5.Mai 2011 - Teil 2
Nun geht es weiter nach Twyfelfontein.
Wir fahren um 14 Uhr auf den Parkplatz ein und während wir aussteigen, schaut Tulivu konzentriert mit dem Fernglas übers Tal zu den Berghängen. Und dort – ganz ganz weit entfernt am Fuße der Anhöhen – sind Wüstenelefanten! 🙂
Man kann sie mit bloßem Auge kaum oder nicht erkennen, die gezoomtem Fotos aus der Hand sind natürlich ziemlich unscharf.
Aber: ich habe Wüstenelefanten gesehen – yes! Und fotografiert – noch mal yes! Es gibt sie also tatsächlich! 🤪
Achim ist der Meinung, dass man sich sofort in den Bus setzen und sie verfolgen sollte. Ich persönlich kann mir gar nicht vorstellen, wo man da fahren sollte – sie sind ja mitten in der Landschaft, da sieht nichts nach Piste für einen Bus aus. Tulivu lässt sich auch nicht auf diese Idee ein und bringt uns zu der Führung. Es ist gar nicht viel los - die meisten Touristen kommen wohl vormittags wegen der Hitze - so war es bei uns ja auch geplant.
Mir gefällt es jetzt schon...
Er erklärt uns, dass er in der Nähe bleibt, um uns zu helfen, falls es zu felsig und unwegsam wird, aber er würde in Distanz zum Guide bleiben, weil diese es wohl nicht leiden können, wenn Tour-Guides dabei sind. Außerdem weißt er uns darauf hin, dass die Wanderung für unsere Kniekranken eventuell zu schwer wäre.
Ich habe hier und in anderen Berichten im Internet ja schon davon gelesen, dass die Guides z.T. eher missmutig ihr Werk verrichten. Wir haben aber viel Glück: Janet ist voll motiviert und erzählt ununterbrochen – ihr Wissen plätschert nur so aus hier heraus – eine Janet-Fontein, nix Twyfelfontein 😉
Sie spricht englisch, flicht aber ein paar Brocken deutsch ein. Bei dem Haus von David Levine, dem damaligen Farmer, das nur noch eine Ruine ist, erklärt sie, dass dieses nicht restauriert wird. "Kabuddd is kabudd!" 😄 Das kam so lustig raus, sie hatte auch noch ein schelmisches Grinsen dabei im Gesicht!
Meine Schwester entscheidet an diesem Punkt, nicht weiter mit zu gehen, ihr Knie tut weh. Mir rutscht dazu ein "Kabuddd is kabudd" raus. 😛
Im Nachhinein muss ich sagen: viel Wind um nichts, Tulivu hat ein bisschen übertrieben, was den Schwierigkeitsgrad betrifft und ihr wohl unnötig Angst gemacht. Das Ganze war eher ein Spaziergang – ich fands sehr schön, die Strecke und die Gravuren!
Auch wenn Achim, der Nörgler der Meinung ist, dass es sich hier um ein Fake handelt, touristisch gut vermarktet...
🤔 Mir gefällts trotzdem (außerdem gebe ich nichts auf sein Gemunkel) – Janet erklärt wirklich mit Herzblut, sie erzählt uns von der rituellen Bedeutung der Gravuren, von Schamanen, die in Trance geraten, und dass dies nichts mit Drogen zu tun hat, sondern dass die Tiere ihnen als eine Art Vehikel dienten, z.b. der Löwe mit dem Knickschwanz, der auch auf der Dienstkleidung als Abzeichen aufgenäht ist. Sie schildert das alles sehr eindrücklich und mit vielen Details - und ich könnt mich in den Hintern beißen, dass ich nicht besser aufgepasst habe – ich bekomm das nicht mehr alles zusammen. 😊
Beim Weitergehen frage ich sie, wie sie zu diesem Job gekommen ist. Sie ist wohl schon als Schülerin hier unterwegs gewesen und später mit den Führern mitgegangen, weil sie diese Fundstätte so fasziniert. Als es dann für sie die Möglichkeit gab, hier zu arbeiten, hat sie natürlich zugegriffen.
Ich finde alles sehr interessant, dazu das schöne, nicht zu heiße Wetter, die Sonne steht nicht mehr sehr hoch, dadurch haben wir weiches Licht. Und dann – sehen wir sogar die Wüstenelefanten noch einmal! Auf einer dieser Metallplattformen stehend entdecken wir sie wieder im Tal – sie marschieren recht flott und sind weiter nach rechts gezogen. Janet sagt, dass sie erst in den letzten Tagen wieder im Tal aufgetaucht sind.
