Nachtrag - wer den Reisebericht ohne Kommentare lesen möchte, braucht nur auf die Sonne klicken – wir haben jetzt alle Einträge entsprechend markiert! 🤩
MooseOnTheLoose und ich sind nach 3 1/2 Wochen Madagaskar wohlbehalten, jeweils in einem Stück, zurückgekehrt, nach einer anstrengenden, aber irrsinnig schönen Reise.
Was es mit den Knäckebroten auf sich hat, könnt ihr hier nachlesen (das haben wir unterwegs geschrieben):
Unsere erste Etappe ist der Wald der singenden Teddybären, genauer gesagt der Andasibe-Nationalpark, wo die größte Lemuren Art, der Indri, beheimatet ist. Die sehen nicht nur niedlich aus, sondern können auch sirenenartige Rufe ausstoßen, die einem durch Mark & Bein gehen.
Sehr empfehlenswert, dort hin zu fahren. Wir haben im Feon Ny Ala übernachtet. Unser erstes Zebu-Steak am Abend: LECKER!
Teil 230. Juni 2012
Hier ein "Looping" im Dornenwald von Ifaty:
Teil 301. Juli 2012
Ok, hier ist mal eine der versprochenen Textpassagen:
Samstag, 23. Juni, Flughafen Tulear.
15:00 Ein Peugeot 505, der vermutlich mindestens genauso alt ist wie ich, setzt uns nach 1-stündiger Fahrt wohlbehalten am völlig menschenleeren Flughafen Tulear ab. Hätte ja was schiefgehen können, deshalb sind wir so früh gekommen. Das Angebot des Fahrers einer Stadtrundfahrt in Tulear, um den Nachmittag auszufüllen, lehnen wir daher auch dankend ab und verabschieden uns.
19:30: Der für diesen Termin angesagte Abflug von Air Madagascar nach Antananarivo verspätet sich erheblich. Eine halbe Stunde später startet der Flieger erst in Antananarivo und macht sich von dort auf den Weg nach Tulear.
20:30: Wir gehen durch die Sicherheitskontrolle, die nicht existiert. Ich hätte im Rucksack auch eine Uzi dabei haben können, niemand hätte es bemerkt. Wahrscheinlich haben selbst Terroristen Mitleid mit diesem Land und halten es für unsportlich, ein Flugzeug dieser Airline zu entführen.
21:00: Eine Boeing 737-300 bremst abrupt von der Runway auf das Rollfeld, bleibt ruckartig stehen, die Triebwerke werden sofort ausgeschaltet. Das macht man eigentlich nicht, 5 Minuten sollten sie noch nachlaufen, bevor man sie ausschaltet (ok, ich habe beruflich mit sowas zu tun, daher tut es mir in der Seele weh, wenn man sie so ruppig behandelt).
21:15: Alle ausgestiegen. Keine Staubsauger-Crew, die erst mal sauber macht.
21:20: Wir steigen ein. MooseOnTheLoose macht noch schnell ein Foto, eine Stewardess im Eingang des Flugzeugs hat es bemerkt und erhebt mahnend den Zeigefinger.
21:28:00 Der Pilot lässt Triebwerk Nummer eins (links) an. Die sich dabei entwickelnde Geräuschkulisse ist sehr merkwürdig, bis mir auffällt, dass er wohl schon vor dem Anlassen den Schubhebel nach vorne geschoben hat, deshalb heult das Ding auch gleich lauthals auf. Das ist ungefähr so, als würde man beim Auto schon mal das Gaspedal durchtreten, bevor man den Zündschlüssel umdreht. So etwas macht man doch nicht!
21:28:30 Triebwerk Nummer zwei ereilt das gleiche Schicksal.
21:29 Der Pilot lässt abrupt die Bremse los, das Flugzeug bewegt sich sofort auf dem Rollfeld, weil die Triebwerke ja schon Schub liefern.
21:29:30 Sportlich lenkt er den Flieger um die Kurve auf die Runway, vermutlich will der Pilot einen Elchtest ausprobieren oder für den Taxi Brousse Grand Prix üben.
21:30 Die Schubhebel werden an den vorderen Anschlag getreten, mein Magen rutscht in die Hose und die Beschleunigungskräfte ziehen so an meinem Gesicht, dass es kurzzeitig ungefähr so wie das eines neapolitianischen Mastiff aussieht. Wir beschleunigen und steigen keine halbe Minute später gefühlt senkrecht in die Luft.
21:45 Der Pilot bemerkt, das es neben den Stellungen "Aus" und "An, Vollgas" auch eine Stellung für Reiseflug gibt und gönnt den gestressten Motoren ein wenig Entspannung.
22:15 Wir nähern uns Antananarivo. Der Pilot geht in einen Sturzflug Richtung Flughafen über.
22:30 Mit einem satten PLUMPS setzen wir auf.
