jawThemenstarter2'048 Beiträge · seit 200701. Juli 2009 · #1Hallo!
Eigentlich hatte ich vor auf die
Urlaub in Namibia-Frage zu antworten, hatte aber doch Bedenken das Thema so zu verändern. Deswegen eröffne ich einen neuen Thread und würde sowohl Touris als auch in Namibia wohnende zur Diskussion auffordern:
Meine erste Reise nach Namibia und Botswana war 1981. Damals habe ich mich in ein Land verliebt, in die Farben, die Landschaften, die Tierwelt aber auch die Menschen. Damals war vom heutigen Massentourismus noch keine Spur vorhanden, die Kontakte waren viel persönlicher und die Unterkünfte privater und familiärer als heute die meisten Angebote sind.
Es war aber ein Land, das von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt war, die Fahrt Richtung Caprivi wurde uns wegen militärischer Vorbereitungen untersagt. Ich habe damals fast ausschließlich Kontakte zu Deutsch-Südwestern gehabt, habe auf Farmen gewohnt und dort an dem Familientisch gegessen. Oder ich habe in der freien Natur übernachtet. Nur in der Etosha war eine eher kommerzielle Struktur spürbar.
Seither begleitet mein Interesse dieses Land, raus aus der Verwaltung durch Südafrika, die viele meiner Bekannten als große Belastung empfunden haben. Hinein in eine Unabhängigkeit, vor der viele noch mehr Angst hatten.
Vieles hat sich seither verändert. Geblieben ist das Land, die Farben, die Landschaften, die Tierwelt aber nur noch teilweise die Menschen. Ich komme heute auch auf sog. Gästefarmen, die durch wirtschaftliche Notwendigkeit oder in der Erwartung eine Enteignung besser abwenden zu können auch Gäste aufnehmen, jedoch oft ohne Gastgeber sein zu wollen. Ich erlebe viel Distanz zwischen den Menschen und viel Geschäftigkeit, die mehr auf meine Geldzahlungen als auf mein Wohlbefinden ausgerichtet sind. Ich finde aber auch immer wieder echte Gastgeber, wo ich willkommen bin, wo ich an ihrem Leben teilhaben darf - ungeschminkt und ehrlich wie es ist. Das führt mich immer wieder nach Namibia, aber es ist schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr.
Und ich erlebe viel mehr Unsicherheit und Angst. Damit meine ich nicht die Angst vor Überfällen oder Anschlägen (auch beim ersten Besuch waren alle Farmen mit Jagdwaffen, aber auch mit Verteidigungswaffen ausgestattet). Angst erlebe ich vor der Zukunft, vor den weiteren Entwicklungen und der politischen Stabilität. Ich finde immer mehr Sicherungsanlagen. Waren das in den 80er hohe Zäune und vergitterte Fenster (die auch vor Brandanschlägen schützen sollten) so ist es heute eine Sicherung des Eigentums, zumeist begrenzt auf das eigentliche Farmgebäude und bei spürbarer Resignation gegenüber Wilderei und Viehdiebstahl.
Parallel zu Aufrüstung der einheimischen Bevölkerung werden Touristen zu einer relativ leichten Beute. Angesichts der Unterschiede in Einkommen und Verdienstmöglichkeiten bin ich relativ pessimistisch, dass Namibia hier nicht langfristig Südafrika nachfolgen wird. Allerdings hat Namibia auf Grund der überschaubaren Bevölkerung viel bessere Chancen für bessere Lösungen. Schlüssel dafür wäre die Bildung. Aber hier ist das größte Risiko, da es gerade die ausgebildeten jungen Menschen sind, die sich mit HIV infizieren und dadurch dem Land die Generation unter den Händen wegstirbt, die eigentlich das Land entwickeln und voranbringen müßte.
Die Lücke wird zunehmend gerade im Bereich Tourismus durch weiße Zuwanderer gefüllt, die das notwendige Kapital mitbringen und die Anforderungen der Pauschal- und Luxustouristen befriedigen können. In interessanten Bereiche fehlen einheimische Investoren völlig, weil sie entweder nicht über die Mittel verfügen oder ihre Reserven lieber in Europa oder sonstwo in der Welt anlegen, solange sie nicht an eine Zukunft in Namibia glauben.
