Reisebericht

Moskito-Tracking in Uganda

von Bamburi · begonnen 27. Juni 2012 · 22 Teile

Teil 127. Juni 2012
Hallo zusammen,

Nach unglaublich eindrucksvollen drei Wochen in einem traumhaften Land, habe ich mich entschlossen zum ersten Mal einen Reisebericht zu schreiben. Er basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen und Eindrücken, enthält auch politische Ansichten und ist mit Sicherheit nicht immer „political correct“ 😉

Und die Namen wurden aus Personenschutz meistens verändert.

Aber nun zum Reiseverlauf:

Flug nach Entebbe mit KLM
Ziwa Rhino Sanctury
Kidepo Valley Nationalpark (Grenze Südsudan)
Murchison Falls NP
Kibale Forrest
Queen Elisabeth National Park
Ishasha
Bwindi Impenetrable Forrest /Lake Mutanda
Lake Mburo
Kampala/Entebbe

Was ich noch erwähnen sollte: wir hatten einen Fahrer (never again)! Nicht nur das die Tour gut selbst zu fahren gewesen wäre – durch „Willi“ hatten wir einige Erlebnisse, die den Urlaub noch abenteuerlicher gemacht haben….

Grüßle
Anja
Teil 227. Juni 2012
04.Juni 2012
„Sunshine… Sunshine Reaggie…“ Um 2.45 Uhr dröhnt es aus dem Radiowecker, wir sind noch müde und wollen eigentlich lieber liegen bleiben. Aber Uganda ruft, das Taxi kommt natürlich viel zu früh, trotzdem sind wir um 4 Uhr tatsächlich am Stuttgarter Flughafen.

Mit der KLM dürfen wir pro Person 2 x 23 KG mitnehmen. Das haben wir auch ausgenutzt, denn seit Wochen habe ich meinen Freundinnen Kinderklamotten für das SOS Kinderdorf in Kakiri aus den Rippen gelabert. Die sind nun fein verpackt in zwei türkische Reisetaschen (erstanden von einem Habe-Alles-Laden für satte 2 Euro). 35kg Kinderklamotten, 38kg unser Zeug, sollte kein Problem sein – glauben wir…. Beim Wiegen verzeiht sich das Gesicht der eh schon mürrischen Dame und sie meint, der letzte Koffer wiege 25.5 kg und für die 2,5 kg müssten wir schlappe 100 Euro berappen. Der Hinweis auf die anderen wesentlich leichteren Koffer bringt gar nix. Denn das Gewicht wird nicht addiert und unsere restlichen Koffer sind schon vom Band gerollt. So ein Pech aber auch! Wir packen etwas angefressen alle Bücher ins Handgepäck, schauen in das inzwischen noch säuerlichere Gesicht der Check in Lady, dürfen aber weiter ohne zu zahlen. ÄTSCH!:P

Bei der KLM erwartet uns ein ausgesprochen netter Service. Der Aufenthalt in Amsterdam ist durch Cafes und Shoppingmöglichkeiten erträglich. Ich liebäugele mit einem niederländischen National Trikot (das Auswärtstrikot ist hammergeil), aber Chris droht mir sowas ähnliches wie die Todesstrafe an, also lass ich es…

Im Flieger nach Kigali/Entebbe kriegen wir erst mal einen Schock. In den Reihen vor uns sitzen ca 30 Kinder im Alter zwischen 5-12 Jahren. Na das kann ja heiter werden…

Aber weit gefehlt! Die Kinder sind ausgesprochen ruhig und mit dem Board Entertainment völlig ausgelastet. Beim Zwischenstopp in Kigali stellt sich raus, dass es sich um einen ugandischen Kinderchor handelt, der nun die wartenden Passagiere mit drei Songs erfreut. Echt cool!

Die Einreise dauert in Entebbe recht lang, als wir an der Reihe sind, wissen wir auch warum… Die Dame bei der Passkontrolle nimmt die Fingerabdrücke von beiden Händen. Zum Schluß knurrt sie noch „Hmp“. Christoph dreht sich zu mir um, er weiß nicht was ein „Hmp“ ist… ich weiß es auch nicht. 🙄 Ich dachte, die gleichen Worte bei Unverständnis nur lauter zu wiederholen, sei eine typisch deutsche Eigenschaft… nein, die Ugander können das auch! Nach drei lauten „Hmps“ heb sie endlich den Daumen und wir wissen was sie will. Phuuu, endlich durch – denken wir.

Bis zur Zollkontrolle. Da zeigt der Beamte auf meine türkischen Reisetaschen und fordert den Inhalt zu sehen. Also muss meine kunstvolle Verklebung dran glauben und er starrt ungläubig auf zwei Säcke mit gebrauchten Klamotten. Die Erklärung mit dem Kinderdorf lässt er aber nach einigem Hin und Her gelten und wir dürfen durch.



Das Abholen klappte einwandfrei und wir sind recht schnell bei der Lodge. Aber nicht bei unserer. Wir hatten das Boma Guesthouse gebucht, gebracht werden wir ins Gatley Inn. Das Boma wäre voll, heißt es. Egal wir sind müde, das Zimmer ist schön, also nehmen wir‘s, wie es kommt. In Ermangelung anderer Getränke, stoßen wir noch mit zwei Nile Special Bieren auf unseren Urlaub an und gehen schlafen.

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Teil 327. Juni 2012
5.Juni 2012

„rrroooonk…rrrronk…rrooooonk“. Das Geräusch, was uns schon die gesamte Nacht versaut hat, weckt uns früh am nächsten Morgen.😠 Die Lodge liegt an der Straße von Entebbe zum Flughafen und ist permanent befahren. Nach einer erfrischenden Dusche, aber immer noch mit kleinen Augen tapern wir zum Frühstück. Dort sehen wir am Nachbartisch zwei Ugander die uns eindringlich beäugen. Ob das wohl unser Driver dabei ist? Christoph hofft auf den Korpulenten. Ich hingegen finde, der sieht aus wie Idi Amin und setzte sorfort auf den älteren, schüchternen.

„Idi Amin“ heiß in Wirklichkeit George, entpuppt sich als der Chef der ugandischen Partneragentur unseres deutschen Reisebüros und ist sehr nett. Vielleicht sollte ich doch mal an meinen Vorurteilen arbeiten? Der andere heißt Willi und ist unser Driver.

In unserem Reiseverlauf gibt es einige Änderungen, die uns auf dem ersten Blick nicht tragisch erscheinen (gut dass wir noch nicht wissen, was das alles bedeutet 🙁 ). Und nachdem das Gepäck verladen ist, geht es endlich los.

Willi unser Driver ist eher still, um nicht zu sagen „mißmutig“. Aber gut, vielleicht legt sich das noch. Wir jedenfalls sind total gespannt und freuen uns schon auf dem Weg durch Entebbe über Märkte und das laute und geschäftige Treiben auf den Straßen. Leider will Willi nicht anhalten, so dass wir mal fotografieren könnten. So wird das eine wacklige Angelegenheit aus dem Auto heraus.









Überhaupt stellt sich schnell raus, dass Willi und wir eine völlig diametrale Auffassung von der englischen Sprach haben. Das heißt, wir verstehen uns NICHT, was nichts ausmacht, denn er redet eh fast nix.

Nach zwei Stunden erreichen wir das SOS Childrens Village in Kakiri. Im Gegensatz zum hektischen Leben sieht hier alles ganz geordnet aus. Wir gehören wohl zu den wenigen Besuchern aus Europa, dementsprechend gut vorbereitet hat sich Sarah, die für die Patenschaften zuständig ist. Wir fühlen uns wie die Queen auf Staatsbesuch und es ist uns ein wenig peinlich. Wollten wir doch keine Umstände bereiten. Wir bekommen eine Führung durch Schule, Wohnhäuser und Jugendhaus. Unser Patenkind Isaak ist geschätzte 13 Jahre (er wurde im Kleinkindalter gefunden und man weiß das genaue Alter nicht) und sehr schüchtern. Freut sich aber über unseren Fußball und das EM Trikot (nein kein holländisches – ein Deutsches 😉 ) Seine „Mutter“, die Dame die ihn und 9 weitere Kinder aufzieht ist total gerührt und dankt uns immer wieder mit Tränen in den Augen. Mann, jetzt komm ich mir richtig schäbig vor – denn ich gebe nur Geld, diese Menschen widmen ihr Leben den Kindern. Und zwar mit völliger Hingabe und Herzlichkeit! Unsre Klamotten werden sehr begrüßt, denn die Kinder haben außer ihrer Schuluniform nicht viel anzuziehen. Immer wieder gibt es Neuzugänge von Kindern bis zu sechs Jahre, wenn Ältere aufs College gehen. Die Kinder werden bis zu ihrem Uniabschluss begleitet und bleiben in der Regel ihren „Familien“ auch weiterhin verbunden. Zum Abschied bekommen wir noch kleine selbstgebastelte Geschenke und wir sind glücklich über den wunderschönen Besuch.



Weniger glücklich ist Wille, hatte er uns doch 1 Stunde zugestanden und wir waren über 2 Stunden dort. Jetzt grumelt er vor sich hin und er meint wohl dass wir den Rhino Walk im Rhino Sanctury verpassen würden. Wir steigen wieder in das Auto, das auch eine kurze Erwähnung verdient hat: ein Toyota Landcruiser, geschätzte 200 Jahre alt. Der Tacho geht nicht mehr – macht nix, die Air Con ist auch am Arsch… Dafür gibt’s offene Fenster. Christoph hat vorne null Beinfreiheit, kann aber nicht nach hinten, denn da gibt’s zusätzlich noch null Kopffreiheit. Letzter Tachostand war 465.000 km. Das muss aber schon ne Weile her sein. Zum Ausgleich sind alle Stoßdämpfer hinüber und meine Tür klemmt, so dass ich mich immer mit vollem Körpereinsatz dagegen werfen muss. Das ist aber noch lang nicht alles….. zum Glück ahnen wir das noch nicht.😕

Nach drei Stunden Geruckel im Landi erreichen wir das Rhino Sanctury. Die Ranger dort sind sehr freundlich und wir dürfen noch zum Rhino Walk starten. Ein Ranger steigt in unser Auto und los geht’s. Über Funk verständigen sich die Ranger, denn von den 12 Rhinos wird jedes einzelne bewacht, 24h am Tag! Es hat vorher geregnet und wir fahren durch Matsch und Sumpf. Während die 3 Männer beraten, wie man am besten weiter kommt, sehe ich das erste Rhino. Riesig groß.

Wie immer, wenn Männer mit Männersachen beschäftig sind, hört Frau kein Mensch zu, als ich sage: Da ist das Rhino! Nein sie sind am diskutieren… HERRJEH!😈 Beim dritten Mal, erringe ich die Aufmerksamkeit des Rangers und nun ist es egal wie die Reifen stehen, nun ist das erste Rhino ja da!



Wir dürfen noch zu einer weiteren Gruppe: drei Junggesellen im Alter von drei Jahren stehen auf dem Plan. Wir dürfen nicht nur aussteigen, unser Ranger führt uns bis auf 2 Meter an die Rhinos ran! HAMMERGEIL! Christoph knipst sich die Finger wund, ich darf staunen. Wir verfolgen die Tiere eine zeitlang, dann ist das Erlebnis auch schon zu Ende. Schade!



Unser Cottage ist einfach aber okay. Saubere Betten, Mossie Net und warmes Wasser – aber kein Strom. Im Bad sitzt ein ziemlich häßlicher Frosch (in der Farbe „Chamois“. für die Herren dieser Welt: das ist die ziemlich euphemistische Umschreibung für Damenunterwäsche in Hautfarbe…brrrrr). Ich überlege, ob ich mit dem ungebetenen Gast leben kann, aber immerhin fressen Frösche ja Moskitos…

Zum Dinner gehen wir in das kleine Restaurant. Jetzt bin ich gespannt. Christoph hatte im Reiseführer gelesen, dass man sich bei Fleischgenuss in Uganda ziemlich üble Darmkrankheiten holen kann und beschlossen für diesen Urlaub zum absoluten Vegetarier zu werden. Mein „Urlaubsvegetarier“ bestellt sich dementsprechend auch gleich ein Beef!

???😃

Ich nehme mir vor, ihn demnächst mal zu fragen, was nach seiner Definition einen Vegetarier ausmacht, aber für den Abend lass ich es gut sein.
Teil 427. Juni 2012
6. Juni 2012

Morgens um 6.00 Uhr wecken mich die Vögel, nein eigentlich nur einer. Er klingt (die Ornithologen mögen mir verzeihen 😕 ) als würde man eine rostige Eisenstange in ein ebenso rostiges Gewinde schrauben. Okay, gewonnen – ich steh auf …

Leider müssen wir feststellen, dass der Scheiß-Frosch seinen Job nicht gemacht hat und wir – trotz Peaceful Sleep und Mossie – nicht nur von den Moskitos getracked sondern auch kräftig gestochen wurden.😠

Nach einem schnellen Frühstück geht es um 7.00 weiter, Richtung Kidepo Nationalpark. Nach einer halben Stunde hält Willi, um einzukaufen. Denn im Kidepo kriegt man weder Lebensmittel noch kann man essen gehen (Außer man ist Gast auf der Nobel Lodge) Offenbar kann man in dem kleinen Restaurant bei den Bandas etwas abgeben, das dann zubereitet wird. Willi hält vor einer „Quality Butchery“ und fragt, ob wir Fleisch essen.

