Am Mittwoch, 19.01.2011, sind wir mit einer Stunde Verspätung um 18:30 Uhr wieder in München gelandet. Unsere dreiwöchige Selbstfahrer-Rundreise ist damit nun leider wirklich zu Ende.
Auch wenn wir die Reise komplett über eine Agentur (Afrika Plus) gebucht haben, konnten wir sehr viele Infos und Tipps aus dem Forum mitnehmen. Dafür vielen Dank Euch allen!!!
Wir möchten unsere Erlebnisse gern mit euch teilen. Unser Bericht wird eine Mischung aus Reisebeschreibung, Unterkunftsbewertung und selbstironischer Darstellung der „Fehler“, die Namibia-Neulingen so unterlaufen.
Wir möchten uns vor allem auch an andere Ersttäter richten. Denn zum Teil scheint uns die Planung im Vorfeld einer solchen Reise überbewertet. Am Ende unseres Berichts werden wir Euch unsere Packliste inkl. nachträglicher Beurteilung liefern, damit andere Neulinge sehen, was bei einer solchen Reise nötig ist und was nicht.
Vorab soviel: 21 Tage Rundreise, 4.500 km, 13 verschiedene Unterkünfte und eine Erkenntnis: Wir kommen bald wieder!!!
P.S.: Was es mit dem Titel auf sich hat, erzählen wir Euch im Laufe des Berichts! 😄
Teil 222. Jan. 2011
Dienstag, 28.12.2010: Abflug nach Namibia
Endlich ist es soweit – Abflug zu unserer ersten Namibia-Reise. Auch heute gilt unsere Blick, wie schon seit Tagen, dem Wetterbericht. Und oh Nein, für heute Abend sind tatsächlich neue Schneefälle angesagt. Wir beruhigen uns aber damit, dass Langstreckenflüge bestimmt starten werden. Zumal Airberlin von München nach Windhoek nur einmal in der Woche abhebt.
Wir widmen uns also entspannt den letzten Erledigungen – Friseurbesuch, Pediküre 🙂 und Dokumente kopieren. Unsere Koffer hatten wir ja bereits gestern gepackt. Also nur noch mal unsere Packliste kontrollieren, ob auch wirklich alles eingepackt ist. Tja, hätten wir mal besser nachgeschaut 🙂
Um 17:30 Uhr fahren wir dann mit Dirks Eltern im Konvoi zum Flughafen. Nicht etwa weil wir soviel Gepäck haben, das nicht in ein Auto passt – nein ein Smart hat leider nur zwei Sitzplätze und die ganze Familie fährt mittlerweile Smart 🙂. Dann nur noch schnell Gepäck aufgeben (Online-Check-In). Kein Problem, unsere Koffer haben nur ca. 18 und 19 kg. Wir können in Namibia also kräftig Holzgiraffen kaufen.
Jetzt haben wir noch eine Menge Zeit, unser Flug geht ja erst um 20:15 Uhr. Wir entschließen uns aber schon mal durch die Pass- und Sicherheitskontrolle zu gehen. Schließlich gibt es im Münchner Flughafen ja Raucherinseln (für Dirk). Dass es diese nur im Lufthansa Terminal gibt, wussten wir in diesem Moment noch nicht 🙂
Also auf zur Passkontrolle. Der Mann fragt dann auch gut gelaunt: „Und sie fliegen also auch nach Namibien?“ Ja, schon klar. Namibien...
Die Wartezeit bis zum Flug verkürzen wir uns dann mit Peoplewatching. Und, Überraschung, am Gate warten Leute aller Altersgruppen. Also kein Flugzeug voll mit Rentnern 🙂. Die obligatorischen Großstadt-Wüstenforscher gibt es natürlich auch – beige Hotpants, Jesuslatschen und riesige Spiegelreflexkamera um den Hals. Wir in Jeans, T-Shirt und Jacke waren schon fast Außenseiter.
Nach Dirks verzweifelter Suche nach dem Raucher-Pavillion gönnte er sich noch ein Sandwich für gefühlte 500€. Dann ab in den Flieger – die Reihen 25 bis Ende wurden zuerst aufgerufen. Da wir Plätze in Reihe 30 reserviert haben, gehen wir auch zum Boarding. Im Flieger waren dann natürlich schon die ersten Reihen gefüllt. Auch in Deutschland interessiert der „organisierte Einstieg“ mal wieder kein Schwein.
Es fängt nicht an zu schneien, wir starten planmäßig! Jetzt geht’s los!!
Teil 322. Jan. 2011
Mittwoch, 29.12.2010: Ankunft in Windhoek und Fahrt zur Frans Indongo Lodge
Nach einem ruhigen Flug mit äußerst freundlichem Personal, gutem Essen und relativ viel Schlaf landen wir pünktlich um 07:05 auf dem internationalen Flughafen in Windhoek. Dank zwei Gangways kamen wir sehr schnell aus dem Flieger raus und können zum ersten Mal bei ca. 25°C afrikanische Luft schnuppern! Endlich!!
Die Passkontrolle hat sich ziemlich gezogen. Kurz bevor wir dann endlich dran sind, drehen wir uns um und stellen fest, dass NIEMAND mehr hinter uns ist – wir sind die letzten! Wie das passieren konnte, wissen wir nicht. Vorteil: Gepäck dreht schon seine Runden auf dem Band und am Avis-Schalter ist auch nichts los.
Und genau da, am Avis-Schalter, erwartet uns die erste Überraschung. Unseren gebuchten Hilux Double-Cab können sie uns leider nicht anbieten, dafür aber einen VW Polo. Ok, erstmal sacken lassen, damit haben wir nicht gerechnet. Statt der höchsten Klasse können sie uns nur die kleinste Klasse anbieten??!! Aber der nette (vertrauenserweckende) Herr verspricht uns immerhin, das Auto bis Freitag, also bis Silvester, zu liefern. Wir sind ja äußerst unkomplizierte Zeitgenossen und lassen uns auf diesen Deal ein. Bis Freitag erwarten uns sowieso nur Teer-Straßen – erst am Samstag werden wir in den Etosha fahren und ein hohes Auto „brauchen“. So nehmen wir den Polo entgegen, ziehen vorher noch ein bisschen Kohle (2 x 2.000,-NAD, 4.000,-NAD hatten wir von D mitgebracht) und machen uns auf den Weg. Die Umgewöhnung auf Linksverkehr war für Dirk offenbar kein Problem.
Als erstes kaufen wir in Windhoek in der Marua Mall eine kleine Kühlbox, Wasser, ein paar Äpfel, Eis zum Kühlen, Peacefull Sleep und Klopapier ein. Wir drücken dem Car-Watcher in paar Dollar in die Hand und auf geht’s!
Ich mit der Karte auf dem Schoß, leite uns dann gezielt aus Windhoek auf die Zielstraße, die B1 Richtung Otjiwarongo. So dachte ich zumindest 🙂. Also fahren wir gemütlich, betrachten beeindruckt die Landschaft und sehen sogar die ersten Paviane. Als sich dann nach ca. 45 km die Teer-Straße in eine Schotter-Straße wandelt, wundern wir uns schon. War für heute nicht eigentlich nur Teer angesagt? Mmh... Nach weiteren 5 km dann ein Schild: C28! Dann merken auch wir: hier sind wir falsch! Super, am ersten Tag nach 10 Stunden Flug gleich 100 km Umweg! Frauen und Kartenlesen – doch ein Widerspruch in sich? Wir sehen es mit Humor und kommen halt „etwas“ später in der Frans Indongo Lodge an.
Hier werden wir nett von John begrüßt und bekommen natürlich auch unseren Welcome-Drink auf der wunderschönen Terrasse. John zeigt uns auch gleich die tolle Anlage und unseren fantastischen Bungalow. Diese Unterkunft ist auch im Nachhinein betrachtet ein echtes Highlight.
Nach einem Mittagsschlaf genießen wir noch ein wenig die Terrasse mit Blick auf die Savanne und die ersten Blessböcke, Impalas, Pferdeantilopen...
Das wirklich sehr gute Abendessen bestand aus: Vorspeise: Omelette mit Lachs Hauptspeise: Eland-Steak mit Polenta, rote Beete und grünen Bohnen Dessert: Crème Brûlée von der Passionsfrucht und einer guten Flasche Rotwein.
Zufrieden versinken wir in unser Bett und genießen die erste Nacht in Namibia.
385 Tageskilometer (statt geplanten 285).
Teil 423. Jan. 2011
Hallo Mike, wie Du merkst, haben wir Spaß, unsere Erfahrungen zu teilen. Es macht ja auch fast genauso viel Spaß, Erfahrungen zu lesen und manchmal was zu lernen! Und ja, es hat uns soooo gut gefallen! 😄
@ Antje: Ich hoffe, wir können Dir ein bisschen was mitgeben. Wenn Du Fragen hast, sag einfach Bescheid. Am Ende des Berichts werden wir nochmal alles mögliche zusammenfassen, was wir für Ersttäter als "besonders" wichtig empfinden. Eigentlich ist es aber einfach nur schön - und total unkompliziert!
Und so ging es weiter:
Donnerstag, 30.12.2010: Frans Indongo Lodge
Nach einem herrlichen Frühstück lassen wir den Tag ruhig angehen. Wir nutzen die Ruhe, um unsere Rucksäcke und Koffer ein wenig umzupacken – denn es will ja alles gut organisiert sein. Dabei stellen wir fest, dass doch ein paar wesentliche Sachen zu Hause geblieben sind – toll, so eine Packliste 🙂 Bei mir fehlt der Damenrasierer. Dirk erwischt es schlimmer: Er hat seine Badehose vergessen!! Haha!! Er meint aber, dass der fehlende Damenrasierer eher ein Problem darstelle. Denn nach drei Wochen könnte es eine „haarige Angelegenheit“ werden. Als Badehose könne ja auch eine Unterhose in Shorts-Form dienen. Vielleicht hat er ja recht... Jetzt aber erstmal Ferngläser, Erstehilfeset, Taschenmesser, eine Tube Sonnencreme und ein paar feuchte Tücher (für was auch immer?!) in die Rucksäcke verfrachten. Die Koffer werden für einfaches Ein- und Auspacken optimiert – ja, auch das alles will für eine stressfreie Reise bedacht sein!
Während wir räumen, klingelt Dirks Handy. Eine +265 Nummer ruft an. Ist es etwa Avis mit der frohen Botschaft, dass unser Auto geliefert wird? Leider schafft es Dirk nicht rechtzeitig und muss zurück rufen – mit deutscher SIM-Karte. (Da wir nicht vor hatten zu telefonieren, haben wir keine MTC-Karte mit Guthaben geholt.) Dirk sagt, dass er von dieser Nummer angerufen wurde und wird verbunden. Es dauert gefühlte Stunden, bis wieder jemand dran ist. Erneut sagt er, dass er von dieser Nummer angerufen wurde und wird wieder verbunden – es vergehen weitere gefühlte Stunden. Irgendwann ist Miss Monika dran, die uns krrrr mitteilen will, dass krrrrrr..... …. krrrr.... – schnell einen Platz mit besserem Empfang suchen – krrrr...., dass unser Hilux am 04.01. geliefert werden kann. Ok, kurz überlegen, am 04.01. haben wir den Etosha schon hinter uns. Dirk erklärt der Dame, dass uns versprochen wurde, das Auto bis Freitag, also bis morgen, zu bekommen. Krrrrr... Krrrr... Das Gespräch ist plötzlich beendet, kein Empfang mehr. Noch einmal ruft Dirk die Nummer an und verlangt direkt Miss Monika, die schnell am anderen Ende der Leitung zu hören ist. Nach harten Diskussionen und der Info, dass wir den Urlaub abbrechen müssten, wenn wir das Auto nicht bis Freitag bekommen (zwinker), hat Monika doch eine Lösung gefunden. „Morgen um 11 Uhr wird ein Hilux zurück gebracht. Wenn alles ok ist, kann er direkt geliefert werden.“ Will sie das Gespräch jetzt nur schnell beenden und den hartnäckigen Dirk abwürgen oder ist es die Wahrheit??!!
Mittlerweile hat auch der Manager der Frans Indongo Lodge von unserem Problem Wind bekommen und uns angeboten, unseren Ansprechpartner der Agentur in Windhoek anzurufen. Gesagt, getan. Leider wurde das Auto aber über einen anderen Weg gebucht, sodass unsere Ansprechpartnerin der Agentur in Deutschland eingeschaltet werden muss. Wenige Minuten später ruft sie an und wir besprechen die missliche Lage. Weitere wenige Minuten später bestätigt sie uns, dass der Hilux tatsächlich morgen geliefert wird und es sicher keine Ausrede sei.
Und nun? Morgen ist Silvester. Welcher Depp fährt denn freiwillig von Windhoek zum Etosha (gut 500km), um Silvester dann irgendwo in der Pampa zu verbringen? Wenn es wirklich einer macht, haben wir ein schlechtes Gewissen. Naja, warten wir einfach mal – und glauben an namibische Zuverlässigkeit. Und Silvester ist hier bestimmt eh nicht so wichtig, also wird schon jemand fahren.
Unser Polo
Wir bleiben entspannt und lassen uns nicht aus der Ruhe bringen. Eine kleine Wanderung ist jetzt genau das Richtige. Rucksäcke mit ausreichend Wasser packen und auf geht’s! An der Rezeption holen wir noch eine kleine Wanderwegskizze und treffen ein nettes Ehepaar, die mir noch deutlich zu verstehen geben, dass ich mir doch bitte ein ordentliches T-Shirt statt einem Top anziehen soll und dass wir doch bitte unbedingt einen Hut aufsetzen sollen. In Windhoek haben wir leider keine Hüte kleiner als XXXXXL gefunden – wir haben tatsächlich keine Kopfbedeckung!! Also schnell eine Kappe mit Lodge-Werbung gekauft, nochmal umgezogen und ab zum Wanderweg. Aber schon lustig solche Ratschläge, wenn man bedenkt, dass die beiden genau die selbe Wanderung über steinige unbefestigte Wege hoch zum Hausberg machen wollen – nur eben in Flip Flops!! 🙂
Nach der wirklich schönen kurzen Wanderung gibt’s dank unseres Vortags-Einkauf in Windhoek eine kleine Stärkung und ein bisschen Siesta vor unserem allerersten Game-Drive.
Zusammen mit dem netten Ehepaar von heute Mittag, zwei weiteren zusammengehörenden Ehepaaren und ein paar Italienern führt uns Amos durch das Gelände der Lodge. „Vamos Amos“ etabliert sich schnell zum Spruch des Tages! Unser Guide Amos hat es aber nicht verstanden. „Vamos“ ist ihm natürlich fremd, aber er lacht höflicherweise mit.
Den Abend verbringen wir zusammen mit dem netten Pärchen, die ursprünglich aus Deutschland kommen, aber schon seit 9 Jahren in Moskau leben. Ihr Ziel ist es, 100 Länder zu bereisen. 54 haben sie schon geschafft. Sie geben uns viele Tipps und Ideen für weitere Reisen. Von Ihnen werden wir nun auch das erste mal während der Reise gefragt, ob wir in den Flitterwochen sind??? „Nein“, kommt es gleichzeitig aus unseren Mündern. Ihre Begründung: Es sei ja schon ungewöhnlich, dass zwei Mitte Zwanzig-jährige in Namibia Urlaub machen.... Ahhja. Das werden wir dann wohl in den nächsten drei Wochen noch öfter hören 🙂
Unser Dinner: Vorspeise: Feigen-Käse-Tarte Hauptspeise: gefülltes Oryx-Steak mit Möhren und Kartoffelpüree Dessert: Buttermilchmousse Nochmal guter Rotwein.
Fazit Frans Indongo Lodge: Eine schöne kleine Anlage mit sehr netten Angestellten und hervorragendem Essen – für den Auftakt oder das Ende einer Reise perfekt geeignet. Wir haben uns wirklich wohl gefühlt und die Zeit sehr genossen. 100%ige Empfehlung!
Nochmal die Bungalows, leider hat Dirk dort nur wenig fotografiert.
Tageskilometer: 0.
