hinter uns bringen, um nach Mariental zu kommen. Bis Rehoboth legten wir sie auf Schotter, danach auf Teer zurück. Ruth döste ein wenig. Als wir bei der Anib-Lodge ankamen, waren für den heutigen Tag alle drei Campingplätze bereits belegt. Kurzerhand verrechneten wir unsere Campingplatz-Reservierung für morgen mit einem Zimmer. Ruth legte sich sofort ins Bett und schlief ein. Vor dem Abendessen duschten wir. Ruth war kaum erholt, schleppte sich aber ins Restaurant, wo uns ein wirklich gutes Vier-Gänge-Menü erwartete. Anschließend fielen wir todmüde ins Bett. Hoffentlich fühlt sich Ruth morgen wieder besser.
Wir schliefen fast zehn Stunden. Das tat uns beiden sehr gut, insbesondere Ruth fühlte sich deutlich besser. In jedem Fall hatten die Kopfschmerzen aufgehört. Wir ließen es langsam angehen und frühstückten ausgiebig in der Anib-Lodge. Dort gab es auch WLAN, so dass wir wieder mal ein wenig Kontakt mit der Heimat aufnehmen konnten. Nach dem Bezahlen fuhren wir gegen halb zehn los. Die B1 nach Süden führte uns zunächst an Mariental vorbei und dann geradewegs Richtung Keetmanshoop. Auf den über 200 Kilometern gab es nichts Spannendes. In der Stadt tankten wir, holten Geld und kauften Brot. Dann fuhren wir auch schon weiter nach Osten zur Mesosaurus Farm von Giel Steenkamp. Zum Glück war der nette Herr dort und nahm uns sofort mit zu den Fossilien. Diese etwa einstündige Führung können wir jedem nur empfehlen. Giel erzählt mit so viel Wissen und Spaß, dass man ihm noch viel länger zuhören könnte. Die auf seiner Farm gefundenen Fossilien des Mesosaurus sind über 250 Millionen Jahre alt. Der frühere Kontinent Gondwana war zu großen Teilen mit Wasser bedeckt, in dem das Krokodil-ähnliche Tier lebte. Im Boden des Gewässers lagerte sich Staub ab, der nun in Form von Schiefer die fossilen Überreste der Tiere beinhaltet. Die meisten Fundstücke enthalten Abdrücke von Wirbelsäulen, Rippen, Beinen, Füßen oder sogar Zähnen. Wenige bestehen tatsächlich aus versteinerten Körperteilen oder Hinterlassenschaften.
Die Zeit verging schnell, und Giel nahm uns noch mit zu den Köcherbäumen und erklärte viel über diese Aloen und das Doleritgestein. Auf mehreren verschiedengroßen Felsen klopfte er uns mit einem Stein ein Lied. Anschließend konnten wir selbst noch bleiben, so lange wir wollten. Ruth versuchte, selbst eine Versteinerung zu finden und wendete sämtliche Steinplatten an einem kleinen Hang. Natürlich fand sie nichts. Bei einem winzigen Stückchen Schiefer bildeten wir uns ein, eine Minirippe zu entdecken und nahmen es mit. Gil erklärte, dass dieser Abdruck viel zu klein für eine Rippe sei, wir das aber trotzdem behaupten könnten. Ruth verstaute ihre „Rippe“ also stolz bei den restlichen Mitbringseln. Ein echtes Fossil hätten wir wohl auch gar nicht mitnehmen dürfen.
Tarnung ist alles
Wenige Kilometer weiter fuhren wir zum Buschcamp zwischen den Köcherbäumen. Wir parkten das Auto neben dem riesigen Webervogelnest.
Nachdem wir ein Picknick gemacht hatten, kamen die fleißigen Bewohner angeflogen und sausten in ihre Nestöffnungen. Nicht jedoch, ohne noch ein bisschen an dem Gemeinschaftsgebilde weiterzubauen. Jeder klemmte sich einen Halm in den Schnabel und flog damit ins Getümmel. Eine Zeit lang beobachteten wir das geschäftige Treiben und lauschten der Unterhaltung der Webers. Ruth saß in der Hängematte und las, Uwe schrieb ein paar Postkarten.
Zum Sonnenuntergang liefen wir ein wenig zwischen den endlos vielen Köcherbäumen umher. Hier könnte man sich verlaufen.
Anschließend duschten wir, saßen gemütlich zusammen und hörten zu, was sich die Vögel zu erzählen hatten. Als wir später noch Hunger bekamen, machten wir Feuer und kochten Möhren und Paprika im Potije. Dazu grillten wir eine Boerewors. Hinterher schrieb Ruth fleißig mit der Taschenlampe in die Nacht.
Der Mond ging spät unter und erhellte die Landschaft. Hier kommt der letzte Zeitraffer für diese Reise (am besten in HD und Vollbild):
Sonntag, 3. August 2014 – Durch das Auobtal nach Süden
Mesosaurus Camp, Keetmanshoop – Twee Rivieren, KTP
Die ganze Nacht über hatten sich die Webervögel etwas zu erzählen. Leicht verschlafen oder wie im Traum zwitscherte es vereinzelt aus dem riesigen Nest. Wir schliefen gut und wachten kurz vor Sonnenaufgang auf. Inmitten der beeindruckenden Köcherbaumlandschaft spülten wir und machten Frühstück. Die Vögel kamen ebenfalls aus ihrem Nest. Teilweise flogen sie davon, teilweise fingen sie sofort wieder an weiterzubauen. Als besonderer Bewohner verließ ein kleiner Zwergfalke das Webervogelnest. Manchmal leben sie in den Nestern und schützen die Erbauer vor Schlangen. Selbst ernähren sich die kleinsten Falken von kleinen Echsen und Insekten.
Ein Rotstirn-Bartvogel machte durch seinen lauten Ruf auf sich aufmerksam.