Bevor ich mich von meinen Schock erholt habe (hier hängt das Fleisch im Straßenstaub, ohne Kühlung dafür mit genügend Fliegen) sagt mein Teilzeit-Urlaubsvegetarier: „YES!“ und ich erkenne zwei riesige Steaks in seinen Pupillen… Offenbar hab ich keine Chance.🤢





Wir fahren weiter und kommen zu einer Brücke, die über einen kleinen Fluß führt. Sieht schön aus – doch Willi muss erst die Soldaten fragen, ob wir fotografieren dürfen. Während der Chef knipst unterhalte ich mich mit einem Soldaten und frage, weshalb die Brücke denn bewacht würde: „wegen der Rebellen, hier im Norden!“… Hrggggsssss… Welche Rebellen??? „Oh die aus dem Sudan, aus dem Kongo und manchmal welche aus Somalia…“ Der Soldat sieht meinen offensichtlich verstörten Blick, meint aber, ich könne mich beruhigen, DIE BRÜCKE sei sicher… na dann….😃





Wir fahren weiter und nach Gulu. Ab da verwandelt sich die Straße von einer Pad in eine Kraterlandschaft. Doch der Unterschied zu Namibia ist, dass hier Fahrradfahrer mit Bananen-Clustern, Möbeln, Bast, oder beladen mit bis zu 5 Personen fahren, Fußgänger mit und ohne Getier bzw. Kinder rumlaufen – alle auf dem „befahrbaren Teilstück“. Willi fährt so schnell wie möglich. Wie schnell wissen wir nicht, der Tacho ist ja hinüber. Er rast auf alles Bewegliche zu und hupt es von der Straße. Ich kann gar nicht hinschaun, denn irgendwann erwischt er bestimmt jemanden. Oft kann er aber auch nur Schritttempo fahren, auch nicht wirklich beruhigend bei noch knapp 300 km bis zum Kidepo.

In einem der Dörfer halten wir, weil Willi hier ein Handy-Netz vermutet. Er befielt uns im Auto zu warten. Is klar! Nach 6 Stunden ohne Pause … Das kann er knicken! Wir sind mitten im ehemaligen Kony-Gebiet. Hier hat dieser Geisteskranke bis vor wenigen Jahren noch sein Unwesen getrieben. In Uganda ist das Thema „Kony“ übrigens noch sehr präsent. In einer Tageszeitung wurde auf 4 großen Seiten ausführlich über Konys angebliche Flucht nach Darfur berichtet. Auch die Ugander sprechen uns später immer wieder auf Kony an, wenn wir sagen, dass wir im Norden waren. Auch Willi scheint sich offenbar hier nicht wohl zu fühlen, denn er hat uns morgens noch ausführlich von abgeschnittenen Nasen und anderen Greultaten erzählt, für die Kony die Verantwortung trägt. Und er schaut sich ständig um, als ob ihn jemand verfolgt.

Die Dörfer sehen wohl daher deutlich ärmer aus, die Hütten sind weniger bunt. Es gibt Schilder, die vor Landminen warnen und auch welche die auf Kony-Traumata Hilfen hinweisen. Insgesamt ist es sehr beklemmend – allein dass man merkt, wie sehr diese Leute hier gelitten haben. Der Krieg – für uns Europäer eher ein abstraktes Thema – wird hier sehr gegenwärtig. Allerdings habe ich mich keine Minute bedroht gefühlt.








Ich frage ein paar Leute ob ich fotografieren darf. Ja gerne! Sie scheinen sich sehr über Touristen zu freuen – Willi freut sich weniger. Wenn Blicke töten könnten, dann hätte uns Willi nun erlegt.

Als wir weiter fahren sehen wir das erste Fahrzeug mit UN Blauhelmen. Christoph und ich wechseln kurz einen Blick: Ob die Idee mit dem Norden so gut war? Hmmm… da müssen wir jetzt wohl durch.

Willi kennt den Weg nicht und hat keine Karte. Christophs Karte lehnt er mit einem kräftigen „NO!“ ab. Wobei das nichts ausmacht, denn Christoph hat inzwischen Map und beide Reiseführer zu Rate gezogen – auf jeder Karte sieht es anders aus. Die Pad wird noch schlechter und es fängt an zu regnen um uns herum versinkt die Landschaft im Nebel.





Da naht Hilfe in Form des eines Straßenschildes (des ersten, das wir in Uganda sehen!). 64 km bis zum Kidepo. Juhu! Der Landi rutscht durch den Matsch bis wir an eine Kreuzung kommen. Links ist der Weg grauenvoll, rechts fürchterlich. Feine Wahl! Zumal kein Straßenschild mehr auftaucht.

Zur Beruhigung meint Willi „Where are we? I have no idea which way to go…“

(…to be continued..)
Teil 528. Juni 2012
Ihr motiviert mich, weiterzuschreiben 😄 Dankeschön für Feedback!Übrigebns finde ich Uganda hammergeil- TROTZ Willi 😛

Leider gibt's für heute keine Bilder... wer trotzdem weiterliest, ahnt warum 😕

Willi wählt den rechten Weg (jetzt wissen wir, es wäre der Linke gewesen).

Offenbar hat Willi eine Eingebung, meint „wrong“ und wendet im Schlamm. Die erste Idee war gut – die zweite weniger. Denn nun stecken wir fest. Willi lässt den Motor aufheulen, der Landi lässt sich davon nicht beeindrucken… im Gegenteil: irgendwann hat er auch keinen Bock mehr auf Willi und geht aus… und nicht wieder an. Es regnet wie Sau, der Schlamm nimmt zu und Willi würgt am Motor rum. Handyempfang haben wir auch nicht. Christoph schlägt vor, die 7 km zum ausgeschilderten Medical Center zu gehen. Willi meint „No!“. Ich schlage vor, mich an die Wegkreuzung zu stellen, um gegebenenfalls ein Auto herbeizuwinken, falls eines kommt. Willi meint „No!“

Irgendwie ist das eine beschissene Situation: selbst wenn die Karre wieder anspringt, stecken wir im Matsch – selbst wenn wir das Auto rausschieben können, geht der Motor nicht an. Und wie war das? Gab es hier nicht auch diverse Rebellen??? 😕

Die nächste Stunde verbringen wir damit dass Willi am Zündschloß rumwürgt, Christoph ab und zu einen Vorschlag macht und ich Tagebuch schreibe (falls es mal in 1000 Jahren Ausgrabungen gibt, will ich wenigstens einen Platz im Museum 😄 )

Dann kommen Menschen! Wir sind völlig begeistert – Willi weniger. Er duckt sich in seinem Sitz und fragt: „What People?“ Er will Alter, Anzahl etc. wissen. Cooles Ding! Selbst wenn es Rebellen sein sollten – will er etwa den Turbogang einlegen und davonbrausen? 😈

Es sind sechs Bauern, die Willi gleich zum Schieben verdonnert. Wir steigen aus. Willi meint „No!“ Doch! Wir schieben mit, nix bewegt sich. Es kommen immer mehr Leute. Schließlich sind es 15 Einheimische und zwei Muzungus die den Karren - im wahrsten Sinnen des Wortes - aus dem Dreck ziehen. Mein Flipflops sind mit Füßen und Matsch zu einem dicken Klumpen zusammengewachsen… aber egal. Durch die Bewegung (oder wasauchimmer) ist der Motor wieder angesprungen. Wir zahlen ein fettes Trinkgeld und es kann weiter gehen.

Die Euphorie hält nicht lange an. Der letzte Weg zum Kidepo führt über einen steilen Berg. Hinauf röhrt und rutsch der Landi. Hinunter ist es eine Katastrophe. Unten am Berg steht ein Polizeiauto, das sich gerade aus dem Schlamm befreien will. Wir rutschen solange bis der Landi quer steht und genau in dieser Haltung auf das Polizeiauto den Hang runterrutscht. Cool! Dann brauchen wir bei diesem Unfall die Polizei wenigstens nicht mehr zu rufen…;) Zum Glück (oder Willi sei Dank!) bekommt er die Karre wieder in den Griff und wir rutschen vorbei. Dann kommen wir zu Gate.

Es ist inzwischen halb acht und mein Magen hängt auf den Knien. Also nicht ganz, denn seit einiger Zeit rieche ich etwas Fürchterliches. Der Gestank wird immer penetranter… DAS FLEISCH! Seit über 12 Stunden ungekühlt in einer Plastiktüte im Auto….Lekker!🤢

Die Fahrt durch den Kidepo läßt unsere Laune wieder ansteigen. Wir sehen einen Elefanten, Zebras, Wasserböcke… in Windeseile an uns vorbeiziehen. Denn Willi rast durch den Park und will auch hier nicht zum Fotografieren anhalten. Da wir etwas an Ende sind, reicht auch die Kraft nicht mehr für einen effektiven Protest.:(

Bei der Banda angekommen, verteilen wir den Matsch sogleich in selbiger. Aber wir sind zu müde, als das uns noch was stören könnte. Mein letzter Wille ist, nichts von diesem Fleisch essen zu müssen. Auch Christoph erinnert sich spontan wieder an seine „lange Tradition als Vegetarier“ 🤩 und will das stinkende Zeug nicht.

Das wiederum macht Willi aber ziemlich stinkig! Wir einigen uns auf Nudeln mit Gemüsesauce und fallen anschließend totmüde in unsere Betten.
Teil 628. Juni 2012
7. Juni 2012

Wir stehen früh auf, denn heute ist der Morning Drive. Begleitet werden wir von Daniel einem Ranger (Juhu, dann wird Willi wenigstens nicht mit Top Speed durch den Park heizen). Leider ist im Kidepo noch Regenzeit, das heißt wir haben alle Arten an Wetter.

Recht schnell sehen wir einen ganzen Haufen Geier, die sich um einen toten Elefanten scharen. Christoph entdeckt mittendrin eine Hyäne, die sich noch die letzten Reste der Mahlzeit sichert. Daniel läßt uns recht nah ranfahren und durch das offene Dach des schauen wir begeistert zu. Offenbar gibt es recht wenige Hyänen im Kidepo und Daniel ist völlig aus dem Häuschen! Es stink ein wenig – aber das ist ja zu erwarten.





Als ich mich hinsetzte wird der Gestank penetranter. Ich stecke den Kopf wieder raus, besser. Wie kann denn ein toter Elefant IM Auto mehr stinken als DRAUSSEN? ….OH NEIN! Das Fleisch!!! Willi leugnet es noch im Auto zu haben, aber meine Nase sagt was anderes… 🤢

Wir strecken also bei der Weiterfahrt die Köpfe aus dem Dach bei der Weiterfahrt. Besser so, draußen riecht es nach Gras. Der Kidepo NP ist landschaftlich wirklich wunderschön. Umgeben von den Bergen des Südsudan, Ugandas und Kenyas breitet sich eine traumhafte Landschaft aus. Wir sehen Büffel, Zebras, Jackson’s Hartebeests, Warthogs, Oribis und Elefanten. In den Bergen entdecken wir eine Löwin, etwas weiter entfernt den dazugehörigen Gatten.











Daniel erzählt uns sehr viel und die Zeit vergeht wie im Flug!

Nachmittags haben wir weniger Glück mit den Tieren. Außer diesen fiesen lästigen Riesenfliegen, die sich weder von Repellent noch Kleidung abhalten lassen. Sie stürmen zu hunderten ins Auto, beißen und lassen sich nicht ermorden. Nicht dass man sie nicht erwischen würde... diese Viecher sind einfach zäh! Willi ist inzwischen mehr damit beschäftig Fliegen zu jagen, als sich auf den Weg zu konzentrieren. Tja man muss eben Schwerpunkte setzte – auch als Driver...B)

Ansonsten steht durch die Regenzeit das Gras recht hoch. Im Kidepo besteht auch immer die Möglichkeit dass die einige Tiere in den Südsudan oder nach Kenya abwandern, man kann also mehr oder weniger Glück haben. Trotzdem fanden wir den Park sehr spannend, zumal wir zeitweise die einzigen Touristen dort waren.

Unterkunft:
Die Bandas im Kidepo sind sehr basic: 2 Betten, keine Sitzmöglichkeiten, kein Strom, kalte Dusche. Durch offene Ornamente im Badezimmer, betrachten die Moskitos das als Einladung und feiern im Bad Party! Der Party Snack sind offenbar wir – zumindest sind wir um einige Mückenstiche reicher.



Das „Restaurant“ verkauft (lauwarme!) Getränke, man kann sich mitgebrachtes Essen zubereiten lassen. Okay ich geb zu das Wort „Restaurant“ ist eine sehr euphemistische Umschreibung für eine ziemlich runtergekommenes Gebäude mit diversen Lagern für irgendwas. Hinten gibt es eine Art Terrasse mit Stühlen in diversen Verfallstadien.



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Fazit Kidepo:

Ich würde den Park nie wieder in der Regenzeit besuchen. Die Anfahrt ist definitiv spaßfrei – Tiersichtungen sind(abgesehen von Zebras, Büffeln und Wasserböcken) ungewiß. Der Park „besitzt hinsichtlich größerer Säugetiere das größte Artenspektrum aller Nationalparks in Uganda“ (Reise know how) Aber die Populationsdichte ist relativ gering. Bis vor kurzem durfte im Südsudan noch gejagt werden, das erklärt wohl einiges. In der Trockenzeit sind die Tiere wohl recht konzentriert im Valley zwischen den Flüssen Narus und Kidepo anzutreffen.