Teil 523. Jan. 2011
Freitag, 31.12.2010: Mokuti Lodge
Der Weg von der Frans Indongo Lodge Richtung Etosha führt uns durch Tsumeb, wo wir im Spar noch einkaufen wollen. Kurz vor dem Aussteigen sage ich Dirk, dass er dem Typ draußen jetzt bitte nicht unsere Namen verraten soll. Wir sind noch nicht ausgestiegen, da hat Dirk uns auch schon vorgestellt und quatscht mit dem Kerl, der verspricht, auf unser Auto aufzupassen. Auf dem Weg in den Spar kläre ich Dirk auf: Wenn wir wiederkommen, dürfen wir Makalani-Nüsse mit unseren eingeschnitzten Namen in Empfang nehmen. (Dies hatte ich schon im Forum gelesen – genützt hat es uns trotzdem nichts 🙂 ) Auf dem Rückweg dürfen wir sie dann sehen – und bezahlen. Er will insgesamt 190 NAD haben!!! Der spinnt wohl! Dirk muss seinen Fehler selbst ausbaden und handelt ihn auf insgesamt 60 NAD runter. Immerhin. 🙂
Weltuntergang hinter Tsumeb
In der Mokuti Kempinski Lodge, die direkt vor dem Lindequist Gate liegt, werden wir unpersönlich aber nett empfangen. Wir stürzen den Welcome-Drink runter und werden mit einem Golfcart zu unserer Etosha Suite gefahren. Diese Suite ist das Beste, was das Kempinski zu bieten hat. Gebucht hatten wir nur einen Deluxe Room. Wir widersprechen nicht und lassen uns kutschieren. Nehmen wir es einfach als Hochzeitsgeschenk! 😄
Es gibt auch einen Reptilienpark:
Nach unserem Spaziergang über die Anlage muss ich mal schnell die Toilette unserer feinen, aber leider nicht sehr sauberen und schon leicht verranzten, Kempinski Suite aufsuchen. Kaum sitze ich, rutsche ich samt Klobrille fast von der Schüssel. Ja, so etwas passiert im Kempinski 🙂 Das doppelseitige Klebeband war wohl nicht ausreichend. Naja, melden wir gleich mal schnell an der Rezeption, schließlich wollen wir nicht mit unserem mitgebrachten Panzer-Tape an einem Kempinski-Klo rumwerkeln.
Bei der Gelegenheit lassen wir uns auch gleich die Karte für die Wanderwege geben. Hauptsache raus aus unserer Suite, denn die ist recht düster. Wir fühlen uns irgendwie nicht richtig wohl.
Da der Weg ziemlich zugewachsen ist, sehen wir irgendwann die Markierungen nicht mehr und stehen verloren zwischen den Bäumen. Kehren wir lieber mal um, die Zecken-ähnlichen Viecher, die da an den Grashalmen kleben, sind uns auch nicht ganz geheuer. Trotzdem war es ein sehr schöner Weg!
Zurück im Bungalow stellen wir fest, dass leider noch niemand Zeit hatte unser Kloproblem zu lösen. Macht nix, balancieren wir halt ein bisschen. Ist ja auch ganz gutes Gleichgewichtstraining 🙂
Wir machen uns dann auch langsam auf den Weg zum Silvester-Dinner. Dabei vergessen wir natürlich nicht, dass unser Auto noch getauscht werden muss. Und tatsächlich, auf dem Weg zum Restaurant kommt uns schon ein Portier entgegen, der uns mitteilt, dass ein Avis-Mitarbeiter auf uns wartet. Wir biegen um die Ecke und sehen ihn – unseren Hilux. Die Übergabe ist schnell erledigt: der Wagen ist ok. Bremsen funktionieren, alle Reifen haben gutes Profil und der Wagen ist sogar vollgetankt. Was will man mehr 🙂 Der arme Kerl kam wirklich von Windhoek zu uns. Immerhin darf er in Tsumeb in einer Lodge übernachten. Wir vermuten, dass er da ein paar Leute kennt und keine einsame Silvester-Nacht haben wird - zumindest macht er keinen sehr traurigen oder ärgerlichen Eindruck. Dann kann Silvester ja gefeiert werden....
Für den Abend hat das Hause Kempinski ein Buffet geplant. Leider war das Fleisch nicht nur einmal getötet. Mit anderen Worten: Es war trocken und zäh, das passt nicht zu einer Unterkunft dieser Kategorie.
Wir sind müde und freuen uns auf morgen, den ersten Tag im Etosha. Um 23:00 Uhr sind wir zurück in unserer Suite – das Klo ist noch nicht repariert – und um 23:20 Uhr machen wir das Licht aus und verschlafen Silvester.
Tageskilometer: 280
Teil 624. Jan. 2011
Samstag, 01.01.2011: Mokuti Lodge + Etosha
Der Tag beginnt früh, denn heute soll es zum ersten Mal in den Etosha-Park gehen. Doch für ein umfangreiches Frühstück muss die Zeit reichen. Wenn man über die noch deutlich sichtbaren Silvesterspuren hinwegsieht, dann hat das Kempinski hier richtig was zu bieten. Das war das beste Frühstück des Urlaubs. Nur tröstet ein gutes Frühstück nicht über Alles hinweg (leichte Übertreibung).
Kurz nach 8 Uhr stehen wir dann am Lindequist Gate. Die Formalitäten sind schnell erledigt. Und: Die Dame am Gate war sehr sehr freundlich! Keine 300m nach dem Tor stehen die ersten Zebras neben der Straße. Ja, direkt neben der Straße!! 😄 Wir bremsen ab, um auch jeden Streifen genau zu sehen und Fotos zu machen. Der Fahrer hinter uns findet das nicht so lustig und drängelt sich an uns vorbei. Wir denken uns unseren Teil: Könnte ja schließlich das letzte Zebra sein, das wir sehen 🙂.
In Namutoni bezahlen wir dann brav unser Permit und es kann endlich losgehen. Die Damen, bei denen wir bezahlen durften, waren auch sehr nett. Mit einem fröhlichen „Happy new year!“ konnte Dirk ihr Herz offenbar erweichen.
Wir sehen Springböcke, Impalas, Gnus und Giraffen, Zebras, Strauße usw. Nur anders als in der Hauptsaison warten diese wunderbaren Tiere nicht an den Wasserlöchern auf uns. Stattdessen muss man sie regelrecht suchen. Die stolze Gesamtstrecke von 900 km im Etosha an nur 3 Tagen bestätigt dies eindrucksvoll 🙂. Wir finden diese Suche spannend - vermittelt sie doch ein wenig den Eindruck von echtem Abenteuer.
Nach den ersten Kilometern im Park sind wir beide erleichtert, dass der Autowechsel noch gut geklappt hat. Bei den jetzigen Straßenverhältnissen möchten wir nicht mit einem Polo unterwegs sein. Ein Schlagloch – oder eher Krater – reiht sich an das nächste, gepaart mit einigen ganz ordentlichen Wasserdurchfahrten. Und Dirk freut sich doppelt. Ist er doch ein echter Mann – mit so einem großen Auto macht so eine Wasserdurchfahrt doch richtig Spaß 🙂. Irgendwann geht es ihm nur noch darum, das Wasser möglichst hoch und weit spritzen zu lassen!
In regelmäßigen Abständen finden wir uns wieder in Namutoni ein. Nicht etwa weil ich auf Toilette muss. Nein! Es ist Dirk, der großes Interesse daran hat, die Sauberkeit der Sanitäreinrichtung einmal in der Stunde zu überprüfen 😛 (übrigens gibt es in der Nebensaison sogar Toilettenpapier). Es hat dann aber auch sein Gutes. Ein Pärchen aus England gibt uns den Tipp, dass in der Nähe des Wasserlochs Chudop ein Rudel Löwen unter den Bäumen döst. Was für ein Glück! Der erste Tag im Etosha und dann gleich Löwen. Also, Pipipause schnell beenden! Noch eine ziemlich heftige Matschdurchfahrt und dann sehen wir vor uns auch schon drei Autos stehen. Doch wo sind die Löwen??? Ferngläser ausgepackt und dann sehen auch wir sie. Faszinierend!! Wir beobachten gut 40 Minuten diese majestätischen Tiere.
Leider gibt unsere Kamera nicht mehr her.
Dann können wir uns losreißen, schließlich stehen noch ein paar andere Tiere auf der „unbedingt sehen“ Liste, die wir als pflichtbewusste Touris abarbeiten müssen 🙂. Es folgen weitere Zebras, ganze Herden von Giraffen, Schakale usw. Dabei fahren wir auch wirklich jede Straße zwischen Namutoni und Halali, die wir finden können. Keine Pfütze ist uns tief genug. Wir saugen das Erlebnis Etosha förmlich in uns auf, es ist einfach toll. Gegen Nachmittag ziehen aber immer dunklere Wolken auf. Es blitzt heftig und es scheint fast gar nicht mehr mit dem Regnen aufzuhören. Und was machen wir: anstatt der Sonne entgegenzufahren, fahren wir noch in das Gewitter hinein. „Kein Problem“ meint Dirk! Ist wahrscheinlich auch so, nur hat er mit mir eben einen kleinen Schisser neben sich sitzen. Als sich immer mehr Pfützen auf der Straße bilden, heißt mein Kommando: Bitte wenden! 🙂 Wer weiß für was es gut ist. Denn es wartet noch die ein oder andere Überraschung auf uns.
Wir fahren mal wieder eine Seitenstraße, als Dirk eine Vollbremsung macht. Ich schaue erschrocken auf, da ich gerade in die Karten vertieft war. „Schlange“ ist Dirks erstes Wort. Auch er ist sichtlich erschrocken. Nicht etwa wegen dem geglückten Ausweichmanöver. Nein, die Tatsache, dass gerade eine Kobra unser Auto „angegriffen“ hat, brachte ihn aus der Fassung. Dirk dreht ein wenig das Auto und nun kann auch ich die ca. 1,2 m lange, komplett schwarze Schlange beobachten. Interessant ist sie ja. Wir sind aber froh, dass wir im Auto sitzen und schließen auch vorsichtshalber die Fenster 🙂.
Sie ist nicht tot!!
Wir könnten ewig weiterfahren. In der Gewissheit, dass wir noch zwei komplette Tage im Etosha haben, verlassen wir gegen 18:30 Uhr den Park. Wir sind glücklich! Haben wir doch eine Menge Tiere gesehen. Ganz anders als man es uns angekündigt hat. Dass es auch ganz anders geht, werden auch wir noch früh genug feststellen 🙂.
In der Lodge angekommen, wird erstmal geprüft, ob unser Toilettensitz repariert wurde. Und tatsächlich ist er repariert – Respekt 🙂. Ich teste auch gleich! Endlich wieder entspannt auf Toilette sitzen, toll. Tja zu früh gefreut. Platz genommen und zack Klobrille ist wieder locker. Die haben einfach noch mehr Klebeband angebracht 🙁 und dafür brauchen die einen Tag! Naja das ist Afrika 🙂. Bleibt nur die Frage, ob das in einem Haus passieren darf, welches den Namen Kempinski trägt und auch eins sein will?!? Wir finden: Nein.
Und leider ist auch das Abendessen wieder eine Enttäuschung. Es gibt Eland-Steak, viermal getötet. Sehr Schade um das schöne Fleisch. Bleibt wieder nur People-Watching! Schon interessant, dass einige Leute Afrika mit dem Laufsteg verwechseln. Ein grünes Dolce & Gabbana Paillettenkleid gehört für mich nicht in den Koffer 🙂. Dirk hat seinen Smoking im Gegensatz zu einigen anderen Gästen auch daheim gelassen.
Nach dem zweiten Glas Wein ziehen wir unser Fazit: Wo Kempinski drauf steht, muss nicht unbedingt Kempinski drin sein! Und eigentlich passt diese aufgesetzte Art auch nicht nach Afrika. Für uns steht fest: Das Haus Mokuti Kempinski Lodge wird uns nicht wiedersehen. Dafür ist es uns zu unpersönlich und hält nicht den Standard, den es sich selbst auferlegt. Selbst wenn es den Standard halten würde, wäre es nicht unsere Welt. Für uns gilt: Klein und fein, dafür aber persönlich.
Wieder in der Suite angekommen, lassen wir den Tag Revue passieren. Und dann stellen wir fest: Wir haben Fieber – Afrika-Fieber. Das ging schneller als erwartet. Aber es heißt ja nicht umsonst: Einmal Afrika, immer Afrika 🙂
Nun sind wir gespannt, was uns morgen erwartet. Hört man ja von den staatlichen Camps innerhalb des Etosha nicht so viel Gutes. Lassen wir uns einfach mal überraschen.
Tageskilometer: 320
Übrigens: In allen Parks des NWR werden 200 ZAR Scheine nicht akzeptiert. Wenn möglich also immer 100 NAD oder ZAR Scheinen bereithalten!!!!
Teil 725. Jan. 2011
Sonntag, 02.01.2011: Etosha mit Tagesziel Halali
Auch heute starten wir früh in den Tag. Schließlich warten eine Menge Tiere darauf, von uns gefunden zu werden. Man kann davon glatt süchtig werden 🙂. Also, auf zum Frühstück, Koffer sind ja bereits gepackt. Auf dem Weg geben wir noch dem Kofferträger Bescheid, dass er um 8:00 unsere Koffer holen darf. Denn selbst tragen kommt in der Kempinski Lodge nicht infrage (auch ein Selbstauferlegter Standard). Wir lassen uns nicht schlagen. Schließlich sind die Wege bei einer solchen Anlage weit. Beim Frühstück bietet sich dasselbe Bild wie gestern. Frühstück Top, aber auch heute sind die Spuren der Silvesternacht noch allzu sichtbar.
Wir gehen also zurück zum Zimmer und warten auf den Kofferträger. Doch dieser ist auch 15 Minuten nach vereinbarter Zeit noch nicht zu sehen. Also schnappen wir uns unsere Koffer und ziehen sie selbst zum Parkplatz. Echt praktisch, die modernen Koffer mit Rollen 🙂 Gute 5 Meter vor unserem Auto treffen wir dann auch unseren Kofferträger. Er entschuldigt sich, macht dabei 3x den Bückling (warum???) und hievt unsere Koffer doch tatsächlich auf sein Golfcart. Also steigen auch wir auf, um 30 Sekunden später wieder abzusteigen. Das hat sich gelohnt 🙂. Gepäck wird aufgeladen, die Kempinski-eigene Tanke in Anspruch genommen und auf geht’s in den Park.
Da uns am Vortag das Wasserloch Klein Namutoni und der Dik-Dik-Drive besonders gefallen haben, steuern wir diese auch heute wieder an. Wirklich schön! Zu dieser Jahreszeit tummeln sich dort unzählige Giraffen und Zebras. Und der Weg ist einfach urig – total zugewachsen und echt schön. Doch wir müssen weiter. Wir haben doch keine Zeit!! 🙂
Wir fahren auch noch mal nach Chudop. Aber heute ist von den Löwen nichts mehr zu sehen. Naja, ein Versuch war es wert. (Was wir jetzt noch nicht ahnen – das wird der Spruch des Tages 🙂 ) Die Fahrt geht weiter, doch weit und breit ist nichts zu sehen. Wir machen es wie gestern und fahren jede Seitenstraße. Vereinzelt sehen wir ein paar Gnus und Springböcke. Von den innig geliebten Zebras und Giraffen, auf die gestern noch solch Verlass war, ist weit und breit nichts zu sehen.
Gegen Mittag beschließen wir erstmal in Halali einzuchecken und dann von Neuem mit der Suche zu beginnen. Wir werden freundlich empfangen und uns wird Bungalow 42 zugewiesen. Wir sind positiv überrascht. Natürlich, die ganze Außenanlage hat den Charme eines DDR Ferienlagers (ich bin in Leipzig geboren : laugh: ). Aber der Bungalow ist geschmackvoll eingerichtet und vor allem sauber. Es riecht sogar klinisch rein (nach Desinfektionsmittel) 🙂. Nur kurz lüften und alles ist gut. Wir Essen schnell einen Apfel und machen uns wieder auf den Weg. Vielleicht steht ja genau jetzt ein Elefant vor dem Tor 🙂.