22:30:05 "Das war's schon?" muss sich der Pilot wohl gedacht haben, traurig darüber, dass der Spaß schon vorbei ist. Ist er aber nicht. Man könnte ja noch den Schubumkehrer ausprobieren, der heutzutage normalerweise nur noch im Leerlauf geöffnet wird, um ein bißchen stärker zu bremsen. Er probiert ihn aber mit "maximum reverse thrust" aus, die Sicherheitsgurte ächzen unter der Bremskraft, mit der wir nach vorne gezogen werden.
22:30:30 Nach einer weiteren sportlichen Elchtest-Kurve auf das Rollfeld werden die Triebwerke abgestellt. Natürlich lässt er sie nicht 5 Minuten lang im Leerlauf abkühlen, wie sich das gehört. Da müsste er ja später Feierabend machen.
22:35 Die ersten Passagiere steigen vorne aus.
22:40 Nachdem die Dösbaddel es nach 5 Anläufen immer noch nicht geschafft haben, hinten die Gangway ranzufahren, steigen wir auch vorne aus. Geschafft!
Unser Tourguide erklärt uns dann, nachdem wir ihm von dem Erlebnis berichtet haben, dass Air Madagascar wohl einen berüchtigten Piloten hat, der immer besonders sportlich fliegt und auch schon mal gerne eine halbe Stunde vorher startet, wer dann nicht rechtzeitig da war, ist selber schuld.
Entweder hat der Pilot den Karrieresprung von Taxi Brousse auf Flugzeug geschafft, oder er gehörte ehemals zur madagassischen Luftwaffe, deren Inventar ihren Weg in die Aluminiumschmelze von Ambatolampy gefunden hat.
Immerhin, wir haben es überstanden. Die B737-300, die schon 20 Jahre auf dem Buckel haben dürfte, hoffentlich auch.
"Een echte Aventuur" würden die Holländer sagen (woher wir den Spruch haben, erkläre ich in einem späteren Textbeitrag).
PS: Liebe Firma Boeing: baut doch doch bitte in der Madagascar Edition der B737 im Cockpit eine große "MORA MORA" Warnlampe ein. Ist besser für die arg gebeutelte Gesichtshaut der Passagiere.
Teil 402. Juli 2012
Hier sind Eindrücke von einer Pirogenfahrt zu einem Fischerdorf in der Nähe von Ifaty, am Mozambique Kanal. Nicht nur hier haben wir das entspannte und freundliche Wesen der Menschen auf Madagaskar zu schätzen gelernt.
Teil 504. Juli 2012
Now for something completely different: das Andringitra- und das Tsaranoro-Gebirge, beide grenzen aneinander an, zum ersteren gehört der Pic Boby, auf den wir uns aber nicht scheuchen lassen wollten. Statt dessen haben wir uns für die (halbwegs) gemütliche Rentnerrunde auf den Pic Cameleon entschieden. War trotzdem anstrengend, dafür ein grandioser Anblick auf die Berge. Wir haben eine Nacht auf dem Pic Cameleon verbracht, die wahrscheinlich schönste auf der ganzen Reise.
Der Trip war bezeichnend dafür, wie Madagaskar funktioniert:
Erst mal ist es schwer hinzukommen, die Straßen sind in einem üblen Zustand:
Im Mewa-Camp funktionieren die Duschen nicht mehr, weil das Lehmhäuschen vor Ewigkeiten durch einen Zyklon demoliert wurde. Hätte man ja mal zwischendurch reparieren können. Die Zelte sind hässliche Erstickungskammern ohne Luftdurchzug, wer konstruiert nur so einen Mist? Wahrscheinlich made in China... Immerhin bekommen wir, berücksichtigt man die Lage weit entfernt von großen Straßen und die schwierige Versorgung, ziemlich gutes Essen. Belohnt wird man für die Mühe vor allem mit grandiosen Anblicken. Die Tsaranoro Berge sind ein Ort, der in mir das Gefühl weckt, in einem früheren Leben schon mal dort gewesen zu sein... Das Team aus einem Guide und zwei Trägern, welche uns die Campingausrüstung nach oben bringen und auch auf dem Berg bekochen wird, kümmert sich vorbildlich um uns, selten habe ich so etwas erlebt. Wenn ihr eines Tages mal vom Mewa Camp (falls es bis dahin noch steht) starten wollt, so verlangt unbedingt den "G.G." (Bilder von ihm kommen morgen).
Am ersten Tag machen wir nur eine kurze Wanderung in der Umgebung, der Aufstieg auf den Pic Cameleon ist dann morgen...
