Touristen sehen keine Skandale

40 Antworten · 8'338 Aufrufe · gestartet 01. Feb. 2012 von Butterblume
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Themenstarter3'700 Beiträge · seit 200901. Feb. 2012 · #1
Reisen als Verständigung zwischen den Kulturen und als Beitrag zu einem friedlicheren Miteinander. Das gelingt aber nur, wenn es sich die Reichen nicht auf Kosten der Armen gut gehen lassen.
Hier ein Artikel, der sich kritisch mit der Rolle des Tourismus auseinander setzt.

Herzliche Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
1'250 Beiträge · seit 200901. Feb. 2012 · #2
Hallo Butterblume,

danke für den interessanten Artikel.

......Davor verschließen die Fernwehstiller gerne die Augen und schwärmen lieber davon, wie eindrücklich ihnen die Begegnungen mit den wilden Tieren in den Reservaten in Botswana in Erinnerung geblieben sind. Ein nachhaltiges Erlebnis, sagen sie. In Wahrheit ist Botswana ein Beispiel für eklatante Menschenrechtsverletzungen. Dort werden die Buschmänner von ihrem angestammten Land vertrieben, damit sie den Safaritourismus nicht stören. Um die Ureinwohner fernzuhalten, werden sogar Brunnen versiegelt......

Das ist ja grauenhaft! Wenn das wirklich stimmt, werde ich sicher niemals nach Botswana fahren!!

Nachdenkliche Grüße,
Elch
Ein Freund ist ein Mensch, vor dem ich laut denken kann. R.W. Emerson Namibia 2013 - http://www.namibia-forum.ch/forum/17-news/278435-unterkunftsbeschreibungen-unserer-letzten-reise.html?start=12 Namibia 2015 - http://www.namibia-forum.ch/forum/8-camping/286282-unsere-campsites-im-maerz-2015.html
359 Beiträge · seit 201001. Feb. 2012 · #3
Hallo Martina,

vielen Dank für den interessanten Artikel. Natürlich darf man wie darin erwähnt keine Pauschalkritik üben. Tourismus hat gute und schlechte Seiten, daran kann man nichts ändern nur lindern und reflektieren. Ich jedenfalls fahre auch weiterhin nach Botswana.

Ich finde es persönlich z.B. bemerkenswert wie man sich hier im Forum wegen jedem Pups die Köpfe heiß redet (an diesen Diskussionen nehme ich aus Prinzip nicht teil) aber das Thema Rassismus, den ich in keinem anderen Land so ausgeprägt erleben musste wie hier (nicht nur hell/dunkel sondern auch, und besonders zwischen den Volksgruppen und Ethnien) fast nie zur Sprache kommt. So etwas wollen die Urlauber nämlich nicht sehen. Und was ich nicht sehen will, das sehe ich auch nicht. Wie gesagt: Touristen sehen keine Skandale.

Gruß aus Windhoek
Kowo
545 Beiträge · seit 200601. Feb. 2012 · #4
Hallo Elch,

wieso soll das mit den Buschleuten nicht stimmen?

Die Problematik wird im Botswana Reiseführer vom Hupe Verlag im Kapitel Bevölkerung auf Seite 40 recht anschaulich beschrieben.

Wenn du den Reiseführer hast, einfach mal Nachlesen bzw. beim nächsten Besuch in einer guten Buchhandlung mal auf Seite 40 Schauen (9. Auflage von 2010!)

Wobei hier natürlich nicht nur der Tourismus für die Vertreibung der Buschleute aus der Zentralkalahri verantwortlich ist, sondern sie einfach im Weg sind beim Diamantenabbau!

Einträchtliche Grüße
1'457 Beiträge · seit 200601. Feb. 2012 · #5
Es gibt in der Tat einige Kontroversen um die Diamantenförderung in Botswana. Maßgeblich wurde die Diskussion von Artikeln des Ethnologen Kenneth Good befeuert. Der war an der University of Botswana angestellt, verlor nach seinen kritischen Publikationen (wie dieser hier http://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=bushmen%20and%20diamonds&source=web&cd=4&ved=0CEAQFjAD&url=http%3A%2F%2Fkms1.isn.ethz.ch%2Fserviceengine%2FFiles%2FISN%2F96050%2Fipublicationdocument_singledocument%2Fac4862fd-f974-436b-a803-af553f8dc986%2Fen%2F23.pdf&ei=3n8pT5HrE8vQsgafosy2AQ&usg=AFQjCNHxa6QKP-HblAIsTKOYsyxyuw-elA&cad=rja) seinen Aufenthaltsstatus in Botswana
1'250 Beiträge · seit 200901. Feb. 2012 · #6
Hallo Eintracht,