Wir entschließen uns, noch einen Blick aufs Wasserloch zu werfen. Und wie soll es anders sein: NICHTS! Naja, ein Versuch war es wert.
Wir schwingen uns ins Auto. Es muss doch noch etwas zu finden sein. Natürlich schraubt ein solch erfolgreicher Tag wie gestern die Ansprüche nach oben. Aber nur Springböcke: das ist "bitter"!!! Es vergeht eine Menge Zeit, bevor etwas Spannendes passiert.
Es ist ein kleines Highlight, als wir plötzlich Mitten in einer riesigen Straußenherde stehen. Vor und hinter unserm Auto passieren sie die Straße. Kaum vorstellbar, dass diese Vögel beim Laufen nicht vorn überkippen. Das war es dann aber auch für heute. Wir fahren noch lange aber es passiert nichts mehr.
Die Landschaft ist natürlich beeindruckend. Wir erkennen den Park nicht wieder. Er erscheint ganz anders als bei den vielen Reiseberichten, die wir zu Hause verschlungen haben. Alles ist grün und wir sehen sogar ganze blühende Wiesen. Traumhaft. Auch wenn die Tierausbeute heute geringer war. Wir sind uns schnell einig, dass uns diese Jahreszeit sehr gut gefällt.
Heute erreichen wir das Camp gut eine Stunde vor Torschluss. Aber wir wollen und können einfach nicht mehr. Wir machen uns frisch, besprechen noch schnell den Schlachtplan für morgen und beschließen dann, das oftmals negativ beschriebene Essen zu testen. Als wir am Restaurant ankommen, sind wir überrascht. Der Eindruck von mittags bestätigt sich. Es ist nichts, aber auch wirklich gar nichts, los. Auch gut: Wir nehmen Platz und bestellen schon mal die Getränke. Dirk traut sich als Erster an die Vorspeise. Er kommt freudestrahlend vom irgendwie provisorisch aufgebauten Buffet zurück. „Alles Ok und eine große Auswahl“ versichert er mir. Na gut, auf geht’s. Am Vorspeisebuffet quatscht mich ein Mann auf deutsch von der Seite an: „Na wann seit ihr angekommen? Schön hier oder?“ Ich antworte verwundert und denke mir: Also Namibia-Urlauber sind schon wie eine große Familie. Die sind so höflich untereinander und so nett. Ich erzähle Dirk mein Erlebnis vom Buffet und auch er erzählt von einem Gespräch mit einer Dame. Allmählich erinnern wir uns. Wir hatten sie bereits auf der Frans Indongo Lodge kennengelernt, sie sind zu viert unterwegs. Und da sitzen sie nun wieder. Man kommt ins Gespräch und wir werden noch merken: In Namibia begegnet man sich immer zweimal 🙂
Nach dem Essen, es gab übrigens noch ein wirklich hervorragend gegrilltes Oryx-Steak, bequemen wir uns noch einmal zum Wasserloch. Plätzchen Suchen und warten – zu sehen ist gar nichts, außer Millionen Motten und Käfern, die einfach nicht Dirks Freunde werden wollen. Nach 20 Minuten drängelt Dirk. Er hat die Schnauze voll und fühlt sich von den gefährlichen Monsterkäfern bedroht. „Ich bin müde, hier kommt nichts mehr.“ ← Na klar, „müde“. 😎
Tageskilometer: 222.
Teil 827. Jan. 2011
Montag, 03.01.2011: Halali → Okaukuejo, ohne Zwischenstopp natürlich! 🙂
Heute Nacht hatten wir beide ein Erlebnis der besonderen Art. Es geht um Spinnen – allerdings anders als Ihr jetzt vielleicht vermutet 😉
Dirk hasst nicht nur Käfer, nein, auch Spinnen! Sobald er im Zimmer eine sieht, muss ich sie auf dem schnellsten Weg entfernen. Ich finde Spinnen jetzt auch nicht besonders toll, stelle mich aber meiner Aufgabe. Er hat sogar auch diese elektrische Fliegenklatsche mitgenommen, die auch Spinnen unter Strom setzt – ein super Teil!! (Es wurde kürzlich im Forum berichtet) Jedenfalls hat sich das ständige Ausschau halten nach Spinnen tief in meinem Unterbewusstsein verankert.
Wir beide dösen bereits, als ich außen am Moskitonetz eine Spinne krabbeln sehe. Ich rufe natürlich gleich: „Iiiieeh eine Spinne!“ Auch wenn Dirk sonst jedes Erdbeben verschläft, hört er mich sofort und ist mit einem Satz aus dem Bett. „Licht an!“ Sage ich, Dirk sucht den Lichtschalter vermutlich verzweifelt. Von der Spinne ist nichts zu sehen. Nichts da. Dirk stellt fest, dass es ja auch noch dunkel war, als ich die Spinne gesehen haben will. Ok, sie war niemals da. Ich habe einfach mal wieder geschlafwandelt!! 🙂
(So hätte sie aussehen können...)
Am nächsten Morgen muss ich Dirk auch erst fragen, ob das nachts wirklich passiert ist. In meiner Erinnerung wirkt alles wie ein Traum. Leider habe ich Dirk tatsächlich um seinen Schönheitsschlaf gebracht. Denn wo ich friedlich geschlummert habe, hat er noch lang wach gelegen und nach meiner Phantomspinne gesucht 🙂. (Ergänzung von Dirk: Stimmt gar nicht, bin schnell wieder eingeschlafen und hab von niedlichen, liebenswerten Spinnen geträumt...)
Wir raffen uns auf und wollen gerade duschen, als der Strom ausfällt. „Bsss – ganse Strase dungel!“ Zähne putzen nur mit Taschenlampe funktioniert ja noch ganz gut. Beim Duschen erinnert mich das eher an den Film „Psycho“. Also verzichten wir aufs duschen und gehen gleich zum Frühstück.
Keine 500 Meter nach dem Tor winkt uns schon ein anderer Autofahrer. Riecht er uns, weil wir nicht geduscht haben? ...nein, kann nicht sein, wir haben doch ausnahmsweise Deo benutzt. Wir halten natürlich gespannt an: mal sehen was es heute für einen Tipp gibt. Und tatsächlich, er informiert uns, dass hier ganz in der Nähe Leoparden in den Bäumen liegen. Er erklärt uns noch den Weg, Dirk fragt mehrfach nach, damit wir uns nicht verfahren – allzu weit kann es nicht sein. In 5 Minuten müssten wir sie schon sehen! Juhuu! Wird es heute etwa ein erfolgreicher Tag?!
Wir halten uns genau an die Beschreibung und suchen jeden Winkel ab. Leider finden wir keine Leoparden. Nach weiteren 10 Minuten geben wir die Suche auf. Die Beschreibung war nix. Wir entscheiden uns, einfach wie gewohnt jede Seitenstraße abzufahren.
Als wir wieder einen Umweg abfahren, sehe ich plötzlich einen Riss im Baum hängen. Wir stoppen sofort. Das kann nur ein Leopard gewesen sein. Wir suchen die Umgebung ab. Dirk fährt immer wieder vor und zurück. Und dann entdeckt er ihn!! Der Leopard liegt gut getarnt im Baum. Kurze Zeit später entdecken wir dann auch den Zweiten, der keine 5 Meter von uns entfernt im Gras liegt. Später gesellt sich auch noch ein Schakal dazu. Dieser versucht tatsächlich, die beiden Leoparden durch sein Gebelle zu vertreiben, um auch noch etwas vom Leckerbissen abzubekommen 🙂 Der Versuch scheitert kläglich – obwohl sich die Leoparden erstmal verziehen.
Weiter geht’s. Der Tag hat vielversprechend begonnen und so sind wir motiviert, dass heute wieder einiges zu sehen ist. Ganz unerwartet und plötzlich passiert es dann. Ein Nashorn rennt über die Straße!!! Man kann gar nicht schnell genug reagieren, da rennt auch schon das zweite hinterher!! Was für ein Glück. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die anderen Autos, die uns in den letzten 10 Minuten entgegengekommen sind, hatten da nicht soviel Glück. Als wir in die Gesichter der Fahrer geschaut haben, wussten wir, die haben heute so einen Tag wie wir gestern. Aber wir nicht! Fotos gibt es natürlich keine von den Nashörnern. Ihr müsst uns diese Begegnung ganz einfach glauben 🙂.
Foto.
Nach einer Toilettenpause bemerkt Dirk ein entgegenkommendes Auto, dessen Fahrer uns seltsam mustert. Das war so ein total cooler LandCruiser (sagt er). Den hätte er bestimmt auch gern gehabt. Kurze Zeit später überholt uns dieses Auto wieder und setzt sich vor uns. Ich ahne schon, wen wir jetzt getroffen haben. Und tatsächlich, es ist mein Studienfreund Christoph, den ich seit drei Jahren nicht mehr gesehen habe 🙂. Wir wissen zwar vom jeweiligen Namibia-Urlaub und haben uns sogar für morgen verabredet. Dass wir uns heute aber so überraschend begegnen, ist dann schon sehr lustig. Namibia ist ein Dorf!!!
Wir quatschen kurz und verabreden uns für 18 Uhr in Okaukuejo. Jeder fährt seines Weges. Christoph will Richtung Namutoni, da dort um diese Jahreszeit die meisten Tiere zu sehen sind. (Im Nachhinein können wir das nur bestätigen.)
Auf dem Weg sehen wir noch einige Impalas, Oryx, Gnus und Zebras...
Der Hunger treibt uns dann zum Camp – oder wie es richtig heißt: zum „Resort“. Wir entscheiden uns, einfach schnell am Kiosk ein Sandwich zu kaufen. Vor uns stehen auch nur zwei Frauen. Es dürfte also schnell gehen! Tja falsch gedacht. Die Bedienung schnitzt die Pommes für die Beilage nämlich frisch aus Kartoffeln!! Es dauert also eine gute halbe Stunde, bevor wir unsere Sandwichs erhalten. Naja, wenigstens sind sie frisch 😄.
Wir drehen uns um und wollen gerade einen Platz suchen ...wer steht da hinter uns: natürlich Christoph. Keine Frage, dass wir uns gemütlich zusammensetzen und unser Mittag zu sechst genießen (Christoph ist mit Frau, Kind und Schwester unterwegs). Er gibt uns noch einige Tipps und warnt uns auch vor den einschlägigen Touristennepps. So auch vor Makalani-Nüssen – na, das war wohl zu spät (für Dirk) 😛.
Nach dem Essen checken wir schnell ein. Diesmal haben wir ein einfaches Doppelzimmer. Es ist schön, sauber und völlig ausreichend. (wir haben bereits Anfang August gebucht und es war nichts anderes mehr zu bekommen) Man merkt auch schnell, dass Halali und Okaukuejo zusammen gehören. Die benutzen nämlich dasselbe Desinfektionsmittel 🙂.
Wir halten uns aber nicht lange auf. Denn draußen wartet Christoph. Wir haben uns entschieden, am Nachmittag gemeinsam durch den Park zu fahren. Erklärtes Ziel: Findet den Elefanten! Der ist nämlich das einzige Tierchen, das wir noch nicht gesehen haben. Die Mission kann beginnen. Wir fahren Richtung Norden (Märchenwald etc.). Die Landschaft ist wunderschön und wir sehen auch einiges an Tieren. Viele Zebras, sogar ein fast schwarzes, Gnus, Strauße und sogar wieder eine Giraffe. Nur einen Elefanten finden wir nicht 🙁.
Wir müssen ein wenig auf die Zeit achten. Denn wo wir heute Nacht im Park bleiben, müssen die anderen noch nach Outjo düsen. Gegen 16:00 Uhr entschließen wir uns wieder Richtung Camp zu fahren – und stellen fest, dass man auch im Etosha schneller als 60 km/h fahren kann. Christoph „treibt“ uns ein weing. Wir verabschieden uns und halten unser Treffen für morgen 10:00 Uhr in der Sophienhof Lodge fest. Da unsere Mission „Elefant“ noch nicht erfolgreich war, entschließen wir uns noch mal in die Richtung zu fahren, wo wir heute Mittag die Nashörner gesehen haben. Es geht also Richtung Olifantsbad. Wir stellen schnell fest, hier hat es kräftig geregnet. Wir durchqueren mehrere große Pfützen bis wir schließlich vor einem „See“ stehen. Es ist einfach kein Ende zu sehen. Wir überlegen lange ob wir durchfahren sollen. Am Ende siegt wieder meine Angst. Wir drehen und fahren zum nächsten Wasserloch. „Lass uns hier doch einfach mal warten, was passiert“ sage ich zu Dirk. Vielleicht haben wir ja Glück. Zur Unterhaltung schalten wir das Hörbuch „Hummeldumm“ an. Es ist sehr lustig, erkennt man doch viele Situationen wieder. 😄
Wenig später fährt ein VW-Bus ans Wasserloch. Wir denken uns noch: Die kennen wir aber! Das Fenster elektrisch runterkurbeln und wer grinst uns an? Das Vierergespann aus Weinheim, die wir zum ersten Mal in der Frans Indongo Lodge und zum zweiten Mal in Halali gesehen haben. Wir tauschen die neusten Sichtungen aus. Wir sind neidisch, die vier haben schon alles gesehen – auch unseren Elefanten!! Als nach 20 Minuten immer noch nichts passiert, fahren die Vier weiter. Sie versuchen auch noch mal einen Elefanten zu sehen. Wir zögern nur kurz. Die haben so viel Glück, da fahren wir hinterher. Eine Verfolgungsjagd beginnt! 🙂 Wir brauchen nicht lange, um die vier einzuholen. Denn sie fahren nur in Schrittgeschwindigkeit durch den Park – vermutlich haben sie deshalb auch die Elefanten entdeckt. Im Gegensatz zu uns – bisher.
Nach einer Weile und ein paar Impalas später (mit niedlichen Jungtieren) finden wir frischen Elefantendung und sehr eindeutige Bissspuren. Nur vom Verursacher keine Spur. Nachdem unsere Verfolgungsjagd schon 45 Minuten dauert und nichts zu sehen ist, entschließen wir uns, die Mission für heute abzubrechen. Es ist zwar unser letzter Tag im Etosha, wir hoffen aber auf morgen früh. Typisch Touri denken wir: Wir können Afrika nicht verlassen, ohne einen Elefanten zu sehen!!!! 😄
Wir sitzen noch nicht lange beim Abendessen. Da wird der Tisch neben uns neu besetzt. Von wem? Na klar, die vier Weinheimer. Als wir erfahren, dass sie auch keinen Elefanten mehr gesehen haben, sind wir dann aber doch beruhigt. Schrittgeschwindigkeit ist also keine Garantie für Tiersichtungen 🙂. Der Abend plätschert so dahin. Das Essen hier ist auch sehr gut, aber viel hektischer als in Halali.
Auch heute Abend steht wieder ein Besuch am Wasserloch an. Es endet aber genauso erfolglos wie am Tag zuvor. Und Dirk ist wieder „müde“. ← Na klar... (siehe Vortag) Gehen wir lieber schlafen und träumen von der Mission Elefant. „Gute Nacht Agent D.“ „Gute Nacht Agent M.“
Erklärtes Ziel für den Morgen ist es „Mission Elefant“ zu erfüllen. Deshalb sitzen wir auch schon um 7:00 Uhr im Auto. Wir fahren in die Richtung, wo wir gestern die frischen Bissspuren gesehen haben – also Richtung Olifantsbad. Wir wiederholen die Taktik und fahren nur Schrittgeschwindigkeit; wir achten auf jeden abgeknickten Ast, auf jede Spur im nassen Boden.
Und wir haben Glück!!! Neben der Straße, versteckt im Gebüsch, steht eine alte Elefantenkuh. Wir haben es geschafft – Mission erfolgreich beendet. Auch hier sind wir wieder überwältigt und können uns nur schwer lösen. Doch Christoph wartet auf uns, wir sind ja um 10:00 Uhr in Outjo mit ihm verabredet.