Teil 605. Juli 2012
Weiter geht's Richtung Pic Cameleon. Mit dem Blick von oben muss ich Euch auf morgen vertrösten. Wir besuchen ein Dorf vor den Tsaranoro-Bergen
Die Spitze links oben ist der Pic Cameleon:
und staunen über die Ausstattung des Dorfschmieds. Das einzige "Fertigteil", das er hat, ist wahrscheinlich der Gewindeschneider, selbst die Maulschlüssel sind aus eigener Produktion:
Mit der Hand kurbelt er ein turbinenartiges Gebläse an, das für ordentlich Feuer sorgt:
Teil 706. Juli 2012
Weiter geht's nach oben zum Pic Cameleon. Grandiose Ausblicke auf die Tsaranoro-Berge...
ein natürlicher Swimmungpool, aber eiskalt...
schließlich haben wir es geschafft:
Hinter Moose ist G.G., unser Guide. Sein Assistent hinten trägt nicht unsere Matte, auf der wir die Nacht verbringen werden. Die ist ein wenig größer und erfordert Verstärkung... mehr dazu morgen. Auf dem Weg nach oben gab es madagassischen Nudelsalat und Kekse. Erstaunlich, was die beiden für uns mit nach oben geschleppt haben. Wir hatten ja jeder mit der Fotoausrüstung schon eine Menge auf dem Rücken. Wir sind nicht ganz schwindelfrei und machen kurz vor dem Nachen des steinernen Chamäleons Halt.
Teil 809. Juli 2012
Einmal oben angekommen, bot sich eine grandiose Aussicht auf die benachbarten Andringitra-Berge:
allerdings zogen schnell Wolken auf, so dass aus dem nächtlichen Sternenhimmel erst mal nichts wurde:
Dafür wurden wir mit einem grandiosen Lichtspiel in der Dämmerung belohnt:
Wir lernten auch, dass sich die meisten Madagassen vor der Dunkelheit fürchten. G.G., unser Guide, den sonst nichts aus der Ruhe bringt, beruhigte sich dann Nachts mit Bob Marley, den er vom Handy abspielte, was der nächtlichen Kulisse in den Bergen eine surrealen Atmosphäre verlieh. Dafür gab es dann zum Frühstück heißen Kaffee am Lagerfeuer:
und das war unsere Bleibe, in der wir die schönste Nacht der ganzen Reise verbracht hatten:
und die dazugehörigen kuscheligen 10cm Schaumstoff, denen wir die angenehme Nacht zu verdanken hatten:
Teil 909. Juli 2012
Beim Abstieg zum Abschied noch mal einen Blick auf die Felsformation, welcher der Pic Cameleon seinen Namen zu verdanken hat:
Das Sternenhimmel-Foto hatte ich dann nächste Nacht im Mewa-Camp nachgeholt, am Fuße der Tsaranoro-Berge:
Beim nächsten Posting gibt's wieder Lemuren!
Teil 1011. Juli 2012
Ok, jetzt endlich, wie versprochen, L-E-M-U-R-E-N...
die Viecher im letzten Bild von Moose waren übrigens Zebus. Schmecken sehr lecker!
Wir haben einen Tagestrip in den Ranomafana NP unternommen. Eine teure Angelegenheit, aber wenigstens hatten wir einen kompetenten Guide, der auch sehr gut Englisch sprach. Leider sieht man eben schon, dass bei namhaften Nationalparks ordentlich die Hand aufgehalten, aber wenig für die Instandhaltung getan wird. Wir waren umgeben von nach DEET-Mückenabwehr stinkenden Busladungen von Touristen, denen unser Guide so gut wie möglich auszuweichen versuchte, was aber nicht immer gelang.
Bevor man zu den kuscheligen Lemuren mit Fell kommt, muss man erst mal an den borstigen 8-beinigen Netzlemuren vorbei:
Im Bambuswald heißt es aufpassen: wenn man sich an einem jungen Stamm festhält (was bei dem matschigen Boden öfter passiert, wenn man obendrein die Kamera mit sich rumschleppt), kann es passieren, dass die Hand hinterher gespickt ist mit winzigen Stacheln. Man kann dann einen Tag lang versuchen, die Dinger einzeln rauszuziehen, oder, was uns unser Guide empfohlen hat, sich mit der betroffenen Hand übers Haar streichen, dann gehen die Stacheln von selber raus. Hat prima funktioniert!
Allerlei seltsame Gebilde gibt es zu bewundern:
und schließlich haben wir es geschafft: wir sehen den goldenen Bambuslemuren:
Teil 1112. Juli 2012
Noch ein paar Eindrücke vom Ranomafana Regenwald:
Ein (der heißt wirklich so!) Uroplatus Fantasticus:
Ganz viel Wald:
und der Wasserfall:
Teil 1213. Juli 2012
Auch von mir noch ein paar Szenen aus dem Anja-Park: erst mal mit einem Langzungen-Schuppen-Lemuren:
Gestatten, mein Name ist Klops:
Katta-Wellness:
Kata in Action:
Darf ich vorstellen: Karl, das kotzende Chamäleon:
1. Akt: Mampf!
2. Akt: Hmmmm... schmeckt komisch
3. Akt: 🤢
4. Akt: BÄÄÄÄÄÄHHHH!
Teil 1314. Juli 2012
Die Fahrt auf dem Ochsenkarren in den Dornenwald bei Ifaty war eine ziemlich wackelige Angelegenheit. Zwischendurch gab's als Imbiss seltsame graue längliche Gebilde, die auf den ersten Blick wie tote Ratten aussahen. Obendrein waren diese Dinger noch heiß. Tatsächlich war in der grauen Hülle aber ein weißer Glibber 🤢, der für uns Vazahas furchtbar eklig schmeckte. Es handelt sich dabei um wilden Maniok, der vor dem Essen erhitzt werden muss, damit die Blausäure 😮 verschwindet. Das Zeug soll aber sehr nahrhaft sein und viel Wasser enthalten, und ist in dieser sehr trockenen Gegend als Überlebenshilfe entsprechend beliebt.