danke für den Hinweis auf den Reiseführer bzw. auf dessen Seite 40; werde es demnächst in meiner Buchhandlung nachlesen, denn ich war noch nie in Botswana und habe deshalb auch keinen Reiseführer im Regal.
Wie schon gesagt, den werde ich dann ja wohl auch niemals benötigen....

Ich finde übrigens besonders die letzten beiden Sätze in dem von mir zitierten Absatz unglaublich!

Grüße vom Elch
Ein Freund ist ein Mensch, vor dem ich laut denken kann. R.W. Emerson Namibia 2013 - http://www.namibia-forum.ch/forum/17-news/278435-unterkunftsbeschreibungen-unserer-letzten-reise.html?start=12 Namibia 2015 - http://www.namibia-forum.ch/forum/8-camping/286282-unsere-campsites-im-maerz-2015.html
1'115 Beiträge · seit 201001. Feb. 2012 · #7
In den Augen der Einheimischen ist jeder von uns aus Europa ein Tourist und entsprechend reich. Wenn ich ins südliche Afrika gehe, weiss ich sehr wohl, dass vieles im Argen liegt. Sei es die Buschleute in der Kalahari, die steigende Korruption und das Versagen von Polizei und Justiz punkto Verbrechen. Die im Moment im Forum laufende Diskussion über Air Namibia ist ein aktuelles Beispiel. Wir können als kleiner Nebenschauplatz ja auch mal die Campingplätze in den Botswana Parks nehmen. Nachdem mit EU Geldern, und somit Steuergelder von vielen von uns Fomis, Ablutionblocks überall gebaut wurden, sind die Campingplätze privatisiert worden. Vielleicht wäre es interssant, wer den die Besitzer dieser Privatfirmen sind, welche nun die Campingplätze vermieten - nota bene um einen vielfach höheren Preis als vor der Privatisierung.

Aber ich betrachte es nicht als meine Aufgabe mich zu engagieren! Dass die Einheimischen nach teilweise bis zu 40 Jahren Unabhängigkeit es immer noch nicht geschafft haben diese seit Jahrzehnten schwellenden Probleme anzugehen, ist nicht mein Problem!

Ich bin der Meinung, dass das Problem mit den Buschleuten primär ein Rohstoffproblem ist und nicht ein Tourismusproblem!

Es kann natürlich sein, dass der Tourist der in Botswana war, zu Hause seiner Liebsten einen Diamanten schenkt und beide danach im Restaurant Rindfleisch aus Botswana Essen. Aber diese Kobination dürfte wenig wenn überhaupt eintreffen.... 🤩

Aus meiner Sicht ist für Botswana das grössere Problem (weil es quasi das ganze Land trifft) die Rinderzucht. Die wiederum, wie beim Diamantenabbau, durch die Nachfrage ausserhalb von Botswana ausgelöst wird (Nachfrage/Angebot). Denken wir nur an die Vet-Zäune, die Hunderttausende von Wildtieren das Leben gekostet haben und teilweise immer noch tun - und somit auch den Bushleuten eine Nahrungsquelle reduzieren.

Meines Wissens haben die Bushleute letztes Jahr in ihrem Kampf um die Kalahari einen wichtigen Sieg vor dem Int. Gerichtshof errungen. Es ist somit noch nicht alles verloren....

Für mich sind Schwarzafrikaner Schwarzafrikaner, wie Asiaten Asiaten sind. Ich will damit nur sagen, dass ich einen Xhosa kaum von einem Zulu unterscheiden kann, das gleiche gilt für etliche der Volksgruppen in Namibia.
Aber ich habe über die Jahre zu meinem Erstaunen gelernt, dass da gewaltige Unterschiede vorhanden sind, mit den entsprechenden Vorurteilen. Frag mal einen Tsonga was er von einem Xhosa hält (sollen alles Grossmäuler sein....).
Und warum wohl, haben gerade in Namibia so viele Buschleute den südafrikanischen Streitkräften geholfen?
Und warum wohl sind in vielen Firmen in Namibia und in SA quasi nur Leute aus einer ethnischen Gruppe vertreten....