Es ist manchmal irritierend, wie positiv und schwärmerisch Touristen das Land im Urlaub erleben, solange sie persönlich keine schlechten Erfahrungen mit Kriminalität oder Infrastruktur machen, während einheimische Weiße oft ganz gegenteilige Äußerungen machen. Viele Weiße leben inzwischen in erheblichen Umfang vom Tourismus. Ich habe aber auch den Eindruck, dass sich die Beteiligung der schwarzen Bevölkerung in diesem Sektor in Grenzen hält.
Ist Namibia noch das Paradies, in das ich mich einmal verliebt habe? Oder ist es nur noch ein Paradies für Touristen mit einer begrenzten Aufenthaltsdauer und gebuchtem Rückflug?
Ich freue mich auf Eure Beiträge.
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
ANNICK8'054 Beiträge · seit 200801. Juli 2009 · #2Hallo Jaw,
Ja ich bin es! Jemand muss ja anfangen!
Du schilderst die Aenderung mit der Zeit von Namibia. Aber ist das nicht ebenso der Fall in andere Länder? Meine erste grosse Reise war vor 32 Jahren in Thailand. Da kam ich auf eine niedliche Insel unweit von Bangkok: KOH SAMET. Man fühlte sich dort wie in einem Robinson Crusoe Film. Ein Paradis! Nur ein paar Hütten, weisser Strand, einheimische mit Denen man das Abendmahl teilte. Ein Boot fuhr morgens und Nachmittags nach Ban Pe. Danach habe ich öfters einen Abstecher in Koh Samet gemacht. Zuerst verschwanden die Hütten. Am Platz wurden Bungalows aufgestellt. Danach wurde die Insel als National Park erklärt. Das hiess man musste Eintritt bezahlen um dort zu übernachten. Die einheimische Familien wurden vertrieben. Heute ist die Insel nur noch auf Luxus Tourismus eingestellt. Es gibt tolle Anlagen mit Aircon und es fahren viele Boote hin und her.....
Wieso? Der Mensch ist halt da um Geld einzukassieren, um Geschäfte zu machen. Und da kann man leider nichts ändern ob in Namibia oder sonst wo!
Geld verdirbt mit der Zeit die Menschheit....und so entsteht ja auch die Kriminalität.
Schönen Tag
Annick
PIPirnaerGast01. Juli 2009 · #3Hallo jaw,
das ist aus meiner Sicht ein sehr wohltuender Beitrag, da er viele Dinge anspricht ohne gleich die Richtung vorzugeben.
das Problem hier im Forum ist offensichtlich, wenn man jetzt ein Detail aufgreift, geht es natürlich nur in der Richtung weiter.
Das ist aber in jeder Diskussionsrunde so. Ohne Moderator der führt, gehts fast immer in ein Detail, wo es sich festrennt.
Naukluft1'910 Beiträge · seit 200601. Juli 2009 · #4
Das Thema ists WERT! Hab es mal wieder hochgeholt!
Gruss, der K l a u s
Nicht behindert zu sein ist ein Geschenk, welches einem schnell genommen werden kann....... In einem Augenblick! ......
Wer einen Fehler macht und ihn nicht korrigiert, begeht schon den zweiten...
JFJens Frautschy39 Beiträge · seit 200901. Juli 2009 · #5Hallo erstmal aus Tsumeb!
Zunächst möchte ich die beiden Fragen am Ende von jaw's Beitrag mit Ja beantworten.
Ich wohne jetzt etwas mehr als 2einhalb Jahre im Land, und mich würde interessieren, wo jaw ausgebildeten jungen Schwarzen begegnet ist? Ob nun infiziert oder nicht.
Zu Namibia kann ich sagen, das es ein traumhaftes Land ist. Wer mit offenen Augen umher geht, entdeckt an jeder Ecke ein neues Abenteuer. Das Land macht mir jeden Tag neue Freude, und das Lachen mit den Schwarzen, ihr Humor, ist einfach schön. Wenn ich jedoch genauer gewußt hätte, wie die Mentalität der Weißen (Buren) hier ist, wäre ich nicht hierher gezogen. Möchte hier dazu nicht näher ins Detail gehen, mache aber ein Angebot: Jeder, den es interessiert, ist herzlich zu einer Diskussion hier in Tsumeb bei Bier und Grill eingeladen!
