Himbabesuch - Geld für Schulbesuch?

22 Antworten · 5'568 Aufrufe · gestartet 15. Aug. 2006 von Micha
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Themenstarter43 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #1
Hallo,
gerne würden wir bei unserem Nam-Besuch ab Mitte Oktober auch ein Himba-Dorf besuchen. Da uns aber viele Projekte in dieser Hinsicht in anderen Ländern oft zu "showartig" waren, möchten wir in Namibia sicherstellen, dass der " Eintrittspreis" auch den Menschen dort zugute kommt.
Wir wissen, dass es in SA Dörfer gibt, wo das Geld ausschliesslich für die Ermöglichung des Schulbesuchs der Kinder verwendet wird.

Gibt es solche Aktionen in Namibia auch? Es wäre schön, wenn wir erfahren würden, wo Kinder direkt von den Besuchen der "Touris" profitieren.

Danke, Micha

P.S.
Müssen nicht unbedingt Himba-Dörfer sein, alle ethnischen Gruppen sind interessant
Gast15. Aug. 2006 · #2
moin,

ich würde Euch vorschlagen, das nicht mit einem Guide zu machen, denn der behält mit Sicherheit seinen Anteil.
Wenn Ihr ein Dorf oder eine Ansammlung von Hütten seht, dann haltet in der Nöähe. Wenn die Bewohner an einem Kontakt interessiert sind, dann kommen die schon auf Euch zu und bitten Euch um alles mögliche. Dann könnt Ihr nach Eurem Gusto entscheiden, inwieweit Ihr helfen wollt.

Gruss Gernot
3'491 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #3
Hallo Micha,
wie ich hier aus dem Forum weiß, gibt es solche "Show-Projekte" wohl auch in Namibia - zumindest bei den Buschleuten. Dem Vernehmen nach soll das in Selbstverwaltung laufen, so dass Dein "Eintrittsgeld" dann auch wirklich den Besuchten in irgendeiner Form zugute kommt. Ob es etwas Vergleichbares bei den Himba gibt, weiß ich nicht; normalerweise besucht man die Himba im Rahmen einer Führung ( was ich aus verschiedenen Gründen einer "Eigeneroberung" vorziehe ) - dann bezahlt man a) den Führer gem. Vereinbarung ( davon haben die Himba nichts ) und b) die Besuchten dadurch, dass man ihnen irgendwelche Gebrauchs- oder Kultgegenstände abkauft. So ist wenigstens sichergestellt, dass das Geld dort auch ankommt. Ob damit allerdings die Ausbildung der Kinder oder der Lebensunterhalt oder der Alkoholkonsum finanziert wird, kannst Du nicht beeinflussen. Bei einigen Führungen wird aber auch vorher von einer Umlage unter den Touristen genau das gekauft, was die Besuchten dringend brauchen - meist Nahrungsmittel oder auch mal eine Ziege. Ich halte das eigentlich für die effektivste Form der Unterstützung. Wenn Du noch etwas dazutun willst, dann nimm Zigaretten mit und verteil die EINZELN; den Filter braucht man heuzutage nicht mehr abzubrechen - die Himba wissen inzwischen, dass der nicht rauchbar ist. Die Kinder freuen sich natürlich über jede Art von Süssigkeiten; aber auch da gilt: nicht tütenweise, sondern Stück für Stück verschenken. Und nach Möglichkeit keine EINGEWICKELTEN Bonbons nehmen.
Gruß Joli
1'130 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #4
Außerdem läßt sich das Sprachproblem und die Problematik des falschen Verhaltens (Feuer und Häuptlingszelt, richtige Annäherung usw) dadurch verhindern. Die paar $ für den Führer fallen dann nicht auf. Was auch nicht vergessen werden soll. Die Kinder zahlen auch für das Material in der schule, daher sind Papier, Stifte, Buntstifte usw. ein sehr gern gesehenes Mitbringsel.
Ich bin immer für geteilte Meinungen, Hauptsache man teilt meine. "The Only Easy Day Was Yesterday"
2'772 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #5
Hallo zusammen,

ich kenne das von Lesotho her... selbst, wenn Ihr den Eltern der Kinder das Geld als Verwendungszweck für Schulbesuch gebt, wird es anderwärtig verwendet. Garantiert!