Unser Guide Aubin und der Chauffeur auf dem Ochsenkarren:
Darum heißt das Dornenwald:
Am späten Nachmittag hatten wir im madagassischen Winter eine fantastische Lichtstimmung:
Eine Termitenhöhle:
Angebrannt und noch am Leben:
Teil 1415. Juli 2012
Im Geisterzug nach Nirgendwo Unsere abenteuerliche Fahrt mit der FCE Eisenbahn nach Manakara
Eigentlich sollte man ja immer vorsichtig sein mit Sachen, die im Reiseführer als "Highlight" angepriesen werden. Bei den schlechten Reiseführern sind es von vornherein Touristenfallen, die man weiträumig umfahren sollte, bei den guten waren es mal Highlights, die aber mangels Pflege oder aufgrund von Überfüllung inzwischen nicht mehr empfohlen werden können.
In jedem Madagaskar-Reiseführer steht die Eisenbahnfahrt von Fianarantsoa nach Manakara als "echtes Highlight" drin, das man unbedingt mitgemacht haben muss. Angesichts der lebenswichtigen Bedeutung für die Orte, an denen der Zug vorbeifährt (mehr dazu später), würde ich nicht von einer Touristenfalle sprechen. Wenn man ältere Bilder (2007-2010) von anderen Leuten sieht, denkt man sich nichts dabei und freut sich darauf, die Zugfahrt mitzumachen.
Wir starteten nicht in Fianarantsoa, sondern in Sahambavy, wo wir zuvor im Lac Hotel (sehr empfehlenswert übrigens!) übernachtet hatten. In der Nacht zuvor hatten sich meine Erkältung und die Lariam-Tablette darum gestritten, wer mich mehr schwächen darf, die Erkältung hatte gewonnen. Leider ging es mir aber nicht schlecht genug, dass ich die Zugfahrt stornieren wollte. Statt dessen hätten wir uns bequem im Landcruiser nach Manakara schaukeln lassen können, der musste ja eh dort hin gebracht werden, also hätten wir noch die Kosten für das Zugticket gespart.
Angesichts der notorischen Verspätung des Zuges haben wir uns 11 Uhr als Deadline gesetzt, wenn er es bis dahin nicht nach Sahambavy geschafft hat, fahren wir mit dem Auto.
Als wir so am Bahnsteig standen, sprach unser Tourguide irgendwelche Warnungen aus, auf die wir nur halbherzig hörten. Schließlich wollten wir uns nicht die Blöße geben, als Weicheier dieses "Highlight" zu verpassen und obendrein stand neben uns eine niederländische Reisegruppe mit Durchschnittsalter 60, die sich in bester Stimmung auf die Zugfahrt freute.
Ich schnappte irgendwas auf mit "im Dezember ist eine Lok in die Schlucht gestürzt" ... blah blah ... "x Tote" ... blah ... "nur noch eine Lok übrig" ... blah ... "auch kaputt" ... blah blah ... "mit Wrackteilen repariert" etc. etc., diese Wortfetzen fanden erst mal den Weg in mein Unterbewusstsein und sollten erst später von dort wieder auftauchen.
Dann unterhielt sich unser Tourguide mit dem niederländischen Kollegen, der erzählte, wie eine Lok mal auf offener Strecke verreckt war, dann musste er mit seiner Reisegruppe 40km bis zur nächsten Straße laufen, "aber die waren alle fit und gute Läufer". Auch das steckte ich erst mal in die "issmirwurscht" Schublade.
Um 10:30, also leider vor der Deadline, rollte hupend und scheppernd eine Ansammlung Schrott auf den Schmalspurgleisen an und kam quietschend zum stehen. Immerhin freuten wir uns, in einem geräumigen Abteil (was wir auf alten Fotos gesehen hatten) Platz zu nehmen, so dass man in Ruhe Fotos aus dem langsam fahrenden Zug machen und auch mal an einem Bahnhof aussteigen kann etc. Als wir dann einsteigen wollten, ging erst mal gar nix mehr. Nicht nur alle Sitze des sehr engen Waggons, sondern auch jeder Quadratzentimeter Fußboden waren besetzt, alle waren mit Kind&Kegel ineinander verkeilt und zur Bewegungslosigkeit verdammt. Nachdem unser Tourguide uns den Weg frei geräumt und die beiden pikierten Französinnen von den für uns reservierten Sitzen verscheucht hatte, nahmen wir auf der beengten Bank Platz, und kaum dass er sich von uns verabschiedet hat, schlossen sich alle Lücken wieder und auch wir waren nun eingekeilt und bemerkten zu spät, dass wir die falsche Entscheidung getroffen hatten, als sich das quietschende scheppernde Ungetüm träge in Bewegung setzte.
