Reisebericht - Selbstfahrertour durch Tansania

41 Antworten · 21,2k Aufrufe · gestartet 07. Dez. 2012 von beate
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Themenstarter1'450 Beiträge · seit 200607. Dez. 2012 · #1
Hallo,

seit Donnerstag sind wir von unserer Tansania-Reise zurück.

Als ersten muss ich mich nochmal für die viele Unterstützung und das Mut-Machen hier im Forum bedanken. Ich hatte es wirklich nötig. Nachdem ich das Buch "Kulturschock Tansania" gelesen hatte, hätte ich am liebsten die ganze Reise wieder abgesagt.

Ich möchte hier keinen grossen Reisebericht schreiben, aber trotzdem so einige Informationen weitergeben. Also fange ich einfach mal zum erzählen an:

Der Flug mit KLM kam pünktlich um 21.00 an. Die Visa-Ausstellung am Airport funktionierte für afrikanische Verhältnisse unproblematisch und schnell. Und unser vorbestellter Fahrer für den Transit wartete auch bereits um uns in die vorgebuchte Lodge "The Outpost" zu bringen. Diese Lodge war wohl einmal das Wohnhaus von Bernhard Grzimek.

Gleich hier muss ich nochmal viele Unterstützung erwähnen, wie wir von unserem Autovermieter, Tanzanien Pioneers, erhielten. Wie wir erst vor Ort erfuhren, ist der Besitzer, Daniel Staub, ein Schweizer, der gerade seine Firma aufbaut. Und da er momentan nur 1 Auto hat, aber für die Zulassung als Autovermieter 10 Autos braucht, hat er sich mit Serengeti Select zusammengeschlossen, da diese Firma eine Menge (wieviele weiss ich nicht) hat. Und Nathan, von Serengeti Select, ist genauso hilfsbereit, wie wir feststellen konnten.

Die Auto-Übernahme am nächsten Tag erfolge penibel genau mit Nathan, der uns auch gleich noch ein paar Tipps mitgab. Dann kam der grosse Einkauf bei Shoprite. Wir wollten zuerst in den Arusha NP und konnten deshalb erstmal "Probekaufen", da wir auf dem Rückweg ja nochmal vorbeikamen.

Als sehr wertvoll erwies sich der grosse und gutgehende Kühlschrank im Auto. Diesen hatten wir wirklich nötig. Und das Dachzelt war nullkommanichts aufgebaut.

Also ging es erstmal in den Arusha NP. Um Parkgebühren zu sparen, übernachteten wir erstmal am Campground am Lake Doluti. Wir waren auf diesem schön am See gelegenen Campingplatz die einzigen Gäste und konnten in Ruhe unser Gepäck aus- und umpacken.

Gleich hier im Arusha NP sahen wir die ersten Tiere: Giraffen, Paviane, die sehr schönen Colobo-Affen, Büffel, Zebras, Warzenschweine.

Wr haben uns alle Campingplätze angeschaut und entschieden, dass Nr. 2 der schönste sei. Nur waren wir etwas erstaunt, dass Toiletten, Duschen und Küchenhaus zugesperrt waren. Wir waren in dieser Nacht die einzigen Gäste dort! Am nächsten Tag fragten wir am Momela Gate nach, warum hier alles abgesperrt war und erfuhren, dass wir uns den Schlüssel hätten holen sollen. Also haben wir für diese Nacht die Schlüssel abgeholt. Und wieder waren wir die einzigen Gäste dort und freuten uns schon auf eine zweite einsame Nacht, als um 18.00 h der Parkrancher kam und einen Kollegen ablud, mit einem Gewehr grösser als der ganze Kerl. Der sollte unsere Security sein. (Ich hatte den Eindruck, im Ernstfall hätte der mit dem Gewehr die Situation nur noch explosiver gemacht). Alle unsere Einwände halfen nichts, unsere Security blieb da und übernachtete anscheinend im Küchenhaus. Es sei Tanapa-Regel wurde uns erklärt. Aber anscheinend galt diese Regel nur für den Arusha NP, denn sonst bekamen wir nie eine Security.

Nach diesen 2 Nächten ging es zurück nach Arusha zum Grosseinkauf. Und diesmal war dieser Einkauf wirklich gross, denn wir mussten ja für ca. 2 Wochen ohne Einkaufsmöglichkeiten vorsorgen. Also hatten wir letztendlich das Auto voll mit ca. 100 Flaschen Wasser (im Auto selbst gabs noch einen Wassertank), 30 Flaschen Wein, 20 Dosen Bier, und jede Menge "Dosenfutter!". Auch ein bischen Fleisch für die ersten Tage gabs. Und Brot hatten wir uns zum Glück von zuhause mitgebracht, sowie auch einige Brotaufstriche in Dosen. Denn da hätten wir in Arusha wirklich nichts vergleichbares gefunden.

Hier nochmal ein Dankeschön für den Tipp für den Sakina-Supermarkt. Der ist wirklich gut sortiert und hat günstige und gute Weine. Aber auch einige andere Sachen kauften wir da noch ein, die wir beim Shoprite nicht gefunden hatten.

Wir fuhren an diesem Tag zum Tangarire NP und übernachteten auf dem Zion CG kurz vor dem Parkeingang. Am nächsten Tag gings in den Park, und wir waren total erschlagen: so viele Elefanten hatten wir auf allen unseren Afrika-Reisen zusammen noch nie gesehen. Ich schätze mal, an diesem Tag sahen wir ca. 2000 Elefanten. Auch alle anderen erwarteten Tiere waren zuhauf da. Unter anderem eine Löwenfamilie gleich neben der Strasse unter einem Busch und drei Löwen-Weibchen, die sich vom Canyon-Rim aus die Speisekarte ansahen!