Mit 20 Minuten Verspätung kommen wir bei Christoph auf der Sophienhof Lodge (Nähe Outjo) an. Wir gleichen uns also auch schon von der Pünktlichkeit der afrikanischen Gelassenheit an. Daheim könnte mir das nicht passieren. Ich bin da echt deutsch. Ich bin nicht nur pünktlich, nein ich komme grundsätzlich 10 Minuten eher 🙂. (Anmerkung Dirk: Ich nicht, die akademische Viertelstunde ist immer drin. In Kombination kommen wir also immer nur 5 Minuten zu spät.)
Wir werden von Christoph mit einem kühlen Getränk in Empfang genommen. Nach einer kurzen Erholungsphase zeigt er uns das Gelände. Die Familie hatte die Lodge 2009 übernommen. Wir sind begeistert, die Renovierung hat sich gelohnt. Momentan werden die letzten Arbeiten an der Erweiterung der Campsites abgeschlossen.
Mal ein bisschen Werbung: Es gibt vier sehr hübsche Bungalows, die jeweils für 2 Personen geeignet sind. Zusätzlich gibt es noch ein VIP-Haus, das Platz für fünf (?) Personen bietet und einen eigenen Pool hat. Alle Unterkünfte sind perfekt für Selbstversorgung geeignet (in Outjo kann man ja schnell was einkaufen), muss aber nicht. Insgesamt ist die Anlage sehr gepflegt und einladend! Das Personal, das wir treffen, ist sehr freundlich. Hier lässt es sich wohlfühlen!!
Schon wieder erwischen wir uns dabei, dass wir bereits die nächste Reise planen. Die Sophienhof Lodge steht dann sicher auf unserer Liste. Diesmal hat es leider nicht geklappt, da wir erst nach der Buchung von der Lodge erfahren haben.
Natürlich darf auch eine Fahrt über das Gelände nicht fehlen. Wir fahren zu den Straußen, die uns am liebsten aufgegessen hätten. Sie haken auch die ganze Zeit nach meiner Sonnenbrille. Auf die Idee, dass ich diese auch abnehmen kann, bin ich allerdings nicht gekommen. Natur ja – aber doch bitte nicht so NAH : laugh : Nein, es war klasse, so nah an die Tiere heran zu kommen.
Auf unsere nächste Station habe ich mich schon den ganzen Tag gefreut. Wir fahren zu den Geparden. Sie warten auch schon auf uns, denn heute gibt es Gnu-Keule 🙂. Die zwei Großkatzen werden gefüttert, zahm sind Sie deshalb aber nicht. Wir werden gewarnt: „Das sind keine Schmusekatzen!“ Trotzdem ist mein erster Satz: „Oh, sind die süß“ Ich kann aber nichts dafür. Das ist genetisch bedingt – ich bin eine Frau 😄 Es ist jedenfalls sehr beeindruckend, die zwei Geparden zu beobachten. Leider sind sie sehr schnell verschwunden, nachdem es Frischfleisch gab 🙁
Weiter geht’s, das Gelände ist groß. Wir sehen einiges an Antilopen, Gnus und Warzenschweinen. Wir entdecken auch eine Giraffen-Familie, die mit ihren Kindern einen Spaziergang macht. Jetzt ist es doch schön, dass wir nicht mehr im Etosha sind: Raus aus dem Auto und der Gruppe langsam zu Fuß nähern! Es ist noch mal ein anderes Gefühl, diesen Tieren außerhalb des Autos näher zu kommen. Traumhaft. Danke, Christoph.
So langsam bekommen wir alle Hunger. Also fahren wir nach Outjo in die Bäckerei. Wir bestellen alle nacheinander, Burger, Sandwich … Dirk bestellt Bratwurst mit Kartoffelsalat - und das in einer Bäckerei!!! 😄
(Übrigens: Wer noch eine Möglichkeit sucht, in Namibia zu investieren: die Bäckerei steht ggf. zum Verkauf.)
Nach dem Essen laufen wir in Richtung Museum. Die Sonne knallt uns auf die Schultern und ich hole mir den ersten Sonnenbrand des Urlaubs. Und wofür: das Museum ist geschlossen 🙂. Na dann gibt’s statt Kultur eben Souvenirs. Wir können uns aber nicht entscheiden. Die Holzgiraffen sind sehr schön, aber im Flugzeug... lieber nicht. Der Blick auf die Uhr mahnt uns langsam zu verabschieden - leider. Es ist bereits 15:30 Uhr. Es liegen ja noch gut 2 ½ Stunden Fahrt zur Erongo Wilderness Lodge vor uns.
Die ersten 100 Kilometer laufen Problemlos. Dann sehen wir mehr oder weniger zum ersten Mal einen jungen Mann an einer Abzweigung stehen, der uns winkenderweise zum Anhalten bringen will. Nein nein, sage ich zu Dirk. Kaum sind wir an ihm vorbei, knallt es. Schießt der Arsch jetzt auf uns?? Nein, meint Dirk, wir haben einen Platten! Warum jetzt? Der Kerl kommt schon angesprintet und von rechts naht eine heftige Gewitterfront. Also ist Beeilung angesagt.
Bis der junge Mann bei uns ist, haben wir gerade den Wagenheber und das Werkzeug ausgepackt. Wir sind etwas unsicher, weil wir ja als unerfahrene Touris keine Ahnung haben, was er jetzt von uns will! Die letzten Meter schlendert er heran und fragt Dirk, ob wir ihn nach Swakop mitnehmen können. Naja, leider nicht unser Weg, sorry. Erst dann merkt er, dass wir einen Platten haben und bietet uns noch höflich seine Hilfe an, die wir dankend ablehnen. So viele Hände braucht es zum Reifenwechseln wirklich nicht.
Wir agieren gut als Team. Während Dirk den neuen Reifen montiert, rolle ich den Alten in den Kofferraum. Um mir nicht den Kopf anzustoßen, setze ich mich auf Dirks Koffer. Ganz plötzlich beginnt ein seltsames Summen. Ich als ganz großer Autokenner denke sofort an einen Totalschaden. Das kann ja auch im Stand mal passieren, klar. Bis ich das Summen lokalisiere: es kommt aus dem Koffer. Was ist das? Dirk ruft: Das ist mein Elektrorasierer : laugh : Also erst mal Koffer ausräumen und Rasierer ausschalten. In der Zeit ist Dirk dann auch schon fertig mit dem Radwechsel. Die ganze Aktion hat uns 20 Minuten gekostet. Beim nächsten mal geht es schneller 🙂
Kurz nach 18:00 Uhr erreichen wir die Erongo Wilderness Lodge. Ernst bringt uns die letzten 800 Meter zur Lodge, Heidi führt uns zu unserem Zelt. Es ist sehr schön. Gerade das offene Bad begeistert uns. Leider haben wir nicht viel Zeit alles zu genießen, denn der Sundownerwalk beginnt sofort, ein weiteres deutsches Pärchen ist auch dabei.
Eine der ersten Fragen von Heidi ist, ob wir in den Flitterwochen sind!!! Schon lange nicht mehr gehört, diese Frage. Aber: Nein, immer noch nicht. 🙂
Leider zieht ein heftiger Sturm auf und wir stehen ungeschützt auf dem Berg. Dank Wolken wird uns der Sonnenuntergang verwehrt bleiben... Schnell noch ein Getränk reingezogen – Heidi besteht drauf – und dann gehen wir schon wieder runter zur Lodge. Trotz schlechtem Wetter können wir aber schon den tollen Blick von da oben erahnen!
Den Abend verbringen wir mit dem Pärchen von vorhin. Wir führen spannende, interessante Gespräche, verstehen uns sehr gut – es hat viel Spaß gemacht!
Vorspeise: Carpaccio vom Springoryxgnupala Hauptgericht: Strauß Dessert: Crêpes mit Eis und Schokosauce
Hört sich unspektakulär an, war aber sehr schmackhaft!!
Tageskilometer: 360.
Teil 1029. Jan. 2011
Mittwoch, 05.01.2011: Erongo Wilderness Lodge
Heute schlafen wir mal wieder aus. Der Wecker klingelt erst um 8 Uhr. Das tut meinen Augenringen richtig gut, zumal ich die Antifaltencreme zu Hause gelassen habe 😄 Generell entschließen wir uns, den Tag ruhig zu gestalten. Auch wenn es schwer fällt, still zu sitzen. Man ist ja schließlich in Afrika und muss jede Sekunde ausnutzen 🙂
Beim Frühstück treffen wir wieder das Paar aus Düsseldorf. Wir genießen gemeinsam das wirklich sehr gute Frühstück. Dabei geben uns die Düsseldorfer noch einige Tipps für unsere nächste Station Swakopmund. So sollen wir uns ein Abendessen im ehrwürdigen Hansa Hotel nicht entgehen lassen. „Es ist einzigartig, Ihr werdet Spaß haben“ sind ihre Worte. Was das heißt, werden wir noch feststellen 🙂
Nach dem Frühstück genießen wir den Blick von unserer Terrasse. Der Ausblick ist einfach super. Hier können wir toll entspannen. Noch schnell ein Buch geholt und einfach relaxen. Die Ruhe dauert allerdings nicht lange an. Schon bald beginnt es laut zu brummen. Die Blicke irren suchend umher. Die Übeltäter sind dann schnell lokalisiert. Es sind riesige Käfer, die sich im Dach ein neues zu Hause suchen. Schlagartig wird Dirk wieder müde und er verkriecht sich im Zelt 😄 Da es aber vorne quasi offen ist, genießt er auch von dort noch die Aussicht.
Gegen Mittag haben wir dann genug relaxed. Den ganzen Tag rumsitzen ist uns zu langweilig. Wir haben Hummeln im Hintern. Also entschließen wir uns zu einer kleinen Wanderung. Diesmal denke ich auch gleich an die passende Kleidung – Shirt statt ärmelloses Top! An der Rezeption holen wir uns noch die Wanderkarte vom Gelände. Uns wird der „Baboon Walk“ empfohlen. Eine Wanderung auf den Hausberg sei um diese Zeit zu anstrengend, heißt es. Wahrscheinlich halten sie uns für verrückt, mitten in der Mittagshitze wandern zu gehen. Ganz unrecht haben sie dabei ja auch nicht 🙂
Kurz bevor es losgeht, treffen wir noch Ernst. Er hatte uns bereits gestern angeboten, sich um unseren kaputten Reifen zu kümmern. Da unser Auto unten auf dem 2x4 Parkplatz steht, übergibt Dirk kurzer Hand unseren Autoschlüssel. Dann kann es ja endlich losgehen. Der Weg ist wirklich schön. Wir sehen immer wieder Klippschliefer und wunderschön gefärbte Eidechsen.
Nach einer Stunde stehen wir auf einer Felsplatte und wissen nicht mehr weiter. Der Weg ist eigentlich durch Steinhaufen gekennzeichnet, von einem Haufen ist aber weit und breit nichts zu sehen. Dirk klettert sogar auf einen Hügel, kann aber keinen Weg erkennen. Für uns die logische Konsequenz: umdrehen. Denn wir sind nicht daran interessiert, eine Folge aus „Ausgesetzt in der Wildness“ nachzustellen 😄
Wie sich rausstellt ist unsere Kehrtwende sowieso eine gute Idee, denn es nähert sich eine Gewitterfront. Wir schaffen es aber noch vor dem einsetzenden Regen zurück zur Lodge. An der Rezeption wundert man sich, dass wir bereits zurück sind. Kleinlaut geben wir zu, dass wir keine Markierung mehr gefunden haben. „Ach, dass waren die Paviane. Auf der Suche nach Skorpionen zerstören sie die Steinhaufen.“, hören wir darauf lachend. Na super. Wäre es da nicht cleverer, eine andere Markierung zu wählen? 🙂
Nun gönnen wir uns erst mal einen Rock Shandy zur Erholung. Bald darauf können wir auch schon Kaffee und Kuchen genießen. Dirk kann gar nicht mehr aufhören zu essen. Der Arme hat ja auch die letzten Tage nichts zu Essen bekommen 😄
Wir entscheiden uns, auch heute Abend den Sundowner Walk mitzumachen. Vorher will ich aber nochmal nach unserem Auto schauen. Nicht dass Ernst damit geflüchtet ist. Die Frage, was er mit unserem Auto anfangen würde oder wohin er flüchten würde, kann ich Dirk zwar nicht beantworten. Ich kann ihn aber überzeugen, zum Auto zu gehen.
Da unser Hilux oben bei der Lodge nicht steht, laufen wir also runter zum 2x4 Parkplatz. Dort stellen wir fest, unser Auto ist tatsächlich weg!! Ernst ist also wirklich geflüchtet!!! Heidi, die heute Gäste-Warte-Dienst hat, klärt uns aber auf. Unser Auto steht oben an der Lodge, frisch gewaschen! Ups, schlechtes Gewissen 🙂
Also wieder nach oben. Ernst nimmt uns auch gleich in Empfang. Leider hat er keine guten Nachrichten für uns. Der Reifen ist nicht zu retten – Totalschaden. Also müssen wir in Swakopmund einen neuen Reifen kaufen. Egal, wir haben bei Avis ja eine Komplettversicherung abgeschlossen.
Der Sundowner Walk ist heute eine Privatführung. Wir sind nur zu zweit. So kommen wir gut mit unserem Guide Kules ins Gespräch. Ein Thema ist das Oktoberfest. Die unglaubliche These: Namibianer schaffen es, 20 Mass Bier zu trinken. Das hätte ich ja gerne mal gesehen 😄 Vor lauter Quatschen verpassen wir fast den Sonnenuntergang. Und der ist heute spektakulär. Da bekomme ich glatt Gänsehaut.
Auch das Restaurant gehört uns heute fast allein. So werden wir richtig umsorgt. Auch das Essen ist heute wieder großartig.
Vorspeise: Chakalaka Hauptspeise: Oryx-Steak mit Kartoffeln und Brokkoli Nachspeise: englischer Schokopudding
Wir gehen zeitig ins Bett, schließlich wollen wir morgen um 7:00 Uhr noch den Morning-Walk mit Heidi machen.
Fazit: Eine erstklassige Unterkunft. Die Zelte sind toll, man fühlt sich ganz allein und kann super entspannen. Und der Ausblick, egal ob vom Zelt, Restaurant oder vom Hausberg, ist immer wunderschön. Alle bemühen sich, den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestaltet. Wir kommen wieder!
Teil 1130. Jan. 2011
Donnerstag, 06.01.2011: Tagesziel Swakopmund
Der Wecker klingelt heute sehr zeitig. Heidi wartet ja mit dem Morningwalk auf uns. Wir überwinden uns, aus dem Bett zu klettern, schließlich wollen wir auch die versprochenen Paviane sehen. Also auf zum Restaurant, dem vereinbarten Treffpunkt. Noch schnell einen Kaffee trinken, damit wir auf dem Weg nicht einschlafen 🙂 Wir warten und warten und warten, aber von Heidi ist nichts zu sehen. Nach einer Woche Namibia wissen wir ja, dass es mit der Pünktlichkeit nicht so genau genommen wird, aber 20 Minuten sind schon lang. Nach einer halben Stunde informiert man uns, dass Heidi einen Platten hat. Sie steht noch auf der Straße von Omaruru zur Lodge.
Nach 45 Minuten Wartezeit entschließen wir uns dann doch zu frühstücken. Schade, dass es mit dem Walk nicht geklappt hat. Länger können wir aber nicht warten, denn wir wollen heute noch nach Swakopmund und sind mit den Fahrtzeiten noch nicht so gut vertraut. Wir trösten uns aber mal wieder damit, dass wir ja bald wiederkommen 🙂
„Packen, wir fahren!“ hieß es dann wieder. Auf dem Weg nach Swakop machen wir einen Abstecher zur Spitzkoppe. Unbedingt zu empfehlen!
In Swakopmund haben wir fast auf Anhieb unsere Unterkunft – das Swakopmund Guesthouse – gefunden. Erstmal einchecken.