Alle Jahre wieder kommen diese Tourismus kritischen Artikel, und es ändert sich nichts.
Kehren wir mal den Spiess um: Niemand hat den Ländern im südlichen Afrika gesagt, dass sie uns Touristen ins Land lassen sollen (Beispiel: Bhutan). Im Gegenteil, in Südafrika zum Beispiel sind die Einheimischen Toruisten (die Südafrikaner selber) welche am meisten verloren haben... viele, und es sind bei weitem nicht nur Farbige, können sich die eigenen Nationalparks nicht mehr leisten. Zudem war die Kultur von Trinkgeld bei jeder Gelegenheit, und das nicht zu kanpp, vor 20 Jahren kaum existent. Heute soll es etliche Restaurants in SA geben, die ihren Angestellten keine Löhne mehr zahlen, das Einkommen stammt ausschliesslich aus dem Trinkgeld.....

Gruss Rajang
1'309 Beiträge · seit 200901. Feb. 2012 · #8
Hallo,
Die Situation der Buschleute in Botswana hat sich nach diesem Artikel gebessert:
http://www.gfbv.de/pressemit.php?id=2732&stayInsideTree=1&backlink=land.php?id=235
Der Urteil und die Regierungsentscheidung sind schon ein halbes Jahr alt und es scheint sich tatsächlich etwas zu bewegen:
http://www.survivalinternational.de/nachrichten/7666.
Viele Grüße,
Nenette
Il n'y a pas un atome de cette poussière que je n'aime infiniment. Es gibt kein Atom in diesem Staub, das ich nicht unendlich liebe. (Elizabeth Riollet über Voi/Tsavo) Botswana 2010: http://nenette-f.over-blog.de/categorie-11610665.html Mein anderes Hobby: http://lauter-schoene-saetze.over-blog.com/
zuletzt bearbeitet 01. Feb. 2012
5'479 Beiträge · seit 200902. Feb. 2012 · #9
@ Elchontherun:

Wobei der eine Satz auf jeden Fall falsch ist. Die Buschleute werden nicht wegen der Safari-Touristen, sondern wegen der Diamantenförderung vertrieben. Ich gehe mal davon aus, dass es die allermeisten Touristen sogar als Bereicherung ansehen würden, wenn die Buschleute in Ihren angestammten Gebieten leben.

Ich habe noch nicht ein einziges Mal davon Kenntnis erlangt, dass sich Touristen an der Anwesenheit von Buschleuten störten.
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
zuletzt bearbeitet 02. Feb. 2012
1'003 Beiträge · seit 200802. Feb. 2012 · #10
da hat einer so einen Artikel geschrieben - na und?
Solche Artikel sind reiner Populismus. Am besten sind noch die Journalisten, die hinfahren und dann schreiben, dass man aus Prinizip nicht hinfahren soll ... .
1. kann jeder (zumindest in Europa) selbst entscheiden, wo er hinfährt und dann ist das 2. eine Angelegenheit des jeweiligen Landes.

BW ist eine Demokratie - wenn sie was ändern wollen, wie aktuell gehandhabt, dann gibt es doch die Möglichkeiten. Die brauchen unsere "Hilfe" nicht - da wird sich sowieso die Entwicklungshilfe noch wundern. Das sind erwachsene, intelligente Menschen, die können das für sich selbst entscheiden.
Wir fragen auch nicht die Afrikaner, ob nun für das oder das Projekt bei uns Menschen zwangsumgesiedelt werden oder die Natur zerstört wird. Und bei Wildtieren müssen wir ganz ruhig sein - siehe Diskussion über die Wölfe oder der sofortige Abschuss des einen Bärs ... .
Es gibt auch insbesondere in Afrika viele Stimmen, die genug haben, von diesen Belehrungen ... .
Gruss
Christian
1'287 Beiträge · seit 200802. Feb. 2012 · #11
fordfahrer schrieb:da hat einer so einen Artikel geschrieben - na und?
Hier ist, glaube ich auch ein wesentlicher Punkt. Wer hat denn den Artikel geschrieben?