Also der Einstieg war schon mal sehr gelungen. Obwohl: es gab tausende von Tsetse-Fliegen. Und dies erwies sich im gesamten Urlaub als der einzige Nachteil. Ich war teilweise so weit, dass ich diesen Biestern eine Intelligenz zusprach. Denn wenn man sie erschlagen wollte, liessen sie sich einfach fallen und waren verschwunden. Nach ein paar Minuten kamen sie dann heimlich wieder raus und bissen in die Knöchel!

Ich hatte nach 2 Tagen ca. 50 Bisse, und jeder einzelne hat sich entzündet. Erstmal tats fürchterlich weh, dann kam der Juckreiz. Dann schwoll die Bissstelle ca. 7-8 cm im Durchmesser dick an. Dann erschien in der Mitte eine grosse Wasserblase, die beim nächsten Duschen aufplatzte. Und dann blutete es erstmal 2 Tage lang.

Und ich hatte Bisse an den unmöglichsten Stellen. Also auch an Stellen, die bestimmt nie ohne Bekleidung sind. Die Biester müssen durch die Hosen, Socken und T-Shirt durchgebissen haben. Jetzt muss ich mich erstmal schlau machen, wie es mit der Schlafkrankheit aussieht.

Übernachtet haben wir an diesem Tag am Panorama Campground, mit Blick auf den Lake Manyara. Dieser NP, den wir am nächsten Tag besuchten, war allerdings eine Enttäuschung. Es gab praktisch keine Tiere, nur ein paar Vögel zu sehen.

Und dann kam die Strecke, die mir vorab am meisten Kopfzerbrechen gemacht hatte. Die Strasse zum Lake Natron sollte ja eine sehr einsame Strasse durch exotische Landschaften (so ein Münchner Reiseveranstalter) sein. Naja, einsam waren nur Teile und exotische Landschaften habe ich schon schönere gesehen. Die Strasse selbst war eine einzige Wellblech-Piste, die man nur sehr langsam (oder sehr schnell) fahren kann. Wir entschieden uns für die langsame Variante, was zwar mehr Rütteln erzeugt, uns aber sicherer schien, als irgendwann mal ein fliegendes Auto zu haben. So dauerte die Fahrt zum Lake Natron dann 6 Stunden.

Auf der Fahrt wurden wir auch ganz schön von den Massai abgezockt: Obwohl das Ministerium eine Verfügung herausgegeben hatte, dass diese Strassensperren nicht rechtmässig seien und man nicht zahlen solle, führte kein Weg vorbei und jede Diskussion verlief sinnlos: wir mussten insgesamt dreimal pro Person je 10 Dollar zahlen, um überhaupt weiterfahren zu dürfen.

Überhaupt: die Massai!!! Ich habe auf sämtlichen Afrika-Reisen noch nie eine solch aggresive Bettelei erlebt, wie im Massai-Gebiet. Wirklich jedes Kind und ca. die Hälfte der Erwachsenen, an denen wir vorbeifuhren, hielt die Hand auf. Ganz extrem war es auf der Zufahrt zum Tarangire NP. Da standen die 4-Jährigen, die eine Hand offen, in der anderen Hand Steine, die dann auf die Autos geworfen wurden. Zum Glück haben solch kleine Kinder noch nicht die Kraft, die Steine wirklich weit zu werfen. Aber für uns galt:
Wie erkenne ich einen Massai??? Am roten Umhang und an der aufgehaltenen Hand!!

Ich weiss nicht, wer das Wort vom "Stolzen Massai" geprägt hat, aber wenn ich das nocheinmal höre, bekomme ich einen Lachkrampf. Ich habe noch selten ein Volk mit so wenig Stolz gesehen.

Am Lake Natron wollten wir eigentlich auf dem Campingplatz am Wasserfall übernachten. Dieser war auch überall mit Wegweiser angeschrieben, aber es gab ihn nicht! So übernachteten wir auf dem sehr schon gelegenen World View Campground. Dort hatten wir auch die besten und neuesten Duschen unserer gesamten Reise.

Am nächsten Tag kam dann das Teilstück, über das wir am wenigsten Informationen sammeln konnten: die Strecke zum Kleins Gate. Ich hatte vor allem etwas Angst vor der Fahrt das Escarpment hoch. Ein paar Kilometer nach Lake Natron dachten wir dann, entweder unser GPS spinnt oder wir: das GPS zeigte einen Strassenverlauf nach Nordwesten, während die gut ausgebaute Strasse direkt nach Norden weiterging. Nachdem wir keine andere Möglichkeit hatten, fuhren wir weiter. Nach ca. 45 km macht diese Strasse dann eine Kurve nach Westen und man kommt bei Sonjo wieder auf die alte Strasse. Das heisst, man muss das Escarpment nicht mehr fahren! Diese Strasse ist auf der Strassenkarte von Reise Know How als Track eingezeichnet.

Ab Sonyo ist dann die Strasse wieder sehr schlecht und wird hinter Wasso erstmal noch schlechter. Aber die Landschaft hätten wir so nie erwartet: Wir fuhren durch richtige Urwälder und ich hatte eigentlich nur Steppe erwartet.

Bis zum Kleins Gate brauchten wir bei sehr langsamer Fahrweise 6 Stunden. Dann nochmal 2 Stunden bis zum Public Campsite in Lobo.

Morgen gehts weiter.