"Vorsorglich" hatten wir nur wenig Trinkwasser mitgenommen, in Erwartung einer gruseligen Zugtoilette, die wir so wenig wie möglich (am besten gar nicht) benutzen wollten. Keine gute Idee. Mit der Entscheidung hätten wir schon gute Chancen gehabt, im Teil 2 von "Verschollen im Land der Ahnengeister" die Hauptrolle zu spielen.
3. Haltestelle: Ranomena. Irgendwie wird immer in Nähe eines Bahnhofs - und das ist vom Kulturkreis offenbar völlig unabhängig und gilt für Europäer genauso wie für Madagassen oder Eskimos - beim Menschen das Bewusstsein für Hygiene und Ordnung grundsätzlich außer Kraft gesetzt, statt dessen setzt das Vermüllungssyndrom ein und auch der Zweck einer Toilette scheint wie vergessen. So erleichterten sich Europäer wie Madagassen ungehemmt im nächstbesten Gebüsch und neben dem Zug war ein einziger Morast.
Besonders seltsam fand ich die Sorte von Franzosen, die dann ausstiegen, sich zwischen die Leute in diesen Morast setzten und obercool ihre filterlose Gauloises rauchten, mit der Gewissheit, dass sie ja wieder abhauen können. Weil um uns herum immer noch die Leute verkeilt waren und wir draußen nicht im Schlamm versinken wollten, blieben wir sitzen. Die Angebote der fliegenden Händler mit Essbarem nahmen wir auch nicht an, weil wir befürchteten, dann zu einer Dauersitzung auf der Zugtoilette verdammt zu sein. Wir warteten.
Nach anderthalb Stunden setzte sich der Zug in Bewegung, aber in die falsche Richtung. Es keimte ein Hoffnungsschimmer auf, dass vielleicht wegen eines Gleisschadens der Zug umkehren muss und vom Lac Hotel hätten wir vielleicht irgendwie unseren Guide erreicht und dann hätte der Schrecken ein vorzeitiges Ende gehabt. Es wurde aber nur rangiert. Angesichts der lahmen Geschwindigkeit des Zuges hätten wir wahrscheinlich auch in 2 Stunden zu Fuß zurück laufen können. Kurz vor Ablauf der selbst gesetzten Deadline von 3 Stunden Wartezeit, die uns zu dieser Entscheidung bewogen hätte, und das war nach zweieinhalb Stunden Warterei, fuhr der Zug dann doch in die richtige Richtung weiter und kehrte auch nicht mehr um. Als wir aus dem Fenster blickten, sahen wir im Verlauf der Zugfahrt immer wieder, dass sich die Anzahl der Waggons änderte.
Die beiden Französinnen gegenüber waren abwechselnd damit beschäftigt, "Cosmopolitan" oder "Madame" zu lesen (zum großen Staunen der neben ihnen auf dem Fußboden sitzenden Madagassinnen) oder das enge Zugfenster zu blockieren, um dilettantisch Fotos zu knipsen. Wir kamen selten zum Fotografieren, immerhin zogen tatsächlich ein paar schöne Berge und Wälder an uns vorbei und ein madagassischer Fahrgast machte mich auf den Wasserfall aufmerksam, den wir langsam passierten, der aber leider auf der falschen Seite war, so dass ich ihn nicht richtig fotografieren konnte, ohne auf ein Dutzend Leute zu trampeln.
Im Verlauf der Fahrt wurde jeder Bahnhof immer kaputter und dreckiger, die Menschen sahen immer schlimmer aus, irgendwie schienen die "goldenen" Zeiten dieser Eisenbahnlinie schon dem Ende zuzugehen.
Hinter einem Tunnel sahen wir dann auf unserer Seite das Beweisstück, das mich schmerzhaft an die nur halbherzig gehörten Erzählungen unseres Tourguides erinnerte: das Wrack der Lokomotive, die abgestürtzt war und dabei mehrere Menschen in den Tod gerissen hatte. Das war die vorletzte Lok. Die letzte, mit der wir jetzt fuhren, war auch schon mal kaputt und dann hat man das abgestürzte Wrack geborgen und ausgeschlachtet und damit unsere Lok wieder in Gang gesetzt. Wenn die mal ihren Geist aufgibt, fährt nichts mehr.
Übrigens hatte ein Schweizer Verein von Eisenbahnfans (auch Pufferküsser genannt, oder müsste das Püfferliküsser heißen?) einige Exemplare dieser Lokomotive und auch Waggons aus Altbeständen restauriert und voll funktionsfähig gemacht. Es war geplant, diese Züge der FCE zu schenken. Das Ganze scheiterte daran, dass der madagassische Zoll für dieses Geschenk allen Ernstes Einfuhrsteuer kassieren wollte. Die Schweizer haben verständlicherweise frustriert aufgegeben, jetzt rosten die Züge ungenutzt vor sich hin.