Rainer Lang ist Sprecher der evangelischen Hilfswerke Diakonie Katastrophenhilfe und "Brot für die Welt".

Machen wir uns nichts vor, auch die Herren und Damen der Hilfsorganisationen stehen im Wettbewerb. Da ist es natürlich auch sehr einfach, Touristen ein schlechtes Gewissen einzureden, um dann ggf. von den gesparten Reise-Milliarden ein Stückchen ab zubekommen.
Gerade die Hilfsorganisationen sollten aber auch ganz froh sein, dass die Menschen nicht so ganz genau nachfragen, was denn mit den Spenden so passiert oder wie nachhaltig die Hilfe wirklich ist.

Gruß
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
zuletzt bearbeitet 02. Feb. 2012
843 Beiträge · seit 200802. Feb. 2012 · #12
@rajang: wg. "Rinderzucht" etc. - ja, das ist dort ein schwieriges Thema, das aber mit finanzieller Unterstuetzung z.B. seitens KFW u.a. aus Europa glaenzend funktioniert.
Das interessiert wenige Touris, denn "Grillen immer und ueberall" ist wichtiger... . Hauptsache, ich kriege mein Fleisch durch die Kontrollen.

Zu bestimmten Themen, wie den San oder der Rinderzucht, den Vetfences u.a. in BOTs ist hier ab und an schon geschrieben worden. Mit wenig Resonanz. Das sind sensible Themen, wo ich finde, dass wir uns mehr dafuer interessieren sollten.
Lieber hackt man aber auf Nebenschauplaetzen rum, wer denn was fuer kritische Artikel geschrieben hat. Ist ja auch einfacher, als sich mit den kritischen Themen auseinanderzusetzen.

Und die Kommentare ab und an zu Reiseberichten, wie schoen es doch ist, wenn sich Leute hier mit "Land und Leuten" auseinandergesetzt haben, weil sie mal ein soziales Projekt besucht und / oder ein paar Bilder von den Menschen gemacht haben. Sorry, wo wo setzen wir uns denn mal mit einem Land "auseinander"? Und, mir geht es nicht gleich um irgendeine Form des Missionierens.
Doch immer nur dann, wenn es um Themen geht, die wir tatsaechlich nicht beeinflussen koennen oder die uns nicht tangieren. Da wird's dann ganz kreativ, wie bzgl. Air Namibia u.a. Tut ja auch nicht weh, sich da einzumischen.

Auch, das Einschraenkungen fuer Selbstfahrer kommen (s. a. thread), war frueher schon zu lesen. Jetzt kommen sie (allerdings sehr ploetzlich) und es gibt einen Riesenalarm - irgendwie unverstaendlich.