Beate
7'296 Beiträge · seit 200608. Dez. 2012 · #2
beate schrieb:
Ich weiss nicht, wer das Wort vom "Stolzen Massai" geprägt hat, aber wenn ich das nocheinmal höre, bekomme ich einen Lachkrampf. Ich habe noch selten ein Volk mit so wenig Stolz gesehen.
... das liegt am Zusammentreffen von zunehmendem Tourismus in Regionen mit traditionell lebenden Völkern und kannst Du z.B. auch bei den Himbas beobachten. Unter den zahlreichen Touristen ist ein geringer Prozentsatz, der wahllos irgendwelches Zeug verschenkt und die Menschen lernen daraus, dass jeder was zu verschenken haben muss. Irgendwann beginnt es, dass sie es einfordern.

Wenn man die Himbas oder Massai (müsste es nicht Maasai heißen, da ihre Sprache Maa heißt?) wirklich mal abseits der automobil frequentierten Wege antrifft, dann ist ihr Verhalten nämlich in der Regel völlig anders.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
6'369 Beiträge · seit 201108. Dez. 2012 · #3
Hoi zämä

Da kann ich Wolfgang mur zustimmen!

Als wir vom Ngorongoro-Hochland zum Lake Natron wanderten waren die Massai zwar immer zur Stelle um ihre Ware zu verkaufen, Bettlerei haben wir aber erst am Lake Natron erlebt, dort aber so heftig dass ich sogar drohen musste um überhaupt ins Auto einsteigen zu können...echt mühsam!!!
Wenige Kilometer daneben, in der Nähe unserer Campsite, keinerlei Bettlerei und keine aufdringlichen Leute, im Gegenteil!!!
Wir durften sogar fotografieren ohne dass auch nur ein mal Geld dafür verlangt wurde.
BikeAfrica schrieb:...müsste es nicht Maasai heißen, da ihre Sprache Maa heißt?
Das schreiben sogar die Massai auf unterschiedliche weise...
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
7'296 Beiträge · seit 200608. Dez. 2012 · #4
picco schrieb:
BikeAfrica schrieb:...müsste es nicht Maasai heißen, da ihre Sprache Maa heißt?
Das schreiben sogar die Massai auf unterschiedliche weise...
Danke für die Info!
Das finde ich interessant ...

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Themenstarter1'450 Beiträge · seit 200608. Dez. 2012 · #5
Hallo Ihr Beiden,

das das mit dem zunehmenden Tourismus zusammenhängt, da habt Ihr schon Recht. Auch bei den Himbas haben wir diese Bettelei erlebt, allerdings längst nicht so aggressiv.

Trotzdem: auch anderswo auf der Welt gibt es zunehmenden Tourismus. Wir sind z.B. auch sehr viel in Südamerika unterwegs. Und die Indianervölker dort leben bestimmt auch nicht besser als die Massai. Aber die kämen überhaupt nicht auf die Idee, die Touristen anzubetteln oder gar zu bedrängen. Klar, wenn sie Dir geholfen haben und Du bietest ihnen ein Cola oder auch mal eine Dose Bier an, die nehmen sie gerne. Aber Bettelei gibts nur in den Grosstädten, und das gilt ja überall auf der Welt.

Gruss Beate
7'296 Beiträge · seit 200608. Dez. 2012 · #6
beate schrieb:das das mit dem zunehmenden Tourismus zusammenhängt, da habt Ihr schon Recht. Auch bei den Himbas haben wir diese Bettelei erlebt, allerdings längst nicht so aggressiv.

Trotzdem: auch anderswo auf der Welt gibt es zunehmenden Tourismus. Wir sind z.B. auch sehr viel in Südamerika unterwegs. Und die Indianervölker dort leben bestimmt auch nicht besser als die Massai.
... aber die Art des Tourismus unterscheidet sich. Gerade Kenya/Tanzania im Bereich der bekannten Nationalparks wird häufig als Pauschalreise sehr günstig angeboten und es fahren einfach sehr viele Leute dort hin, die sich vorher nicht damit beschäftigen. Die lesen irgendwo (auch manchmal hier im Forum), dass man irgendwelche "Geschenke" verteilen soll und damit fängt der ganze Kram an.

In Südamerika wird das in 20 Jahren vermutlich ähnlich aussehen. Ich würde mich freuen, wenn ich mich irre.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Themenstarter1'450 Beiträge · seit 200608. Dez. 2012 · #7
Also eigentlich wollte ich nur einen kurzen Abriss der Reise geben, aber wenn ich mal ins erzählen komme.........

Also weiter gehts:

Der Public Camsite in Lobo liegt sehr schön, etwas erhöht an einem Kopje, auf dem wir Klippspringer beobachten konnten und nachmittags die Hyraxe (ist das die richtige Mehrzahlform?) spielten und sich nicht von uns stören liessen.

Das Küchenhaus ist völlig neu gebaut. Wir waren wiedermal die einzigen Gäste. Als wir unsere Lebensmittel ins Küchenhaus trugen, schaute ein Pavian-Männchen um die Ecke. Mein Mann hat ihm gleich mal mit der Schleuder ein Steinchen hinterhergeschickt und damit hatten wir für die nächsten 3 Tage Ruhe. Am 2. und 3. Abend haben wir sogar draussen gegessen.

Wir sassen noch lange draussen und genossen den Ausblick: direkt vor uns weidete eine Herde Büffel. Nur kamen diese Büffel nachts auf die Idee, dass das Gras auf dem Campingplatz besser schmecken könnte. Das nahmen wir ja noch hin. Aber als dann 2 Männchen auch noch zum Kämpfen anfingen und die Hörner nur so krachten, da wurde uns doch etwas mulmig. Ich hatte Angst, die könnten im Eifer des Gefechtes das Auto rammen. Also leuchteten wir mit der Taschenlampe vom Zelt aus auf die Hinterteile und "vertrieben" sie so mit dem Licht.

Ausserdem hörten wir in dieser Nacht einen Löwen sehr nah brüllen.
Am nächsten Morgen beim Frühstück kam dann ein Elefant zu Besuch vorbei, so ca. 10 - 20 Meter neben dem Auto.