Ewig schaue ich durch mein Objektiv, zoome mir die kleine Herde mit den Jungtieren heran und bin ganz fasziniert. Ich mache ein paar – auf Grund der Entfernung sehr schlechte - Aufnahmen, und die müsst Ihr euch jetzt anschauen, ob Ihr wollt oder nicht. Aber ich bitte um Nachsicht – es sollten meine einzigsten Elefanten auf dieser Reise sein, so viel kann ich schon verraten.... 🙁
Die Elefanten sehen rund, satt und zufrieden aus (hihi, sofern man das aus dieser Distanz beurteilen kann) - ihnen ist es bestimmt schon lange nicht mehr so gut gegangen wie dieses Jahr!
Irgendwann bekomme ich einen Rüffel – ich blockiere nämlich die ganze Mannschaft hinter mir, die sich an der schmalen Treppe nicht vorbei traut, weil sie Angst hat, mir ins Bild zu geraten. Uuups, ich hab doch nur geschaut – und war richtig in Trance – meine Droge heißt Wüstenelefanten! 😊
Überhaupt habe ich festgestellt, dass ich mich mit dem Blick durch die Linse ziemlich gut abschotten kann – die Leute um mich herum mit eventuell nervigem Gelaber nehme ich dann gar nicht richtig wahr. Sie mich aber wohl schon – ich denke, einige sind von mir manchmal genervt - wie auch in Twyfelfontein – weil ich (unbewusst und unabsichtlich) die besten Plätze zum Fotografieren oder Beobachten blockiere. Mea culpa.....!! 😗
Abgesehen von den Elefanten gibt es noch ein anderes schönes Tier zu sehen, bisschen kleiner, aber dafür wesentlich näher da - ganz frech kackt es auf das Weltkulturerbe 🙂
Tulivu macht am Ende der Führung Druck, es ist schon spät, 15.30 Uhr, und es steht noch viel auf dem Programm. Wir Damen flitzen noch schnell aufs Klo, die Kauflustigen werden aus dem Shop gezerrt und dann geht’s wieder ab in den Bus. Schnell noch ein Foto vom gängigen Twyfelfontein-Motiv, leider von der falschen Seite (habs erst hinterher gemerkt)Die Farben sind aber hüben wie drüber so schön ;-):
Tschüss Twyfelfontein - mir hats hier richtig gut gefallen!
Im Bus quengelt Achim wieder: Tulivu soll die Elefanten suchen! Achim hat nämlich noch schnell mit der Gruppe aus einem anderen Bus auf dem Parkplatz gesprochen – DEREN Guide ist angeblich ins Gelände gefahren und sie haben die Elefanten gaaaaanz nah gesehen. Das mag jetzt stimmen oder auch nicht – aber man sieht von der Straße aus sowieso überhaupt nichts mehr von ihnen. Man wüsste also gar nicht, wo man suchen sollte. Also fährt Tulivu unbeirrt weiter. Achim ist stinkesauer.....Immer wieder tuschelt er jedem zu, dass der andere Guide das viel besser gemacht hat und so weiter - bla bla bla..... 😵
So wie ich Tulivu kennen gelernt habe, hätte er sicher auch Elefanten"jagd" betrieben, wenn es möglich gewesen wäre oder Aussicht auf Erfolg gehabt hätte.
Und wenn man es mal ganz anders rum betrachtet - aus der Optimisten-Perspektive sozusagen 😉 : hätte Tulivu die Tour nicht umgeplant - wer weiß, ob die Wüstenelefanten am nächsten Morgen überhaupt in der Gegend und dann auch zu sehen gewesen wären... ?!?
Die nächsten beiden Sehenswürdigkeiten hätte man für mein Gefühl – vor allem unter dem Aspekt des Zeitdrucks – ausfallen lassen können. Jeder ahnt was ich meine: Verbrannter Berg
und Orgelpfeifen.
Okay, ich habs gesehen und für gut befunden – aber es zieht mich nicht – im Gegensatz zu Twyfelfontein – in seinen Bann. Vor allem bei diesem Geholper dorthin. Tulivu ist aber pflichtbewusst und will seinen Kunden das bieten, was im Plan steht – schließlich musste er ja schon die Mondlandschaft ausfallen lassen.
"Okeee, alle fertig mit Fotografieren?" Es ist 15.51 Uhr. Weiter geht’s zum Versteinerten Wald, wir fahren/rumpeln/holpern wieder fast eine ganze Stunde durchs Gelände. Bei sehr tief stehender Sonne kommen wir dort an, es ist schon 16.50 Uhr.
Trotzdem werden wir freundlich empfangen, unser Guide ist ein nettes Kerlchen, er spricht englisch und peppt seinen Vortrag mit ein paar Brocken Deutsch auf.