Als die Dämmerung dann einbrach und die Landschaft nicht mehr so berauschend war, sahen wir die beiden Französinnen mit einem Streckenplan hantieren, den sie sich von der niederländischen Reisegruppe geborgt hatten und wir erkannten, dass wir vielleicht gerade ein Drittel der Strecke hinter uns gebracht hatten. Unsere Wasser"vorräte" schwanden langsam, wenigstens musste ich nicht auf die Zugtoilette. Moose hatte sie einmal auf halber Strecke benutzt, als sie noch benutzbar war.
Das Deprimierende an diesem Bummelzug war, dass man nie wusste, wann er weiterfährt. An den Bahnhöfen wurden große Mengen Fracht be- und entladen, das dauerte seine Zeit. Besonders beunruhigend fand ich es immer, wenn der Diesel aufhörte zu rattern. Dann konnte es eine technische Störung sein, die innerhalb von 5 Minuten bis 5 Tagen behoben wird.
Als es dann draußen total stockdunkel geworden war, wurde das Unternehmen zu einer richtigen Geisterbahnfahrt. Beleuchtung? Fehlanzeige. Außer den Scheinwerfern der Lok und dem gelegentlichen Geflacker von Taschenlampen gab es fast kein Licht. Einmal gelang es irgend jemandem, den Stromanschluss der Lok mit den Waggons zu verbinden. Das fahle Licht einer Deckenlampe flackerte auf, ein Niederländer hinter uns quittierte das mit "Dat isch pouschitief". Positiv fanden wir das auch. Überhaupt waren unsere Mitreisenden viel besserer Laune, die sie vor allem durch Singen aufrecht erhielten. Wir hätten ja mit "Wir lagen vor Madagaskar" zum Gegenschlag ausholen können.
Die letzten 6 Stunden bis zur Ankunft sind wir bei völliger Dunkelheit (drinnen wie draußen) gefahren, der Regen spritzte gegen die halb offenen Fenster, Äste und Blätter klatschten gegen die Scheiben: es geht ein Zug nach nirgendwo...
Nach längerem Blindflug entspannte sich die Lage dann mal ein wenig, weil an einem Bahnhof ziemlich viele Leute ausstiegen. Die Französinnen hatten sich schon längst woanders platziert und zu uns setzten sich 2 Madagassen. Der ältere von beiden stellte sich mir als "le mere du village" vor und ich konnte mir unter "der Mutter von dem Dorf" nichts vorstellen, bis ich die letzten Reste des nach der 11. Klasse abgewählten Französisch aus meiner Erinnerung hervorkramte und schließlich beim 3. Mal kapierte, dass er "M-A-I-R-E" war, also Bürgermeister. Schön, dann lernen wir mal den Bürgermeister von einem dieser Dörfer kennen. Trotz meiner offensichlich mieserablen Französischkenntnisse textete er mich dann endlos zu und wollte wissen, wie denn bei uns so Nachtzugfahrten verlaufen. Ich erinnerte mich dunkel an meine Fahrten zwischen München und Berlin Anfang der Nullerjahre, wo ich morgens um halb sechs mit "Wollnsezumkaffeoochnfrischetkrossang?" geweckt wurde. Ich erzählte nur, dass bei unseren Zügen etwas mehr Licht ist und sie etwas schneller fahren, was ihn aber schon sehr beeindruckte.
Meine Müdigkeit tat ihm keinen Abbruch, weiterhin einen Redeschwall über mich zu ergießen, den ich nur fragmentweise verstand. Irgendwann ergriff ich dann doch mal die Gelegenheit, ihn zu fragen, was denn geschehen würde, wenn dieser letzte Zug auch noch den Geist aufgibt. Wieder ein großer Redeschwall, aus dem ich Worte wie "lamentable" und "totalement enclavee" herausfischte. Das genügte mir. Die letzte Lebensader der Dorfbewohner entlang der Strecke, die keinen Anschluss an eine Straße haben. Wenn der Zug endgültig ausfällt, fallen diese Menschen vom Mittelalter in die Steinzeit zurück. Wie wichtig die Funktion als Transportmittel ist, merkte ich auch, als ich an der nächsten Haltestelle lautes Quieken und Grunzen hörte. Als ich "cochon" sagte, nickte er. Eine Horde Schweine wurde verladen. Er schimpfte erbärmlich über die Unzuverlässigkeit des Zuges und den Unwillen der Verantwortlichen, diese lebenswichtige Verkehrsverbindung am Leben zu halten.