Gruss

D.
0
Gast02. Feb. 2012 · #13
@ Botswana, San, Tourismus und Diamanten
Zur Erinnerung: Das CKGR wurde zur Erhaltung des Lebensraumes und Kultur der Bushmen/San/Basarwa…. gegründet:
Government Notice number 38 of 1963 of the Bechuanaland Protectorate states that "no person other than a Bushman indigenous to the Central Kalahari Game Reserve shall enter the said reserve without having first obtained a permit in writing from the District Commissioner, Ghanzi."
Das GR war daher damals für Touristen geschlossen (wobei es gegen ein vernünftige touristische Nutzung sicherlich nichts einzuwenden gibt).
Für mehr Hintergrundinformationen siehe die Beiträge von Tony Weaver in diesem thread:
http://www.4x4community.co.za/forum/showthread.php?t=63055&page=2
Die Gründung erfolgte also primär für die dort Lebenden. Es mag auch durchaus so gewesen sein, dass die damalige Verwaltung die vom Mehrheitsvolk nicht geliebten Basarwa auf diese Weise elegant in einem „Reservat“ loswerden wollte. Mit der Unabhängigkeit Botswanas wurde das GR automatisch auch Staatsland. In dem nun schon einige Jahre andauernden Disput geht es m. E. nur vordergründig um die Aufenthaltsrechte im ZKGR sondern eigentlich darum, welche Eigentums- und Nutzungsrechte noch heute aus dem damaligen Gründungstitel für die San abgeleitet werden können, vom Tourismus bis zu den Bodenschätzen. Fakt ist, dass ihre Aufenthaltsrechte stark eingeschränkt wurden, sie eher schikaniert werden und dass sie von der Nutzung bisher wenig bis gar nicht profitieren. Ob und was ihnen zusteht ist zwar nach Sympathie leicht zu entscheiden aber es muss auch noch ausjudiziert werden, nicht nur in Botswana. In viele Staaten sind die Konflikte zwischen „traditionellem“ und „modernem“ Landrecht ungelöst, auch dort wo guter Wille vorhanden ist. Man müsste schon viel von der Materie verstehen um bei Berichten zum Thema gute Information vom „Ethnokitsch“ zu unterscheiden.
Grüße Werner
1'287 Beiträge · seit 200802. Feb. 2012 · #14
Matou66 schrieb:
Zu bestimmten Themen, wie den San oder der Rinderzucht, den Vetfences u.a. in BOTs ist hier ab und an schon geschrieben worden. Mit wenig Resonanz. Das sind sensible Themen, wo ich finde, dass wir uns mehr dafuer interessieren sollten.
Lieber hackt man aber auf Nebenschauplaetzen rum, wer denn was fuer kritische Artikel geschrieben hat. Ist ja auch einfacher, als sich mit den kritischen Themen auseinanderzusetzen.
Bleiben wir mal beim Beispielt Botswana. Der meiner Meinung nach sehr guten Argumentation von Christian (Fordfahrer) folgend, sind alle Bestimmungen (ob sie uns nun gefallen oder nicht) durch ein frei gewähltes Parlament erlassen worden. Vielleicht müssen wir einfach akzeptieren, dass es in den meisten Ländern Regierungen gibt, die offensichtlich falsche und für uns nicht nachvollziehbare Entscheidungen fällen. Als Tourist hat man kein Wahlrecht im bereisten Land und ist somit nicht mittelbar an diesen Entscheidungen beteiligt.

Die Frage ist doch, ob sich irgendwas ändert, wenn ich als Tourist, alles kritisch hinterfrage (hier wäre dann auch noch spannend, wen ich hier "hinterfrage") oder mich mehr dafür interessiere. Damit sei nicht gesagt, dass mich die Probleme im südlichen Afrika nicht interessieren, ich glaube eben nur, dass das mein "Hobby" ist und ich das ein bisschen durch die Auswahl der von mir genutzten touristischen Infrastruktur (nach meiner moralischen Vorstellung) beeinflussen kann, aber sicher keine grundlegende Änderung herbei führe werde.

Was mich an dem Artikel stört, ist der Fakt, dass hier der moralische Zeigefinger gehoben, wird. Man hat sich gefälligst für das bereiste Land, die Leute und die Probleme (die man allerdings selbst definiert) zu interessieren. Anderenfalls ist man sogar ein bisschen Mitschuld an der Misere.


Gruß Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
zuletzt bearbeitet 02. Feb. 2012
1'003 Beiträge · seit 200802. Feb. 2012 · #15
dem wissenschaftlich interessierten Leser sein das empfohlen:

Wissenschaftskooperation und Rassismus

das geht so in die Richtung - mal ganz abstrakt betrachtet -

Dr. Michel Foaleng ist aus Kamerun, kennt aber die deutsche (Europäische) Betrachtung - ist aber vielleicht etwas zu tief für ein Reiseforum 😐

Gruss
Christian

PS: und wer noch weiter gehen will - was auch ganz interessant ist :
The Old Iron Cooking Pot of Europe’ Storytelling, Sleuthing and Neo-colonialism in the Botswana novels of Alexander McCall Smith
eine Masters' Thesis an der U Wits - Chapter5 ist da speziell auch zum Thema
zuletzt bearbeitet 02. Feb. 2012
1'115 Beiträge · seit 201002. Feb. 2012 · #16
@wernerbauer

Diese Auseinandersetzung zwischen Staat und lokalen Bevölkerungsgruppen hat ja auch Südafrika. Mir ist nicht bekannt, welche noch offen sind. Mir sind nur die folgenden 'gelösten' bekannt.