Nach einem langen, gemütlichen Frühstück verstauten wir alle Sachen an ihrem Platz und brachen auf. Diesen schönen Campingplatz haben wir sicherlich nicht zum letzten Mal besucht. Beobachtet von einigen Klippdachsen, die sich in der Sonne ihren Pelz wärmten, ging es den kurzen Weg zurück zur Straße.
Bei Giel bezahlten wir die Übernachtung und die Führung und verabschiedeten uns. Dann ging es auf die sehr gute Schotterstraße Richtung Koes. Danach begann der Straßenabschnitt quer zu den unzähligen Kalaharidünen. Permanent ging es auf und ab. Wir lieben diese Strecke. Auf der C15 fuhren wir das restliche Stück nach Mata Mata. Da wir einen Tag zu früh und nicht sicher waren, ob wir dort einen Campingplatz bekommen würden, wollten wir beim Kalahari Farmstall anhalten und schauen, ob dort noch ein Stellplatz frei wäre. Leider war der Farmstall heute geschlossen. So konnten wir auch kein Fleisch mehr einkaufen. Am Grenzübergang war gar nichts los. Ein einzelner Beamter fertigte uns ab. Das Ausfüllen der Formulare ging wie gewohnt sehr zügig. Beim Abstempeln meinte der Uniformierte, dass wir für unser Auto ein namibisches Länderkennzeichen als Aufkleber benötigten. Wenn wir keines hätten, würde er uns eines verkaufen. Der Wagen hatte zwar keinen solchen Aufkleber, wir waren uns aber unsicher, ob wir ihn tatsächlich brauchten, schließlich waren wir schon durch einige Länder des südlichen Afrikas ohne Aufkleber gefahren. Der Grenzbeamte beharrte jedoch auf seiner Position, und jede weitere Ablehnung unsererseits empfanden wir als problematisch. Schließlich kauften wir den blöden Aufkleber für 40 Dollar. Eigentlich hatten wir geplant, ihn an unser Auto in Deutschland zu pappen, aber der Beamte begleitete uns nach draußen. Unter seinem strengen Blick säuberten wir also unser Mietfahrzeug und klebten das Bapperle auf. Nun war auch der Officer zufrieden. In Mata Mata war natürlich kein Campingplatz mehr frei. Alles ausgebucht. Aber in Twee Rivieren hatten wir Glück. Es war zwar schon Nachmittag, aber in Ermangelung einer Alternative entschlossen wir uns dafür und machten uns direkt auf den Weg. Etwas zügiger als bei unseren sonstigen Game Drives klapperten wir die Wasserlöcher nach Süden ab. Wir sahen Springböcke, Strauße, Gnus, Kuhantilopen, Giraffen und Oryx.
Des Weiteren einen Schakal und viele Vögel, darunter Drongos, Gabelracken, Glanzstare und einige Schwalbenschwanzspinte. Diese bunten Vögel gefallen uns besonders.
Rotbauchwürger
Mahaliweber
Schwalbenschwanzspint
Kurz vor Twee Rivieren standen viele Fahrzeuge beisammen. Neben der Straße lag eine einzelne Löwin mit Senderhalsband. Auf einem Dünenkamm ruhte der Pascha.
Die weiteren Löwinnen mit ihrem Nachwuchs in wenigen Metern Entfernung bemerkten wir zunächst nicht, da sie sich ins hohe Gras geduckt hatten. Erst nach ein paar Minuten wurden wir auf den Rest des Rudels aufmerksam, als sich einzelne Tiere aufrichteten.
Es war bereits kurz nach Sonnenuntergang, und wir konnten nicht mehr lange bleiben. Hoffentlich ist das Rudel morgen früh immer noch in der Nähe. In Twee Rivieren suchten wir uns einen freien Stellplatz, duschten und machten Abendessen. Es gab wie immer Wildfleisch, Kartoffeln und Salat.
Kilometer: 344
Teil 4712. Jan. 2015
Montag, 4. August 2014 – Durch das Auobtal nach Norden
Twee Rivieren, KTP – Mata Mata, KTP
In Twee Rivieren begann unser Tag viertel vor sieben. Während wir andere Autos bereits fahren hörten, standen wir auf, zogen uns an und klappten in aller Ruhe das Zelt zusammen. Als um sieben das Tor zum Park öffnen sollte, stellten wir uns als ca. zehntes Auto in die Warteschlange. Kurz darauf wurde geöffnet. Wir hatten ja gehofft, dass die Löwen vom Vorabend noch immer in der Nähe wären. Aber leider fehlte von dem Rudel jede Spur. Unter vielen kleinen weißen Wattewölkchen fuhren wir noch einige Kilometer nach Nordosten und kehrten bei Rooiputs wieder um.
Wie immer saß der große Kampfadler im selben Baum wie in den letzten beiden Jahren bei seinem Horst.
Weißflügeltrappe
In Twee Rivieren holten wir Geld, kauften ein paar Kleinigkeiten, tankten und besorgten uns ein Permit für den Leeuwdril Loop. Auf diesem Abstecher durch die Dünen sahen wir lediglich ein paar Strauße und ein Pärchen Kaptäubchen, das nahe am Boden brütete.
Die Strecke verlief von Osten nach Westen durch die Dünen und am Ende an ein paar Stellen über wenige rote Kalahari-Dünen hinweg. Besonders anspruchsvoll war der Weg nicht, aber schön.
Ohne ein angekündigtes Löwenrudel würden wir ihn wohl nicht ein weiteres Mal fahren, zumal das Permit 180 Rand kostet. Auf dem weiteren Abschnitt Richtung Norden sahen wir die üblichen Antilopen und eine ganze Reihe von Gleitaaren.
Bei Kamqua legten wir die obligatorische Mittagspause ein, da uns das lange Fahren und angestrengte Gucken müde und hungrig gemacht hatte. Ein Nutella-Brot schmeckt auch im Liegen.
Teil 4812. Jan. 2015
Danach ging es weiter bis Dertiende Boorgat. Dort hatten sich unzählige kleine Vögel versammelt. Besonders gut gefielen Ruth die grell leuchtenden Gelbbauchgirlitze (ole ole ole).