Leider bin ich inzwischen in einen Allbernheitsmodus geraten, irgendwas ist wohl beim letzten Schlagloch in meinem Hrin durcheinandergeschüttelt worden.
😜 Als der Guide dann bei den hier auch ansässigen Welwitschias mehrfach und mit Nachdruck das Geschlecht der Pflanze erklärt: "This is ein Weibsen und this ist ein Männsen" kann ich mich kaum mehr beherrschen – dummerweise schaue ich in diesem Moment Elke ins Gesicht. Ihr geht es wohl ähnlich, und so schüttelt mich ein unterdrücktes Kichern durch. 😄
Meine Schwester ist auch schnell angesteckt – und so verläuft der Rest Führung nicht mit dem ihm gebührenden Ernst ab. Und ich kann bis heute leider die Welwitschia nicht in weiblich und männlich unterscheiden..... Selber schuld!B)
Die versteinerten Bäume sind dann aber doch sehr interessant, ich komme wieder ein bisschen runter und lasse mich von dem Alter und dem Aussehen sowie der Herkunft der Fossilien beeindrucken. Als Schwäbin, die in einem Schwarzjuragebiet wohnt und quasi mit den dortigen Fossilien aufgewachsen und entsprechend geprägt ist, weiß ich eine solche Sehenswürdigkeit natürlich besonders zu schätzen! 😁
17.20 Uhr geht es weiter, die Sonne steht schon sehr tief, was für ein schönes Licht und wir sind hier die einzigsten.
Jetzt nur noch schnell zur Lodge. Denkste – Tulivu besteht auf einem standesgemäßen Sundowner! Es kostet mich einige Nerven, wie er auf hügeliger, holpriger Piste eigentlich nur in den Rückspiegel schaut und den Stand der Sonne beobachtet – die Unebenheiten und eventueller Gegenverkehr scheinen untergeordnete Bedeutung zu haben. 🤩 Dummerweise ist die Sonne schon hinter einem Hügel verschwunden – also müssen wir uns einen erhöhten Ort suchen, damit wir sie noch einmal sehen. Ohne Sonne keinen Alkohol!
Wir schaffen es – ohne im Graben zu landen finden wir einen geeigneten Standplatz – mitten auf der Straße, aber wer außer uns ist jetzt auch noch freiwillig unterwegs?
Wir packen unsere geschmackvollen Plastikbecher aus und leeren die Sherryflasche.
Das Suchen hat sich gelohnt (nicht wegen des Sherrys 😉 )!
Danach lassen wir uns gottergeben in der Dunkelheit weiter durchrütteln - und das noch einmal 1 Stunde lang! Zwischendurch schaltet Tulivu plötzlich seine Scheinwerfer und auch die Innenbeleuchtung aus – mit viel Trara schaltet er sie wieder ein – und was sehen wir? 😎 TEERSTRASSE! Uff, wenigsten wird das Gerüttel abgestellt und wir können den Rest der Strecke etwas entspannter zurück legen.
Das Einchecken in der Lodge geht recht zügig voran, dann gibt es auch gleich Abendessen. Wir sind alle ein bisschen verwettert von der langen Fahrt und so will es uns nicht durchgängig schmecken. Die Anlage selber finde ich ziemlich steril, die grünliche Beleuchtung eher deplaziert.
Mit Achim gerate ich noch fast aneinander. Die meisten aus unserer Gruppe haben sich wenig bis gar nicht mit unserer Route und den Unterkünften beschäftigt. Ich dagegen habe die Reiseunterlagen quasi auswendig gelernt und viele Bewertungen zu den Lodges gelesen - aus reiner Vorfreude. Also gebe ich auf der jeweiligen Strecke mein Halbwissen zum Besten, wenn ich danach gefragt werde (ja, Lehrer, ich weiß, lästig.... 😉 ) – in diesem Falle bringe ich die Tatsache zur Sprache, dass die Lodge ganz neu und erst seit November geöffnet ist.
Achim behauptet stur und fest, dass das nicht stimmt, man würde doch an den Fenstern sehen, dass die Lodge schon älter sei und sicher nur letztes Jahr renoviert wurde – und überhaupt sei ja alles schon recht vergammelt. Nein, ich versuche ihm zu erklären, dass dies eben Afrika ist, sicher hat man die Fenster irgendwo recycelt – er beharrt aber weiterhin auf seinem Standpunkt! 😵
Wie schade, dass ich Google Earth nicht zur Hand habe – damit wäre der Beweis einfach, die Lodge gibt es dort noch nicht zu sehen. Was wäre das für eine Genugtuung, Achims Gesicht zu sehen!!! 😛
Müde und ein bisschen schlecht gelaunt fallen wir in die Betten. Morgen dürfen wir als Ausgleich für den harten Tag heute etwas länger schlafen!:)