Der Gamedrive am nächsten Tag war natürlich ein Erfolg. Wir sahen ganze Flächen voll mit Gnus, Zebras und allen möglichen Antilopen. Dann hörten wir, dass ganz in der Nähe ein Löwenweibchen mit 2 Jungen auf einem Felsen sei, fuhren los und fanden die Stelle. Die Jungen waren schon relativ gross, aber sehr relaxed und aalten sich in der Sonne auf einem Felsen. Als wir am nächsten Tag nochmal vorbeifuhren, war auch die Mama dabei.

Die zweite Nacht waren wir wieder die einzigen Gäste. In der dritten Nacht kam ein belgisches Ehepaar mit Fahrer und Guide. Diese Ehepaar war ganz erstaunt, dass man in Tansania auch selbsts fahren könne und dürfe. Überhaupt waren wir als Selbstfahrer überall wo wir hinkamen die Exoten. Wir sahen auch auf der gesamten Tour nur noch 2 selbstgefahrene Autos mit Dachzelt. Es ist also noch völlig unüblich, auf diese Art zu reisen.

Als wir an diesem Abend noch gewohnheitsmässig vor dem Auto standen und mit der Taschenlampe die Umgebung ableuchteten, lief gerade zufällig und ohne dass man was hörte, ein männlicher Löwe ca. 20 Meter vor uns vorbei.

Dann gings weiter nach Seronera. Wieder hunderte von Tieren: Elefanten, Gnus, Zebras, Hippos. Und dann kurz vor Seronera ein Highlight: eine Löwenfamilie am frischen Riss, direkt neben der Strasse. Und es waren nur ein paar Gamedriver da. Die Geier, Marabus, Hyänen und Schakale versuchten auch ein Stückchen zu ergattern. Es ging richtig turbulent zu.

Wir schauten uns alle Campingplätze in Seronera an, alle waren nicht schön und sehr voll. Aber der letzte, der Tumbili war auch nicht schön, dafür aber total leer. Auch hier waren wir dann für 3 Nächte die einzigen Gäste auf einem riesigen Campingplatz.

Abends vergas der Campwart (oder wie immer man ihn nennt) die Tür zum Küchenhaus abzuschliessen. Und während wir 50 m entfernt in aller Ruhe unser Abendessen machten, tobten sich die Paviane im Küchenhaus aus. Bis mein Mann vor ging und mit der Schleuder mal reinschoss! Sowas muss man gesehen haben, die Paviane überschlugen sich in Panik, sie sprangen bis unters Dach und fanden natürlich in der Aufregung den Ausgang nicht gleich. Dafür hatten wir dann die folgenden beiden Abende wieder total unsere Ruhe.

Am nächsten Tag fuhren wir eine anscheinend unübliche Route für unseren Gamedrive. Zumindest waren wir das einzige Auto auf der Strecke und hatten Glück: direkt neben der Strasse 2 Löwen-Männchen und ein Weibchen. Das eine Männchen lag in aller Pracht auf dem Rücken und schlief. Und das Weibchen machte wirklich das andere Männchen an und wir sahen die schönste Löwen-Sex-Nummer. Ca. 1/2 Stunden konnten wir beobachten, wie das Weibchen das Männchen immer wieder aufforderte.

Zurück dann kurz vor dem Visitercenter: 6 oder 7 Gnus waren bei einer Fluss-Überquerung im Sumpf steckengeblieben und verendet. Ich glaube, alle Geier und Marabus der gesamten Serengeti hatten sich zum Festmahl versammelt. Und es stank gottserbärmlich.

Auch am nächsten Tag kamen wir wieder durch grosse Herden, sahen Löwen direkt am Strassenrand und mussten warten, bis Elefanten den Weg freigaben.

Dann gings weiter zu den Moru Kopjes. Dort hatten wir den Special Campsite Nr. 6 reserviert.

Auf der Fahrt fing es zum Regnen an und goss ca. 3 Stunden lang aus vollen Kübeln. Die Strassen verwandelten sich in eine Rutschpartie.

Als wir zum Campsite kamen, befand sich darauf ein grösseres Camp, das nicht so aussah, als ob es in den nächsten Tagen abgebaut werden sollte. Wir liesen also dem Parkrancher kommen, der dann auch ganz offiziell feststellte, dass wir die Berechtigung hätten, dort zu übernachten und die anderen illegal dort seien. Es waren alles Schwarze und ich nehme an, sie erwarteten in den nächsten Tagen gebuchte Touristen und hatten Ihr Camp schon mal aufgebaut.

Wir erklärten dem Parkrancher, dass es uns eigentlich egal sei, wo wir übernachten. Er solle uns nur sagen, welcher Campsite frei ist. Zu unserem Erstaunen wusste er es nicht, bzw. sagte, er würde über Buchungen nicht informiert. Aber auf Campsite Nr. 3 hätte er heute noch keine Gäste gesehen, wir sollten dort mal hinfahren.

Und es stellte sich heraus, dass dieser Campsite wesentlich schöner war als Nr. 6. Er lag etwas erhöht, wir hatten wieder einen tollen Überblick über die Savanne. Nur an diesem Tag war uns gar nicht nach Überblick: Es war nur noch nass, überall! Und kalt. Unser Abendessen nahmen wir im Auto ein, der einzige trockene Platz.

Auf dem Weg nach Moru Kopjes hatten wir auch das Glück, gleich neben der Strasse eine Geparden-Mutter mit 3 Jungen beobachten zu können.