Im Laufe der nächsten Stunde besuchten Springböcke, Oryx, Strauße und ein Schakal die Wasserstelle.
Da es bei der Weiterfahrt nichts Großes zu entdecken gab, hielten für eben für die kleinen Freunde.
Meisensänger
Ruth fand noch einen Fleckenuhu.
Kurz vor Mata Mata standen viele Autos beisammen. In der Nähe seien zwei Löwen gesehen worden, die ein Oryx gejagt hätten. Wir reihten uns am Wegrand in die Autoschlange ein und blieben eine ganze Weile, konnten die Raubkatzen jedoch nicht sehen. Währenddessen vertrieb uns ein Schwalbenschanz-Spint die Wartezeit.
Weißscheitelwürger
Auf die Gefiederten ist eben mehr Verlass! In Mata Mata suchten wir uns einen schönen Stellplatz am Rand des Geländes. Bald kam eine andere deutsche Familie an und schlug ihr Zelt neben unserem auf. Zum Abendessen kochten wir Nudeln mit frischer Paprika-Soße. Dabei hörten wir den Ruf der Kalahari: In der Umgebung stimmten alle Schakale in ein Heulkonzert ein. Es war großartig. Nach dem Essen setzten wir uns zu den Campnachbarn und unterhielten uns. Es war ein netter Abend mit den vieren aus der Nähe von Dortmund.
Kilometer: 187
Teil 4915. Jan. 2015
Dienstag, 5. August 2014 – Auch Uwe entdeckt mal was
Mata Mata, KTP – Rooiputs, KTP
In der Nacht und am Morgen hörten wir Löwengebrüll in der Nähe. Es war erstaunlich leise auf dem gesamten Campingplatz, als wir viertel vor sieben aufstanden. Es dämmerte bereits, überall wurden Reißverschlüsse geöffnet, und die ersten Leute liefen teilweise in kurzen Hosen und Badelatschen zur Toilette. Das war schon bemerkenswert, hatten wir schließlich minus 2,3 Grad. Wie erwartet war der Morgen in Mata Mata der bisher kälteste unserer Reise. Schnell hatten wir eingepackt und waren beim Öffnen des Gates startklar. Leider entdeckten wir in der näheren Umgebung des Camps keine Löwen. Zwar sahen wir Spuren, aber eben keine Tiere. So fuhren wir langsam in Richung Süden.
Auch heute nahmen wir die direkte Strecke nach Twee Rivieren. Auf dem ersten Abschnitt sahen wir hauptsächlich Springböcke. Vielleicht war es den meisten anderen Tieren inkl. der Vögel noch zu kalt.
Bei Kamqua machten wir eine Frühstückspause. Die Luft war zwar kalt, aber in der Sonne konnten wir es aushalten. Während wir Brötchen und Kaffee genossen, kamen Krähen und Spatzen und ein Rotschwanzschmätzer zu uns. Weiter ging es. Bei Auchterlonie hielten wir erneut an und schauten uns ein wenig um. Man kann dort ein paar Meter zu Fuß gehen und ein Mini-Museum besichtigen. Wir entdeckten Eidechsen, eine kleine Agame
und einen für uns neuen Vogel.
Rotbackensänger
Bei der Weiterfahrt sahen wir einen Zwergfalken, der von seinem Ast abhob, eine Runde in der Umgebung drehte, dabei eine Beute am Boden schnappte und wieder im Baum landete. Er hatte ein Familienmitglied unseres kleinen Freundes von vorhin in den Fängen und würgte es innerhalb weniger Sekunden hinunter.
Als wir an dem Bus einer Reisegruppe vorbeikamen, erzählte uns der Fahrer, dass in etwa sechs Kilometern Löwen in 100 Metern Entfernung zur Straße lägen. Leider fanden wir die Stelle bzw. die Löwen nicht, die Beschreibung was ja auch mehr als vage. In Twee Rivieren machten wir eine lange Pause, kauften Brötchen und H-Milch und füllten die Dieselvorräte auf. Auf dem Campingplatz gingen wir duschen und saßen in der Sonne. Wir machten den Rest Nudeln warm und spülten das Geschirr. Schließlich holten wir noch etwas Bargeld und fuhren los Richtung Rooiputs.
Teil 5015. Jan. 2015
Ruth sah kurz hintereinander zwei Gruppen Löffelhunde, doch die putzigen Gesellen suchten das Weite, sobald wir anhielten. Eigentlich war unser Plan, noch ein paar Wasserlöcher nördlich anzuschauen, aber daraus wurde nichts. Uwe wies auf einen Schakal auf der linken Straßenseite hin, aber den hatte Ruth natürlich längst vor ihm entdeckt. Schließlich war das „ihre“ Seite. Soll er doch bitte schön nach rechts aus dem Fenster schauen. Er jammerte schon, dass er auch einmal etwas zuerst erblicken wollte, als er abrupt anhielt. Da saß doch tatsächlich auf der rechten Seite ganz oben auf einem kleinen Dünenkamm, halb hinter den Büschen versteckt, eine Löwendame und blickte auf uns herab. Und die hatte Uwe zuerst gesehen. (Man höre auf die Lehrerin: Jeder guckt auf seiner Seite!)
Etwa zwei Kilometer vor unserem Stellplatz in Rooiputs war der Entschluss schnell gefasst, auf die Löwin zu warten und nicht länger durch die Gegend zu fahren. Sie schaute weiter in unsere Richtung und kam kurz darauf auf uns zu.
Wir waren begeistert, umso mehr, weil es nicht lange dauerte und drei weitere Löwen auf der Anhöhe erschienen. Sie folgten der ersten, die inzwischen an der Straße angekommen war und sich hinter unser Auto legte. Es waren wirklich wunderschöne Tiere, die sich freundlicherweise dafür entschieden hatten, direkt an unserem Auto vorbeizumarschieren. Nacheinander stiegen sie den Hang hinunter und zeigten keinerlei Eile.