Wer auf unberührte Natur und wenig Touristen steht, für den ist der Park ein absolutes Highlight.
Teil 729. Juni 2012
8. Juni 2012

Unser letzter Morgen im Kidepo und Immer-noch-Pissed-Willi verweigert uns den Morning Drive… Die Fahrt wäre zu lang und es koste zu viel Zeit (oder sowas Ähnliches – wir haben immer noch Verständigungsprobleme) Christoph steigen schon die Rauchwölkchen aus der Nase. Wir haben diese völlig abartige Anfahrt hinter uns gebracht für einen Tag Kidepo? Der erste Nachmittag fiel ja schon ins Wasser – oder eher ins Schlammbad – aber nun scheint die Sonne und wir wollen TIERE! Es ist nichts zu machen, Willi hat die Autoschlüssel - wir nicht.:S


Wir schätzen er ist fürchterlich pissed! Denn als Christoph morgens zum Landi kommt, hat sich der Fleischgestank ver5oofacht! Besonders grauenvoll – vor allem für einen „Vegetarier“ 😛 😛 😛 . Willi behauptet, im Auto wäre weder Fleisch noch Gestank. Aber Christoph, getrieben von der Vorstellung die nächsten 2,5 Wochen diesen Gasen ausgesetzt zu sein 🤢, bleibt verdammt hartnäckig. Irgendwie schafft er es, Willi dazu zu bewegen das Auto von Fleisch (das es nie gab) und Gerüchen (die wir uns eingebildet haben 😉 ) zu befreien, bevor wir starten…..phuuuuu

Auf der Rückfahrt werden wir immerhin mit einer traumhaften Landschaft belohnt.











Nach knapp 5 Stunden erreichen wir Gulu. Okay, es gab zwischendurch eine kleine Autopanne, war aber in 45 min behoben (falsch! 2 Minuten für die Panne 43 Minuten bis der Landi wieder anspringt 😈 ). Immerhin wissen wir jetzt, dass die blöde Karre nie anspringt wenn sie warm gelaufen ist. Das erklärt auch, warum Willi auch bei laufendem Motor tankt, und stets den Motor anlässt, wenn er für sich kalte Getränke kaufen geht oder zum telefonieren anhält. Btw: Willi hat die ausgesprochene Telefonitis. Jede Fahrt wird mindestens durch 15-20 mal Handyläuten gestört. Zum Ausgleich gibt es keine Musik und kein Radio. Das „stört“ Willi beim Autofahren. Is klar! Mit Background Musik zu Telefonieren ist auch echt doof….;)


In Gulu ist es laut und geschäftig. Dank unseres Bradt Reiseführers (sorry für die Schleichwerbung, aber das Ding ist unerlässlich!) finden wir einen Supermarkt (von dem Willi auf der Hinfahrt behauptet hat, dass es sowas in Gulu nicht gibt), tricksen unseren „Bewacher“ aus und machen eine Mini-Shoppingtour. Wohlbeladen mit Essen, kalten Drinks (ENDLICH), Zeitung und dem revolutionären Gefühl von Eigenständigkeit kommen wir zurück und müssen feststellen, dass aus Pissed-Willi nun saumäßig-mega-pissed-Willi geworden ist. (Wir hielten 30 min Freiheit für legitim, Willi hält Pausen für Zeitverschwendung) Nun denn, trotzdem geht es weiter Richtung Murchinson Falls NP.












Denken wir! Denn Pissed-Willi schlägt eine völlig falsche Richtung ein. Darauf angesprochen, erklärt uns Willi dass er über Masindi fahren will. MASINDI? Das würde bedeuten wir fahren über 200 km in den Süden um dann nochmal 100 Km im Park nordwärts zu fahren. Also schlappe 3-4 Stunden zusätzlich. Wir versuchen zu diskutieren – Willi fährt stur weiter. Christoph hält ihm die Karte unter die Nase. Willi meint „No!“ Christoph resigniert irgendwann. Und ich? Ich raste auf meinem Hinterbänkle völlig aus! Das immerhin bringt ihn zu Anhalten (bei laufendem Motor versteht sich). Jetzt kommt raus dass Willi keine Karten (und vermutlich gar nicht) lesen kann. ABER WIR KÖNNENS! Unsere angebotene Hilfe scheint ihn nicht zu überzeugen. 3 zusätzliche Stunden sind für uns keine Alternative…. Scheiß-Situation!

Christoph ruft wechselweise bei unserem deutschen bzw. dem ugandischen Reisebüro an, das Deutsche erreicht er. Man würde sich drum kümmern – was immer das auch heißen mag… Willi ist nun wohl doch ein wenig beeindruckt und wir fahren zurück nach Gulu. Die afrikanische Roadmap (= frage irgendwelche Leute und zur Sicherheit noch mal welche und wenn auch der dritte das Gleiche sagt, passt es) funktioniert einwandfrei. Wir können den direkten Weg nehmen.




Ds Gate zum Murchsinson NP - irgenwie sind die im südlichen Afrika beeindruckender 😉



Leider stellen wir fest, dass unsere Karte bezüglich km-Angaben vorne und hinten nicht stimmt – aber mit stetem Nachfragen kommen wir weiter. Der direkte Weg von Gulu in dem Murchsinson Falls NP besteht noch nicht lange, bzw. galt lange Zeit als „unsicher“. Inzwischen fangen die Ugander aber an ihn zu teeren und auch wir hatten mindestens 20km eine geile Straße!

Kurz vor dem Gate des Nationalparks erreicht uns eine SMS des deutschen Veranstalters: “Sie werden die letzte Nil Fähre nicht mehr erreichen, fahren Sie über Masindi“. Christoph und ich schauen uns an: ZURÜCK???? No way! Wir gehen das Risiko ein. Am Gate erfahren wir dass wir noch lässige zwei Stunden Zeit haben, bis die letzte Fähre fährt. Die Fähren dort fahren immer von morgens 7.00 – 19.00 Uhr. Sehr vertrauenserweckend, dass ein Uganda-Spezialist sowas nicht weiß 😕

Ein Ranger vom Gate bittet um einen „Lift“. Er sieht zwar unser fettes Grinsen, aber er ahnt nicht welch großen Gefallen er uns damit tut. Willi muss anständig fahren – wir sehen den Park und können Fotos schießen!











Sehr sehr geil! Wir haben Sonne und Tiere! Leider sind wir nach einer knappen Stunde schon an der Nil Fähre und können übersetzen.






Die weiteren 24 km zur Sambiya River Logde sind durch hohes Dickicht völlig unspektakulär. Langsam dämmert uns, dass die Paara Lodge die bessere Alternative gewesen wäre. Trotzdem freuen wir uns auf eine warme (!) Dusche und Strom!!! Die Enttäuschung kommt leider recht schnell: Die Sambiya River Lodge wurde wahrscheinlich vor 30 Jahren eingerichtet (in einer Art „Recklinghausener Barock“ bzw. der afrikanischen Variante davon) und strahlt auch sonst eher einen leicht verfallen Charme aus. Das heißt, soweit wir das im Dunklen beurteilen können…
Teil 829. Juni 2012
9. Juni 2012

Als wir um 6.00 Uhr abfahrbereit vor Willis Landi stehen, sind wir „klinisch tot“. Langsam zehrt der „Urlaub“ an unseren Kräften. Trotzdem, kaum sind wir an der Fähre steigt die hammermäßige Vorfreude auf … gleich geht’s lohos!!!

Wir machen einen Gamedrive und dieser entlohnt uns für die ganzen Mühen. Schöner Park, tolle Tiere! (und vor allem VIELE). Wir sehen, Elefanten, Oribi, Uganda Kobs (kannte ich bis dahin noch nicht) Büffel (es ist in Uganda schwerer keinen Büffel zu sehen, als nicht darüber zu stolpern) , Nilpferde und vieles mehr. Sogar drei Löwen zeigen sich kurz. Safari-Herz was brauchst Du mehr?

















Nach drei Stunden ist der Gamedrive vorüber. Ohhhh… Willi packt uns ins Auto und fährt los.

Okay?!?! Wir haben keinen blassen Schimmer wohin… 😕

Da in unserem Reiseverlauf nur Ort und Lodges stehen und höchstens eine Zusatzinfo wie Bootsfahrt, Gamedrive – aber keine Zeiten, Zeitdauern (hier hieß es im Vorfeld: Sprecht das mit dem Fahrer durch), müssen wir sehr oft nachfragen.

Ein typisches Info-Gespräch mit Willi sieht (z.B. IM MURCHINSON FALLS NP) in etwa so aus:

Anja: „When will we have the boat trip?“
Willi: “ Murchinson Park”
Anja: yes, but when? Which time?”
Willi: “grumelgrumel grumel”
Anja: “I didn’t get it”
Willi: ………sagt nix…….
Anja: Willi, which time???
Willi: “today”
Anja: “BUT WHICH TIME??”
Willi:”no worry – I’ll get you there”

DANKE FÜR FÜRS GESPRÄCH!

Dass dieser perfekte Informationsfluss noch Folgen haben wird, ahnen wir zum Glück noch nicht 🤩


Willi fährt uns zum Chili Camp an das kleine Restaurant und wird uns kurz vor dem Bootstrip abholen. Im Restaurant (wir haben ja jetzt viiiieel Zeit) bestellen wir aus Neugierde einen African Coffee. TREFFER! Wer einen megaleckeren Milchkaffee mag, für den gibt’s African Coffee. Serviert in einer riesigen Thermoskanne, brühend heiß, aber total geil! (leider ist manchmal Ingwer drin – dann oft weniger geil)

Als Willi uns abholt, sind wir gar (innen African Coffee – außen gefühlte 50 Grad im Schatten). Das Boot hat ca. 20 Plätze und ist zum Glück keine „African Queen“, die doppelstöckig den Nil entlang tuckert. Als erstes kriegen wir fette Schwimmwesten. Is klar! Im Nil wimmelt es vor riesigen Nilkrokodilen, da helfen die Schwimmwesten sicher ungemein.:P

Dann erleben wir eine mega-coole Nilfahrt! Wir waren ja schon auf dem Chobe, fanden die Flußfahrt toll, aber noch schöner ist dieser Trip. Wir sehen die Nilkrokodile! Ob ich wohl mal so eine Schwimmweste ins Wasser fallen lassen soll, um zu sehen, was passiert? 😈 Christoph ist dagegen, er behauptet „grober Unfug“ würde auch in Uganda geahndet. Oooochhh…

Es gibt Elefanten, davor Nilperde, daneben Büffel oder/und Antilopen sowie gefühlte 1000 Arten diverser Vögel. An jedes Tier wird fotografier-bereit herangefahren. Es ist ein Traum! Das eigentliche Highlight, der Wasserfall ist weniger spektakulär – im Vergleich zu dem, was die Fahrt zu bieten hat. Kurz vor dem Wasserfall steigen einige Leute aus, um den Berg zu erwandern und sich dann von den Fahrern abholen zu lassen. Leider hab ich die falschen Schuhe an- und Willi hätte Bescheid wissen müssen.



Ein Albino-Nilpferd!



Auf „Schwimmwesten“-Suche



„Schwimmweste“ gefunden und verdaut

















Die Rückfahrt ist fast schon zu kurz und wir legen viel zu früh an. Viel zu früh ist nicht nur gefühlt…. Wir sind da – Willi nicht! Alle anderen verschwinden in Ihre Autos – wir nicht! Wir rufen George von der ungandischen Agentur an. Beschissenes Handynetz! Er versteht uns nicht! Na toll… Inzwischen ist die Bootsanlegestelle leer – bis auf uns und noch ein paar Ranger. Einer bietet uns Hilfe an und ruft gleich noch mal bei George an, damit dieser Willi Bescheid gibt. Nichts passiert.

Inzwischen beraten einige Leute, was zu tun sei (mit zwei übrig gebliebenen Muzungus). Das Gerücht taucht auf, Willi sei oben am Berg. Auf welchem Berg? Und wozu? Offenbar gibt es „auf dem Berg“ kein Handynetz. Cool! Mittlerweile finden wir „afrikanischen Recklinghausener Barock“ sehr verlockend… WIR WOLLEN IN DIE LODGE! Vielleicht fällt es Willi irgendwann doch auf, dass wir fehlen?? Vielleicht auch nicht…. WENN es ihm denn jemals auffällt, dann braucht er nur noch eine Stunde bis zu Bootsanlegestelle. Es wird inzwischen langsam dunkel…
Teil 930. Juni 2012
Auf Willi warten ist keine Option (falls er denn je käme)

Ob uns Löwen fressen sei mal dahingestellt 😗

Aber der naheliegendste Feind lauert schon: die Moskitos haben uns getrackt und freuen sich offensichtlich aufs Dinner. Als wir die ersten Mordanschläge auf die Mistviecher verüben kommt der Ranger: „Oh you’re right - you don’t wanna be bitten by the Tsetse-Flys“. TSETSE FLIEGEN??? An die hatte ich noch gar nicht gedacht! 🙄

Ein fettes Halleluja für die hilfsbereiten Ranger. Es wird telefoniert, diskutiert und rumgefragt („herrenlose Muzungus günstig abzugeben“) Um 19.00 Uhr kommt die letzte Fähre. Christoph erkennt eine Gruppe Briten aus unserer Lodge. 11 Leute in einem Minibus- für genau 11 Leute. Zuerst sind sie nicht gerade „amused“ als der Ranger sie anspricht. Hier treffen afrikanische und europäische Mentalität aufeinander. Die Briten meinen der Bus sei voll – die Afrikaner meinen „da geht noch was“. Wir setzten auf die Afrikaner! Und gewonnen… wir dürfen mit!

Ich bin so dankbar, dass ich den Engländern spontan den EM-Sieg gönne (jetzt kann ich das ja zugeben 😛 ). Meine Dankbarkeit wird allerdings auf eine harte Probe gestellt, als wir mit Tempo 20-30 km/h und „scharfen“ Abbremsen (soweit man das bei diesem Tempo so nennen kann) den Weg entlang tuckern. Nach über einer Stunde treffen wir auf Willi, der an einer Weggabelung auf uns wartet. Er fährt den letzten km zur Lodge hinterher.

Sofort schiebe ich Christoph bei Seite, der nach 2,5 h unnötiger Warterei, kurz vor einem Mordanschlag steht. Willi sieht zum ersten Mal zerknirscht aus! Was war los, Willi? Jetzt kommt raus, dass seine Infos – wie schon vermutet – voll fürn Arsch waren (Sorry…) Denn Willi hatte auf seinem Plan (den er vor uns „geheim“ hält), dass wir wandern würden und er uns am Berg abholen würde. Wir wußten nichts davon.