In Lesotho hatten wir auf einer Missionsstaion in Qachas Nek gecampt, an deren Schule Freunde von uns als Lehrerehepaar gearbeitet haben. Eines Tages kam eine Schülerin zu Karin (unserer Freundin) und erklärte, ihre Mutter könne das Schulgeld für sie nicht mehr aufbringen, sie müsse daher die Schule verlassen. Diese Schülerin war eines der besten Schülerinnen der Schule. Da wir auf dieser Missionsstation nett und kostenlos logieren durften, haben wir uns entschlossen die Kosten für das letzte Schuljahr dises Mädels zu übernehmen. Wir haben es direkt an die Schulleiterin - in diesem Falle die Sister - gezahlt. Nur so wurde gewährleistet, dass Flora ihre Schule zu Ende machen konnte. Wir standen mit Flora noch lange Jahre in Verbindung.
Ich habe diese Geschichte nur erwähnt, damit Ihr seht, dass es schwierig ist Geld für eine bestimmte Sache direkt abzugeben. Wenn es Euch möglich ist, gebt das Geld direkt an der Schule ab. So haben vielleicht mehrere Kinder etwas davon.

Viel Glück und LG

Pasclinah
Nimm dich vor Leuten in Acht, die damit angeben, wer sie sind. Ein Löwe wird dir nie sagen müssen, dass er ein Löwe ist. Fotobuch Caprivi/Botswana 2024: https://www.cewe-community.com/next/example/schwerpunkt-naturparadies-sambesi-region-und-botswana-69955 Fotobuch Kruger National Park 2025: https://www.cewe-community.com/next/example/kruger-national-park-november-2025-71278
3'491 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #6
Au ja - das ist ein gutes Stichwort: Bleistifte, Buntstifte, Papier - wie Pascalinah völlig richtig sagt, nicht den einzelnen Kindern geben, sondern der Lehrerin oder der Schule. Man vermeidet damit Besitzstreitigkeiten unter den Kindern und gibt den Lehrkräften eine Möglichkeit, bedarfs- oder leistungsgerechte Anreize zu geben. Außerdem gebietet es die Autorität der Lehrkräfte, dass man nicht direkt oder zumindest nicht ohne Zustimmung der Lehrer mit den Kindern in Kontakt tritt.
Gruß Joli
1'457 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #7
[off topic: Pascalinah, welche Missionsstation war das denn ? die bei Hasekake, oder war die in Qachas Nek selbst ? ]

Und zu den Himba: Ohne Führer würde ich das nicht machen. Wurde aber intensiv diskutiert. Einfach mal suchen. Du findest auch Beiträge unter "SAT1 und die Himba" (so hieß es doch, oder ?) 😏
Naja, ich weiß nicht was gut und schlecht ist, aber vielleicht wollen die Eltern anstatt einer Schulbildung lieber nen neuen Zaun kaufen ? und anstatt Buntstifte lieber ein wenig Kraftfutter ? und was, wenn das Schulgeld bezahlt ist. Wohnt das Kind ausserhalb des Dorfes ? und wenn ja, wer zahlt das Essen und das Hostel (wenn nicht inkl, im Preis).

Ich weiß nicht, wer von euch schon mal in ner staatlichen Schule war, aber wenn ihr schon mal was schenken wollt, dann mal ganz vorneweg Papier selbst ! Dann bringen auch die Stifte was ! 😵 Bei ner Missionsstation ist das vielleicht anders, aber die Geschenke an die Schulen landen NICHT nur bei den Kindern. Korruption ist eben überall.

Mein Tip: Macht eine geführte Tour, seit froh, dass ihr einen Arbeitsplatz finanziert und dass ihr alles (so weit möglich ) richtig macht. Ich weiß nicht, ob ein Tourist, der sich gar nicht mit den Menschen auskennt, darüber zu entscheiden hat, was gut für sie ist.<br><br>Post geändert von: konno, am: 15/08/2006 12:25
183 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #8
Himba könnt ihr im Kaokaveld finden. Als 1 Station könnt ihr fragen, ob die Himbas in der Nähe von Puros sind.(Nördlich von Sesfontein.Am Weg nach Opuwo gibt es auch einige Camps, die von Himbas selber geleitet werden. Wenn ihr in Dörfer kommt, bitte immer warten, bis der Älteste kommt und ihn zuerst mit Tabak,Zucker und Zündhölzer begrüßen und auf seine Bewilligung warten, ob man die Menschen filmen und fotografieren darf.
Am Weg zu den Epupa Falls gibt es ein Demo-Dorf. Dort wollten die Kinder zB. Seife haben.Da habt ihr aber die Vöker Natur pur. In der Nähe von Ansiedlungen, kann es auch sein, daß sie nur selbstgemachten Schmuck tauschen möchten. Maismehl nicht vergessen, das ist ganz wichtig.
Namibian-Life- Travel, ihr Partner im südlichen Afrika namibian-life-travel@iway.na Wir helfen gerne bei Anfragen und bearbeiten Routen nach Ihren Wünschen http://www.namibian-life-travel.com
2'772 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #9
off topic @ konno:
das war die katholische Missionsstation "Hermitage", wenige Kilometer von Qachas Nek entfernt.