Sie liefen über die Straße und machten es sich auf und an der gegenüberliegenden Düne bequem. Dort war das Licht zwar nicht mehr so toll, aber die Raubkatzen blieben in Sichtweite. Mittlerweile standen noch weitere Autos vor und hinter uns, die jedoch alle bald aufbrechen mussten.
Wir blieben bis Sonnenuntergang und konnten warten, bis alle anderen Wagen gefahren waren. Bis Rooiputs hatten wir es ja nicht weit.
Schließlich fuhren wir ebenfalls. Wir hatten denselben Stellplatz wie letztes Jahr, bauten das Zelt auf, machten Feuer und Abendessen.
Ruth schnippelte Salat, und Uwe grillte ein Stück Oryx. Um das Camp hatte Ruth einige Kerzen aufgestellt. So entdeckten wir einen kleinen Kapfuchs, der im Dunkeln näher kam und unser Lager untersuchte. Über diese Sichtung freuten wir uns besonders. Bisher haben wir diese kleinen Füchse immer nur in der Dunkelheit gesehen und noch nie fotografieren können. Dieser stille Besucher war aber nicht unser einziger Gast. Beim Essen leistete uns eine Fledermaus Gesellschaft, und in einiger Entfernung riefen zwei Eulen. So ließ es sich aushalten, obwohl wir ein wenig häufiger als sonst mit der Taschenlampe die Umgebung ableuchteten. Die Löwen waren schließlich nicht allzu weit!
Kilometer: 146
Teil 5116. Jan. 2015
Mittwoch, 6. August 2014 – Wolken und Regentropfen
Rooiputs, KTP – Nossob, KTP
Auf Rooiputs war es sehr ruhig. Lediglich das Löwengebrüll hörten wir morgens. Selbstverständlich führte unser erster Weg wieder zu der Stelle, an der wir gestern Abend die vier Löwen gesehen hatten. Aber wie zu erwarten war, gab es keine Spur von ihnen. Also drehten wir bald um und fuhren nach Norden unserem Tagesziel Nossob entgegen. Der Himmel war ein wenig bewölkt, so dass die ersten Sonnenstrahlen gut zu sehen waren.
Auf den ersten Kilometern sahen wir Antilopen und blieben an einem Baum stehen, auf dem ein Geier im Nest saß.
Das hätten wir besser nicht getan. Während wir ihn fotografierten, überholte uns ein anderer Wagen, den wir kurz darauf wieder einholten, da er in der Mitte der Fahrbahn stand. Der Fahrer erzählte uns ganz aufgeregt, dass soeben ein Karakal genau vor ihm über die Straße gelaufen sei. So ein Mist aber auch! Ruths gute Laune bewölkte sich spürbar. War doch der Plan gewesen, dieses Jahr im KTP den Karakal zu jagen. Um ein Haar hätte es ja geklappt. Blöder Geier aber auch! Beim Rastplatz Melkvlei hielten wir kurz für eine Toilettenpause und bekamen sogar noch ein paar Fotos des verpassten Karakals gezeigt. Bevor Ruth einen Mord begehen konnte, fuhren wir lieber schnell weiter. Mit dem „Jönne Könne“ ist das in unmittelbarer Abfolge auf die verpasste Chance so eine Sache. Bereits ein kleines Stück hinter dem Rastplatz entdeckten wir eine Familie Erdmännchen, die in der Morgensonne stand und sich wärmte. Leider waren sie recht weit entfernt und kamen auch nicht näher.
Die Strecke bis Dikbaardskolk zog sich dahin, wohl auch, weil wir nichts Besonderes mehr erspähen konnten. Als wir bei dem Rastplatz ankamen, war es sehr voll, und alle Tische waren bereits belegt. Da hielten wir am Rand und stellten unseren eigenen Tisch auf, kochten Wasser für Tee und Kaffee und setzten uns in die Sonne. Die weichen Brötchen mit Marmelade schmeckten hervorragend. Außerdem gab es Rauchfleisch, Kräuterfrischkäse und Möhren. Wir machten lange Pause und erfreuten uns an den kleinen Gästen auf der Picknicksite.
Kalahariheckensänger
Wiedehopf (Den mögen wir auch so gerne! Grüße an Claus und Friederike)
Kurz nach der Weiterfahrt sahen wir einen Weißbürzel-Singhabicht, der im Baum saß und eine kleine Schlange in den Krallen hielt. Ab und zu bearbeitete er sie mit seinem Schnabel, und die Schlange zuckte noch ein wenig. Wir blieben stehen, weil wir beobachten wollten, wie der Raubvogel seine Beute verschlang. Aber stattdessen flog er irgendwann davon und ließ die tote Schlange auf dem Ast liegen. Das konnten wir uns nicht erklären. Hoffentlich hatten wir ihn nicht gestört! Denn eigentlich war der Abstand zwischen dem Vogel und uns ziemlich groß gewesen.
Teil 5216. Jan. 2015
Der Fahrer eines entgegenkommenden Fahrzeuges teilte uns mit, dass beim nächsten Wasserloch eine Gepardin mit ihren drei Jungen sei. Das war doch mal eine Ansage! Solche Infos hören wir im Gegensatz zu den Um-eine-Minute-verpassten-Karakal-Hinweisen doch gerne. Mit etwas Glück könnten die Katzen vielleicht noch da sein. Also schenkten wir der abhängenden Schlange im Baum keine weitere Aufmerksamkeit (viel war da eh nicht mehr zu erwarten) und fuhren die kurze Strecke bis zur Wasserstelle. Als wir dort ankamen, sahen wir gerade, wie die vier Geparde sich entlang des Tals entfernten. Einige Zeit konnten wir sie beobachten und parallel auf der Straße fahren. Aber bald verschwanden sie in einer Senke, und die Straße lag zu tief, so dass wir die Raubkatzen aus den Augen verloren und sie leider nicht wieder entdeckten. Dennoch freuten wir uns über diese Begegnung sehr.