Offensichtlich ist es wirklich ein Mißverständnis. Nach seinem hoch und heiligen Versprechens uns besser zu informieren, lassen wir es dabei bewenden.

Auch heute sehen wir die Lodge nur im Dunkeln… wir hätten ja gern mal gewußt was sie so zu bieten hat.
Teil 1001. Juli 2012
10. Juni 2012

„Good Morning Anja!“ vor Schreck lass ich fast meine Kaffeetasse fallen… Ich bin offenbar in Willis Hierarchie aufgestiegen – Christoph nicht. Er kriegt nur ein „grömel“ ÄTSCH! 😛

Es ist sowieso nicht Christophs Morgen. Nachdem wir im Dunkeln duschen und mit Notbeleuchtung (fast im Dunkeln) packen mussten – auf der Sambiya River Lodge gibt es ab 6.00 Uhr keinen Strom mehr – will er wenigstens einen Blick auf den Sambiya River werfen. Enttäuscht muss er feststellen, dass der einzige River in nächster Umgebung im Namen der Lodge vorkommt. 😄







Yes, wir haben die Lodge auch mal bei Morgenlicht gesehen!

Und Willi hält eine Überraschung für uns bereit! Er fährt uns freiwillig zum ominösen Berg hinauf – direkt zu den Murchinson Falls. Hier ist der Wasserfall wirklich schön, mit verschiedenen Regenbogen und einen einem tollen Blick über den Nil.











Leider müssen wir bald weiter. Auf dem Rückweg überfallen uns die lästigen, bissigen Fliegen, die uns schon im Kidepo angenagt hatten. Willi schließt schnell sein Fenster und - gesprächig wie er heute ist- meint „Tsetse-Flys“. …Hrrrrgggsss…. Okay, wenn das die Tsetse-Fliegen sind, brauch ich mich ja nicht mehr zu fürchten. Von denen sind wir ja schon zur Genüge gebissen worden…. Ich blättere hektisch im Reiseführer. Unter „Schlafkrankheit“ ist zu finden, dass die Ansteckungsgefahr relativ niedrig ist. Aber wieso fühl ich mich auf einmal soooo müde?
😉 😉 😉

Die Straße gleicht wieder einen schlechten Pad – dafür wird die Landschaft umso schöner. Es ist Sonntag. Wir fahren an Hügeln und Tälern vorbei. Sehen Menschen in Sonntagskleidung, Gottesdienste, Frauen die in Flüssen ihre Wäsche waschen, Männer, die in Flüssen ihre Mopeds oder Fahrräder waschen, badende Kinder. Btw. der Esel wurde hier im wahrsten Sinne des Wortes durch den Drahtesel ersetzt. Besser so! Für die Esel. Denn die Behandlung von Tieren ist schon ein Dolchstoß für unsere zarten europäischen Seelen. Hühner hängen kopfüber an Fahrrädern (lebend versteht sich) und sogar zwei lebendige Schweine werden mit einem Moped transportiert.


















Die Gegend hier ist ganz offensichtlich reicher und bunter als im Norden. Bald erreichen wir Hoima und (!!!) dürfen 45 min Pause machen! Cool! Ab durch Hoima. Eindrücke genießen (geil), Moskito Repellent kaufen (gabs nicht), dafür Zeitungen, kalte Getränke und eine ugandische Telefonkarte. Und ganz viel zum kucken.



















Zurück beim Landi steht da ein zerknirschter Willi. Der Reifen ist platt, er muss zur Tanke reifenflicken. Die geschenkte Zeit für uns verbringen wir mit einem eiskalten Nile Special. Nach weiteren 2 Stunden sind wir endlich auf der Pad zum Kibale Forrest – aber nicht lang. Vor uns steht ein Minibus mit einem Platten. Willi hilft dem Driver und nach 20 min geht’s weiter.

Nach dreieinhalb weiteren Rüttelstunden erreichen wir die Lodge. Also nicht die, die wir vermutet (und gebucht hatten). Wir waren von Chimps Nest ausgegangen – gebracht werden wir zum Kibale Forrest Nature Camp. Aha?!? Es ist inzwischen stockdunkel . Und ist alles scheißegal. Fast – denn als wir zu unserem Zelt gebracht werden, fällt der Generator aus. Mit letzter Akkuleistung meines Handys (dank iPhone gibt’s ja die Taschenlampen App – für die Großstadtindianer) finden wir unsere Taschenlampe. Die gibt einen lauen Strahl ab – bevor sie komplett kollabiert. Batterie leer – Handy Akku leer – Generator under construction. So sitzen wir im Dunkeln, müde, hungrig und verstaubt in unserem Zelt.

Gerettet werden wir von dem ausgesprochen freundlichen Personal. Man holt uns zum Essen und versorgt uns auch gleich mit einer Taschenlampe. Das was wir im Kerzenschein von der Lodge erkennen können, sieht echt toll aus. Viel Holz, liebevolle Details, nettes Personal.
Nach einiger Zeit bekommen wir zwar kein Licht – aber Essen. Zwar auch wieder ein "Versuch" von internationaler Küche – aber sehr lecker.

Dann geht das Licht an! Juhu! Keine gute Idee…. Christoph fällt vor Lachen fast vom Stuhl. Er behauptet, ich sehe so staubig aus, wie ein Sofa, das 100 Jahre auf dem Dachboden stand. (Die Scheidung ist eingereicht 😛 )
Teil 1101. Juli 2012
11. Juni 2012

Nach gefühlten 2 Stunden Schlaf, kommt um 6 Uhr der Wake-up Call. Mit frischem Kaffee! Wenige Minuten später taucht der Water-Boy auf. Fließend Wasser gibt es nicht – aber das Bringen des Warmwassers klappt super. Bei 22 Liter für 2 Leute sind wir erst mal misstrauisch – aber es reicht. (Sogar für Mädchenhaarewaschen! 😄 )

Im der Dämmerung tapsen wir zum Frühstück. Dort hören wir wie Willi den Motor des Landis aufheulen läßt. Ein klaren Signal für „He beeilt Euch!“ Heut bin ich etwas missmutig. Wir hatten uns im Vorfeld über Internet die Lodges ausgesucht – und nun sehen wir auch diese nur wieder im Dunklen. Toll! (ab gesehen davon, dass wir uns in einer nicht gebuchten Lodge befinden)

Kurz nach 7.00 geht’s los – das Schimpansen Tracking fängt um 8.00 Uhr an. 10 min später sind wir am Gate des Kibale Forrest. Da sind wir auch die ersten Touris. Und warten. Danke Willi!!!

Es folgt ein kurzes Briefing. Dann heißt es Hosen in die Socken stecken. Mann, das sieht mal beschissen aus… 🙁 Aber Ameisen, sind wahrscheinlich noch beschissener. Nach 10 min Fahrt, werden wir im Forrest mit 2 Holländern und einer Kanadierin abgeladen. Unser Ranger führt uns mitten in den Wald. Hier sind die Bäume riesig. Schimpansen Tracking ist ein wenig anstrengend – man schaut halt die ganze Zeit nach oben.





Auf einmal wird der Guide ganz aufgeregt. Da oben! Wir schauen hoch und entdecken einen Schimpansen-Hintern in ca. 15 m Höhe. Okay, ehrlicherweise sehen wir einen schwarzen Punkt … trotzdem sind wir beeindruckt! Der schwarze Punkt hat aber keinen Bock auf uns und verschwindet weiter nach oben.

Nach Sichten von weiteren schwarzen Punkten, fängt es an zu regen. Aber nur an einer Stelle. Die Holländerin und ich schaun uns an „na ja, ist halt Regenwand“… Die Verwunderung hält nicht lange. Der Guide macht uns nämlich darauf aufmerksam, dass wir gerade untern Schimpansen Klo stehen…. 🤢

Dann hört unser Guide über Funk von einem Schimpansen Opa, der sich auf dem Boden befindet. Wir rennen los. Durchs Gestrüpp, über Äste und unter Ästen durch. Da sitzt er! Doch bevor wir fotografieren können, macht sich auch dieser wieder vom Acker. Wir rennen hinterher. Bis Mr. Oberaffe entnervt auf den Baum verschwindet. Kenn jemand das Lied: „Die Affen rasen durch den Wald“? Komplett falsch! Richtig ist: Die Touris rasen durch den Wald…. 😛

Aber die Rennerei lohnt sich: Bald sehen wir die Affen auf dem Boden – oder fotogen in den Bäumen sitzen. COOOOOL! Wir dürfen zuschauen, wie sie sich gegenseitig das Fell pflegen, umarmen oder einfach Grimassen schneiden. Uns bleibt der Atem weg – so beeindruckt sind wir!


















Nach 3 Stunden geht’s in die Lodge. Auch wieder ein neues Erlebnis: Eine Lodge bei Tageslicht!





Nachmittags nehmen wir am Swamp-Walk teil. Ein Spaziergang durch die Sümpfe um die kleineren Affen zu sehen. Die hauen nämlich aus dem Kibale Forrest ab, weil sie dort von den Schimpansen gefressen werden. Christoph sieht sich vor einer neuen Herausforderung: Affen knipsen ist echt beschissen! Entweder man erkennt schwarzen Affen im dunklen Blätterwald nicht, oder Affe sitzt im Gegenlicht oder springt von Ast zu Ast. Christoph flucht und kämpft mit seinem Fotoapparat. Und eine Ehefrau, die auch noch ständig auf irgendeinen Affen zeigt: „oh fotografier doch mal den!“ mancht‘s nicht besser.


























Die Landschaft ist wunderschön. Der Wege führt durch Wälder, Tabak-, Kakao- und Reisfelder und schließlich durch die Wetlands. Wir treffen viel Bauern, die unseren Guide ständig nach den Baboons fragen. Denn die meisten müssen hier tagsüber ihre Felder bewachen, damit diese nicht leergeplündert werden. Das Verhältnis zu den Baboons ist daher nicht das allerbeste.









Nach 3 Stunden kommen wir müde, verschwitzt aber total Glücklich im Kibale Forrest Camp an. Bisher unsere beste Lodge – und wir würden jederzeit wieder dort übernachten.
Teil 1202. Juli 2012
12. Juni 2012

Nach dem Frühstück geht es weiter Richtung Queen Elisabeth NP. Der erste Stop ist Fort Portal. Willi fährt uns in irgendeine Gasse, hält an und meint wir sind da. DA? Wo da? Dann entdecken wir ein Schild mit unserem ungandischen Reiseveranstalter. Christoph ist schon leicht pissed, denn er hätte gerne vorher gewußt, dass wir dorthin gekarrt werden.

Drinnen empfängt uns jemand, der eindeutig nicht George ist. Wahrscheinlich hat der gar keinen Bock auf uns und hat sich verkrümelt. Nicht-George ist ebenfalls genauso wenig verhandlungsbereit: Willi sei der „beste Mann“ (oh jeee.. wie mögen dann die anderen sein), Änderungen kommen in Afrika eben vor und wir sollen zufrieden sein, dass wir nicht noch gegebenenfalls draufzahlen müssen. Ich sehe wie Christophs Hals langsam anschwillt.😠

Dann zückt Nicht-George unseren Reiseablauf und wir vergleichen die einzelnen Punkte. Dreist wie wir sind, wollen wir wissen, WAS sich noch alles ändert. Dass wir nun 4 Tage in der Nkuringo Lodge sein werden, hatten wir schon zu Beginn der Reise erfahren. Angeblich hätte das aber keine Auswirkungen. Das können wir ungefähr zweieinhalb Minuten glauben. Dann meint Nicht-George unser Gorilla Tracking sei ja am 19.Juni. Äh nee! Am 17.Juni! Extra so geplant, damit wir eventuell ein zweites machen können. Nicht-George ist nicht verhandlungsbereit. Wir haben zwar einen Voucher für den 17. – daraus können wir aber bestenfalls einen Papierflieger basteln….😈

Christoph steht auf und verlässt die Agentur (besser so, sonst wäre ein Unglück geschehen). Ich gebe mein Bestes – das beeindruckt Nicht-George Null, Niente, Nada. Da wir weder eine Mordwaffe besitzen – noch Freunde bei der Mafia haben, gehen wir megamäßig angefressen.

Willi muss noch was erledigen, also werden wir in Fort Portal freigelassen. Für Einkäufe ist die Stadt optimal. Besonders schön ist sie nicht, aber hat geteere Straßen und sieht ansonsten sauberer aus als Hoima und Gulu. Wir erstehen u.a. zwei Bottles Moskito Repellent (eine Sorge weniger). Dann geht’s weiter.

Christoph versucht nun die ganze Zeit schon unseren deutschen Reiseanbieter zu erreichen. Forget it. Er schreibt eine deutliche SMS und zurück kommt: „Selbst Schuld, Sie haben schließlich der anderen Lodge zugestimmt. Außerdem können ja das zweite Gorilla Tracking vor dem ersten machen. Hier gibt es viele Möglichkeiten z.B. im Kongo. Kein Problem!“

Was der längere Verbleib in der Nkuringo Lodge mit dem Gorilla Tracking zu tun hat, verstehen wir (noch!!!) nicht. Was uns ins Auge sticht ist DER KONGO??? Da ist der der Park doch wegen Kriegshandlungen geschlossen? 😕

Zurück kommt per SMS: „Der Kongo ist sicher, ich hatte erst letzte Woche Touristen dort“.