Wenn man einige Zeit die schwarze Bevölkerung betrachtet, bleibt für mich nur ein Schluß: Nur wenn die Menschen es schaffen, sich von den meisten Traditionen zu lösen, ist ein Fortbestand denkbar (Lektüre: Bartholomäus Grill: "Ach, Afrika"). Bis vor ein paar Wochen ging unsere Tochter (17) hier zu Schule. Es gibt tatsächlich Lehrer (sw), die behaupten vor der Klasse, Ehen, in denen Männer ihre Frauen schlagen sind glücklicher. Oder: Wenn die Mädchen sich darüber beschweren, daß die Jungs sie angrapschen, ist die lapidare Erklärung, das wären schließlich die normalen Bedürfnisse der Jungs. Eine Lehrerin (sw), klärt über Vergewaltigung auf. Auf die Frage einer Schülerin, was mit Vergewaltigung innerhalb der Ehe wäre, kommt die Antwort: Das gibt es nicht! Eine Frau hat IMMER für die bedürfnisse des Mannes zu sorgen!
Leute, das ist Afrika! Hier von zielgerichteten, aufgeklärten Menschen zu reden - ich weiß nicht. Solche Menschen ernst nehmen? Wohl kaum! Unsere Nachbarn (schwarz) haben keinen Rasenmäher. Der "Gartenpflegebeauftragte" (schwarz) rutscht auf Knien über den Rasen und rupft die zu langen Halme aus. Das ist kein Scherz!!!
Diese Beispiele könnte ich und jeder Einheimische endlos fortsetzen. (s.o. Einladung zu Bier und Grill)
Ich sage, diese Diskussion mit europäischer Denkweise führen ist aussichtslos. Herkommen, und jede Gelegenheit nutzen, mit Einheimischen zu reden. Und glauben was sie sagen!
Nein, ich glaube nicht das Namibia wie Simbabwe endet.
Aber ein Rechtsstaat mit europ. Biederheit - Nein!
LG, Jens
Ach ja, noch was zum Nachdenken: Was ist der Unterschied zwischen einem Rassisten und einem Touristen?
Antwort: 21 Tage!
jawThemenstarter2'048 Beiträge · seit 200701. Juli 2009 · #6Hallo Jens,
das mit der Einladung nehme ich gerne an und freue mich darauf dich kennen zu lernen.
Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
KOkonno1'457 Beiträge · seit 200601. Juli 2009 · #7Haha Jens, das erinnert mich doch an einige fettige Rippen (auf dem Grill aber auch Real ^^ ), die ich Rundu mit Afrikaandern erlebt habe. I am not racist but . . . Ein Großes Plus ist, dass es auch noch viele Deutsche in Namibia gibt (schlagt mich), die ich für viel toleranter halte.
Deine Einstellung einer starren Kultur und deren Regeln will ich dennoch scharf widersprechen, "Rechts"Staaten in Deutschland und den USA sind noch keine 4 Generationen alt !
Des weiteren, lieber Jens kenne ich so einige gebildete Menschen in Namibia und wenn wir nicht nur "westliche Bildung" nehmen, dann kenn ich sogar SEHR viele. Das lokale Wissen über Wälder im Caprivi, über Beweidung im Süden, über soziale Schenkungssysteme im Südwesten . . . . .
Der Rasenpfleger ernährt eine Familie ! der Mäher nicht.
PIPirnaerGast01. Juli 2009 · #8Hallo,
ich finde sehr gut, daß sich hier mal ein Einheimischer aus der Deckung gewagt hat und seine Sicht der Dinge zeigt.
Ich hoffe nur wirklich!!,
daß jetzt nicht wieder versucht wird seine Darstellung als "extrem" oder sonst etwas, abzuwerten.
Ich wünsche mir sowieso, daß die Einheimischen mehr zu Wort kommen.
Wir als Touristen, egal ob oft oder weniger oft im Land, können sowieso nur die Oberfläche sehen. Das wahre Leben spielt sich ab, wenn man dort um seine Existenz ringt.
Das ist in D / Ö / Ch genau so.
Ich könnte auch sagen, Eingeborenen.
Für mich sind nämlich auch "Weiße", die über Generationen da wohnen, Eingeborene.