und zum Thema Himba-Besuch:
auch ich hatte mich im Vorfeld etwas gegen eine "geführte Himbatour" gestreubt, habe hier im Forum nach Eurer Meinung gefragt. Und ich muss sagen, es war richtig, dass wir uns an den Epupa Falls einen Guide genommen haben. Für diese 30 Nam$ pro Person haben wir viel gelernt. Ich würde immer wieder eine geführte Tour zu den Himba machen, niemals allein auf eigene Faust. Man muss ja nicht unbedingt mit Juchu und Hurra in jedes Fettnäpfchen treten. Und das kann Dir auf eigene Faust schnell passieren.
Ich fände es nämlich auch nicht berauschend, wenn irgendwelche Touristen auf meinem Grundstück und in meinem Haus unangemeldet rumstöbern würden.:S

LG

Pascalinah<br><br>Post geändert von: Pascalinah, am: 15/08/2006 13:15
Nimm dich vor Leuten in Acht, die damit angeben, wer sie sind. Ein Löwe wird dir nie sagen müssen, dass er ein Löwe ist. Fotobuch Caprivi/Botswana 2024: https://www.cewe-community.com/next/example/schwerpunkt-naturparadies-sambesi-region-und-botswana-69955 Fotobuch Kruger National Park 2025: https://www.cewe-community.com/next/example/kruger-national-park-november-2025-71278
349 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #10
Naja, dass man nicht gleich ins Dorf reintrampelt und in den Hütten stöbert - dieses Feingefühl sollte man natürlich schon haben.
Aber gibt es nicht eine Zusammenstellung der "Do-Not"s irgendwo? Vielleicht in einem Reiseführer? Wer weiß was?

Grüße
Daniel
www.daniel-gutmann.de
Themenstarter43 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #11
Hallo und vielen Dank für die schnellen, kontroversen Antworten.

Es scheint ja gar nicht so einfach zu sein, den im wahrsten Sinne "richtigen Weg" zu wählen. In welcher Gegend des Landes oder bei welcher Volksgruppe ist es denn Eurer Meinung nach am wenigsten touristisch und damit - wenn man das in Beziehung setzen kann - am ursprünglichsten?


Micha
Gast15. Aug. 2006 · #12
moin,

für die Himbas ist das Kaokoveld sicher die richtige Gegend, aber nicht das Zentrum Opuwo! Dort sind zwar viele Himbas, aber leider die meisten betrunken oder verwahrlost. Abseits der Strasse von dort nach Sesfontein gibt es sicher bessere Möglichkeiten. Dort ist auch die Stelle, von wo die Himbafrauen das rote Gestein holen, es pulversieren , um sich damit vermischt mit Fett einzureiben.
Buschleute fand man früher in Xade in der Mitte der Kalahari. Jetzt sind alle "ausgesiedelt". An den Tsodilo Hills gibt es ein Show-Dorf, aber weiter westlich zur namibischen Grenze hin dann wieder ganz "normale".