Unser Vertrauen ist dahin. Ich schreibe eine HELP ME-SMS an Heinz (Bloke) er möge doch mal im Namibia Forum nachsehen. Das macht er offensichtlich auch umgehend und schickt uns folgendes: „Der Park ist wegen Kriegshandlungen bis zum 27. Juni geschlossen.“ (nochmal 1000 Dank nach Mühlacker 😘 )

Hilflos vor Wut quillen uns kleine Rauchwölkchen aus Nase und Ohren. Bis zum Äquator. Den wollen wir uns nicht vermiesen lassen (soooo oft ist man ja nicht da). Und schießen – wie wohl alle Touris – Fotos wie die Irren.




Gegen Mittag erreichen wir die Kingfisher Lodge. Und bekommen ein Chalet mit traumhaftem Blick über die Landschaft! Innen ist es eher spartanisch eingerichtet. Ein Bett, Nischen in der Wand für Koffer. That’s it. Aber mit schönem Bad, warmen Wasser und Strom!











Gegen späten Nachmittag geht’s auf Gamedrive. Die Anfahrt zum Gate dauert ca. 30 min auf einer wirklich elendigen Straße. Wir fahren völlig aufgeregt durch den QENP und sehen nichts. Ein paar verstreute Antilopen – das wars. Völlig enttäuscht treten wir den Rückweg an. Da! Im Baum! Ein Löwe!!!! Angeblich gibt’s die baumkletternden Löwen hier nicht – ist uns wurscht, denn da isser!!!




Irgendwie kommen wir wieder aus dem Park, ohne durch das Gate zu fahren und kehren wir zur Lodge zurück. Das Abendessen ist okay – der Speisesaal hat was von einer gotischen Kirche (Spitzbögen), aber der Ausblick auf die Landschaft ist auch da genial!
Teil 1304. Juli 2012
13. Juni 2012

„BSSSSSSSSS….“ Ich wache auf und habe Mordgedanken. Eine der 3000 Moskitos, die uns nachts getrackt hatten, verlangt dreisterweise Einlaß durchs Mossi Net. Am Vorabend habe ich – nach 8 Jahren Treue und Glauben an Peaceful Sleep – zum neuen Moskito Repellent gegriffen. Die knallrote Flasche mit den fetten schwarzen Lettern „OFF“ sah vielversprechend aus. Und es hilft – genauso viel oder wenig wie Peaceful Sleep.

Laut Reiseführer zeichnen sich die A Lodges dadurch aus, dass sie keine Löcher im Mossie Net haben. Das mag vor 100 Jahren der Fall gewesen sein. Wir hatten in fast allen Lodges mehr oder weniger große Mossi-Eingänge. Von Beginn an, checken wir jeden Abend die Netze und verkleben, die Löcher mit Pflaster. Ohhhkay, ich geb zu, es sind Bärchenpflaster – die ich aus einer Laune heraus gekauft hatte. Wer also in Uganda Mossi-Netze mit Bärchen entdeckt – schönen Gruß von Anja und Christoph. (Bärchen)Pflaster, Mossi Net und diverse Arten von Moskito Repellent haben UNS also nicht geholfen. Wer dazu Tipps hat – HER DAMIT! 😎

Beim Morning Drive im QENP steigt heute ein Ranger zu. Ha, das erhöht unsre Chance auf fette (Photo-) Beute!!! Von wegen... Die ersten Zweifel kommen schnell. Der Ranger erzählt uns von vielen Löwen und Leopards hier im Park. Dann schlägt er ein Tierbuch auf, zeigt uns einen Serval und meint: „Look! There’s a leopard – I will find it for you!“ Okay…… aber er ist ansonsten nett und sehr bemüht.








Irgendwann entdecken wir eine Löwen-Mama, die eiligst ihre Kleinen vor uns im Gebüsch versteckt. Damit wir besser sehen können, dürfen wir aussteigen. Aha….?!? Christoph überlegt noch kurz, woher denn der Ranger weiß, dass sich der Papa nicht genau hinter uns befindet… aber wir wollten auch nicht kleinlich sein und schwups sind wir raus aus dem Landi. Papa Löwe läßt sich zwar nicht blicken (wer will schon Moskito-zerfressene Touris futtern???), aber Mama-Löwe ist umso aufmerksamer und sobald wir ein Ohrläppchen einen Kleinen entdecken, wird Junior gleich wieder zurückbeordert. Kein Spaß für den Photographen…. 😵

Als wir zurück kommen, haben wir zum satte 2 Stunden Pause. Juhu! Ich darf in den Pool und meinen neuen Bikini ausprobieren. Vor wegen. Kaum setzte ich einen Zeh in den Pool, kommt auch schon der Poolboy angewetzt und will zuerst den Poll säubern. Meno! Da hilft kein Diskutieren . Raus aus dem kühlen Wasser. Dann steigt der Poolboy rein um mit einer Riesenpoolnudel die wenigen Blätter abzufischen. Dazu zieht er sein Shirt aus. Wow! Balotelli vergiß es! Gegen den hast Du gar keine Chance!!! 😈 So hab ich doch noch einigen Spaß – zwar nicht im – aber am Pool.



Auch auf der Lodge gibt es interessantes zu sehen – wie diese hammergeile Agame


Dann geht es auch schon wieder los. Der Bootstrip auf dem Kazinga-Channel steht auf dem Programm. Dieser verbindet Lake George (geändert, danke Marina!) mit Lake Edward und ist mit 40 km der längste Kanal der Welt. Wir sehen 10 km davon. Und sind total begeistert.





Kaum sind wir losgefahren, sehen wir Elefanten, Büffel - davor Hippos, Krokos, jede Menge Vögel. Einfach Wahnsinn! Ich finde Vögle ja immer ganz nett – aber nie soooo spannend, wie Elefanten oder Löwen. Hier werde ich eines Besseren belehrt. Sensationell! Angeblich soll es im Kazinga auch die meisten Hippos in Uganda geben – ob das stimmt, keine Ahnung. Es sind auf jeden Fall beeidruckend viele. 🤩





























Als wir näher an den Lake Edward kommen, sehen wir wie die Fischer, die nun in ihre Boote steigen. Jagen dürfen die Einwohner der naheliegenden Communities im Nationalpark nicht. Fischen ist erlaubt. Obwohl viele Wilderer mit Fischerbooten in die Schutzgebiete eindringen, um dort zu jagen. Ein großes Problem für die Ugandan Wildlife Authority, das bisher noch nicht gelöst werden konnte. Ich finde auch recht beunruhigend, dass die Menschen im Kazinga baden – ein paar Metern von den Nilkrokodilen entfernt. Dass hin und wieder einer gefressen wird, ist wohl auch nichts Ungewöhnliches. Wenn man dagegen Südafrika mit seinen Hai-Netzten, Schutzzäunen, Warnschildern vergleicht, dann wird mehr als deutlich, dass wir uns hier in einer anderen Welt bewegen.








Zurück auf der Lodge sind wir immer noch total geflashed von den Eindrücken. Wir hätten eigentlich gerne eine zweite Tour auf dem Channel gemacht, aber dazu reicht die Zeit nicht. Sehr schade! Abends gibt es zum ersten Mal Buffet. Es sind insgesamt ca 15 Touris da. Eine „Menschenmasse“ die wir schon gar nicht mehr gewohnt sind. Zum ersten Mal gibt es Kochbananen – die wir bisher nur im Rohzustand gesehen hatten. Vorab hatten wir in Stuttgart bei einem Afrikaner Kochbananen probiert und sie für gut befunden.

Deshalb ist unsere Enttäuschung umso größer als wir nun „Matoke“ probieren. Da hier ist ganz anders: Es sieht aus wie ein Ananas-farbener Kartoffelbrei – und schmeckt wie Kartoffelbrei 😐 Aber aus nicht ganz reifen Kartoffeln. Ziemlich unspektakulär. Außerdem kommen wir uns durch die vielen Leute vor, wie auf dem Cannstatter Wasen – deshalb schnappen wir unser Nile Special und verbringen den restlichen Abend auf unserer Terasse.
Teil 1405. Juli 2012
13. Juni 2012

Der Weg vom Queen Elisabeth NP zum Ishasha-Teil beträgt nur 3 Stunden. Wir freuen uns auf eine kurze Fahrt, denn langsam geht uns das Gerüttel (und mir zusätzlich das Eingestaubt-Werden) gehörig auf den Keks.

Auf dem Weg fragt Willi ein entgegenkommendes Auto, wegen der kaputten Brücken und wir erfahren dass die Ishasa-Brücken noch hinüber sind. Das bedeutet einen „kleinen“ Umweg von 3 Stunden.




Blöd nur, dass Willi den Weg nicht kennt. Auch dass er keine Karten lesen kann. Wir fahren also wieder nach afrikanischer Roadmap (durchfragen). Wir passieren einen kleinen Ort, sehen einem Markt und mitten auf der Kreuzung bleibt Willi unschlüssig stehen. Ich denke, er ist unschlüssig. Doch auf einmal merke ich: hier fehlt was. Kein Geruckel – kein Geratter. Der Motor ist aus.

Wirklich blöde Idee hier zu parken! 😕 Und wieso ist der Motor aus? Das macht Willi doch nie? Hinter uns hupt es. Laster, vollbeladen mit Menschen, wollen vorbei. Willi tut nichts. Es hupt wieder. Leute schauen in den Landi – wir schauen ratlos aus dem Landi. Willi? W I L L I! „Something wrong“ ist endlich die Antwort. Ich steige aus. Da erwacht unser Driver aus seiner Schockstarre! Flüchtiger Muzungu? Nein, er schreit die umherlaufenden Leute an, sie sollen schieben. Recht schnell sammelt sich eine Traube und wir schieben den Landi an die Seite. Immerhin hört die Huperei jetzt auf…

Als der Landi nun an der Seite steht, diskutieren Willi und die Leute wild miteinander. Diejenigen, die nicht diskutieren starren auf die zwei Muzungus. Offenbar sind wir hier recht abgelegen von allen Touri Durchfahrtsstraßen, so dass wir schnell zur Attraktion werden. Endlich kommt einer auf die Idee, die Motorhaube zu öffnen. Unsre Hoffnung schwindet, als nun alle ratlos in den Motor schaun und weiterdiskutieren…





Während die Fachwelt debattiert, schau ich mich ein bisschen um. Offenbar ist das hier der Transport-Umschlagplatz für Menschen. Ständig kommen Autos oder LKW vollbeladen an, einige steigen aus, einige steigen zu, andere warten. Eine Frau auf einer Ladefläche kuckt ständig interessiert zu mir rüber. Nach ein paar Minuten geh ich hin und unterhalte mich mit meiner „Freundin“. Sie bittet mich um eine Zigarette – kaum hat sie die Bitte ausgesprochen, fragt mich ein Junge von ca. 14 Jahren ob ich auch für ihn eine hätte. Das geht gar nicht! 😠

Ich versuche Ihm zu erklären, dass er eindeutig zu jung fürs Rauchen sei. Auch meine „Freundin“ ist recht betreten und erklärt mir beschämt, sie habe Hunger und Rauchen würde helfen… Das geht erst gar nicht! Ich springe zum Landi (sie sind immer noch am Diskutieren) hole unsere letzte Packung Kekse raus und geb sie meiner „Freundin“. Alle schaun auf die Kekse… Also ab in den Laden, mit dem Finger auf alles Keks-Ähnliche gezeigt, gekauft und auf der Ladefläche verteilt. Irgendwann fährt das Auto los, wir werden mit viel Winken und besten Wünschen verabschiedet.




Aber wir bleiben nicht lang allein. Einer der anderen Wartenden hat einen kleinen Fotoapparat dabei und fotografiert uns. Ein anderer spricht mich an und fragt, ob ich nicht bei ihm bleiben will… Christoph schaut recht interessiert und bevor sich mein liebender Ehemann überlegen kann, wie viele Ziegen er wohl für (s)eine Zicke kriegen kann – schiebe ich ihn in den gegenüberliegenden Bottlestore. 😛 Wir erstehen zwei Coke. Das ging leicht. Schwierig wird die Verhandlung um den Öffner. Eigentlich ja nur um die Nutzung desselben. Der Besitzer will den Öffner nicht aus der Hand geben – offenbar traut er uns (Weißen) nicht.

Nach erfolgreicher Flaschenöffner-Verhandlung setzten wir uns auf die Stufen des Bottlestores in den Schatten. Offenbar haben wir uns als vertrauenswürdig erwiesen, denn der Besitzer bringt uns zwei Plastikstühle und macht eine einladende Geste. Versorgt mit Schatten und Getränk, schauen wir dem Treiben in dem Dorf zu.

Was nun mit dem Auto ist wissen wir noch nicht. Willi ist auskunftsfreudig wie immer „something wrong“. Das wissen wir schon! 🙁 Aber zum Glück funktioniert die Gerüchteküche. Der Bottlestorebesitzer weiß von einem Kunden dass die Kupplung hinüber ist, von einem anderen, dass ein Ersatzteil besorgt werden muss und er weiß sogar, dass irgendwer auf einem Moped irgendwohin gefahren ist, um das Ersatzteil zu besorgen. Anscheinend gab es irgendwo das Ersatzteil aber nicht. Dann ist irgendwem anderes eingefallen, man könne aus irgendeinem Auto das entsprechende Teil ausbauen und in dem Landi einbauen.
Kompliziert? Fanden wir auch – die Message ist: es geht was. Ob’s klappt weiß keiner.

Nach zwei Stunden Warten meint der Bottlestore-Besitzer, wir könnten auch bei Ihm schlafen, wenn es heute nicht mehr weiterginge. Wir denken erleichtert an unsere Innenschlafsäcke und Decken – und sind bereit – im Notfall – auf das Angebot zurückkommen.

Irgendwann wird uns langweilig und wir erkunden unser neues Urlaubsdomizil Bwambara (in der Hoffnung, dass es doch noch weitergehen möge). Die Leute hier sind überaus freundlich. Sie erklären uns was sie grade machen (Kaffebohnen trocknen, Petroleum verkaufen, Bohnen wiegen), und halten uns wahrscheinlich für die letzten Hinterwäldler, weil wir ganz offensichtlich die banalsten Dinge nicht kennen. 🙄




Petroleum für Lampen – Mann haben wir lange gerätselt was da wohl verkauft wird…









Kaffee!