Viele Grüße
KOkonno1'457 Beiträge · seit 200601. Juli 2009 · #9Generationen von Eintagsfliegen meinst du Pirnaer ? Juhu, ich bin "Einheimischer Namibier" 😉
Paula298 Beiträge · seit 200904. Juli 2009 · #10Hallo jaw,
schade, das es dein Thema nur über einen Tag lang geschafft hat, vielleicht war es einfach zu komplex und die meisten FoMis sind eben als Touris für die schönsten Wochen des Jahres unterwegs, und da ist so manches Thema schwere Kost.
Trotzdem will ich noch antworten, ich fand deinen Beitrag einige Überlegungen wert..
Im Grunde sprichst du für mich zwei große Themen an:
- wohin geht die Entwicklung des Landes und
- wohin ist das Paradies verschwunden?
Zum ersteren kann ich auch nicht das Schlusswort geben: wir werden es in einigen Jahren sehen.Heute wird nicht mehr mit Pauken und Trompeten auf der Landkarte kolonialisiert, es ist ein schleichender Prozeß, in dem Nationen langfristig daran interessiert sind Rohstoffe zu sichern und Absatzmärkte zu erschließen. Du siehst den Import von Billig-Ramsch-Container-Ware, der so langsam dem zarten Pflänzchen einheimische Wirtschaft das Wasser abgräbt, was du nicht siehst sind die Bemühungen hinter verschlossenen Türen, Namibia hat einfach zu wenig Rohstoffe damit dies sichtbarer wäre.
Ein ganz klein wenig vielleicht mit Ostdeutschland nach 89 zu vergleichen, nur das sich dort innerhalb kurzer Zeit der Einheimische mit der blühenden Verlockung der D-Mark hat kaufen lassen. Den Rest konnte man dann unauffällig stillegen. Hier fehlt im Vergleich zu Namibia allerdings der Langzeitfaktor, den wir dann dort erleben werden.
Spätestens wenn weltweit Ressourcen wie Öl und auch Wasser extrem wichtig werden geht es auch dort um mehr.
Ich bin nicht der große Optimist wenn es um weltweite Entwicklung geht..
Deine zweite Frage ist da schon wesentlich greifbarer: wir geben ständig im Laufe unseres Lebens Zustände auf, die uns im Nachhinein paradiesisch erscheinen, denk an deine Kindheit, an deine Jugend - in heutigen Rückblicken war doch fast alles easy und unbeschwert.
Sieh dir nur die Veränderungen im Wohnumfeld an, auch da kann ich alle 10 Jahre große Veränderungen erkennen. Wir waren einmal mit Außenklo und Ofenheizung glücklich, Hauptsache eine eigene Wohnung, heute geht die Schere sichtbar auseinander, wer kann es sich leisten wo zu wohnen. Statussymbole machen Wirkung, je nach Schicht verschieden. Und damit wird auch der Wunsch steigen vom Reichtum des anderen etwas abhaben zu wollen, die Hemmschwelle sinkt. Warum sollte dieser Wunsch in Afrika nicht vorhanden sein, wo wir doch ganz praktisch auch noch vorbeispazieren..?
Materialismus lässt sich besser propagieren wird doch kurzfristiger sichtbar als so mühselige Entwicklungen wie Bildung.
Wer von uns kann sich denn überhaupt Armut vorstellen, nicht wissen wie es weitergeht? Wie viele von uns müssen denn reale Angst vor der Zukunft haben? In der sozialen Hängematte liegend mal rausgucken lassen sich da bestimmt gute Ratschläge erteilen, die helfen nur nicht weiter.
Aus unserer Position heraus bleiben wir Reisende mit mehr oder weniger tiefen Einblicken in den Alltag vor Ort. So wie du bin auch ich schwerstens irritiert von Beiträgen, auch hier im Forum, wo nach einer Gruppenreise schon das Traumland für die baldige Ausreise gefunden sein will.. zu so viel Naivität fällt mir nix mehr ein.
Jeder einzelne von uns versucht auf seine Weise glücklich zu sein, die einen geniessen ganz still den Sonnenuntergang während andere gefragt oder ungefragt ihre Version dessen in die Welt posaunen.
Nur ein Leben lang den Sonnenuntergängen nachzutrauern, die damals viel relaxter waren, bringt dir nich viel. Suche dir einen neuen Ort, eine neue Düne und er wird wieder schön.. vor 30 Jahren warst du doch auch mit einem anderen Equipment und Absicherungen unterwegs.