Auf dem weiteren Weg nach Nossob huschten immer wieder Mäuse quer über die Straße und verschwanden in einem der unzähligen Löcher, die sie in den losen Sand gegraben hatten. Einzelne Stellen waren völlig untertunnelt. Kein Wunder, dass es hier auch entsprechend viele Greifvögel gab. Ein weiterer Singhabicht verschlang eine Maus.
Mit diesem Burschen sind unsere Bestimmungsbücher (und wir) ein wenig überfordert. Falkenbussard?
In Nossob checkten wir ein, kauften Feuerholz und suchten uns einen einigermaßen schönen Stellplatz. Nach dem Aufklappen des Zeltes, dem Entfernen des gröbsten Staubes, dem Aufstellen von Tisch und Stühlen, duschten wir und spülten Geschirr. Während wir Feuer und Abendessen machten, leisteten uns einige Vögel und eine Fuchsmanguste Gesellschaft. Es ist schon beachtlich, was man alles entdecken kann, wenn man ein wenig die Augen offen hält und so viel draußen ist. Jedes Mal nehmen wir uns vor, zu Hause in Deutschland auch ein wenig genauer hinzugucken, aber da scheitert es meist schon daran, dass wir uns so wenig im Freien aufhalten.
Rotbauchwürger
Glanzstar
Kalahariheckensänger
Es gab Rosmarinkartoffeln aus dem Potije, das letzte Stück Wildfleisch und einen gemischten Salat. Nach dem Spülen liefen wir zum Hide, aus dem man auf das beleuchtete Wasserloch schauen kann. Wir erwarteten nicht viel. Bisher hatten wir dort bei vorangegangenen Besuchen lediglich mal einen Schakal und ganz viel Nix erblickt, und Uwe war vor Spannung jedes Mal im Kabuff eingeschlafen. So ließen wir den Fotoapparat auch gleich im Auto. Als wir nun dort ankamen, sahen wir im Halbdunkel eine Tüpfelhyäne an der Wasserstelle stehen, die sich aber recht bald entfernte. Zwei Springböcke kamen zum trinken. Dann tauchte plötzlich eine weitere Hyäne aus dem Dunkeln auf. Wir wollten unseren Augen nicht trauen, denn es war eine braune. Sie blieb nur etwa zwei Minuten, trank hastig und war bald darauf wieder verschwunden. Wir freuten uns wie irre. Anschließend kamen noch ein Schakal und ein Triel. Um 22.00 Uhr wurde der Strom und damit das Licht ausgeschaltet. So blieb uns nichts anderes übrig, als zurück zum Auto zu gehen. Noch während wir im Hide gesessen hatten, sahen wir hinter dem Horizont Wetterleuchten, einzelne Blitze zucken und hörten später auch Donnergrollen. Der Himmel war stark bewölkt, und plötzlich fielen ein paar Regentropfen. Und das in dieser Jahreszeit! Als wir beim Auto ankamen, gab es einen kurzen Schauer. Die Luft roch sehr intensiv nach feuchtem Staub. Wir krabbelten ins Zelt und hörten mehrfach Löwengebrüll, das immer näher zu kommen schien. In den Pausen heulten Schakale. Es war herrlich.
Kilometer: 156
Teil 5318. Jan. 2015
Donnerstag, 7. August 2014 – Rund um Nossob (Teil 1)
Nossob, KTP
Punkt sieben Uhr waren wir startklar und holten brav unser Permit im Büro von Nossob. Zuerst fuhren wir ein Stück nach Süden. Weit kamen wir nicht, als Ruth auf dem Weg zum Wasserloch Marie se Gat eine Löwin in der Ebene erblickte. Es war immer noch bewölkt, und trotz Sonnenaufgang war das Licht fahl (der Beleuchter war noch nicht aufgestanden).
Da die Wege im KTP hier mit dichtem Gesträuch bewachsen sind und recht tief liegen, so dass wir wie in einem Trichter fuhren, konnte man nicht besonders weit blicken. Erst einige Zeit später bemerkten wir daher, dass die Löwin ihren Nachwuchs – drei kleine Löwen – im Schlepptau hatte.
Und sie kamen freundlicherweise mal wieder genau auf uns zu.
Irgendwann standen sie so nah, dass der Autofokus des Objektivs nicht mehr scharfstellen konnte. Hatten wir uns gerade noch über unsere niedrige Position im Auto beschwert, war diese nun besonders glücklich, denn ein kleiner Löwe stand unmittelbar auf der Böschung neben dem Auto und schaute neugierig von oben hinab in unser Autofenster. Wir freuten uns riesig.
Nachdem das Löwenkind uns lange genug gemustert hatte und Ruth sich nur schwer beherrschen konnte, einfach die Hand aus dem Auto zu halten und es zwischen den Ohren zu kraulen, entfernte sich die Truppe wieder. Nun tauchten auch einige andere Wagen hinter uns auf, aber die Löwin lief immer weiter von der Straße weg. Einige hundert Meter konnten wir sie und ihr Gefolge hin und wieder zwischen den Gräsern erblicken, dann verloren wir sie im Gebüsch.
Was sind wir schon sich verlierenden Spuren gefolgt, haben das Verhalten anderer Tiere studiert, sind stundenlang durch die Gegend gefahren, oder haben uns endloses mehr oder weniger geduldiges Warten an leeren Wasserlöchern gegeben, haben Safariwägelchen gestalkt, ohne etwas zu sehen, und ein anderes Mal kann es so einfach sein, und die Löwenkinder purzeln uns fast ins Autofenster. Und wären wir eine Viertelstunde später gewesen, hätten wir überhaupt nichts mehr mitbekommen. Bei den verschiedensten Taktiken sind wir uns doch bewusst, dass ein Großteil einer tollen Sichtung wohl einfach Glückssache ist. Nach einer solchen Begegnung ist der Tag auch ohne Sonne plötzlich wolkenlos, die Laune bestens und die Motivation wieder aufgefrischt.