Auf dem Markt gehen wir ein bisschen Shoppen (Flipflops umgerechnet 1 Euro und zwei gegrillte Bananen für insgesamt 8 Cent). Eine ganze Zeit werden lang werden wir von Kindern neugierig verfolgt.





Tatsächlich kommt uns irgendwann Willi mit seiner gewohnt spaßfreien Art entgegen und verkündet, dass es weitergeht. Zwei der Kinder begleiten uns noch bis zum Landi und schauen uns mit großen Augen an. Kekse hab ich keine mehr, aber die zwei gegrillten Bananen…. Wir werden schon nicht verhungern. Good-Bye Bwambara und danke für die Gastfreundschaft!!!

Nach einer halben Ewigkeit und einigem Durchfragen erreichen wir die Ntumkwe River Lodge in Ishasha. Es wird langsam dunkel. Aber aufs Thema „Lodge im Dunkeln“ sind wir ja schon spezialisiert. 🙁
Hungrig, verschwitzt, verstaubt und zerstochen wollen wir uns unter die Dusche werfen, die entpuppt sich aber als schwaches Rinnsal. Doch die braune Brühe am Beckenboden zeugt davon, dass immerhin ein Teil von Ugandas Straßen hier bleibt. Das Abendessen ist ziemlich gut – allerdings sind wir auch ziemlich hungrig, so dass es uns eventuell ein bisschen an Objektivität mangelt….
Teil 1507. Juli 2012
15. Juni 2012

Heute geht’s früh los, um in Ishasha, im Südwesten des QENP, die baumkletternden Löwen zu sehen! Betty von der Lodge begleitet uns. Sie war mal Rangerin im Park und scheint sich ganz gut auszukennen. Wir fahren zuerst den Northern Loop. Dieser hat weite Savannen und weniger Bäume, als der Südteil. Und hohes – nein, sehr hohes – Gras. Dagegen war das Gras in den anderen Parks, ein englischer Rasen… 😵 Deshalb sehen wir nur ein paar Antilopenköpfe oder Hörner aus den Halmen rauslugen. Also Köpfe nach oben…



Wir sehen Geier.




Noch mehr Geier…




Wir sehen Affen… (Velvet Monkeys)




noch mehr Affen… (Black & White Colobus)




und Fledermäuse


Dann geht’s in den Nordteil, wo sich die Löwen aufhalten sollen. Wir umrunden gefühlt jeden Baum. Aber wir sehen – nichts. Also weder einen Löwen, noch sein potenzielles Futter. Gar nichts. Baumlandschaft ohne Tiere! Nach 3 Stunden Baumkarussell , geht’s zurück ins Camp.

Als wir uns entstauben wollen, erkennen wir den Nachteil der Dusche(das ist der Vorteil, wenn man eine Lodge mal tagsüber sieht 🤩 ) Die Überdachung ist aus Plastik und so haben wir mittags Backofen-Temperaturen. Dafür ist die Dusche heiß… Immerhin haben wir einen Frosch im Waschbecken. Außer den Moskitos bleibt der auch das einzige Tier, was wir an diesem Tag noch sehen sollten.



Ntunkwe River Lodge



Mit Garküche für Touris



Rezeption/Restaurant


Der Evening Drive ist so langweilig, dass ich beim Tippen einschlafen würde… 😐

Deutlich interessanter ist dafür der Abend. Wir unterhalten uns lange mit Betty. Sie erzählt uns viel von den Nationalparks und den umliegenden Communities. Bisher wurden wir ins allen Nationalparks darauf hingewiesen, dass 20% der Parkeinnahmen an die umliegenden Dörfer gehen – zu Bau von Schulen, Infrastruktur etc. Eigentlich eine coole Sache.

Betty erzählt nun: die 20% gehen an den District. Dieser verteilt die Gelder wohin auch immer – die Communities sehen in der Regel nichts davon. Da die Parks nicht eingezäunt sind, werden Ziegen gerissen, Felder von Baboons und Elefanten zerstört, so dass zum Teil eine 24h Bewachung des Ackerbaus betrieben werden muss. Gerissenes Vieh wird in der Regel nicht ersetzt (obwohl es dazu offenbar eine Abmachung zwischen Goverment und Communities gibt). Die Begründung lautet wohl, die Bauern wollten auf Staatskosten ihre Herden vergrößern. Die District-Verwaltung (oft meilenweit von den Parks entfernt) wisse nichts von jagenden Löwen…

Daher ist das Verhältnis der umliegenden Dörfer zu den Nationalparks nicht das allerbeste.

Für den Tierschutz wird in Uganda inzwischen einiges getan. Einige Wochen zuvor, wurde ein Krokodil, das am Lake Victoria in einer Woche 4 Menschen verspeist hat, in den Murchinson Falls NP umgesiedelt. Willi spricht den naheliegenden Gedanken aus:“What for? To eat the people at Murchinson Falls?“ Da immer wieder Menschen beim Wasserholen in den Flüssen von Krokodilen angefallen werden, stößt eine solche Aktion bei der Bevölkerung natürlich auf Unverständnis und Ablehnung.

Andererseits wird durch das recht hohe Bevölkerungswachstum in Uganda jeder freie cm des Landes kultiviert. Die Wälder werden abgeholzt, um Ackerbau zu betreiben. Die Parkgrenzen sind nicht klar definiert, so dass die Felder immer näher an die Nationalparks rücken - teilweise sogar in diese hinein. Die Menschen brauchen Platz – die Tiere ebenso. Ein Dilemma, das sicherlich nicht so einfach zu lösen sein wird.
Teil 1609. Juli 2012
15. Juni 2012

Das Handy reißt uns um 6.00 Uhr aus dem Schlaf. Es gibt zwar kein Licht, aber wir sind ja schon geübte „Mit-Taschenlampe-im-Dunkeln-Duscher“ 😄 . Nach dem Frühstück geht’s Richtung Bwindi Impenetrable National Park. Also grob… denn in Wirklichkeit liegt unsere Lodge am Lake Mutanda, anderthalb Stunden vom Park entfernt.

Der erste Eindruck vom Bwindi ist traumhaft.





Dafür sind die Straßen eine Katastrophe. Kein Wunder, es ist ein Regenwald und so rutschen wir durch Schlamm und Morast.



Mir geht das Geröhre vom Landi inzwischen tierisch auf den Keks. Also hab ich meine Kopfhörer in die Ohren gesteckt um mal was anderes als „rörrrrörrörrrr“ zu hören. Den Spaß am Gerüttel hab ich ja immer noch. Deshalb verpasse ich auch die Konversation und sehe nur, wie Christoph auf Willi einredet. Hm? Es fängt an zu stinken. Und… es qualmt. Aus der Motorhaube. Kopfhörer ab: „Willi! Whats that???“ Christoph zuckt nur die Schultern und meint, Willi sei bezüglich Qualm und Gestank beratungsresistent. Wir qualmen solange weiter, bis wir fast nichts mehr sehen. Dann findet auch Willi die Situation ungewöhnlich und wir halten bei einer kleinen Siedlung.

Sobald wir anhalten, sind wir wieder umringt von Leuten. Als der Landi endlich ausgequalmt hat, kann Willi die Motorhaube öffnen. Der Kühler hat einen fetten Riß. Sofort startet eine heftige Diskussion. Willi will Wasser nachfüllen. Gute Idee... 😵 Christoph meint, mit dem Riß sei das ziemlich zwecklos. Punkt für Christoph!





Als ich mich an die Seite setze, bis ich in Sekundenschnelle von Kindern umringt: „Some sweets?“ „Give me your pen!“ „Do you have books? Give me your books!“ “Give me money!” Okay, jetzt weiß ich immerhin, was Touris normalerweise abdrücken. Darauf hab ich jetzt gar keinen Bock! Verhandlungsbereit bin ich bei unseren letzten Keksen, die ich zum „Teilen“ rausrücke. Schwerer Fehler! Teilen zieht nicht. Dafür betteln die anderen Kinder noch mehr. Und der neue Keksbesitzer haut ab. Total blöde Idee!!! 😠





Dafür sehe ich wie Willi nun Sand zusammen kratzt, um den Kühler zu reparieren. Christoph ist fassungslos – ich finde das Gemisch aus Sekundenkleber und Sand sieht super aus. Okay… mein technischer Sachverstand ist eher rudimentär bzw überhaupt nicht vorhanden. Aber schließlich haben wir ja keine Wahl…und nach anderthalb Stunden kann es sogar weitergehen. Punkt für Willi!

Am Lake Bunyonyi machen wir eine kurze Pause. Der See ist recht schön, zumindest von diesem kurzen Zwischenstopp aus. Trotzdem sind wir froh, als es weiter geht. Denn wir wollen endlich mal eine Lodge im Tageslicht sehen – und grade stehen die Chancen sehr gut!









Wir genießen die schöne Landschaft – die nächsten 20 min. Dann bockt der Landi. Und geht aus. „Something with the clutch!“ meint Willi. Wir stehen auf einem recht steilen Berg. Da wir vorwärts nicht rollen können – rollen wir rückwärts. Der Abhang hat natürlich keine Seitenbegrenzung. Und ist wirklich sausteil!! Dazu ist Willi ein Rückspiegel-Rückwärtsfahrer. Das heißt, er dreht sich nicht um, lässt die Karre rollen und ich starre den mörder Abhang runter. OMG! Außer Christophs gelegentlichem „Fuck!“ hören wir keinen Mucks. Also das ganze Spiel noch mal. 🤢

Aber nicht mehr auf grader Strecke – jetzt mit Kurve rückwärts. Bevor mein Herz ganz aussetzt kommt das erlösende „tucktucktuckrörrrörr“ des Motors. Die Freude ist kurz. Denn Willi kriegt keinen Gang rein. Würg, würg am Schaltknüppel und irgendwann ist der 3. Gang dann doch so freundlich und gibt nach. Phuuuu… jetzt darf die Karre nur nicht mehr ausgehen. Da wir nur den 3. Gang zur Verfügung haben und dieser ziemlich intolerant gegenüber niedriger Geschwindigkeit ist, müssen Fahrräder, Menschen, Ziegen und Rinder eben schauen, dass sie abhaun. Eigentlich... denn wer schon mal diesen dämlichen Rindern auf der Straße begegnet ist, kennt ja den Spaß. Also heißt es immer wieder Kuhslalom.

Das geht solange gut, bis eine Baustelle kommt. Rechts wird geteert – links fahren alle. Also auch der Gegenverkehr. Sprich, langsam an einander vorbei fahren ist nicht. Halten erst recht nicht. Macht nichts, der Gegenverkehr - vor allem die großen LKW – macht‘s genauso. Hier gilt normalerweise „das Recht des Stärkeren“. Das sind wir zwar eindeutig nicht – aber wer hat schon immer die Wahl? 😕









Willi heizt auf die menschlichen Stoppschilder (Fahnenschwenker) zu, saust an entgegenkommenden Lastwagen vorbei, umschlingelt Dampfwalzen… Augen zu und durch (zugegeben, das mache ich und hoffe, dass Willi nicht auf dieselbe Idee kommt 😕 ).

Nach gefühlten 12 Herzinfarkten, nähern wir uns Kisoro. Die Bodenwellen (Humps) , die ca 5 km vor jeder Stadt mit Teerstrasse fürchterlich nerven, müssen wir ignorieren. Hopps hopps! Inzwischen hat der Galgenhumor gewonnen und wir machen nur noch blöde Witze. So hoppeln wir – immerhin lachend - bis zur nächsten Werkstadt.

Während der Landi „first Aid“ bekommt, sitzen wir auf einer ziemlich runtergekommenen Terrasse eines total abgefuckten Motels. Und beobachten das Treiben. Kisoro ist vor allem als Flüchtlingsstadt bekannt. Wir sehen UNHCR LKW, an der Kongolesischen Grenze Flüchtlinge einladen und zum Zeltcamp bringen. Die Vorstellung, dass wir in den Kongo fahren sollten, um Gorillas zu tracken – während uns an der gleichen Grenze um ihr Leben flüchtende Menschen entgegenkommen, ist total absurd…

Beim Drink lernen wir dann Joe kennen (bzw. er uns). Er sieht aus wie ein Rastafari und ist Reiseleiter. Scheinheilig frage ich ihn nach dem Zustand des Virunga National Park im Kongo (der ja lt. unserem deutschen Reiseveranstalter absolut sicher sein soll). Joe schaut mich an, als sei ich bescheuert (zu Recht). Da wurde letzte Nacht noch geschossen… Als er unser Interesse an der Situation und den Flüchtlingen bemerkt, bietet er uns stattdessen einen Borderdrive an. Bei dem er uns zum „Flüchtlings-Kucken“ an die Grenze fahren würde. NEIN DANKE!!!

Das Gespräch ist hiermit beendet 😠 . Und nach insgesamt 2 Stunden, ist der Landi fertig und wir können weiterfahren. Über die Berge geht es zu Lake Mutanda.











Eine gute Stunde später sind wir dann auch in der Lodge. Preisfrage: Gab‘s noch Tageslicht???
Teil 1712. Juli 2012
17. Juni 2012

Es ist Sonntag. Und wir haben nur einen Wunsch: wir machen heute NICHTS. Wir wollen nicht in den blöden Landi, wir wollen nicht das tägliche Geruckel, wir brauchen nicht unsere tägliche Portion Staub – wir wollen uns nur vom Zelt ins Restaurant bewegen und zurück.