Zusammenfassend leider meine Meinung: du wirst dein Paradies von 1981 nicht mehr finden..
Falls doch lass mich wissen wo..
An alle die sich die Mühe mit dem Lesen dieses Textes gemacht haben jetzt noch viele Grüße! (speziell von B nach L)
Paula
und als Anhang noch Grüße an Jens in Tsumeb: ich finde deine Blickwinkel aus dem Alltag interessant und würde mir mehr davon wünschen. Wie gut das im Forum ankommt...?
Freiheit ist ein Luxus den sich nicht jeder leisten kann.
Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen wird am Ende beides verlieren.
Jens_Dietzel1'455 Beiträge · seit 200605. Juli 2009 · #11Hallo Jaw,
auch ich bin 1998 das erst eMal nach Namibia gekommen, wiel ich (meine jetztige Frau) Karn in D kennengelern habe. Sie ist dort aufgewachsen (Deutschstämmig). und mit 19 nach D zur Ausbildung gekommen.
Natürlich hat sie mir viel darüber rzählt, wie D in Namibia gesehen wird (etwas wie früher die USA aus deutscher Sicht) und das dann viele Entäuschungen folgten.
Mein erster Eindruck von NAM: Wer Geld hat (und das waren damals auch fast 100% Weiße) wohnt großzügig mit noch großzügigeren Elektr- und Stacheldrahtzäunen und hat ziemloich große Hunde....dann noch den Revolver bei einer Farmerin am Gürtel, die wir an der Tankstelle gesehen haben...
Uff....war ziemlich geschockt. Damals hatte ich auch den meisten Kontakt zur weißen Bevölkerung.
Mittlerweile bin ich in ein paar Tagen zum 8ten Mal in NAM, wir haben mittlerweile einige Schwarze, zu denen sich tolle Freundschaften entwickelt haben. Und das schöne ist, man kann mit ihnen ganz offen über die Gedanken, Wünsche und Erwartungen auf beiden Seiten diskutieren. Dei Aids-Problematik, die man wirklich sieht. Es gibt viele Alte und Kinder, dazwischen dünnt es aus. Das sieht man wirklich!
Wir werden nächstes Jahr dorthin auswandern und das mit einem guten Gefühl.
Ich lebe noch nicht dort, es gibt dort sicher genauso Probleme wie hier in D, aber es sind andere. Mal sehen.
Aber was sieht der "normale" Tourist?
Der landet, holt gleich sein Mietauto oder wird vom Shuttle-Servie des Autovermieters nach Windhoek gebracht. Schnell noch einkaufen (mit Vorsicht bis Angst) nach den letzten Berichten über Überfälle) und nix wie weg in die namibische Weite. Manche machen Lodge-Hopping, andere mit Dachzelt. Der meist einzige Kontakt zu Schwarzen: Rezeption (wenn überhaupt), Bedienung, Zimmerservice, Parkboy, Polizei beim Roadblock...) DAS WAR ES!
Und mit denen maximal ein bisschen Smalltalk.
Die Promilles, die sich mal Katutura ansehen, und dann der Bruchteil von denen, die das nicht noch aus dem vollklimatisierten Bus machen, sondernsich mal wirklich mit den dort lebenden unterhalten, das ist fast nix. Hier im Forum gibt es ja einige, die sich sehr aktiv bei Hilfsprojekten betätigen, aber die Masse ist das nicht.
Der Normaltourist lebt doch dort im Urlaub in einer kleinen heilen Welt, aus der er höchstens bei einem Diebstahl oder Überfall gerissen wird.
Aber dann maßt sich jeder an, Namibia und seien Menschen zu kennen und sein Urteil mit Kriminalität, usw. abzugeben.
Schau doch die Leserbriefe in der AZ an. Stell Dir mal vor, in NAM würde jemand die Berliner Zeitung lesen (wo es dann vermutlich auf der vorletzten Seite stehen würde), da wurde jemand überfallen und es würde Leserbriefe aus NAM hageln, das Berlin nicht sicher sei und man sich überlegen müßte, dort überhaupt hin zu fliegen...UNVORSTELLBAR!