1) Pafuri / Venda (nördlichster Teil Kruger Park): Hier wurde der Kruger Park vor wenigen Jahren erweitert und das Gebiet ist Stammesgebiet wo Erträge aus dem Tourismus an die früher 'ausgesiedelten' fliessen.
2) Khalagadi Transfrontier Park / San: Hier dürfen die San im südlichen Teil des Parks nach traditioneller Art wieder jagen, zudem existiert eine Lodge wo die Erträge auch den San zufallen.
Beide Fälle sind nach jahrelangen juristischen Procederen so gelöst worden.

@ Botswana
Vielleicht noch einige Worte zu den 'Luxus-Lodges'.
Normalerweise wird eine Lodge in einem Gebiet erstellt, nachdem dort eine 'concession' gebildet und 'verkauft' resp. 'leased' wurde. Abstrakt könnte man sagen, der Staat kassiert eine erhebliche Summe für diese 'concession', wie das Geld reinkommt ist dann Angelegenheit des Konzessionsnehmers. In den letzten Jahren sind rund ein halbes Dutzend solche 'concessions' auch innerhalb der Grenzen des heutigen Kruger-Parkes entstanden. Leute vor Ort sprechen von 'million of rands monthly' die dem Nationalpark so zufliessen.

Darum an uns Einzelreisende (Selbstfahrer): Wir sind ein finanzieller 'Kleks' im Vergleich zu den 'concessions' aus Sicht des Staates. Und ob wir in Zukunft das Gebiet noch bereisen oder nicht, wird dem Finanzdepartement nicht speziell auffallen..

Gruss Rajang
11 Beiträge · seit 201202. Feb. 2012 · #17
Das ist ja abartig, das zu lesen. Ich war vor Jahren mal in Botswana, da gab es aber auch noch nicht diesen Tourismusboom. Es ist echt traurig..keine Wertschätzung..

Wenn ich sowas lese, ist Botswana auch für mich gestorben...
843 Beiträge · seit 200802. Feb. 2012 · #18
Mist, irgendetwas hat beim Zitieren nich geklappt... .

Dann halt so:
Carl schrieb:
Vielleicht müssen wir einfach akzeptieren, dass es in den meisten Ländern Regierungen gibt, die offensichtlich falsche und für uns nicht nachvollziehbare Entscheidungen fällen.

Der Argumentation folge ich, wobei der Satz des "Pudels Kern" dort insofern nahe kommt, als dass bei sensiblen Themen, die kritisiert werden, schnell klar wird, dass nicht überall Demokratie drin ist, wo auch selbige drauf steht. Soll heißen: Wirst Du durch Kritik ansatzweise auffälig (als Touri, als Betrachter von aussen oder allgemein auch im www), dann ist schnell mal "Schluss mit lustig".
Und, wenn ich mir manche Entscheidungen vor dem Hintergrund einer als fortschrittlich gepriesenen Regierungsform angucke, wird mir ganz anders.
Zumal das Image nach aussen über all dem steht.

Carl weiter:
Die Frage ist doch, ob sich irgendwas ändert, wenn ich als Tourist, alles kritisch hinterfrage (hier wäre dann auch noch spannend, wen ich hier "hinterfrage") oder mich mehr dafür interessiere.

Wen würdest Du denn hier nun hinterfragen?

Obiger Satz ist sicher auch insofern richtig, als das z.B. der abzusehende Rückgang des Individualtourismus solange nicht auffällt, wie er durch den hochpreisigen und propagierten Lodgetourismus finanziell ausgeglichen wird. D.h. es wird nicht wehtun, wenn wir wegblieben.
Im Gegenteil: Individualtouristen scheinen nach unserer Beobachtung oft eher kritischere Wahrnehmung als andere "Gruppierungen" in Sachen Reisen in Afrika.

Carl "zum Dritten" ;-):
Man hat sich gefälligst für das bereiste Land, die Leute und die Probleme (die man allerdings selbst definiert) zu interessieren. Anderenfalls ist man sogar ein bisschen Mitschuld an der Misere.

Das ist auch in meinen Augen "bullshit".

Gibt es überhaupt einen "Anpackpunkt"?
Oder geht nur "Augen zu" und durch (in dem Fall durchs Land)?