Das wollen WIR. Willi will Action. Auf seinem Plan stehen tanzende Pygmäen. Und inzwischen sollte klar sein, was in seinem Plan steht, wird gemacht! Doch heute sind wir besonders renitent: die tanzenden Pygmäen können das auch ganz gut ohne uns 😛 (ok, im Bradt Reiseführer hab ich auch gelesen, dass das ein rechter Touri Nepp sein soll, was die Entscheidung erleichtert). Nachdem unsere Argumente nicht ziehen und sich die Debatte hinzieht - übernehmen wir Willi’s Strategie: „No!“ Das wirkt. Und nun dürfen Che Christoph und Anja Guevara erfolgreich auf der Veranda ihres Zeltes abhängen 🤩

Der Lake Muntanda ist wirklich traumhaft. Durch die vielen kleinen und größeren Inseln, die je nach Entfernung sehr klar oder verschwommen im Nebel erscheinen – wirkt die gesamte Szenerie unwirklich. Sie erinnert mich total an die Kulisse von „Herr der Ringe“. Etwas entfernt sieht man die steilen Virunga Berge, die teilweise zu Uganda, zum Kongo und Rwanda gehören.










Wir verbringen den Tag tatsächlich mit chillen, Reiseführer lesen, chillen …. Die Nkuringo Lodge liegt wunderschön am Ufer des Sees. Trotz der bezaubernden Lage und der schönen Zelten, fragen wir uns, wer hier in Uganda die Kategorien vergibt. Unser Zelt hat drei 10-Cent-Stück große Moskito-Eingänge in den Zeltwänden, einige mehr im Mossie-Net. Wobei das nichts ausmacht. Denn laut Personal gibt es hier zwar Moskitos – die beißen aber nicht… 😗 (wen diese Moskitos auch immer nicht mögen... uns finden sie jedenfalls lecker... mit wahlweise Peaceful Sleep oder Off als Toping 😵 )

Das Restaurant ist an einigen Stellen baufällig – ein Teil wird/wurde auch erneuert. Aber es liegen immer noch verstreute Ziegel vor angefangenen Mauern rum. Neben dem Restaurant befindet sich die Rezeption, gleichzeitig der Raum für Angestellte und Fahrer. Hier wurde – erkennbar am Mobiliar – ein riesiger Fernseher nachgerüstet, der den ganzen Abend läuft. Blöd nur dass man durch die offene Bauweise diesen auch beim Kerzenlicht Dinner hört. Das Essen ist nicht besonders, das Frühstück sogar echt miserabel. Woher das Doppel A in der Hotelbewertung kommt, würden wir zu gerne wissen…











Auch wenn der TV-Background-Sound beim Essen doof ist, wir erkennen schnell den Vorteil des Gerätes und fragen, ob wir das EM Spiel Deutschland gegen Dänemark sehen dürfen. Und wir dürfen! Allein das Publikum (7 Ugander und ein Holländer) machen das Spiel zum Spektakel… das gute Ergebnis tut sein übriges 🤩 🤩 🤩
Teil 1813. Juli 2012
18. Juni 2012

Das Frühstück ist nicht besser als am Vortag: Nescafé, ca. 20 cm dicker, labbeliger Toast, Nutella (in der Konsistenz nicht mehr homogen, sprich teilweise steinhart – teilweise suppig) und eine…hmmm ???…wir hielten es zuerst für Marmelade. Aber Christoph behauptet nach einem Selbstversuch, das könne definitiv nicht sein. Dafür ist die Butter eindeutig ranzig. Der bestelle Joghurt mit Frucht, entpuppt sich als megasüßer Vanillevariante. Die Frage nach „Frucht“ wird mit einem Deuten auf die ungeschälten Bananen beantwortet, die jeden morgen auf dem Tisch stehen.

Der kurze Blick aufs UNHCR Flüchtlingscamp hat uns nicht losgelassen. Wir wollen helfen. Denn zum ersten Mal wird der Krieg, der 20 km entfernt stattfindet, absolut real. Also beschließen wir, unsere Medikamente im Flüchtlingslager ab zu geben. Willi ist mal wieder angefressen, denn wir verschmähen offensichtlich weiterhin die Pygmäen 😛

Obwohl wenig begeistert, ruft Willi irgendwen an, der uns irgendwo in Kisoro treffen soll, um uns irgendwie weiter zu helfen. Wir steigen in den Landi. Nach 5 Minuten sind wir komplett eingestaubt. Denn der Staub hat hier ungeahnte Dimensionen angenommen. Das hält Will natürlich nicht ab, das Fenster offen zu lassen – und sich dabei unentwegt über den „terrible Dust“ zu beklagen. Nach seiner Theorie müssen alle Fenster offen sein, damit der Staub – nach ausreichender Circulation im Auto - wieder entweichen kann. Christophs Theorie, dass der Staub erst gar nicht reinkommt, wenn ALLE Fenster geschlossen sind, hält er für absoluten Schwachsinn… 🤩

An der Tankstelle treffen wir „Irgendwen“. Er ist Guide und will uns zum Flüchtlingscamp führen. Ähhä??? Wir wissen selbst wo das ist. Ok, dann bringt er uns eben „rein“ und sorgt dafür, dass wir Flüchtlinge fotografieren können. NEIN! Naaaa guut...Aber er könne uns anschließend zur Grenze bringen. „To see WHAT?“ 😠 An meinen Tonfall hätte man erkennen können, dass es jetzt unklug ist, weiter auf dem Thema rumzureiten. Hätte… aber "Irgendwer" meint, auf UN Fahrzeuge kletternde Flüchtlinge wären ein spitzen Fotomotiv (vor schöner Landschaft versteht sich). Bevor ich ihm den Kopf abreißen kann, wirft sich Christoph dazwischen und "Irgendwer" ruft uns im Sicherheitsabstand noch zu: „Pygmäen! Ihr müsst unbedingt die tanzenden Pymäen sehen“

uaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh………
😵 😵 😵

Wir fahren Richtung Camp, ohne "Irgendwen" an der Backe. Willi will reinfahren, da springt gleich ein Soldat mit Gewehr im Anschlag auf uns zu: „No Entry!“ Willi hofft wohl, dass damit diese dumme Aktion beendet sei. „Oh we have to go“. Von wegen! Ich rede mit dem Soldaten, erkläre ihm unser Vorhaben und zeige die Medikamente. „You can go!“ Er meint mich. Christoph steigt aus dem Landi, schnappt sich die Fleecedecken und Innenschlafsäcke, die wir ebenfalls abgeben wollen und will mitkommen. Da dreht sich der Soldat um, blöderweise mit dem Gewehr im Anschlag – das so auf Christoph zielt.

„You not!“ Christoph findet die Situation spaßfrei, denn so häufig schaut er nun auch nicht in einem Gewehrlauf… Trotzdem ist er nicht verhandlungsbereit. „Tragen helfen“ zieht nicht. Aber bei „Das ist meine Frau und die lasse ich nicht alleine“ nickt der Soldat verständnisvoll und begleitet uns.





Wir gehen quer über den Platz zur Reception. Natürlich werden wir angestarrt (Oh je, Muzungus! – die nehmen hier aber auch jeden 😉 ). Das Reception-Tent ist Anlaufstelle für jeglichen Begehr (Registrierung, Arztbesuche etc.) Deshalb steht eine lange Menschenschlange davor. Unser Soldat führt uns ganz nach vorne, redet mit der Lady, die offenbar für die Koordination verantwortlich ist (Arzt rechts, Registrierung links) und gibt uns ab.

Wir werden direkt zum Camp Arzt gebracht. Der begrüßt uns erst mal zurückhaltend, als er aber sieht, dass die Medikamente nagelneu sind und weitestgehend aus Antibiotika bestehen, freut er sich. „You can’t image… we really need everything“. Salben, Schmerztabletten, Verbandszeug … alles wird genau geprüft und registriert.

Der Camp-Leiter kommt dazu und meint auch für die Decken sei in jedem Fall Verwendung. Zur dieser Zeit waren ca. 6.000 Flüchtlinge im UNHCR Camp in Kisoro. Täglich wurden / werden neue Flüchtlinge mit LKW von der Grenze abgeholt. Nach ein paar Tagen, werden sie auf andere Camps verteilt. Der Krieg jenseits der Grenze ist offenbar voll im Gange. Wann und ob er je beendet wird, ist offenbar sehr schwer einzuschätzen.

Als wir gehen – diesmal ohne bewaffnete Begleitung - hat sich offenbar rumgesprochen, dass wir nicht dableiben sondern nur was gebracht haben. Die Menschen lächeln uns an, die Kinder laufen hinter uns her und winken. Auch unser Soldat hat seinen grimmigen Blick abgelegt, lächelt und wünscht uns noch alles Gute.

Der Besuch hat uns ziemlich mitgenommen. Jetzt brauchen wir erst mal eine Pause. Wir spazieren ein wenig durch Kisoro und setzen uns in ein Café. Ganz ehrlich, auch wenn der Bericht locker geschrieben ist – das Flüchtlingscamp hat tiefe Eindrücke bei uns hinterlassen.

Nachmittags gehen wir auf den Markt. Auf der Hinfahrt hatten wir schon viele Menschen bepackt mit Gemüse, Bananen, Zuckerrohr, Hühnern, Möbeln etc. Richtung Markt laufen – oder radeln – gesehen. Dieser Markt stellt alles in den Schatten, was wir zuvor an afrikanischen Märkten gesehen hatten. Ein wahnsinniges Gewusel zwischen Marktständen bzw. Marktfrauen, die auf den Wegen dazwischen ihr Angebot ausgebreitet haben. Jeder cm Platz wird genutzt. Man findet neben Obst, Gemüse, Fisch und Zuckerrohr auch kleine Stände mit Salz, Bohnen, Kaffee.

Aber auch Möbel, Drogerieartikel, Bast ….Etwas weiter ist die Tuchabteilung. Lange Stände nur mit verschiedenen, sehr bunten Tüchern und Stoffen in verschiedenen Qualitäten. Ich bin total fasziniert und will sofort zuschlagen. Als ich eine Frau nach dem Preis frage, meint sie 4.000 USH. Dann dreht sie sich um, sieht mich und verbessert sich sofort auf 6.000 USH. Ihr Mann kommt dazu, meint ich bekäme den absoluten Special-Price mit 7.000 USH. Ähhhh??? 😵 Irgendwie hatte ich die afrikanischen Preisverhandlungen anders in Erinnerung. Wir lassen den Tuchwucherer stehen und versuchen unser Glück wo anders.



























Manche Leute sind nett, aber die Freundlichkeit der Bergdörfer vermissen wir hier deutlich. Tatsächlich werden wir sogar ein paarmal mit „He Muzungu, was willst Du hier?“ angemacht.

Deshalb machen wir uns „aus dem Staub“ bzw. durch den Staub wieder in Richtung Nkuringo Camp. Ein bisschen abhängen, denn am nächsten Tag erwartet uns das Gorilla-Tracking.
Teil 1917. Juli 2012
okay Dino... diese Drohung hat gewirkt 🤢

deshalb:

19. Juni 2012

„Nkuringo is the most physically challenging of all gorilla-tracking locations.“ (Bradt S 274)

Manchmal ist es einfach nicht gut zu viel in Reiseführer zu schauen. Wir zwei Großstadt-Indianer checken beim erbärmlichen Frühstück sofort ein paar Holländische Touris auf ihr Tracking-Potential. „Schau mal, der sieht aber ziemlich fit aus…“ „Neeee, der raucht ständig.“ „Aber die da drüben sieht aus wie ein Profi-Bergsteiger“ … usw. Tatsächlich haben wir keine Ahnung, was uns erwartet. Nachdem wir alle Holländer in „sportlich“, „geht so“ und „lame duck“ eingestuft haben, sind wir mit unserem Ergebnis hoch zufrieden und wissen: das wird alles halb so wild. Leider stellt sich raus, wir hätten uns das Touri-Clustern sparen können: die Holländer gehen wo ganz anders auf Gorilla Suche.

Also schaukeln und stauben wir alleine anderthalb Stunden Richtung Nkuringo Camp Office. Unsere Gruppe besteht nur aus 6 Leuten: 3 Australierinnen, 1 Holländerin und uns beiden. Die Holländerin flüstert uns sofort zu: „Macht ihr Bergwandern?“ Wir schütteln den Kopf und sie gibt erleichtert zu, die Leute auf ihre Kondition hin zu checken. Okay, wir sind also eine ganze Gruppe voller Schißer…. 🤩 🤩 🤩

Die Einweisung ist recht gründlich. Meine Skepsis verschwindet völlig, als der Ranger meint, wer unterwegs einen Short Call machen wolle, der solle nur Bescheid geben. Warum um Himmels willen sollte man im Bwindi telefonieren? Ob wichtige Business Deals grade jetzt abgeschlossen werden müssen oder jemand „Süße, wir sehen gleich die Gorillas!“ ins Handy säuseln will – halte ich zwar für totalen Schwachsinn, aber die Message für mich ist: wenn die Leute hier ins Handy quacken, wird das ein Spaziergang… Hmmmm, etwas später erfahre ich, das in Uganda der „shortcall“ rein gar nichts mit eventueller Telefonitis zu tun hat, sondern nur eine Umschreibung für „ich muss mal“ ist….

Wir rüsten alle unsere Wasservorräte nach. 2 Liter pro Person sind das mindeste. Dann schnappt sich jeder den empfohlenen Träger und ab geht’s. Der Weg führt nach unten. Aber ist echt lässig, die Landschaft wunderschön. Christoph unterhält die mit wandernden Ladies und ich freu mich an den unzähligen Hügeln. So muss es wohl auch in Rwanda aussehen. Vor uns zwei Ranger mit „radios“, hinter uns einer mit Gewähr (um uns vor wilden Gorillas oder angreifenden Elefanten zu schützen).