Unser erster Gamedrive um die Moru Kopjes war gleich absolut erfolgreich: Wir hatten wirklich das Glück, an einem Tag alle Big Five zu sehen. Der Leopard und das Nashorn waren allerdings zu weit entfernt, um wirklich gute Bilder machen zu können. Insgesamt sahen wir an diesem Tag aber 12 Löwen.

Und wieder fuhren wir durch grosse Gnu- und Zebra Herden.

Und morgen gehts weiter.

Beate
2'462 Beiträge · seit 200609. Dez. 2012 · #8
Danke, Beate, für Deinen Bericht und die so ehrlich geschilderten Beobachtungen vor Ort. Nächstes Jahr würde ich wahnsinnig gern Tansania als Selbstfahrer ohne Guide versuchen und freue mich daher über jeden Bericht.

Viele Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
zuletzt bearbeitet 09. Dez. 2012
55 Beiträge · seit 201009. Dez. 2012 · #9
Auch von mir vielen Dank für dem informativen Bericht! Freue mich auf die Fortsetzung... Wir planen gerade eine ähnliche reise....

Beste Grüße

Wilson
983 Beiträge · seit 201109. Dez. 2012 · #10
Auch ich lese deinen Bericht mit großem Interesse, da ich überlege, irgendwann mal nach Tansania zu fliegen. Dabei gibt es für mich die Varianten sich fahren lassen oder selbst fahren.

Deine bisherigen Beschreibungen sprechen dann wohl eher für sich fahren lassen!?
Beste Grüße rhh64
Themenstarter1'450 Beiträge · seit 200609. Dez. 2012 · #11
rhh64 schrieb:Deine bisherigen Beschreibungen sprechen dann wohl eher für sich fahren lassen!?
Nein, ganz im Gegenteil. Wir fanden das selberfahren wesentlich entspannter. Wenn man einmal sieht, wie die Fahrer der Tour-Companies über die Piste fliegen, dann kann einem Angst und Bange werden. Zumindest ich hätte mich spätestens am 3. Tag geweigert, einzusteigen. Die jagen sich gegenseitig über die Strassen, einfach nur Wahnsinn.

Einmal am Ngorongoro Krater sind wir ausgestiegen, um das Grab von Grzimek anzuschauen. Und bemerkten da erst, dass genau hinter uns eine Elefantenherde die Strasse überquerte. Wir hatten sie vorher nicht gesehen. Wenn da jetzt ein Auto so schnell wie üblich um die Kurve gekommen wäre, dann hätte es ganz schon gekracht. Denn so schnell kann keiner Bremsen, noch dazu auf einer vom Nebel nassen Strasse. Was den Fahrern aber keinen einzigen Gedanken gemacht hat.

Ein Vorteil unseres Mietwagens, den ich noch gar nicht erwähnt habe: Auf der Seite der Autotüren war das Logo der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft. So dachte jeder, wir seien von dieser. Was uns zwar keinen finanziellen Rabatt gebracht hat, aber sehr viel aufsehen.

Gruss Beate
6'369 Beiträge · seit 201109. Dez. 2012 · #12
Hoi zämä
beate schrieb:Wenn man einmal sieht, wie die Fahrer der Tour-Companies über die Piste fliegen, dann kann einem Angst und Bange werden. Zumindest ich hätte mich spätestens am 3. Tag geweigert, einzusteigen. Die jagen sich gegenseitig über die Strassen, einfach nur Wahnsinn.
🙄
Das hab zumindest ich so weder gesehen noch erlebt...wir hatten immer besonnene Fahrer und offenbar die in unserer Sichtweite auch...:)
Aber es ist schon teilweise bedenklich wie auf den Strassen gefahren wird, das kann ich bestätigen!
Busse, die in unübersichtlichen Kurven mit 100km/h überholen usw...aber da hat Kenya noch mehr zu bieten als Tansania...😈
Ob das nun für oder gegen Selbstfahren spricht muss jeder selbst entscheiden, ich lass mich fahren weil ich dann mehr zu sehen kriege, aber jedem wie's ihm/ihr gefällt!
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
195 Beiträge · seit 200909. Dez. 2012 · #13
Hallo Beate,

ich freue mich auf die Fortsetzung deines spannenden Berichtes und hoffe, ihr lasst euch nach den zahlreichen Tsetsefliegenstichen, die sich auch noch entzündet haben, noch mal tropenmedizinisch durchchecken.
LG Ina
5'479 Beiträge · seit 200910. Dez. 2012 · #14
Vielen Dank für die aktuellen Informationen. Schreib bitte schnell weiter, denn in 11 Tagen geht unser Flieger zum KIA.
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
Themenstarter1'450 Beiträge · seit 200610. Dez. 2012 · #15
Unsere Game-Drives rund um Moru-Kopjes waren alle sehr erfolgreich. An einem Tag sahen wir 5 Löwen ca. 3-4 m hoch in einem Baum auf Ästen liegen und schlafen, die Beine baumelten wie bei Spielzeugrtieren lose herunter. Am nächsten Tag fanden wir auf einem Kopje, malerisch angeordnet, eine Gruppe von 16 Löwen. Auf einem etwas höheren Felsen lag "Lion-King". Die ganze Szene erinnerte wirklich an den Film.

Jeden Abend kamen die Giraffen und ein Strauss an unserem Auto vorbei. An einem Abend sogar ein Stachelschwein.

Zumindest ein grosser Teil der Migration dürfte schon in diesem Gebiet angekommen sein. Heuer kam der Regen etwas früher und somit zogen die Tiere auch früher los. Man konnte am Gras genau sehen, wo die Migration schon durchgezogen war. Es schien, als ob sich die Gnus gerade im Gebiet der Moru-Kopjes versammelten.