Da wir noch immer unseren kaputten Reifen spazieren fahren, begeben wir uns auf die Suche nach einem Tyre-Shop. Mehr oder weniger um die Ecke finden wir Tyre 2000, wo wir zuerst gefragt werden, wo wir das Auto gemietet haben. Die Auskunft „bei Avis“ geben wir ihm natürlich sofort. Zack, schon haben wir einen neuen Reifen, der uns schlappe 1.450 NAD kostet!!! Das sind ja nur locker 160 EUR. Da es Dirk zu viel erscheint, behauptet er, dass wir letztes Jahr unter 1.000 NAD bezahlt haben. Offenbar sieht uns der Verkäufer an, dass wir zum ersten Mal hier sind und lässt sich auf keine Verhandlungen ein 😄
Wir hoffen, dass Avis die Kosten über die Versicherung erstattet. Vermutlich geht auch der Reifen-Verkäufer davon aus, dass Avis die Kosten übernimmt. Damit wäre auch der Hintergrund seiner Frage nach der Mietwagenfirma geklärt... Wieder was gelernt!!
Jetzt sehen wir uns erstmal in Swakop um, wir haben ja noch den halben Tag. Wir kommen schnell zu der Erkenntnis, dass sich eine Reise nach Namibia nicht wegen der Städte lohnt. Wirklich schön finden wir Swakop nicht – zumindest ist das unser erster Eindruck.
Den Abend verbringen wir spontan in Kückis Pub. Da um diese Jahreszeit nicht viel los ist, müssen wir ja keinen Tisch bestellen – dachten wir uns, bevor wir das Pub betreten. Es war brechend voll, einen Tisch kann uns der Chef nicht in Aussicht stellen. Dafür aber einen schönen Platz an der Theke.
Es gibt gegrillte Scholle mit Bratkartoffeln. Wir können nur sagen: Es war sau lecker!! Vom ersten Eindruck hätten wir das nicht vermutet.
Tageskilometer: 270.
Teil 1230. Jan. 2011
Freitag, 07.01.2011: Swakopmund
Heute steht eine Delfin-Tour bei Mola-Mola an! Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück fahren wir nach Walvis Bay. Auf dem Weg dorthin passieren wir mal wieder eine der vielen wirkungsvollen Polizeikontrollen. Die Herrschaften haben aber noch keine Lust zu kontrollieren und winken uns lustlos durch. Gut, denn wir sind spät dran. Dirk hat getrödelt. Ihm gefällt das afrikanische Zeitmanagement. Hoffentlich nimmt er das nicht mit nach Hause!! 🙂
Kaum steigen wir in Walvis Bay aus dem Auto, steht ein Kerl vor uns und sagt: „Hi, I'm Albert!“ Dirk antwortet promt: „Hi, I'm Dirk!“ Er merkt aber noch rechtzeitig, dass Albert Nüsse unter die Leute bringen will und unsere Namen zum Schnitzen braucht. Natürlich winken wir schnell ab, wir haben ja schon welche... 😄
Wir holen schnell unsere von Deutschland aus reservierten Tickets bei Mola Mola und beobachten den Wellengang. „Nicht so schlimm“ sagt Dirk. Als dann aber einige Leute mit kleineren Booten zu den großen Katamaranen gebracht werden müssen, weil die Wellen zu hoch sind, sieht die Lage schon ganz anders aus. Auch unser Boot, die „Olin“, muss mehrfach versuchen, an den Steg zu kommen. Beim dritten Versuch gelingt es und wir werden angetrieben, schnell ins Boot zu springen: „Go,go, go!!!“ Da fühlen wir uns fast wie bei der Marine 😄
Unser Kapitän heißt Rudi, Mutter Südafrikanerin, Vater aus NRW. Ein netter junger Typ mit Sinn für Humor. Wir sind nur zu acht auf dem Boot. Naja eigentlich zu sechst, denn die zwei Herren aus Südafrika sitzen die ganze Zeit auf dem Hochsitz (auf dem „Dach“) und trinken ein Bier nach dem anderen. Die feiern halt Ihre eigene Party. Auch nicht schlecht, dann haben wir mehr Platz 😄
Zu Anfang lockt Rudi Pelikane und Albatrosse an und füttert diese im Flug mit Fischen. Weiter geht die Fahrt zu den Auster-Farmen. Interessant ist es ja, essen möchte ich die Muscheln trotzdem nicht. Die nächste Attraktion lockt dann wieder ein „Oh, ist der Süß“ aus mir. Auf das Boot kommt Poppei, eine Robbe. Natürlich sind wir das erste Boot, auf das jemals eine Robbe gekommen ist. 😉 Wir finden es trotzdem toll, auch wenn es total Touri ist. Poppei verabschiedet sich dann schnell wieder. Wahrscheinlich wartet eine Dose Spinat auf Ihn 😄
Die zweite Robbe, „Spocky“ (wer denkt sich eigentlich diese Namen aus???), ist noch zutraulicher. Wir können sie sogar streicheln. Ich hätte sie auch gerne mit nach Hause genommen, aber der Rucksack ging nicht mehr zu. 🙂 Natürlich sehen wir auch jede Menge Delfine, 2 Pinguine und einen Mondfisch. Ein Highlight ist natürlich die Sichtung des Buckelwals. Die „Jagd“ der verschiedenen Touranbieter nach dem Wal hat dann schon etwas Komisches. 6 Boote fahren einem Wal hinterher und haben eigentlich keine Ahnung, wo er ist! 😄 Rudi hat seinen Job dabei Richtig gut gemacht. Wir sehen den Wal mehrfach!
Irgendwann müssen wir aber drehen und wieder Richtung Hafen fahren. Bevor wir anlegen, gibt es aber noch Sekt und Austern. Zum Glück gibt es noch genug andere Snacks, sonst müsste ich den Sekt auf leeren Magen trinken. Dann könnte der Weg vom Boot aber etwas schwieriger werden 😄 Dirk freut sich! Für Ihn gibt es genug Austern, denn der Zuspruch ist auch von den anderen Passagieren nicht wirklich groß.
Die Überredungskünste von Rudi und Dirk reichen dann aber, dass ich doch noch eine Auster probiere. Eine Zweite darf es dann auch noch sein: auf einem Bein steht sichs schlecht 😉 Ich stelle aber mal wieder fest: Austern, brauch ich nicht! Da auch Dirk keine 20 Austern essen kann, verschenkt Rudi unsere Reste an das zweite Boot von Mola-Mola. Wir hören die Passagiere schon von weiten. Das Boot ist mit einer deutschen Bus-Reisegruppe älterem Semesters (60+) besetzt. Die hatten eindeutig ein Gläschen zu viel 🙂
Hier Mondfische, Wale, Delfine, Robben und ganz seltene Fische unter Wasser:
Wieder in Swakopmund besorgen wir uns das Permit für den Namib Nakluft Park. Denn wir wollen die Strecke zur Rostock Ritz Lodge am Sonntag über die Mondlandschaft fahren. Wir reservieren auch gleich für heute Abend einen Tisch im Hansa Hotel. Dann geht es zum Shopen. Auf der Liste stehen Souvenirs. Ich entdecke dann auch in einem Geschäft eine Kleinigkeit für unser Wohnzimmer. Wie soll es anders sein: eine Holzgiraffe! 😄
Mit dem Kauf zögern wir noch ein wenig, steht doch mit dem Transport im Flugzeug eine Hürde vor uns. Die Verkäuferin versichert uns dann aber, dass es kein Problem gibt. Die Giraffe passt sogar problemlos ins Handgepäck 😄 Na dann! Also zücken wir das Portemonnaie. Gut verpackt tragen wir unser kleines Souvenir zur Unterkunft.
Wir sind aber nicht so schlimm wie bei Hummeldumm. Schließlich haben wir unsere Giraffe nicht am Flughafen gekauft. Nein, wir werden sie nur 3000 km durch Namibia fahren! 😄
Am Abend geht es dann fein zurechtgemacht ins Hansa Hotel. Hier wäre eine Reservierung nicht nötig gewesen, denn es sitzen nur ganz vereinzelt Leute im Restaurant. Dabei drücken wir den Altersdurchschnitt um gefühlte 50 Jahre. Das Ganze hat schon etwas von Seniorenheim. 😄 Und auch die Einrichtung erinnert mich an die Geburtstagsfeiern meiner Oma (76 Jahre). Rosen mit Schleierkraut, geschliffene Kristallgläser und Häkeldeckchen. Die meinen das mit Hansa Hotel anno 1905 ziemlich ernst 😄
Naja, macht ja nichts, solange das Essen gut ist! Wir bestellen beide Fisch. Dirk isst Scholle an Pilzrisotto und ich Steinbeißer an Tomatensugo. Als die Vorspeise kommt, greife ich nach meiner Serviette. Die ist so gestärkt, dass sie beim runterfallen in tausend Teile zerspringen würde. Mundabwischen fühlt sich an, als würde jemand mit Schmirgelpapier durch mein Gesicht fahren 😄
Ich ordere beim Restaurantleiter, der gerade an uns vorbei lief, eine neue Serviette und bekomme diese mit den Worten: „Oh, die knistert ja sogar“ 🙂 Er scheint aber der einzige neben uns im Saal zu sein, der Humor besitzt. Alle anderen Gäste maßregeln uns mit bösen Blicken. Wir haben trotzdem weiter unseren Spaß 🙂
Als dann auch noch eine Klavierspielerin beginnt zu klimpern, die es doch tatsächlich schafft in jedem Lied mindestens einen Fehler zu machen, gibt es für uns kein Halten mehr. Die gesamte Situation ist einfach zu komisch. Fehlt nur noch, dass Bismarck höchst persönlich durch die Tür geschritten kommt. 😄
Während der Klavier-Pausen läuft schöne Weihnachtsmusik. Zur Erinnerung: Heute ist der 07.01.2011. Schon wieder müssen wir uns wegschmeißen - es passt einfach alles!! 😛
Wenig später bekommen wir dann einfach die Rechnung hingelegt. Ein Rausschmiss!!! Nicht dass ihr glaubt, wir haben uns total daneben benommen. Wir haben uns in normaler Lautstärke unterhalten und „ab und zu“ gelacht. Aber das ist wohl nicht erwünscht 🙂 Hätten wir mal lieber wie die anderen Gäste griesgrämig in unser Essen geschaut. 😄
P.S.: Das Essen war aber hervorragend!!
Teil 1331. Jan. 2011
Samstag, 08.01.2011: Swakopmund
Um 8:00 Uhr soll es mit der Living Desert Tour (little five) von Chris losgehen. Wir freuen uns schon sehr, schließlich haben wir im Forum nur Gutes gelesen. Als um kurz vor acht der erste Wagen von Living Desert an uns vorbei fährt, wundern wir uns schon. In Namibia ist jemand überpünktlich, das kann doch gar nicht sein 🙂. Der Jeep fährt dann aber auch an uns vorbei. Wahrscheinlich werden erst die anderen Teilnehmer abgeholt. Als das Auto dann aber zum zweiten Mal an uns vorbeifährt, ohne von uns Notiz zu nehmen, werde ich unruhig. „Oh nein, die haben uns vergessen“ und dabei haben wir die Tour gestern erst rückbestätigt 😄
Erst als dann Chris mit 15 Minuten Verspätung und einem völlig andern Auto vor uns steht, fällt mir wieder ein, dass es ja zwei Anbieter mit fast dem gleichen Namen gibt 😄
Das Auto ist mit 8 Leuten voll besetzt. Wir sind eine lustige Runde. Chris nennt uns auch gleich „die Verbrechergruppe“. Da wäre die angehende Journalistin aus Australien mit einem (ganz wichtig - nicht ihrem) Freund Lukas dem Investmentberater, die Anwältin aus Johannesburg und ihrer kanadischen Cousine (Bänkerin). Dirk komplettiert die „Geldräuber-Gruppe“ als Versicherungsvertreter. 😄 Ingrid, Irmela und ich sind von berufswegen eher langweilig 🙂.
Eine Frage darf aber auch von Chris nicht fehlen: Seid ihr frisch verheiratet? – Nein, aber vielleicht sollten wir langsam drüber nachdenken 🙂
Jetzt geht es los, wir fahren in das Revier des Swakop River. Wir sind keine 5 Meter gefahren, da halten wir auch schon an. Chris erzählt uns die Geschichte von „Müsli, Milch und Gästehaus“. Es ist sehr spannend, lernt man die Wüste doch mit ganz anderen Augen zu sehen. Nach den ersten theoretischen Kenntnissen steigen wir in den Wagen, um nun in die Dünen zu fahren. Wir kommen aber nicht weit, nach nur 3 Metern springt Chris aus dem Wagen, rennt auf eine Düne, gräbt und hält uns einen Gecko entgegen. Allein diese Einlage von Chris ist schon faszinierend. 😄 Es ist schön, einen Menschen kennenzulernen, der seinen Job mit einer derartigen Begeisterung macht.
Dieses Spiel „Einsteigen, 3 Meter fahren, Aussteigen“ geht ca. 1 Stunde. So finden wir noch Spinnen, Tok-Tok-Käfer und eine Sandviper.
Erst danach schaffen wir es tatsächlich in die Dünen zu fahren. Dort geht die Erklärung auch gleich weiter. In einem Experiment zeigt uns Chris die Zusammensetzung der Dünen. Mit einem Magnet fährt er über den Sand. Tausende Eisenteilchen hängen daran. „Jetzt starten wir den Relaxtest.“ heißt es dann. Jeder bekommt den eisenhaltigen Sand auf den Arm. Derjenige, bei dem der Arm am meisten durch den Magneten nach unten gezogen wird, hat gewonnen. Chris meint dann gleich in die Runde:“ Ich glaube Mandy gewinnt, so entspannt wie sie im Wagen herumlümmelt.“ Was wollt ihr, ich bin im Urlaub 😄
Hinter der nächsten Düne wartet dann eine Überraschung, die Chris fast zu Tränen rührt. Es ist Stompy, ein Chamäleon ohne Hinterfüße. Er hat es zuletzt vor 2 Monaten gesehen und freut sich nun es wiedergefunden zu haben. Ich würde Stompy ja umbenennen. Brad Pitt passt irgendwie besser. Wenn man beobachtet, wie von allen hektisch ein Foto nach dem anderen geschossen wird, hat das ganze schon etwas von Star und Paparazzi 😄
Anschließend fahren wir auf eine hohe Düne. Hier können wir die Weite und Schönheit der Sandwüste so richtig genießen. Es ist traumhaft. Ich ziehe sofort die Schuhe aus und lass mir den Sand durch die Zehen rinnen. Juhu, wir sind in Afrika 🙂
Nach dem doch recht besinnlichen Aussichtspunkt geht es mit einer wilden Fahrt durch die Dünen weiter. Es ist wie Achterbahn fahren, nur besser. Für diesen Tag werde ich das Grinsen aus meinem Gesicht nicht mehr herausbekommen. Allen anderen geht es genauso.
Am frühen Nachmittag sind wir dann wieder in Swakopmund. Noch völlig übersättigt von den vielen Eindrücken, beschließen wir den Nachmittag ruhig anzugehen. Vorher reservieren wir aber für heute Abend noch einen Tisch im „The Grapevine“, eine Empfehlung der Unterkunft.
Zum Sonnenuntergang gehen wir dann an den Strand. Denn, man glaubt es kaum, heute gibt es keinen Nebel!!
Auf dem Weg zum Steg spricht uns dann Stev an. Natürlich will auch er uns wieder Makalani-Nüsse verkaufen. Ich überlege schon, ob ich unsere Nüsse nicht einfach an den Rucksack hänge 😄 Dirk ist ausnahmsweise nicht auf ihn reingefallen, wenn er sich auch fast schon wieder zu einem Gespräch hat hinreißen lassen. Er quatscht halt mit jedem gern! 🙂
Bis zum Sonnenuntergang können wir dann aber nicht am Strand bleiben, denn wir haben den Tisch bereits für 19:30 Uhr bestellt. Leider verlaufen wir uns auf dem Weg zum Restaurant. Das liegt wahrscheinlich an meiner ausgewachsenen Links-Rechts-Schwäche, unter der Dirk schon öfter zu leiden hatte. Eine Karte habe ich natürlich nicht dabei und den Straßennamen weiß ich erst recht nicht mehr. Ich habe mir nur den Weg von unserer Unterkunft gemerkt. Irgendwann finden wir das Restaurant dann doch – auf der rechten Straßenseite, aber sollte es nicht eigentlich links sein…. 😄
Das muss man auch erstmal schaffen: in Swakop verlaufen!!