Nach einer Stunde heißt es querfeldein. Und zwar querfeldein bergab. Jetzt ist der Spaß vorbei. Es wird steil. Sausteil! Obwohl die Sonne heiß auf unsere Köpfe brezelt, ist der Boden schlammig und rutschig. Wo kein Schlamm ist, rutscht man auf losen Steinen. Es dauert nicht lang, da lande ich auf meinem Hosenboden. Seh ich da nicht ein Grinsen auf dem Gesicht von meinem Träger??? Und nochmal Hosenboden… grrrrr…. Es ist nicht anstrengend, aber spaßfrei. Dann landet mein Träger auf seinem Hintern. ÄTSCH! Alle anderen lachen ihn aus. Geschieht ihm recht, er hat wohl doch gegrinst… 😈

Danach geht es durch einen Bananenhain. Das ist okay. Man kann sich so schön von Stamm zu Stamm fallen lassen. Kurzes Glück. Denn dann kommt Gras und Gestrüpp. War der Schlammboden fies – so der Grasboden tückisch. Er sieht ganz harmlos aus. Doch durch das hohe Gras sieht man den Untergrund nicht. Steil bergab, lande ich mit einem Fuß in einem Loch, verliere den Halt, rutsche nach unten. Der freie Fuß verfängt sich derweil im Gestrüpp (wahlweise der Wanderstock) und so befinden sich mehrere Körperteile auf verschiedenen Ebenen diese bescheuerten Abhangs. Das passiert übrigens nicht nur einmal. Ich bin mir noch nie (nie!) so bescheuert vorgekommen. 😵

Im Gegensatz zu Little-Willi (meinem Träger) ist Christophs Träger Sol ein echt Netter. Nach 2 Stunden übersetzt Sol, die Gorillas seien in der Nähe. Und tatsächlich: ein paar Minuten später bekommen wir noch ein Briefing, Träger und Taschen müssen zurück bleiben. Wir dürfen weiter. Während der Ranger die letzten Anweisungen gibt, schubst mich Christoph: Da!

Da???

DA!!! Ein riesiger Silberrücken! Er kratzt sich lässig am Bauch. Und ich starre – starre – starre. Mehrmals klappe ich den Mund auf und zu (offenbar nicht der coolste Tag meines Lebens). WIE GEIL! Nicht in weiter Ferne - sondern ganz nah und deutlich. Christoph peinigt den Auslöser, wie alle anderen auch. Man hört nur noch klick, klick klick… aber Mr Silberrücken hat keinen Bock auf die einäugigen Klick-Klicks und trollt sich.





Aber einäugige Klick-Klicks sind lästig. Das kennt er ja schon. Deshalb lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen und wendet seine Aufmerksamkeit einer Gorilla Dame zu. Klick-klick-klick-klick…. Er vernascht die Gorilla-Lady vor unseren Augen! Klick-klick-klick-klick-klick… Jetzt sind auch die Ranger ganz aufgeregt. Denn das ist nicht der Chef-Silberrücken sondern nur der 2. in der Gorilla Hierarchie. Das heißt, er darf sich gar nicht mit der Dame vergnügen. Klick-klick-klick- tuschel tuschel – wie aufregend!!! Eine heimliche Affen-Affäre.
🤩 🤩 🤩


Fatal Attraction



…lästige einäugige Klick-Klicks


Dazu kommt ein kleiner Gorilla. Dem ist das Ganze zu langweilig. Also schaut er sich nach neuem Spaß um. Die einäugigen Klick-Klicks findet er wohl doof. Aber er entdeckt ein zweiäugiges Irgendwas. Die einzige, die nicht fotografiert bin ich. Das liegt aber auch nur daran, dass ich mit einer ollen Lumix ausgestattet bin – während Christoph mit der Canon bessre Bilder macht. Der kleine Gorilla starrt auf mich – ich starre auf den Gorilla. Er kommt langsam näher. Jetzt bräuchte ich nur die Hand aus zu strecken. Gleich wird er nach mir greifen….. Ja!!! Klick-klick-klick… von wegen! Die anderen haben ihn entdeckt und knipsen drauf los. Er dreht ab. MIHIST!!!!



Ich seh Dir in die Augen, Kleines…






Gorilla-Kinder haben meist eine Mutter. Und die taucht hinter mir auf. Das hätte ich nicht mal gemerkt, wenn der Ranger nichts gesagt hätte: „Hinter Dir. Nicht erschrecken. Und schau ihr bloß nicht in die Augen.“ Klick-klick-klick. „Oh Anja, die kommt immer näher!“ Ich versuche meine Augen nach hinten zu rollen – ohne den Kopf zu bewegen. Und scheitere an meinen physischen Möglichkeiten. Die Fotos sind sehr lustig geworden, wobei der Gorilla dabei gut wegkommt. 🙄

Aber auch diese Dame findet Klick-Klicks doof. Und kommt nicht viel näher. Okay, diesmal bin ich nicht wirklich enttäuscht.Ein zweites Baby taucht auf und turnt wie wild an den Ästen rum. Insgesamt bekommen wir sechs Gorillas zu sehen. Und das Gefühl ist wirklich UNBESCHREIBLICH!














Nach gefühlten 10 Minuten – in Wirklichkeit war’s ne Stunde – müssen wir zurück. Ganz ehrlich, die Schimpansen waren toll. Aber die Gorillas sind unschlagbar. Ich hab mich spontan und unsterblich verliebt. Leider Christoph auch. Und da wir uns nicht drauf einigen können, wer wen gegen einen Gorilla eintauscht, gehen wir eben beide wieder zusammen zurück. 😉

Wobei… „ gehen“ ist ein großes Wort. Und hat was mit „aufrecht“ zu tun. Das ist nicht wirklich der Fall. Denn wir müssen diesen Scheiß Berg wieder hoch! Wir schwitzen und keuchen. Abwechselnd Jacke an (Gestrüpp und Dornen), Jacke aus (Hitze). Eine der Australierinnen gibt auf. Sie soll mit einer Trage hochgebracht werden. Sie versucht noch den Preis für den Sonderservice (300 USD) runter zu handeln – ist aber in einer deutlich schlechten Verhandlungsposition.

Während wir weiter hochkeuchen, sehen wir nach kurzer Zeit 8 Männer mit einer leeren Trage leichtfüßig den Berg runter laufen. Tatsächlich will ich nicht wissen, wie viele Witze es über die schwitzenden, untrainierten Muzungus gibt, die sich für ein Vermögen diesen Beat geben – „nur“ um ein paar Affen zu sehen…. 😛

Als wir wieder auf den Weg kommen und uns langsam die Beschreibungen für dieses waaaahhhnsinnige Erlebnis ausgehen, wenden wir uns nächstliegenden zu: Bier! In unserer Vorstellung wird es immer größer, kälter, spritziger… kein Wunder, dass uns Ranger und Träger für bescheuert halten. Kaum erwachen bei den weißen Schlappschwänzen die Lebensgeister, überbieten sie sich im virtuellen Alkoholgenuß.

Zurück im Camp gibt es für jeden eine Urkunde. Ich hielt so eine Urkunde vor Beginn des Trackings ja für absoluten Kitsch. Und jetzt? Jetzt bin ich stolz und will sie unbedingt haben!!!! Kurz bevor wir zurück fahren, rennen alle Frauen (die geschworen hatten sich nie nie nie mehr zu bewegen) wie von der Tarantel gestochen noch schnell in die kleinen Souvenirshops… 🤩

Auf dem Rückweg stauben wir noch mal kräftig ein. Wir sind saumäßig verschwitzt. Und sehen bei der Ankunft in der Nkuringo Loge aus wie paniert.

Dusche oder Bier??? Bier gewinnt….

Teil 2019. Juli 2012
20. Juni 2012

The day after… das Handy reißt uns um 7.00 aus dem Koma. Willi hatte uns auferlegt, um 8.00 Uhr loszufahren. Warum eigentlich? Denn lt. Reiseveranstalter sind es nur 2 Stunden bis zum Lake Mburu (okay realistisch dürften es 4 Stunden sein). So ganz verstanden hatten wir es am Abend zuvor nicht… allerdings waren wir auch bedüdelt von einem Cocktail aus geilen Erlebnissen und Nile Special. Da kann man ja schon mal die eine oder andere unbedachte Zusage machen…. 😕

Beim Aufstehen lerne ich meinen Körper neu kennen: ich habe Schmerzen in Körperteilen, von denen ich nicht mal wußte, dass sie existieren. Christoph strahlt dafür über beide Backen: „ich spür gar nichts!“ Toll!!! Nach dem Spruch sinkt meine Laune weit unter den Gefrierpunkt.

Nachdem ich mich den sausteilen und elend staubigen Weg zum Auto hochgeflucht habe, sind wir um zehn nach acht am Landi. Willi hat schon den Motor dreimal aufheulen lassen (was bedeutet: „Beeilt euch ihr Penner!“)



In nur 10 Min. steil bergauf ist man schon beim Auto


„Willi, warum müssen wir eigentlich so früh los?“
„Grummel grummel… Kisoro….grummelgrummel…car…grummel…clean…Dust…grummel…15 minutes…coffee… grummel grummel“

Hä???

Inzwischen wissen wir: Willis Englisch-Kenntnisse steigen und schwinden je nach Nachricht. Das hätte uns sofort mißtrauisch machen sollen, aber den Landi innen vom Staub zu befreien, kann ja nichts Dramatisches sein.

In Kisoro angeruckelt, hält Willi vor dem abgefuckten Motel. Hä? „You wait – I clean the car“. No way! Das olle Motel kennen wir ja von der Kupplungspanne schon zur Genüge… Wir wollen ins Café. „There is no“. Doch! Unfassbar – aber offenbar kennen wir uns inzwischen besser in Kisoro aus, als unser Fahrer. Total angefressen lädt er uns vor der gewünschten Location ab und verspricht in 20 min wieder da zu sein.

Wir warten. 20 min vergehen. Wir warten. 40 min vergehen. Wir warten. 1 Stunde vergeht. Wir warten. 1,5 Stunden vergehen. Kein Willi! Es ist ja nicht so, dass er uns das Erste Mal abhanden gekommen wäre…. 😠 Vielleicht sollten wir mal jemanden anrufen? NUR WEN???? Den Gedanken an unseren deutschen oder ugandischen Reiseabzocker verwerfen wir schnell wieder. Nach knapp 2 Stunden taucht Willi endlich auf. Das Auto sei jetzt sauber. Willi ist zwar nicht mehr pissed - aber wir umso mehr!!! Morgens Hektik – damit wir anschließend 2 Stunden blöd rumsitzen, finden wir alles andere als spaßig! Das wiederum ist Willi scheißegal. Denn ob wir fröhlich oder angefressen im Landi schmoren…. Who cares??



Good-bye Kisoro und Virunga -Blick


Es ist 11.00 Uhr als wir Kisoro verlassen. Um die verlorene Zeit aufzuholen, schleicht Willi die Teerstraße entlang. Wie langsam, wissen wir ohne Tacho nicht. Aber eindeutig ist, dass wir niemanden überholen – dafür überholen uns sämtliche auch noch so schrottige PKW, Laster und sogar vollbeladene Mopeds... 😐 Bevor auch noch die Fußgänger an uns vorbei sausen, fragt Christoph: „Willi, why are you driving so slow???“ Nach mehreren Versuchen zu leugnen, gibt er zu, das Auto zu schonen. Denn wir haben den Landi ja schon mehrfach kaputt gemacht (…….) Was jetzt kommt, bedarf keiner näheren Beschreibung. Ob Christoph lauter ist oder ich – keine Ahnung. Das Ergebnis: Willi ist pissed – findet aber das Gaspedal wieder.

Bei der nächsten Baustelle wendet Willi seine bewährte Anti-Staub-Methode an (Fenster auf – Staub Circulation- Staub entweicht). Das (vorhersehbare!) Ergebnis: Den Beat mit dem Car Wash hätte er sich grad in die Haare schmieren können…. 😈

Mit unserer täglichen Ration Staub versehen, laufen wir in Mbarara ein. Einer recht großen und turbulenten Stadt. Willi hält an einem Motel. Nee!! Neeeeeee!!!! Oh doch! Willi muss tanken und Mobile Money holen. Das sind Geldüberweisungen übers Mobiltelefon, an kleinen – für europäische Augen völlig unseriös wirkenden – Buden. Offenbar funktioniert das aber ganz gut. Dauert eben nur immer ein bisschen. Wir haben die Wahl im Landi zu sitzen (seit Stunden tun wir eh nichts anderes) oder uns bei einer Coke im stinklangweiligen Motel zu vergnügen. Da die Alternativen „doof“ oder „ätzend“ heißen, wählen wir „doof“ und warten im Motel.

Nach einer knappen Stunde kann‘s weiter gehen. Grrrr…. Wir sind total angefressen! Aber wir wissen auch: who cares??? Um ca 17.00 Uhr erreichen wir - immer noch dampfend – das Lake Mburo Luxury Tended Camp. Wir haben also für eine 4-Stunden Strecke satte 8 Stunden gebraucht!
🤩 🤩 🤩






„Water for 2 people!“



Die Dusche


Dafür ist das Camp sehr geil! Das Haupthaus ist offen und sehr schön eingerichtet. Die Zelte haben einen traumhaften Blick über den Park. Warmes Wasser zum Duschen wird gebracht (klappt wieder super) und es gibt sogar statt Katzenklo eine Wassertoilette. Das Essen ist okay – aber ich will in den nächsten 100 Jahren keine Gurkensuppe mehr sehen (die haben wir fast in jeder Lodge bekommen). Und morgen wollen wir ausruhen! Denken wir. Denn Willi eröffnet uns, dass um 6 Uhr der Morning Walk startet und nachmittags ist Bootsfahren angesagt.

Ich schwör‘s: Nächstes Jahr fahr ich nach Mallorca!!!

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