Dann wollte ich doch mal heraus finden, warum er eigentlich unterwegs war. Ich verstand das so, dass er die Stationen zähle, damit man besser die Fahrzeiten voraussagen kann... Ahhhhja! Bei uns beschäftigt der Wetterdienst immerhin Praktikanten, um bei einem Gewitter die Blitze zu zählen. Auch nicht schlecht. Im weiteren Verlauf der Fahrt schlief er dann übrigens, da war nichts mehr mit Stationen zählen.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer war ein Glühwürmchen, das zum Fenster hereinflog und bis zur nächsten Haltestelle auf Moose Platz nahm, um dann wieder weiter zu fliegen. Das war zu der Zeit so ziemlich die einzige Lichtquelle, bis es hinter uns bunt zu leuchten begann und eine vertraute Melodie spielte, die in diesem Moment aber von einem völlig anderen Planeten zu kommen schien. Wir konnten es kaum glauben, aber einer der Holländer spielte Angry Birds auf seinem Iphone und die Madagassen drängten sich neugierig um das Geschehen.
Bevor er einschlief, hatte der Bürgermeister noch hoffnungsvoll erzählt, dass wir gegen 21 Uhr in Manakara ankommen würden. Zu der Zeit war es 18:15. An einem der ungeplanten Halte, wo wieder mal irgend was kaputt war und wir ewig hängen blieben, wurde es dann 21 Uhr und mir kam es nicht so vor, als wären wir kurz vor Manakara. Einer der Holländer hinter uns brachte dann den Spruch, der für unsere ganze Reise zum geflügelten Wort wurde:
Een echte Aventuur!
(keine Ahnung, ob ich das richtig geschrieben habe)
Abenteuerlich fanden wir das sicherlich auch, ja.
Das "Zugteam" holte das Letzte aus der Lok raus, wir fuhren tatsächlich etwas schneller und die Landschaft wurde immer flacher. Die scheinbaren Stadtlichter am Horizont waren natürlich nicht von Manakara, auf Madagaskar gehen sowieso nachts die Lichter aus. Es war der aufgehende Mond, der uns täuschte. Irgendwann huschte aber ein turmähnliches Gebilde mit einem roten Licht drauf am Zug vorbei. Etwa ein Flugplatz? Wir wagte es nicht mehr zu glauben, aber in der Ferne tauchten dann hell beleuchtete Öltanks auf. Langsam lösten wir uns aus der Starre, in der wir diese Fahrt über uns ergehen ließen, als wir um Mitternacht nach dreizehn Stunden in die Endstation Manakara einfuhren und reihten uns in die Horde Touristen und anderer Fahrgäste ein und bahnten uns auf schnellstem Wege unseren Weg nach draußen und rannten auf den wie aus dem Ei gepellt aussehenden Landcruiser zu, der vor dem Bahnhofsgebäude auf uns wartete. Wir waren total fertig, hungrig, ich hatte die ganze Fahrt ohne Toilette durchgehalten. Unser Tourguide fuhr mit uns auf schnellstem Wege zum La Vanille in Manakara. In dem Restaurant hatte man extra auf uns gewartet und wir genossen die köstlichste Gemüsesuppe, die wir uns vorstellen konnten (noch mit einem hartgekochten Ei drin!). Zusammen mit einem kühlen THB (Three Horses Beer) rann sie meine Kehle hinunter und versöhnte mich wieder mit Madagaskar.
Im Nachhinein fragte ich mich, was schlimmer gewesen wäre: mit dem Zug in die Schlucht stürzen (schnell vorbei), oder auf dem Rückmarsch zum nächsten Straßenanschluss zu verdursten (dauert länger).
Den Rekord haben wir noch nicht gebrochen, unser Tourguide hat auch schon mal den Zug morgens um 4:00 Uhr ankommen sehen. Wir fahren damit sicher nicht mehr, auch er hasst ihn wie die Pest, wenn er 1-2x im Jahr eine Reisegruppe dort begleiten muss. Die guten alten Zeiten sind vorbei und mit jedem Tag wächst das Risiko, dass der Zug wirklich liegen bleibt. Sehen tut man deutlich weniger als erhofft auf der Fahrt. Im momentanen Zustand können wir daher nur von diesem "Highlight" abraten. In Manakara haben wir uns dann einen Tag länger zur Erholung gegönnt.
Teil 1517. Juli 2012
So, nun zum angenehmen Teil nach der gruseligen Eisenbahnfahrt: in Manakara haben wir die erste Nacht im La Vanille in der Stadt verbracht, weil die dazugehörigen Hütten weiter draußen am Strand nur über eine holprige Piste erreichbar sind und das war tief in der Nacht nicht mehr machbar. Wir sind dann erst am nächsten Tag in eine schicke Schwedenhütte in Strandnähe umgezogen und haben das milde Ostküstenklima genossen. Das Rauschen des Meeres vertrieb das Scheppern des Zuges aus den Gehirnwindungen und machte den Kopf wieder frei für die schönen Dinge. Wir fuhren nach dem Frühstück dann zu einem anderen Hotel, das nicht mehr wirklich als solches in Betrieb ist, sondern eher so etwas wie ein Hotelmuseum: das Eden-Sidi.