Als wir „The Grapevine“ betreten, begeben wir uns schon wieder auf eine Zeitreise. Diesmal in die Goldenen Zwanziger. Die Atmosphäre ist hier aber deutlich lockerer als im Hansa Hotel. Uns gefällt es. Wir bestellen unser Essen und suchen unseren Wein an der Theke beim Weintesten aus. Plötzlich steht das Pärchen vom Flughafen neben uns. Auch sie hatten bei Avis kein Auto bekommen. Wir erfahren, dass sie ihr Auto nun bei einem anderen Anbieter gemietet haben, da Avis ihnen nicht helfen konnte oder wollte. Es entspannt sich eine interessante Unterhaltung und mittlerweile können wir sogar über unser Autoproblem lachen. Wenig später gesellt sich dann ein drittes Paar aus unserer Unterkunft zu uns. Es stellt sich heraus, dass auch sie bei Avis nicht den gebuchten 4x4 bekommen haben. Stellt sich die Frage: Wo sind die ganzen Autos? Auch sie sind dann zu einem anderen Anbieter gewechselt. Dirk und ich waren wohl die Einzigen, die so mutig oder naiv waren, darauf zu vertrauen, dass das Auto nachgeliefert wird 😄
Naja, es ist ja alles gut gegangen. Und so genießen wir einfach unseren Abend bei einer guten Flasche Wein und ganz hervorragendem Fisch!
The Grapewine ist sehr zu empfehlen!!
Fazit Swakopmund Guesthouse: Uns hat es gut gefallen. Die Lage ist gut, innerhalb von 5 Minuten ist alles zu Fuß zu erreichen. Zimmer sind schön eingerichtet und sauber. Das Frühstück ist sehr gut, so dass man ab und zu die Zeit vergisst. Zu betonen ist die Hilfsbereitschaft der Angestellten. So haben sie für uns alle von daheim getätigten Buchungen (Mola-Mola, Living Desert Tour) rückbestätigt.
P.S.: Unsere Meinung vom 1. Tag in Swakopmund müssen wir revidieren. Swakop ist eine tolle Stadt, bei all den Aktivitäten die man hier unternehmen kann. Daher würden wir sie immer wieder auf unserer Tour einplanen!!!
Der Plan ist Swakopmund heute zeitig zu verlassen. Die Tagesstrecke ist zwar mit 310 km nicht allzu weit. Die Straßenverhältnisse über die Mondlandschaft sollen aber katastrophal sein. Natürlich können wir auch direkt über die C14 Richtung Sesriem fahren. Die einzigartige Natur entlang der D1991 mit Mondlandschaft und Welwitschia, sowie der D1982 mit Wasserloch Hotsas und Ganab wollen wir uns aber nicht entgehen lassen. Beim Frühstück bleiben wir aber mal wieder kleben. Unsere Abendbekanntschaft aus Kalifornien erzählt über das Reiseziel USA.
So schaffen wir es erst gegen 10 Uhr auszuchecken. Tanken müssen wir natürlich auch noch schnell. Dabei stelle ich mal wieder fest, dass Tanken in Namibia ein echtes Erlebnis ist. Der Tank wird bis zum letzten Tropfen gefüllt. Dann noch ordentlich am Auto wackeln, es könnte ja noch was reinpassen. In meinem Kopfkino übertrage ich dieses Bild nach Deutschland. Ein echter Spaß. Ich beim volltanken unseres Smarts: Kräftig am Wagen wackeln, dabei aber aufpassen, dass man das Auto nicht versehentlich umschubst und immer daran denken jede Tankstelle mitzunehmen 😄
Natürlich verpassen wir die Straße zur Mondlandschaft die von der C28 abgeht. Ich war mal wieder zu langsam. So bleibt nur mein Lieblingsspruch: Bitte wenden!!!! Aber ich habe ja noch 10 Tage zum Üben. Irgendwann werden die Karte und ich schon noch Freunde 😄 Lange dauert unsere Fahrt dann aber nicht, denn heute muss ich ,typisch Frau, ständig auf Toilette. Da hilft nur eins: anhalten und hinters Auto! Das gute in Namibia, man sieht entgegenkommende Autos ja schon 10 Minuten bevor sie vorbeifahren. Genug Zeit also zum Pippi machen 😄
Die sogenannte Mondlandschaft ist ein nahezu vegetationsloses Gebiet, was uns das Gefühl vermittelt, dass wir auf einem fremden Planeten sind. Es ist so ganz anders, als wir Namibia bis jetzt kennengelernt haben. Aber das ist es ja auch, was uns an diesem Land so fasziniert. Auf kurzen Distanzen ändert sich die Landschaft immer wieder und dabei gleicht kein Ort dem Anderen.
Von der Mondlandschaft fahren wir die Abzweigung zur Riesen-Welwitschia. Uns reichen aber schon die kleineren Exemplare am Wegesrand. Also stoppen wir und schauen uns die Pflanze mal genauer an. „Aha“ denken wir uns. In diesem Punkt sind Dirk und ich wahrscheinlich Naturbanausen. Für uns sieht das Ganze halt sehr nach „Unkraut“ aus. 😄 Also sparen wir uns den Weg zur Riesen-Welwitschia und wenden. Der Weg ist heute ja auch weit genug.
Der Weg führt uns auch über die Blutkuppe. Ein Umweg der sich lohnt.
Die Straße entlang der Wasserlöcher Hotsas und Ganab ist schon toll. Wir können sogar einige Tiere sichten. Es sind die üblichen verdächtigen: Springbock, Oryx und Strauß 🙂. An den Wasserlöchern selbst, wie sollte es auch anders sein, ist nichts los. Nur die Überreste eines Zebras zeigen, dass es hier tatsächlich tierisches Leben gibt 😄 Vielleicht sollten wir langsam daraus lernen und keine Wasserlöcher mehr anfahren 🙂
Ganz zufällig erkennt Dirk am Straßenrand das Schild zum Kuiseb Canyon. Und da wir ja ständig jede Abzweigung fahren, begeben wir uns auch hier auf Erkundungstour. Die Fahrt hinauf zum Pass ist eine echte Tortur für meine Nerven. Ich muss ständig an unsere Reifen denken. Hoffentlich halten sie diese steinige und scharfkantige Auffahrt aus. Nach unserer ersten Panne bin ich ein wenig empfindlich, was Steine und Reifen angeht. Ist vielleicht eher ungünstig bei einer Tour durch Namibia 😄
Oben angekommen, bin dann auch ich wieder entspannt. Die grandiose Aussicht hilft einem aber auch dabei. Es wundert mich aber trotzdem, dass es für diesen Weg keine Allrad-Empfehlung gibt. In Namibia ist es doch üblich solche Wege mit Warn-Schildern zu versehen. Mit einem Polo hat man hier jedenfalls keine Chance heil hochzukommen 🙂
Die restliche Strecke auf der C14 verlangt Dirk einiges ab. Die Straßenverhältnisse sind katastrophal. Dagegen war die Fahrt durch die Mondlandschaft die reinste Entspannung. Auf dieser Straße ist volle Konzentration angesagt. Denn neben dem üblichen Wellblech gibt es hier riesige Löcher im Belag. Eine solche Fahrt macht keinen Spaß, da kann auch die landschaftlich schöne Fahrt durch den Ghaub Canyon nicht motivieren.
Nach 6 Stunden Fahrt erreichen wir endlich die Einfahrt zur Rostock Ritz Lodge. Wir sind beide erleichtert, war die heutige Etappe aber auch wirklich sehr anstrengend. An der Rezeption werden wir dann freundlich und mit Welcomedrink empfangen. Das tut gut! Wir beziehen dann schnell unser Zimmer und wollen auch gleich an den Pool. Dieser ist leider total überfüllt. Eine halbe Stunde vor uns hat nämlich eine Motorradgruppe eingecheckt. Pech gehabt 🙁 Bei dem Gedanken, dass die Fahrer diesen Weg auf nur 2 Rädern absolvieren mussten, habe ich dann aber Mitleid. Ihnen sei der Pool wirklich gegönnt.
So genießen wir eben den Ausblick von unserem Balkon. Dirk findet es so schön, dass er gleich einschläft. 🙂 Allzu viel Zeit bleibt ihm aber nicht, denn wir haben uns für den Naturdrive mit anschließendem Sundowner angemeldet. Es wird eine Privattour. Wir sind die einzigen Gäste, die mit John, unserem Guide, unterwegs sind. Wir fahren durch das erster Gatter, da meint John zu uns: „Schaut, da liegt ein Schlange!“ Ich kann sie aus meiner Perspektive leider nicht erkennen, bin aber froh im Jeep zu sitzen. Keine 5 Minuten später, am nächsten Tor, erzählt uns John, dass er hier letzte Woche beinah von einer Schlange gebissen worden wäre. Als Dirk dann auf die Frage von welchen Tieren die ganzen Löcher sind, die Antwort bekommt: „Feldmäuse und Schlangen“, ist es aus. Es fiel ein paar Mal zu oft das Wort Schlange. Wir hatten eigentlich vor, morgen früh eine Wanderung zu machen. Jetzt gibt es Plan B: AUSSCHLAFEN! 😄
Nach gut 2 ½ Stunden fahren wir zu unserem Platz für den Sundowner. Für uns gibt es Gin Tonic. John meint dann auch gleich: „Ich hab für euch die ganze Flasche Gin mitgenommen!“ Eigentlich wollten wir vom Sonnenuntergang auch etwas erleben 😄
Danach geht es gleich ins Restaurant. Von der Terrasse hat man einen tollen Blick auf einen unglaublichen Sternenhimmel. Neben einer Flasche Wein gibt es heute..
Vorspeise: Salat Hauptgang Dirk: Knoblauchsteak (wenn die Knoblauch sagen, dann meinen die Knoblauch 😄 ) Hauptgang Mandy: Oryx-Steak (300 Gramm Fleisch)
Wir platzen förmlich. Der Wein bekommt mir nach der anstrengenden Fahrt auch nicht wirklich. Ich verfalle in einen komatösen Zustand 😄 Im Bett angekommen, begebe ich mich sofort ins Traumland….
Fazit Rostock Ritz Lodge: Die Lodge ist schön und besticht durch ihre außergewöhnliche Lage. Allein um bei den derzeitig schlechten Straßenverhältnissen die Fahrtzeit nach Sesriem zu verkürzen, ist es super. Das Personal ist freundlich und alles sehr gepflegt. Trotzdem ist die Lodge für uns, im Vergleich zu allem bisher gesehenen, kein Highlight. Dass liegt wahrscheinlich daran, dass alles ein wenig eng gebaut ist.
Tageskilometer: 310
Teil 1503. Feb. 2011
Montag, 10.01.2011: Tagesziel Sossusvlei Lodge
Nach unserer plötzlich auftretenden Schlangenphobie können wir heute länger schlafen 🙂. Es ist vielleicht auch gar nicht so schlecht, keine Wanderung zu machen, denn so haben wir mehr Zeit beim Frühstück. John hatte uns nämlich gestern erzählt, dass die hier ansässigen Erdmännchen immer zum Frühstück erscheinen. Und ich, ihr werdet es ahnen, finde diese ja soooo süß 😄
Aber leider sehen wir kein einziges Erdmännchen. Die haben wohl auch Hummeldumm gelesen und fürchten, dass ich sie einstecke und als Souvenir mitnehme 😄 So bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere ganze Liebe den beiden Hunden von Kücki zu schenken. Die freut's 🙂
Nach dem Frühstück packen wir und starten unsere heutige Etappe. Uns graut es wieder auf die C14 zu fahren. Ab Solitär soll die Straße aber wieder besser werden. Genießen wir einfach die schöne Landschaft.
Natürlich halten auch wir in Solitaire zum Tanken. Für den legendären Apfelkuchen ist es aber noch zu früh. So geht es gleich weiter Richtung Sossusvlei Lodge.
Bereits gegen 13 Uhr erreichen wir die Lodge. Wir parken direkt neben einem weißen VW-Bus, der uns merkwürdig bekannt vorkommt 🙂.
Nach einer kurzen Einweisung werden wir zu unserem Bungalow/ Zelt gebracht. Uns gefällt es. Es ist schön eingerichtet und der Ausblick von der Terrasse ist einfach toll. Natürlich ist die Anlage mit 45 Einheiten ziemlich groß. Hier fällt es uns aber gar nicht so auf, da alles sehr auf Privatsphäre ausgelegt ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass jetzt zur Nebensaison die Lodge nur zur Hälfte (wenn überhaupt) belegt ist. Und die Lage direkt am Eingang zu den Dünen ist natürlich auch nicht zu verachten.
Da uns beiden der Magen knurrt, wollen wir eine Kleinigkeit zu Mittag essen. Einen Snack gibt es aber nicht, da die Lodge nur ein Mittagsbuffet anbietet. 110 NAD pro Person ist aber ein fairer Preis. Und so gönnen wir uns ein 3Gang Mittagessen 🙂. Das Essen ist jetzt nicht herausragend aber völlig ok.
Auf dem Weg zurück zum Zimmer hören wir auf einmal nach uns rufen. Die Stimmen kommen direkt aus dem Pool. Es sind die 2 Damen aus dem Weinheimer Vierergespann (Frans Indongo Lodge, Halali, Okaukuejo). Natürlich, der VW-Bus 😄 Es ist ein lustiges Wiedersehen. Die Damen geben uns noch einige Tipps für unseren morgigen Besuch im Sossusvlei. Unter anderem empfehlen sie uns die „Big Mama“ zu besteigen. Beinahe haben wir das Gefühl in Afrika ein paar Ersatzeltern gefunden zu haben, so liebevoll wird sich um uns bemüht 🙂.
Für uns steht ein entspannter Nachmittag auf der Terrasse an. Um die Raumtemperatur ein wenig angenehmer zu machen, schaltet Dirk auch gleich die Klimaanlage ein. Und was passiert? Nichts! Er probiert jede mögliche Kombination, aber es will einfach nicht funktionieren. Na, bloß gut, dass Dirk kein Bombenentschärfer geworden ist…. Ich nehme den blauen Draht, nein den grünen, nein den roten …. 😄
Am Ende bleibt ihm nur die Möglichkeit, an der Rezeption um Hilfe zu bitten. Die kommt auch prompt und 5 Minuten später sitzen wir in einem klimatisierten Zimmer! 🙂 (Ergänzung Dirk: Die Klimaanlage war tatsächlich defekt, ich hab alles richtig gemacht! 😄)
Der Nachmittag tröpfelt so vor sich hin. Wir verbringen ihn mit Wäsche waschen (Mandy) und Buch lesen (Dirk) - also total entspannt. Im Laufe des Nachmittags wird es immer windiger. Ein feiner Sandschleier verdeckt den Himmel. Schade, denn wir hatten uns schon richtig auf den Sonnenuntergang gefreut. Ist es für uns schon zu einem Ritual des Urlaubs geworden. Trotzdem suchen wir uns eine schöne Stelle und genießen bei Gin Tonic und Rock Shandy das, was vom Sonnenuntergang zu sehen ist.
Das Abendessen in der Sossusvlei Lodge ist auch in Buffetform gehalten. Beim Hauptgang kann man sich sein Essen aus frischen Zutaten selbst zusammenstellen und bekommt es direkt vor seiner Nase zubereitet. Dirk ist begeistert und nutzt die Gelegenheit, sich quere durch die namibische Wildlandschaft zu essen 😄 Recht hat er: das Essen ist top.
