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Waehrungsreform in Malawi
8 Antworten · 6'233 Aufrufe · gestartet 11. Mai 2012 von camelthorn
CAcamelthornThemenstarter409 Beiträge · seit 200911. Mai 2012 · #1
Es war seit dem Praesidentenwechsel nur noch eine Frage der Zeit bis die laengst ueberfaellige Anpassung des Kwachakurses an den Marktwert vollzogen wurde. Jetzt ist es soweit: Eine Abwertung von (zunaechst) 49 Prozent laesst die Preise fuer alles sprunghaft ansteigen. Am Tag der Umstellung hat GAME sofort den Laden geschlossen und viele andere Laeden ebenfalls. Die Angst vor Panikkaeufen und die Ungewissheit der Preisentwicklung waren die Gruende dafuer. Ob damit der Schwarzmarkt ausgetrocknet ist wird sich erst zeigen. Heute hat die Devaluation auch die Spritpreise erreicht: Knapp 500 Kw (gut 1,50 Euro) kostet der Liter Benzin, Diesel etwas weniger - wenn es denn welchen gibt...
Und wem haben wir das alles zu verdanken? Dem Expraesidenten, der in seiner Hybris meinte trotz eingefrorener Entwicklungshilfe aus dem Norden einen Null-Defizit-Haushalt durchsetzen zu koennen und die Waehrung kuenstlich stabil zu halten. Moege er in Frieden ruhen.
Hallo Camelthorn, bei allem was ich so über Malawi hier im Forum lese, ist das nicht gerade einladend. Malawi steht jedenfalls nicht auf meiner Liste der Länder, die ich beabsichtige zu bereisen.
Was spricht denn für Malawi? Ein See?
Des Weiteren dürfte die angebliche Null-Defizit-Politik des Ex-Präsidenten nicht für Inflation verantwortlich sein. Das widerspricht allen Regeln der Ökonomie. Da müssen andere Faktoren noch ins Spiel gekommen sein, damit es zu einer ca. 50 %-igen Abwertung der Währung kommen kann. Dass er die Währung, wie du sagst "künstlich stabil" gehalten hat, war wohl das Problem.
Inflation ist das Gift, das alle arm macht!
VOVolker2'612 Beiträge · seit 200712. Mai 2012 · #3
Hallo camelthorn,
ganz so einfach ist es nun doch nicht, wenn es darum geht, die Maßnahme zu "würdigen". Du lebst vor Ort und kannst die Dinge direkt beobachten, eine direkte Konsequenz von sog. importierter Inflation durch Abwertung der eigenen Währung hast Du bereits treffend genannt, die Inlandspreise steigen rasant v.a. für die Dinge, die in USD fakturiert werden - das gilt sicherlich für alle Importwaren. Insofern ist der Versuch, eine massive Abwertung zu vermeiden, nicht per se als Dummheit zu bezeichnen. Auch der IMF hat seine Finger im Spiel, ich frage Dich, wie Du Dir eine andere Lösung vorstellen kannst:
In Europa wäre Angela Merkel froh, wenn die Griechen einen ausgelichenen Haushalt anstreben und nicht nach neuen Krediten schreien würden 😉
Nachdenkliche Grüße von einem, der nicht im Land lebt, aber sich einbildet, ein wenig von ökonomischen Zusammenhängen zu verstehen.
Volker
CAcamelthornThemenstarter409 Beiträge · seit 200912. Mai 2012 · #4
Geschaetzte Volkswirtschaftler und Oekonomen Ralf und Volker,
die Summe der Faktoren ist in der Tat sehr vielfaeltig und daher sehr unuebersichtlich. Ich bin kein Fachmann, aber ich gehe mit vielen Beobachtern der Entwicklung einig dass man ein Land dessen Budget zu 40 Prozent donorabhaengig ist, mit einer von-jetzt-auf-gleich-zero-deficit-policy nur gegen die Wand fahren konnte. Es wurde versucht durch Extrasteuern die von den vergraulten Geberlaender zurueckgehaltene Finanzhilfen zu kompensieren. Das ging schief, weil die Wirtschaft crashte und kaum noch einer ueberhaupt Steuern zahlen konnte. Die Steuerbehoerde hat sich dann nichtoeffentlich Milliarden von Kwacha von der Nationalbank geliehen, damit nichts auffaellt und der Praesident nicht so bloed dasteht. Das ist in diesen Tagen gerade herausgekommen. Die Kursprotektion der Regierung hat den Druck auf die Wirtschaft zusaetzlich erhoeht. Der Schwarzmarkt bluehte, kaum ein Einkauf bei einem Inder wo ich nicht gefragt wurde, ob ich nicht ein paar Euros zum Tauschen haette.
Ach Malawi, Du schoenes Land, hoffentlich wirst Du bald wieder gesund, damit auch Ralf neugierig wird auf das, was Du ausser dem See noch zu bieten hast. Wird schon werden.
Gruss
Camelthorn
BEbeate1'450 Beiträge · seit 200624. Mai 2012 · #5
rhh64 schrieb:Was spricht denn für Malawi? Ein See?
Ach Ralf,
Malawi ist soviel mehr als nur ein See. Wir waren vor 2 Jahren in Malawi und fanden es einfach wunderbar. Wir kennen schon einige Länder in Afrika, aber zum Beispiel die freundlichsten Menschen fanden wir in Malawi. Es ist wirklich schade um dieses schöne Land. Wir würden sofort wieder hinfahren, wenn sich die Lage beruhigt hat.
Diese Aussage hast Du gemacht, weil Du eben noch nicht dort warst..... Ich war 5x da und habe längst nicht alles gesehen. Klar, den See natürlich bei jeder Reise. Kommt man ja auch schlecht daran vorbei ohne ihn zu sehen.
Leider sind das Ähnlichkeiten in der ökonomischen Entwicklung entsprechend derer in Zimbabwe ab dem Jahr 2000.... Da wurde man auch überall gefragt, ob man SA Rand oder andere "harte" Währung zum Tausch gegen Zim Dollar hatte und wir freuten uns, als wir für 1DM 40Zim Dollar erhielten!!!!!!!!
Na so.... den Livonde NP, Nyika, Monkey Bay, Salima, Mzuzu, Nkhata Bay - alles was oberhalb Rumphi ist ist eher nicht so interessant. Lediglich das Straßenbild wird schon etwas ostafrikanischer. (Kleidung, Kühe etc.)Auch ist die nördliche Region ärmer als die südliche. Besonders schön ist von Mzuzu die Abfahrt in nördliche Richtung wieder hinunter zum See. Dies ist aber nur eine oberflächliche Einschätzung meinerseits. Das liebenswerte sind halt die tausend kleinen Dinge die man sieht und erlebt. Straßenmärkte, Bootsfahrt mit den Jungs vom See, Spaziergang durch die Dörfer, Essen an den Straßenimbissen, Maisbällchen probieren, Radwerkstatt begucken, Handeln mit den Marktfrauen usw. usf...
Gruß gk
GIGinaChris4'984 Beiträge · seit 201627. Mai 2022 · #9