Leider musten wir nach 2 Nächten wieder weiter. Wir fuhren auf der Hauptstrasse nach Süden über die Serengeti Plains. Das Land ist wirklich total eben, es war trocken und staubig. Hier hatte es noch nicht geregnet. Ausser ein paar vertrockneten Grashalmen gabs keine Vegetation. Dementsprechend sahen wir auch nur ab und zu mal ein Impala.

Nur direkt am Strassenrand, da stand manchmal ein vertrockneter Busch. Und unter solchen Büschen konnten wir dreimal je einen Löwen entdecken. Diese Löwen lagen tatsächlich halb auf der Strasse und liessen sich auch durch zentimenternah vorbeifahrende LKW nicht stören.

Am Naabi-Gate dann eine total andere Welt: Hier machen die meisten Tour-Guides mit ihren Gästen einen Mittags-Stop. Es ging zu wie in einem Biergarten. Und natürlich war nirgends angeschrieben, wo, an welchem Schalter, man was erledigen musste. Klar, die Tour-Guides wissen das und Privatfahrer kommen ja (fast) nie vorbei. Aber nach ca. 1 Stunde hatten wir auch hier den gesamten Papierkram erledigt.

Natürlich wurden wir bei Bezahlung der Fee für die NCA darauf hingewiesen, dass wir einen Guide für die Abfahrt in den Krater buchen müssten. Wir lehnten ab, was kommentarlos hingenommen wurde.

Unsere Weiterfahrt ging aber erstmal über wieder total trockene Ebene nach Ndutu. Erst kurz vor dem Ndutu Lake gibts wieder einen trockenen Wald und sofort auch wieder Elefanten. Nachdem es in Ndutu keinen Public CG gibt, hatten wir auch hier eine Special Campsite gebucht. Leider gibts in Ndutu, im Gegensatz zur Serengeti, keinerlei Wegweiser und so fanden wir diesen Special Campsite nicht. Glücklicherweise hatten wir schon zuhause die Rangerstation in das GPS eingegeben, sodass wir dort vorbeifahren konnten. Und erlebten wieder ein oft gesehenes Schauspiel:

Erstmal muss der Parkranger zeigen, wie wichtig er ist, indem er ein langes Telefonat führt. Dann wird das Permitt angenommen und laaaaange studiert. Dann bekam er auf einmal Hektik und telefonierte, jetzt in einem ganz anderen Ton. Nur um uns danach ganz kleinlaut zu sagen, dass ein Fehler passiert sei und unser Campingplatz leider schon besetzt sei.

Ehrlich, ich glaube in diesen beiden Fällen nicht an einen Fehler. Ich glaube eher, dass die Tourveranstalter die Parkranger geschmiert haben, damit sie Ihr Camp nicht jedesmal abbauen müssen. Es ist ja auch viel einfacher, das Camp stehenzulassen, wenn man ein paar Tage später wieder mit Kunden dort ist. Und die Zentrale in Arusha weiss davon natürlich nichts.

Aber auch diesesmal konnten wir den Parkranger beruhigen, in dem wir ihm sagten, dass es uns eigentlich egal ist, wo wir übernachten, er solle uns nur ein schönes Plätzchen zeigen. Und das tat er auch: wir bekamen einen Platz direkt an der Abbruchkante mit Blick auf den Lake Ndutu und die Flamingos. Eine Giraffen-Familie mit 2 Jungen stand herum und sah neugierig zu, wie wir unser Abendessen zubereiteten.

Am nächstem Morgen kam erstmal eine grössere Gruppe Elefanten vorbei, sodass wir es vorzogen, uns ins Auto zurückzuziehen und zu warten, bis die Elefanten weit genug weg waren, damit wir in Ruhe frühstücken konnten.

An diesem Tag gings Richtung Ngorongoro-Krater. Zuerst machten wir aber einen Abstecher in die Olduvei-Schlucht. Dort gibts ein kleines Museum, in dem der Fund der ältesten Menschenknochen und die erfolgten weiteren Ausgrabungen ganz gut beschrieben ist. Von der Schlucht selbst sieht man nicht viel, es gibt nur einen sehr windigen Aussichtspunkt.

Dann kam die Auffahrt zum Krater. Je höher man kommt, desto grüner wird es. In der Höhe dann gibts Wiesen, die tatsächlich wie unsere Almwiesen aussehen, nur dass Gnus und Zebras drauf stehen.

Wir machten einen Stopp am Aussichtspunkt am Gate für die Abfahrt und genossen den Rundumblick. Ich hatte mir den Kraterboden bestimmt nicht so gross und weit vorgestellt. Am Campingplatz angekommen wurden wir sofort wieder drauf aufmerksam gemacht, dass wir ja keinen Guide gebucht hätten und wir sollten das doch schnellstens nachholen, sonst dürften wir morgen nicht in den Krater einfahren. Unsere Weigerung erzeugte sichtbares Unverständnis.

Wir stellten also unser Auto auf der einzigen ebenen Fläche des CG auf, ganz unten am Rand. Zu dieser Zeit waren wir noch die einzigen Gäste und damit ein gefundenes Fressen für die Massai, die uns unbedingt einen Speer oder doch zumindest eine Kette etc. aufdrängen wollen. Es war wirklich nervig. Nach fast 1 Stunde freundlicher Ablehnung, auf die nur mit immer neuen Argumenten reagiert wurde, blieb uns nichts weiter übrig, als unfreundlich zu werden. Das verstanden die Händler dann allerdings und liessen uns in Ruhe.

Am späten Nachmittag wurde der Campingplatz dann doch noch recht voll mit kleinen und grösseren Gruppen. Aber wieder waren wir die einzigen Privatfahrer.