Wir verabschieden uns recht früh. Denn wir haben vor, morgen um 5 Uhr aufzustehen, um direkt bei Sonnenaufgang zum Sossusvlei zu fahren. Zumindest ist das der Plan…. 😄
Tageskilometer: 142
Teil 1603. Feb. 2011
Dienstag, 11.01.2011 Sossusvlei Lodge
Der Wecker klingelt tatsächlich um 5:00 Uhr. Dirk überredet mich aber den Wecker noch mal wegzudrücken. Ok, denke ich mir, es sind ja nur 5 Minuten. Zumindest geht der Handywecker bei mir nach 5 Minuten wieder an! Ich kann nicht weiterdösen, bin ich doch schon so gespannt auf den Tag. So wundere ich mich auch recht schnell über die doch recht langen 5 Minuten. Als Dirks Wecker dann zum zweiten mal klingelt, ist es dann auch schon 5:15 Uhr 😄 Das nennt man ausgetrickst. Dirk ist aber auch ein echter Morgenmuffel und 5 Uhr eine doch eher unangenehme Weckzeit.
Da wir nicht auf die Idee mit dem Frühstückskörbchen gekommen sind, sitzen wir also wirklich um 5:45 Uhr beim Frühstück. Ich kann mir gerade mal ein halbes Brötchen hinunterwürgen. Denn wo Dirk Probleme mit dem zeitigen aufstehen hat, bin ich ein „früh“Frühstücksmuffel 🙂.
Nur 20 Minuten nach Toröffnung, also um 6:20 Uhr, sitzen wir im Auto. Wir müssen noch unser Permit, einen Plan vom Sossusvlei und Wasser kaufen. Also rein in den Shop. Insgesamt kaufen wir 4 Liter kaltes Wasser und verstauen diese in unserer Kühltruhe. Soviel Wasser braucht man auch, denn es ist bereits jetzt ziemlich warm.
Wir sind erst Auto Nummer 7 was heute in den Park einfährt. Ein deutliches Zeichen der Nebensaison, steht man sonst um diese Zeit bereits Schlange, wie wir schon oft gelesen und gehört haben. Nach 20 Kilometern überkommt mich das Gefühl, irgendetwas vergessen zu haben. Na klar, der Plan vom Park 😄 Dann müssen wir die „Big Mama“ halt alleine finden – ein Problem, denn die Dünen sind alle „Big“ 🙂.
Den ersten Haltepunkt finden wir aber noch problemlos ohne Karte. Die Düne 45. Nun gilt es die Düne zu erklimmen. Ein echt anstrengendes Unterfangen. So fit wie wir dachten, sind wir nämlich nicht. Dirk meint dann auch zu mir: „Wenn du mich heute noch auf einer anderen Düne sehen willst, dann drehen wir jetzt um!“ Lange muss er mich darum nicht bitten 😄 Daher entscheiden wir uns nach 2/3 des Aufstiegs die Sicht zu genießen und schließlich umzukehren.
Die Fahrt geht dann weiter zum 2x4 Parkplatz. Wir machen dort erstmal eine kleine Toilettenpause und überlegen, ob wir selbst bis zum 4x4 Parkplatz fahren. Natürlich bin ich wieder der Schisser. Ich habe Bedenken, dass wir uns irgendwo festfahren und dann unter lautem Gelächter befreit werden müssen 🙂. Dirk ist aber davon überzeugt, dass es nicht dazu kommen wird. Nachdem ich erkenne, wie sehr er sich auf diese Fahrt freut, stimme ich ihm natürlich zu. Die Fahrt kann beginnen. Der Weg ist schon sehr abenteuerlich. Vor allem immer wieder zu schauen, welche der 100 Fahrrinnen denn nun die Richtige ist. Wir schaffen es dann aber ohne Probleme bis zum Parkplatz des Deathvlei. Dort angekommen halten wir nach der „Big Mama“ Ausschau. Wir drehen uns in alle Richtungen: ist es die Düne, oder die, oder die???? 🙂 Wahrscheinlich hat man uns unsere Ratlosigkeit ziemlich deutlich angesehen, denn wir werden sofort gefragt, ob man uns helfen kann. Natürlich!
So erfahren wir auch, dass wir noch ein kleines Stück weiterfahren müssen, um zum eigentlichen Sossusvlei und zur „Big Mama“ zu kommen. Um 8 Uhr stehen wir dann vor dem auserkorenen Ziel. Mit Blick nach oben stellen wir fest, dass es eine ziemliche Anstrengung werden wird, dort hoch zu laufen. Das Thermometer hat jetzt schon gut 30 °C erreicht. Da ich aber unbedingt die Düne hinunterrennen will, muss ich jetzt da hoch!
Also auf geht’s. Der Aufstieg geht dann aber einfacher als erwartet. Die Düne ist aber auch nicht ganz so steil wie die Düne 45. Außerdem wird die Zeit mit dem Versuch verkürzt, eine Eidechse à la Chris zu fangen. Der Versuch scheitert natürlich kläglich! Dirk findet es allerdings sehr lustig, wie ich so über den Dünenkamm stolpere 😄 Nebenbei findet er noch ein paar Dancing-White-Ladies (diese weißen Spinnen, zum Glück die Mini-Varianten) und lockt sie aus ihren Löchern.
Nach 20 Minuten haben wir es dann ganz nach oben geschafft. Noch schnell ein paar Beweisfotos geschossen, sonst glaubt uns ja niemand, dass wir hier hoch gelaufen sind. (vor allem Dirk nicht, denn neben früh Aufstehen, zählt auch Wandern nicht gerade zu seinen Hobbys 😄 ).
Dirk darf als erstes rennen. Vorher verpacken wir aber alle Wertsachen ordentlich im Rucksack. Denn hier einen Autoschlüssel zu suchen, ist schlimmer als die berüchtigte Nadel im Heuhaufen 😄 Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass hier der ein oder andere Schatz begraben ist 🙂. Dann läuft Dirk los. Mit riesigen Schritten rennt er die Düne hinunter. Was für ein Tempo. Ich hoffe, das geht auch langsamer, sonst sehe ich mich schon die ganze Düne hinunterkullern 🙂 Dirk hat den Auftrag, von mir Fotos zu schießen. Also warte ich, bis er wieder in mein Blickfeld kommt. Ich ziehe meine Schuhe aus (lasse aber die Strümpfe an) und renne los. Unter lautem (wirklich lautem) hihihhihihihihihihihi flitze ich die Düne herab. Zwischendurch verliere ich noch fast eine Socke, kann sie aber gerade noch festhalten (Zehakrobatik) 😄 Was für ein Spaß. Ich kann gar nicht mehr aufhören zu lachen. Meine Worte zu Dirk fallen daher auch recht klar aus: „Noch mal, noch mal!!!!“ Beim Gedanken, dass ich dann denselben Weg auch noch mal hoch laufen muss, verzichte ich aber auf eine zweite Tour. 🙂
Als nächstes steht der Besuch des Deathvlei an. Mittlerweile ist es 10 Uhr und wir haben die 40 °C Marke bereits geknackt. Mit genügend Wasser (wir haben immer 2 Trinkflaschen dabei, die wir ständig auffüllen) ist es aber noch ganz gut auszuhalten. Man sollte allerdings nicht vergessen Socken zu tragen, der Sand ist nämlich brutal heiß – Autsch 🙂.
Wir laufen also los. Und fragen uns so langsam, wo dieses „verdammte“ Vlei ist. Der Weg zieht sich nämlich ganz schön. Erst als man den nächsten Hügel erklommen hat, sieht man es vor sich. Der lange Weg lohnt sich aber in jedem Fall. Ein sehr magischer Ort breitet sich vor uns aus.
Als wir wieder das Auto erreichen ist es bereits 12 Uhr. Unser Weg führt uns Richtung Parkausgang mit einem Umweg über den Sesriem Canyon. Es überrascht uns aber, wie viele Autos uns auf dem Rückweg entgegenkommen. Bei den jetzigen Temperaturen möchte ich nicht mehr in den Dünen rumlaufen. Es ist einfach zu warm, um noch richtig Spaß zu haben. Heute ist auch kein schattenspendendes Wölkchen am Himmel.
Uns ist aber auch aufgefallen, dass viele Leute vom 2x4 Parkplatz zum Sossusvlei laufen. Die meisten haben es aber noch nicht mal bis zum Deathvlei geschafft, sondern sind vorher umgekehrt. Zu dieser Jahreszeit ist Laufen in der Mittagszeit keine gute Idee. Es ist zu warm. Unser Tipp: Nimm einfach ein paar NAD in die Hand und nutze den Shuttle Service. Dann hat man wenigstens noch was von den Dünen!
Der Sesriem Canyon ist dann klein aber fein. Wer etwas Spektakuläres erwartet, sollte sich den Weg aber sparen. Uns gefällt der kleine Umweg!
Wieder in der Lodge angekommen gönnen wir uns wieder das „kleine“ Mittagessen. Der Blick vom Restaurant ist ja auch sehr schön, deshalb kann man nebenbei total relaxen. Mit der Entspannung ist es allerdings vorbei, als eine italienische Großfamilie Einzug hält. Alles dreht sich um Mama (70 Jahre), die es wirklich drauf hat, ihre Kinder und Enkelkinder herumzukommandieren. Wir flüchten und hoffen, dass sie nicht in der Lodge eingecheckt haben 🙂
Den Nachmittag verbringen wir analog zu gestern entspannt auf der Terrasse. Und auch heute zieht gegen Abend ein Wind auf, der einen störungsfreien Blick auf den Sonnenuntergang verhindert. Das Dinner verläuft entspannt, denn die italienische Großfamilie taucht nicht auf.
Fazit Sossusvlei Lodge: Schöne Unterkunft, die trotz ihrer Größe viel Freiraum bietet. Die Lage ist optimal, um die Tour zum Sossusvlei in aller Früh zu beginnen. Das Essen ist top, die Anlage sehr gepflegt und das Personal sehr freundlich. Natürlich ist es Typsache, eine so große Lodge zu besuchen. Wir würden aber, im Gegensatz zur Kempinski Lodge mit ähnlichen Ausmaßen, immer wieder kommen.
Teil 1704. Feb. 2011
Wir waren übrigens heute Abend bei unserer Agentur und haben nochmal über das Avis-Problem gesprochen. Schließlich durften wir in den ersten drei Tagen Polo statt Hilux fahren - aber Hilux bezahlen.
Die Agentur kümmert sich darum, dass wir die zu viel bezahlten Kosten zurück erhalten (+ X als Entschädigung) und dass der Reifen, den wir in Swakop kaufen mussten, schnell erstattet wird.
--> Wir müssen uns um nichts kümmern, die Agentur ist servicestark und nimmt es sich zur Aufgabe, die Angelegenheit zu unserer Zufriedenheit zu klären. Freut uns natürlich, wenn wir es auch so erwartet haben.
(Nebenbei haben wir schon über die nächste Reise gesprochen 😄 - die werden wir zumindest größtenteils auch wieder über sie buchen. Super Konditionen und im Fall der Fälle eine Ansprechpartnerin, die sich um alles kümmert.)
Schönen Abend zusammen!
LG, Dirk
Teil 1809. Feb. 2011
Mittwoch 12.01.2011, Tagesziel Koiimasis
Heute geht unsere Tour in die Tiras Berge. Ziel ist die Ranch Koiimasis. Da wir nur 250 Kilometer zu fahren brauchen, lassen wir uns mit dem Frühstück Zeit.
Im Auto bereite ich natürlich, wie jeden Tag, alles generalstabsmäßig für die Fahrt vor. Trinkflaschen gefüllt mit kaltem Wasser in die Kühlbox, Ferngläser griffbereit auf die Rückbank, Kamera in die Mittelkonsole und Karte auf den Schoß. Es kann losgehen.
Kurz hinter Sesriem fällt uns das Hotel „Le Mirage“ auf. (Kennt das jemand?) Es sieht aus wie eine Burg. Da wir diese Gestaltung mitten in der Wüste sehr lustig finden, mache ich ein Foto….
Und dann springt es mir in grünen Lettern entgegen: Akku leer! Neeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnn! Der Albtraum eines jeden Nambia-Reisenden. Als ob es nicht schon schlimm genug wäre, geht die Strecke heute über die D707, die Traumroute Namibias. Katastrophe. Ich mache die Kamera schnell aus, um noch ein paar Energiereste zu sparen. So können wir vielleicht noch 2-3 Fotos machen. Könnte ja sein, dass heute die Big Five über die Straße rennt 😄
(Die kläglichen Reste reichen tatsächlich noch für 2 Bilder)
Die Strecke D707 ist wirklich sehr schön. Rote Sanddünen schmiegen sich an dunkle Berge, gefolgt von weiten Ebenen, die mit einem zarten grün überzogen sind. Landschaftlich ist es sehr abwechslungsreich und spannend. Auch hier sieht man eine Menge Tiere. Wer die Möglichkeit hat, diese Route zu fahren, sollte es unbedingt machen.
Auf der Ranch angekommen, sind wir von der Weite fasziniert. Für Pferdeliebhaber ist es ein echter Traum. So stehen entlang des Weges zur Lodge unzählige Pferde mit Fohlen.
Die gesamt Anlage ist toll. Alles ist in die Landschaft integriert. Es gibt nur 4 Bungalows. Die Tatsache, dass wir die einzigen Gäste sind, verstärkt das Gefühl der Einsamkeit (positiv) noch mehr. Die erste Amtshandlung besteht natürlich darin, den Akku der Kamera wieder aufzuladen.
Von der Ranch aus wird ein Nightdrive angeboten, den wir uns nicht entgehen lassen wollen. Wir wissen zwar nicht, was uns erwartet, freuen uns aber Namibia auch bei Nacht zu erleben. Den Nachmittag verbringen wir im und am Pool. Es ist herrlich einfach mal nur zu relaxen.
Auf zum Abendessen: Im Restaurant suchen wir unseren Tisch. Sollte ja eigentlich nicht so schwer sein, sind wir ja die einzigen Gäste. Wir sehen allerdings nur einen Tisch für drei Personen. Sehr seltsam – gibt es in Namibia etwa einen Brauch von dem wir noch nichts wissen???? Oder ist uns gar meine Oma hinterher gereist? Denn es riecht verdächtig nach ihrem (Rot- bzw.) Blaukraut! 😄 Wir witzeln weiter vor uns hin, werden aber schnell aufgeklärt, dass noch ein weiterer Gast erwartet wird. Macht Sinn, warum sollte der arme Mensch auch alleine sitzen 😄
Dann kommt Wulff, der Besitzer der Ranch und umliegenden Farmen. Er ist der fehlende „Gast“ - eine schöne Bezeichnung 🙂 Wir unterhalten uns sehr nett und erfahren wieder mehr über Namibia.
Das heutige Menü:
Vorspeise: Kürbissuppe Hauptspeise: Springbock-Steak und Lamm mit Rotkraut und Kartoffeln Nachspeise: eingelegtes Obst
Um 20:45 Uhr werden wir von Anke, der Farmbesitzerin, abgeholt. Wir nehmen vorne in der Fahrerkabine platz, so dass wir alles gut verstehen können. Tommy, Ankes Sohn, steht auf der Ladefläche des Jeeps und leuchtet für uns die Umgebung aus. Unsere Erwartung ist eigentlich nicht so hoch, da wir uns nicht vorstellen können, dass viel zu sehen ist.
Wir fahren noch nicht weit, da stoppt das Auto. Direkt vor uns auf der Straße sitzt ein Schreigecko. Anke „fängt“ ihn für uns ein. Wobei fangen wohl etwas übertrieben ist. Der Kleine ist so vollgefuttert, dass er sich noch nicht mal mehr bewegen kann. Da fällt, auf die Frage nach einem Namen, die Wahl nicht schwer: BERND. Angelehnt an meinen Papa, der auch gerne mal soviel isst, dass jedes bewegen schwer fällt 😄 (Sorry Papa!!!) Bernd wird natürlich schnell wieder laufen gelassen und es wird penibel darauf geachtet, dass ihm nix passiert.
Kurz darauf leuchtet Tommy eine Falbkatze an. Sie bleibt tatsächlich auf einem Felsvorsprung stehen und lässt sich von uns beobachten. Niedlich, wie sie sich immer wieder vor ihrem eigenen Schatten erschrickt.
Die Fahrt geht im Schritttempo weiter über das Farmland. Wir sehen Hasen, einen Uhu, Streifeniltis (kleine Stinktiere), Steinböcke und Klippspringer sowie einen Kapfuchs. Eine Walzenspinne die ich als groß betitele (Handgroß), wird als Medium abgetan. Dann sehen wir noch eine Löffelhund-Familie. Die Kleinen suchen mit nach unten gestellten Ohren nach Futter. Ich finde sie so putzig, dass ich sie am liebsten mitnehmen würde.