Namibia ist noch jung. Die Unabhängigkeit ist noch relativfrisch und das Land verändert sich. In den letzten 10 Jahren (zumindest in meinen Augen) nicht negativ. Natürlich werden Fehler gemacht, die Deutschland schon lange hinter sich hat. Aber was soll's?? Afrikanische Länder haben auch nicht die politische Stabilität wie die in Europa. Das ist das einzige, was in meinen Augen etwas unberechenbar ist. Aber die Schwarzen sind auf einem guten Weg und werden hoffentlich die Zukunft GEMEINSAM mit den Weißen planen und erleben.
Ob Namibia jemals ein Paradies war? Ich weiß es nicht. Für Urlauber eher. Der Tourismus ist die wachsende Wirtschaftskraft. Viele wollen daran partizipieren. Nicht nur die staatlichen Camps werden teurer. Über das Preis-Leistungs-Verhältnis muß jeder selbst entscheiden. Mir wäre Wolwedans auch zu teuer, für das Geld einer Übernachtung hänge ich noch 3-4 Wochen Urlaub dran. Aber jeder wie er will. Nur in 90% der Fälle fließt dieses Mehr-Geld in die Taschen von Weißen, die zum Teil auch noch in D leben.
Ich hoffe für die Zukunft, das zumindest einige Schwarze nicht durch Aids aus dem Leben gerissen werden, eine gute Ausbildung machen Ihr Geld nicht als Baurabeiter, Gärtner oder Hausmädchen verdienen.
Warum versagen denn so viele Ideen der Landreform. Warum machen die meisten Schwarzen "niedrige" Aushilfstätigkeiten? Weil die Bildung fehlt. Oft will die obere Schicht das auch nicht. Wer ungebildet ist hört leichter auf Parteiparolen, ist keine Konkurrenz.
Und wer arm ist (und das hat keiner von uns deustchen Touristen je erlebt, wenn er nach NAM fliegt) sieht nur die REICHEN Touristen mit ihremn ganzen Krempel. Ich bin absolut gegen Kriminalität, aber wenn ich mir vorstelle, ich wäre Vater von 4 hungrigen Kindern, dann habe ich ein bisschen Verständnis für Diebstähle. Ich weiß nicht, wie ich in der Situation handeln würde. Bei der Arbeitslosigkeit und dem Bildungsstand werden die Alternativen sehr dünn...
Das ist alles subjektiv, trotzdem gehen wir nach NAM.
Ich wünsche dem Land und seinen Einwohnern alles gute für die Zukunft, ab nächstes jahr bin ich ein Teil davon und werde versuchen, meinen Beitag dazu zu leisten!
Euch noch einen schönen Sonntag!
Jens
JFJens Frautschy39 Beiträge · seit 200905. Juli 2009 · #12Hallo Jens!
Na, da haben wir nicht nur den Vornamen gemeinsam. Auch ich habe mich in eine Namibianerin verliebt und habe sie vor 2 Jahren zurück in die Heimat begleitet.
Ich möchte Dir hiermit ganz öffentlich sagen, daß ich Deine Sicht des Landes und der Menschen zu 100% teile. Genau so ist es!
Obwohl ich an einigen Stellen etwas weiter gehen würde und noch mehr Verantwortlichkeit der Mißstände in der Führungselite des Landes, aber vor allem in den total überholten Traditionen sehe.
Aber auch Verantwortlichkeit bei den "Gutmenschen" sehe, die durch ihr im Urlaubsgepäck ganz oben liegendes schlechtes Gewissen dafür sorgen, daß wenn man nur penetrant genug darauf hinweist, daß Afrikas Misere ausschließlich auf den Kolonialismus zurückzuführen ist, auf jeden Fall Geld fließt!
Noch kurz ein Wort zur Bildung:
Unsere Tochter hat hier in Tsumeb für fast drei Jahre eine Regierungsschule besucht. Es war mehr als deutlich, daß eine aufgeklärte, traditionell losgelöste, weltoffene Jungend seitens der Regierung überhaupt nicht gewünscht ist.
LG, (auch) Jens
WOWoMaGast05. Juli 2009 · #13@Paula:
sehr guter Beitrag, deine Meinung teile ich voll und ganz.
@Jens & Jens:
Freue mich sehr dass wir die Lage gleich einschätzen. Da brauch ich nichts mehr hinzufügen.