Gruss Gernot
283 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #13
Nach meinen Erfahrungen im Kaokoveld bin ich sehr skeptisch, dass mit einer direkten Geldgabe wirklich Dein Ziel erreicht wird. Schaue Dich nach einem Projekt um, das von idealistischen Weißen betrieben wird. Für die San gibt es ein solches Projekt. Leider sind die staatl. Projekte unter einer latenten Korruptions-/Unterschlagungsgefahr. Für die Himbas kenne ich keine solchen Projekte. Aber Stifte und Blöcke sind sicher nicht schlecht.
Vorsicht: infiziert mit virus namibiense
2'346 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #14
Hallo,

irgendwie finde ich die Meinung einiger Forumsteilnehmer zur eigenständigen Kontaktaufnahme mit Himba ziemlich verklärt. In der Nähe einer Ansiedlung stehenbleiben und warten, ob man zum Besuch eingeladen wird. Ja, das war vielleicht einmal. Die Praxis zumindest an den touristischen Hauptstrecken Opuwo - Epupa - Ruacana sieht anders aus. Geschätzte 90% der zahlreichen Himba, die man unterwegs auf diesen Strecken sieht, warten nicht, bis man anhält, sondern versuchen ihrerseits einem mit eindeutigen Bettel-Gesten zum Anhalten zu veranlassen, was von Kindern in einigen Fällen durch Steinwürfe unterstrichen wird. Unter diesen Umständen hat uns vor wenigen Wochen auch nicht ein einziger eigenständiger Besuch einer der zahlreichen Himba-Ansiedlungen gereizt. Da war es uns dann wirklich lieber, von Epupa aus eine geführte Himba-Tour mitzumachen, die zugegebenermaßen etwas touristisch angehaucht war, uns aber trotzdem (obwohl es nicht unser erster Himba-Besuch war) viel Neues gegeben hat. Es war richtig wohltuend, unbeeinträchtigt von Betteleien mit den Menschen in Kontakt zu treten.

Traurig, aber wahr!

Mit nachdenklichen Grüßen
Armin
283 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #15
Hallo Armin,
ich kann Deine Ausführungen bestens nachvollziehen, der Fust über die Aufgabe der Würde der Himbas an den Touri-Rennstrecken ist beschämend. Der einzige Vorteil des van Zyls Passes ist die Ursprünglichkeit der dort lebenden Himbas, für wie land?
Vorsicht: infiziert mit virus namibiense
7'296 Beiträge · seit 200615. Aug. 2006 · #16
Armin schrieb:
Die Praxis zumindest an den touristischen Hauptstrecken Opuwo - Epupa - Ruacana sieht anders aus. Geschätzte 90% der zahlreichen Himba, die man unterwegs auf diesen Strecken sieht, warten nicht, bis man anhält, sondern versuchen ihrerseits einem mit eindeutigen Bettel-Gesten zum Anhalten zu veranlassen, was von Kindern in einigen Fällen durch Steinwürfe unterstrichen wird.
...
Traurig, aber wahr!
... wundert das jemanden von Euch? So wie hier im Forum schon vielfach Tipps gegeben wurden, daß man Geschenke an die Leute verteilen sollte.

Gegenleistungen sind immer sinnvoll, aber nur, wenn sie im richtigem Verhältnis stehen. Dazu ist auch die Sichtweise des Gegenübers erforderlich. Die wenigsten hier (inklusive mir) sind in der Lage, das auch nur einigermaßen beurteilen zu können. Bereits die von uns gegebenen Gegenleistungen werden meistens schon als Geschenke empfunden.

Geschenke ohne jede Gegenleistung zu geben, ist völliger Nonsens. Das führt zu noch größerer Unzufriedenheit bei den Einheimischen, weil manche plötzlich mehr Geld/Tabak/usw. haben als andere, die den ganzen Tag arbeiten. Es schürt außerdem eine gewisse Erwartungshaltung, daß, wenn Weiße vorbeikommen, die ganz einfach was "schenken müssen". Tuns sies nicht, beschimpft man sie oder wirft mit Steinen. Wundert das jemanden? Das kann man in allen Gebieten beobachten, in denen aus dem "Nichts" ein Touristengebiet wurde und ein großer Abstand zwischen Arm und Reich besteht. Das Kaokoveld wurde kein typisches Touristengebiet, aber eine Art "Abenteuerspielplatz" für "Reisende wie uns" und einen viel gößeren Abstand zwischen Arm und Reich in Bezug auf Besitz gibt es kaum.

Süssigkeiten verschenken ist auch so eine Unsitte, bereits Kinder zur Bettelei zu erziehen. Doppelt schlimm, weil der Süßkram auch dort zu Karies führt, aber es weit und breit keinen Zahnarzt gibt. Hier wird nicht gebohrt, hier wird der Zahn mit einem Stück Holz und einem Stein ausgeschlagen, wenn er wehtut. Sollte jeder mal mit ansehen müssen.