Anke hält auch an einem 25 Jahre alten Werbervogelnest. Wir dürfen aussteigen und das Nest von unten beobachten. Dabei zeigt sich, dass wir perfekt vorbereitete Reisende sind. Ankes Taschenlampe gibt nämlich den Geist auf und wir können sofort mit einer Ersatzlampe aushelfen 😄 Es ist schon interessant zu beobachten, wie die Vögel ihre Köpfe aus dem Nest stecken. Wir werden aber ausdrücklich gewarnt, diese Beobachtung Tagsüber zu unterlassen. Die Gefahr, dass statt Vögeln eine Schlange aus dem Nest schaut, ist einfach zu groß. Ich möchte mir nicht vorstellen, was dann passiert. Obwohl die Verlockung sich ein solch imposantes Nest genauer anzuschauen schon groß ist. Wahrscheinlich auch für andere Touristen.
Denn gesuchten Leoparden finden wir leider nicht. Die Gewissheit, dass er in der Nähe ist, ist aber groß. Er hatte vor kurzem ein kleines Fohlen auf der Farm gerissen. Da wir aber bereits Leoparden gesehen haben, ist die Enttäuschung nicht so groß. Wir erfreuen uns einfach an allen Tieren. Sind unsere Erwartung ja bereits mehr als übertroffen.
Mein Fazit: In der Nacht sind alle Tiere niedlich 😄
Nach einer ausführlichen Sternenkunde machen wir uns auf den Weg zu unserem Bungalow. Davor grasen gerade ein paar Klippspringer. Wir genießen dieses Bild und machen es uns noch mal auf der Terrasse gemütlich. (Tipp: vor dem Nightdrive eine Flasche Wein aufs Zimmer bestellen, sonst gibt es wie bei uns nur Tee 🙂 ) Wir gehen heute mit der Gewissheit ins Bett, dass man in Namibia auch in der Nacht nie allein ist 🙂
Fazit Ranch Koiimasis: Ein traumhafter Platz, wo man sich ganz allein fühlt. Entspannung pur. Es ist das erste Mal bei dieser Reise, dass wir uns ärgern, bereits vorab alle Unterkünfte gebucht haben. Ansonsten wären wir nämlich sehr gern noch eine zweite Nacht auf Koiimasis geblieben. Ein absolutes Muss: der Nightdrive.!
Tageskilometer: 242
Teil 1911. Feb. 2011
Donnerstag, 13.01.2011: Tagesziel Klein-Aus-Vista
Heute fällt es uns schwer Abschied zu nehmen. Wir genießen das schöne Frühstück und zögern die Abfahrt etwas hinaus. Doch 10:30 Uhr heißt es dann wieder: Packen, wir fahren!
Die Fahrt geht weiter über die D707. Diesmal können wir sogar Fotos machen, denn die Kamera liegt mit voll aufgeladenem Akku vor mir. 😄 Landschaftlich hat die Strecke einiges zu bieten. Wir können es noch umso mehr genießen, da wir heute das Gefühl haben, ganz allein in Namibia zu sein. Auf der ganzen Fahrt werden uns nur 3 Autos begegnen.
Am späten Mittag erreichen wir Klein-Aus-Vista. Nachdem uns die Anlage erklärt wurde, wir wieder unseren Welcome-Drink runter gestürzt haben, erhalten wir den Schlüssen zu unserem Bungalow: The Rock! Die 7 km bis zum Eagles Nest sind schön zu fahren. Ganz im Gegensatz zur Auffahrt zu The Rock. Dirk nennt sie liebevoll: die Auffahrt der Grauens! 😄 Ohne 4x4 kommt man tatsächlich kaum zum Parkplatz vor dem Haus. Sie ist so steil und eng, dass sie nur in kleiner Übersetzung zu fahren ist. Wir erkennen auch einige Scherben von Rücklichtern und Scheinwerfern. Unser Tipp: Wer mit 2x4 unterwegs ist, sollte sich die Auffahrt lieber sparen!
Als das geschafft ist, widmen wir uns unserer Oase der Entspannung. The Rock ist wirklich einzigartig. Es ist mit viel Charme eingerichtet. Alles passt. Und wenn wir Lust haben, können wir uns total betrinken. Denn der Kühlschrank ist so voll, da könnten wir glatt alle Hochzeitsgäste verköstigen 😄
Gegen 16:00 Uhr entschließen wir uns, eine kleine Wanderung zu unternehmen. Empfohlen wurde uns der Mountain Trail. Mit 4 km und 2 Stunden angegeben ist er auch nicht zu anstrengend. Tatsächlich sind wir nur 1 ½ Stunden unterwegs, laufen dafür aber ca. 5 km. Das war halt wieder eine afrikanische Zeitangabe 😄
Nach der doch recht anstrengenden Spaziergang-Wanderung erholen wir uns auf der Terrasse. Dirk gönnt sich ein kurzes Nickerchen (ob das bequem war?!) und ich lese. Beim Durchlesen des Gästebuchs fällt mir auf, dass immer wieder von einer Tränke für Tiere gesprochen wird. Und von Keksen. Die meinen doch tatsächlich die Kekse, die Dirk vorhin noch so genüsslich gegessen hat!! 😄 Wacht er überhaupt wieder auf?? Oder haben ihm die Kekse, die offensichtlich für „andere“ Besucher gedacht sind, den Rest gegeben? 😄
Natürlich wollen auch wir unsere Terrasse mit tierischem Leben erfüllen. Also begeben wir uns auf die Suche nach der Tränke. Wir finden sie auch. Leider müssen wir feststellen, dass ein früherer Gast die Tränke als Mülleimer für seine Bierflasche verwendet hat 🙁 Eine große Sauerei. Die Stelle ist auch noch so ungünstig zu erreichen, dass wir sie nicht reinigen können, ohne uns in Lebensgefahr zu bringen.
Wir sind aber kreativ und eröffnen einfach einen neuen Imbiss. Heute auf der Speisekarte: Wasser und Kekse – wie lecker 😄 Der erste Gast lässt auch nicht lange auf sich warten. Es ist:
Der anschließende Sonnenuntergang ist gigantisch, wenn es auch recht trüb ist.
Wir haben uns entschieden, unserer Essen heute im 7 km entfernten Restaurant einzunehmen. Unser Plan: heute verwöhnen lassen und morgen selbst grillen. Als wir am Restaurant ankommen, wirkt es schon recht dunkel. Liegt wohl daran, dass wir die einzigen Gäste sind – sind wir ja schon gewöhnt. Wir bekommen schon ein schlechtes Gewissen. Die armen mussten nur für uns kochen.
Das Essen ist hervorragend. Heute gibt es:
Vorspeise: Geräuchertes Oryx mit Melone Hauptspeise: Schwein süß sauer (2 Scheiben) + eine Art Tafelspitz (3 Scheiben) + Möhren + Kartoffelpüree Nachspeise: Paw-Paw Mousse
Wie immer gehört ein Fläschchen Weißwein dazu.
Auffällig ist die Größe der Portionen. Es scheint fast so, als wollten sie Ihre Gäste mästen. 😄 Tatsächlich gibt es in den meisten Unterkünften den Hauptgang als Buffet. Nur eben nicht, wenn man nur zu zweit ist. Dann wird das Essen direkt am Tisch serviert, aber eben ALLES, was es auch als Buffet gegeben hätte. Aber wie heißt es auf Nachfrage immer: Ihr müsst essen, Ihr seid ja im Urlaub! 😄
Hier wird Dirk auch erstmals mit dem strengen Rauchverbot in Namibia konfrontiert. Es darf neuerdings nicht mal mehr auf der Terrasse des Restaurants geraucht werden. Für Dirk kein Problem, er kann ja auch ganz nach draußen gehen. Dass die Regelung dann doch nicht ganz so ernst genommen wird, merken wir aber schnell. Er bekommen einen Aschenbecher hingestellt, ganz nach dem Motto: Keiner sieht, dass hier geraucht wird! Es ist halt ein Privileg die einzigen Gäste zu sein! 😄
Bei der Rückfahrt nach Eagles Nest versuchen wir das gestern Gelernte (Nightdrive) anzuwenden. Deshalb fahren wir auch in Schrittgeschwindigkeit. Ok, der zweite Grund könnte sein, dass Dirk ca. ¾ der Weinflasche getrunken hat und bestimmt nicht mehr fahren dürfte. Es ist leider nicht vielmehr zu sehen als eine Walzenspinne und ein Hase...
Tageskilometer: 174 + ca. 5 zu Fuß
Teil 2011. Feb. 2011
Freitag, 14.01.2011: Ausflug zur Kolmanskuppe
Heute wollen wir die ehemalige Diamanten- und jetzige Geisterstadt Kolmanskuppe besuchen. Schon beim Frühstück werden wir gewarnt, dass die Fahrt ein wenig stürmisch werden kann. Ein Mitarbeiter erzählt uns, dass sie gestern zwei unfreiwillige Gäste hatten, die eigentlich nach Lüderitz wollten. Sie mussten umdrehen, weil ein heftiger Sandsturm das Weiterfahren unmöglich machte. Das Zauberwort heißt Passatwind 😄
Unsere Fahrt beginnt ruhig und auf der Strecke Nähe Garub sehen wir schon die ersten Wildpferde direkt am Straßenrand. Sie werden aber vorerst vernachlässigt. Zum Einen sind wir wieder spät dran, denn wir müssen bereits 11:00 Uhr in Kolmanskuppe sein, um die Führung mitzumachen. Zum Anderen wollen wir uns die Wildpferde eh auf dem Rückweg genauer anschauen.
So 40 km vor Lüderitz verstehen wir die morgendliche Warnung. Es zieht ein heftiger Wind auf, der immer wieder Sand aufwirbelt und über die Straße peitscht. Es ist aber nicht so schlimm, dass wir nicht weiterfahren könnten.
Um viertel vor 11 Uhr erreichen wir die Einfahrt zur Kolmanskuppe. Wir müssen noch am Eingang warten, da vor uns ein Fahrer, so scheint es, in längere Preisverhandlungen eingestiegen ist. Als wir an der Reihe sind, macht Dirk das Fenster auf seiner Seite ganz auf. Großer Fehler 😄 Denn innerhalb von 30 Sekunden ist das Auto voller Sand. Und die Jungs lassen sich noch richtig Zeit beim Kennzeichen notieren, so dass Dirk zu einem ordentlichen Gesichts-Peeling kommt. 😄 Er braucht sich aber nicht ärgern. In Deutschland geben Frauen dafür viel Geld aus und er bekommt das Ganze sogar kostenlos! 😄 (Anmerkung Dirk: Ha ha. Sehr lustig.)
Wir erhalten so aber schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf die Führung. Denn in kurzen Hosen durch so einen „Sandsturm“ zu laufen, macht wirklich keinen Spaß. Zu Beginn der Tour werden wir aber noch geschont, denn der Start ist drinnen im ehemaligen Casino. Unsere kleine Gruppe (7 Personen) bekommt von unserem Guide, nachdem er einen kritischen Blick auf unsere Schuhe geworfen hat, erst mal eine Warnung. Alle mit Flip-Flops sollen doch besonders vorsichtig sein und immer aufpassen wo sie hintreten. In der vorherigen Woche gab es nämlich gleich zwei unschöne Zwischenfälle mit Schlangen. Dirk und ich tragen zwar Turnschuhe, ob uns die bei einem Schlangenbiss mehr schützen, wagen wir aber zu bezweifeln. Aber da wir in diesem Urlaub schon genug Schlangen gesehen haben, sind wir eh darauf bedacht, zu schauen wo wir hintreten.
Nach der kleinen Belehrung geht es dann los. Unser Guide, ein Mann an die 70 Jahre, erzählt viel Interessantes und schafft es, uns immer wieder zum Lachen zu bringen. An Schautafeln erklärt er uns das Leben in der Stadt. So haben wir noch 30 Minuten Schonfrist, bevor wir wieder in die Sandhölle müssen. 😄
Schon beim Öffnen der Tür merken wir, dass der Sturm noch an Stärke zugenommen hat. Die Tür wird einem förmlich aus der Hand gerissen. Das heißt auch, dass die Kamera genauso schnell wie sie ausgepackt war, wieder im Rucksack verschwindet. Wir haben ja schließlich noch 5 Tage in Namibia und wollen auch noch ein paar Bilder machen... 😄 Oder hat schonmal jemand gehört, dass ein Peeling auch für Kameras gut ist?!
Der Weg zum Haus des Architekten ist nicht weit, aber schon jetzt vergeht einem die Lust nach einem Spaziergang. Der Sand sticht auf der Haut wie tausend Nadelstiche. Der Guide hat Mitleid (er trägt ja auch eine lange Hose) und so bewegen wir uns nur im Windschatten der Häuser und suchen immer wieder im Inneren Unterschlupf. Nichts desto trotz ist die Führung sehr spannend. Außerdem fühlt man sich durch das Wetter erst recht wie in einer Geisterstadt. Teilweise ist es richtig unheimlich.
Nach der Führung erkunden wir das Gelände noch auf eigenem Weg. Wenigstens in den alten Häusern kann man Fotos machen und die Stimmung einfangen. Nach einer halben Stunde geben wir aber auf. Genug Peeling für heute! 😄
Anschließend machen wir noch eine „Stadtrundfahrt“ durch Lüderitz. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn ich habe keine Lust, bei diesem Wetter durch die Stadt zu laufen. Deswegen sind wir ziemlich schnell auf dem Rückweg zu den Wildpferden.
Am offiziellen Aussichtspunkt ist von der Pferden nichts zu sehen. Dort wird aber gerade kräftig gebaut (zumindest sieht es nach Baustelle aus, gearbeitet wird gerade nicht). Wir vermuten, dass ein neuer Beobachtungsposten für Touristen gebaut werden soll. Fertigstellung: März 2025 😛
So fahren wir weiter. Unsere Pferde sehen wir aber trotzdem noch. Sie stehen nicht unweit von heute Morgen wieder direkt an der Straße. So kann ich auch in aller Ruhe Fotos machen. Beobachten können wir sie leider nicht, da es keine Möglichkeit gibt, neben der Straße stehen zu bleiben. Aber gesehen ist gesehen 🙂
Den Nachmittag verbringen wir wieder in der Sonne auf der Terrasse. Wir lassen einfach die Seele baumeln und beobachten unsere Besucher.
Wir warten den Sonnenaufgang ab und fahren wieder zum Restaurant. Denn wir hatten uns doch Entschieden, auch heute im Restaurant zu essen. Es war gestern einfach zu gut und wir sind im Urlaub doch echt ein wenig faul geworden und lassen uns gerne rundum verwöhnen! 😄 Dafür haben wir uns aber entschieden, unser Frühstück morgen direkt in The Rock zu genießen.
Im Restaurant zeigt sich heute ein ganz anderes Bild. Alle Tische sind belegt!! Trotzdem sind Essen und Stimmung wieder hervorragend.
Heute gibt es:
Vorspeise: Geräucherter Lachs Hauptgang: Oryx-Gulasch mit Reis und Brokkoli Nachspeise: Pudding
Wir schnappen uns noch unser Frühstück und machen uns auf den Rückweg. Nach einem kurzen Zwischenstopp auf der Terrasse liegen wir gut gepeelt im Bett.
Tageskilometer: 287
Fazit Eagles Nest: The Rock ist der Hammer, was vermutlich auch für die anderen Bungalows gilt. Da wir aber keine Lust auf Selbstversorgung hatten, wäre es für uns schöner gewesen, näher am Haupthaus zu sein. Schuld sind die vorherigen Unterkünfte, die uns mit fantastischem Essen verwöhnt haben – da will man gar nicht mehr selbst kochen. Wir empfehlen es uneingeschränkt, würden aber vor allem aufgrund der Lage von Klein-Aus-Vista nicht noch einmal dorthin fahren. Einmal sollte man unbedingt dort gewesen sein, uns reizt es nicht für ein zweites Mal.