Teil 5418. Jan. 2015
Donnerstag, 7. August 2014 – Rund um Nossob (Teil 2)
Wir kehrten um und fuhren über Nossob nach Norden zum Wasserloch Cubitje Quap. Dort blieben wir lange stehen und aßen ein paar Brötchen mit Marmelade und Nutella. Zunächst waren viele kleine Vögel wie Kapsperlinge, Girlitze und Schnurrbärtchen zu beobachten, die permanent von einem Busch zum Wasser flogen und zurück.
Schnurrbärtchen (was für ein passender Name)
Irgendwann kamen nacheinander zwei Schakale, interessierten sich jedoch nicht für das Wasser, sondern legten sich ein paar Meter entfernt unter einen Busch. Es passierte eine ganze Zeit lang nichts, und die Schakale dösten vor sich hin.
Schließlich zogen mehrere Gruppen von Flughühnern Kreise im Himmel und steuerten wie auf Verabredung das Wasserloch an. Zunächst flogen sie mit lautem Geschrei eine Schleife nach der anderen.
Nun wurde auch einer der Schakale aktiv. Er setzte sich ans Wasser und wartete.
Immer wenn einige durstige Flughühner landen wollten, richtete er sich auf, und die Vögel starteten wieder durch. So ging es eine ganze Weile: Flughühner kamen geflogen, Schakal sprang auf, Flughühner starteten durch, Schakal legte sich wieder hin. Wenn doch mal einige Hühnchen im Wasser landeten, versuchte der Schakal, eines zu erwischen, schaffte es aber nicht und holte sich lediglich nasse Füße. Besonders gekonnt sahen seine Bemühungen auch wirklich nicht aus.
Bald sah es so aus, als würde der Schakal aufgeben, setzte sich etwas abseits und blickte betont gelangweilt in eine andere Richtung. Auch die Hühner wechselten ihre Taktik. Sie landeten nicht mehr direkt im Wasser, sondern an der gegenüberliegenden Seite, möglichst weit vom Schakal entfernt und pirschten sich zu Fuß an.
Doch sobald sich der Schakal aufsetzte, gab es ein großes Flügelschlagen, und sämtliche Vögel waren wieder in der Luft.
Wir waren uns recht sicher, dass dieser Schakal hungrig bleiben würde. Doch da legte er sich direkt neben das Wasserloch hinter die niedrige Steinmauer. Die Flughühner wurden mutiger oder durstiger (oder vergaßen einfach die Gefahr), landeten und tranken bzw. nahmen etwas Wasser in ihr Brustgefieder auf. Bei der ersten Gruppe blieb der Schakal ganz ruhig hinter seinem Steinversteck liegen. Als gerade die zweite Gruppe gelandet war, sprang er aber blitzschnell über das Mäuerchen und packte sich ein Flughuhn. Diesmal war er erfolgreich und schleppte den noch zappelnden Vogel aus dem Wasser.
Teil 5518. Jan. 2015
Er lief ein paar Meter und begann sofort, seine Beute zu verspeisen. Wir beobachteten fasziniert, wie er innerhalb weniger Augenblicke das komplette Huhn bis auf ein paar Federn verschlungen hatte.
Teil 5619. Jan. 2015
Donnerstag, 7. August 2014 – Rund um Nossob (Teil 3)
Nach der aufregenden Flughuhn-Jagd fuhren wir zurück nach Nossob. Auf dem Weg entdeckten wir noch einen Schwarzbrust-Schlangenadler.
In Nossob machten wir eine längere Pause. Nachdem wir im Auto bereits ein paar Brötchen gefrühstückt hatten, aßen wir nun Schwarzbrot mit Leberwurst und bereiteten für den Abend einen Wurstsalat vor. Dann setzten wir uns einige Zeit in den Hide ans Wasserloch. Dort sahen wir in erster Linie Springböcke, Oryx und ein paar Kuhantilopen. Nach dem Duschen fuhren wir erneut nach Marie se Gat und weiter nach Süden bis Kaspersdraai. Wir sahen ein paar Raubvögel und waren besonders beeindruckt von der Lichtstimmung, die der immer noch dunkle Himmel zusammen mit der Nachmittagssonne ergab.
Junger Gabarhabicht?
Turmfalke
Gabarhabicht im dunklen Federkleid
Den ganzen Tag über war es bedeckt gewesen, und nun kam die Sonne an einigen Stellen wieder hervor. Einmal sahen wir sogar einen Regenbogen. So ein Wetter haben wir zu dieser Jahreszeit im südlichen Afrika noch nie erlebt.
Zurück im Camp tankten wir und schlugen das Lager auf. Der Sonnenuntergang wirkte auf Grund der Wolken und der gewittrigen Stimmung fast unrealistisch.
Da wir den vorbereiteten Wurstsalat aßen, hatten wir nicht viel Arbeit mit dem Abendessen und konnten nach dem Spülen schnell in den Hide. Über eine Stunde lang passierte dort nichts. Uwe wollte schon aufgeben, aber das wäre sehr unhöflich gewesen, denn wir hatten ja noch eine Verabredung. Und tatsächlich erschien wie gestern auch schon die braune Hyäne und trank. Diesmal konnten wir sogar ein paar Beweisfotos schießen. Mission erfüllt, Verabredung eingehalten, Schlafenszeit!
Kilometer: 97
Teil 5720. Jan. 2015
Freitag, 8. August 2014 – Einmal Unions End und zurück
Nossob, KTP – Polentswa, KTP
Heute Morgen standen wir früh in Nossob auf, um pünktlich um sieben Uhr in den Park zu starten. Die Handgriffe sitzen, und so dauert es nur wenige Minuten, bis wir startklar sind. Das Camp Nossob gefällt uns zunehmend gut. Es war angenehm ruhig, die Angestellten professionell, und die Tiersichtungen in der Umgebung werden durch unser Glück positiv beeinflusst. Heute fuhren wir nach Norden. Der letzte Tag hatte bewölkt aufgehört, dieser begann ebenfalls mit Wolken. Die Sonne hatte ganz schön zu kämpfen.