Am nächsten Tag war auf dem gesamten Campingplatz schon recht früher Aufbruch. Wir liessen uns Zeit, da wir festgestellt hatten, dass die Tiere Mittags auch noch da sind! Als wir gegen 9.00 h am Gate ankamen, war der grösste Rummel schon vorbei. An der Kasse wurden wir, natürlich, wieder aufgefordert, einen Guide zu buchen. Wir erklärten, dass wir ja schon das 3. Mal hier seien, uns sehr gut im Krater auskennen, ausserdem GPS dabei haben und das letztemal auch ohne Guide runtergefahren sind. (Was natürlich nicht stimmte). Ausserdem hätten wir keinen Platz im Auto. (Wir hatten vorher schon die Rücksitze vollgepackt mit unseren Koffern). Der Kassierer warf einen Blick durch sein Fenster, von wo er das Auto gar nicht richtig sehen konnte, und gab uns dann das Permitt. Glücklich führen wir ohne Guide in den Krater.

Zuerst waren wir fast ein bischen enttäuscht, denn es waren längst nicht so viele Tiere da wie in der Serengeti. In einem Wäldchen sahen wir ein paar Wasserböcke und ein paar Elefanten. Dann sahen wir, dass draussen in der Ebene 2 oder 3 Autos standen und fuhren natürlich sofort hin: Ein Löwen-Rudel, ca. 20 Erwachsene und 7 oder 8 Junge, lagen bei einem frisch gerissenen Zebra. Ein Teil der Löwen lag schon vollgefressen und schwer atmend im Gras, während gerade 2 Löwinnen am Fressen waren und noch ein paar weitere Löwen warteten, bis sie an der Reihe wären. Die Hyänen stritten sich um einen Knochen und dazwischen versuchten die Schakale immer wieder, sich auch ein Stück Fleisch zu stibitzen. Innerhalb kürzester Zeit standen abgezählte 19 Autos um die Szene. Aber es ging recht diszipliniert zu. Jeder Fahrer blieb einige Zeit auf einem besonders guten Platz stehen, räumte diesen dann aber freiwillig wieder, damit auch andere Fahrer Ihren Gästen einen guten Blick bieten konnten.

Nach einiger Zeit fuhren auch wir wieder weiter, da wir, mit Recht, annahmen, dass wir den weiteren Kraterboden im Moment fast für uns allein hätten. Nachdem wir dann noch Hippos bewundert hatten, entschieden wir gegen 15.00 h wieder auszufahren. Da die normale Ausfahrt-Strasse momentan ausgebaut wird und deshalb gesperrt ist, muss man im Norden die Strasse zur Sopa-Lodge hochfahren. Auf dem Weg dorthin hatten wir dann wirklich das Glück, noch 2 Nashörner so nah auf einer Wiese zu sehen, dass wir sehr gute Fotos machen konnten. Und es war nur noch ein weiteres Auto da.

Von der Rückfahrt am Krater-Rim hatte ich mir etwas mehr versprochen. Leider gibt es nur ein paar Stellen, an denen man einen guten Blick in den Krater oder ins umliegende Land hat.

Der Rest folgt morgen.

Beate
1'523 Beiträge · seit 201110. Dez. 2012 · #16
Hallo Beate,

interessanter Reisebericht........ja ja die Tse-Tse...Du hast recht, die beissen

durch Jeans durch !!!!! und die sind nur "tot" wenn man sie zerquetscht, mit

Fliegenklatsche rappeln die sich irgendwann wieder auf, unglaublich zähe Mist-

viecher....

schmunzelnd......BMW
Themenstarter1'450 Beiträge · seit 200611. Dez. 2012 · #17
Als wir am nächsten Morgen aufwachten, sassen wir im dicksten Nebel. Sichtweite keine 10 m. Und es war kalt und nass. Das war der einzige Tag, an dem wir unser Frühstück im Auto einnahmen. Auch das Zelt musste notgedrungen nass abgebaut werden. Was waren wir froh, dass wir die Krater-Abfahrt schon gestern gemacht hatten. Heute hätte es bestimmt nicht so viel Spass gemacht.

Nachdem es also nichts mehr zum sehen gab, fuhren wir frühzeitig los. Das Fahren glich aber mehr einer Fahrt im deutschen Winter bei Glatteis. Durch die Nässe war die Strasse eine einzige Rutschpartie. Was allerdings die Fahrer der Tourveranstalter wiederum zu keinen weiteren Gedanken veranlasste. Die fuhren genauso schnell und natürlich ohne Licht um die Kurven, ohne irgendwelche Sicht zu haben. Und da wir das Pech hatten, die einzigen Fahrer bergab zu sein, alle anderen kamen uns entgegen, war es für uns höchst ungemütlich (um es mal einfach auszudrücken). Zwei- oder dreimal entkamen wir einem Frontal-Aufprall wirklich nur, in dem wir brutal in das seitliche Gebüsch fuhren. Ich weiss einfach nicht, was sich die Fahrer, noch dazu mit Gästen im Auto, bei einer solchen Fahrweise denken.

Erst nach ca. 2 Stunden Fahrzeit, unter 1000 Höhenmeter, lichtete sich der Nebel und die Sonne kam durch.

Am NCA-Ausgang gibts ein kleines, aber sehr schönes neues Visitercenter, in dem viele Tiere und Pflanzen erklärt sind und auch ein Film über die Tiere der Serengeti angeschaut werden kann. Und hier fanden wir nach 14 Tagen endlich einen funktionierenden Internet-Anschluss, um die bereits vorbereiteten e-mails abschicken zu können und unsere mails zu checken.

In dieser Nacht übernachteten wir nocheinmal am Panorama Campground hoch über dem Lake Manyara. Wir machten unser Abendessen auf der Terrasse mit herrlichem Ausblick in die Ebene.