Wir wurden auch gleich von einem freundlichen Empfangskommitee begrüßt:
Das Hotel an sich hat einen morbiden Charme, es sieht aus als wäre es 100 Jahre alt, aber bei dem feuchten Klima nagt der Zahn der Zeit erheblich schneller, tatsächlich wurde es vor 22 Jahren errichtet und wird mit Mühe und Not von einer Handvoll Leute am Leben gehalten:
Teil 1617. Juli 2012
Es liegt auf einer Art Landzunge zwischen dem Canal des Pangalanes und dem Meer. Wir finden dort einen wunderschönen unberührten Palmenwald und Strand vor, ohne Liegestühle, Sonnenschirme oder sonstigen Klimbim:
Ein Südafrikanischer Unternehmer würde daraus wahrscheinlich eine Topnotchlodge machen:
Aber das Eden-Sidi wird uns als Gesamtkunstwerk des schleichenden Verfalls erhalten bleiben. Diese Dusche ist nur noch eine Lotterie (*), bei der jedes Los eine Niete ist: statt Wasser hört man bestenfalls Gurgeln:
(*) Kenner des österreichischen Films "Indien" wissen, was ich meine. Alfred Dorfer in der Rolle des Gaststätteninspektors Kurt Fellner würde sagen: Wann aus Ihrer Duschn fünf Minutn lang ka Wossa kommt, dann is des ka Duschn, sondern a Lotterie.
Teil 1718. Juli 2012
Bonjour!
Die beiden hier machen nicht das, was Ihr denkt:
Milde Luft und Meeresrauschen
Teil 1819. Juli 2012
Eden Sidi und der Canal des Pangalanes - an diesem Ort hätte ich Wurzeln schlagen können... Die ruhigen Tage in dieser Ecke hatten wir auch dringend nötig, um für das Trekking in den Tsaranoro-Bergen (hatten wir hier schon) wieder frische Kräfte schöpfen zu können.
Der Abschied vom Hotel ist nur vorübergehend - am nächsten Tag waren wir nochmals dort, um von da aus die Fahrt auf dem Canal des Pangalanes zu starten. Mehr dazu in Kürze.
Auf der Rückfahrt zum La Vanille haben wir noch mal einen wunderschönen Blick auf den Kanal beim Sonnenuntergang:
PS: Neben einer Filmkulisse hätte ich mir das Eden Sidi auch gut als Location für eine Party mit rhythmischer elektronischer Musik vorstellen können - innen schön Schwarzlichtdeko, ordentliches Soundsystem und ab geht die Post 😄 die Madagassen tanzen eh zu allem, was nach Musik klingt, hätte eine schöne Mischung ergeben.
Ok, die Lemuren hätten natürlich Ohrstöpsel gebraucht...
Teil 1920. Juli 2012
Die Fahrt auf dem Canal des Pangalanes wurde von einem unvergesslichen Gesang der Bäuerinnen im Reisfeld begleitet - eine Melodie, die mir bis heute als Ohrwurm hängen geblieben ist. Die Insel verhext einen eben irgendwie. Eine Aufnahme habe ich auch gemacht, die werde ich mal später reinstellen, entweder als Video mit Bildern oder oder als roher Soundtrack bei Soundcloud o.ä., mal schauen.
Jetzt erst mal die Bilder zu anschauen. Wir waren nicht grün und hatten auch keine Fühler auf dem Kopf, trotzdem gab es immer wieder neugierige Blicke:
Nahezu geräuschlos glitten wir durchs Wasser, nicht mal richtige Wellen machten wir:
Die Reiher gibt es auch auf der ganzen Welt... von Mahlow bis Manakara:
Teil 2021. Juli 2012
Mein Beitrag zum Besuch des Dorfes am Canal des Pangalanes: es war für uns nur auf dem Wasserweg erreichbar, und "an Land" gegangen sind wir erst mal auch nicht so richtig. Mein erster Schritt ging nämlich einen halben Meter tief in den Schlamm. Nach diesem Fehltritt sind wir wie Frösche von Grasbüschel zu Grasbüschel gehüpft und haben uns damit halbwegs - über Wasser kann man ja nicht sagen - "über Erde" gehalten. Man sollte übrigens gar nicht erst versuchen, da mit Schuhen oder Sandalen zu laufen (außer mit Schneeschuhen, um den Bodendruck eines schwergewichtigen Vazaha zu minimieren), entweder ruiniert man die Dinger komplett, saugt sich so im Matsch fest, dass man rausgezogen werden muss oder fliegt auf die Nase. Zum Glück wussten wir das vorher. Man läuft ja auch nur auf harmloser Erde, es liegt weder Müll herum noch sonst irgend etwas Ekliges. Das Dorf hat überhaupt einen sehr aufgeräumten Eindruck auf uns gemacht.
Die Menschen leben dort unter absolut minimalistischen Verhältnissen von dem, was sie aus der Erde und aus dem Wasser holen, für unsereins kaum vorstellbar. Auch die "Bevölkerungspyramide" dürfte ziemlich genau andersherum als unsere sein, wir haben fast nur Kinder gesehen.
Wie so manches Mal auf dieser Reise hatten wir auch hier ein unvergessliches Erlebnis, bei dem wir dankbar waren, dass man uns Einblick in eine völlig fremde Welt gewährt und so freundlich empfangen hat.