Einige Wasserlöcher klapperten wir ab, sahen aber nichts Spezielles. Im Grunde sahen wir den ganzen Tag über hauptsächlich Springböcke, Gnus, Oryx, Strauße, einige Kuhantilopen und Riesentrappen. Auf den Bäumen saßen zahlreiche Singhabichte. Bei keinem Wasserloch machten wir eine größere Pause, und so erreichten wir am späten Vormittag Polentswa. An der Wasserstelle waren Springböcke, Kuhantilopen und Gnus.
Nach einiger Zeit fuhren wir zu unserem Campingplatz für die nächsten zwei Nächte. Wir hatten zum ersten Mal den Platz Nummer 1 mit Blick auf die Ebene, der ganz unten am Pfannenrand liegt. Hier gefiel es uns sehr. Wir inspizierten die Toilette, aßen den Rest Wurstsalat und kochten Tee und Kaffee. Ruth baute eine kleine Vogeltränke. Anschließend ging es noch einmal los. Mittlerweile wehte ein kräftiger Wind, der Staub und Sand in die Lust wirbelte. Die verrückten Gnus an der Wasserstelle rannten ständig hin und her oder wälzten sich im Sand, so dass man bald gar nichts mehr sehen konnte.
Wir fuhren weiter Richtung Nordwesten. Unser Ziel war Unions End. Vor zwei Jahren waren wir lediglich bis Grootkolk gekommen. Wegen des starken Windes sah die Fahrbahn stets wie frisch gegraded aus, und wir zogen eine neue Spur. Lediglich ein anderes Fahrzeug kam uns entgegen, und auch die Tiere hielten sich weitestgehend versteckt. An den Wasserstellen begegneten wir nur den üblichen Antilopen. Der Weg zog sich in die Länge. Irgendwann erreichten wir Unions End und hielten zunächst am Picknickplatz, später dann an der Informationstafel mit den Entfernungsschildern. Hier endete also die Straße durch den KTP. Bei unserem siebten Besuch im Park erreichten wir nun zum ersten Mal diesen Punkt. Aufgrund des starken Windes hielten wir uns nicht lange auf und kehrten am Zaun zu Namibia um.
Beim Rastplatz Unions End machten wir ein Picknick. Wegen des Windes blieben wir im Auto sitzen und aßen Leberwurstbrote.
Es war zwar sehr gemütlich, aber eigentlich ist es auch immer schön, sich ein wenig die Füße zu vertreten. Plötzlich entdeckte Ruth einen besonderen Vogel in einem Baum und sprang mit dem Fotoapparat aus dem Auto. Es war ein Priritschnäpper. So kam sie doch noch dazu, ein wenig herumzuspazieren. Eigentlich sah es mehr wie tanzen aus. Den Fotoapparat wild in den Windböen schwenkend hüpfte sie dem Vogel hinterher, dieser wiederum hüpfte ständig von einer auf die andere Seite im dicht bewachsenen Geäst des Baumes. Die Äste schwankten so gewaltig, dass auf jedem zweiten Foto ein angeschnittener oder gleich gar kein Vogel mehr zu sehen war. Schließlich war sie doch mit dem Ergebnis zufrieden und Uwe auch, denn er hatte ja genügend Zeit gehabt, in Ruhe zu essen.
Teil 5820. Jan. 2015
Dann ging es weiter. Da die Straße gut zu fahren war, kamen wir schnell wieder nach Süden. Recht bald sahen wir eine einzelne Surikate über die Straße huschen. Als wir anhielten, stand sie bereits in der Ebene zwischen Gras und spähte in die Gegend. Dann verschwand sie, um an einer anderen Stelle wieder aufzutauchen. Das war allerdings schon so weit entfernt, dass wir uns keine Hoffnungen machten, dass sie noch einmal zurückkommen könnte. Beim Wasserloch Lijersdraai überlegten wir kurz, ob wir auf eine braune Hyäne warten sollten. Wir hatten vor zwei Jahren dort eine beobachten können. Es ist schon verrückt, dass man immer denkt, man könnte eine tolle Sichtung an derselben Stelle noch einmal wiederholen. Wir waren zwar nicht fest verabredet, wäre aber ja möglich … Wir entschieden uns dagegen. Was für ein glücklicher Entschluss, denn genau in dem Augenblick, als wir zurück zum Wasserloch Polentswa einbogen, sprang Ruth gleich ganz aufgeregt auf ihrem Sitz herum. Das braune Zotteltier näherte sich zeitgleich mit uns von rechts.
Wir müssen schon sagen, besser als ewig an einem Wasserloch ohne Hyäne zu warten, ist doch auf jeden Fall gleich ein Wasserloch mit Hyäne vorzufinden. Unser Timing hätte nicht passender sein können. Schnell stellten wir den Motor ab, um das scheue Tier nicht zu vertreiben, aber die Hyäne lief zielstrebig zum Wasser.
Dort blieb sie nur etwa drei Minuten lang, spähte immer wieder in alle Richtungen und leckte sich die tropfende Schnauze. So aus der Nähe betrachtet sind wir uns immer noch nicht so ganz einig, ob sie nun wirklich schön oder nur selten sind. Auf jeden Fall werden wir dieses Exemplar wiedererkennen, wenn wir ihm noch einmal begegnen oder ein Foto sehen werden, da die Spitze des linken Ohres fehlte.
Nachdem sie ihren Durst gelöscht hatte, trottete sie in der ihr typisch geduckten Haltung mit windzerzaustem Fell davon und verschwand etwas später im hohen Gras.
Anschließend sahen wir noch einen Gaukler, und eine Herde Kuhantilopen kam zum Wasserloch. Dann fuhren wir hoch zum Campingplatz. Der Sundowner fiel leider ins Wasser oder besser in die Milch. Denn die lief uns im Kühlschrank aus, als wir die Getränke für den Sundowner herausholen wollten. So mussten wir erstmal alles trockenlegen.