@fordfahrer: Danke für die links, aus denen "der lange Arm des Kolonialismus" u.a. sowie seiner Folgen, hervorgeht.
Finde es halt schade, wenn die hier im thread disktutierten Punkte im Land passieren, und das andere irgendwo auf dieser Welt das alles schon - mit und ohne Demokratie - vorgemacht haben. Z.T. wider besseren Wissens - von wem auch immer. Das hat nichts mit Rassismus (vgl. Dein erster link), Missionierung, Postkolonialismus o.ä zu tun. Denn damit kann man ganz praktisch alles an - wie auch immer gemeinten Argumenten von ausserhalb - aushebeln und sich einfach dahinter verschanzen.


Gruss

D.
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zuletzt bearbeitet 02. Feb. 2012
1'287 Beiträge · seit 200802. Feb. 2012 · #19
Matou66 schrieb:

Wen würdest Du denn hier nun hinterfragen?

Genau diese Frage wollte ich ja damit aufwerfen. Ich meine es nützt eben auch nix, wenn man sich als Tourist selbst hinterfragt, ob da was falsch läuft. Also müsste man ja wohl direkt mit den Beteiligten in Kontakt treten. Das ist insofern schwierig, als das man als Tourist i.d.R. gar nicht so engen Kontakt mit Einheimischen hat und wenn immer die Gefahr besteht, als besser wissender Europäer aufzutreten. Meine persönliche Erfahrung ist auch, dass die meisten Menschen in Afrika ganz andere Probleme haben, als jene die wir potentiell hinterfragen würden.
Matou66 schrieb:

Carl "zum Dritten" ;-):
Man hat sich gefälligst für das bereiste Land, die Leute und die Probleme (die man allerdings selbst definiert) zu interessieren. Anderenfalls ist man sogar ein bisschen Mitschuld an der Misere.

Das ist auch in meinen Augen "bullshit".

Gibt es überhaupt einen "Anpackpunkt"?
Oder geht nur "Augen zu" und durch (in dem Fall durchs Land)?
Natürlich finde ich es auch schön und gut, wenn sich der Reisende intensiv auch mit den Problemen auseinandersetzt. Aber der Artikel moralisiert in meinen Augen hier eindeutig in die Richtung, dass es verwerflich sei, sich eben nicht um die Probleme zu kümmern und doch durch das Land zu reisen.
Ich muss mich im Bekanntenkreis auch häufig damit auseinander setzten, ob es nicht unmoralisch in so arme Regionen zu fahren. Meine Antwort ist erst mal prinzipiell, dass es ja auch nicht besser dadurch wird nicht dort hinzufahren.
Natürlich ist der Grund meines Reisen egoistisch, weil ich etwas schönes, spannendes, emotionales erleben will.
Ich gestehe anderen Touristen und mir gern zu ebenso egoistisch zu sein.
Das man nach häufigerem Aufenthalten in Afrika nicht umhin kann, sich mit den offensichtlichen Problemen auseinander zu setzen liegt dann wohl in der Natur der Sache.
Ob ich hier allerdings die "richtigen" Probleme sehe, steht auf einem anderen Blatt.

Gruß
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
Gast02. Feb. 2012 · #20
Hallo,

Der hier verlinkte Artikel ist schlicht unseriöse Stimmungsmache und gehört in die in Deutschland so beliebte Kategorie "Schuldgefühle verursachen".

Gleich am Anfang werden schwere Geschütze aufgefahren: Der Tourismus seit laut Experten für bis zu 14 Prozent des Klimawandels verantwortlich. Eine Quellenangabe oder wenigstens der Name eines Experten wird für diese abenteuerliche Zahl natürlich nicht genannt. Das ist unseriös und dann kann man eigentlich schon aufhören weiter zu lesen. In der Folge wird dann andauernd unzulässig pauschalisiert.

«Da ist man jahrelang in diktatorisch regierte Länder gereist, ohne sich darum zu scheren, dass außerhalb der Hotelanlagen massiv Menschenrechte verletzt werden. Die Frage muss also gestellt werden, ob es nicht notwendig ist, solche Länder zu meiden, ausgesprochene Diktaturen gar zu boykottieren.»

Es macht z.B. einen Riesenunterschied, ob man nach Nordkorea oder nach Simbabwe reist. In Nordkorea ist der Tourismus komplett in staatlicher Hand. Echte Kontakte zur Bevölkerung werden unterbunden. Die Devisen fließen dem Regime und nicht der lokalen Bevölkerung zu. In Simbabwe sieht die Beurteilung in allen 3 Punkten ganz anders aus.

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 02. Feb. 2012