@Jens in D (noch):
Freu dich ruhig auf dein Leben hier. Wir genießen es sehr hier zu sein! Und wir freuen uns unsererseits auf Leute die hier noch etwas bewirken wollen 🙂
@Jens in Tsumeb:
Wenn wir das nächste Mal in Tsumeb sind, würden wir gerne mal vorbei kommen und ein bisschen quatschen 😉 . Ebenso seid ihr herzlich eingeladen uns in Windhoek zu besuchen, wir würden uns freuen!
liebe Grüße
Maxi
Elchontherun1'250 Beiträge · seit 200905. Juli 2009 · #14Hallo Maxi,
schön, Du warst schneller als ich:)
Zwar sind wir in Namibia auch nur "normale" Touristen, aber wir denken genauso, wie es hier von Jens und Jens beschrieben wurde! Inzwischen kennen wir einige Leute dort und haben sogar Freunde gefunden. Durch viele Gespräche haben wir schon einen kleinen Einblick in das Land, abseits der üblichen Touristenpfade......
Jeden, der nach Namibia auswandert, können wir nur beglückwünschen und alles Gute wünschen (wenn wir jünger wären, würden wir es genauso machen!!).
Schönen Sonntag,
U.
JFJens Frautschy39 Beiträge · seit 200905. Juli 2009 · #15Wie alt muß man sein, um einen Traum aufzugeben?
Elchontherun1'250 Beiträge · seit 200906. Juli 2009 · #16Hallo Jens,
das war dann wohl etwas missverständlich ausgedrückt 🤨
Es war nie unser "Traum" (dazu kennen wir das Land viel zu kurz, seit 5 Jahren).
Ich meinte damit lediglich, dass wir es uns vielleicht überlegt hätten, wenn wir das Land 20 oder 25 Jahre früher kennengelernt hätten.
Jetzt haben wir viel Zeit und können unsere 3 Monate im Jahr für Namibia voll nutzen - und das tun wir auch und finden es ganz wunderbar!
Viele Grüße,
U.
Joerg3'175 Beiträge · seit 200606. Juli 2009 · #17Hi Elchontherun!
Kann Dir nur sagen, dass es normalerweise mit zunehmendem Alter viel einfacher ist nach NAmibia zu gehen.Wenn man natuerlich "DIE" Vorraussetzung: genuegend Rente zu haben erfuellt.
Gruss
Joerg
Es gibt NIX, das es nedd gibt
Joerg3'175 Beiträge · seit 200606. Juli 2009 · #18Hi @ All!
Das Thema, das jaw angesprochen hat ist ein sehr interessantes und vielfaeltiges Thema.
Es scheint ja auch ein ein grosser Konsennz zu herrschen, den ich allerdings darauf zurueck fuehre, dass die hier zu Wort gekommenen alle aus D kommen.
Ich habe bis jetzt, so weit ich das beurteilen kann, hier, weder einen Eingeborenen(=alle in Namibia geborenen,Hautfarbe unerheblich) noch einen Einheimischen(=Angehoerige einer Bantu- bzw. Khoisansprachgruppe) sich zu Wort melden gesehen.
Das waere doch mal interessant diese Leute zu hoeren/lesen.
Schliesslich bin ich ja auch nur ein "Gerrykop" aus "Gerryfontein".... 😉
Mangelnde Bildung ist bestimmt eine der Hauptursachen aller Probleme, aber auch gebildetste und im Wohlstand lebende Lebende Menschen wurden und werden wieterhin zu Kriminellen....
Gruss
Joerg
Es gibt NIX, das es nedd gibt
Elchontherun1'250 Beiträge · seit 200906. Juli 2009 · #19Hallo Joerg,
ja, die Voraussetzung mit der Rente wäre nicht das Problem. Allerdings der Standort; in einer Stadt würden wir nicht wohnen wollen. Für "betreutes Wohnen" ist es noch ein bisserl zu früh.....;)
Was wäre dann die Alternative??
Joerg3'175 Beiträge · seit 200606. Juli 2009 · #20kannst mir gerne eine mail schicken nach joergseufert@yahoo.de
Kann dir einige Moeglichkeiten aufzeigen wenn du moechtest?
Schreib mir einfahc mal was Du Dir/Ihr Euch so vorstellst/en wuerde(s)t!
Gruss
Joerg
Es gibt NIX, das es nedd gibt