Zum Abendessen machten wir Pizza. Dieses Jahr versuchten wir es – nach den mehr oder weniger misslungenen Versuchen einer Calzone auf dem Grillrost – im Potije und hatten Erfolg. Der Teig reichte für drei Pizzen, und sie wurden immer besser. Belegt mit Tomatenmark, Gewürzen, Knoblauch, Salami, Paprika, Zwiebeln und Käse wurden sie sehr lecker und kross. Das war eine tolle Abwechslung zu Steaks, Folienkartoffeln und Salat, die wir doch langsam nicht mehr sehen können.
Der Vollmond beleuchtete die Landschaft. Als es uns zu kalt wurde, gingen wir bei unter neun Grad ins Zelt.
Kilometer: 214
Teil 5925. Jan. 2015
Samstag, 9. August 2014 – Rund um Polentswa
Polentswa, KTP
Der Morgen in Polentswa war mit knapp unter zwei Grad frisch. Wir machten uns fertig und fuhren um kurz nach sieben los. Zunächst ging es den knappen Kilometer bis zum Wasserloch. Um die frühe Morgenstunde war dort noch nichts los außer ein paar Tauben, die in den Bäumen saßen. Da es uns noch zu kalt war, um auf Tiere zu warten, fuhren wir weiter zum nächsten Wasserloch südlich von Polentswa. Obwohl es dort eine befüllte Wasserstelle gab, sahen wir nie ein Tier dort, so oft wir bei Cousant vorbeischauten. Aber auf dem Weg dorthin entdeckte Ruth eine Tüpfelhyäne, die an irgendeiner Beute fraß. Leider war sie sehr weit entfernt. Zwei Schakale tauchten auf und versuchten, ein Stück zu ergattern. Aber die Hyäne passte gut auf und verscheuchte abwechselnd mal den einen, dann den anderen aufdringlichen Schakal.
Wir hielten uns nur kurz am wie erwartet verwaisten Wasserloch auf und kehrten schon bald wieder um. Die beiden Schakale waren verschwunden, und die Hyäne hatte den Rest eines Springbocks im Maul. Mit diesem Happen kam sie stolz geradewegs auf uns zu, überquerte die Straße und verschwand im Gebüsch.
Nun ging es zurück zum Wasserloch Polentswa. Dort verbrachten wir mehrere Stunden, und es wurde nicht langweilig. Wir sahen Springböcke, massenhaft Tauben und Greifvögel.
Gabarhabicht im Anflug
Es kamen Gnuherden, die tranken, sich im Schlamm und Sand wälzten und kleine Kämpfe untereinander ausfochten. Dabei wirbelten sie viel Staub auf.
Zwischen neun und zehn Uhr erschienen wie vorgestern bei Cubitje Quap die Flughühner. Zunächst drehten sie einige Runden, um sich dann neben oder direkt im Wasser niederzulassen.
Auch heute war ein Schakal gekommen, um sich sein Frühstück zu fangen.
Es gelang ihm gleich zweimal und sah sehr einfach aus. Das erste Huhn saß unbewegt auf der Erde und schien den Jäger gar nicht wahrzunehmen. Der Schakal brauchte im Vorbeilaufen nur zuzuschnappen.
Teil 6025. Jan. 2015
Nach ein paar Minuten war von dem armen Huhn schon nicht mehr als einige wenige Federn übrig.
Beim zweiten Huhn sprang er so plötzlich los, dass wir es gar nicht genau mitbekamen. Zwar hatte auch er zuvor mehrere Fehlversuche beim Beutefang, aber schließlich hielt er erneut ein mit den Flügeln schlagendes Flughuhn in der Schnauze. Schnell hatte er auch dieses Federvieh verschlungen.
Da konnte das Gnu auch noch so ungläubig schauen.
Gelbbauchgirlitz
Wir hätten noch ewig dort stehen und den kommenden und gehenden Gnus zuschauen können, wollten aber nochmal nach Nossob fahren.
Im Camp tankten wir, kauften Feuerholz und machten eine Mittagspause. Uwe sicherte Fotos, lud Akkus auf, und wir machten Rührei mit Speck. Anschließend duschten wir. Außerdem spülten wir das Geschirr. Ruth entdeckte beim Abscannen der Bäume über uns einen winzigen Perlkauz. Gut versteckt saß er weit oben im Geäst.
Etwas später als geplant brachen wir wieder auf. Auf dem Weg zurück nach Polentswa sahen wir viele Greifvögel. Bei Cubitje Quap saß ein Gaukler in einem Baum, ein anderer unmittelbar in der Wasserstelle. Um ihn herum schwirrten viele Bienen.
Bei Kwang näherte sich scheu ein großer Ohrengeier dem Wasser, trank und säuberte sein Gefieder.
Entlang der Straße hockten viele Weißbürzel-Singhabichte.
Vier Löffelhunde suchten auf der Ebene nach Futter. Zwei kleinere Tiere saßen in einiger Entfernung auf der Straße. Als wir näher kamen, liefen sie die Böschung hinauf und verschwanden. Obwohl das Gelände recht übersichtlich war, konnten wir nichts mehr entdecken. Entweder waren sie in einem Bau verschwunden oder hatten sich hinter einem Busch versteckt. Leider konnten wir nicht mehr herausfinden, ob es Löffelhunde, Kapfüchse oder etwas ganz anderes gewesen war. Auch beim Polentswa-Wasserloch hockte ein Gaukler-Pärchen im Baum. Sonst waren sehr viele Tauben am Wasser.
Fiskalwürger
Rechtzeitig zum Sonnenuntergang waren wir wieder auf dem Campingplatz. Wir machten ein großes Feuer und backten Brot.
Zum Abendessen grillten wir Boerewors und aßen Folienkartoffeln und Salat. Neben dem Schattendach, unter dem wir saßen, entdeckten wir einen winzigen Gecko. Da wir Angst hatten, ihn aus Versehen zu zertreten, brachte Ruth das kleine, steif gefrorene Kerlchen zwischen ein paar Steinen in Sicherheit. Durch die Wärme ihrer Hand wurde es wieder munter.
Der Vollmond schien, und eine Fledermaus drehte ihre Runden. Von Zeit zu Zeit heulten die Schakale.