Der nächste Tag war eigentlich unser Puffertag. Nachdem der jetzt noch übrig war, entschieden wir, nocheinmal in den Tangarire NP zu fahren. Und stellten fest, dass es dort noch genausoviele Tiere gab wie 3 Wochen vorher. Es war wieder genauso aufregend, durch grosse Herden Elefanten zu fahren und die Löwen anzuschauen. Allerdings waren auch die Tsetse-Fliegen noch da und wir holten uns die letzten Bisse.

Am Mittwoch, 5.12. konnten wir dann gegen Mittag unser Auto zurückgeben, unbeschädigt, nach insgesamt nur 2.100 aber aufregenden Kilometern.

Nachdem unser Flug erst abends ging, genehmigten wir uns noch ein schönes Essen im Restaurant "Heron", das auf dem Grundstück von Serengeti Select steht und der Schwester von Daniel Staub gehört.

Der Rückflug war sehr ruhig und sehr bequem. Nachdem das halbe Flugzeug leer war, konnten wir uns so richtig ausbreiten. In Amsterdam landeten wir dann allerdings im Schneesturm und der Flughafen war ein einziges Chaos. Als wir dann letztendlich in München mit über 1 Stunde Verspätung landeten, waren unsere Koffer natürlich nicht da. Das machte uns allerdings nichts aus, mussten wir sie deshalb auch nicht schleppen.

Nachdem es gerade Mittag war, gönnten wir uns gleich am Flughafen im "Airbräu" ein paar Weisswürste mit Brezen und einem Bier.

Happy back in Bavaria!


Beate


PS: Mit dieser Reise verabschieden wir uns aus Afrika. Wir haben festgestellt, dass wir fürs Dachzelt unterdessen wirklich etwas zu alt sind. Und alles, was wir früher als unbequem hingenommen haben, wurde auf einmal anstrengend,

Auf der anderen Seite würden wir uns in einer Lodge auch nicht wohlfühlen. Ich möchte abends bequem herumlümmeln, mich zum Abendessen nicht extra umziehen müssen und vor allem kann ich zum Dinner keinen small talk gebrauchen.

Zum Glück gibts noch so viele andere Länder, die (nocheinmal) besucht werden wollen.

Wir möchten uns hier nocheinmal ganz herzlich bei Daniel Staub von Tanzanian Pioneers und Nathan von Serengeti Select für die tolle Unterstützung bei der Vorbereitung unserer Reise bedanken. Ich kann diese Firma nur bestens weiterempfehlen.

Vielen Dank auch allen Forenmitgliedern, wie mir vorher so viel Mut zugesprochen haben und mich mit so vielen Tipps versorgt haben.
Natürlich werde ich dem Forum auch weiterhin erhalten bleiben und versuchen, meine Erfahrungen weiterzugeben.

Beate
zuletzt bearbeitet 11. Dez. 2012
3'700 Beiträge · seit 200911. Dez. 2012 · #18
Hallo Beate,

ganz herzlichen Dank für Deinen sehr informativen Bericht. Ich habe vieles daraus für unsere Tourvorbereitung notiert!
Auf der anderen Seite würden wir uns in einer Lodge auch nicht wohlfühlen. Ich möchte abends bequem herumlümmeln, mich zum Abendessen nicht extra umziehen müssen und vor allem kann ich zum Dinner keinen small talk gebrauchen.
Das kann man doch aber auch in Afrika realisieren. 😉

Ganz lieben Dank und mit herzlichen Grüßen
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
Themenstarter1'450 Beiträge · seit 200611. Dez. 2012 · #19
Butterblume schrieb: Das kann man doch aber auch in Afrika realisieren. 😉

Ich bin mir da nicht so sicher. Wir waren in unserem allerersten AFrika-Urlaub, in Namibia, trotz Dachzelt zwei- oder dreimal in einer Lodge. Und ich fand es ganz fürchterlich, wenn man z.b. damals in der Anib-Lodge, abends an einem langen Tisch sass, die Gastgeberin jeden Gang erklärte, und man dann rechts und links fremde Menschen hatte, mit denen man auch noch sich gepflegt unterhalten sollte. Und das noch dazu in englisch. Da war nichts mit gemütlich im Sessel lümmeln, ein Glass Wein in der Hand und die Stimmung geniessen!

Vielleicht, oder höchstwahrscheinlich mögen das viele Touristen. Da können sie sich so richtig aufblasen und von den tollen Erlebnissen des Tages erzählen. Aber da müsste ich immer an mich halten, um nicht eine blöde Bemerkung zu machen.

Nein nein nein, das ist nichts für mich. Nicht in Afrika und auch nirgends sonst auf der Welt.

Beate

PS: Ich wollte auch diesen Reisebericht gar nicht schreiben. Einfach weil ich der Meinung bin, es interessiert doch niemanden, was ich erlebt habe. Gut, ein paar gezielte Tipps auf Anfrage im Forum weitergeben, das ist Hilfestellung. Aber ich habe noch nie einen Reisebericht geschrieben. Dies war also mein erster und gleichzeitig letzter.
zuletzt bearbeitet 11. Dez. 2012
3'700 Beiträge · seit 200911. Dez. 2012 · #20
Hallo Beate,

aber kleine, feine Unterkünfte gibt es doch auch in Afrika. In Uganda haben wir uns eine Jahrezeit ausgesucht, in der fast alle Camps relativ leer waren.

Auch letztes Jahr in Botswana hatten wir mit der Dombo Farm, Touch of Africa und Senyati absolutes Glück.

Oder vielleicht ist eine private Campsafari in Tansania/Kenia eine Option. Bin da gerade an der Recherche fürs südliche Tansania 😊

Trotzdem ganz lieben Dank für Schreiben, Beate!

Mit herzlichen Grüßen
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de