Das alles ist nocht trauriger, aber auch wahr.

Ich werde mich mit meiner Meinung hier wohl nicht sonderlich beliebt machen, aber vielleicht denkt der ein oder andere nochmal drüber nach ...

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
158 Beiträge · seit 200616. Aug. 2006 · #17
Hi Biker 😉
ausnahmsweise muss ich dir mal Recht geben. Wir sind vor Jahren (1998) durchs Kaokoveld gereist und wurden sehr freundlich empfangen. Man erwartete keine "Geschenke", wir fuhren vielmehr als "Ärzte". Es wurden Bäume gefällt, um uns den Weg zu versperren, damit Erste Hilfe geleistet wurde. Wir haben triefende Augen behandelt, Geschwüre verarztet und Platzwunden verpflastert. Aber niemals wurde etwas VERLANGT. Später, als dann viele Touristen diese Wege befahren hatten, wurden wir mit Steinen beworfen, als wir keine "sweeties" verteilen wollten, sondern Äpfel. Irgendwie wirklich schade, denn während der zweiten Reise ins Kaokoveld fühlte ich mich nicht mehr wirklich wohl.
Doch auch schon während unserer ersten Reise ins Kaokoveld gab es diesen "Vorzeigekral" und ich hab mich schon damals geweigert, hier Eintritt zu bezahlen. Dann lieber gar nix - auch nicht mit einem Führer. Denn auch mit einem Führer würd ich selbst niemanden in mein Wohnzimmer lassen - es sei denn, man bringt mir ne lekkere Flasche SA-Wein mit 🤩

Und was das Betteln betrifft: ich bezahle lieber einen überhöhten Preis für eine Makalaninuss mit einer hübschen Schnitzerei als für ein Mitleid-erheischendes-Lächeln

Liebe Grüße von
Catbird
Themenstarter43 Beiträge · seit 200616. Aug. 2006 · #18
Herzlichen Dank für Eure zahlreichen Einschätzungen. Ein wenig desillusioniert sind wir jetzt schon. Es stellt sich ja schon die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, die Dörfer zu besuchen oder ob man dadurch noch mehr zur Abhängigkeit der Bevölkerung vom Tourismus beiträgt.

Na ja, vielleicht lässt sich vor Ort ja manches leichter klären.

Danke nochmals

Micha
16 Beiträge · seit 200616. Aug. 2006 · #19
Macht eine geführte Tour. Die Guides sind auch Einheimische und besuchen mal dies Dorf, mal jenes, damit alle mal was von den Touristen haben. Es ist ja nicht so, dass durch die Touristen jede Arbeit im Dorf zum Erliegen kommt. Die Männer sind eh nicht da, da sie bei den Tieren auf der Weide sind und die Frauen nehmen sich halt ein halbes bis dreiviertelstündchen Zeit. Die Kinder freuen sich besonders. Und der Guide weiß, welche Lebensmittel in welcher Menge sinnvoll sind und kauft diese auch ein.
3'491 Beiträge · seit 200616. Aug. 2006 · #20
Hallo Micha,
Deine Bedenken sind sicher nicht unbegründet. Jeder, der die Himba besucht, trägt in irgendeiner Weise mit dazu bei, dass sie nach und nach ihre geschichtliche Identität und damit genau das verlieren, weshalb man sie eigentlich besucht. Andererseits: man kann ja wohl auch nicht ernsthaft erwarten, dass den Himba der Kontakt zur "modernen" Außenwelt untersagt wird, damit sie das bleiben können/ müssen, was sie zu einem Großteil heute noch sind - ein kleines, naturnah lebendes Volk, das auf Grund seiner abgeschiedenen geographischen Lage den Anschluss an die Neuzeit verpasst hat. Für mich bleibt daher die Überzeugung, dass man durchaus den Kontakt zu den Himba suchen, aber dafür "fachkundige" Hilfe in Anspruch nehmen sollte, um ein allzu hartes, schmerzhaftes Aufeinanderprallen der Welten zu vermeiden. Was ich damit meine, wird in Opuwo deutlich - ein wirklich schrecklicher Ort, aber unbedingt besuchenswert dann, wenn man sich für diesen Prozess interessiert; dort läuft er nämlich in seiner abstoßendsten Weise ab und ist live zu beobachten.
Gruß Joli